Robert Franz und die Bedeutung seines kompositorischen Wirkens. Was wären Bach und Händel heute ohne ihn?


Hausarbeit, 2019

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Robert Franz und sein Wirken

2.1 Biografisches zu Robert Franz

2.2 Robert Franz als Komponist

2.3 Robert Franz´ Bearbeitungen von Bach (und Händel)

3 Fazit

4 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Was führt dazu, dass einige Komponisten in der heutigen Welt eine wesentlich größere Rolle als andere spielen? Waren sie wirklich so viel besser oder hatten sie einfach nur das Glück und waren zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort? Gab es andere Komponisten, die heutzutage nur noch wenige kennen, welchen aber eine nicht mindere Bedeutung zukommen sollte? Diese und weitere Fragen stellte ich mir, bevor ich begann mich im Zuge eines Referats und dieser Hausarbeit mit Robert Franz, einem der

„kleineren/unbekannteren“ deutschen Komponisten auseinanderzusetzen.

Robert Franz, ein hallescher Komponist, welcher sich den größten Teil seines Schaffens darauf konzentrierte, die Werke der großen Künstler des Barock in seine Zeit zu adaptieren. Denn die Musik seiner kompositorischen Vorgänger war (auch zu seinem Leidwesen) für das Ohr der ZuhörerInnen seiner Zeit zu eintönig und emotionslos geworden. Doch sollte sie nicht vergessen werden und so machte er sich daran, den Werken ihre Leere zu nehmen und ihre Emotionen, mit den damals verfügbaren Mitteln, wieder hervorzurufen. Wie dies geschah und inwiefern diese Bearbeitungen für die heutige Praxis noch interessant sind, werde ich im Folgenden erläutern und versuchen zu beantworten.

Die Arbeit beginnt mit einem kurzen biografischen Einblick in das Leben des Robert Franz. Darauf folgt eine kurze Übersicht über sein eigenes kompositorisches Wirken und anschließend werde ich auf seine Bearbeitungen eingehen und diese Anhand eines Beispiels grob erläutern. Zum Schluss versuche ich mich an einer Einschätzung über die Wichtigkeit der Franzschen Bearbeitungen und inwiefern sie heute noch eine Rolle spielen oder eben nicht. Ebenso betrachte ich, inwieweit er mit diesen Verwandlungen Bach und Händel zu ihrem heutigen Ruhm verhalf.

Im Großen und Ganzen habe ich zu dieser Arbeit zwei Publikationen (siehe 4.1 Quellen- und Literaturverzeichnis) zur Rate gezogen, welche durch ein weiteres Buch kurz ergänzt werden. Da Robert Franz nicht die Popularität manch anderer Komponisten genießt, ist die Literatur und Forschung über ihn recht überschaubar. Ich sehe diese Arbeit freilich nicht als einzige mögliche Betrachtung über Robert Franz an und bemerke, dass man natürlich auch zu anderen Schlussfolgerungen als den meinigen kommen kann.

2 Robert Franz und sein Wirken

2.1 Biografisches zu Robert Franz

Robert Franz wurde am 28. Juni 1815 in Halle an der Saale geboren. Sein Vater Georg Christoph Knauth (Salzwagenlädermeister) und seine Mutter Marie Philippine geb. Schultesius, zählten zu den Kleinbürgern der Stadt. „In diesem Milieu verbrachte Franz die ersten 33 Jahre seines Lebens“1 Über seine ersten Berührungspunkte mit Musik gibt es in der Literatur verschiedene Aussagen. Es geht aus ihr hervor, dass Franz selber keinen genauen Zeitpunkt nennen konnte bzw. die vorherigen möglichen Zeitpunkte in den späteren Jahren seines Lebens oft revidierte. Doch, so glaubt man der Literatur, soll sein Vater ihm schon früh vorgesungen haben. Ebenso prägten ihn schon früh die Werke Bachs und Händels, welche er in verschiedenen Konzerten hörte. Trotz dieser Erlebnisse und dem erkannten Potential in ihm, bekam Franz erst mit 14 Jahren das erste Mal Musikunterricht.2 Als ihm jedoch sein erster Lehrer „nicht mehr genügte wechselte der junge Franz von Lehrer zu Lehrer, bis er im Laufe von vier Jahren alle in Halle tätigen Musikpädagogen besucht hatte.“3 Sein Talent blieb nicht lange verborgen und so bemühten sich verschiedenste Gemeinden in und um Halle den jungen Musiker als Vertretung für die ansässigen Organisten zu gewinnen. „Sonntags war er damals von Kirche zu Kirche unterwegs, um hier den einen, dort den anderen Choralvers auf der Orgel zu begleiten.“4 Und auch die erste kleinere Festanstellung ließ nicht lange auf sich warten. Als Korrepetitor und Sänger des Latina-Chores (seinem Schulchor) kam er das erste Mal direkt mit Werken Mozarts und Haydns in Berührung. Später sollte er einmal sagen „'daß [sic.] hier das Geschick die Würfel für meine Zukunft mischte. Die ersten Compositionsversuche [sic.] fallen mit diesen Anregungen zusammen.'“ 5

Durch diesen nun sehr engen Bezug zur Musik entwickelte Franz die Idee, das Hobby zum Beruf zu machen und sich im Folgenden nur noch auf die Musik und das Komponieren konzentrieren zu wollen. Er brach gegen den Willen seiner Eltern die Schule ab und schloss sich dem Lehrer und Komponisten Friedrich Schneider in Dessau an. Dort besuchte er von nun an die dortige Komponierschule von Schneider und erlernte die Grundlagen des Komponierens. Zum Missfallen Friedrich Schneiders entwickelte Franz jedoch bald seine eigene Art des Komponierens, welche nicht der von Schneider gelehrten Norm entsprach. Daraufhin legte er ihm nahe, die Schule wieder zu verlassen. Dies tat er infolgedessen auch und zog im Jahr 1837 wieder zurück nach Halle.6 Doch fand er nach seiner Rückkehr zuerst keine Anstellung. Dies und die unbefriedigenden letzten Eindrücke aus Dessau hatten zur Folge, dass er sich für einige Zeit von der Musik entfernte. Durch intensives Hören der Bachschen und Händelschen Musik fand er jedoch zurück zu ihr7 und bekam anschließend im August 1841 das Angebot als Substitut eines Organisten in Halle arbeiten zu können. Dieses Amt schien er so gut auszufüllen, dass er im Herbst 1842 die künstlerische Leitung der Singakademie Halle übernahm und ihr infolgedessen zu neuem Ansehen und neuer Geltung verhalf.8 „Erst 1843 begann seine eigentlich schöpferische Zeit“9, in welcher er begann, Bachs und Händels Werke zu bearbeiten und den Großteil seiner Lieder schrieb.10 Bereits 1867 musste Franz jedoch krankheitsbedingt als Leiter der Singakademie zurücktreten. „Die Krankheit bestand in einer fortschreitenden Ertaubung, die ihn zwang, nun nach und nach alle seine Ämter niederzulegen, als letztes sein Organistenamt an St. Ulrich, das er seit Juni 1844 bekleidet hatte.“11 Doch mit dem Verlust der Einkünfte aus den verschiedensten Tätigkeiten folgte ein sozialer Abstieg. Franz musste aus der eher „reichen“ Innenstadt Halles an das Nordende nach Trotha ziehen, damals eines der ärmsten Viertel der Stadt. Da er jedoch nicht ganz und gar vom Staat fallengelassen wurde, äußerte sich Franz (vorher oft als Kritiker des Staates bekannt) durchaus positiv über das vorhandene Sozialsystem. Nachdem Franz jedoch Wind davon bekam, dass es eine Spendenaktion an Clara Schumann gegeben haben sollte, erwirkte er, dass mehrere Künstler aus der Stadt und dem Umland ebenso eine Spendenaktion für ihn veranlassten. Mehrere Künstler sammelten in diesem „Ehrenfond“ Geld für Franz. Rund 30 000 Taler die in Aktien angelegt wurden, mit deren Gewinn Franz´ „Rente“ überdurchschnittlich gut aufgebessert wurde.12

Der Höhepunkt einer sehr spät einsetzenden Welle der Ehrungen an ihn, war „das Jahr 1885, in das sein 70. Geburtstag und zugleich die 200. Geburtstage Bachs und Händels fielen, denen er so viel Kraft seines Lebens gewidmet hatte. Glückwünsche aus nah und fern trafen ein, die Stadt Halle machte ihn zu ihrem Ehrenbürger und Kaiser Wilhelm I. Verlieh ihm den Kgl. [Königlichen] Kronenorden 3. Klasse.“13 So erkannte man in der Stadt und im Land, wenn auch erst sehr spät, die Wichtigkeit der Franzschen Arbeit an.

„Seine letzten Lebensjahre verliefen in der Selbstgerechtigkeit einer durch viele Erfahrungen gebildeten Weltanschauung, die kaum mehr wirklichen Einfluß [sic!] suchte, sondern sich mit Feststellungen begnügte. Am 24. Oktober 1892 verstarb Robert Franz und wurde unter großer Anteilnahme der hallischen Musikfreunde zu Grabe getragen.“14

2.2 Robert Franz als Komponist

„Das kompositorische Schaffen von Robert Franz besteht im weitaus überwiegenden Maße aus Liedern mit Klavierbegleitung.“15 Er komponierte 279 dieser Lieder, einige Kompositionen für Chor und ein Albumblatt, welches das einzige Werk ist, das ausschließlich für Klavier komponiert wurde. Man kann sein Wirken im Bereich der Komposition grob in zwei Phasen einteilen. Die erste Phase vom Beginn seiner Tätigkeit (1842) bis zum Jahr 1858 und eine zweite Phase ab Ende des Jahres 1866. „Diese zweite Periode währte längstens bis 1884 mit dem Erscheinen seiner letzten Liedergruppe op. 52. Danach schrieb Franz nur noch einen Trinkspruch für vierstimmigen Männerchor im Jahre 1886.“16 Diese Einordnung in zwei Perioden ist aber umstritten. Unter Anderem weil Robert Franz viele seiner Werke nicht datierte, da er der Meinung war, dass das Lied für sich spräche und die Begleitumstände egal seien.17 Aus diesem Grund ist es auch schwierig einen Entwicklungsprozess in Franz´ Werken zu erkennen. Er selbst sagte dazu einmal: 'Aus den von mir veröffentlichten Liederheften meine künstlerische Entwicklung zu konstruieren, wird ein vergebliches Bemühen sein. Weiß ich doch hierüber selbst keine Auskunft zu geben!... Übrigens gehen die Prozesse niemanden etwas an.'18

Stilistisch lassen sich Franz´ Lieder am ehesten noch mit Schuberts und Schumanns Werken vergleichen. Jedoch ist auch hier eine Verallgemeinerung recht schwierig. Aber auch hierzu äußerte sich Franz einstmals recht ausführlich:

„Aus meinen Liedern zum Beispiel läßt [sic!] sich diese Erscheinung ganz ungezwungen beobachten: die Anklänge an das uralte Volkslied u. seine Naturlaute, die Beziehungen auf die große altitalienische Schule, mit ihren tiefsinnigen Kirchentönen, die geheime Wahlverwandtschaft zu Bach´s [sic!] und Händel´s [sic!] Musik, die lebhafte Hinneigung zu dem in Schubert und Schumann culminierenden modernen Ausdruck – von Alle diesem finden Sie deutliche Spuren in meiner Lyrik, die sich sowohl neben als ineinander verfolgen lassen.“19

Diese Worte schrieb er in einem Brief an Marie Lipsius am 09. Februar 1872. Konrad Sasse (Autor von „ Beiträge zur Forschung über Leben und Werk von Robert Franz 1815- 1892“ d. Red.) vermutet jedoch, dass diese Aussagen nur für Franz´ spätere Werke gelten. Jene Werke, die er erst nach den Bearbeitungen Bachs und Händels20 komponierte.21

2.3 Robert Franz´ Bearbeitungen von Bach (und Händel)

Neben seiner Tätigkeit als Organist, Chorleiter und Komponist bearbeitete Robert Franz seit 1859 auch viele Werke bereits verstorbener Komponisten. Dies war zu jener Zeit jedoch nicht unüblich, denn auch Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn- Bartholdy bearbeiteten verschiedenste Werke barocker Komponisten.22 Jeder dieser Bearbeiter hatte jedoch seine eigene Philosophie der Bearbeitung. Mozart wollte beispielsweise keine Wiederherstellung der originalen Aufführungspraxis „sondern […] eine Anpassung der alten Werke an den eigenen Zeitgeschmack.“23 Mendelssohn wiederum hatte den „Anspruch auf Authentizität der Anwendung eines individuell - freien improvisatorischen Verfahrens.“24 Also etwas ganz anderes als Mozarts Philosophie, weg von der strengen Aufführung nach Partitur, hin zu mehr Freiheit für den MusikerInnen. Hingegen Robert Franz´ Ansprüche an sich und seine Bearbeitungen war die annähernde Authentizität. Er selbst sagte dazu: „Es muß [sic!] also die Hauptaufgabe des Bearbeiters sein, hinter die eigentlichen Absichten der Autoren zu kommen und denen gemäß sich zu verhalten“.25 Laut dem hallenser Musikwissenschaftler Konrad Sasse ist er diesem Anspruch jedoch nie gerecht geworden.26 Denn Franz habe die Musik „nur durch den Filter einer romantisch geschulten Rezeption aufnehmen können. Hierran [sic!] konnten auch seine kontrapunktischen Studien nichts ändern, […] Auch hatte er in seinem Lehrer Friedrich Schneider nicht gerade einen Vertreter historischer Klangvorstellung gehabt.“27 Franz war von seiner Bearbeitungsmethode jedoch überzeugt und widersetzte sich der historischen Schule und den Untersuchungen der gerade neu aufkommenden Musikwissenschaft. Er wollte im Grunde nur Bachs Musik einem größeren Publikum bekannt machen und die angebliche Unvollständigkeit der Bachschen Musik, mit den Mitteln der Zeit überwinden.28 „Robert Franz ging von der Prämisse aus, daß [sic!] trotz Hinzufügungen, Neu- und Uminstrumentierungen und anderen Änderungen das Bachsche Original unangetastet, in seinen wesentlichen Grundzügen bestehen bliebe und die damaligen Hörer und Musiker diese 'Neuschöpfung' als Bachsche Werke erkennen könnten.“29 Er meinte auch, dass er Abänderungen vornehmen dürfe bzw. diese im Sinne der vermeintlich höheren künstlerischen zeitgemäßen Werte vornehmen zu müssen, damit die Hörenden die Schönheit des Bachschen Werkes überhaupt erst verstehen könnten.30

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Robert Franz und die Bedeutung seines kompositorischen Wirkens. Was wären Bach und Händel heute ohne ihn?
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V1007333
ISBN (eBook)
9783346390691
ISBN (Buch)
9783346390707
Sprache
Deutsch
Schlagworte
robert, franz, bedeutung, wirkens, bach, händel
Arbeit zitieren
Vincenz von Roda (Autor:in), 2019, Robert Franz und die Bedeutung seines kompositorischen Wirkens. Was wären Bach und Händel heute ohne ihn?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1007333

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Robert Franz und die Bedeutung seines kompositorischen Wirkens. Was wären Bach und Händel heute ohne ihn?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden