Saul Kripkes Buch „Name und Notwendigkeit“ stellte in den siebziger Jahren einen wichtigen Wendepunkt in der Sprachphilosophie dar, der noch heute von großer Relevanz ist. In den Vorträgen befasst sich Kripke vor allem mit der Bedeutung von (Eigen)Namen, wobei er die bis dahin stark verbreiteten Kennzeichnungstheorien von Gottlob Frege und Bertrand Russell sowie die „Bündeltheorie“ stark kritisiert.
Als Alternative schlägt Kripke eine kausal-historische Theorie von Eigennamen vor, die jedoch vorrangig die Referenzfestlegung und weniger die Bedeutung von Eigennamen erklären soll. Kripke selbst hat angemerkt, dass seine Theorie keine wirklich ausgearbeitete Theorie darstellt und sie, würde man sie weiter präzisieren, vermutlich scheitern würde. Allerdings erhebt er in den Vorträgen auch nicht den Anspruch, eine vollständige Theorie aufgestellt zu haben, sondern vielmehr ein besseres Bild der Referenzfestlegung gezeichnet zu haben, als es seine Vorgänger getan hatten.
In der Hausarbeit versuche ich zu zeigen, dass Saul Kripkes Theorie mit vielen Problemen potentiell umgehen kann. Dazu werde ich zunächst Freges und Russells Ansatz und die Probleme, die sie lösen wollten, erläutern. Um Kripkes Kritik an diesen Theorien verständlich zu machen, werde ich anschließend verschiedene Begriffe und Unterscheidungen einführen, auf denen Kripkes Argumentation aufbaut. Dann werde ich seine Kritikpunkte erläutern und zeigen, wie er letztlich zu seiner eigenen Theorie gelangt. Im Anschluss werde ich mögliche Probleme der Theorie aufzeigen und schließlich versuchen, seine Theorie gegen dieselben zu verteidigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Frege-Russell-Ansatz
3. Kripkes Kritik
3.1 Begriffsklärungen
3.2 Mögliche Welten
3.3 Kritik an den Kennzeichnungstheorien
4. Kripkes Vorschlag
5. Kritik an Kripke und Ausblick
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Saul Kripkes einflussreiche Theorie aus seinem Werk "Name und Notwendigkeit", in der er die klassische Kennzeichnungstheorie von Frege und Russell kritisiert und einen alternativen, kausal-historischen Ansatz zur Referenz von Eigennamen entwirft.
- Analyse der klassischen Kennzeichnungstheorien und deren Schwächen
- Einführung von Kripkes Konzepten wie "starre Bezeichner" und "mögliche Welten"
- Kritische Auseinandersetzung mit der kausal-historischen Referenztheorie
- Diskussion von Problemen bei fiktiven Namen und negativen Existenzsätzen
Auszug aus dem Buch
4. Kripkes Vorschlag
Das Scheitern der Referenztheorie stellt Kripke vor die Frage, wie wir denn überhaupt mit Namen referieren können. Wenn die Referenz nicht durch Kennzeichnungen erfolgt, wie dann? Kripke schlägt eine kausal-historische Referenztheorie vor:
„Sagen wir, es wird jemand geboren, ein Baby; seine Eltern rufen es mit einem bestimmten Namen. Sie reden mit ihren Freunden über es. Andere Leute kommen mit ihm zusammen. Durch verschiedene Arten von Rede wird der Name von Glied zu Glied verbreitet wie durch eine Kette. Ein Sprecher, der sich am entfernten Ende dieser Kette befindet, der zum Beispiel über Richard Feynman auf dem Marktplatz oder irgendwo sonst gehört hat, könnte auf Richard Feynman referieren, obwohl er sich nicht erinnern kann, durch wen er zum erstenmal von Feynman gehört hat oder durch wen er überhaupt je von Feynman gehört hat. Er weiß, dass Feynman ein berühmter Physiker war. Eine bestimmte Kommunikationskette, die letztlich bis zu dem Mann selbst zurückreicht, erreicht den Sprecher. Er referiert dann auf Feynman, obwohl er ihn nicht durch Beschreibungen […] identifizieren kann.“ (Kripke, 1972, S. 107).
Kripke hebt hier zwei Punkte besonders hervor: Einmal kann man nach seiner Theorie auf jemanden referieren, ohne ihn durch Beschreibungen identifizieren zu können. Außerdem kann man referieren, ohne zu wissen, von wem man den Namen kennt. Damit stellt er sich gegen Theorien, die verlangen, dass man wissen muss, von wem man den Namen kennt (z.B.: „Mit Feynman werde ich den Mann meinen, den Jones so nennt.“). Tatsächlich kann aber auf Leute referieren, ohne zu wissen, von wem ich den Namen gehört habe, oder im Glauben den Namen von wem anders gehört zu haben, als der Person, von der ich ihn tatsächlich gehört habe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in Kripkes wegweisende Vorträge ein und stellt die Absicht der Arbeit dar, die Kritik an traditionellen Theorien sowie Kripkes eigenen Ansatz zu untersuchen.
2. Der Frege-Russell-Ansatz: Dieses Kapitel erläutert die klassische Auffassung, Eigennamen als verkürzte Kennzeichnungen zu verstehen, und zeigt die damit verbundenen Probleme bei Identitätssätzen und leeren Ausdrücken auf.
3. Kripkes Kritik: Der Autor führt zentrale Begriffe Kripkes wie starre Bezeichner und mögliche Welten ein, um die Kritik an den Kennzeichnungstheorien theoretisch zu fundieren.
4. Kripkes Vorschlag: Dieses Kapitel stellt Kripkes kausal-historische Theorie der Referenz vor, die ohne identifizierende Beschreibungen durch den Sprecher auskommt.
5. Kritik an Kripke und Ausblick: Hier werden Einwände gegen Kripkes Modell diskutiert, insbesondere im Hinblick auf fiktive Figuren und Fälle, in denen keine klare kausale Kette existiert.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Kripke einen klaren Bruch mit der Tradition vollzieht und trotz offener Fragen eine theoretisch bedeutsame Alternative bietet.
Schlüsselwörter
Saul Kripke, Name und Notwendigkeit, Referenztheorie, Kennzeichnungstheorie, Eigennamen, starre Bezeichner, kausal-historische Theorie, mögliche Welten, Identitätssätze, Frege, Russell, Sprachphilosophie, Semantik, Referenz, fiktive Namen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die sprachphilosophische Debatte um die Bedeutung und Referenz von Eigennamen, ausgehend von Saul Kripkes berühmtem Werk "Name und Notwendigkeit".
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind der Vergleich zwischen der klassischen Kennzeichnungstheorie und Kripkes kausal-historischem Modell sowie die philosophischen Konzepte von Notwendigkeit und Apriorität.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Kripkes Kritik an Frege und Russell darzustellen, seinen eigenen Erklärungsansatz zur Referenz von Namen aufzuzeigen und diesen kritisch auf seine Belastbarkeit hin zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit folgt einer analytischen, textkritischen Methode, bei der die Argumentationen von Kripke im Kontext der Sprachphilosophie rekonstruiert und auf ihre Kohärenz und mögliche Probleme untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der traditionellen Kennzeichnungstheorien, die Einführung der Kripke'schen Gegenposition durch Konzepte wie "mögliche Welten" und die anschließende Diskussion von Einwänden gegen seinen kausalen Ansatz.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie starre Bezeichner, Referenz, Kennzeichnung, kausale Kette und Eigennamen charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Kripkes Ansatz von der „Bündeltheorie“?
Kripke lehnt die Vorstellung ab, dass ein Eigenname eine Ansammlung von Eigenschaften (Bündel) ist, die den Referenten identifizieren; stattdessen postuliert er eine historische Verknüpfung zwischen Name und Träger.
Wie löst Kripke das Problem der „leeren Namen“ wie „Weihnachtsmann“?
Kripke argumentiert, dass hier keine echte Referenz vorliegt, und diskutiert, wie solche Begriffe innerhalb von Sprachspielen funktionieren, auch wenn sie keinen realen Bezugspunkt haben.
- Citation du texte
- Felix Haus (Auteur), 2020, Wie gelangt Saul Kripke zu seiner Theorie von Eigennamen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1008390