Die vorliegende Masterarbeit geht der Frage nach, ob ethisches Lernen im Religionsunterricht anhand von Jugendliteratur – hier explizit am Jugendroman "Blueprint" von Charlotte Kerner – möglich ist. Zu Beginn wird auf den Begriff des ethischen Lernens eingegangen. Daraufhin wird geschaut, wie es sich mit ethischem und bioethischem Lernen im Religionsunterricht verhält. Anschließend erfolgt eine Darstellung von Modellen ethischen Lernens, die unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen angehören: Das Stufenmodell zur Moralentwicklung nach Lawrence Kohlberg (entwicklungspsychologische Ebene), die Ethische Theorie sittlicher Urteilsfindung nach Heinz-Eduard Tödt (praktische Ebene) und die vier Modelle ethischer Bildung von Hans-Georg Ziebertz (didaktische Ebene). Anhand dieser Modelle wer-den die Analysekriterien für den Jugendroman "Blueprint" ausgewählt. Eine Diskussion der einzelnen Modelle wird direkt an deren jeweilige Darstellung angeschlossen.
Daraufhin folgen eine Begriffsbestimmung von Jugendliteratur und eine exemplarische Darstellung ihrer Verwendung im Religionsunterricht. Bevor der Jugendroman "Blueprint" hinsichtlich ethischen Lernens analysiert wird, folgt ein Umriss des Inhalts der Lektüre, eine Erläuterung des Begriffs Klonen und die Position der Kirche sowie verschiedener Länder, insbesondere Deutschland bezüglich der bioethischen Thematik Klonen von Menschen. Anschließend wird der Jugendroman anhand der Kriterien des Modells der Wertentwicklung und Wertkommunikation von Ziebertz im Hinblick auf ethisches Lernen analysiert und es wird mit Hilfe des Stufenmodells zur Moralentwicklung nach Kohlberg überprüft, ob dieser für den Einsatz in der Oberstufe geeignet ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ethisches Lernen
2.1 Ethisches Lernen im Religionsunterricht
2.1.1 Kernlehrplan für das Gymnasium in Nordrhein-Westfalen
2.1.2 Fünf Grundformen ethischen Lehrens und Lernens
2.1.3 Grenzen ethischer Erziehung in der Schule
2.2 Bioethisches Lernen im Religionsunterricht
2.3 Modelle ethischen Lernens
2.3.1 Kohlberg – Stufenmodell zur Moralentwicklung
2.3.2 Ziebertz – Vier Modelle ethischer Bildung
2.3.3 Tödt – Ethische Theorie sittlicher Urteilsfindung
2.4 Zwischenfazit
3 Jugendliteratur im Religionsunterricht
3.1 Definition und Entstehung von Jugendliteratur
3.2 Einsatz von Jugendliteratur im Religionsunterricht
4 Jugendroman Blueprint von Charlotte Kerner
4.1 Klonen
4.1.1 Stellungnahme der katholischen Kirche
4.1.2 Rechtslage auf Länderebene
5 Ethisches Lernen anhand von Blueprint
6 Diskussion
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit ethisches Lernen im Religionsunterricht der Oberstufe anhand von Jugendliteratur möglich ist, wobei der Jugendroman "Blueprint" von Charlotte Kerner als zentrales Fallbeispiel dient. Dabei wird geprüft, ob die Lektüre als Medium geeignet ist, um ethische Urteilskompetenz zu fördern und eine Auseinandersetzung mit bioethischen Problemstellungen zu initiieren.
- Grundlagen des ethischen Lernens im Kontext des Religionsunterrichts
- Analyse und Vergleich didaktischer und psychologischer Modelle ethischer Bildung
- Einsatzmöglichkeiten und Lernchancen von Jugendliteratur im schulischen Diskurs
- Bioethische Problematik des Klonens von Menschen und die Position der katholischen Kirche
- Kritische Überprüfung des Romans "Blueprint" anhand ausgewählter ethischer Modelle
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Stellungnahme der katholischen Kirche
Im Rahmen der voranschreitenden Erkenntnisse in der Gentechnik und der Biomedizin ist die katholische Kirche gewillt, an der Diskussion teilzunehmen und Stellung zu bioethischen Fragen zu beziehen. Die katholische Kirche äußert sich in den Dokumenten Humanae vitae, Donum vitae sowie Evangelium vitae zum bioethischen Diskurs. Bei Humanae vitae und Donum vitae handelt es sich um päpstliche Enzykliken und bei Donum vitae um einen Zusammenschluss für die Glaubenslehre aus dem Vatikan. Zudem positioniert sich die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) in den Dokumenten Menschenwürde und Menschenrechte von allem Anfang an, Der Mensch: sein eigener Schöpfer und unbehindert Leben und Glauben teilen zu dieser Thematik.
Zunächst soll die biblische Sicht vom Menschen kurz erläutert werden, um besser nachvollziehen zu können auf welcher Grundlage die Stellungnahme der katholischen Kirche basiert. Im Rahmen des jüdisch-christlichen Glaubens ist der Mensch von Gott als sein Ebenbild erschaffen wurden. Somit ist der Mensch kein zufällig entstandenes Lebewesen. Aufgrund der Gottebenbildlichkeit ist das menschliche Leben heilig und nicht etwas, womit beliebig experimentiert werden darf. In der Erschaffung als Ebenbild Gottes gründet auch die Würde des Menschen, wodurch dieser bedingungslos von Gott geliebt wird. Somit ist die Würde des Menschen unantastbar und wohnt jedem Einzelnen inne, unabhängig von all seinen Leistungen, Fähigkeiten oder Fehltritten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz ethischer Fragen im Religionsunterricht ein und formuliert die Forschungsfrage, ob der Roman "Blueprint" ethisches Lernen ermöglichen kann.
2 Ethisches Lernen: Dieses Kapitel definiert ethisches Lernen, erläutert dessen Verankerung in Lehrplänen und stellt zentrale Modelle von Kohlberg, Ziebertz und Tödt vor, die als Analysebasis dienen.
3 Jugendliteratur im Religionsunterricht: Es werden Definitionsansätze für Jugendliteratur dargelegt und deren Rolle sowie didaktische Chancen und Grenzen für den Religionsunterricht diskutiert.
4 Jugendroman Blueprint von Charlotte Kerner: Nach einer Einführung zur Autorin und zum Inhalt erfolgt eine detaillierte Erläuterung des Themas Klonen, inklusive der kirchlichen und rechtlichen Perspektiven.
5 Ethisches Lernen anhand von Blueprint: Die Analyse untersucht unter Anwendung der eingeführten Modelle, wie der Roman als Grundlage für ethische Reflexion und Perspektivübernahme genutzt werden kann.
6 Diskussion: Hier werden die Chancen und Risiken, die der Einsatz von "Blueprint" im Unterricht bietet, kritisch reflektiert und in den Gesamtzusammenhang der ethischen Bildung gestellt.
7 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bejahung der Eignung des Romans, betont jedoch die Notwendigkeit ergänzender Sachtexte für einen vollständigen Diskurs.
Schlüsselwörter
Ethisches Lernen, Religionsunterricht, Jugendliteratur, Bioethik, Klonen, Blueprint, Charlotte Kerner, Kohlberg, Ziebertz, Tödt, Moralentwicklung, Wertkommunikation, Perspektivübernahme, Identität, Menschenwürde
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Jugendliteratur, speziell am Beispiel von Charlotte Kerners Roman "Blueprint", als geeignetes Medium fungieren kann, um ethisches Lernen im Religionsunterricht der Oberstufe zu unterstützen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen ethischen Lernens, die Didaktik der Jugendliteratur im Religionsunterricht sowie die bioethische Problematik des Klonens von Menschen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, inwieweit der Roman "Blueprint" unter Anwendung ethischer Modelle dazu beitragen kann, die ethische Urteilskompetenz von Schülern zu erweitern und eine kritische Auseinandersetzung mit Werten und Normen zu fördern.
Welche wissenschaftlichen Modelle werden verwendet?
Die Arbeit nutzt das Stufenmodell zur Moralentwicklung von Lawrence Kohlberg, die Theorie sittlicher Urteilsfindung von Heinz-Eduard Tödt sowie die vier Modelle ethischer Bildung von Hans-Georg Ziebertz.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Analyse der Jugendliteratur-Didaktik und eine konkrete Anwendung dieser Erkenntnisse auf den Roman "Blueprint" sowie die ethische Einordnung der Thematik Klonen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Ethisches Lernen, Bioethik, Jugendliteratur, Moralentwicklung und Urteilskompetenz.
Wie positioniert sich die katholische Kirche zum Thema Klonen?
Die katholische Kirche lehnt das Klonen von Menschen aufgrund des biblischen Menschenbildes und der unantastbaren Würde des Lebens strikt ab, da sie im Embryo bereits ein von Gott gewolltes Leben sieht.
Welche Rolle spielt die Perspektive der Protagonistin Siri im Roman?
Siris Perspektive ist zentral, da sie als Klon ihre eigene Identitätskrise und ihre Abhängigkeit von der Mutter schildert, was Schülern ermöglicht, sich in das Klon-Dasein hineinzuversetzen und ethische Fragen intensiv zu reflektieren.
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- Anonym (Autor:in), 2019, Ethisches Lernen anhand von Jugendliteratur im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1006829