Sexuelle Gewalt am Beispiel der Odenwaldschule

Schutzkonzepte und Prävention gegen sexuelle Gewalt an Kindern in öffentlichen Einrichtungen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2021

30 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen zum Thema Sexuelle Gewalt
2.1. Begriffserklärung: Sexualisierte Gewalt
2.2. Täterstrategien
2.2. Sexuelle Gewalt an Kindern
2.2. Sexuelle Gewalt an Jungen

3. Sexuelle Gewalt in Institutionen

4. Das Beispiel Odenwaldschule
4.1. Gründung und Pädagogisches Konzept
4.2. Sexualisierte Gewalt an Schülern und Schülerinnen
4.3. Begünstigungen für sexualisierte Gewalt an der Odenwaldschule
4.4. Veröffentlichung der Missbrauchsfälle
4.5. Medienberichte und gesellschaftliche Konsequenzen
4.6. Der Film von Röhl

5. Schutzkonzepte
5.1. Was tun bei sexueller Gewalt

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Und wir sind nicht die Einzigen“ (Huckele, 2013, S. 120.)

Dieser Satz von Andreas Huckele steht für die systematische sexuelle Gewalt an Schülerinnen und Schülern der Odenwaldschule über mehrere Generationen hinweg. Jeder von uns kennt jemanden, bewusst oder unbewusst, der sexuelle Gewalt erfahren hat. Wenn diese Gewalt von pädagogischen Schutzbefohlenen ausgeht, widerspricht dies klar dem professionellen Selbstverständnis der Lehrenden. Dennoch gibt es immer wieder Vorfälle wo Kinder und Jugendliche in öffentlichen Einrichtungen und Organisationen ihres Willens, ihrer Freiheit und ihres Rechtes beraubt werden.

Sexuelle Gewalt an Kindern ist für viele in der Gesellschaft ein Tabu Thema. Viele glauben, nicht davon betroffen zu sein, sie schauen weg und fühlen sich nicht verantwortlich.

Als im Jahr 2010 die Missbrauchsfälle von sexueller Gewalt an SuS an der Odenwaldschule durch Pädagogen bekannt gemacht wurden, schlug dies große Wellen. So große, dass die Gesellschaft sich nicht mehr der Verantwortung entziehen konnte. Huckele ist ein ehemaliger Schüler der reformpädagogischen Odenwaldschule und Opfer sexueller Gewalt. Nach jahrelangem Kampf gelang es ihm die Vorfälle an die Öffentlichkeit zu bringen und sich Gehör zu verschaffen. Dass sie nicht die Einzigen waren, stellte sich schnell nach einem umfassenden Gutachten heraus.

Trotz dieser öffentlichen Resonanz in der Gesellschaft, spielt das Thema sexuelle Bildung und sexuelle Gewalt in pädagogischen Studiengängen eine untergeordnete Rolle. Eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik ist jedoch von großer Bedeutung und relevant, um weitere Fälle von sexueller Gewalt an Schülerinnen und Schülern zu unterbinden.

Es stellen sich die Fragen, wie es zu den Übergriffen von sexueller Gewalt an Schülerinnen und Schülern an der Odenwaldschule kommen konnte, wie kann es sein, dass die Opfer über 30 Jahre schwiegen und selbst als sie ihre Sprache fanden nicht gehört wurden?

Das vorliegende Portfolio widmet sich genau diesen Fragen. Zum besseren Verständnis wird zu Beginn der Begriff ,sexuelle Gewalt‘ definiert und begründet, warum hier nicht von sexuellem Missbrauch gesprochen wird. Im Folgenden werden die Grundlagen der Thematik der sexuellen Gewalt an Kindern thematisiert, dazu werden die Täterstrategien erläutert und sexuelle Gewalt an Kindern und speziell an Jungen aufgezeigt. Die Arbeit geht daraufhin zum Thema sexuelle Gewalt in Institutionen über. Im vierten Kapitel wird die Gründung der Odenwaldschule und das pädagogische Konzept vorgestellt. Im Anschluss daran wird die Frage beantwortet, wie die sexuelle Gewalt an der Odenwaldschule begünstigt wurde und mit welchen Strategien der Haupttäter vorging. Durch die Aufdeckungsarbeiten stellte sich heraus, dass sich die Vorfälle von sexueller Gewalt innerhalb der Amtszeit des Schulleiters Gerold Becker (1972-1985) häuften, er wird somit als Haupttäter betrachtet (vgl. Burgmüller; Tilmann, 2010, S. 24.) somit wird sich die Arbeit im weiteren Verlauf auf diesen Zeitraum beschränken.

Es wird analysiert, inwieweit die Bestandteile der reformpädagogischen Elemente der Odenwaldschule - die Nähe zum Kind, die Abgeschlossenheit der Internatsfamilien - für sexuelle Gewalt an Kindern genutzt wurden. Darauf folgt die Veröffentlichung der Vorfälle durch Huckele und seine Mitschüler, es wird gezeigt welche Rolle die Medienberichte spielen und welche gesellschaftlichen Konsequenzen sich aus der Veröffentlichung ergeben. Die Arbeit bezieht sich zum großen Teil auf das Buch von Andreas Huckele (bis November 2012 unter Pseudonym Jürgen Dehmers geschützt). Zum Schluss des vierten Kapitels wird die Umsetzung des Films von Röhl über die sexuelle Gewalt an der Odenwaldschule erläutert.

Im letzten Abschnitt zeigt die Arbeit Schutzkonzepte und Ansätze der Prävention gegen sexuelle Gewalt an Kindern in öffentlichen Einrichtungen auf.

Abgerundet wird die Arbeit mit einem Fazit.

2. Grundlagen zum Thema Sexuelle Gewalt

2.1. Begriffserklärung: Sexualisierte Gewalt

„Sexueller Missbrauch von Kindern ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind entweder gegen den Willen des Kindes vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund körperlicher, seelischer, geistiger oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Der Täter nutzt seine Macht- und Autoritätsposition aus, um seine eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen“ (kein-raum-fuer- missbrauch.de).

In dieser Definition der Initiative „Kein Raum für Missbrauch“ wird von einem sexuellen Missbrauch gesprochen. Daraus geht hervor, dass ein Kind niemals die Schuld an der Tat trägt, egal ob es sich körperlich wehrt, oder aufgrund verschiedener Unfähigkeiten nicht in der Lage dazu ist den Übergriff zu unterbinden. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Begriff der sexuellen Gewalt verwendet, da dieser Terminus das Thema genauer beim Namen nennt. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf der Gewalt, die vom Täter gegenüber dem Opfer ausgeübt wird.

Als sexuelle Gewalt definiert Huckele „Gewalttätigkeiten und Grenzüberschreitungen können physisch sein (schlagen), psychisch (demütigen) oder emotional (Manipulation). Wird eine der drei Varianten der Grenzüberschreitung mit scheinbarer Sexualität aufgeladen, handelt es sich um sexualisierte Gewalt“ (Huckele, 2014.).

2.2. Täterstrategien

Frauen, die in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurden und sexuelle Gewalt erfahren haben, leiden fast immer unter Schamgefühlen und fühlen sich schuldig. Schuld daran, ist der Umgang und das Handeln oder auch das nicht - Handeln der Gesellschaft. Es ist längst überfällig, den Opfern gerecht zu werden, indem die Verantwortung für die Taten eindeutig den Tätern zuzuweisen und dementsprechend mit ihnen zu verfahren. Damit angemessen präventiv gehandelt werden kann, müssen zunächst die Ursachen für den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen beantwortet werden. Wichtig ist es dabei, auf die in der Gesellschaft geltenden Mythen von sexuellem Missbrauch aufmerksam zu machen und diese aufzuklären. Zusätzlich muss über die Täterstrategien aufmerksam gemacht, und der Gesellschaft deutlich verdeutlicht werden, wie gravierend die Probleme von sexuellem Kindesmissbrauch sind. Es muss ein Bewusstsein für das komplexe Bedingungsgefüge, welches die sexuelle Gewalt an Jungen und Mädchen verursacht und ermöglicht geschaffen werden. Denn es kommen viele verschiedene Faktoren zusammen, die es ermöglichen, dass jemand Übergriffe verübt, Kinder nicht wissen, wie sie sich wehren und aus der Situation entziehen können, dass auch nach dem Bekanntwerden der Tat den Opfern meist nicht geglaubt wird und die Täter(innen) nicht angemessen verurteilt und sanktioniert werden. Diese Faktoren lassen einen Kreislauf entstehen, der nicht länger geduldet werden darf.

Damit dieser Kreislauf unterbunden werden kann, ist es wichtig allgemein geltende Mythen aufzuklären. In der Gesellschaft sind traditionelle Ursachenvorstellungen und Überzeugungen im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch weit verbreitet. Es ist wichtig, sich von traditionellen Vorstellungen zu lösen, damit das Problem bekämpft werden kann.

Zum Beispiel die Vorstellung, dass der Täter immer eine fremde Person ist. Diese Theorie trifft nur in den seltensten Fällen zu, denn die meisten Täter kommen aus dem direkten Umfeld des Opfers. Auch wird das wahre Ausmaß der Anzahl von sexuellen Missbrauchsfällen oft von der Gesellschaft nicht zur Kenntnis genommen, obwohl es längst bekannt ist. Viele sind noch der Überzeugung, dass sexueller Missbrauch nur in seltenen Fällen stattfindet. Ein weiterer Mythos ist, dass der Täter durch einen starken sexuellen Trieb Kinder sexuell misshandelt. Möglicherweise kommt noch sexuelle Frustration hinzu und die nicht vorhandene Möglichkeit für einvernehmlichen Geschlechtsverkehr. Jedoch wird diese Theorie nie hinterfragt, wieso einem sexuell bedürftigen Mann ein unreifes Kind zur Befriedigung der Bedürfnisse als passend erscheint. Dazu kommt die gegen Überlegung, warum denn Frauen so viel seltener zu Täterinnen werden, obwohl sicher auch viele Frauen sexuell bedürftig sind. Wenn wir von Tätern hören, die Kinder sexuell misshandelt haben, fällt oft die Aussage: „Der ist doch psychisch krank!“. Diese Aussage ist zwar naheliegend, aber dennoch falsch (vgl. Kolshorn, 2018, S. 140.).

Man darf die Taten und den Täter nicht relativieren und die Begründung für die Tat auf eine Krankheit schieben. Nur die wenigsten der Täter sind tatsächlich psychisch krank. Bei dem Ausmaß an Fällen von sexuellem Missbrauch stellt sich doch die Frage, ob so unglaublich viele Menschen psychisch krank sein können (vgl. ebd., S, 141).

Die Mythen über sexuelle Misshandlung die hier aufgezeigt wurden, aber noch viele weitere, sind gleichermaßen unhinterfragt und wissenschaftlich nicht haltbar. Die Realität wird verleugnet. Menschen sind der Annahme die Täter seien psychisch krank und wenn dann ein Fall von Missbrauch in dem näheren Umfeld aufgedeckt und der Täter bekannt wird, heißt es oft „von dem hätte ich das nie erwartet“ oder „der hat ein so hohes soziales Ansehen, damit habe ich nicht gerechnet“. Diese Aussagen bestätigen nur, wie verschlossen die Gesellschaft vor den realen Tatsachen des sexuellen Missbrauchs sind. Wenn die Mehrheit davon ausgeht, dass der Täter fremd ist oder psychisch krank, können Kinder nicht effektiv vor sexuellen Übergriffen geschützt werden.

Hinzu kommt, dass viele Mythen sich auf die Opfer beziehen. Das lässt den Täter in den Hintergrund treten und definiert die sexuelle Misshandlung als ein Problem des Opfers. Es ist notwendig sich von den alten Vorstellungen zu lösen und dem Täter keine Möglichkeit zu geben, sich einer Verurteilung zu entziehen.

Damit zukünftig Kinder vor sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt geschützt werden können, ist es notwendig die Täterstrategien zu verdeutlichen und ein Bewusstsein zu schaffen. Die Strategien die die Täter anwenden sind so vielseitig wie die Anzahl der Täter selbst. In verschiedenen Studien wurden Täterstrategien zusammengetragen und veröffentlicht.

Die Strategien, mit denen sich Täter Zugang zu ihren Opfern - auch innerhalb der Familie - schaffen richten sich nach drei Ebenen (vgl. Heiliger, 2001, S. 73). Nach außen, um ein Eingreifen von außenstehenden Personen zu verhindern. Gegenüber dem Opfer, um es zu manipulieren und somit gefügig und wehrlos zu machen. Gegenüber der Mutter, oder einer anderen weiblichen Bezugsperson des Opfers, um ihre Wahrnehmung zu stören und sie gleichzeitig von dem Kind abzukapseln. Dadurch entsteht ein so schlechtes Verhältnis zwischen Mutter und Kind, dass die Mutter weder ihrer eigenen Wahrnehmung traut, noch den Hinweisen des Kindes Glauben schenkt. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass sie über den Missbrauch Bescheid weiß, aber von dem Täter dazu gebracht wird, den Missbrauch zu dulden oder sogar zu fördern. In einigen Fällen gibt sogar die Mutter dem Kind die Schuld an dessen Missbrauch (vgl. Heiliger, 2001, S. 77).

Im weiteren Verlauf werden sechs Schritte der Täter Strategien erläutert. Der erste Schritt beschreibt die langfristige Planung des Missbrauchs. Die Rational- Choice- Theorie nach Cornish und Clarke besagt, dass der Täter sich im Allgemeinen für die Straftat entscheidet, um mit dieser Handlung einen Gewinn oder Vorteil zu erreichen (Vgl. Kuhle, 2014, et. al., S.118). Der Täter plant die Handlungen systematisch lange im Voraus. Denn nicht das Kind weckt erst das Interesse des Täters, sondern der Täter hat dieses Interesse bereits entwickelt. In seinen Vorstellungen hat er die Tat bereits vorweggenommen, dazu gehört auch die Nutzung von Missbrauchsabbildungen von Kindern als Opfer, die eine weitere Form der sexuellen Ausbeutung von Kindern darstellt. Denn die Nutzung von Missbrauchsabbildungen ist kein Opferloses Verbrechen, die Produktion dieser Abbildungen geht mit einem tatsächlichen sexuellen Missbrauch einher. Die Nutzung solcher Missbrauchsabbildungen steigert auch die Nachfrage (vgl. Kuhle, 2014, et. al. S. 116.)

Der Täter ist bereit sich ein reales Opfer zu suchen, um seine Phantasien in der Realität umzusetzen. Dazu sucht er sich als Partnerin eine Frau mit einem Kind, oder heiratet eine Frau, um mit ihr ein Kind zu bekommen, welches er sexuell misshandeln kann. Der zweite Schritt der Täterstrategien definiert das Schaffen von Voraussetzungen für den Missbrauch. Kinder die nur wenig Zuneigung erhalten, sich nicht geliebt oder geschätzt fühlen und ein besonders hohes Bedürfnis nach Anerkennung haben, sind besonders gefährdet. Oft hat die Mutter schon ein negatives Verhältnis zu ihrem Kind oder sie kann ihr Kind nicht schützen, weil sie selbst Probleme mit dem Partner hat. Teilweise kommt es vor, dass sich die Mutter nicht von dem Täter trennen möchte, da sie davon überzeugt ist, dass eine Trennung die Familie zerstören würde (vgl. Heiliger, 2001, S. 76). Ein allgemeines Gewaltklima innerhalb der Familie oder autoritäres Verhalten des Täters, verschlechtern zunehmend die Lage des Opfers. In vielen Fällen ist es auch so, dass Kindern die Sexualaufklärung fehlt. So können sie die Situation noch weniger einschätzen und beurteilen.

Hat der Täter sich einen Zugang zum Opfer geschaffen, beginnt er damit eine ,Normalität‘ von sexuellen Übergriffen systematisch herzustellen. Dabei beginnt er mit ganz beiläufigen Berührungen und steigert dann seine Handlungen. Er gewöhnt das Opfer an seine Übergriffigkeit, sodass sich das Kind nicht mehr befreien kann, wenn es deutlich spürt, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Das fatale daran ist, dass die Kinder die Zuwendung am Anfang tolerieren, da sie die Zuneigung und Aufmerksamkeit so dringend brauchen. Opfer haben oft Angst sich zu wehren, da sie den Verlust der benötigten Zuwendung fürchten und fühlen sich aus diesem Grund schuldig, die Übergriffe geduldet zu haben. Wenn das Opfer an diesem Punkt angelangt ist, steigert der Täter seine Handlungen.

Im nächsten Schritt sorgt der Täter dafür, dass eine langfristige Aufrechterhaltung des Zugriffs auf das Kind möglich ist. Dazu erhalten die Kinder Geschenke oder Geld um die Kooperation zu erhöhen, oder sie erhalten Drohungen, erfahren Zwang und Gewalt, um sie zur Kooperation zu zwingen. Der Täter erlegt dem Opfer ein Schweigegebot auf, welches auch nach der Veröffentlichung und Unterbindung der Tat fest verankert ist. Die Opfer werden so Manipuliert, dass sie glauben eine hohe Verantwortung für das familienwohl und insbesondere für das Wohl des Täters zu haben. Der Täter versichert dem Kind, dass sich alles verschlimmern wird, wenn es nicht kooperiert oder den Täter verrat, sonst würde zum Beispiel die Mutter krank werden oder die Geschwister in ein Kinderheim kommen.

Durch den kognitiven Entwicklungsstand der Kinder, haben diese oft Schwierigkeiten die Manipulation zu erkennen und sind deshalb der Annahme, dass sie sich als bereitwillig und aktiv der Beziehung hingegeben haben und schämen sich für ihre Gefühle (vgl. Kuhle, 2014, et. al., S. 120.). Diese Methoden der Manipulation sind so schwerwiegend, dass auch nach dem sexuellen Missbrauch Opfer über das Erlebte schweigen und den Täter so schützen.

Die tiefe Spaltung der Beziehung von Mutter und Kind ist der fünfte Schritt der Täter strategien. Der Täter manipuliert die Mutter, um das Vertrauen zum Kind zu zerstören. Erst wenn die Mutter bereit ist, sich von dem Täter zu trennen, kann sie die Manipulationen erkennen und ihrem Kind Glauben schenken und es schützen.

Die letzte Strategie des Täters, ist die Nutzung der ,Täterlobby‘ (vgl. Heiliger, 2001, zitiert nach: Russel; Finkelhor, S.77). Dazu zählen alle Personen und Institutionen, die sexuellen Missbrauch oder sexuelle Gewalt leugnen, nicht als Straftat ansehen, verharmlosen oder rechtfertigen. Die Täter stützen sich auf diese Grundlage und glauben daran, dass die Opfer nicht ernst genommen werden. Das Umfeld glaubt dem Kind weniger, als den Rechtfertigungen des Täters. Falls es dazu kommen sollte, dass der Missbrauch aufgedeckt wird und das Kind aus der Familie genommen wird, beendet der Täter nicht seine Handlungen, sondern sucht sich ein neues reales Opfer und der Kreislauf beginnt von vorne.

Um diesen Kreislauf zu unterbrechen und dem sexuellen Missbrauch entgegenzutreten, sind einige Maßnahmen zur Prävention erforderlich. Dazu gehört, dass sexueller Missbrauch als Gewalt benannt wird. Missbrauch darf nicht relativiert oder verharmlost werden! Kinder müssen in ihrer Widerstandskraft gestärkt und über das Sexualverhalten aufgeklärt werden. Dazu benötigt es geschulte Fachkräfte in Institutionen für Prävention und opferorientierte Intervention (vgl. ebd. S. 78). Die Gesellschaft muss umfassend für dieses Thema sensibilisiert und aufgeklärt werden. Denn Kinder und Jugendliche, die sexuell missbraucht werden, können sich in den meisten Fällen nicht selbst helfen.

2.2. Sexuelle Gewalt an Kindern

Kinder befinden sich in einer ständigen Entwicklungsphase. In dieser Zeit begegnen Kinder immer wieder alterstypischen Entwicklungsaufgaben, die sie bewältigen müssen. Wenn Kinder in dieser Zeit missbraucht werden, stehen somit vor einer doppelten Herausforderung. „Sie müssen sich nicht nur erfolgreich diesen Entwicklungsaufgaben stellen, sondern auch den Missbrauch überleben und bewältigen“ (Bilanzbericht, 2019, Band 1: Geschichten die erzählen, unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs, S. 176.). Der sexuelle Missbrauch von Kindern hat also einen maßgeblichen Einfluss auf deren weitere persönliche Entwicklung, entscheidend ist dabei immer die Bewältigungsstrategie der Opfer.

Im Folgenden geht die Arbeit auf die Entwicklungsphasen im Kindesalter und den damit einhergehenden Risiken, sowie den Bewältigungsmustern von betroffenen Kindern ein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Sexuelle Gewalt am Beispiel der Odenwaldschule
Untertitel
Schutzkonzepte und Prävention gegen sexuelle Gewalt an Kindern in öffentlichen Einrichtungen
Hochschule
Universität zu Köln  (Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften)
Note
1,3
Jahr
2021
Seiten
30
Katalognummer
V1006833
ISBN (eBook)
9783346390981
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Odenwaldschule, sexuelle Bildung, sexuelle Gewalt, Jugendliche, Missbrauch, sexueller Missbrauch
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Sexuelle Gewalt am Beispiel der Odenwaldschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1006833

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