Die Frage der dt. Kriegsschuld


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
4 Seiten, Note: 15

Gratis online lesen

Abhandlung über die Frage der deutschen Kriegsschuld (1. WK)

Autor: Daniela Schwarz

Leistungskurs Geschichte, 11/II - 2000

Arbeitshypothesen:

(1) Deutschland trägt die alleinige Kriegsschuld

(2) Deutschland ist nicht allein für den Krieg verantwortlich

Bei der bis heute umstrittenen Frage nach der Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs stehen sich die für die alleinige Kriegsschuld Deutschlands plädierende und diejenige Partei gegenüber, welche Deutschland nicht für allein verantwortlich hält.

Die deutsche Regierung hat diesen großen Krieg gewollt Wie schon der Artikel 231 des Versailler Vertrages von 1919 die Kriegsschuld allein Deutschland aufbürdete, erklärte auch der Hamburger Geschichtsprofessor Fritz Fischer 1965 die Theorie der alleinigen Schuld Deutschlands, welche er mit der Überzeugung begründete, die deutsche Regierung habe “...diesen großen Krieg gewollt...“. Demnach lief ihr Verhalten also nur auf diesen offenen Konflikt hinaus. Für diese Ansicht spricht meiner Meinung nach neben der Militarisierung der Gesellschaft die Entwicklung des Schlieffenplans, welcher den Vorstellungen eines Kriegs zwischen Deutschland im Bündnis mit Österreich-Ungarn auf der einen gegen Russland und Frankreich auf der anderen Seite entsprach.

Nach diesen Vorbereitungen galt es einen Auslöser für den Krieg zu finden, zumal bei einer weiteren Verzögerung das Gelingen des Schlieffenplans auf dem Spiel stand. Fischer vertritt nun die These, dass der Mord von Sarajewo der deutschen Reichsregierung sehr gelegen kam. Begründen kann man diese Behauptung mit der Tatsache, dass Österreich-Ungarn die Unterstützung Deutschlands brauchte, um Bosnien-Herzegowina* (*bemängelt) als Reaktion auf die Ermordung Franz Ferdinands unter Druck setzen zu können, denn man konnte davon ausgehen, dass Russland Serbien den Rücken stärken würde. Der von der deutschen Reichsregierung überreichte “Blankoscheck“ an Österreich gibt letzteren nicht nur die Möglichkeit zum Angriff Serbiens, sondern bindet Österreich-Ungarn zudem an Deutschland. Diese Folge ist ausschlaggebend für die Überlegungen Fischers, denn nur mit militärischer Unterstützung ist das deutsche Reich in der Lage, seine Kriegspläne umzusetzen.

Als die Botschafter der Triple-Entente in Berlin den Verdacht aussprachen, Deutschland fördere den serbisch-österreichischen Krieg, um einen Krieg mit Russland heraufzu-beschwören, reagierte Russland mit der Gesamtmobilmachung. Zu dieser Bemerkung veranlaßt wurden die Botschafter durch das Verhalten Deutschlands, denn entgegen den Anratungen des zu Schlichten versuchenden Englands, sah es nicht die Notwendigkeit, Österreich-Ungarn zu Zurückhaltung bei seinen Forderungen [insbesondere das inakzeptable Ultimatum an Serbien] zu drängen. Schließlich hatten es die Deutschen geschafft, dass Russland die Mobilmachung gegen sie nicht aufhob. Zu diesem Zwecke sandten sie ein Ultimatum an die russische Regierung, dessen Inhalt darin bestand, die Mobilmachung sowohl gegen Österreich- Ungarn als auch gegen Deutschland zu beenden. Auf die Ablehnung der Russen hin erklärten sie den Krieg. Dieser Abwehrkrieg stärkte nicht nur den Zusammenhalt des deutschen Volkes und verhinderte somit die angekündigte Revolution der Sozialdemokraten, sondern hinderte den englischen Außenminister zudem daran, Russland sofort zu unterstützen, denn die Triple-Entente griff nur im Falle des Angegriffenwerdens, was in diesem Fall nach deutscher Ansicht geradezu erzwungen worden war, damit das deutsche Reich angesichts der Mobilmachung Russlands nicht sang- und klanglos unterginge.

Deutschland kann für den Ersten Weltkrieg nicht allein verantwortlich gemacht werden Entgegen Fischer und Hillgruber bin ich nicht der Ansicht, dass man die alleinige Kriegsschuld bei den Deutschen zu suchen hat. Angesichts der fortwährenden Aufrüstung, der immer wiederkehrenden Machtproben der verschiedenen Länder [beispielsweise die unzumutbaren Ultimaten von Seiten Österreichs und Deutschlands], aber auch die [wenn auch schon länger bestehenden] imperialistischen Zielstellungen der Großmächte [als Beispiel genannt der von Russland verfolgte Panslawismus] widersprechen der Aussage Lloyd George’, dass “Keiner der führenden Männer jener Zeit den Krieg tatsächlich gewollt hat.“ Nur ist der letztliche Ausbruch als Summe der zumeist provozierenden Handlungen aller Staaten [mit Ausnahme Englands] zu sehen, und daher kann von alleiniger Schuld keine Rede sein. Gegenseitiges Misstrauen und die folgende Unsicherheit sowie der Glauben an einen unausweichlichen Krieg steigerten bestehende Konflikte, denn die Sicherheit für das eigene Land sah man in Bündnissystemen und Aufrüstung, wobei diese Bündnisse letztlich dazu führten, dass man nicht dazu in der Lage war, den in der Eskalation befindlichen Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien zu lokalisieren. Der Konflikt auf der Balkan-Halbinsel entstand durch die Gegensätzlichkeit der Auffassung des Nationalismus [Serbien wollte u.a. die in Bosnien-Herzegowina lebenden Serben dem eigenen Land anschließen] und der Idee des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn, der durch die nationalistischen Pläne unweigerlich zerfallen würde. Um diesen Zerfall abzuwenden und Vergeltung für den Mord an Franz Ferdinand zu üben, sieht die österreich-ungarische Regierung Krieg als das äußerste Mittel an.

Dieser Konflikt leitete Russland, gebunden durch “Tradition und Interessen“, zu dem Schluß, Serbien helfen zu müssen. Zudem stand Sasonow unter Druck, denn weitere Mißerfolge, wie die für rechtmäßig erklärte Annexion Bosniens durch Österreich 1909 sowie die deutsch- türkischen Verträge 1913, welche die russischen Pläne der Einnahme der Türkei zerschlugen, konnte man sich nicht leisten. Als Folge daraus ergab sich die russische Teilmobilmachung gegen Österreich-Ungarn am 30. Juli 1914. Auf die darauffolgende allgemeine Mobilmachung Russlands reagierte Deutschland mit einem Ultimatum. Dass dieses die Forderung nicht nur nach Beendigung der Mobilmachung gegen Deutschland sondern auch gegen Österreich enthielt, ist einerseits als provozierende Geste zu sehen und andererseits eine Folge des Bündnisses mit Österreich- Ungarn, welches zu verlieren sich die deutsche Reichsregierung nicht leisten konnte. Als Russland nicht auf das deutsche Ultimatum einging, obwohl England ihm mehrmals dazu geraten hatte, reagierte Deutschland schließlich mit der Kriegserklärung. Dass Deutschland zuvor Österreich-Ungarn die bedingungslose Unterstützung zugesichert hatte, obwohl man sich über die Art des Rückschlags auf Serbien noch gar nicht im Klaren war, ist sein aktiver Schritt in Richtung Krieg. Zu diesem Vorgehen wurde Deutschland zum einen durch den Gedanken gebracht, Österreich-Ungarn an sich zu binden, und zum anderen waren sie der Ansicht, den Konflikt lokalisieren zu können. In dem Falle wäre es nicht zur Ausweitung der Krise gekommen, sondern man hätte die Angelegenheit zwischen Österreich-Ungarn mit deutscher Hilfe und Serbien mit russischer Hilfe bereinigen können. Bei diesem Vorhaben lässt sich keine Absicht auf einen großen Krieg nachweisen. Deutschland hätte sich der Bedeutung der Triple-Entente nur besser bewußt sein müssen, um zu erkennen, dass es aufgrund dieses Bündnisses für England und Frankreich nicht möglich sein würde, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Vielleicht liegt darin der alleinige, jedoch entscheidende Fehler der deutschen Regierung. Ob Deutschland wirklich das Bestreben hatte, einen Krieg gegen Russland vom Zaun zu brechen und deshalb in erläuterter Weise handelte, ist meiner Meinung nach fraglich. Es wird für die deutsche Regierung vielmehr im Vordergrund gestanden haben, sich aus der bestehenden Isolation zu befreien, denn immerhin waren die Großmächte Frankreich und England weit fortschrittlicher als das konservative deutsche Reich. Da Russland in der Triple-Entente gebunden war, wurde es auf die Seite der modernen Regierungsformen gezogen. [Das die konkurrierenden Regierungsformen ein Anlaß für Isolation und Konflikte sind, zeigt sich in der Reaktion eines Außenstehenden nach dem Ende des Ersten Weltkriegs: Der amerikanische Präsident Wilson brachte den Beweis für die Aggressionen gegen eine Monarchie, als er sich bereit erklärte, mit gewählten Vertretern des Volkes zu verhandeln, nicht aber mit dem Kaiser. [Bezogen auf Deutschland]. Wenn man das Verhältnis der Großmächte auf diese Art betrachtet, entwickelt sich kein Konflikt, der vornehmlich auf die Nationen bezogen wäre, sondern einer, der zwischen moderner und konservativer Regierungsform beruhte. Deshalb ist es möglich, Deutschland den Versuch zu unterstellen, Russland, da es ja noch immer von einem Zar regiert wurde, aus dem Bündnis der Entente zu lösen und auf die eigene Seite zu ziehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass das deutsche Reich Österreich nicht zur Mäßigung riet, wie es von England vorgeschlagen wurde. Weil England allerdings den eigenen Bündnispartner [gemeint ist Russland] zur Zurückhaltung drängte, kann dieser darin vermutet haben, dass die Entente ihn ins offene Messer laufen lassen würde, d.h., ein auf den Krieg vorbereitetes, mit Deutschland verbündetes Österreich-Ungarn. Daher beabsichtigte Deutschland nicht unbedingt einen Krieg, sondern die Zerschlagung der bestehenden Entente, von der es erdrückt zu werden befürchten konnte. [Damit gemeint ist die Ausweitung der republikanischen Regierungsform beispielsweise von Frankreich her.]

So gesehen ist auch England nicht ganz unschuldig am Kriegsbeginn, denn es hätte seine Position zeitiger, deutlicher, und vor allen Dingen nicht durch Vermittler [Deutschland], vertreten müssen. Obwohl man behaupten kann, dass ein Schlichtungsversuch vom Feind England nicht unbedingt überzeugend wirken muss, so ist doch zu sehen, dass England dann für die gesamte Triple-Entente gesprochen hätte.

Außerdem erachte ich Österreich-Ungarns Ultimatum an Serbien als eine Zumutung, die nicht zur Lösung des Konflikts auf diplomatischer Ebene beitrug, sondern einzig dazu diente, die Überlegenheit Österreich-Ungarns zu demonstrieren. Die österreichische Regierung hätte besser daran getan, sich in Mäßigung zu üben.

An dieser Stelle treten die gesamten Widersprüche zwischen den europäischen Großmächten deutlich hervor. Es ist nicht nur Deutschland gewesen, dem man das Ziel unterstellen kann, sich an Einflußgebieten zu bereichern zu wollen. Schon lange hegte beispielsweise Russland den Wunsch des Panslawismus‘. Dass dieser Idee des Zusammenschlusses aller slawischen Völker unter einer russischen Hegemonie einen Angriff auf Österreich-Ungarn [und das Osmanische Reich] darstellte, zeigt einen weiteren Konfliktherd zwischen Russland und Österreich-Ungarn. Dabei musste dieser nicht erst von den Deutschen provoziert werden, so dass ihnen dadurch schon ein Teil der Schuld abgenommen werden kann. Des weiteren bestanden noch immer die Feindbilder zwischen Deutschen und Franzosen, wobei letztere seit 1871 Elsass-Lothringen ins Auge gefasst hatten und von einem Krieg nicht abgeneigt gewesen sein dürften. Zudem waren die verschiedenen Nationen von der Idee des Sozialdarwinismus geprägt, und ein Volk, welches davon überzeugt ist, allen anderen überlegen zu sein und deswegen die Berechtigung inne hätte, über die anderen zu herrschen, um diese an der eigenen Vollkommenheit teilhaben zu lassen, wird sich doch nicht von der Möglichkeit abwenden, diese Idee zu verwirklichen; auch wenn diese Möglichkeit nur in einem Krieg gegeben ist. Zwar steht diese Aussage im Widerspruch zu dem schlichtenden Verhalten Englands, doch es lässt sich auf die übrigen Großmächte anwenden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Schuld am Ersten Weltkrieg nicht allein auf Deutschlands Schultern abzuwälzen ist. Das Hauptproblem bestand meiner Meinung nach in den bestehenden Bündnissen, die es nicht zuließen, dass der Konflikt lokalisiert und zwischen den direkt beteiligten Staaten ausgetragen werden konnte. Ein Weltkrieg wäre ohne die Triple-Entente und das “Bündnis“ zwischen Österreich-Ungarn und Deutschland nicht notwendig gewesen. Allerdings sind auch die langfristigen Ursachen des Krieges, d.h., Nationalismus und Imperialismus usw., nicht zu unterschätzen, denn an diesen Problemen war Europa in gleichen Teilen beteiligt.

QUELLEN:

-Das Kaiserreich 1871-1918 (Buchners Kolleg Geschichte), S. 188, 196-201

-„Letzte Mahnung“ aus „Die diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes 1871-1914“,

Teil 1, S. 317f

-Anno 4 (Westermann), S. 291, Quelle 2

4 von 4 Seiten

Details

Titel
Die Frage der dt. Kriegsschuld
Hochschule
Real Centro Universitario Maria Cristina
Note
15
Autor
Jahr
2000
Seiten
4
Katalognummer
V100671
Dateigröße
333 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Subjektive Abhandlung über die "Frage der deutschen Kriegsschuld" (1. WK), Hausarbeit LK Geschichte
Schlagworte
Frage, Kriegsschuld
Arbeit zitieren
Daniela Schwarz (Autor), 2000, Die Frage der dt. Kriegsschuld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100671

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Frage der dt. Kriegsschuld


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden