Diese Arbeit analysiert die Darstellung von Kaiser Tiberius' Charakter in antiken Quellen. Die Aussagen unterschiedlicher Autoren, wie Velleius Paterculus, Tacitus und Sueton, über Kaiser Tiberius werden miteinander verglichen. Tiberius wird in der Forschung vielseitig betrachtet, wobei sein negatives Bild durchaus überwiegt. Das liegt vor allem an der Tatsache, dass sein Charakter in verschiedenen Quellen unterschiedlich benannt wurde. Deshalb stellt sich die Frage, ob Tiberius wirklich der grausame Kaiser, wie er oft dargestellt wurde, war.
Velleius rückt den Kaiser in ein positives Licht, wohingegen Tacitus seine negative Seite betont und Sueton seine Darstellung in einen positiven und einen negativen Teil trennt. Es gilt vor allem bei Tiberius den Charakter herausstellen, um seine Entscheidungen nachvollziehen zu können und auch falsche Darstellungen zu entkräften. Die Forschung betrachtet hierbei auch die Rolle der Autoren und ihre Haltung zu dem umstrittenen Kaiser.
Bewusst falsche Aussagen lenken den Blick des Lesers auf den Kaiser in eine positive oder in eine negative Richtung. Das macht es schwer, den Charakter richtig zu beurteilen. Deshalb betrachtet die Forschung den Kaiser auf unterschiedliche Weise. So war er zum einen der Herausforderung als Kaiser nicht gewachsen und konnte sich nicht anders als mit Gewalt helfen, zum anderen jedoch, bewies er ein Talent für Verwaltung und auch seine militärischen Erfolge waren von Bedeutung.
Der Vergleich der drei Autoren hilft beim Verständnis, welchen Charakter der Kaiser hatte und welche der Aussagen auf Wahrheit basieren oder erfunden wurden. In dieser Arbeit werden die einzelnen Werke der Autoren chronologisch analysiert, um ihren Zugang zu den Quellen und die gegenseitige Abhängigkeit zu vergleichen und somit ähnliche Aussagen nachzuvollziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung des Charakters des Tiberius in den antiken Quellen
2.1 Velleius Paterculus
2.2 Sueton
2.3 Tacitus
3. Vergleich der Darstellungen in den Quellen und die Meinung der Forschung
3.1 Sueton und Tacitus
3.2 Velleius Paterculus zu Sueton und Tiberius
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das historisch umstrittene Charakterbild des römischen Kaisers Tiberius, indem sie die Darstellungen der antiken Autoren Velleius Paterculus, Sueton und Tacitus chronologisch analysiert und kritisch miteinander vergleicht, um Wahrheitsgehalt und Autoretabsichten zu differenzieren.
- Analyse der Tiberius-Darstellung bei Velleius Paterculus, Sueton und Tacitus
- Vergleich der unterschiedlichen Sichtweisen und Forschungsmeinungen
- Untersuchung der Einflussfaktoren auf die Charakterzeichnung der Autoren
- Evaluation des historischen Spannungsfeldes zwischen militärischer Kompetenz und kaiserlicher Grausamkeit
Auszug aus dem Buch
2.2 Sueton
Bei seiner Charakterdarstellung des Tiberius, unterteilte Sueton diesen in zwei Perioden. Die erste Periode, vor dem Rückzug des Kaisers nach Capri, bezieht sich auf den guten Charakter und die Periode nach dem Rückzug auf Capri, bezieht sich auf den schlechten Charakter des Kaisers. Die ersten sieben Kapitel berichten über das Geschlecht der Claudier und einiger deren Mitglieder, sowie auch die jungen Jahre des Tiberius, von denen man jedoch nicht viel erfährt. Als junger Mann konnte er einige militärische Erfolge für sich verzeichnen und wurde dafür u.a. mit einer Ovation belohnt. Hier zeigt sich, dass Tiberius in seinen jungen Jahren einen fleißigen Charakter aufgewiesen haben soll und außerdem militärisches Geschick besaß. Ein erstes mögliches Indiz für seine Schüchternheit oder Menschenscheu zeigt sich bei seiner Abreise nach Rhodos, als er sich für ein längere Fortbleiben von der Heimat, nur von wenigen Menschen verabschiedete. Trotz seiner hohen politischen Stellung unternahm er die Reise nach Rhodos.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob Tiberius tatsächlich der grausame Kaiser war, als der er oft dargestellt wird, und umreißt die methodische Vorgehensweise durch den Vergleich antiker Quellen.
2. Darstellung des Charakters des Tiberius in den antiken Quellen: In diesem Kapitel werden die unterschiedlichen Charakterbilder des Tiberius durch die Autoren Velleius Paterculus, Sueton und Tacitus einzeln analysiert.
3. Vergleich der Darstellungen in den Quellen und die Meinung der Forschung: Hier werden die Autoren gegenübergestellt, um ihre unterschiedlichen Hintergründe, Quellenzugänge und Intentionen bei der Bewertung des Kaisers herauszuarbeiten.
4. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass Tiberius' Charakterbilder stark von den jeweiligen Absichten der Autoren geprägt sind und Tiberius selbst durch Widersprüchlichkeiten zwischen militärischer Leistung und politischem Scheitern charakterisiert ist.
Schlüsselwörter
Tiberius, Antike, römische Geschichte, Velleius Paterculus, Sueton, Tacitus, Kaiserbild, Charakteranalyse, Historiographie, Majestätsprozesse, Quellenvergleich, Prinzipat, Grausamkeit, Augustus, Römische Kaiserzeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das negative Image des römischen Kaisers Tiberius in der Geschichtsschreibung und hinterfragt, inwieweit dieses Bild durch die antiken Autoren Velleius Paterculus, Sueton und Tacitus konstruiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind der Vergleich der Charakterdarstellungen des Tiberius, die Rolle der Autoren in ihrem jeweiligen historisch-politischen Kontext sowie die Diskrepanz zwischen Tiberius' frühen militärischen Erfolgen und seinem späteren Ruf als grausamer Tyrann.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch eine chronologische Analyse der drei antiken Werke zu verstehen, welche Charaktermerkmale des Tiberius auf historische Fakten zurückgehen und welche durch die subjektive Intention der Autoren geformt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine chronologische Quellenanalyse und einen komparativen Ansatz, um die Abhängigkeiten und Unterschiede in den Darstellungen der drei Autoren aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung der drei Autoren (Velleius Paterculus, Sueton, Tacitus) und einen anschließenden direkten Vergleich ihrer Erzählweise und Bewertung hinsichtlich des Tiberius-Bildes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind neben dem Protagonisten Tiberius insbesondere die antiken Historiker, die methodische Analyse historischer Quellen, die Problematik der Charakterisierung im Römischen Reich sowie die Untersuchung von Heuchelei und Grausamkeit.
Wie bewerten die Autoren den Übergang von Tiberius' guter zu schlechter Phase?
Die Autoren unterscheiden sich hierbei: Sueton sieht eine klare Zäsur durch den Rückzug nach Capri, während Tacitus Tiberius' Grausamkeit als festen, durch Heuchelei lediglich verborgenen Wesenskern betrachtet, der sich mit der Zeit nach und nach offenbart.
Welchen Einfluss hatte Tiberius' militärische Vergangenheit auf die Darstellung bei Velleius Paterculus?
Da Velleius selbst unter Tiberius diente und politisch von ihm profitierte, fokussierte er sich stark auf Tiberius' militärische Erfolge, um ihn als fähigen und respektierten Anführer darzustellen.
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- Alexej Hoffmann (Author), 2020, Kaiser Tiberius' Darstellung in antiken Quellen. Tiberius, der grausame Kaiser?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1008414