Unterschiede zwischen Luthertum, Katholizismus und Calvinismus


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

3 Seiten, Note: 1


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Unterschiede zwischen Calvinismus, Luthertum und Katholizismus

Im folgenden soll auf die Unterschiede zwischen Calvinismus, Luthertum und Katholizismus eingegangen werden. Die historische Entwicklung soll in die Überlegung mit einbezogen werden. Des weiteren soll keine Wertung in irgendeine Richtung vollzogen werden.

Bevor die Unterschieden aufgezeigt werden, sollen zunächst auch die Gemeinsamkeiten erfassen. Wir haben es hier auf der einen Seite mit der alterhergebrachten und traditionellen Form der katholischen Kirche zu tun. Dem gegenüber stehen zwei Reformationsmodelle, die zur selben Zeit Anfang des 16. Jahrhunderts entstanden sind: Der Calvinismus und das Luthertum. Beiden Bewegungen ist gemeinsam, dass sie die allzu weltlichen und obrigkeitsabhängigen katholischen Kirche reformieren wollten. Hauptanstoßpunkte sind das Versagen bei der Seelsorge, die Beschäftigung mit Politik und Besitz, der Verkauf der Sakramente und der Missbrauch der Ablässe.

In groben Zügen gibt es drei große Unterschiede, an denen sich die Modelle unterscheiden:

1. Die Hierarchie - das Verhältnis zur Obrigkeit

In der katholischen Kirche war das Obrigkeitsprinzip seit jeher stark ausgebildet. Der Papst stand schon immer als oberster Herrscher an der Spitze des Kirchenstaates. Nach ihm folgte ein monarchisch aufgebautes Treppensystem: Papst - Kardinäle - Bischöfe - Priester - usw.

- bis zu den einfachen Gläubigen der Gemeinde. Die jeweils höhere Stufe setzte die untere Stufe ein und kontrollierte sie. Damit war natürlich keine unabhängige Befindlichkeit über die Fähigkeit und Amtstreue der Untergebenen gewährleistet. Als einziger Autorität galt der Papst und seine Bibelauslegung. Diese war für alle Katholiken verbindlich und unantastbar. Diese Verbindlichkeit des Papstes ließ sich direkt von Gott ableiten. Hinzu kam die Praxis, dass viele hohe Geistliche ihre Ämter nur der Form halber inne hatten. Sie waren nur an der politischen Macht interessiert, die ein solcher Posten mit sich brachte. Deshalb waren sie selten gewillt, Messen o.ä. persönlich abzuhalten. Dazu entsandten sie Stellvertreter, die meist schlecht oder zumindest unzureichend ausgebildet waren. Ihr Lebenswandel entsprach auch nicht immer den kirchlich geforderten Normen.

Die beiden Reformationsbewegungen standen natürlich, dem Zeitgeist entsprechend, dem hierarchischen System mit Skepsis gegenüber.

Der Calvinismus vertrat das Prinzip, dass ein Kollegium den Pfarrer der Gemeinde aus mehreren Bewerbern auswählte. Zu diesem Zwecke mussten die Bewerber eine Reihe von Prüfungen über sich ergehen lassen, die z.B. ihre Prediger-Fähigkeiten auf die Probe stellten. Nur wer alle diese Prüfungen bestanden hatte, konnte das Priesteramt ausfüllen. So wurde gewährleistet, dass die Priester fähig und tüchtig waren. Allerdings war das Amt des Priesters eben nur einer Reihe von gut ausgebildeten Personen zugänglich. Es bestand nicht die Möglichkeit für ein einfaches Gemeindemitglied, die Messe abzuhalten. Die oberste Autorität stellte die Bibel da. Deshalb wurden auch Musik und Kunst aus den Kirche verbannt. Einzig und allein die strenge Bibel war die Richtlinie, nach der die Calvinisten leben sollten. Nach Martin Luthers Lehre gestaltet sich das Prinzip der Ordnung recht unterschiedlich. Es sind im folgenden zwei Linien zu unterscheiden:

Bis zum Jahre 1524 trat Luther für das Prinzip der sog. Gemeinde-Kirche ein. Nach diesem Prinzip wird kein Unterschied zwischen Pfarrer und Laienchrist gemacht. Jeder konnte predigen, die Sakramente spenden und die Bibel auslegen. Die Gemeinde wählte den Pfarrer und verwaltete selbständig alle Finanzen und das Kirchenvermögen. Diese Gemeindeprinzip wies starke demokratische Züge auf: Die komplette Selbstverwaltung der Kirche wurde angestrebt. Ein weiterer Kernpunkt war das Schriftprinzip: Jeder konnte mit Hilfe der Bibel unmittelbar Zugang zu Gott finden und selber predigen. Ein allgemeines Priestertum sollte geschaffen werden.

Dieses Prinzip verwarf Luther 1524 jedoch. An seine Stelle trat das System der Landes- herrlichen Kirche. Grundlegend änderte sich hierbei, dass sämtliche Verwaltungsaufgaben auf den Staat und somit auf den „Notbischof“ Kurfürst übergegangen waren. Der Fürst besetzte ein Konsistorium, welches die Ausbildung und Kontrolle der Pfarrer und den Erlass der Kirchenordnung besorgte. Beibehalten wurde zumindest in groben Zügen das allgemeine Priestertum. Es konnte nur noch theoretisch jedes Gemeindemitglied predigen Seelsorge betreiben und die Sakramente spenden. Damit wurde der Einfluss des Fürsten auf die religiösen-kirchlichen Gebaren seiner Untertanen zum Teil wieder hergestellt. Für Luther galt aber, wie für Calvin auch, dass die Bibel die einzige Autorität sei. Die Bibelauslegung wurde auch durch niemanden vorgeschrieben.

2. Kirchliche Machtmittel

Die katholische Kirche hatte einen ganzen Katalog von Strafen entwickelt. Die beliebteste und schwerste Strafe war der Kirchenbann. Diesem Ausschluss aus der Kirche folgte meist umgehend auch die Reichsacht, die den Täter somit zum Vogelfreien machte (vgl. Martin Luther).

Außerdem waren viele kirchliche Würdenträger, wie etwa die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln, zugleich in hohen weltlichen Positionen. Deshalb war ihnen einerseits das Gerichtswesen untertan, andererseits waren sie direkt an der Wahl des deutschen Königs beteiligt. Dies machte den König dann mehr oder weniger von ihrer Gunst abhängig. In der Lehre Calvins wurden alle Sittenfragen von einem Rat aus den zwölf Ältesten beraten. Dieser Rat kann recht unterschiedliche Strafen verurteilen: Bei geringen Vergehen werden die Täter mit „freundlichen Worten zurechtgewiesen und entlassen“1 Die Strafen staffelten sich aber immer höher bis zum Kirchenbann. Sobald allerdings die Sünde bereut wurde, wurden alle Strafen aufgehoben. Dies ist etwa mit dem Vorgehen der katholischen Kirche vergleichbar (vgl.Gang nach Canossa).

Im Luthertum treten die Machtmittel der Kirche erst mit dem Prinzip der landesherrlichen Kirche in den Vordergrund: Der Fürst hatte als weltlicher Herrscher zahlreiche Mittel, um Strafen durchzuführen.

3. Das Abendmahl

In allen drei religiösen Richtungen spielt das Abendmahl eine wichtige Rolle. Allerdings ist die Durchführung sehr unterschiedlich:

In der katholischen Messe empfangen alle, die dem Abendmahl beiwohnen, die Hostie und somit den Leib Christi. Der Wein, dass Blut Christi, ist jedoch dem Pfarrer vorbehalten. An der Gegenwart Jesu Christi beim Abendmahl wurde nicht gezweifelt. Allerdings soll er nur in geistiger Form anwesend sein.

Zum calvinistischen Abendmahl waren nur die zugelassen, welche ihren Glauben bekannt hatten; andere waren davon ausgeschlossen. Auch wer mit einem Bann belegt war, durfte nicht am Abendmahl teilnehmen. Wie schon in der katholischen Prozedur, so soll auch bei den Calvinisten Jesu geistig beim Abendmahl anwesend sein.

Bei den Lutheranern gestaltet sich das Abendmahl anders. Zunächst durften alle Gläubigen das Abendmahl halten. Doch mit der Wende zur landesherrlichen Kirche (1524) änderte sich dies und nur noch der erwählte Pfarrer durfte das Abendmahl abhalten. Bei diesem Abendmahl soll Christus direkt leiblich anwesend sein. Deshalb ist auch allen Gläubigen sowohl der Leib (Hostie) als auch das Blut (Wein) Christi zugänglich.

Dies waren nun die praktischen Unterschiede. Es gibt aber noch einen weiteren theoretischen Aspekt, der den Calvinismus von den anderen beiden Konfessionen unterscheidet. Die Calvinisten glauben an die Prädestination. Das heißt, dass bereits vor der Geburt vorher bestimmt ist, wer später in den Himmel kommt. Durch frommes Leben lässt sich an der Prädestination nichts ändern. Diese Vorherbestimmung ist allerdings den Gläubigen nicht bekannt und so konzentrieren sich alle mehr auf das weltliche Leben und den normalen Lebenswandel.

Sowohl im Luthertum als auch im Katholizismus ist der Zugang zum Paradies nicht von vorneherein gewährleistet. Zunächst muss ein frommes und sündenloses Leben gelebt werden. Dies ist bei Luther nur durch Gebete und keinerlei Verschuldungen möglich. In der katholischen Kirche ist es trotz zum Teil erheblicher Verstoße möglich, dass man in den Himmel kommt. Um zu büßen ist eine besondere Tat notwendig. Dies konnte sowohl ein Ablass als auch eine fromme Tat wie eine Pilgerreise oder die teilnahem am Kreuzzug sein.

[...]


1Zit. Nach Karl Heinrich Peter (Hrsg.), Briefe zur Weltgeschichte, München 1964, S. 60

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Details

Titel
Unterschiede zwischen Luthertum, Katholizismus und Calvinismus
Hochschule
Real Centro Universitario Maria Cristina
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
3
Katalognummer
V100673
ISBN (eBook)
9783638990981
Dateigröße
327 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterschiede, Luthertum, Katholizismus, Calvinismus
Arbeit zitieren
David Seiffge (Autor:in), 2001, Unterschiede zwischen Luthertum, Katholizismus und Calvinismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100673

Kommentare

  • Gast am 30.5.2007

    DANKESCHÖN!.

    Hat mir sehr geholfen bei meinem Religions Referat! Nirgendwo sonst findet man den Unterschied zwischen der katholischen Kirche, dem Luthertum und dem Calvinismus so gut erklärt wie hier.
    Ich hab zumindest sonst nichts gefunden, und ich denke, das hier ist in manchen Punkten eine zuverlässigere Quelle als Wikipedia.

    Wirklich gut erklärt!

    Nochmals vielen Dank!

  • silvio reichelt am 23.11.2002

    zur Hausarbeit "Unterschiede Luthertum, Katholizismus, Calvinismus".

    Die Hausarbeit vereinfacht grob und unzulässig den Sachverhalt. Beim Thema Abendmahl, z.B., dem zentralen Sakrament in allen christlichen Glaubensrichtungen, kommen wesentliche theologische Unterschiede nicht zur Sprache: "in pane" (Katholiken und Lutheraner) versus "cum pane" (Calvinisten) Die katholoische Transsubstantiationslehre unterscheidet sich also expliziert von calvinistischen Überzeugungen. Luther findet hier einen Mittelweg, seine Consubstantiationslehre ("Der Leib Jesu Christi ist im Brot wie das Feuer im glühenden Eisen")steht allerdings der altgläubischen Interpretation wesentlich näher. Dies soll nur ein Beispiel für die inhaltlice Unzulänglichkeit der Arbeit seien.

  • Gast am 26.9.2001

    Nich schlecht!.

    Also nicht schlecht!
    Mein Referat hat sich dank diesem
    Text etwas etwas erweitert... ich danke
    für ein paar Anregungen... schön
    formulierter Text. mfg Tobias

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