Vom Shareholder-Value zum Stakeholder-Value. Ein Paradigmenwechsel im Beziehungsmanagement der deutschen Unternehmen


Hausarbeit, 2018

23 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise

2 Shareholder-Value.
2.1 Begriff und Konzept
2.2 Historische Entwicklung

3 Stakeholder-Value.
3.1 Begriff und Konzept
3.2 Historische Entwicklung

4 Gegenüberstellung von Shareholder Value und Stakeholder Value
4.1 Interessenkonflikt zwischen Shareholder und Stakeholder
4.1.1 Theorie der Verfügungsrechte
4.1.2 Principal-Agent-Theorie
4.1.3 Marktwandel

5 Praxistransfer.
5.1 Audi AG
5.2 Deutsche Post DHL Group
5.3 Siemens AG

6 Schlussbetrachtung
6.1 Zusammenfassung
6.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Unternehmen konfrontieren während ihrer Tätigkeit mit verschiedenen Interessengruppen wie Anteilseigner (sog. Shareholder) als auch Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Verbraucher oder die Gesellschaft als Ganzes (sog. Stakeholder).1 Seit Anfang der 1980er Jahre gibt es ein sich am Beispiel der Unternehmenspraxis von US amerikanischen Unternehmen etabliertes Paradigma, laut deren die Maximierung des Unternehmenswertes sowie Berücksichtigung von Interessen der Anteilseigner im Mittelpunkt stehen.2 Allerdings ist ein Dialog mit Stakeholder aus der modernen Sicht unerlässlich für die Weiterentwicklung eines Unternehmen, da die Erzielung einer maximalen Wertsteigerung ohne Beachtung von Ansprüchen aller relevanten Interessengruppen nicht möglich ist.3 Die Antizipation von drohenden Konflikten mit Stakeholdern sowie der Ausgleich von bestehenden Interessenkonflikten ermöglicht es somit dem Unternehmen, den Anforderungen des wandelnden Umfeldes nachzugehen und so einen langfristigen Erfolg zu erreichen.4

Ziel der Arbeit ist es darzustellen, ob sich das Paradigma im Beziehungsmanagement der deutschen Unternehmen gewechselt hat, und die gewonnenen Ergebnisse am Beispiel der jeweiligen Unternehmen zu belegen.

1.2 Vorgehensweise

Im Kapitel 2 werden zunächst der Begriff und das Konzept vom Shareholder-Value definiert sowie dessen historische Entwicklung dargestellt.

Das Kapitel 3 ist dem Stakeholder-Value gewidmet. In diesem Kapitel werden analog zum Kapitel 2 der Begriff und das Konzept vom Stakeholder-Value erläutert sowie die historische Entwicklung beschrieben.

Im Kapitel 4 wird auf den Konflikt zwischen Shareholder und Stakeholder eingegangen, indem es dessen mögliche Ursachen sowie die Lösungen des bestehenden Konfliktes dargestellt werden.

Das fünfte Kapitel enthält der Praxisbezug des beschriebenen Problems auf die Tätigkeit der drei deutschen Unternehmen aus verschiedenen Branchen.

Die Hausarbeit endet mit einer Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse sowie einem Ausblick (kritische Reflexion) auf das beschriebene Thema.

2 Shareholder-Value.

2.1 Begriff und Konzept

Unter Shareholder Value wird „Wert für die Anteilseigner/Aktionäre“ verstanden. Dieser Wert eines Anteils bzw. einer Aktie an einem Unternehmen ist gleich Marktwert des Eigenkapitals oder Unternehmenswert. Der Marktwert des Eigenkapitals eines Unternehmens entspricht dem Unternehmenswert, denn dieser auch als Preis für die absolute Dispositionsrecht in einem Unternehmen verstanden werden kann. Der Unternehmenswert einer AG lässt sich zum Beispiel berechnen, indem der aktuelle Aktienkurs mit der Anzahl der Aktien des jeweiligen Anteilseigners multipliziert wird.5

Nach dem Shareholder Konzept stehen die Interessen der Investoren im Vordergrund während ein Unternehmen als Mittel für die Erreichung der Maximierung des Unternehmenswerts und somit der Steigung von Einkommen der Shareholder in Form von Ausschüttungen, wie zum Beispiel Auszahlung von Dividenden als auch Kurssteigerungen an Wertpapierbörsen, die einen potenziellen Wiederverkaufserlös des ursprünglich gekauften Anteils mit sich bringen6, gesehen wird. Das Management handelt somit im Interesse seiner Kapitalgeber7, denn erstens die Beachtung der Interessen der Anteilseigner ermöglicht es dem Unternehmen den Abfluss vom Eigenkapital zu reduzieren8 und somit langfristige Finanzierung des Unternehmens zu gewährleisten. Zweitens lässt sich der Marktwert der Anteile von der jeweiligen Unternehmensführung ausprägen und dadurch die Ineffizienten reduzieren. Drittens erfolgt die Kontrollfunktion des Marktes durch die Deckung zwischen Ansprüchen der Shareholder und Stakeholder (vertreten durch Management).9

2.2 Historische Entwicklung

Der Shareholder-Value-Ansatz stammt aus dem Buch „Creating Shareholder Value“, in dem sein Autor Alfred Rappaport im Jahr 1986 seine Idee als „new standard for business performance“ darstellt. Nach diesem „neuen Standard“ stehen die Interessen der Shareholder im Mittelpunkt der strategischen Unternehmensführung.10 Als Ursprung dieses Ansatzes wird die starke Entwicklung der Unternehmensübernahmen in den 80er Jahre gesehen. Allerdings waren nicht alle Akquisitionen erfolgreich.11 Die Ursachen dieser Misserfolge lagen in den unzureichenden strategischen Ausrichtungen der Unternehmensübernahmen.12 Um Misserfolge zu vermeiden haben die Unternehmen versucht mithilfe des Shareholder Value die Akquisitionsstrategien als Teil seiner corporate strategy zu sehen.13 Ende der 70er Jahre hat fast 50 % aller oft akquirierenden Unternehmen die Rechentechnik des Shareholder Konzeptes angewendet.14 Aufgrund der schneller Liberalisierung und Deregulierung der Märkte in Europa15 und als Reaktion auf die am Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts geschehenden Entwicklungen wie die Öffnung und Globalisierung der Weltwirtschaft und als Folge die Zunahme des Wettbewerbs um Kapital zwischen Unternehmen und Volkswirtschaften, Entstehung eines Marktes für Unternehmenskontrolle und das Streben der Anteilseigner nach einer härten Wettbewerbsstrategie des Managements16 hat der Shareholder Ansatz seit Anfang der 1990er Jahre seine größte Bedeutung gewonnen.17

3 Stakeholder-Value.

3.1 Begriff und Konzept

Unter dem Begriff Stakeholder wird „ any group or individual who can affect or affected by the achievement of the organisation´s objectives “.18 Es wird zwischen internen und externen Anspruchsgruppen unterschieden: Während zu den internen Stakeholder zum Beispiel die Mitarbeiter, Management sowie Eigentümer selbst gehören, stellen die Fremdkapitalgeber (die gleichzeitig auch Shareholder sind), Lieferanten, Kunden sowie Staat und die Gesellschaft die externe Interessengruppe dar. Jeder Stakeholder erwartet von dem Unternehmen die Berücksichtigung seiner Interessen und Erfüllung der Ansprüche. So werden zum Beispiel vom Management angemessenes Einkommen, Macht und Prestige als auch Entfaltung von Ideen beansprucht.19

Der Kernpunkt des Stakeholder Value Konzeptes liegt somit in der Berücksichtigung von Interessen und Bedürfnissen dieser Anspruchsgruppen. Da die Stakeholder der langfristigen Überlebensfähigkeit des Unternehmens beitragen, indem sie ihm Ressourcen zur Verfügung stellen, ist das Unternehmen abhängig von seinen Stakeholdern.20

3.2 Historische Entwicklung

1950 hat Robert Wood - der für den weltweiten Erfolg des Unternehmens Sears stand – vier Anspruchsgruppen jedes Unternehmens beschrieben21, und sie als „…customers, employees, community, und stockholders…“22 definiert. Außerdem hat er einen kausalen Zusammenhang zwischen der Befriedigung von Interessen der ersten drei Gruppen und dem langfristigen Erfolg des Unternehmens festgestellt.23 Der Begriff Stakeholder wurde das erste Mal beim Stanford Research Institute verwendet und als eine Gruppe, für die Manager verantwortlich sind, definiert.24 Der bis heute angewendete Begriff stammt allerdings aus dem Werk „Strategic Management. A Stakeholder Approach“ von E. Freeman, in dem er die Grundlagen für die Stakeholder-Theorien im Jahr 1984 formulierte. Es wird zwischen zwei Arten von Stakeholder-Theorien unterschieden – nach der Art der Stakeholder oder nach dem zu untersuchenden Sachverhalt.25 Wie schon im Kapitel 3.1. erwähnt wurde gibt es internen und externen Stakeholdern. Als Folge dieser Überlegung entstehen in den 90er Jahren zwei große Stakeholder-Gruppen – primäre und sekundäre. Zu der ersten Gruppe primären Stakeholdern gehören diejenige Anspruchsgruppen, die die Wertschöpfung und somit den Fortbestand und das Überleben eines Unternehmens am Markt direkt beeinflussen wie Aktionäre, Investoren, Kunden, Personal und Lieferanten. Die zweite Gruppe der sekundären Stakeholder zwar nicht direkt an der Wertschöpfung beteiligt, nehmen allerdings Einfluss sowohl auf das Unternehmen als auch auf die primären Stakeholder wie zum Beispiel Regierungen, Gemeinden oder politische Akteure.26

4 Gegenüberstellung von Shareholder Value und Stakeholder Value

4.1 Interessenkonflikt zwischen Shareholder und Stakeholder

Es wird kritisiert, dass es bei der praktischen Umsetzung des Shareholder Value-Konzeptes Interessen der Shareholder den Interessen der Stakeholder bevorzugt werden.27 Um die Stakeholder Interessen zu berücksichtigen könnte das Unternehmen als Koalition der verschiedenen Stakeholdern gesehen werden, bei der die Schaffung des Shareholder Value als eine wichtige Nebenbedingung der Erhaltung dieser Koalition gesehen wird.28

Allerdings haben Koalitionspartner in der Praxis unterschiedliche Interessen, was zu Konflikten zwischen jeweiligen Interessengruppen führen kann29. Während die Eigenkapitalgeber sich primär für hohe Gewinnausschüttung interessieren, streben zum Beispiel Mitarbeiter neben den hohen Einkommen nach Selbstentfaltung am Arbeitsplatz und den Erwartungen jeweiligen Mitarbeiter entsprechende Arbeitsbedingungen sowie zwischenmenschliche Beziehungen30. Sollten sich die Eigenkapitalgeber (Unternehmenseigentümer) entscheiden, dass das Unternehmen Personalkosten reduzieren soll, könnte das zu Unzufriedenheit der übrigen Mitarbeiter und zum Interessenkonflikt zwischen beide Koalitionspartner führen. Eine andere Art des Interessenkonfliktes kann dadurch entstehen, dass potenzielle Kunden sich an hochqualitative Produkte und Leistungen zu günstigen Preisen wünschen, während Unternehmenseigentümer ihre Produkte und Leistungen zu höheren Preisen anbieten wollen, um dadurch höhere Umsätze und somit höhere Rendite zu erzielen.31

[...]


1 Vgl. Paschke, I. (Unterwegs im Stakeholder-Universum, 2018), https://www.csr-news.net/news/wp-content/uploads/2018/10/Stakeholder_kirchhoff-1.pdf, Zugriff am 3.12.2018.

2 Vgl. Matzler K. u.a., (Unternehmensführung, 2003), S.6.

3 Ebd.

4 Vgl. Paschke, I. (Unterwegs im Stakeholder-Universum, 2018) https://www.csr-news.net/news/wp-content/uploads/2018/10/Stakeholder_kirchhoff-1.pdf, Zugriff am 3.12.2018.

5 Vgl. Düsterlho, J.E. (Das Shareholder-Value-Konzept, 2003), S.5.

6 Vgl. Poeschl, H. (Strategische Unternehmensführung, 2010), S. 79.

7 Vgl. Matzler K. u.a., (Unternehmensführung, 2003), S.8.

8 Vgl. Poeschl, H. (Strategische Unternehmensführung, 2010), S. 80.

9 Ebd.

10 Vgl. Rappaport A. (Creating Shareho1der Value, 1986), o.S.

11 Vgl. Ballwieser, W. (Shareholder Value-Ansatz, 1994), S. 1380.

12 Vgl. Gomez, P./Weber, B. (Akquisitionsstrategie, 1989), S. 11.

13 Vgl. Rappoport, A. (Strategic Analysis, 1979), S. 101.

14 Ebd.

15 Vgl. Löhnert P. (Shareholder Value, 1996), S. 103.

16 Vgl. Poeschl, H. (Strategische Unternehmensführung, 2010), S. 80.

17 Vgl. Löhnert P. (Shareholder Value, 1996), S. 103.

18 Freeman, R.E. (Stakeholder, 1984), S. 46.

19 Vgl. Düsterlho, J. (Das Shareholder-Value-Konzept, 2003), S. 17-18.

20 Vgl. Matzler K. u.a., (Unternehmensführung, 2003), S 6f.

21 Vgl. Poeschl, H. (Strategische Unternehmensführung, 2010), S. 127.

22 Vgl. Preston, L. (Stakeholder management, 1990), S. 362.

23 Vgl. Clarkson, M. (Stakeholder Framework, 1995), S. 106.

24 Vgl. Freeman, R.E. (Stakeholder, 1984), S. 31 f.

25 Vgl. Freeman, R.E. (Stakeholder, 1984), S. 8, 46.

26 Vgl. Clarkson, M. (Stakeholder Framework, 1995), S. 106 f.

27 Vgl. Spremann, K. (Investition und Finanzierung, 1991), S. 96.

28 Vgl. Düsterlho, J.E. (Das Shareholder-Value-Konzept, 2003), S. 22.

29 Vgl. Macharzina, K. (Unternehmensführung, 2010), S. 12.

30 Vgl. Macharzina, K. (Unternehmensführung, 2010), S. 13.

31 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Vom Shareholder-Value zum Stakeholder-Value. Ein Paradigmenwechsel im Beziehungsmanagement der deutschen Unternehmen
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V1007833
ISBN (eBook)
9783346395115
ISBN (Buch)
9783346395122
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stakeholder, Beziehungsmanagement
Arbeit zitieren
Lana Kucher (Autor), 2018, Vom Shareholder-Value zum Stakeholder-Value. Ein Paradigmenwechsel im Beziehungsmanagement der deutschen Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1007833

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