Exkursionsbericht Niederrheinische Bucht/Östliches Ruhrgebiet


Praktikumsbericht / -arbeit, 1997
14 Seiten

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INHALT

Haltepunkt Itterbachtal

Haltepunkt Hambach

Haltepunkt Duisburg-Hf

Haltepunkt Duisburg-Thyssen

Haltepunkt Oberhausen/Centro

Haltepunkt Kevelar

Haltepunkt Lüllingen/NGV

Haltepunkt Weze/Geomorphologie des Niederrheins

Haltepunkt Aldekerke

Exkursionsbericht zur Exkursion westliches Ruhrgebiet/Niederrhein

Dies ist der Bericht zur Exkursion vom 1. bis 2. Dezember 1996 unter der Leitung von Herrn Espeter im Gebiet Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges bis an den Niederrhein im Rahmen des Seminars "Einführung in die Geographie" im Wintersemester 1996/97 verfaßt von Michael Birklein.

- Haltepunkt Itterbachtal

Lage: Das Itterbachtal liegt am nördlichen Rand der Eifel. Letztere ist Teil des Rheinischen Schiefergebirges, dessen Streichrichtung von Westsüdwest nach Ostnordost weist. Diese Gebirgsformation entstand während der variszischen Gebirgsbildungsphase im Oberkarbon vor ca.300 Mio. Jahren durch tektonische Anhebung. Demnach ist dieses Mittelgebirge relativ alt, beispielsweise im Vergleich zu den Alpen, und daher auch durch exogene Kräfte entsprechend geglättet. Die Verwitterung ist hier bereits wesentlich weiter Fortgeschritten als bei jüngeren Gebirgen wie beispielsweise den Alpen.

Klimatologisch ist dieser Raum den gemäßigten Breiten zuzuordnen, allerdings war dies im Laufe der Zeit nicht immer so, denn einerseits gab es Klimaschwankungen wie zum Beispiel die Kaltzeiten (Eiszeiten) und Warmzeiten (Zwischeneiszeiten) des Pleistozän, und andererseits veränderte sich auch die Lage dieses Raumes langsam im Zuge der Kontinentaldrift.

Das Itterbachtal ist infolge linienhafter Erosionsvorgänge enstanden und weist eine assymetrische Talform auf, d.h. es liegen einander ein flacher Hang auf der einen Seite und ein steilerer Hang auf der anderen Seite gegenüber. Die Ursache hierfür ist im Meandrieren des Flusses zu sehen (hierzu später witere Erläuterungen). Zum Ende der einzelnen Eiszeiten bzw. in den Warmzeiten schmolzen die Eismassen, und es entstanden riesige Ströme von Schmelzwasser. Diese besaßen eine imense Errosionskraft, denn es erhöhte sich die Tranportkraft der eiszeitlichen Fließgewässer durch die größeren Wassermengen. Da während der Eiszeiten die Vegetation lückenhafter und damit nicht allerorts bodenbedeckend ist, kommt es zu stärkerer Abtragung von Verwitterungsprodukten durch Wasser und Wind. Für den Itterbach heißt dies also: Nach jeder der drei bedeutenderen Eiszeiten (Elster-, Saale - und Weichseleiszeit) grub sich der eiszeitliche Itterbach infolge gravierender Erosionsvorgänge tiefer in sein Bett ein. Dabei wurden große Mengen Lockermaterial mitgerissen, die dann andernorts wo der Fluß langsamer floß wieder sedimentieren konnten. Durch den bis kurz unterhalb der Erdoberfläche gefrorenen Boden war eine Tiefenerosin des Itterbachs während jeder Eiszeit nicht möglich. Stattdessen erodierte der eiszeitliche Itterbach zur Seite (z.B. durch Frostsprengung entlang der Ufer)und bildete so neue Terassen. So ordnet man diese oft deulich als Geländestufen zu erkennenden Terassen auch nach den Eiszeiten, in denen sie entstanden sind: (Vgl. Abb.1 im Anhang)

- Elster-/(in Süddeutschland:)Günz- Hauptterrasse
- Saale -/Riß-bzw. Mindel- Mittelterasse
- Weichsel-/Würmeiszeit Niederterasse

Diese Terassen sind am Itterbach deutlich zu erkennen, allerdings insbesondere deswegen, weil entlang der Terassen un ihrer Kanten vom Menschen Material abgetragen wurde, um Wege anzulegen.

Wie schon erwähnt, ist das Itterbachtal assymmetrisch bedingt durch Meandrieren des zwischeneiszeitlichen Stromes. Man spricht hierbei von einem Zwangsmeander. Ein Meandrieren des heutigen Itterbachs ist auch zu beobachten, allerdings geschieht dies nicht mit den Folgeerscheinungen, das ein Steilhang bzw. ein Gleithang entsteht. Man kann von den Fließgewässern generell behaupten, daß sie in flachen Bereichen zum Meandrieren neigen. Die heutige Form des Itterbachs bezeichnet man als freien Wiesenmeander. Er fließt in Schlangenlienien (Meandern) durch das Tal, wobei sich die einzelnen Meander immer wieder verlagern bzw. neu ausprägen. Von einem Wiesenmeander Spricht man, weil sich im Auenbereic h des Itterbachs zur Hauptsache Wiesen, die als Weiden landwirtschaftlich genutzt werden, als Vegetationsform ausbreiten.

Ein Meander entwickelt sich wie folgt: (Vgl. Abb.2 im Anh.)

Am Anfang ist eine minimale Krümmung des Flusses gegeben. Durch dieTrägheit des durch- fließenden Wassers, das im Idealfall in der Strommitte die höchste Geschwindigkeit ( 1-2 m/sek ) erreicht und damit auch die größte kinetische Energie, verläßt in der Krümmung der sogenannte Stromstrich die Ideallinie in der Flußmitte und tendiert nach außen. Das hat zur Folge, daß die in die tiefe gerichteten Erosionskräfte sich auch allmählich nach außen Verlagern und somit hier der Fluß an Tiefe gewinnt, während er an der gegenüberliegenden Seite, wo die Fließgeschwindigkeit und mit dieser die Errosionskraft abnimmt, zunehmend flacher wird, denn es kommt hier zu Sedimentationsprozessen. Daraus ergeben sich nun ein sogenannter Prallhang und ihm gegenüber ein Gleithang. Dieser Prozess wiederholt sich in dieser Form laufend, so daß sich der Meander immer weiter ausprägt, bis es schließlich im Extremfall dazu kommt, daß der Meander an einer Stelle, an der sich zwei Prallhänge nahe beieinander gegenüberliegen, durchbricht, und es zu einer Meander- abschnürung kommt. Der Flußlauf begradigt sich an dieser Stelle also vorübergehend, bis sich ein neuer Meander ausbildet, der dann allerdings ein Stück weiter in Richtung der Quelle liegt. Letzteres geschieht, weil Fließgewässer immer zur Quelle hin erodieren.

Desweiteren ist im Itterbachtal der Vorgang der Solifluktion (Bodenfließen) zu beobachten. Solifluktion nennt man das langsame talwärts Fließen der oberen Boden- bzw. Gesteinsschichten. Ursache hierfür ist meist ein Gefrieren des Bodens. Taut der gefrorene Boden bei wärmerer Witterung wieder auf, so bleiben zunächst die tieferen Schichten noch gefrohren. Der bereits auf- getaute obere Teil des Bodens kann nun auf einem sich an der Grenze zwischen Auftauboden und Froßtboden bildenden Wasserfilm talwärts gleiten. Diesen Typ des Bodenfließens nennt man Auftaubodensolifluktion oder Gelifluktion. Bester Indikator hierfür sind im Hang wachsende Bäume. Diese weisen im Falle vorliegender Solifluktion einen erkennbaren Knick auf, der sich meißt nur dadurch erklären läßt, daß der Baum früher in einem anderen (höhergelegenen) Bereich des Hanges gestanden haben muß. Ein weiterer Indikator, den man wie den zuletzt genannten auch im Itterbachtal beobachten kann, ist die Lage größerer, länglicher Gesteinsbrocken im Boden. Bei der Solifluktion richten diese sich mit der Längsachse parallel zur Fließrichtung des Bodens, da sich so der geringste Widerstand bildet.

- Haltepunkt Hambach

Der zweite Haltepunkt der Exkursion ist der Aussichtspunkt am Braunkohletagebau Hambach.

Dieser ist nicht nur unter physisch-geographischen Gesichtspunkten von Interesse, sondern er hat auch besondere wirtschaftsgeographische Bedeutung.

Zunächst zur physischen Geographie:

Der Tagebau Hambach liegt in der Kölner Bucht, wobei die Bezeichnung Bucht darauf hinweist, daß in früheren Zeiten dieses Land tiefer gelegen haben muß, so daß sich das Meer im entsprechenden Zeitraum bis hierhin vorschob. Diese angesprochene Meerestransgression fand im mittleren Oligozän statt. Beim allmählichen zurückweichen des Meeres entstand im Küstengebiet üppige Vegetation, vor allem dort, wo das Wasser flach war und langsam zurückwich. Ein erneutes Vorrücken des Meeres in diesen Raum bewirkte, daß die Vegetation unter Wasser und Sand luftdicht eingeschlossen wurde.

Unter diesen Voraussetzungen konnte nun der Vorgang der Inkohlung beginnen, d.h. es bildete sich unter dem Druck des überlagernden Deckgebirges zunächst Torf und mit fortlaufender Zeit und zunehmenden Druck (infolge des an Mächtigkeit gewinnenden Deckgebirges) bildete sich die heute dort zu findende Braunkohle. Der Inkohlungs- Prozess geht theoretisch über die Stufen der Torf- bzw. Braunkohlebildung weiter. Im Folgenden entstehen noch diverse Arten der Steinkohle und als Vollendung der Kohlewerdung der Diamant. Die Inkohlung ist ein Vorgang, bei dem unter Abschluß von der Luft und unter hohem Druck die flüchtigen Bestandteile des Torfes entweichen. Übrig bleibt bei zunehmendem Druck und daraus folgender höherer Temperatur immer reinerer Kohlenstoff.

So weist z.B. die Weichbraunkohle noch sehr viele flüchtige Bestandteile auf, während z.B. der Antrazit dergleichen weniger beinhaltet und demnach einen höheren Kohlenstoffanteil besitzt.

Die ehemals zum Meer hin gelegenen heutigen Lagerstätten, zu denen die rheinische zu zählen ist, bezeichnet man als puralische Lagerstätten. Demgegenüber werden Braunkohlevorkommen, die aus ehemaligen Binnenseen bzw. Mooren entstanden, sind als limnische Lagerstätten bezeichnet. Zu diesen zählen z.B. das Lausitzer Revier und das Magdeburger Revier.

Die Mächtigkeit der Flöze im rheinischen Braunkohlerevier beträgt an manchen Stellen über 100 Meter. Im Vergleich dazu erscheint die Mächtigkeit der Braunkohlenflöze im Niederlausitzer Revier mit einer mittleren Dichte von 13 Metern gering.

Die Höhe des Deckgebirges ist im Rheinland sehr unterschiedlich (In der Ville nur um 20 m; dagegen im Bereich der Erftscholle bis 500 m). Diese Unterschiede resultieren aus tektonischen Bewegungen.(Die Niederrheinische Bucht gehört neben dem Oberrheingraben zu den in heutiger Zeit tektonisch aktivsten Gebieten im Bereich des Bundesgebietes.) Der Höhenzug der Ville ist ein typisches Beispiel für einen durch vertikale Bruchverschiebung entstandenen Horst. Dieser wurde allerdings dann hauptsächlich durch den Ur-Rhein abgetragen, so daß fast das komplette Deckgebirge fehlt. Ebenfalls der Rhein zeichnet sich mitverantwortlich für das umso mächtigere Deckgebirge auf der Erftscholle. Hier kam es während der Eiszeiten zur Sedimentation des mit dem Rheinwasser transportierten Lockermaterials. Grund für die äußerst mächtigen Deckgebirgsschichten ist allerdings die Tatsache das hier die Wasser des Rheins durch das bis an den heutigen Niederrhein vorgedrungene eiszeitliche Eis gestaut wurden. Dies begünstigte die Sedimentation. Folglich wurden umso größere Mengen an Sand, Kies und Schotter hier abgelagert.

Die Förderung der Braunkohle geschieht in Tagebauen. Mittels Schaufelradbaggern wird zunächst das Deckgebirge abgetragen, um dann im Folgenden die freigelegten Flöze auszukohlen. Im Rheinland fördert die Rheinbraun AG nach eigenen Angaben rund 120 Mio. Tonnen Braunkohle jährlich. Diese wird direkt über Fließbänder über Distanzen von einigen Kilometern zu den Kraftwerken, Brikettfabriken, Kokereien oder Chemiebetrieben befördert, wo sie dann auf diverse Arten verarbeitet wird. Da die Kohle relativ gering im Wert ist aber sehr große Mengen gefördert, transportiert und verarbeitet werden, müssen die Abnehmer der Braunkohle möglichst in unmittelbarer Nähe zu den Fördergebieten liegen, denn durch einen lä ngeren Transport würden die Kosten immens ansteigen, wobei es keinerlei Nutzensteigerung gibt. Der Transport wäre also über weite Distanzen unwirtschaftlich. Aus diesem Grund also kann man im Bereich der Kölner Bucht sieben tagebaunahe Braunkohlekraftwerke finden unter denen die Kraftwerke Weisweiler, Niederaußem, Neurath und Frimmersdorf mit jeweils über 2000 MW Leistung die größten sind.

Zu den verglichsweise kleinen Elektrizitätswerken zählen Fortuna II und III sowie Goldenberg.

Die Braunkohle wird aber nur zu ca. 80% versromt. Daneben gibt es noch eine Anzahl Betriebe, die sich mit der Veredelung bzw. Verarbeitung befassen. Dazu zählen Brikettfabriken sowie ein Chemiewerk in Bergheim. Im Bereich der Kraftwerke wiederum befinden sich auch noch zwei Alluminiumhütten. Diese benötigen große Mengen Strom, um aus dem Bauxiterz Alluminium zu gewinnen. Daher ist auch ihr Standort in der Umgebung der Braunkohleförderstätten nicht zufällig. Weitere weniger bedeutende und zum Teil noch sehr neue Verarbeitungsmöglichkeiten für die gewonnene Braunkohle sind die Synthesegasgewinnung bzw. die Koksgewinnung.

Dem wirtschaftlichen Nutzen der Braunkohleförderung im Tagebaubetrieb stehen allerdings ökologische Bedenken gegenüber. So muß z.B. Grundwasser in großen Mengen abgepumpt werden. Dies geschieht durch Tiefbrunnen. Dies hat nun zur Folge, daß in der Umgebung eines Tagebaus der Grunwasserspiegel absinkt. Das kann in den Augen der Umweltschützer nur einen negativen Einfluß auf die Vegetation haben. Daß dies nicht unbedingt so sein muß, liegt daran, daß es in dieser Region sehr viele Verwerfungen gibt. Demzufolge ist ein Senken des Grundwasserspiegels z.B. auf der Erftscholle (Tagebau Hambach) ohne Auswirkung auf die benachbarten Schollen, da ja durch die Verwerfungen auf ganz anderen Ebenen die grundwasserfürenden Schichten liegen. Der Grundwasserverlußt ist allerdings dennoch nicht unbedeutend: Er ist derart groß, daß es etwa 200 Jahre dauern würde, bis sich wieder genügend Grundwasser angesammelt haben würde. Die Vegetation ist dennoch nur in geringem Maße dadurch beeinflußt, da sie sich des Niederschlagwassers bedient. Lediglich für größere Pflanzen mit tieffreichenden Pfahlwurzeln bedeutet das Fehlen des Grundwassers eine Unterversorgung mit Wasser. Für eine geringe Bedeutung des Fehlens von Grundwasser sorgt auch die aus dem Lößgestein hervorgegangene Braunerde dieser Region. Braunerde kann viel Wasser speichern. Fällt also Niederschlag, saugt sich die Braunerde vergleichbar einem Schwamm mit Wasser voll

und speichert es somit und hält es in Reichweite der Pflanzen. Sandige Böden beispielsweise besitzen dagegen keine derartige Möglichkeit Wasser zu speichern. Die Braunerde ist abgesehen von der Fähigkeit Wasser zu speichern, auch noch sehr fruchtbar (folglich Anbau der anspruchsvollen Zuckerrüben). Sein Vorkommen in diesem Gebiet beruht auf der Tatsache, daß der Löß in Form von feinsten Sandkörnchen über das Medium Wind bis hier transportiert wurde (Flugsand). Die Eifel verhinderte einen Weiterflug nach Süden. Die feinen Partikel sammelten sich folglich im Bereich nördlich der Eifel ab. Ähnliches läßt sich neben der Jülicher und der Zülpicher Börde auch für die Soester Börde (nördlich des Sauerlands), die Magdeburger Börde (nördl. d. Harz) und die Landschaft des Brabant in Belgien (nördl. d. Ardennen) behaupten.

Ein wirklich wichtiges Problem des Braunkohlenabbaus ist die Rekultivierung der stillgelegten Tagebauflächen. Im Bereich der Ville wurde der Versuch unternommen Grünflächen zur Naherholung anzulegen, die die Menschen aus dem Ballungsraum Köln (Entfernung rund 20 km) nutzen können. Bis zu 90% der stillgelegten Tagebauflächen können rekultiviert werden. Dies geschieht folgendermaßen: Die obersten etwa drei Meter des Bodens werden Abgetragen und auf eine seperate Halden gelegt. Das Deckgebirge wird dann bis auf einen gewissen Prozentsatz vom auszukohlenden Teil des Tagebaus zum bereits ausgekohlten Bereich transportiert und dort mit Absetzern aufgeschüttet. Die obersten Meter werden dann wieder mit dem zu Beginn abgetragenen Boden aufgefüllt. Dieser wird dann mit entsprechenden Pflanzen so begründ, daß der Boden wieder aufgelockert wird. Am Ende der Rekultoivierung bleibt dann im Fall des Tagebaus Hambach nur noch ein Loch übrig, das dem Umfang der geförderten Kohle plus dem Umfang der Halde "Sophienhöhe" entspricht, das mit Rheinwasser aufgefüllt und als See bestehen bleiben soll. Der Rest der Abbaufläche wird wieder als Acker und Bauland zur Verfügung stehen.

Die Fruchtbarkeit und damit der Wert des Bodens ist allerdings nach der Rekultivierung geringfügig niedriger.

Als letztes Problem der Braunkohlegewinnung ist die Umsiedlung zu nennen; allerdings kann man dieses Problem relativieren, wenn man beispielsweise die Millionen von Vertreibung betroffenen Menschen nach dem Krieg vergleicht mit der verschwindend kleinen Zahl der sozial verträglichen und finanziell entschädigten Umsiedlungen im Braunkohlebergbau.

Sicherlich wird ein Dorf das man umsiedelt in seiner Struktur verändert oder zerstört, aber bei einer gut geplanten Umsiedlung und einem vernünftigen Einsatz der finanziellen Entschädigung, würde dies aufgewogen mit dem Vorteil einer modenen Infrastruktur und neueren komfortableren Wohnungen oder Häusern. Allerdings zeigt die Realität, daß viele nach der Umsiedlung teure und unnötig protzige Häuser bauen ließen, wodurch sich manch einer hoch verschuldete und am Ende sein Haus ganz verlohr. Allerdings ist dies kein Nachteil der Umsiedlung sondern vielmehr unvernünftiges Handeln der Umgesiedelten, die sich nur mit dem hätten zufrieden geben sollen, was sie mit den Entschädigungen hätten bezahlen können.

Umsiedlungen zu vermeiden scheint für die Bewohner eines solchen Dorfes eigentlich nur nachteilig, denn es wird um das Dorf herum alles in den Tagebau einbezogen so daß ein solches Dorf einer Insel im Tagebau gleicht. Wohnlicher werden diese Dörfer mit zumeist alter und renovierungsbedürftiger Bausubstanz nicht. Lediglich unter dem Gesichtspunkt des Denkmalschutzes und des Tourismusaufkommens läßt sich der Entschluß, ein Dorf zu erhalten, nachvollziehen. Doch ändert dies nichts daran, daß auch in diesem Fall die alte Dorfstruktur einer neuen weichen muß. Jüngere Generationen ziehen fort, und die, die bleiben, müssen sich auf andere Einnahmequellen verlassen wie z.B. den Tourismus.

- Der Duisburger Hafen:

Der Duisburger Hafen ist der größte Binnenhafen der Welt. Seine geographische Lage - Duisburg liegt an der Mündung der Ruhr in den Rhein - machte ihn auch schon in der Vergangenheit zu einem bedeutenden Handelszentrum. Bereits im achten Jahrhundert neuer Zeitrechnung gab es in Duisburg einen Hafen mit dazugehöriger Burg und Pfalz. Schon damals war Duisburg ein Handelszentrum. Begünstigt wurde dies durch die Lage am Westende des Hellwegs (mittelalterlicher Handelsweg über Dortmund weiter nach Hannover) und am Rhein, der zu dieser Zeit schon ein wichtiger Handelsweg war. Im Jahre 1350 war Duisburg bereits Hansestadt und blühte infolgedessen auf. Um das Jahr 1600 gab es bereits einen fahrplanmäßigen Schiffsverkehr zwischen Duisburg und Nijmwegen. Diese Schiffe fuhren immer an einem bestimmten Tag der Woche von Duisburg nach Nijmwegen und an einem anderen wieder zurück, unabhängig davon, ob gerade Fracht anstand oder nicht. Die Organisation dieses Verkehrs ist mit heutigen Genossenschaften vergleichbar gewesen. Zum Wein, der zu jener Zeit bis zu 75% des Güterum- schlags im Duisburger Hafen ausmachte, kamen nun auch vermehrt Textilien aus dem Wuppertaler Raum, Eisenwahren aus dem Sauerland und weitere Güter. Im Gegenzug wurden aus Nijmwegen zur Hauptsache Käse und Tran nach Duisburg geschifft. Im 17. Jahrhundert wurde das erste künstliche Hafenbecken in Duisburg angelegt. Die Schiffe jener Tage auf der Ruhr hatten in der Regel eine Verdrängung von ca. 10 Tonnen. Auf dem Rhein hingegen ver- kehrten Schiffe bis ca. 200 Tonnen. Diese Schiffe - die sogenannten Treidelkähne - ähnelten zwar herkömmlichen Segelschiffen, wurden aber in der Regel von Pferden, die entlang der Ufer auf eigens dafür angelegten Wegen liefen, gezogen. So konnten sie auch gegen Flußströmungen bzw. Gegenwinde fahren und waren daher zuverlässiger als windabhängige reine Segelschiffe. Im Jahre 1780 wurde die Ruhr zum Schiffahrtsweg ausgebaut. Auf ihr wurden in der Folgezeit zunehmend mehr Kohle aus dem östlichen Ruhrgebiet und Salz aus Unna nach Duisburg und von dort aus weiter in beide Richtungen des Rheines transportiert, wobei ein Transport theoretisch bereits bis Basel möglich war. Ein Großteil der Güter ging aber weiterhin in Richtung Niederlande. Mit dem Auftreten der Dampfmaschiene und der Dampfschiffahrt Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zur ersten großen Expansion des Duisburger Hafens. Und als der Hafen auch noch an das schnell wachsende Eisenbahnnetz in Deutschland ange- schlossen wurde, folgte die zweite Expansion des Hafens. Etwa zeitgleich (um 1650) ermöglichte das Gefrierverfahren im Ruhrrevier die Tiefenabteufung im Bergbau, wodurch tiefergelegene Kohleflöze erschlossen wurden. Die Industrialisierung hatte ferner eine imense Nachfrage nach Kohle zur Folge, weshalb die Region und mit ihr der Hafen zusätzlich an Bedeutung gewannen. Auch die Stahlindustrie trug dazu bei. Es wurde Erz in Duisburg angelandet wärend Kohle und Stahl die bedeutendsten Exportgüter wurden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrug der Güterumschlag im Duisburger Hafen bereits 20 Millionen Tonnen. Die Fläche des Hafens umfaßte etwa 740 Hektar. In der Gegenwart hat der Duisburger Hafen, dem Strukturwandel in der ganzen Region folgend, eine geänderte Bedeutung. Der Stückgutumschlag hat an Umfang zugenommen, während gleichzeitig die Kohle - und Stahlindustrie ihre führende Rolle in der Wirtschaft einbüßten und infolge dessen der Massengutumschlg (Kohle und Erze) zurückging. Der Export der Ruhrkohle stoppte infolge der zu hohen Förderkosten fast völlig. Stattdessen wird Kohle aus anderen Teilen der Welt importiert, denn diese ist pro Tonne mit 70,-DM um 200,- DM billiger als die im Ruhrgebiet geförderte Kohle (270,- DM/t). Der Gesamtgüterumschlag in Duisburg beträgt derzeit ca. 40 Millionen Tonnen jährlich, wovon jeweils rund die Hälfte in öffentlichen und die andere Hälfte in privaten Häfen umgeschlagen wird. Zu den privaten Häfen zählen beispielsweise Duisburg-Schwelgern (Thyssen), Duisburg- Rheinhausen (Krupp) und Duisburg-Hattingen (Mannesmann).

Infolge des Strukturwandels wurde der Freihafen Duisburg eingerichtet. Dies ermöglicht die Tatsache, daß der Rhein internationale Wasserstaße ist. Vorteil des Freihafens: Güter müssen erst beim Verlassen des Hafenbereiches verzollt werden. Dadurch wird die Weiterverarbeitung von importierten Gütern im Hafenbereich begünstigt.

Heutzutage sind die von Duisburg aus verschifften Güter zur Hauptsache Industrieerzeugnisse (z.B. Computer, Chemikalien etc.), aber auch immer noch Eisen-, Kohlen- und Stahlerzeugnisse (Edelstahl). Angelandet werden in Duisburg vor allem Schrott und Erze für die Stahlindustrie sowie Öl und Stückgüter.

Infolge der Kriesen in der Montanindustrie verlohren viele Menschen ihre Arbeit. In Duisburg hatte dies eine Arbeitslosenquote von rund 15% zur Folge. Um diesem Mißstand entgegen- zuwirken kam es zur Niederlassung von High-Tech-Geräteherstellern (z.B. Siemens-Nixdorf oder Komatsu), zur Ansiedlung eines Max-Planck-Institutes und zur Einrichtung des oben genannten Freihafens.

Aufgrund der gegebenen Standortfaktoren (besonders aufgrund der guten Anbindung an verschiedene Verkehrsträger) ist Duisburg ein idealer Standort für ein GVZ (Güterverkehrs- zentum). Ein solches GVZ übernimmt alle Logistischen Aufgaben für den Güterverkehr in der be- treffenden Region. Außerdem dient es als Anlaufpunkt für überregionalen Gütertransport der im Idealfall zwischen einzelnen GVZ stattfinden soll. Ferner werden hier angekommene Güter im Umkreis weiterverteilt. Alles läuft dann über ein solches GVZ. Wichtigste Bedingung für ein GVZ ist die Anbindung an verschiedene Verkehrsträger. Im Falle Duisburgs ist dies durch den Hafen, Fernstraßenanbindungen und Eisenbahnanbindung sowie die Nähe zum Flughafen Düsseldorf gegeben.

- Haltepunkt Thyssen/Stahlwerk :

Geschichte der Firma Thyssen:

August Thyssen gründete im Jahre 1890 in Mühlheim an der Ruhr das erste Thyssen-Stahlwerk.

Weil sich jedoch der Standort Mühlheim, da Hier zwar Kohle aber keine güstige Verkehrs- anbindung vorlag (wichtig für Erz- und Fertigstahltransport), als unvorteilhaft erwies, siedelte Thyssen sein folgendes und wichtigstes Stahlwerk in Duisburg an, wo er günstigere Standort- faktoren vorfand, so z.B. eine eigene Zeche direkt neben dem Stahlwerk und eine direkte Anbindung an die Schiffart, was für die Erzanlieferung enorm wichtig war. Früh begann Thyssen neben der Stahlindustrie auch in anderen Bereichen der Wirtschaft (z.B. Transport und Vertrieb) tätig zu werden. Dieses brachenüberschreitende Engagement zeichnet den heutigen Thyssen-Konzern auch noch aus. Nachden Jahren des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders in Deutschland begann die Kriese in der Stahlindustrie, die zur Folge hatte, daß die ganze Montanindustrie grundlegend umstrukturiert werden mußte. Es wurden Stahlstandorte geschlossen und nur einige Stahkwerke und -konzerne überstanden diese Kriese. Für Thyssen bedeutet das konkret einen Rückgang des Umsatzanteils der Stahlproduktion auf nur mehr 20% des gesamten Konzernumstzes. Diesen Prozeß begleiteten Erscheinungen wie Arbeitsstellenabbau und Betriebsschließungen. Außerdem investiert der heutige Konzern mehr in branchenfremde Technologien wie die Telekomunikation. Diese Starke Diversifizierung bedeutet für ein Unternehmen eine gewisse Absicherung für den Fall, daß eine Kriese einen Unternehmensbereich treffen würde, weil die anderen Unternehmens- teile dies kompensieren können.

Die verbleibenden Hochofenanlagen und Walzstraßen dienen wie die hochqualifizierten Arbeiter der Herstellung von hochwertigem Edelstahl, der zum Teil auch durch völlig neue Verfahren hergestellt wird.

Daß dies so auch in Zukunft bleiben wird ist wahrscheinlich, denn die Standortfaktoren für das Thyssenstahlwerk in Duisburg sind zwar, was den Welthandel anbetrifft, verglichen mit anderen Anbietern schlechter, aber wenn man bedenkt, daß im Umkreis von 50 Kilometern ca. 9 Millionen Menschen leben und eines der Bedeutendsten Industriereviere Europas vor den Firmentoren beginnt, und somit sowohl Rohstoffe (Schrott) und qualifizierte Arbeitskräfte als auch ein Absatzmarkt gegeben sind, wird ein Fortbestehen des Stahlstandortes Duisburg wohl als sicher zu betrachten sein. Das jedoch bedeutet nicht, daß der Standort in dem Umfang bestehen bleibt. Vielmehr ist mit einem weiteren Stellenabbau zu Rechnen. Nachdem ohnehin in den letzten zwanzig Jahren die Zahl der bei Thyssen Beschäftigten auf die Hälfte zurückgegangen ist, wird in den nächsten Jahren die Zahl weiter auf etwa 10000 Beschäftigte zurückgehen.

Die zuvor erwähnten Standortvorteile anderer Stahlproduzenten lassen sich gut am Beispiel Südkoreas veranschaulichen. Hier wurden die Stahlwerke in unmittelbarer Nähe zu Seehäfen aufgebaut, deren Vorteil die Möglichkeit ist, produzierten Stahl ohne Umwege vom Werk aufs Überseeschiff zu verladen. Ebenso geschieht es mit den nötigen Rohstoffen. So fallen ver- gleichsweise geringe Transportkosten an. Für Duisburg heißt es im Gegensatz dazu, daß z.B. das Eisenerz erst über See nach Rotterdam geschifft, dort auf Binnenschiffe (Eurokähne bzw. Schubverbände) umgeladen und dann einige Hundert Kilometer den Rhein herauf transportiert werden muß. Ebenso verhält es sich mit Stahl, der nach Übersee verschifft werden soll.

Vergleicht man also nur die beiden geannten Beispiele, so erkennt man wie entscheident Standortfaktoren für die Industrie sind. Es ist ferner interessant zu sehen, daß die in der Öffentlichkeit diskutierten hohen Lohnkosten in Deutschland relativ wenig ins Gewicht fallen.

- Oberhausen-Neue Mitte/Centro:

Oberhausen ist eine Industriestadt im westlichen Ruhrgebiet und liegt zwischen Duisburg und Essen. Seine Wirtschaft basierte wie die anderer Städte im Ruhrgebiet bis in die 60er Jahre hinein auf dem Steinkohlebergbau und der Stahlerzeugung. Die Krise in der Montanindustrie traf die Stadt dementsprechend. Im Zuge des Strukturwandels werden zunehmend neue Wirtschaftzweige in Oberhausen zu tragenden Säulen der Wirtschaft. Insbesondere der Anteil der Dienstleistungen stieg in Oberhausen wie auch in vergleichbaren Städten an.

Der geographische Wandel brachte jedoch neben einer Fülle neuer Dienstleistungen auch Industriebrachen mit sich. In Oberhausen lag beispielsweise das Gelände eines ehemaligen Stahlwerkes ungenutzt brach. Seine Lage unmittelbar neben einer Autobahn und inmitten eines Ballungsraumes (Ruhrgebiet) bot günstige Standortfaktoren für ein gigantisches Einkaufszentrum, dem ein Kinocenter und in naher Zukunft ein Erlebnispark angeschlossen sind bzw. sein werden. Um dieses mächtige Dienstleistungzentrum herum sind Verkehrswege und unzählige Parkhäuser und Parkplätze angelegt, und die Autobahn bietet den Anreisenden eigens eine Autobahnabfahrt. Im Inneren des Centro befinden sich in einem verkaufsfördernden Ambiente eine Vielzahl verschiedenster Geschäfte und neben diesen auch eine größere Anzahl an Gastronomiebetriebe.

Der Name dieses neuen Stadtteils Oberhausens ist „Neue Mitte“, eine Anspielung auf die über Oberhausen hinaus wirkende Dienstleistungszentralität des Centros, von dem nur einen Steinwurf entfernt die neue Multi-Mehrzweckhalle „Arena Oberhausen“ die Neue Mitte komplettiert.

- Haltepunkt Kevelar:

Die Stadt Kevelar liegt an der Niers, einem kleinen Nebenfluß der Maas, der bei Erkelenz entspringt und südlich von Nijmwegen in die Maas mündet. Kevelar liegt ferner in der Region des Niederrheins. In früherer Zeit war Kevelar wie die gesamte Region vergleichsweise arm. Dies änderte sich erst, als nach einer Marienerscheinung dieser Ort zum Wallfahrtsort für gläubige Katholiken wurde. Heute ist die Stadt Kevelar der nördlichste aller Marienwallfahrtsorte. Aus diesem Grund prägen die Einrichtungen des Fremdenverkehrswesens das wirtschaftliche Erscheinungsbild der Stadt.

Daneben findet man aber auch eine Anzahl traditioneller Handwerke, die aber ihren Bezug zur Kirche nicht leugnen können. So findet man beispielsweise Glas- und Mosaikmaler, Fahnensticker, Wachszieher, Holzschnitzer, Goldschmiede und weitere Kunsthandwerke in der Stadt Kevelar. Zur Hauptsache findet man diese in der Fußgängerzone. Die dort produzierten Artikel werden einerseits als Souveniere verkauft; andererseits ist die katholische Kirche - und mit ihr die Pilger - ein Abnehmer traditioneller, im Glauben verwurzelter Erzeugnisse.

Neben seiner vorwiegenden Bedeutung als Wallfahrtsort besitzt Kevelar auch noch diverse Tagungsräume und verschiedene Angebote für erholungssuchende Touristen (z.B. Ruder-ausflüge auf der Niers). Desweiteren gibt es in Kevelar eine Reihe Museen, vor allem Galerien für alte und moderne Kunst. Kevelar ist fernr häufige Adresse für Tagungen und Seminare.

Im Stadtkern Kevelars befinden sich vorwiegend Dienstleistungseinrichtungen die sich auf den Fremdenverkehr insbesondere auf Pilgerer spezialisiert haben. So befinden sich neben den erwähnten Kunsthandwerkern hier vorwiegend Gastronomie - und Hotelerie betriebe, sowie die bedeutendsten Anlaufpunkte für die Wallfahrer. Die City hat einen am Rand liegenden, großen Parkplatz, auf dem Touristen ihre PKW bzw. Reisegruppen ihre Busse Parken können, um dann den kurzen Weg zur ausgedehnten Fußgängerzone gehen können.

Aufgrund der Bedeutung des Fremdenverkehrsaufkommens weist Kevelar eine Reihe von Dienstleistungen auf, die man im Regelfall bei einer Stadt dieser Größe (24000 Einwohner) nicht unbedingt erwarten kann. Allerdings sind diese durchaus spezifisch für Fremdenverkehrsorte bzw. Wallfahrtsorte.

Wenn man von Kevelar spricht, so muß man die erstaunliche Anzahl von Baudenkmälern erwähnen. Die Zahl der denkmalgeschützten Gebäude alleine im Stadtkern überschreitet bereits die Zahl 200. Diese Denkmäler prägen das Bild der Altstadt. Neben bürgerlichen Gebäuden sind unter diesen auch eine Anzahl kirchlicher Gebäude. Beim Gang durch die Altstadt fiel beispielsweise an mehreren Stellen auf, daß dort Baustellen zu sehen waren, die zwar eine bereits stehende, historische Fassade zeigten, jedoch ansonsten jeder anderen Baustelle glichen. Hier liegt die Vermutung nahe, daß die Fassaden aus Gründen des Denkmalschutzes in ihrer urprünglichen Form erhalten werden sollten. Außerdem wird so das historische Erscheinungsbild der Altstadt Kevelars gewahrt, das zum Kapital des Fremdenverkehrsgewerbes gehört.

- Geomorphologie des Niederrheins/Haltepunkt Weze:

Haltepunkt Weze (Kiesgrube) und Rundfahrt durch den westlichen Teil des Gebiets Niederrhein:

Die niederrheinische Bucht ist in ihrer Geomorphologie zur Hauptsache durch bruchtektonische Ereignisse und in der jüngeren Erdgeschichte durch die Eiszeiten und deren Auswirkungen bestimmt. Die Niederrheinische Bucht ist durch eine Anzahl meist von Südosten nach Nordwesten verlaufender Verwerfungen durchzogen entlang derer sich Schollen zu Horsten (z.B. die Ville oder der Peelhorst) hoben oder zu Gräben (z.B. Ruhrtalgraben oder Venloer Graben) senkten. Außerdem sind auch noch Auswirkungen der variszischen Faltung des Rheinischen Schiefergebirges besonders im östlichen und nördlichen Teil der Niederrheinischen Bucht zu beobachten. Diese weisen eine Streichrichtung von Südwest nach Nordost vor.

Man bezeichnet hier die vareszischen Erhebungen als Sättel (z.B. Venn-Sattel, Kapellener Sattel, Gelsenkirchener Sattel) und die tiefergelegenen Senken zwischen den Sätteln als Mulden (LippeMulde, Wurm-Mulde, Schermbecker Mulde, Essener Mulde).

Das durch Bruchtektonik entstandene Relief dieser Region ist allerdings durch Abtragungsprozesse und durch die Eiszeitlichen Ablagerungen enorm überlagert worden.

Die Eiszeiten hinterließen die bis heute am Niederrhein am deutlichsten zu erkennenden Spuren.

So bildeten sich wie auch im Rheinischen Schiefergebirge Terassen, die allerdings hier in Form von Ablagerungen und nich wie z.B. am Itterbach durch Abtragungsvorgänge entstanden. Man muß sich die Bildung der Terassen am Niederrhein folgendermaßen vorstellen:

Am Ende einer Eiszeit führte der Rhein eine immense Menge an Schmelzwasser mit sich. Dadurch erhöhte sich auch seine Transportkraft entsprechen. Dies wurde noch verstärkt durch die erhöte Flußgeschwindigkeit dort, wo der Rhein keinerlei Möglichkeit hatte zur Seite zu expandieren, weil Gebirge dies verhinderten. Mit dem erreichen der Niederrheinischen Bucht verlohr der Rein erheblich an Transportkraft und folglich lagerten sich Kies, Schotter und Sand in diesem Gebiet ab. Dies bedeutet nun aber, daß die Terassen am Niederrhein umgekehrt liegen.

Am Beispiel Itterbach wurde bereits gezeigt, daß die durch Errosion entstandenen Täler immer oben die Hauptterasse und unten die Niederterasse zeigen, während dies am Niederrhein genau anders herum ist: Hier ist die Hauptterasse die unterste der eiszeitlichen Terassen. Über ihr folgen die Mittelteassen und zu oberst die Niederterasse. (Vgl. Abb.2). Im Bereich der Ville oder des Krefelder Gewölbes beispielsweise findet man die Mittelterasse an der Oberfläche. Dies bedeutet dann, daß es entweder zur letzten Eiszeit hier keine Ablagerung gab, weil das Wasser des Rheins nicht bis hier gelangte, oder aber, daß Abtragungsvorgänge die Niederterasse verschwinden ließen, wobei die kürze des Zeitraumes den zuletztgenannten Grund unwahrscheinlich erscheinen läßt.

Am Niederrhein läßt sich auch noch ein weiteres eiszeitliches Phänomen erkennen, nämlich die sogenannte Glaziale Serie. Dort wo einst die Vereisung endete, schob die mächtige Eisdecke lockereres Material vor sich her, und es kam zur Bildung von Moränen. Dort in Richtung der Vereisung bildeten sich bei Rückgang des Eises auf dem lehmigen und kaum wasserdurchlässigen Boden kleinere flache Seen. An der zum eiszeitlichen Rhein gelegenen Seite haben sich dagegen Sander herausgebildet. Die Moränen nennt man Endmoränen. Sie sind im flachen Gebiet des Niederrheins deutlich als Hügelketten zu erkennen.

In der Kiesgrube ließen sich weitere eiszeitliche Phänomene erkennen.

Dort, wo in einem Permafrostboden während einer Wärmeperiode Wasser taut und sich in Mulden ansammelt, können bei erneutem Gefrieren Paals entstehen. Da es sowohl vom unten ligenden Permafrostboden als auch von oben her friert, bilden sich diese Paals oft unterhalb der Erdoberfläche. In ihnen gefriert das Wasser zuletzt. Weil es sich beim Gefrieren ausdehnt, wird ein unter der Erde liegender Paal dadurch erkannt, daß oberirdisch eine Erhebung erscheint. in der Kiesgrube von Weze erschienen die glazialen Paals als etwas dunklere linsenförmige Bodenschichten. Wenn sich das Wasser in einem Paal bei erneutem Gefrieren ausdehnt, entstehen die sogenannten Pingos, die man als Bodenerhebungen erkennen kann. Dort, wo man Paals und Pingos beobachten kann, befinden sich meist auch Strukturböden, wie z.B. der Steinnetzboden. Diese Strukturen entstehen, weil größere, an der Oberfläche eines Pingos gelegene Gesteionsbrocken von eben diesem Pingo herunter rollen und so um einen Pingo einen Ring aus Stein bilden. Treten nun Beispielsweise auf einer bestimmten Fläche viele Pingos und Paals nebeneinander auf, entstehen diese Strukturböden.

In Weze kann man auch deutlich erkennen, daß der Bereich des heutigen Niederrheins nich nur im Wesentlichen durch die Eiszeiten und den Rhein, sondern auch durch wiederholte Meeresvorstöße geprägt worden ist.Zu diesen konnte es immer dann kommen, wenn durch vertikale Bruchverschiebungen Teile der Niederrheinischen Bucht unter den Meeresspiegel absanken.Zu erkennen sind in der Kiesgrube beispielsweise grobe und feine Kiese, wobei grober Kies vom Rhein und feiner Kies vornehmlich vom Meer nach dort gelangten und sedimentierten. Es sind ferner auch farblich verschiedene Sande zu erkennen. Diese weisen auf verschiedene Ursprünge hin. So entstanden die verschiedensten Terassen im Pleistozän und im Pliozän. Die Pliozänterassen weisen vornehmlich Quarzsandablagerungen auf, die durch ihre hellere Färbung auffallen. Sie sind maritimen Ursprungs. Man kann sich vorstellen das sich einst Strände an dieser Stelle befanden, die den heutigen Südseestränden ähnelten. Damals lag diese Region in einer anderen Breite und das Klima war wesentlich wärmer als heute.

Die im Pliozän sedimentierten Sande sind im Wesentlichen gelblich oder rötlich gefärbt. Sie entstanden als fluviale Ablagerungen.

Unter den vielen Kieselsteinen die sich hier im Boden ansammelten, kann mann mitunter solche finden, die die einst in dieser Region lebenden Vorfahren des Menschen zu ihrer Zeit als Werkzeuge oder als Waffen für die Jagd benutzten (z.B. Faustkeile).

- Haltepunkt Lüllingen/NBV:

Lüllingen liegt im Gebiet des Niederrhein nicht fern der Niers. Dieser Raum war zur Jahrhundert- wende ein armes Gebiet. Dies war nicht zuletzt Folge der hier vorzufindenden feuchten Sandböden. Diese machten einen rentablen Ackerbau unmöglich. Erst als in den Jahren des Ersten Weltkrieges aus dem besetzten Belgien der Anbau von Moorbeetkulturen (z.B. Spargel)

übernommen wurde, konnte der Boden in dieser Region rentabel bewirtschaftet werden. Erst mit dieser Neuerung und dem Anbau von Zierpflanzen wie z.B. den Eriken, die in dieser Region vorzugsweise gepflanzt werden, erlebte die hiesige Landwirtschaft einen Aufschwung. Zwar konnten noch immer nicht die zur Ernährung wesentlichen Feldfrüchte angebaut werden, aber die Landwirtschaft konnte jetzt zumindest den Boden gewinnbringend bestellen. Mit der Entstehung dieses spezialisierten Zweiges der Landwirtschaft und der zunehmenden Anbaufläche unter Glas (derzeit ca.3 qkm bei Kosten von 80-150 DM/qm) entstand die UGA, die Union Gartenbaulicher Absatzmärkte. Diese Vertriebsgesellschaft wurde gegründet, um die Vermarktung der Produkte der Vielzahl von Gärtnereien zu übernehmen. Allerdings ist bei der UGA nachteilig, daß die verträglich an diese gebundenen Gärtner nicht die Möglichkeit haben, nebenbei auch Produkte an andere Abnehmer zu verkaufen. Andererseits kann der Gärtner auch nicht verlangen, daß die UGA die gelieferte Ware auch tatsächlich abnimmt. Aufgrund dieser Mißstände spalteten sich 10 Gärtnerbetriebe ab und gründeten nun ihrerseits eine Genossenschaft, die GVG (Gärtnervereinigung Geldern). Diese fusionierte mit der aus dem Raum Neuss kommenden NGV. Seither teilen sich die beiden Vertriebsorganisationen den Markt und konkurrieren, wobei sich beide Seiten auch Informatonen nicht vorenthalten.

Die NGV ist also eine Vertriebsgenossenschaft. Sie arbeitet daher nicht gewinnmaximierend wie z.B. die UGA.

Die Arbeitsweise der NGV :

Von den Gärtnern aus der Region werden die zu vertreibenden Produkte bei der NGV angeliefert. Dies geschieht vorzugsweise mit Geländewagen oder Traktoren also mit Fahrzeugen, die für einen weiteren Transport aus Rentabilitätsgründen ungeeignet sind, die aber jeder Landwirt bzw. Gärtner ohnehin besitzt und im Betrieb benötigt.

Für den Transport benutzt man üblicherweise rollbare Container, wie sie im EU-Gebiet Standart sind. Etwa 120.000 dieser Container gehören zur NGV und werden im Zuge der Geschäfte vermietet, da es einfacher ist, den Container mit den erworbenen Produkten mitzugeben, statt die Ware noch einmal zeit- und arbeitsintensiv umzuladen.

Der eigentliche Vertrieb geschieht über eine dreimal in der Woche (bis zu vier mal in der Saison von März bis Mai und September/Oktober) stattfindende Versteigerung. Hierbei sitzen bis zu 200 Kunden aus der gesamten Bundesrepublik und dem europäischen Ausland während der Auktion an Pulten vor der Versteigerungsuhr, vor der auf den eben besschriebenen Containern die gerade im Moment angebotene Ware vorbeigefahren und von Verkaufshelfern präsentiert wird.

Der Käufer kann sich also auf diese Weise ein Bild von der angebotenen Ware machen, die zudem jedoch schon vorher in drei Güteklassen eingeteilt wird (A1, A2 und B).

Nun beginnt die eigentliche Versteigerung. Diese läuft wie bereits erwähnt über eine Versteigerungsuhr, mit der jeder einzelne potentielle Käufer über seinen Platz verbunden ist.Die Uhr beginnt bei dem Preis, den die Auktionatoren auf Basis des Wunschpreises des Erzeugers festgelegt haben, und läuft von nun an rückwärts. Dabei gilt es zu beachten, daß es drei verschiedene Münzarten gibt, nach denen hier abgerechnet wird, nämlich Pfennig, Groschen und D-Mark. Dies muß jederzeit berücksichtigt werden. Gefällt nun einem Kunden die angebotene Ware, so kann er per Knopfdruck die Uhr stoppen und somit sein Angebot abgeben. Dieses wird automatisch vom Computer registriert.

Die Uhr läuft, wenn kein Interesse vorliegt, weiter herab und der Preis wird immer geringer, aber bei Erreichen von 10% des Startpreises wird die Ware aus der Versteigerung genommen und sofort herausgefahren, wo sie dann direkt im Schredder vernichtet wird. Die so entstandenen Schäden trägt der Gärtner selbst.

Verkaufte Ware wird nach der Versteigerung bar bezahlt und zu dem Tor gebracht, an dem der Käufer sie dann verladen kann. Der Abtransport liegt nicht in Verantwortung der NGV sondern in der der Käufer. Sollte jemand mit der erworbenen Ware unzufrieden sein, so besteht keine Möglichkeit zur Reklamation, denn es wird hier "gekauft wie gesehen".

Parallel zur Versteigerung werden andere Großabnehmer via Telefon mit der NGV verbunden. Die Blumen, die sie ordern, werden von einer Spedition zu den Kunden (z.B. Supermarktketten) transportietrt. In diesem Fall organisiert also die NGV auch den Abtransport der Ware.

Es gibt außerdem einen Cash-and-Carry-Markt neben der Versteigerung, der es kleineren Kunden ermöglichen soll, Ware nicht Containerweise zu ersteigern, sondern in Paletten oder einzeln.

Außerdem werden Blumen hier zum Fixpreis angeboten. Dieser errechnet sich aus dem Preis, den man zuvor auf der Auktion selbst für die Ware zahlen mußte zuzüglich eines Prozentsatzes dessen, der den Verkauf rentabel werden läßt.

Die Angebotspalette reicht von den zur Hauptsache in der Region angebauten Eriken, Azaleen, Stiefmütterchen und Petunien über den in der Saison angebotenen Spargel bis hin zu exotischen Pflanzen oder sogar gelegentlich Äpfeln oder Kartoffeln. Schnittblumen werden allerdings nicht vertrieben. Insgesamt umfaßt das Angebot ca. 750 Gruppen in denen teilweise mehrere Arten zusammengefaßt werden.

Das Verpackungskonzept ist noch zu verbessern, denn es werden abgesehen von den Containern nur Einwegverpackungen benutzt. Diese werden zwar nach Gebrauch von der NGV wieder zurückgennommen, aber sie können nur in seltenen Fällen wiederverwendet werden. Es wäre also von Nöten eine praktisch auch brauchbare und zudem kostengünstige Mehrwegverpackung zu entwickeln um Verpackungskosten und Umweltbelastungen zu dezimieren.

Die Lage der NGV in Lüllingen ist im Bezug auf die Anlieferwege der Blumen günstig, denn die Region weist eine Anbaufläche von 600 Hektar auf, davon etwa die Hälfte unter Glas. Allerdings gibt es in der Bundesrepublik ein Verbot für LKW-Transporte von Blumen, das jedoch nicht für ausländische Blumentransporte gilt. Es kommt daher beim Inlandtranport von versteigerten bzw. verkauften Blumen zu Verzögerungen, was sich im Bezug auf die relativ leichte Verderblichkeit einiger Pflanzen negativ auswirken kann. Die Anbindung an das Verkehrsnetz ist für Lüllingen günstig. Sowohl die Autobahn A 61 südwestlich Lüllingens sowie die A 57 östlich des Ortes sind über gut ausgebaute Zubringerstraßen schnell und einfach zu erreichen. Einziges Manko ist das Fehlen eines Frachtflughafens. Für leichtverderliche Ware würde dies die Möglichkeit eines kostengünstigen Transportes in kurzer Zeit über weite Entfernungen Bedeuten. Die Anlagen wären sogar bereits vorhanden, da die brittische Royal Air Force in der Umgebung liegende Flugplätze verläßt und diese theoretisch ziviel genutzt werden könnten. An das Bahnnetz ist Lüllingen nicht angebunden, allerdings ist dies auch bedeutungslos für die NGV, denn die Waren können nicht mit der Bahn transportiert werden, ohne ihre Qualität bzw. Frische einzubüßen. Außerdem müssen Pflanzen oft zu kurzfristigen Terminen zum Kunden transportiert werden, was mit der Bahn nicht möglich ist, da diese weitestgehend an Fahrpläne gebunden und insgesamt zu unflexibel ist.

Zuletzt sei noch erwähnt, daß die NGV jährlich etwa 250.000.000 DM Umsatz macht, wovon rund 70.000.000 auf die Versteigerungen entfallen.

- Haltepunkt Lüllingen/NBV:

Lüllingen liegt im Gebiet des Niederrhein nicht fern der Niers. Die ser Raum war zur Jahrhundert- wende ein armes Gebiet. Dies war nicht zuletzt Folge der hier vorzufindenden feuchten Sandböden. Diese machten einen rentablen Ackerbau unmöglich. Erst als in den Jahren des Ersten Weltkrieges aus dem besetzten Belgien der Anbau von Moorbeetkulturen (z.B. Spargel)

übernommen wurde, konnte der Boden in dieser Region rentabel bewirtschaftet werden. Erst mit dieser Neuerung und dem Anbau von Zierpflanzen wie z.B. den Eriken, die in dieser Region vorzugsweise gepflanzt werden, erlebte die hiesige Landwirtschaft einen Aufschwung. Zwar konnten noch immer nicht die zur Ernährung wesentlichen Feldfrüchte angebaut werden, aber die Landwirtschaft konnte jetzt zumindest den Boden gewinnbringend bestellen. Mit der Entstehung dieses spezialisierten Zweiges der Landwirtschaft und der zunehmenden Anbaufläche unter Glas (derzeit ca.3 qkm bei Kosten von 80-150 DM/qm) entstand die UGA, die Union Gartenbaulicher Absatzmärkte. Diese Vertriebsgesellschaft wurde gegründet, um die Vermarktung der Produkte der Vielzahl von Gärtnereien zu übernehmen. Allerdings ist bei der UGA nachteilig, daß die verträglich an diese gebundenen Gärtner nicht die Möglichkeit haben, nebenbei auch Produkte an andere Abnehmer zu verkaufen. Andererseits kann der Gärtner auch nicht verlangen, daß die UGA die gelieferte Ware auch tatsächlich abnimmt. Aufgrund dieser Mißstände spalteten sich 10 Gärtnerbetriebe ab und gründeten nun ihrerseits eine Genossenschaft, die GVG (Gärtnervereinigung Geldern). Diese fusionierte mit der aus dem Raum Neuss kommenden NGV. Seither teilen sich die beiden Vertriebsorganisationen den Markt und konkurrieren, wobei sich beide Seiten auch Informatonen nicht vorenthalten.

Die NGV ist also eine Vertriebsgenossenschaft. Sie arbeitet daher nicht gewinnmaximierend wie z.B. die UGA.

Die Arbeitsweise der NGV :

Von den Gärtnern aus der Region werden die zu vertreibenden Produkte bei der NGV angeliefert. Dies geschieht vorzugsweise mit Geländewagen oder Traktoren also mit Fahrzeugen, die für einen weiteren Transport aus Rentabilitätsgründen ungeeignet sind, die aber jeder Landwirt bzw. Gärtner ohnehin besitzt und im Betrieb benötigt.

Für den Transport benutzt man üblicherweise rollbare Container, wie sie im EU-Gebiet Standart sind. Etwa 120.000 dieser Container gehören zur NGV und werden im Zuge der Geschäfte vermietet, da es einfacher ist, den Container mit den erworbenen Produkten mitzugeben, statt die Ware noch einmal zeit- und arbeitsintensiv umzuladen.

Der eigentliche Vertrieb geschieht über eine dreimal in der Woche (bis zu vier mal in der Saison von März bis Mai und September/Oktober) stattfindende Versteigerung. Hierbei sitzen bis zu 200 Kunden aus der gesamten Bundesrepublik und dem europäischen Ausland während der Auktion an Pulten vor der Versteigerungsuhr, vor der auf den eben besschriebenen Containern die gerade im Moment angebotene Ware vorbeigefahren und von Verkaufshelfern präsentiert wird. Der Käufer kann sich also auf diese Weise ein Bild von der angebotenen Ware machen, die zudem jedoch schon vorher in drei Güteklassen eingeteilt wird (A1, A2 und B).

Nun beginnt die eigentliche Versteigerung. Diese läuft wie bereits erwähnt über eine Versteigerungsuhr, mit der jeder einzelne potentielle Käufer über seinen Platz verbunden ist.Die Uhr beginnt bei dem Preis, den die Auktionatoren auf Basis des Wunschpreises des Erzeugers festgelegt haben, und läuft von nun an rückwärts. Dabei gilt es zu beachten, daß es drei verschiedene Münzarten gibt, nach denen hier abgerechnet wird, nämlich Pfennig, Groschen und D-Mark. Dies muß jederzeit berücksichtigt werden. Gefällt nun einem Kunden die angebotene Ware, so kann er per Knopfdruck die Uhr stoppen und somit sein Angebot abgeben. Dieses wird automatisch vom Computer registriert. Die Uhr läuft, wenn kein Interesse vorliegt, weiter herab und der Preis wird immer geringer, aber bei Erreichen von 10% des Startpreises wird die Ware aus der Versteigerung genommen und sofort herausgefahren, wo sie dann direkt im Schredder vernichtet wird. Die so entstandenen Schäden trägt der Gärtner selbst.

Verkaufte Ware wird nach der Versteigerung bar bezahlt und zu dem Tor gebracht, an dem der Käufer sie dann verladen kann. Der Abtransport liegt nicht in Verantwortung der NGV sondern in der der Käufer. Sollte jemand mit der erworbenen Ware unzufrieden sein, so besteht keine Möglichkeit zur Reklamation, denn es wird hier "gekauft wie gesehen".

Parallel zur Versteigerung werden andere Großabnehmer via Telefon mit der NGV verbunden. Die Blumen, die sie ordern, werden von einer Spedition zu den Kunden (z.B. Supermarktketten) transportietrt. In diesem Fall organisiert also die NGV auch den Abtransport der Ware.

Es gibt außerdem einen Cash-and-Carry-Markt neben der Versteigerung, der es kleineren Kunden ermöglichen soll, Ware nicht Containerweise zu ersteigern, sondern in Paletten oder einzeln.

Außerdem werden Blumen hier zum Fixpreis angeboten. Dieser errechnet sich aus dem Preis, den man zuvor auf der Auktion selbst für die Ware zahlen mußte zuzüglich eines Prozentsatzes dessen, der den Verkauf rentabel werden läßt.

Die Angebotspalette reicht von den zur Hauptsache in der Region angebauten Eriken, Azaleen, Stiefmütterchen und Petunien über den in der Saison angebotenen Spargel bis hin zu exotischen Pflanzen oder sogar gelegentlich Äpfeln oder Kartoffeln. Schnittblumen werden allerdings nicht vertrieben. Insgesamt umfaßt das Angebot ca. 750 Gruppen in denen teilweise mehrere Arten zusammengefaßt werden.

Das Verpackungskonzept ist noch zu verbessern, denn es werden abgesehen von den Containern nur Einwegverpackungen benutzt. Diese werden zwar nach Gebrauch von der NGV wieder zurückgennommen, aber sie können nur in seltenen Fällen wiederverwendet werden. Es wäre also von Nöten eine praktisch auch brauchbare und zudem kostengünstige Mehrwegverpackung zu entwickeln um Verpackungskosten und Umweltbelastungen zu dezimieren.

Die Lage der NGV in Lüllingen ist im Bezug auf die Anlieferwege der Blumen günstig, denn die Region weist eine Anbaufläche von 600 Hektar auf, davon etwa die Hälfte unter Glas. Allerdings gibt es in der Bundesrepublik ein Verbot für LKW-Transporte von Blumen, das jedoch nicht für ausländische Blumentransporte gilt. Es kommt daher beim Inlandtranport von versteigerten bzw. verkauften Blumen zu Verzögerungen, was sich im Bezug auf die relativ leichte Verderblichkeit einiger Pflanzen negativ auswirken kann. Die Anbindung an das Verkehrsnetz ist für Lüllingen günstig. Sowohl die Autobahn A 61 südwestlich Lüllingens sowie die A 57 östlich des Ortes sind über gut ausgebaute Zubringerstraßen schnell und einfach zu erreichen. Einziges Manko ist das Fehlen eines Frachtflughafens. Für leichtverderliche Ware würde dies die Möglichkeit eines kostengünstigen Transportes in kurzer Zeit über weite Entfernungen Bedeuten. Die Anlagen wären sogar bereits vorhanden, da die brittische Royal Air Force in der Umgebung liegende Flugplätze verläßt und diese theoretisch ziviel genutzt werden könnten. An das Bahnnetz ist Lüllingen nicht angebunden, allerdings ist dies auch bedeutungslos für die NGV, denn die Waren können nicht mit der Bahn transportiert werden, ohne ihre Qualität bzw. Frische einzubüßen. Außerdem müssen Pflanzen oft zu kurzfristigen Terminen zum Kunden transportiert werden, was mit der Bahn nicht möglich ist, da diese weitestgehend an Fahrpläne gebunden und insgesamt zu unflexibel ist.

Zuletzt sei noch erwähnt, daß die NGV jährlich etwa 250.000.000 DM Umsatz macht, wovon rund 70.000.000 auf die Versteigerungen entfallen.

- Siedlungsgeographie am Niederrhein:

Aldekerke ist ein kleines Straßendorf und liegt am Rand der nach dem Dorf benannten Aldekerker Platte. Diese ist Teil der Krefelder Mittelterasse. Sie ist deutlich als etwa zwei Meter hohe Geländestufe zu erkennen. Daß hier entgegen der Erwartungen am Niederrhein die Mittelterasse höher liegt als die sie umgebende Niederterasse, hängt damit zusammen, daß der Rhein diese Krefelder Mittelterasse im Zusammenhang mit der letzten Eiszeit nicht mehr überflutete und sich demnach auch keine Sande und Schotter akkumulieren und eine Niederterasse bilden konnten.

Die Siedlung Aldekerke ist ein Straßendorf, d.h., es gibt nur eine Straße entlang welcher sich die einzelnen Gehöfte aneinanderreien. Im Fall Aldekerkes fällt auf, daß die Höfe immer ähnlich angelegt sind (einseitig geoöffnete Hufe) und auch alle den gleichen Abstand zum jeweiligen Nachbarhof haben (25 Meter). Die Straße verläuft genau parallel zur Geländestufe allerdings einige Meter in Richtung der Niederterasse versetzt. Es folgen zur Mittelterasse hin die Höfe, die die Wohnräume zur Straße und die Wirtschaftsgebäude nach hinten heraus trennen, und auf der Mittelterasse Ackerland. Auf der den Höfen gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich anfangs Weideland und im späteren Verlauf Wald. Die Breite eines jeden Streifens ist identisch.

Diese Siedlung ist eindeutig kein Zufallsprodukt, sondern zielstrebig geplant und errichtet worden.

Dafür sprechen zwei Dinge. Zum einen unterscheidet sich dieses Straßendorf von den sonst eher für diese Region typischen Haufendörfern, was die These der vorhergehenden Planung stützt, zum anderen ist die Hufform der Höfe eher charakteristisch für den romanischen Raum, etwa für Frankreich. Die Hufform hat sich quasi aus der Villa, dem römischen Landhaus mit Innenhof und umgebender Bebauung, entwickelt. Daher liegt der Schluß nahe, daß Mönche aus dem nich fern gelegenen Kamp-Lintfort, die ihr Stammkloster in Frankreich hatten, die Gründer des Dorfes Aldekerke waren.

13 von 14 Seiten

Details

Titel
Exkursionsbericht Niederrheinische Bucht/Östliches Ruhrgebiet
Autor
Jahr
1997
Seiten
14
Katalognummer
V100813
Dateigröße
376 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exkursionsbericht, Niederrheinische, Bucht/Östliches, Ruhrgebiet
Arbeit zitieren
Michael Birklein (Autor), 1997, Exkursionsbericht Niederrheinische Bucht/Östliches Ruhrgebiet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100813

Kommentare

  • Gast am 5.2.2003

    ganz kleine Korrektur.

    Wollte eigentlich nicht viel zu dieser Arbeit sagen nur, dass man "Weze" mit zwei "e" schreibt, also Weeze. Ich dachte mir, ich sollte das wenigstens kurz verbessern, da ich selber aus Weeze (mit zwei e) komme.

    Viele Grüße
    friederike

  • Gast am 2.5.2006

    Dipl.-Geograph.

    Kevelaer schreibt sich mit "ae".
    Das sollte man als angehender Geograph wissen.
    (übrigens kann man die Schreibweise von Ortsnamen z. B. im Atlas nachlesen)

  • Gast am 26.5.2009

    Aldekerke.

    Der beschriebene Ort heißt Stenden, gehört zur Gemeinde Kerken, die wiederum von Ost nach West aus den Orten Stenden, Rahm, Aldekerk, Eyll, Nieukerk, Winternam und Poelyck besteht. Die geschichtlich bekannten Höfe befinden sich alle im Schutze einer Geländekante nach Nordosten an der Kerkener Platte, einem Rieselgebiet westlich einer Endmoräne (Schaephysener Höhe)während die Südwestseite zu einem ehemaligen Sumpfgebiet "der Bruch oder Bruoch" genannt ausgerichtet sind.

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