Praktikumsbericht Schulsozialarbeit


Praktikumsbericht / -arbeit, 1999
10 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeines zur Praktikumsstelle

2. Das Umfeld der Schule

3. Schule als neues Aufgabenfeld für Sozialpädagogen - Probleme der Klienten

4. Feuerwehr oder Freizeittante?! - Aufgaben der Schulsozialarbeit

5. Ein „sechs-Stunden-Job“?

6. Zusammenarbeit ist das „A und O“

7. Stellungnahme zum Praktikum

1.Allgemeines zur Praktikumsstelle

Mein Praktikum im vierten Semester absolvierte ich im zweiten Schulhalbjahr des Schuljahres 1998/99 in der Schule am Stadtwald (Realschule II) in der Lilienthalstadt Anklam.

Die Schule ist eine verbundene Haupt- und Realschule mit Gesamtschulteil.

Insgesamt lernen dort 265 Schüler, davon 28 Haupt-, 155 Real- und 82 Grundschüler. Eine erste und zweite Klassenstufe gibt es dort nicht mehr. Diese Einrichtung wird zum 31. Juli 2000 geschlossen. Eigentlich sollte die Schließung schon ein Jahr früher erfolgen, doch der Schulleiter setzte sich für den Erhalt ein, denn die Grundschüler (jetzige dritte und vierte Klasse) haben dann ihre Grundschulzeit hinter sich und müssen nicht während dieser auf eine andere Schule wechseln.

Der Unterricht beginnt um 7.45 Uhr, die letzte Stunde endet um 13.30 Uhr. Um kurz vor 14 Uhr fahren die Fahrschüler mit den Bussen nach Hause.

2. Das Umfeld der Schule

Die „Schule am Stadtwald“ befindet sich in einem Neubaugebiet, welches rund zehn bis 15 Jahre alt ist. Die Wohnhäuser sind fast einheitlich sechsgeschossig. An dieses Wohngebiet grenzt eine Eigenheimsiedlung, die noch nicht vollständig bebaut ist („Mittelfeld“). Mit öffentlichen Verkehrsmitteln (nur Busse) ist das Wohngebiet insgesamt sehr gut zu erreichen. Der Schulbus hat seine eigene Haltestelle und Wendeplatz direkt vor der Schule.

Etwa 200 Meter von der Schule entfernt befindet sich ein Supermarkt der Firma „Norma“. Weiterhin gibt es in unmittelbarer Nähe ein Krankenhaus, einen Jugendclub des ASB und ein Stadium.

Die Schüler kommen hauptsächlich aus diesem Stadtgebiet. Die Fahrschüler kommen aus Dörfern der näheren Umgebung, vorwiegend aus Richtung Görke.

3. Schule als neues Arbeitsfeld für Sozialpädagogen - Probleme der Klienten

Während des Studiums las ich zum ersten Mal etwas über Schulsozialarbeit in einer Tageszeitung, dem „Nordkurier“. Es gab da ein seit 1996 in Ostvorpommern durchgeführtes Projekt „Schulsozialarbeit“. Da einer meiner Schwerpunkte innerhalb des Studiums die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist, sah ich dies als gute Gelegenheit an, praktische Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln.

An der „Schule am Stadtwald“ in Anklam ist für die gesamten Grund-, Haupt- und Realschüler eine Schulsozialarbeiterin beschäftigt. Von anderen Schulen ist mir bekannt, daß für die Grundschüler extra eine Fachkraft angestellt ist.

Schule als Arbeitsfeld für Sozialpädagogen ist relativ neu. Zu diesem Bereich der Sozialen Arbeit gibt es sehr viele Berichte über Projekte, die an westdeutschen Schulen durchgeführt worden sind. Über ostdeutsche Projekte findet man nicht allzu viel.

Die Schule ist ein Ort, an dem Wissen vermittelt wird. Pädagogen versuchen den Schülern etwas beizubringen. Als solche haben sie ein entsprechendes Studium, was sie für diesen Job qualifiziert, nämlich die Weitergabe von Wissen. Aber was ist mit dem, was nichts mit der Vermittlung von Wissen zu tun hat? Blickt man auf eine ganz normale Schulklasse, fällt mir jedenfalls ins Auge, das der Lehrer einem „Mob“ von Schülern gegenübersteht. In der Anklamer Schule beträgt die durchschnittliche Schülerzahl pro Klasse etwa 18 bis 20 Schüler. Man kann demzufolge schlußfolgern, das das Betreuungsverhältnis eins zu zwanzig beträgt. Unbestreitbar ist, das sich der Lehrer nur sehr schwer auf jeden einzelnen Schüler individuell einlassen kann. Dazu ist eine Unterrichtsstunde mit 45 Minuten viel zu kurz. Außerdem hat ein Lehrer nicht nur eine Klasse zu unterrichten, nein er oder sie muß nach jeder Stunde zu einer anderen Klassen hetzen. (In der Grundschule ist dies zum Glück noch nicht so, dort haben die Schüler mehrheitlich mit einem Lehrkörper). In der Stunde wird versucht, möglichst den vorgegebenen Stoff zu schaffen, denn der Lehrplan ist strickt festgelegt. Da bleibt keine Zeit für langes Üben. Wer nicht mitkommt muß sich Zuhause auf den Hosenboden setzen oder bleibt auf der Strecke. Am Ende des Schuljahres bekommt man dann aber seine individuelle Rechnung. Entweder hat man es geschafft oder darf „eine Ehrenrunde drehen“ - so heißt es heutzutage im Schülerjargon. Dies ist eine Seite der Medaille - überlastete Lehrer.

Wie sieht es nun auf der Seite der Lernenden aus? Sie kommen früh am Morgen in die Schule und verbringen dort ihre Zeit bis zum Mittag oder teilweise sogar noch länger. Das, was der Lehrer vorne von sich gibt, interessiert logischerweise nicht alle. Einige hören zu, andere nicht und andere wiederum tun ganz was anderes. Der Typ da vorne verteilt Noten, gibt viele Hausaufgaben auf, und hat sehr oft (so die Schüler) wenig oder kein Verständnis für ihre Situation. Sie fühlen sich von ihrem Gegenüber falsch verstanden, der nun wirklich keine Probleme von ihnen nachfühlen kann. Auf dieser Seite der Medaille finden wir die Schüler mit ihren Ängsten, Sorgen , Nöten und Hoffnungen.

Aber dies trifft zum Glück nicht auf alle Schüler zu! Sicherlich gibt es Schüler, die gerne zur Schule gehen und nicht die Probleme haben, mit denen sich ihre Altersgenossen herumschlagen müssen.

Schüler einer Altersstufe bilden eine Klasse. Ein Klassenverband ist eine Gruppe für sich. Dort herrschen eigene Normen und Werte sowie Regeln. Wer sich nicht anpaßt, gilt als Außenseiter. Dabei sollte man (vielleicht) differenzieren zwischen den verschiedenen Schularten in Deutschland. Bei den Schülern des Gymnasiums verhält es sich anders als bei den Haupt- und Realschülern. Aber natürlich darf das Nachfolgende nicht verallgemeinert werden. Kommt ein „Neuer“ in die Klasse, ist dieser erst einmal Freiwild. Alles ist erlaubt. Der/die Neue wird getestet, hat vielleicht Mutproben zu bestehen, muß sich gegebenenfalls vor den anderen beweisen, ansonsten wird er/sie es schwer haben sich in die Gruppe einzuleben. Im allgemeinen hat die gesamte Klasse eine einhellige Meinung über einen Lehrer - entweder ist er/sie „toll“ und „cool“ oder „blöd“, „doof“ und „scheiße“.

Es kommt aber eine weitere Konstellation hinzu. Nicht alle, aber einige Schüler kommen aus einem nicht ganz so perfekten Elternhaus, wie die Lehrer meinen. Ich möchte an dieser Stelle behaupten, daß viele Lehrer meinen, die Schüler hätten zu Hause keine Probleme. Es wäre schön, wenn dem so wäre, doch dann bräuchten wir keine Schulsozialarbeiterinnen mehr. Sind Schüler bloße Objekte der Lehrtätigkeit? Nein, auch Schüler haben schon ihre Probleme - vielleicht mehr als die Lehrer meinen. Einige Eltern wollen unbedingt, daß ihr Nachwuchs gute Noten schreibt und setzen sie unter Druck („wenn..., dann...“ Kondition). Ist doch verständlich, daß Schüler sich mit einer schlechten Note dann nicht mehr nach Hause trauen oder Angst haben, zu Hause von den eigenen Eltern rausgeschmissen zu werden. Der oder die Schüler/in wird vielleicht tatsächlich auf die Straße gesetzt (was auch schon in den vergangenen Jahren einmal passiert ist) und schlüpft bei Freunden unter, schwänzt die Schule und lebt in den Tag hinein. Dann wendet sich irgendwann ein Lehrer an die Eltern, die dann ahnungslos sind, weil sie nicht wissen, warum, weshalb und wieso denn überhaupt.

Bevor es zur Verkettung solcher Umstände kommt, soll nun jemand sich dazwischen einschalten. Dies ist die Schulsozialarbeiterin (Ich verwende hier die weibliche Form, da in Ostvorpommern überwiegend Frauen als Schulsozialarbeiterinnen beschäftigt sind). Man solle also unter anderem auch präventiv wirksam werden. Doch zu den Aufgaben an anderer Stelle.

Schulsozialarbeit beschäftigt hat sich mit vielfältigen Problemen zu beschäftigen. Einiges wurde schon angedeutet. Doch ist dies schon alles? Natürlich nicht! „Meine Freundin hat mich verlassen“, so begann einmal ein Gespräch mit einem Zehntklässler. Beziehungsprobleme machen nicht einen großen Teil aus, doch ist es falsch zu sagen, daß diese Sorte von Problemen keine Rolle spielt. Bei den Abschlußklassen ist das am häufigsten besprochene Problem die Angst vor Prüfungen und die heißbegehrte Lehrstelle. Ein 16 jähriger Schüler hat bereits einen Lehrvertrag unterschrieben, und diese Stelle ist ihm sicher - doch nun bangt er um diese, denn er kann diese Lehrstelle nur antreten, wenn er seinen Realschulabschluß schafft. Vor den Prüfungen hatte er echte Angst um seine Zukunft, doch mittlerweile hat er seinen Abschluß so gut wie in der Tasche. Weiterhin ist mir aufgefallen, daß einige Jugendliche nicht mit Geld umgehen können. In zwanglosen Gesprächen in der Pause hörte ich des öfteren, wie quasi damit geprahlt wurde, wer bei wem wieviel Schulden hat. Doch um die Rückzahlung macht sich niemand so recht Gedanken, denn „es wird schon irgendwie werden...“

4. Feuerwehr oder Freizeittante?! - Aufgaben der Schulsozialarbeit

Im Monat Mai diesen Jahres fand in Züssow, einem kleinen Dorf in Ostvorpommern eine Fachtagung zum Thema Schulsozialarbeit statt. Eine Arbeitsgruppe stand unter dem Motto „Feuerwehr oder Freizeittante?!“, an der meine Anleiterin teilnahm.

Dieser Titel ist sehr provokant ausgedrückt. Zwischen beiden Extrema zu wählen fällt mir persönlich nicht leicht. Während dieser Fachtagung kamen die Schulsozialarbeiter zu keinem eindeutigen Ergebnis. Einige fühlten sich eher als Feuerwehr, andere wiederum eher Freizeittante. Ich finde, daß man sich nicht auf eines von beiden festlegen sollte. In der Praxis ist man sowohl „Feuerwehr“ als auch „Freizeittante“, in meinem Fall wohl eher „Freizeitonkel“.

Damit einher geht das breite Aufgabenfeld eines Sozialarbeiters, der/die in der Schule eingesetzt wird. An der „Schule am Stadtwald“ in Anklam hat die Schulsozialarbeiterin eine Vielzahl von Angeboten unterbreitet:

- Begleitung auf Klassenfahrten,

- Unterstützung bei der Durchführung von Projekttagen

- Organisation von Aufklärungsveranstaltungen,

- Besuch einer gynäkologischen Arztpraxis,

- Veranstaltungen über legale und illegale Drogen (auch Nikotin und Alkohol),

- Nachhilfe in Mathe, Deutsch und Englisch,

- Zusammenarbeit mit der Schulclubleiterin,

- Hilfe bei der Vorbereitung des letzten Schultages der Abgangsklassen,

- Unterstützung der Schülerzeitung,

- „Überwachen“ der Probe der Schülerband,

- Aufklärungsveranstaltungen über Sekten und Religionsgemeinschaften,

- Vermittlung im Konfliktfalle,

- Beratung von Schülern (mit/ohne Lehrer und/oder mit Eltern).

Ich denke, daß diese Aufzählung ausreichend ist, um zu zeigen, welche Spannweite die Angebote haben. Sicherlich kann man die Liste noch weiter führen, doch ist dies nicht unbedingt notwendig.

Mit den eher kleineren Schülern (dritte bis fünfte Klasse) macht man nun mal in erster Linie Freizeitbeschäftigung, doch nicht nur. Sie kommen nach dem Unterricht, da sie die Wahl haben, entweder bei der betreuenden Lehrerin zu bleiben oder ins Büro der Schulsozialarbeiterin zu gehen. Das sind aber nach meiner Beobachtung fast nur Schüler, die auf den Schulbus warten müssen, der erst nach der sechsten Stunde fährt. Kinder, die in der Nähe wohnen, gehen meist nach Hause, aber es gab da einen elfjährigen Jungen, der einen Weg von etwa fünfhundert Metern hatte und trotzdem bis kurz vor Toreschluß blieb.

Beide Begriffe - „Feuerwehr“ und „Freizeittante“ - haben ihre Berechtigung. Nun zur „Feuerwehr“. Stellt man sich eine Feuerwehr vor, so könnte einem in den Sinn kommen, daß sie dort zu finden ist, wo eine Notsituation eingetreten ist. Doch sie wirkt auch präventiv, zum Beispiel in Aufklärung zur Brandverhütung und Erste Hilfe. Überträgt man dies auf die Sozialarbeit, stellt sich sicherlich die Frage danach, wie denn in diesem Berufsfeld ein Notfall definiert wird. Ich möchte meinen, das es keine Definition für den allgemeinen Notfall gibt, sondern eher spezielle Auffassungen darüber, wann einzugreifen ist (zum Beispiel in die elterliche Sorge).

Während des Praktikums ergab sich meiner Meinung nach nur ein „Notfall“. In der Zeit, wo ich nur noch ein Mal pro Woche (montags) kam, war es eines Morgens so, daß eine Schülerin am Wochenende von Zuhause weggelaufen ist. Was wurde getan? Während der ersten Unterrichtsstunde erschien die Polizei im Sekretariat, denn die Eltern hatten am Sonntag die Polizei verständigt. Dort unterhielten sich die Beamten mit der Sekretärin und zogen dann wieder los. Mit meiner Kollegin sprachen sie nicht. Anschließend sprach die Sekretärin mit meiner Anleiterin und mir. Wir versuchten dann bei ihren Freunden herauszufinden, wo sie sich aufhalten könnte, doch bekamen nichts heraus. Nach einem oder zwei Tagen war die Schülerin wieder in der Schule und wohnte bei ihrem Freund. Doch da dies kein Dauerzustand sein kann, denn sie ist noch minderjährig, wurde nach einer Lösung gesucht. Da kamen wir auf die Idee, das wir es mal im Jugendhilfezentrum versuchen könnten. Da ich dort bereits ein Praktikum absolviert habe, konnte ich meiner Anleiterin erzählen, was ich von dieser Einrichtung halte. Sie hatte diese auch schon mit anderen Schulsozialarbeitern besucht, doch wußte nicht mehr so genau darüber Bescheid. Die Eltern erhielten vom Jugendamt ein sechswöchiges Besuchsverbot auferlegt. Es folgten dann mehrere Gespräche zwischen der Schülerin und der Schulsozialarbeiterin. Mit den Eltern hat sie sich nicht in Verbindung gesetzt. Mir ist bekannt, daß sie zu Hause von ihrem Vater sehr häufig geschlagen wurde, und das er außerdem dem Alkohol sehr zugetan sein soll. Weiterhin hat er momentan keine Arbeit.

5. Ein „sechs-Stunden-Job“?

Laut Arbeitsvertrag beträgt die Arbeitszeit der Schulsozialarbeiter sechs Stunden pro Tag, von acht Uhr in der Frühe bis 14 Uhr am Nachmittag. Wenn das wirklich so wäre, dann hätte man als SchulsozialarbeiterIn eigentlich eine schöne Zeit und nicht allzuviel um die Ohren.

Aber auch nach offiziellem Dienstschluß gibt es oft noch eine Menge zu tun. Es gibt diese netten Elternversammlungen, wo dann höflich vom Klassenlehrer angefragt wird, ob man nicht mit den Eltern über eine bestimmte Sache reden möchte. Ein Thema bei einem dieser Elternabende war: „Was tun, wenn mein Kind in die Fänge einer Sekte oder Ähnliches gerät?“ oder auch „Mein Kind in der Pubertät - Was passiert denn da?“. Außerdem finden in regelmäßigen abständen Dienstberatungen der Lehrer statt (abends), wo auch die Schulsozialarbeiterin geladen ist.

Alle 14 Tage haben die Schulsozialarbeiter ein Treffen, die sogenannte Supervision. Hierbei berichten dann die Kolleginnen über Erlebtes und Schwierigkeiten im Umgang mit Schülern, Eltern, Lehrern oder dem Schulleiter. Außerdem geben sie sich untereinander Ratschläge und Hilfestellungen, wenn man sich selbst nicht mehr zu helfen weiß.

Weiterbildungen finden auch dann und wann statt, sehr oft am Freitag Nachmittag und in den Abendstunden. Jede Weiterbildung ist einem speziellen Thema gewidmet. Es werden Gastredner eingeladen, Rollenspiele gemacht und es wird ausgiebig diskutiert.

Seit der Anfangszeit hatten die Schulsozialarbeiterinnen freitags und an den Wochenenden (samstags) ein berufsbegleitendes „Studium“. Dort wurden sie in Psychologie, Sozialpädagogik, Gesprächsführung, Konflikttraining und sozialpädagogischen Medien und Methoden unterwiesen, denn fast alle Mitarbeiterinnen hatten kein entsprechendes Studium absolviert. Aber fast alle hatten Vorerfahrungen im sozialarbeiterischen Arbeitsfeld. Einige haben in Jugendclubs gearbeitet, andere waren als Altenpfleger tätig gewesen. Nach zwei Jahren hatten sich alle Mitarbeiterinnen neben ihrer Arbeit für diese qualifiziert und erhielten hre „Zeugnisse“, oder besser gesagt ein Zertifikat als „Fachkraft für schulbezogene Sozialarbeit“.

6. Zusammenarbeit ist das „A und O“

In der Schulsozialarbeit, wie eigentlich in allen Bereichen der Sozialarbeit, spielt die Zusammenarbeit mit Vereinen, Institutionen eine sehr große Rolle. Alleine wäre vieles im Arbeitsfeld Schule nicht zu verwirklichen, doch durch die Hilfe Anderer ist es überhaupt erst denkbar, sich an große Aufgaben heranzuwagen.

Nehmen wir als Beispiel die Ausgestaltung der Projekttage. Der/die Schulsozialarbeiter/in wird beauftragt, sich darum zu kümmern. Nun die schwere Frage, was man denn anbieten kann. Sicherlich gibt es viel Interessantes, doch man müßte sich zerteilen. Jeden Tag soll ja etwas anderes auf dem Programm stehen, zum Beispiel am ersten Tag „Legale und illegale Drogen“, am zweiten Tag „Sex und Aids“ und am dritten Tag noch „Sekten und Religionsgemeinschaften“. Für eine Person ist das viel Arbeitsaufwand, der nach der eigentlichen Arbeitszeit erfolgt. Da kommt die Zusammenarbeit mit Vereinen und Institutionen gerade recht. Beispielsweise kamen Leute vom Gesundheitsamt, um über „Aids und Sex“ eine Veranstaltung zu machen. Als Redner über die „Sekten und Religionsgemeinschaften“ wurde der Sektenbeauftragte des Landkreises Ostvorpommern gewonnen. Für das Thema „Legale und illegale Drogen“ fanden wir auch jemanden, der mit den Schülern darüber innerhalb des einen Projekttages sprach.

Um die Attraktivität des Schulclub zu steigern, wird montags und mittwochs ein Basteltag eingelegt. Dazu kommen Frauen von der Arbeitsloseninitiative, um mit den Kindern Seidenmalerei, Wachsmalerei zu machen und dabei Hilfestellung zu geben.

Durch die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen wird natürlich die Vielfalt des Angebotes insgesamt gesteigert.

Aber auch mit Ämtern und Behörden erfolgt eine enge Zusammenarbeit. Zum Beispiel half das Jugendamt bei einer deutsch-schwedischen Jugendbegegnung bei den Finanzen aus, indem ein Förderantrag bewilligt wurde. Weiterhin half ein sportbegeisterter Mitarbeiter zur Mathematikolympiade aus, indem er mit einigen Kindern in der Freizeit ein Tischtennisturnier veranstaltete.

Leider oder zum Glück hat man es auch mit der Polizei zu tun. Zum Beispiel wie oben schon beschrieben, als eine Schülerin vermißt wurde. Wenn ich an den letzten Tag meines Praktikums denke, fällt mir auch ein weiterer Besuch der Polizei im Schulclub ein. Am Freitag zuvor hatte dort die zehnte Klasse ihren letzten Schultag gefeiert. Am Montag Morgen dann das große Erschrecken. In der Nacht von Samstag auf Sonntag oder Sonntag zu Montag haben sich Unbekannte Eintritt in den Schulclub verschafft und da sie nichts zu trinken fanden, rissen sie Gardinen ab und verschönerten die Tapeten mit Ketchupmustern. Doch alledem nicht genug, auch die bereits abgewaschenen Gläser wurden auch mit Ketchup und Toastbrot geschmückt. Die Polizei kam auch zehn Minuten nach Anruf und nahm die Anzeige auf. Sogar Beweisphotos wurden gemacht. Dies ist zwar kein Beleg für eine echte Zusammenarbeit, doch folgendes: Zwecks sicherer Kinder auf unseren Straßen veranstaltet die Polizei Sicherheitsaktionen. Sie kommt dann in die schulen und die Schüler lernen dann richtiges Verhalten im Straßenverkehr. Außerdem können sie dabei ihren „Fahrradführerschein“ machen. Vor einem Jahr kam zu den Projekttagen der „Polizeichef“ von Anklam und sprach über den Umgang der Polizei mit jugendlichen Straftätern.

7. Stellungnahme zum Praktikum

Die erste Woche im Februar empfand ich als ziemlich schwer. Besonders der erste Tag. Meine Kollegin hatte noch Arbeit von vor den Ferien aufzuholen, da sie krank war und so war es erstmal ungünstig, daß ich da war. Wir unterhielten uns über das Praktikum, Interessen und die Ziele, die ich mit dem Praktikum verband. Man kommt als „Neuer“ in eine bestehende Struktur hinein und als einzige Möglichkeit blieb mir, mich an Bestehendes anzupassen. In der ersten Zeit wußte meine Kollegin auch nicht so recht, was sie mit mir anfangen sollte. Nach und nach kam auch ich mit den Schülern in Kontakt, so daß mich nach einer oder eineinhalb Wochen die Schüler mit Namen kannten. Die Zusammenarbeit mit meiner Anleiterin klappte auch von Tag zu Tag besser. Leider war das Praktikum im Juli zu Ende, denn wir haben viel auf die Beine gestellt.

In der ersten Zeit war das Bekanntmachen mit den Schülern erst mal am wichtigsten. Die jüngeren Kinder waren sehr neugierig und im Spiel oder bei den Hausaufgaben lernte ich die Kids schnell kennen. Sehr beliebt ist das Ausmalen von Mandalas und Domino.

Die Schüler ab der achten Klasse waren zum Beginn nicht sehr kontaktfreudig. Vielleicht empfanden mich einige eher als Eindringling, denn als Praktikant. Da wir aber quasi gezwungen waren zusammenzuarbeiten, lernten auch wir uns gegenseitig kennen. Hilfreich war, daß ich bei der Schülerzeitung mitwirkte und auch den letzten Schultag mit vorbereitete. Auch der Umstand, daß meine „Chefin“ ab und zu außerhalb der Schule zu tun hatte, begünstigte, daß die Schüler ihre anfängliche Scheu ablegten. Dienstags war meine Anleiterin an einer anderen Schule tätig und da schlug sie mir vor, daß ich alleine die Stellung halten sollte. Gesagt, getan. In der ersten Pause schauten dann einige Schüler vorbei und guckten ganz erstaunt, daß sie nicht da war, sondern nur ich. Die meisten gingen dann wieder, andere blieben da und wir begannen erste Gespräche. In den anderen Pausen trieben sie dann ihre Späße mit mir. Da wurde an die Tür geklopft und als ich daraufhin „herein“ rief, kam niemand. Außerdem wurde schnell vorbeigerannt und im Laufen die Tür aufgemacht. Aus Fehlern wird man ja bekanntlich klug und so machte ich die Tür auf und die Spielchen fanden ein abruptes Ende. Plötzlich waren dann in der großen Mittagspause beide Räume voller Schüler, fast nur neunte und zehnte Klasse. Großes Thema waren die vergangenen Ferien und der letzte Schultag, der erst im Juni sein sollte. Doch alles sollte vorher schon abgeklärt sein, so daß man sich nicht abhetzen müsse.

Das Praktikum hat mir persönlich auch einiges gebracht. Bevor ich in dieses Arbeitsfeld hineinschnupperte, konnte ich mir nicht so recht etwas unter Schulsozialarbeit vorstellen. Außerdem habe ich viele Ideen für die Beschäftigung von Kindern mitgenommen, die ich im Ferienlager in Storkow auch gleich ausprobiert habe. Weiterhin war es interessant, hinter die Fassade einer Schule zu blicken, nicht als Schüler, sondern als Mitarbeiter. Da bekommt man einiges mit, was einem sonst verborgen geblieben wäre.

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Praktikumsbericht Schulsozialarbeit
Autor
Jahr
1999
Seiten
10
Katalognummer
V100666
Dateigröße
356 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Praktikumsbericht, Schulsozialarbeit
Arbeit zitieren
Gerrit Witt (Autor), 1999, Praktikumsbericht Schulsozialarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100666

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