Die Stonewall-Proteste

Wie hat sich die zeitgenössische Berichterstattung über die Stonewall-Proteste und Homosexualität verändert?


Hausarbeit, 2020

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Situation für Homosexuelle vor den Stonewall Protesten

3. Die Stonewall-Proteste

4. Zeitgenössische Berichterstattung
a. Homophobe Tendenzen
b. Positive Haltungen gegenüber Homosexuellen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die 1960er-Jahre in den Vereinigten Staaten waren geprägt von Diskriminierung, Intoleranz und Gewalt, gleichermaßen jedoch auch von Aktivismus und dem Kampf für Gleichberechtigung und Akzeptanz. Die 60er waren in Amerika das Jahrzehnt der individuellen Freiheitsrechte und der Auflehnung gegen ein intolerantes System.

Eine wichtige Gruppe, die sich unter anderen Bewegungen für mehr Gleichberechtigung einsetzte, ist die Schwulen- und Lesbenbewegung.

Homosexuelle gelten in den 60ern aufgrund ihrer Sexualität als kriminell, wodurch Inhaftierungen sowie Veröffentlichung der Daten dieser inhaftierten Personen in öffentlichen Medien legitimiert werden.1 Zu dieser Zeit werden Homosexuelle in vielen Lebensbereichen diskriminiert und benachteiligt. Bis in die 70er-Jahre gilt Homosexualität noch als psychische Erkrankung, sie wird allerdings 1973 aus dem Krankheitskatalog der American Psychiatric Association entfernt.2 3 Ein weiteres großes Problem, von dem Mitglieder der LGBT-Szene betroffen waren und auch heute immer noch sind, ist die Polizeigewalt. Es war keine Seltenheit, dass die Polizei Razzien in Bars durchführte, bei denen bekannt war, dass die Kundschaft überwiegend schwul oder lesbisch war. Schwule, Lesben und Transvestiten wurden bei diesen Razzien festgenommen und bloßgestellt.

Auch am 28. Juni 1969 fand eine Razzia der New Yorker Polizei in der Schwulenbar Stonewall Inn statt. Im Gegensatz zu vergleichbaren Razzien lehnten sich die Leute an diesem Abend jedoch gegen die Willkür und Diskriminierung durch die Polizei auf. Die Ereignisse verbreiteten sich schnell, weswegen sich an den darauffolgenden Tagen Schwule und Lesben vor dem Stonewall Inn versammelten und die Aufstände somit 3 weitergingen.

Der Aufstand im Stonewall Inn markiert für die Schwulen- und Lesbenbewegung einen Wendepunkt im Kampf für Gleichberechtigung. Es gab zwar schon vor 1969 öffentliche Demonstrationen für mehr Rechte, jedoch waren die Stonewall-Aufstände der Beginn für einen aktiveren Kampf gegen die Ungleichheit. Kurz danach bildet sich auch die Gay Liberation Front (GLF), welche sich öffentlich für mehr Toleranz für Schwule und Lesben einsetzt.4

Interessant ist nun, wie in öffentlichen Medien von den Stonewall-Aufständen berichtet worden ist. Aufgrund der eher abwertenden Haltung gegenüber Homosexuellen in den 60er- und 70er- Jahren, ist eine genauere Betrachtung der zeitgenössischen Berichterstattung über die Stonewall-Proteste hilfreich, um ein allgemeines Stimmungsbild der Bevölkerung gegenüber der LGBT-Szene zu entwerfen. Deshalb werden im Folgenden überwiegend Artikel der New York Times analysiert, welche vor allem die politische Mitte repräsentieren. Hierbei sollen auch die Unterschiede im zeitlichen Verlauf sichtbargemacht werden, weshalb die ausgewählten Artikel aus dem Zeitraum von 1969 bis 1979 sind.

2. Die Situation für Homosexuelle vor den Stonewall-Protesten

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der damit verbundenen Verfolgung von Homosexuellen, entwickelt sich in den 1950er-Jahren langsam wieder eine Bewegung für die Gleichberechtigung und Akzeptanz von Schwulen. Während diese in den 50ern noch eher klein und passiv ist, formt sich in den 60er-Jahren eine immer größer werdende und organisierte Homophilenbewegung, welche sich für die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzt.5

So ist auch das Thema der Homosexualität in den 60ern präsenter als in den Jahren davor. Es entwickelt sich eine eigene Gemeinschaft mit eigenen Zeitschriften, Radiosendungen und anderen öffentlichen Institutionen, in denen Homosexuelle ihre Gedanken teilen können.6 Aber auch in Zeitungen und Magazinen wie der Washington Post oder der New York Times wird Homosexualität im Laufe der 1960er öfter thematisiert. Jedoch werden Schwule und Lesben in der Gesellschaft immer noch nicht als vollwertige Bürger anerkannt, weswegen sie in Zeitungen mit Perversen und Kriminellen gleichgesetzt werden.7

Aufgrund des vorherrschenden Bildes der idealen amerikanischen Staatsbürgerschaft im 20. Jahrhundert, werden schwule Männer von der Gesellschaft ausgeschlossen. Für Amerikaner bedeutet die Bürgerschaft eines Mannes Heterosexualität und Männlichkeit, wogegen homosexuelle Männer in diesem Sinne verstoßen.8

Genau wie schwule Männer entsprechen auch homosexuelle Frauen nicht dem Ideal, das von der Gesellschaft vorgegeben wird. Die Aufgabe der Frau ist es, sich um den Haushalt zu kümmern und die Kinder zu erziehen, während lesbische Frauen keine eigenen Kinder bekommen können.

Homosexualität widerspricht dem entworfenen Konstrukt einer „idealen“ Familie, weswegen Homosexuelle für ihre Sexualität ausgegrenzt, verfolgt und diskriminiert werden.

Dies legitimierte zu dieser Zeit auch die Missachtung der Grundrechte durch die Polizei. Schwule, Lesben und Transvestiten konnten allein aufgrund ihrer Sexualität und ihres Aussehens von der Polizei verhaftet werden und in der Öffentlichkeit bloßgestellt werden. Namen und Adressen der inhaftierten Personen wurden in Zeitungen veröffentlicht, was einen enormen Eingriff in die Privatsphäre bedeutete.9 Diese Veröffentlichung von privaten Daten konnte außerordentliche Schwierigkeiten für die betroffenen Personen bedeuten. Viele Homosexuelle trauten sich aufgrund der Ausgrenzung und der Probleme, die sich mit einer anderen Sexualität ergaben, nicht, sich zu ihrer Sexualität zu bekennen. Durch das öffentliche Outing erfuhren sowohl Arbeitgeber als auch die Familie von der Homosexualität der genannten Person, was wiederum zu einer Kündigung und Ablehnung durch Familienmitglieder führen konnte. Die Veröffentlichung konnte das Leben einzelner Personen regelrecht zerstören, lediglich veranlasst durch ihre Sexualität.

Deshalb setzten sich Schwule und Lesben in den 60ern vor allem dafür ein, ihre Sexualität in der Privatheit ausleben zu dürfen und von anderen in Ruhe gelassen und toleriert zu werden.10 11 Vor den Stonewall-Protesten war das hauptsächliche Ziel der Schwulen- und Lesbenbewegung lediglich Toleranz.

Bis 1968 wird Homosexualität jedoch noch als soziopathische Persönlichkeitsstörung klassifiziert und erst 1973 wird sie endgültig aus dem Katalog der American Psychiatric Association genommen, weswegen ein wirkliches Verständnis für die Normalität von Homosexualität noch ein langer Prozess ist.

Obwohl sich immer mehr Menschen für die Akzeptanz von Homosexuellen einsetzen und seit 1964 auch öffentlich für ihre Rechte protestieren, entwickelt sich innerhalb der Gesellschaft nur sehr langsam eine wirkliche Toleranz gegenüber Homosexuellen. Durch die resultierende Ausgrenzung entstehen vor allem in den 60ern Schwulenbars, in denen sich Homosexuelle ausleben können und nicht mit Ablehnung konfrontiert werden. Dort können sie sich zurückziehen und zu ihrer Sexualität stehen, was ihnen im normalen Alltag verwehrt ist. Da viele Bars jedoch ohne eine Ausschankerlaubnis Alkohol verkaufen, sind vor allem die Bars, bei denen zusätzlich bekannt ist, dass die Kundschaft aus Homosexuellen besteht, das Ziel von Polizeirazzien. So werden oftmals Undercover-Polizisten in Schwulenbars geschickt, um dort zu ermitteln und gegebenenfalls Leute festzunehmen.

Ein Beispiel hierfür ist die Bar Patch im Stadtteil Wilmington in Los Angeles, wo im Jahr 1968 vier Männer die Kunden der Schwulenbar belästigen und beleidigen. Die Polizei vertreibt die Täter zwar, nimmt diese aber nicht fest. Stattdessen sitzen währenddessen zwei Undercover-Polizisten in der Bar, die dort zwei Leute verhaften. Lee Glaze, der Manager der Bar, ruft daraufhin, dass es kein Verbrechen sei, in einer Schwulenbar zu sein. Ein anderer antwortet: „We’re Americans too!“12 Dieser Vorfall in der Schwulenbar Patch zeigt unter anderem die Missstände auf, mit denen Homosexuelle zu kämpfen haben. Zwar werden Menschen, die Schwule belästigen, von der Polizei vertrieben, jedoch werden trotz allem mehr Schwule in Bars aufgrund ihrer Sexualität festgenommen. Obwohl die Polizei die Aufgabe hat, für Ordnung und für Recht zu sorgen, und dabei auch die Staatsbürger Amerikas zu schützen, kommt die Polizei ihrer Pflicht bei Homosexuellen nicht nach.

Für viele Amerikaner sind Homosexuelle zu dieser Zeit andersartig und werden sogar teilweise als Bedrohung eingestuft, wodurch diese mit extremer Diskriminierung und Ausgrenzung leben müssen. Sie setzen sich zwar für ihre Rechte und für mehr Toleranz ein, müssen jedoch immer wieder Rückschläge erleiden. Auch wenn in den Medien mehr über Sexualität gesprochen wird, sind Homosexuelle in den 60er-Jahren immer noch kein vollwertiger Teil der Gesellschaft. Der Kampf der Schwulen- und Lesbenbewegung scheint in den 1960er-Jahren noch zurückhaltend und passiv. Trotz einiger Demonstrationen bessert sich die Situation für Homosexuelle nur wenig.

3. Die Stonewall-Proteste

Die Stonewall-Proteste gelten in der LGBT-Gemeinde als wichtiger Wendepunkt im Kampf für mehr Rechte und für mehr Gleichberechtigung und Toleranz für Homosexuelle. In der Forschung wurde der Aufstand ebenfalls lange als Startpunkt für das gay liberation movement gesehen, jedoch sind die Proteste das Ergebnis der Bewegung in den 60er-Jahren.13

Das Stonewall Inn ist eine Schwulenbar in der Christopher Street in der Greenwich Village in New York. Schon damals, aber auch heute noch, ist Greenwich Village als Lesben- und Schwulenviertel bekannt, weswegen sich dort viele Schwulenbars und andere Treffpunkte für Homosexuelle befinden. Das macht das Viertel jedoch auch zu einem Ziel für Polizisten, weshalb es dort öfter zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Homosexuellen kam.

Auch gewaltsame Razzien waren regelmäßige Vorkommnisse in den 1960er-Jahren, bei denen Homosexuelle aufgrund von „anstößigem Verhalten“ festgenommen worden sind. So eine Razzia fand in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 im Stonewall Inn statt. Da die Schwulenbar eine Verbindung zu der Mafia besaß sowie keine Ausschankerlaubnis hatte, geriet sie in das Visier der New Yorker Polizei.14 Was diese Razzia jedoch von ähnlichen Vorkommnissen unterscheidet ist, dass sich die Kundschaft der Schwulenbar erstmals gegen die Willkür der Polizei wehrt.15 Die anwesende Kundschaft schreit und beleidigt die Polizisten. Es kommt zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung, in der die Besucher der Bar die Polizisten mit Münzen bewerfen und Sachen kaputtmachen. Immer mehr Anwohner und andere Menschen beteiligen sich an der Schlägerei. Die Polizei reagiert daraufhin ebenfalls mit Gewalt, sie misshandelt die homosexuelle Kundschaft und nimmt in dieser Nacht 13 Personen fest. Erst die Feuerwehr kann die Auseinandersetzung auflösen.

Die Ereignisse der Nacht verbreiten sich enorm schnell über das schwule Netzwerk, weswegen sich auch in den Tagen nach der Razzia über 2000 Leute vor dem Stonewall Inn versammeln, um zu demonstrieren.16

[...]


1 Vgl. Robert O. Self: All in the Family. The realignment of American democracy since the 1960s. New York 2012, S.80.

2 Vgl. Nicholas C. Edsall: Toward Stonewall: homosexuality and society in the modern western world. Charlottesville 2003, S.248.

3 Vgl. Self 2012, S.98.

4 Vgl. Self 2012, S.223.

5 Vgl. John D’Emilio: Sexual politics, sexual communities. The Making of a homosexual minority in the United States 1940 - 1970. Chicago 1983, S.138.

6 Vgl. D’Emilio 1983, S.138.

7 Vgl. Eric Marcus: Making history. The struggle for Gay and Lesbian Equal Rights. 1945 - 1990. An oral history. New York 1992, S.197.

8 Vgl. Self 2012, S.75f.

9 Vgl. Self 2012, S.80.

10 Vgl. Self 2012, S.78.

11 Vgl. Edsall 2003, S.247f.

12 Vgl. Self 2012, S.89f.

13 Vgl. Self 2012, S.97.

14 Vgl. Self 2012, S.97.

15 Vgl. Self 2012, S.98.

16 Vgl. Self 2012, S.98.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Stonewall-Proteste
Untertitel
Wie hat sich die zeitgenössische Berichterstattung über die Stonewall-Proteste und Homosexualität verändert?
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V1006899
ISBN (eBook)
9783346390363
ISBN (Buch)
9783346390370
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hausarbeit Geschichte USA Amerika Stonewall Proteste riots LGBTQ+ Zeitungen Homosexualität
Arbeit zitieren
Lena Morgenstern (Autor), 2020, Die Stonewall-Proteste, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1006899

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