Reichtum und Armut in James Krüss' "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen"

Ein Vergleich zum zeitgenössischen Diskurs


Hausarbeit, 2018

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische und begriffliche Grundlagen
2.1. Wissenspoetologie nach Joseph Vogl
2.2. Begriffsdefinitionen
2.2.1. Armut
2.2.2. Reichtum
2.2.3. Wirtschaftswunder in Deutschland nach 1945
2.2.4. Kapitalismus und Kapitalismuskritik

3. Analyse
3.1. Darstellung der zeitgenössischen Armut- und Reichtumsdiskurse im Text
3.2. Kritik und Abwendung vom zeitgenössischen Armut- und Reichtumsdiskurs im Text
3.3. Figurenkonstruktionen in Verbindung mit Armut und Reichtum
3.3.1. Der Baron Lefuet
3.3.2. Timm Thaler

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bereits beim ersten Durchlesen des Kinder- und Jugendromans von James Krüss Timm Thaler oder das verkaufte Lachen (1962), stolpert der Leser förmlich über ökonomische Begrifflichkeiten, die sowohl in den Überschriften einzelner Kapitel oder Untertiteln, als auch schon in der kurzen Zusammenfassung vor dem Romanbeginn zu finden sind. Im Text wird ersichtlich mit wirtschaftlichen Aspekten gespielt, inbegriffen der des Reichtums und der Armut, die hier neu definiert werden. Gleichzeitig legt der Roman durch die zwei ökonomischen Zustände des Reich- und Armseins die soziale Ungleichheit dar und äußert damit Kritik am Kapitalismus der Wirtschaftswunderjahre.

Wie unter Punkt 2 dargelegt, definiert sich Reichtum und Armut anhand des monatlichen Haushaltseinkommens1 und der Möglichkeit, bzw. Unmöglichkeit des Erwerbs von materiellen Ressourcen2 im Vergleich zum sozialen Umfeld3. Reichtum ermöglicht die Teilhabe an der Gesellschaft auf vielen Ebenen, Armut kann durch einen finanziellen Mangel zur sozio- emotionalen Verarmung durch fehlende Teilhabe an bestimmten sozialen Aktivitäten führen4.

Besonders zu Beginn des Textes Timm Thaler wird diese Definition bestätigt, die jedoch im Laufe des Romans zum einen durch verschiedene Figuren wie in erster Linie Timm Thaler und dem Baron Lefeut, aber auch Kreschimir eine Wendung nimmt. Ebenso unterstützen zusätzliche Textinhalte, Metaphern wie „Der arme Reiche"5 die kritischen Äußerung, auf die ich in der Analyse eingehen werde, oder intertextuelle Verweise wie z.B. Adelbert von Chamissos Peter Schlemihls wundersame Geschichte6.

Ziel eines jeden Menschen ist das Erlangen von Reichtum, um Macht und Anerkennung und gleichzeitig ein gesteigertes Selbstwertgefühl zu erhalten und damit zufrieden und glücklich zu sein7. Durch die genannten Beispiele und andere Eigenschaften zeigt uns der Text, dass nicht materielle Ressourcen oder finanzielle Mittel Lebensqualität und Anerkennung optimieren, sondern dass positive Charaktereigenschaften und wertvolle Freundschaften den Wert des eigenen Lebens steigern.

Dies widerspricht den Armuts- und Reichtumsdiskursen der Wirtschaftswunderjahre, die nach Aufschwung, unbegrenzter Produktion, Zunahme des Warenangebotes8 und damit verbunden wirtschaftlicher Höchsterfolge in Deutschland strebten und wenig Gewicht auf Nachhaltigkeit, Moral und Menschlichkeit legten9. Geld und Macht bzw. die kapitalistische Warenwelt schienen hier einen höheren Stellenwert zu haben als Menschlichkeit10. Der Text zeigt kritisch, dass Menschen ihre Freiheit opfern für das materialistische Sicherheitsbedürfnis und dass sie denken, mit Geld die Welt kaufen zu können11. Martin Walser sprach in seinem 1957 veröffentlichen Roman über die Zeit des Weltwirtschaftswunders sogar von einer „steigenden Verfilzung von Politik, Wirtschaft und massenmedial gesteuerter Meinungsmanipulation"12.

Das Thema der sozialen Ungleichheit ist zeitlos und allgegenwärtig. Ich möchte der Konstruktion von Armut und Reichtum in Tim Thaler im Rahmen zeitgenössischer Diskurse nachgehen und die Konstruktion dieser Begriffe im Roman anhand wissenspoetologischer Darlegungen beschreiben und analysieren. Es soll deutlich werden, wie das gesellschaftliche, kapitalistisch geprägte Verständnis von ,Armut‘ und ,Reichtum‘ zur Zeit des Wirtschaftswunders in Deutschland aussah und wie dies bis heute unsere Auffassung sozialer Stellung innerhalb der Gesellschaft prägt. Ziel ist es zu zeigen, wie ein Roman aus den sechziger Jahren erste, frühe Kapitalismuskritik übt und dabei Werte wie ,Freundschaft‘, ,Tugend‘ und ,Menschlichkeit‘ betont, womit er einen gesellschaftlichen Diskurs behandelt, der bis heute in der Bundesrepublik aktuell geblieben ist. Durch die Analyse von Timm Thaler möchte die vorliegende Arbeit eine Gesellschaftskritik des Romans deutlich werden lassen, laut derer erste innere Werte den Menschen ,reich‘ machen.

2. Theoretische und begriffliche Grundlagen

2.1. Wissenspoetologie nach Joseph Vogl

Eine repräsentative Persönlichkeit der Wissenspoetologie stellt Joseph Vogl dar, der in seiner ,Poetologie des Wissens‘ sowohl die Begriffserklärung mit seiner Problematik, der Genealogie und theoretische und methodische Orientierungen erläutert13.

Bis ins 20. Jhd. hinein wurde die grundlegende Auffassung Platons vertreten, Wissen müsse wahr sein und Naturwissenschaft und Literaturwissenschaft wurden differenziert14. Die neue Denkrichtung der Wissenspoetologie zielt jedoch dahin ab, Literatur- und Naturwissenschaft erneut zusammenzuführen und geht davon aus, dass „Wissen durch diskursive Praktiken beglaubigt werden müsse und somit historisch bedingt und wandelbar sei."15. Wissensobjekte werden demnach nicht als gegeben hingenommen, sondern sind Ergebnisse von zeitgenössischen Diskursen.16 Die grundlegendste Annahme der Wissenspoetologie ist die „rhetorische Qualität wissenschaftlicher Aussagen und eine integrale Perspektive auf Entstehung, Gestaltung und Dynamik von Wissen."17. Die Wissenspoetologie geht von bestimmten Darstellungsweisen von Wissensordnungen aus18, die anhand anderer Disziplinen die Verarbeitung von Diskursen nutzen, wie in Timm Thaler die der Ökonomie, Philosophie, Theologie, Ethik, Medizin, usw. Durch diese Perspektivenvielfalt ergibt sich ein kulturelles Wissen, das wandelbar und zeitorientiert ist.19 Literatur wird somit zur Wissenserweiterung genutzt und kann selbst beeinflussen / instrumentalisieren.

Eine Literaturanalyse setzt voraus, dass Wissen, das nicht mehr gewusst werden kann, in der Geschichte ausgegraben werden muss.20 Es ist also notwendig über den Prozess der Herstellung und die Art der Darstellung von Wissensobjekten und Erkenntnisbereichen nachzudenken und zu recherchieren.21 Wissenspoetologie führt gleichzeitig Problematisierungsweisen vor, wie etwa Wahrheit und Erkenntnis.22

In der Poetologie des Wissens wird danach gefragt, wie Literatur auf Wissen reagiert, ob Literatur Wissen beinhaltet oder sogar Wissen ist.23 Wissenspoetologie legt nahe, dass zeitgenössische Diskurse in der Literatur mit ästhetischen und poetischen Mitteln dargestellt werden.24

2.2. Begriffsdefinitionen 2.2.1. Armut

Im Duden wird der Begriff ,Armut‘ als „das Arm sein", „Bedürftigkeit“, „Kümmerlichkeit“, „Kargheit" bezeichnet, das Adjektiv „arm“ ergänzt „ohne genügend Geld leben“, „wenig haben“ und „unglücklich, bedauerns- und beklagenswert“ sein25.

Richard Hauser unterscheidet in seiner Studie von 1981 die ,relative und die absolute Armut‘26. Die ,Absolute Armut‘ existiert hauptsächlich in Schwellen- und Entwicklungsländern, wo eine Person weniger als 1,90$/Tag verdient, bzw. besitzt. Die ,Relative Armut‘ ist dagegen auch in der westlich industriellen Welt zu finden und liegt dann vor, wenn das private Haushaltseinkommen deutlich unter dem mittleren Einkommen des Landes liegt, in dem die betrachtete Person lebt27. Dies wird im Vergleich zum jeweiligen sozialen Umfeld eines Menschen bemessen28. Als einkommensarm zählt, wer gegenüber dem Bevölkerungsdurchschnitt zum einen auf materielle Ressourcen, wie Wohnung, Nahrung, Kleidung, Unterhaltungs- und Informationsmedien und andere materielle Güter in erheblicher Weise verzichten muss, bzw. wenn eine unzulängliche Verfügung über Güter besteht29. Zum anderen muss aufgrund des geringen Einkommens auf Entfaltungsmöglichkeiten30 und Teilhabe an üblichen Lebensstandards einer Gesellschaft verzichtet werden31. Hier erscheint Armut nicht nur als Mangel an Ressourcen, sondern stellt auch ein sozio-kulturelles Phänomen dar und den Zustand einer gravierenden Benachteiligung im Vergleich zum jeweiligen sozialen Umfeld bis hin zu einer sozio-kulturellen Verarmung32.

2.2.2. Reichtum

Definiert wird ,Reichtum‘ konträr zu ,Armut‘ als „großer Besitz", „Ansammlung von Vermögenswerten, die Wohlhabenheit und Macht bedeuten"33. Das Adjektiv „reich" steht für „mächtig", das Substantiv für „Herrscher", „Obrigkeit"34. ,Reich sein‘ ist der Umkehrschluss zu ,arm sein‘, es gestattet einen Zugriff auf materielle Ressourcen in reichem Maße über das hinaus, was erforderlich ist, um eine durchschnittliche Lebensweise führen zu können35. Dies bedeutet, dass nicht nur auf einfache Grundgüter zurückgegriffen wird, sondern die betreffenden Haushalte einen hohen Luxus anstreben und leben36. Die Berechnungen beziehen sich auf das monatliche Haushaltseinkommen in der Zahl und dem Alter von Haushaltsmitgliedern, was auf 200% des Durchschnittseinkommens eines Landes geschätzt wird37, genaue Zahlen sind hier nach wie vor diskutabel38. Jedoch gilt es als unzureichend, Reichtum nur durch das Einkommen zu definieren, denn vor allem die Vermögenswerte sind ausschlaggebend für einen kontinuierlichen, längerfristigen und gesicherten Reichtum39. 1962 waren 75% des Produktivvermögens in den Händen von nur 1,5% der Bevölkerung40.

Philosophen beschäftigen sich mit der Frage, warum der Mensch reich sein möchte. Thorstein Velben (1899) sieht Reichtum als Notwendigkeit für eine angesehene Stellung in der Gesellschaft41. Laut Velben wird reichen Menschen die Tugenden ,Tüchtigkeit‘ und ,Ehre‘ zugesprochen42.

Es ist das Streben nach Prestige, wirtschaftlichem Erfolg und kultureller Führerschaft, die im Menschen das Bedürfnis nach Reichtum weckt43. Reichwerden bedeutet für den Menschen eine „Steigerung des Selbstwertgefühls, obwohl das ursprüngliche Triebziel nicht an Reichtümern interessiert war, sondern dem Wunsch nach Macht und Achtung anderer Menschen und seiner selbst nachging44. „Erst eine Gesellschaft, in der Macht und Achtung auf Geldbesitz beruhen, macht aus diesem Bedürfnis nach Macht und Achtung ein Bedürfnis nach Reichtum"45.

2.2.3. Wirtschaftswunder in Deutschland nach 1945

Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, die von Armut und Zerstörung, bzw. dem Wiederaufbau des Landes geprägt war, erlebte in Deutschland einen rasanten „Nachkriegsboom“, der zu einer schnell wachsenden Wirtschaft, wachsendem Einkommen bei erwerbstätigen Männern und der Einführung einer aktiven Arbeitsmarktpolitik im Arbeitsfördergesetz führte33. Politisch Verantwortliche waren vor allem Adenauer und Erhard. Letzterer kämpfte um eine Demokratisierung durch die freie Marktwirtschaft und unumschränkte Konsumfreiheit34. Sämtliche ihrer Reformen führten in den 50er und 60er Jahren35 zum Wohlstandszuwachs36 und machten Deutschland zu dem Sozial- und Wirtschaftssystem, wie wir es noch heute vorfinden, wie z.B. der Grundstein der Rentenreform und die Förderung sozial Ausgegrenzter durch steigende Sozialleistungen37, Einführung von geregelten Arbeitszeiten, Urlaubsregelungen, usw. Die industrielle Produktion verlief auf Hochtouren38. Dies wurde vor allem durch den ständigen Zustrom hochqualifizierter Arbeitskräfte aus der DDR, niedriggehaltene Löhne und trotz des Aufschwungs bestehende hohe Arbeitslosigkeit und die idealen Absatzbedingungen durch den Nachholbedarf der Bevölkerung begünstigt39. Deutschland übertraf alle anderen europäischen Staaten in den ökonomischen Aspekten, nämlich der Industrieproduktion40. Dies ist ein Grund für das Vertrauen, dass die deutsche Bevölkerung in die Politik Adenauers und Erhards legte. Die profitierende Bevölkerung des steigenden Wohlstandes lobte die Politik in Hinblick auf die Möglichkeit zur Geldvermehrung, Zunahme des Warenangebotes und länger werdende Freizeit41.

Trotz dieser vielen positiven, ökonomischen Veränderungen in Deutschland kam es zu einzelnen Kritiken aus den Reihen der Intellektuellen und Künstler, die allerdings ungehört blieben oder von den Medien unterschlagen wurden42. So formulierte Heiner Geißler einige Schwachstellen dieses Modells, bezüglich einer unzulänglichen Sicherung vieler Gruppen, die nicht in der Gewerbsgesellschaft integriert sind43. Ende der 50er Jahre verfügten nur 2% der westdeutschen Bevölkerung über 50% des Produktivvermögens, 2% der Bodeneigentümer besaßen mehr als 1/3 der gesamten Wirtschaftsfläche und sind damit in der Lage Parteien finanziell zu unterstützen, kapitalistische Interessen durch finanzielle Zuwendung zu vertreten und Institutionen der öffentlichen Meinungsbildung zu beeinflussen44. Schon dies lässt auf eine soziale Ungleichheit zwischen den verschiedenen Bevölkerungsschichten schließen. Arbeitnehmer erlangten zwischen 1950 - 1960 einen Gewinnanteil von nur 1%, wogegen die kleine Schicht der Großverdiener astronomische Profite einholte45. So ist der Vorwurf der Ausbeutung von Arbeitnehmern und einer „Verfilzung von Politik, Wirtschaft, Medien und Kultur"46 zu verstehen.

2.2.4. Kapitalismus und Kapitalismuskritik

Der Begriff ,Kapitalismus‘ entstammt bereits aus der Zeit des Marxismus, zählt jedoch zu einer Epoche, die dem Feudalismus folgte und noch heute andauert. Verstanden wird dieser Begriff als „Vermehrung von Kapital als Motiv gesellschaftlicher Bewegung"47, bzw. beinhaltet es Themen wie Geld, Produktionsmittel, Immobilien und Waren48. Die Produktion von Waren wird ökonomisch höher geschätzt als die dazu notwendigen Produktionsmittel wie Maschinen und Arbeitskräfte, weshalb schon Marx und Engels den Kapitalismus als Ausbeutung der Arbeiternehmer, Entfremdung und als eine Gesellschaft des Elends sahen49. Das Resultat ist die Entstehung einer Gesellschaftsspaltung, in der sich Kapitalisten und Arbeiterklasse gegenüberstehen. Der Kapitalist vermehrt sein Kapital durch die Ausbeutung fremder Arbeitskräfte, der nur einen Teil von dem Erlös des verkauften Produkts erhält, das von ihm geschaffen wurde50. Kapitalismus wird der Marktwirtschaft gleichgesetzt. Hier herrscht ein profitorientiertes Denken, das eine ständige Optimierung der eingesetzten Produktionsmittel anstrebt, ohne an Nachhaltigkeit, Ethik und soziale Verwerfung zu denken51. Ständig wird die Produktion neuer Waren vorangetrieben, was in Timm Thaler am Beispiel der ,Margarine für die Armen‘ dargestellt wird. In der Zeit des Wirtschaftswunders wird die Ungleichverteilung der erwirtschafteten materiellen Ressourcen zwischen den Profitierenden und Ausgebeuteten deutlich52. Die soziale Ungleichheit, sprich die Kluft zwischen einer armen, teils arbeitslosen oder auch arbeitenden, aber dennoch ausgebeuteten Unterschicht und einer wirtschaftsprofitierenden, reichen Oberschicht vergrößerte sich in der Zeit des Wirtschaftswunders, ist auch heute noch gültig und prägt bis in die heutige Zeit die Definition von ,Armut‘ und ,Reichtum‘. Foucault sieht im Kapitalismus eine „Freiheit begrenzende, Gewaltausübende Disziplinargesellschaft, in der das Subjekt und seine Lebensbedingungen den Interessen der Herrschenden unterworfen ist"53.

3. Analyse

3.1. Darstellung der zeitgenössischen Armut- und Reichtumsdiskurse im Text

Der realfantastische Kinder- und Jugendroman Timm Thaler, mit seinen märchenhaftwunderbaren, aber auch agentengleich-kriminalistischen Zügen54, beginnt im einleitenden Vorspiel mit einer Rahmenerzählung ausgehend von einem Ich-Erzähler, der dem Traum des Reichtums mit „einem Haus am Meer und einer Jacht davor, dazu ein Bankkonto, das niemals leer wird, ,..“55 verfällt. Diese Wunschvorstellung entspricht denen des Diskurses der Wirtschaftswunderzeit, dass Reichtum, Besitz und materielle Ressourcen erstrebenswert erscheinen56 und davon das persönliche Glück und gesellschaftliche Ansehen abhängt57.

Die Binnengeschichte über den Jungen Timm Thaler beginnt im ersten Bogen des Romans auf S. 22 mit der Beschreibung eines großstädtisch-realistisch gezeichneten Milieus mit ärmlichem Charakter in den Gassenvierteln. Die Stadt bleibt dem Leser unbekannt, was darauf hindeutet, dass das Szenario des Romans und das soziale Ungleichgewicht ortsunabhängig und deshalb in jeder Stadt Deutschlands und mit jeder beliebigen Person58 denkbar wäre. Diesen Menschen, „die wenig Geld haben“59 werden anfangs der Binnenhandlung stereotypisch negative Charaktereigenschaften angehaftet, wie „grämlich, neidisch und nicht selten zänkisch“60. Auch die ärmliche Stieffamilie Timm Thalers wird mit klischeehaft negativen Eigenschaften versehen („dürr, mausgesichtig, frech, verwöhnt, käsebleich“61 ). Armut wird hier mit charakterschwach gleichgesetzt62. Doch gerade das stereotypische Bild, sowohl von Armut als auch der märchenähnlichen Rollen der Stieffamilie, hebt die Ironie der Aussagen hervor und macht sie unglaubwürdig.

[...]


1 Vgl.: Ernst-Ulrich Huster: Reichtum in Deutschland, Die Gewinner in der sozialen Polarisierung. 2. Aktualisierte und erweiterte Auflage. Frankfurt / Main: Campus Verlag 1997, S. 67.

2 Vgl.: Ebd., S.65.

3 Vgl.: Ebd., S.12.

4 Vgl.: Ebd., S. 12.

5 James Krüss: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen. Hamburg: Friedrich Oetinger 2017, S. 70.

6 Vgl.: Ebd., S. 17.

7 Vgl.: Ernst-Ulrich Huster: Reichtum in Deutschland, Die Gewinner in der sozialen Polarisierung. 2. Aktualisierte und erweiterte Auflage. Frankfurt / Main: Campus Verlag 1997, S. 170.

8 Vgl.: Jost Hermand: Das liebe Geld. Köln: Böhlau Verlag 2015, S. 236.

9 Vgl.: Klaus Doderer: James Krüss - Insulaner und Weltbürger. Hamburg: Carlsen Verlag 2009, S. 207.

10 Vgl.: Windfried Freund: Die deutsche Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart. Bonn: Inter Nationes 1987, S.44.

11 Vgl.: Marianne Lange: Zur epischen Kinder- und Jugendliteratur in der BRD. 1. Auflage. Berlin: Der Kinderbuchverlag Berlin 1980, S. 45.

12 Jost Hermand: Das liebe Geld. Köln: Böhlau Verlag 2015, S. 239.

13 Vgl.: Harum Maye / Leander Scholz (Hg.): Einführung in die Kulturwissenschaft. München: Wilhelm Fink 2011, S. 49.

14 Vgl.: Katharina Lukoschek: Zur Kodifizierung der Wissenspoetologie. (https://docplayer.org/74710382-Zur- kodifizierung-der-wissenspoetologie.html, abgerufen am 21.09.2018, 16:48h).

15 Ebd.

16 Vgl.: Harum Maye / Leander Scholz (Hg.): Einführung in die Kulturwissenschaft. München: Wilhelm Fink 2011, S. 51.

17 Katharina Lukoschek: Zur Kodifizierung der Wissenspoetologie. (https://docplayer.org/74710382-Zur- kodifizierung-der-wissenspoetologie.html, abgerufen am 21.09.2018, 17:01h).

18 Vgl.: Harum Maye / Leander Scholz (Hg.): Einführung in die Kulturwissenschaft. München: Wilhelm Fink 2011, S. 50.

19 Vgl.: Ebd., S. 63 ff.

20 Vgl.: Ebd., S. 51.

21 Vgl.: Ebd., S. 54.

22 Vgl.: Ebd., S. 54.

23 Vgl.: Katharina Lukoschek: Zur Kodifizierung der Wissenspoetologie. (https://docplayer.org/74710382-Zur- kodifizierung-der-wissenspoetologie.html, abgerufen am 21.09.2018, 17:01h).

24 Vgl.: Harum Maye / Leander Scholz (Hg.): Einführung in die Kulturwissenschaft. München: Wilhelm Fink 2011, S. 55.

25 Duden-online-Wörterbuch (www.duden.de/rechtschreibung/Armut, abgerufen am 15.08.2018, 13:51h).

26 Vgl.: Jost Huster: Reichtum in Deutschland. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, Frankfurt/Main, Campus 1997, S. 12.

27 Vgl.: Eva Barlösius / Wolfgang Ludwig-Mayerhofer: Die Armut der Gesellschaft. Opladen: Leske und Budrich 2001, S. 20.

28 Vgl.: Ebd., S.12.

29 Vgl.: Ebd., S. 22.

30 Vgl.: Ebd., S. 25.

31 Vgl.: Ebd., S. 26.

32 Vgl.: Ernst-Ulrich Huster: Reichtum in Deutschland. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, Frankfurt/Main, Campus 1997, S. 65.

33 Vgl.: Eva Barlösius / Wolfgang Ludwig-Mayerhofer: Die Armut der Gesellschaft. Opladen: Leske und Budrich 2001, S. 14.

34 Vgl.: Jost Hermand: Das liebe Geld. Köln: Böhlau 2015, S. 250.

35 Vgl.: Ernst-Ulrich Huster: Reichtum in Deutschland. 2. Aktualisierte und erweiterte Auflage. Frankfurt/Main: Campus 1997, S. 11.

36 Vgl.: Ebd., S. 7.

37 Vgl.: Ebd., S. 7.

38 Vgl.: Ebd. 236.

39 Vgl.: Jost Hermand: Das liebe Geld. Köln: Böhlau 2015, S. 236.

40 Vgl.: Jost Hermand: Das liebe Geld. Köln: Böhlau 2015, S. 249.

41 Vgl.: Ebd., S. 237.

42 Vgl.: Ebd., S. 238.

43 Vgl.: Eva Barlösius / Wolfgang Ludwig-Mayerhofer: Die Armut der Gesellschaft. Opladen: Leske und Budrich 2001, S. 14.

44 Vgl.: Jost Hermand: Das liebe Geld. Köln: Böhlau 2015, S. 237.

45 Vgl.: Ebd., S. 238.

46 Ebd., S.239.

47 Thomas Steinfeld: Literatur und Ökonomie. München: J.B. Metzler 2015, S. 554.

48 Vgl.: Karl Marx / Friedrich Engels: Werke. Band 13, 7. Auflage. Berlin: Dietz Verlag 1971, S. 15-48. (mlwerke.de/me/me13/me13_015.htm, abgerufen am 18.09.2018, 21.51h).

49 Vgl.: Ebd.

50 Vgl.: Ebd.

51 Vgl.: Ebd.

52 Vgl.: Ernst-Ulrich Huster: Reichtum in Deutschland - Die Gewinner in der sozialen Polarisierung. 2. Aktualisierte und erweiterte Auflage, Frankfurt/Main: Campus 1997, S. 11.

53 Jacques Derrida: Marx' Gespenster. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2004.

54 Vgl.: Reiner Wild (Hrsg.): Geschichte der deutschen Kinder- und Jugendliteratur. 3. Auflage. Weimar: Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel 2008, S. 332.

55 James Krüss: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen. Hamburg: Friedrich Oetinger 2017, S. 14.

56 Vgl.: Jost Hermand: Das liebe Geld. Köln: Böhlau 2015, S. 237.

57 Vgl.: Ernst-Ulrich Huster: Reichtum in Deutschland. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Frankfurt/Main, Campus 1997, S. 170.

58 James Krüss: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen. Hamburg: Friedrich Oetinger 2017, S. 14: „Timm lachte und erwiderte: „Ich weiß nicht, Boy, ob es meine Geschichte ist, wenn ich sie auch sehr oft gespielt habe; aber es könnte meine Geschichte sein, wie es die Geschichte so manches Jungen sein könnte...".

59 James Krüss: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen. Hamburg: Friedrich Oetinger 2017, S. 22.

60 Ebd., S. 22.

61 Ebd., S. 23.

62 Vgl.: Ebd., S. 22.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Reichtum und Armut in James Krüss' "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen"
Untertitel
Ein Vergleich zum zeitgenössischen Diskurs
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Geld in der Literatur
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
26
Katalognummer
V1007790
ISBN (eBook)
9783346398505
ISBN (Buch)
9783346398512
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reichtum, Armut, Timm Thaler oder das verkaufte Lachen, James Krüss, Geld in der Literatur
Arbeit zitieren
Simone Gerber (Autor:in), 2018, Reichtum und Armut in James Krüss' "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1007790

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