Süskind, Patrick - Das Parfum


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
4 Seiten, Note: 1

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Auf einem Fischmarkt in Paris kommt 1738 Jean-Baptiste Grenouille zur Welt. Seine Mutter nabelt ihn wie schon bei vier Geburten zuvor unter dem Tisch ab und lässt das Frischgeborene, das sie sowieso für eine Totgeburt hält, zwischen Fischabfällen zurück um sich waschen zu gehen. Doch die Totgeburt erweist sich als äußerst lebendig, da sie laut zu schreien beginnt. Als der kleine Bub unter dem Tisch hervorgeholt wird, bedeutet dies das Todesurteil für seine Mutter, die wenig später gehängt wird.

Der kleine Junge wird schon in den ersten Monaten seines Lebens von Amme zu Amme weitergereicht, weil er angeblich sehr verfressen, gierig, abstoßend sei und außerdem keinen Geruch besitze, er rieche nach gar nichts, was als schrecklich unangenehm empfunden wird.

Die Amme Jeanne Bussie übergibt ihn schließlich Pater Terrier, der sich um das Kind weiterhin kümmern sollte. Dieser aber versucht wie alle anderen Personen zuvor schon, ihn möglichst schnell loszuwerden; was ihm schließlich gelingt. Grenouille verbringt seine ersten acht Lebensjahre bei Madame Galliard, einer gefühlslosen, absolut gerechtigkeitsliebenden und geruchslosen Person. Diese merkt bald, dass an dem Jungen irgendetwas merkwürdig war; er könnte Menschen schon vor ihrer Ankunft „sehen“, fand sich im Dunkeln ohne jede Angst zurecht und konnte durch Mauern „blicken“.

Jegliche Abnormalitäten führt M.Galliard auf übernatürliche Kräfte zurück, in Wirklichkeit ist Grenouilles perfekt ausgeprägter Geruchssinn die Ursache dafür. Er lebt in einer ganz von Gerüchen bestimmten Welt, er sieht mit der Nase und beginnt schon im frühen Kindesalter sich alle Gerüche genauestens einzuprägen. Da alles, was nicht für seine Nase ergreifbar ist und sich außerhalb des Bereichs seiner Aufmerksamkeit befindet, ihn kaum berührt, bleibt auch seine Sprache sehr holprig sein ganzes Leben lang.

Im Alter von acht Jahren brachte ihn Madame Galliard zu dem Gerbermeister Grimal, bei dem er von nun an die zähsten, anstrengendsten und härtesten Arbeiten verrichten musste. Doch er war widerstandsfähig. Obwohl er gehalten wird wie ein Arbeitstier, übt er nicht ein einziges Mal Kritik aus, sondern unterwirft sich vollständig. Dies verhalf ihm später zu mehr Wertschätzung Grimals, der ihm etwas freie Zeit gönnte, die er dafür nützte, seine Sammlung an in seinem Gedächtnis verankerten Gerüchen zu erweitern. Er begibt sich auf eine richtige Jagd nach Gerüchen, auf der ihm eines Tages auch ein außergewöhnlich feiner und leichter Duft unterkommt, der ihn anzieht und den er unbedingt besitzen muss. Also folgt er dem Duft, der ihn bis zu einem jungen Mädchen, das er vom Willen des Besitzens getrieben erwürgt und dem Körper jeglichen Duft aussaugt.

In diesem Moment begreift Grenouille endlich, was er wirklich sei: ein Genie, ein Schöpfer der Gerüche, der größte und genialste Parfumeur, den es jemals gegeben hatte. Der Mord am Anfang dieser Erkenntnis war ihm völlig gleichgültig. Fasziniert von dem Geschäft des Parfumers Baldini fragt er eines Tages, als er eine Bestellung von Grimal dort abgibt, ob er nicht das Parfum >Psyche und Amor< zusammenstellen dürfe.

Baldini, der eigentlich gar kein richtiger Parfumeur ist, sondern die Rezepte für seine einzigen beiden Erfolgsparfums vererbt bekommen und erkauft hatte, und dem nichts bis auf einen heruntergekommenen Ruf geblieben war, willigt schließlich ein und lässt Grenouille darauf loswerken. Zu seinem völligen Erstaunen schafft es der Junge tatsächlich, die exakte Mischung herzustellen und es noch zu verbessern. Baldini ist absolut begeistert von seinem Talent und stellt ihn sofort ein. Nun beginnt Grenouille die größten Erfolgsparfums zu kreieren und verhilft seinem Herren zu großem Reichtum. Er erlernt die Kunst der Herstellung von Parfums und das Destillieren.

Schließlich lässt ihn der nun schwerreiche Parfumeur endlich davonziehen, denn er will sich auf den Weg nach Grasse machen, um in jener Stadt noch weitere Methoden der Duftstoffgewinnung zu erlernen.

Auf dem Weg nach Grasse beginnt er den Geruch der Menschen zu meiden und zieht sich schließlich in völliger Einsamkeit in eine Höhle auf einem Berg zurück. Er lebt in seinem „inneren Imperium“, das er in einem Traumzustand erschafft, sieben Jahre lang in absoluter Bescheidenheit in der Höhle. Ein Alptraum, der ihm bewusst macht, dass er selbst keinen Geruch besitzt, lässt ihn zu dem Entschluss kommen, wieder in die Menschenwelt zurückzukehren.

Als menschliches Ungeheuer wird Grenouille von einem Adeligen namens Marquis de la Taillade-Espinasse aufgenommen, dessen Leidenschaft die Wissenschaft ist und dieser in dem verwahrlosten Wesen das perfekte Versuchstier für den Beweis seines Vitalitätsfluidums sieht. Er macht aus Grenouille wieder einen Menschen und lässt ihn auch in einer Parfümerie einige Stunden an einem Parfum werken. Dort gelingt es Grenouille zum ersten Mal den Menschengeruch zu imitieren, mit dem er sofort merklichen Erfolg hat.

Als ihm dann der Rummel um sich selbst zu viel wird, verschwindet er eines Morgens vom Hof des Marquis und begibt sich auf den Weg Richtung Grasse.

In der Stadt Grasse, die als Produktions- und Handelsmetropole von Duftstoffen bekannt ist, begegnet Grenouille wiederum diesem außergewöhnlich bezaubernden Duft. Er strömt von einem jungen Mädchen aus, das sich hinter dicken Mauern eines reichen Hauses befindet. Von dem Duft völlig ergriffen und bezaubert, beschließt G. den Duft erst in zwei Jahren zu „ernten“, wenn er in voller Blüte steht und er selbst die passende Methode dafür gefunden hatte.

Er findet Arbeit bei Madame Arnulfi, Witwe eines Parfumers, die ein kleines Unternehmen führt. Durch seine Aufopferung und Hingabe erlangt G. schon bald freie Hand darüber, was in der Parfümerie zu geschehen hatte. Er erlernt die Methode der Duftstoffgewinnung durch die Mazeration von Stoffen. Er beginnt die verschiedensten Düfte zu kreieren, die er wie Kleider wechselt und die Menschen somit vollkommen täuschen kann. Seine Leidenschaft ist immer noch die subtile Jagd auf Gerüche.

Auch die Mazeration wendet er für die verschiedensten Stoffe an und experimentiert schließlich auch mit Lebewesen, bis es ihm endlich gelingt, einem Hund die duftende Seele zu rauben. Dies ist der Ausgangspunkt von dem er jetzt aus zu arbeiten begann. Sein Ziel ist es ein Duftdiadem, bestehend aus den besten, verführerischsten und schönsten Düften der Welt zu erschaffen, das jeden in den Bann ziehen sollte.

Was er begehrte, war der Duft gewisser Menschen: jeneräußerst seltenen Menschen nämlich,die Liebe inspirieren. Diese waren seine Opfer.

Von diesem Zeitpunkt an geschehen grausame Morde an den schönsten Mädchen der Umgebung, die ohne Haare und nackt gefunden werden. Trotz Ausgangssperren, Kontrollen und die Jagd auf den Täter reißt die Mordserie nicht ab. Insgesamt 24 Morde sind begangen worden, als endlich die Morde aufhören und wieder Ordnung in die Stadt Grasse einzukehren scheint.

Doch ein Mann namens Antoine Richis, zweiter Konsul der Stadt und Vater der wunderschönen Laure lässt sich von dieser Ruhe nicht trügen. Er beschließt, seine Tochter aus der Stadt zu bringen und sie so vor einem Anschlag zu schützen. Seine Flucht jedoch wird von Grenouille sofort bemerkt und er folgt Richis und seiner Tochter nach. Richis wiegt sich in Sicherheit, muss jedoch am nächsten Morgen auch seinen eigene Tochter tot, nackt und kahl auffinden. Er schwört Blutrache an dem Täter, den man diesmal auch ohne jeden Zweifel entlarven kann. Schon am nächsten Tag soll Jean-Baptiste Grenouille hingerichtet werden. Die Hinrichtung wird als Volksfest inszeniert, an dem Massen von Menschen teilnehmen.

Dort in der Mitte der Öffentlichkeit tritt Grenouille zum ersten Mal sein vollendetes Parfum tragend auf. Die Reaktion ist atemberaubend, die Volksmasse beginnt im Liebesrausch eine Orgie bis in die Extasse zu feiern.

Sogar Richis ist vom Duft jenes Parfums derart benebelt, dass er Grenouille sogar anbietet, sein Sohn zu werden.

Grenouille erkennt, dass er erreicht hatte, was er immer schon ersehnt hatte: Macht, Verehrung, Vergötterung, Liebe. In diesem Moment aber steigt all der Hass und der Ekel vor der Menschheit wieder in ihm auf, denn er sieht, dass er in der Liebe der Menschen nie seine Befriedigung finden würde sondern nur im Hassen und Gehasst werden.

Weil es ihm unerträglich geworden ist, sein Leben weiter zu führen, begeht er den mit Abstand originellsten Selbstmord aller Zeiten! Er geht 1767 zurück nach Paris, um sein Parfum über sich selbst zu schütten und dann von Verbrechern, Mördern und Gesindel, die zu Kannibalen werden, aufgefressen zu werden.

Auf ihren Gesichtern lag ein mädchenhafter, zarter Glanz von Glück. Daher vielleicht die Scheu, den Blick zu heben und sich gegenseitig in die Augen zu sehen. Als sie es dann wagten, verstohlen erst und dann ganz offen, da mussten sie lächeln. Sie waren außerordentlich stolz. Sie hatten zum ersten Mal etwas aus Liebe getan.

Interpretation

Eines der wichtigsten Themen, die dieses Buch behandelt, ist die anscheinend so leicht durchzuführende Manipulation der Menschen. Wie im Buch dargestellt, war damals im 18.Jhd im stinkenden Paris die Aufnahme von Eindrucken des Menschen schon total auf das Visuelle fixiert. Heute übertrifft die visuelle Informationsübertragung alle anderen Arten. Die Welt ist von flimmernden, grellen, bunten, in allen Formaten gedruckten, schockierenden, berührenden, belanglosen, übersteigerten Bildern überflutet, hat somit unsere anderen Möglichkeiten der Sinneswahrnehmung verkümmern lassen und unsere visuelle Wahrnehmung schließlich extrem abgestumpft.

Und genau dieses Unbewusstsein der Menschheit nützt Grenouille aus, um die Menschen nach seinem Willen zu manipulieren. Anfangs ist es sein einziger Wunsch, die Liebe der Menschen zu gewinnen; ein sehr altes und vielbehandeltes Thema. Und als ihm das mit Hilfe eines „primitiven“ Duftes, einem Parfum auf sehr umständliche Weise schließlich gelingt, muss er feststellen, dass dies ein rein narzisstisches Verlangen war, das seinem Charakter gar nicht gleich kommt, da er sich selbst in der Rolle des verderbenbringenden Genies sieht; sein Leben war von Hass, Ablehnung, Ekel und Unehrlichkeit bestimmt. Als einzigen Ausweg aus seiner eigenen Unzufriedenheit, seinem Frust sieht er den Selbstmord, den man schon als spektakulär bezeichnen darf.

Patrick Süskind versucht in diesem Buch seinen Leser in das uns unbewusst empfundene Reich der Gerüche zu entführen. Er lenkt die ganze Aufmerksamkeit des Lesers auf die äußerst detailliert ausformulierte, subtile Beschreibung der Düfte und Gerüche, die einem in diesem Buch andauernd unterkommen. Es ist faszinierend, wie seine Schilderungen unsere Sinne (speziell der Geruchsinn)alleine durch das Lesen dieses Buches angesprochen werden. Er besitzt eine sehr gespreizt anmutende, antiquitierte, verführerische Sprache.

Ein Zusammenhang, der zu erwähnen wäre, ist die Tatsache, dass Grenouille, der Sprache selbst kaum mächtig, zitiert wird, obwohl die verwendete Sprache nicht seinem Sprachgebrauch entsprechen kann. Dies verweist auf den Versuch des Autors weg vom akustischen, sprachlichen Informationsaustausch, seine Aufmerksamkeit alleine der Gedankenwelt des Protagonisten zu widmen.

Johanna Waldmann Dez.2000

4 von 4 Seiten

Details

Titel
Süskind, Patrick - Das Parfum
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
4
Katalognummer
V100651
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Süskind, Patrick, Parfum, Thema Das Parfum
Arbeit zitieren
Johanna Waldmann (Autor), 2001, Süskind, Patrick - Das Parfum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100651

Kommentare

  • Gast am 15.5.2001

    Hoffnung.

    Ich hoffe, dass es brauchbar ist, sonst bin ich morgen gearscht!

  • Gast am 28.5.2001

    ja koreckt.

    du hast nicht nur susi gerettet sondern auch mich

  • Gast am 30.5.2001

    Hoffen wir das es bei mir auch was hilft.

    Hoffnung!!!

    Danke ich wünsche noch einen schönen Tag

  • Gast am 13.12.2001

    Das Parfum.

    endlich mal eine Unterteilung in Kapitel!

  • Gast am 21.1.2002

    Gute Interpretation.

    Ich finde deinen Interpretationsansatz sehr gelungen. Leider nicht mehr Zeit um hier was hinzuschreiben!
    Gruß

  • Gast am 15.8.2002

    nicht schlecht, sogar sehr gut.

    Hut ab!
    super Arbeit!

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