Motivationale und emotionale Unterschiede im ehrenamtlichen Engagement. Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen


Hausarbeit, 2021

55 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 DefinitionEhrenamt
2.2 Begriffsklärung ASB-Wünschewagen

3 Qualitative Forschung
3.1 Theoretische Vorüberlegung
3.1.1 Aufarbeitung des Standes der Forschung
3.1.2 Integration theoretischer Vorüberlegungen: Hypothese
3.1.3 Methoden der qualitativen Forschung
3.1.4 Leitfragen und Forschungsfrage
3.2 Planung ,Forschungsdesign‘
3.3 Wahl der Erhebungsmethode
3.3.1 Fokussiertes Interview mit narrativen Anteilen
3.4 Erstellung des Interviewleitfadens
3.5 Durchführungsphase

4 Datenauswertung und Analyse
4.1 Erläuterung der Forschungsmethodik
4.2 Die Auswahl der Interviewpartner
4.3 Kategorienbildung und Kodierung
4.4 Auswertung und Reflexion der Interviews
4.4.1 Persönliche Motive für das EA mit Sterbenden
4.4.2 Primäre Motivation/Hauptmotiv für die Begleitung Sterbender
4.4.3 Emotionen bei der Begleitung Sterbender
4.4.4 Motivationale Unterschiede zu anderen Ehrenämtern
4.4.5 Emotionale Unterschiede zu anderen Ehrenämtern
4.5 Qualitative Interpretation - Ergebnisse und Empfehlungen
4.6 Motivationale und emotionale Unterschiede „Merkmal Geschlecht“

5 Fazit

Anhang
Anhang I Leitfaden zum Interview
Anhang II Transkription der Interviews
Anhang III Kodierung / Kategoriensystem
Anhang IV Auswertung: Motivationsverlust/Niederlegung des EA

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Kodierungstabelle

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Ehrenamtliches Engagement nimmt gesamtgesellschaftlich betrachtet einen großen Stellwert ein und ist somit ein wichtiger Bestandteil unserer demokratischen Gemeinschaft. Mit ca. 31 Millionen Menschen, die in ihrer Freizeit einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen, zählt Deutschland zu den Ländern mit überdurchschnittlich hohem bürgerlichem Engagement. (FWS, 2020). Das entspricht etwa einem Drittel der Bundesbürger, die ehrenamtlich tätig sind (v. Rosenbladt, 2000). Bereits mehr als 40% der über 14-Jährigen engagieren sich, das entspricht 15% mehr als noch vor 15 Jahren. (FWS, 2020). Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, stützen einen wichtigen Teil unserer Gesellschaft, denn viele Kommunen, Städte und Gemeinden sind auf die freiwillige Arbeit engagierter Menschen angewiesen. Das gesellschaftliche Leben und das Wohlergehen einzelner Menschen würde - ohne bürgerschaftlichen Einsatz - Nachteile erfahren und Lücken in der Versorgung oft durch Ehrenamtsarbeit geschlossen werden können. Obwohl Ehrenamt unentgeltlich - ohne monetären Ausgleich - ist, gibt es Menschen, die sich für dieses freiwillige Engagement entschließen. Die Zahl der aus eigener Initiative im Ehrenamt Tätigen ist in den letzten fünfzehn Jahren stark angestiegen. Während im Jahr 1999 es 38,7 % der Engagierten, sind es im Jahr 2014 dagegen bereits 47,2 Prozent (Müller et al., 2017). Die Gründe, warum Menschen freiwillig ,karitativ‘ arbeiten sind unterschiedlich wie vielfältig. Empirische Studien zum bürgerschaftlichen Engagement bestätigen, dass manche Menschen eher die Gelegenheiten und Ressourcen besitzen, sich zu engagieren, als andere. In vergangenen Befragungen der letzten Jahrzehnte wurde deutlich, dass Geschlecht, Alter und Bildung sowie das soziale und kulturelle Umfeld eines Menschen einen großen Einfluss haben (Wilson & Musick, 1998). Deutlich wurde auch, dass die Motive von EH vielfältig sind. Für EA spielen sowohl egoistische wie auch altruistische Motive eine Rolle. Altruistische Motivation basiert auf dem primären Ziel, der Person in Not zu helfen. (Küpper & Bierhoff, 1999) Viele Menschen sind engagiert, weil sie anderen helfen möchten, ihnen die Tätigkeit Freude bereitet, sie Menschen treffen können, aber auch weil sie Qualifikationen erwerben möchten. (Haumann, 2014)

1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

Da EA die freiwillige und unentgeltliche Tätigkeit von Menschen umfasst, stellt sich die Frage nach Motiven für das Engagement. In dieser Arbeit soll herausgefunden werden, welchen Motiven Menschen im EA folgen. Befragt werden Menschen, die sich beim ASB-Wünschewagen für Sterbende Menschen freiwillig engagieren. Unter Punkt 2 werden die theoretischen Hintergründe genauer beleuchtet. Dabei werden Definitionen sowie relevante Begriffe geklärt, die für eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Motiven des Ehrenamts bedürfen. Unter Punkt 3 werden theoretische Vorüberlegungen sowie das methodische Vorgehen der Planungs- und Durchführungsphase dargestellt. Anhand bereits gewonnener empirischer Untersuchungen wurde ein Leitfaden für die Interviews entwickelt, der in Kapitel 3 thematisiert wird. Aufgedeckt werden sollen individuelle und persönliche Motive, warum EH sich insbesondere für die Zielgruppe „schwerstkranke und sterbende Menschen“ zu begleiten, engagieren. Die Hausarbeit soll verdeutlichen, welche Motive EE mit Sterbenden bedingt. Die Interviews werden basierend auf einem Leitfaden geführt, damit wichtige Fragen im Interview-Geschehen bei der Auswertung nicht unberücksichtigt bleiben. Anschließend werden diese mittels der Kodierung ausgewertet. Die Ergebnisse werden im Kapitel 4 analysiert. Im Fazit unter Punkt 5 gibt es eine Zusammengefasst unter kritischer Würdigung.

2 Theoretischer Hintergrund

Zu Beginnjeder Forschungsarbeit bedarf es /theoretischen Vorüberlegungen/ Dazu gehört auch die Klärung von dazugehörenden Definitionen und Grundbegriffen. Hierfür werden nun ,Ehrenamt‘ und ,ASB-Wünschewagen‘ definiert und zum besseren Verständnis erläutert

2.1 Definition Ehrenamt

Es gibt zahlreiche Termini für das freiwillige, nicht bzw. nur marginal entlohnte, außerfamiliäre Tun von Menschen: Ehrenamt, ehrenamtliches Engagement, bürgerschaftliches Engagement, Bürgerarbeit, Freiwilligenarbeit, ehrenamtliche Arbeit, Bürgerengagement (vgl. Berghofer 2011, S. 12). „Sich ehrenamtlich zu engagieren bedeutet, für eine Organisation freiwillig und ohne Vergütung Arbeit zu leisten. Dies kann verschiedene Gründe haben.“ (Deutsches Ehrenamt, 2020)

2.2 Begriffsklärung ASB-Wünschewagen

Als soziale Organisation erfüllt der Arbeiter-Samariter-Bund Sterbenden letzte Wünsche unter dem Motto „Wünschewagen - letzte Wünsche wagen“. Dafür wurden in Deutschland spezielle Krankentransportwagen mit der bestmöglichen medizinischen Ausstattung entwickelt, die seit 2014 in mittlerweile in fast allen Bundesländern im Einsatz sind. Deutschlandweit konnten rund 1.800 ehrenamtliche Wunscherfüller des ASB bislang mehr als 2.000 Wünsche wahr werden lassen. Das Angebot wendet sich an Menschen jeden Alters. Alle Fahrten mit dem ASB-WüWa sind für den Fahrgast sowie einen Angehörigen kostenfrei. Finanziert wird dieses nicht alltägliche Projekt ausschließlich über Spenden, rein ehrenamtliche Mitarbeit und ASB-Eigenmittel. Entstanden ist das Projekt WüWa 2014 beim ASB-Regionalverband Ruhr nach niederländischem Vorbild.

3 Qualitative Forschung

Das Bestreben der qualitativen Forschung ist die Auseinandersetzung und Ergründung vergangenheits- oder gegenwartsbezogenen Verhaltensweisen, Perspektiven und Handlungslogiken von Akteuren in ihrem Umfeld. Insbesondere sollen dabei Motive und Einstellungen untersucht werden (Magerhans 2016, nach Weis/Steinmetz 2008) um Verständnis und möglichst auch neue Erkenntnisse zu erlangen. Bei der qualitativen Forschung erfolgt die Erkenntnisgewinnung über den induktiven Weg. Es wird vom Besonderen auf Allgemeines geschlossen. Zuerst werden Daten mittels nicht standardisierter Instrumente erhoben, die anschließend interpretiert werden. Abschließend werden darauf basierend, zu dem zu untersuchenden Sachverhalt, Hypothesen aufgestellt (Brühl 2006, S. 183). Diese Art der Forschung eignet sich, um Beurteilungskriterien zu ermitteln, aber auch um Folgemaßnahmen ableiten zu können.

3.1 Theoretische Vorüberlegung

3.1.1 Aufarbeitung des Standes der Forschung

Stand der aktuellen Forschung ist, dass die Motive ,Spaß, Sinnfindung, freiwillige Helfer, Beitrag für die Gesellschaft, Gemeinschaftserfahrung, Pflichterfüllung, Selbstverwirklichung und religiöse Motive‘ Menschen dazu bewegt ein Ehrenamt auszuführen. (FWS, 2018). Diese Ergebnisse stammen aus Befragungen des FWS, der als repräsentative telefonische Befragung zum freiwilligen Engagement in Deutschland, die aus Mitteln des BMFSFJ gefördert wird, gilt. Es handelt sich um die größte Studie zum freiwilligen und ehrenamtlichen Engagement in Deutschland. Die Daten wurden bislang viermal erhoben. Seit 1999 werden alle 5 Jahre neue Daten erhoben und veröffentlicht. Bei der beruflichen Stellung zeigen sich im Vergleich der Befragung des dt. FWS meist keine genderspezifi- schen Unterschiede.

3.1.2 Integration theoretischer Vorüberlegungen: Hypothese

„Mit den theoretischen Vorüberlegungen und Entscheidungen wird Wissen akkumuliert, dass für die empirische Untersuchung nützlich ist. Das Vorwissen muss in Form statistisch prüfbare Hypothesen über Zusammenhänge zwischen variablen organisiert werden.“ (Gläser & Laudel, 2010 S. 77) Zwar wird auch der qualitativen Sozialforschung vorgeschlagen, Hypothesen zu formulieren (Meinefeld, 2007 S. 77), diese habenjedoch eine andere Funktion. Sie können die empirische Erhebung und Auswertung anleiten, weil sie Erkenntnisinteresse und damit die ,Forschungsfrage‘ detaillieren. Sie explizieren die Vorannahmen des Forschers, die einen Einfluss auf die Untersuchung haben. (Glä- ser/Laudel, 2010 S. 77) Anhand der bereits existierenden Studienergebnisse beschäftigt sich diese Forschungsarbeit mit den Motiven für ein Ehrenamt mit einer speziellen Zielgruppe, hier „Schwerstkranke und Sterbende Menschen“. Herausgefunden werden soll, ob das Engagement aus einer Combination von Motiven‘ besteht oder möglicherweise ,primäre Motivation bzw. ,Hauptmotive‘ deutlich werden. Auch emotionale und motivationale Unterschiede im Vergleich zu einem „normalen Ehrenamt“ sollen deutlich werden.

Die Hypothese das „Motivationale und emotionale Unterschiede in der EM mit schwerst- kranken und Sterbenden Menschen“ im Vergleich zu normalem Ehrenamt bestehen, soll untersucht werden. Hierfür sind die Variablen „Motivation“ und „Emotion“ maßgeblich. Untersucht und geprüft wird, ob die ,Motive im EA mit Sterbenden‘ sich mit den Motiven normaler Ehrenamtsarbeit - sprich freiwilliges Engagement mit Menschen die nicht so ein schweres Schicksal tragen - decken oder andere Motive benannt und deutlich werden. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass im Interview durch eine offene Erzählweise ,biografische Informationen oder auch ,verborgene Motive‘ deutlich werden, die maßgeblich daran beteiligt sind, warum Menschen sich für Sterbende engagieren und diesen möglicherweise auch unbewusst folgen. Diese Motivationen können Rückschluss geben, warum EE meist über viele Jahre ein fester Bestandteil des Lebens bleibt oder welche Gründe für einen Motivationsverlust sorgen und schlussendlich zu einer Niederlegung des EA führen.

3.1.3 Methoden der qualitativen Forschung

Die qualitative Forschung kann mittels verschiedener Methoden durchgeführt werden. Zum einen ist eine Einzelfallstudie möglich. Dabei handelt es sich um einen Forschungsansatz, bei dem ein Fall „hinsichtlich möglichst vieler Dimensionen [...] über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet, analysiert und beschrieben“ (Kromery, S. 320, zit. nach Ostermann, 2015, S. 156) wird. Zudem gibt es die Möglichkeit, eine Gruppendiskussion durchzuführen. Bei dieser handelt es sich um ein Gespräch mit mehreren Teilnehmern, bei dem das Thema von einem Diskussionsleiter festgelegt ist (vgl. Steffen, Doppler, 2019, S. 35). Außerdem sind qualitative Interviews möglich. Diese dienen der Erfassung von Deutungen, Sichtweisen und Einstellungen von Befragten (vgl. Gläser, Laudel, 2010, S. 12). Innerhalb der qualitativen Interviews gibt es verschiedene Formen, die folgend aufgelistet sind: Fokussierte Interviews; Experteninterviews; Tiefeninterviews; problemzentrierte, episodische, narrative, ero-epische und rezeptive Interviews (vgl. Gläser, Laudel, 2010, S. 40).

3.1.4 Leitfragen und Forschungsfrage

„Leitfragen sind ein Bindeglied zwischen den theoretischen Vorüberlegungen und qualitativen Erhebungsmethoden. Da Fragen stets Aufforderungen zur Schließung von Wissenslücken sind, vermögen sie eine empirische Untersuchung...zu steuern... Leitfragen charakterisieren das Wissen, dass beschafft werden muss, um die Forschungsfrage zu beantworten.“ (Gläser & Laudel 2010, S. 90) Leitfragen sind wegen des offenen Charakters bei qualitativen Erhebungsmethoden besonders wichtig. Verzichten kann man auf Leitfragen nur, wenn bereits die Forschungsfrage so spezifisch ist, dass sie die genannten Funktionen „Entwerfen von Erhebungsmethoden und Handlungsanleitung bei der Datenerhebung“ mitübemehmen kann. (Gläser & Laudel 2010, S. 91) Die formulierte ,Forschungsfrage‘ untersucht die „Motivationale und emotionale Unterschiede im EE bei der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen“. „Die Forschungsfrage, die ein Wissenschaftler formuliert muss also darauf gerichtet sein, dem Wissensbestand etwas hinzuzufügen. Dazu muss sie eine Lücke in diesem gemeinsamen Wissensbestand be- schreiben, die geschlossen werden soll“ (Gläser & Laudel, 2010 S. 64). Die Lücke, welche in dieser Hausarbeit geschlossen werden soll, betrifft die Ausarbeitung der emotionalen und motivationalen Unterschiede‘ bei der Begleitung Sterbender im Vergleich zu normalem Ehrenamt. Hierfür werden insgesamt 4 Interviews, mit zwei Frauen und zwei Männern durchgeführt. Möglicherweise kann bei der Analyse noch eine ,geschlechter- spezifische Unterscheidung‘ der Motive deutlich werden.

3.2 Planung ,Forschungsdesign‘

Folgend wird die, empirische Vorgehensweise mit allen Phasen, von der Planung bis zur Durchführung vorgestellt werden, damit das Verständnis und die Nachvollziehbarkeit sichergestellt wird. Der ,Forschungsbereich‘ dieser Arbeit ist der Qualitativen Sozialfor- schung‘ und darunter der ,Biografie-Forschung‘ zugeordnet. Das ,Forschungsfeld ist die freiwillige Arbeit im Ehrenamt mit schwerstkranken und sterbenden Menschen. Die ,.Forschungsgruppe' sind demnach Ehrenamtliche, die schwerstkranke Menschen begleiten. Der ,Forschungsgegenstand und die formulierte ,.Forschungsfrage‘ untersucht die „Motivationale und emotionale Unterschiede im EE bei der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen“. Das ,Forschungszief, welches verfolgt wird, soll die Unterschiede in Bezug aufEmotionen und Motivation aufzeigen. Demzufolge werden die Unterschiede persönlicher Gründe für Ehrenamt im Hinblick auf Emotion und Motivation untersucht. Des Weiteren können im Interview auch „verborgene Motive“ aufgedeckt werden. Bspw. Motive die dem EH unbewusst sind, und die Vermutung aufwerfen, ob „Ehrenamtliches Engagement als Antwort auf ein eigenes Bedürfnis“ (intrinsische Motivation) oder der Freude am Erleben der positiven Emotionen der Sterbenden (extrinsische Motivation) verstanden werden kann. Diese aufzudecken ist vom Interviewer bei Erstellung der Frage nicht konkret beabsichtigt aber bedacht worden, sodass sie ggf. beim zur Sprache kommen, demzufolge noch in der Auswertung ergänzt werden können.

3.3 Wahl der Erhebungsmethode

Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Interviews unterscheiden. Dazu zählen Einzel- und Gruppeninterviews. In der qualitativen Forschung sind teil- bzw. halbstrukturierte Interviews typische Formen. Diese Struktur wird durch das Anfertigen eines Leitfadens (vgl. Kapitel 3.4) sichergestellt.

3.3.1 Fokussiertes Interview mit narrativen Anteilen

Die Forschung umfasst Motive für den Einstieg, persönliche Motivation, Primärmotivation für die Zielgruppe, emotionale und motivationale Unterschiede zu anderen EA, sowie einen möglichen Motivationsverlust und die Niederlegung des EA. Für die Forschungsarbeit wurde demzufolge ein ,fokussiertes Interview‘ als offene, teilstrukturierte Befragung mit Erhebung ,subjektiver Sichtweisen‘ in Bezug auf einen bestimmten Stimulus (Hug & Poscheschnik, 2015). „Das Interview lässt den Befragten möglichst frei zu Wort kommen, um einem offenen Gespräch nahezukommen.“ (Mayring 2016, S.67) Die narrative Anteile’, nach eigenen Erfahrungen regen eine biografische Erzählweise an. Narrative Interviews sind der Biographie-Forschung zugeordnet. (Witzei, 1982). „Sollen für Sequenzanalysen freie Narrationen erzeugt werden, dann ist ein Leitfaden-Interview nicht offen genug. In solchen Untersuchungen wird man auf narrative Interviews zurückgreifen.“ (Gläser& Laudel 2010, S.116)

3.4 Erstellung des Interviewleitfadens

Für diese Forschungsarbeit werden Fokussierte Interviews mit ,narrativen Anteilen‘ durchgeführt. Die Interviews werden als leitfadengestützte Interviews durchgeführt. Im Leitfaden sind die Fragen enthalten, die injedem Interview gestellt werden müssen. Die Fragen bleiben fürjeden IP weitgehend gleich, um eine Vergleichbarkeit der Interviews zu garantieren. Diese könnenjedoch in der Reihenfolge variieren, sofern eine Frage indirekt durch eine andere beantwortet wurde. Die Anpassung der Formulierung kann garantieren, dass das Interview einem natürlichen Gesprächsverlauf gleicht. Der Leitfaden ist dementsprechend eine Richtschnur mit den wichtigsten Fragen, die unbedingt gestellt werden sollen (Gläser & Laudel, 2010, S. 42f.).

3.5 Durchführungsphase Praktische Vorbereitung;

Es gibt verschiedene Formen, wie das Face-to-Face-, Telefon- und E-Mail-Interview (Gläser & Laudel, 2010, S. 153) Telefon Interviews werden vor allem wegen ihrer Zeit und Kostenersparnis eingesetzt. Vorteile hier sind, dass das Interview ortsunabhängig geführt und eine größere Flexibilität gewährleistet werden. Nachteile entstehen, da eine geringere Kontrolle über das Gespräch und Aussagen in Bezug auf die Körpersprache, Mimik und Gestik getroffen werden können. Aufgrund der Corona-bedingten Situation wurden Telefoninterviews durchgeführt.

Einladung zum Interview:

Bereitschaft und Einladung zum Interview:

Die IP wurde eine schriftliche Anfrage per whatsapp geschickt. Keinem der IP wurde bei der Einladung zum Interview die Anzahl der Fragen oder Inhalte genannt. Lediglich wurde erfragt, ob die Bereitschaft besteht, in Ihrer Funktion als Ehrenamtliche des ASB- WüWa, an einer Befragung für die Dauer von ca. 15-20 Min. teilzunehmen. Durch persönliche Bekanntheit des Interviewers und der Interviewenden, war ein vertrauensvolles Gesprächsklima vorausgesetzt, was persönliche Narrationen und emotionale Tiefe des Themas betrifft. Trotzdem wurde die Schweigepflicht im Rahmen der Datenschutzklärung nochmal explizit erwähnt.

Vor dem Interview;

Begrüßung:

„Ich freue mich sehr, dass du dir für das Telefon-Interview heute Zeit nehmen kannst.“ Datenschutz-Klärung:

Mit allen IP wurde vor dem Interview der Datenschutz besprochen.

Die Interviewerin teilte folgendes mit: „Kurz vorab noch etwas zum Datenschutz. ..Selbstverständlich bleibt das Interview vollkommen ,anonym‘ so auch die Auswertung. Wenn du mir etwas erzählst, wird das vertraulich behandelt und unterliegt der Schweigepflicht. Niemand kann auf eine bestimmte Person schließen. Angegeben 'werden in meiner Ausarbeitung nur ,das Geschlecht der Befragten ‘ ,das Alter ‘ und die Dauer deiner ehrenamtlichen Tätigkeit.“

Alle vier IP gaben Ihr Einverständnis und bestätigten, dass sie die Angaben im Interview gerne machen und das das kein Problem für sie darstellt.

Digitale Aufzeichnung:

Des Weiteren wurde von allen IP das Einverständnis für die digitale Tonbandaufzei- chung eingeholt. Die Interviewerin teilte mit: Damit ich die Daten nicht bloß anhand eines Gedächtnisprotokolls erheben kann und mir dadurch 'wichtige Informationen 'verloren gehen können, wird das anonyme Interview digital aufgezeichnet. Die Aufzeichnungen dienen nur der Qualität meiner Auswertungen und werden nach Bewertung meiner Hausarbeit umgehend gelöschtAlle vier IP willigten ein und bestätigten, dass das Vorgehen für sie in Ordnung sei.

Kommunikation und Sprachstil:

Allen IP wurde kurz erklärt, das mögliche stille Phasen und ausbleibendes Nachfragen während der Beantwortung als „aktiv-passives Zuhören“ im Zuge Interviews (mit narrativen Anteilen) nicht als Desinteresse oder Abwesenheit zu deuten seien, sondern dazu dienen, ihnen einen offenen und freien Redestil zu ermöglichen. Die Interviewerin teilte mit: „Ichfreue mich sehr, dass du dirfür das Telefon-Interview heute Zeit nehmen kannst. Das Interview umfasst 8 Fragen zu deiner Ehrenamtlichen Tätigkeit beim ASB- WüWa. Du hast von mir vorab keine Informationen zu den Fragen erhalten, da ich ein ganz entspanntes und offenes undfreies Interview mit dirführen möchte. Auch werde ich dich nicht beeinflussen, werde still zuhören und deine Antworten nicht bewerten, sondern wie ein neutraler Zuhörer aufnehmen.“

Beginn des Interviews; Fragenblock

Einstieg:

„Da wir unsja letztes Jahr im Rahmen deiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei einer Begleitung mit dem ASB-WüWa, - der als Institution deutschlandweit schwerstkranken und sterbendenMenschen ihre letzten Wünsche erfüllt - kennengelernt haben, und mich dein persönliches Engagement und deine Kompetenzen begeistert haben, freue ich mich ganz besonders das Interview mit dirführen zu können.“

Statistik-Fragen:

Allen IP wurden vorab 2 Statusfragen zur Statistik „Lebensalter“ und „Dauer des Ehrenamts in Jahre“ gestellt.

Status-Frage 1: „Wie alt bistDu?

Status-Frage 2: „Und wie lange bist du schon im Ehrenamt desASB-Wüwa? Fragenblock/Hauptteil:

Dann folgte die Frage 1 bis Frage 8. Es wurden 1 zusätzliche Bestätigungs-/Verständ- nisfrage und 2 Vertiefungsfragen für eine mögliche Skalierung (Abstufung in 3 Plätzen) der Motivationen bedacht und optional sofern es im Interview stimmig ist, eingesetzt.

Beendigung des Interviews;

Danksagung:

„Vielen Dank! Das Interview mit Dir war sehr interessant und ich durfte vieles erfahren und lernen. An der Stelle möchte ich mich noch mal recht herzlichfür deine Zeit und das Teilen deinerpersönlichen Erfahrungen bedanken. Es hat mir 'viel Freude gemacht und ich hoffe, dass esfür Dich auch okay war und dir gefallen hat.

Feedback:

„Gerne gebe ich Dir ein Feedback oder lasse ich dich an den Ergebnissen meiner Forschungsarbeit teilhaben, sofern du daran interessiert bist.“

Verabschiedung:

„Ich 'wünsche Dir 'viel Freude weiterhin bei Deinen Einsätzen mit dem ASB-WüWa. Bleib gesund - das ist das 'wichtigste in dieser Zeit!“

Tonbandaufnahmen;

Die Interviews wurden auf einem externen, digitalen Diktiergerät als mp3-File bis zum Zeitpunkt der bewerteten Forschungsarbeit gespeichert und danach umgehend gelöscht.

4 Datenauswertung und Analyse

4.1 Erläuterung der Forschungsmethodik

Eine ausschließlich quantitative Forschung eignet sich für diesen Bericht nicht, da für die Beantwortung der Forschungsfrage die Erhebung von schon vorhandenen Daten nicht ausreichend ist. Dadurch ist zwar eine größere Vergleichbarkeit der Ergebnisse garantiert, jedoch ist dies für diese Forschung nicht zielführend. Es geht nicht um die Erlangung großer Zahlenmengen, sondern um die Erkenntnisgewinnung. Die qualitative Forschung eignet sich gut, da diese Methode besser an den Untersuchungsgegenstand angepasst ist und die subjektive Sicht der Probanden erfragt werden kann. So wird zudem ein tieferer Informationsgehalt garantiert (Meffert 2019, S. 179). Dazu werden leitfadengestützte Interviews durchgeführt. Ein leitfadengestütztes Interview ist vorzuziehen, da es wichtig ist, dass der Gesprächspartner zu allen wichtigen Aspekten Informationen gibt, um die vollständige Rekonstruktion der sozialen Sachverhalte zu gewährleisten. Für die Auswertung der Interviews wird die Kodierung verwendet. Die Kodierung ist die schnellstmögliche Methodik einer Auswertung von Interviews. Sie bietet zudem den Vorteil der Quan- tifizierbarkeit.

4.2 Die Auswahl der Interviewpartner

Als Forschungsgruppe dienen Menschen im EA des ASB-Wüwa, da diese - ausschließlich schwerstkranke und sterbende Menschen - begleiten. Gegenüber anderen EH und deren Motivationen für freiwilliges Engagement, sollen in dieser Forschungsarbeit die Motivation „Sterbende Menschen zu begleiten“ untersucht werden, da vermutet wird, dass bei dieser Form des EE möglicherweise ein Unterschied in Bezug auf die Emotionale und motivationale Komponente geben könnte. Untersucht werden persönliche Motive, motivationale und emotionale Aspekte. Durch die gezielte Fragestellung in der Biografie des Befragten können möglicherweise verborgene Motive aufgedeckt werden. Auch Berührungspunkte mit dem Thema durch erlebte Erfahrungen und persönliche Betroffenheit im eigenen Leben können aufgedeckt und deutlich werden. Eine vertrauensvolle Atmosphäre sowie Feingefühl des Interviewers sind bedeutsam.

4.3 Kategorienbildung und Kodierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Kodierungstabelle, eigene Darstellung nach: Anhang III S. 45-52, 2020

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Motivationale und emotionale Unterschiede im ehrenamtlichen Engagement. Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Düsseldorf früher Fachhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
55
Katalognummer
V1006589
ISBN (eBook)
9783346391292
ISBN (Buch)
9783346391308
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ehrenamt Schwerstkranke Sterbende Menschen Motivation emotionale motivationale Unterschiede Geschlecht
Arbeit zitieren
Sandra Waldermann-Scherhak (Autor), 2021, Motivationale und emotionale Unterschiede im ehrenamtlichen Engagement. Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1006589

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