Stadt der drei Religionen: Jerusalem und der Nahostkonflikt


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

5 Seiten, Note: 2


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Stadt der drei Religionen: Jerusalem und der Nahostkonflikt

Jerusalem: 5000 Jahre alt, älteste noch existente Stadt der Welt. Keine bes. geographische oder wirtschaftliche Bedeutung. Trotzdem wurde um keine Stadt der Welt mehr gekämpft als um J. Jüdischer Name Yerushalyim (Stadt des Friedens). Die Wurzeln der über Jahrtausende andauernde Konflikte liegen in den fundamentalen religiösen Bedeutungen der Stadt für die drei wichtigsten monotheistischen Religionen der Welt. In der Jerusalemer Altstadt liegen dich nebeneinander die größten Heiligtümer der Christen, Juden und Moslems.

Die drei Religionen:

- Das Judentum. Jüdische Bindung zu Jerusalem seit 3000 Jahren, seit König David die Juden in Palästina einte und Judäa und vor allem Jerusalem von den Arabern befreite. Einzige Heilige Stadt. Große Bedeutung des Tempelberges: Ort, an dem König Salomon den ersten Tempel baute und Herodes einen zweiten. 70 n. Chr.: Zerstörung des Tempels durch die Römer, nur Westmauer blieb erhalten und steht heute noch: Heilige „Klagemauer“ der Juden. Außerdem ist das der Ort, an dem Isaak Gott seinen Sohn opfern wollte. Für die orthodoxen Juden ist der Tempelberg ist der Ort, an dem der dritte Tempel errichtet werden soll, nach der noch ausstehenden Ankunft des Messias. Nach jüdischer Prophezeiung wäre Abgabe des Tempelbergs an Palästinenser ein schwerer Rückschlag für die Juden, weil dann die Hoffnung auf baldige Erlösung der Juden und nach der Überlieferung der ganzen Menschheit zunichte gemacht wäre.
- Der Islam. Eroberung Jerusalems im Jahre 638 n. Chr. Laut der Lehre des Islam ritt Allahs Prophet Mohammed von Media nach Jerusalem. Der heutige Tempelberg ist der Ort, von dem aus er dann mit seinem Pferd in den Himmel ritt. Später wurde auf diesem heiligen Ort der prächtige Felsendom errichtet. Der Tempelberg ist die drittheiligste Stätte des Islam. An diesem Ort findet jeden einmal die Woche das Freitagsgebet statt, bei dem sich hunderttausende Moslems versammeln. Am Freitag ist der Tempelberg für alle Nicht-Moslems gesperrt.
- Das Christentum. J ist Ort, an dem angeblich J.C. lebte, predigte, gestorben und wiederauferstanden ist. Wichtigste heilige Stätte ist die Grabeskirche, die an dem Ort steht, an dem laut NT J.C. begraben wurde. Jedes Jahr kommen Tausende v. Pilgern nach J. (große Einnahmequelle). Es leben in J. Vertreter von mehr als mehr als 30 verschiedene christliche Konfessionen.

Jerusalem heute: Sitz des israelischen Parlaments (Knesset), der Regierung, der Ministerien, des obersten Gerichtshofes sowie der Verwaltung der islamischen Heiligtümer.

Einheitliche Stadtverwaltung. J. ist sehr stark vom Tourismus abhängig, der unter den andauernden Konflikten leidet.

Bevölkerung: 450 000 Juden, 150 000 Moslems, 18 000 Christen.

Chronologische Auflistung relevanter Ereignisse:

- 14.02.1896: Wiener Jude Theodor Herzl veröffentlicht sein Werk „Der Judenstaat“.

Grundidee: Für das „Volk ohne Land“ (Juden, die in der Welt verstreut waren) ein „Land ohne Volk“ zu finden. Er ist der Meinung, dass nicht durch Assimilation in fremde Gesellschaften, sondern allein durch die Gründung eines eigenen jüdischen Staates könne der andauernden Verfolgung der Juden Einhalt geboten werden. Wahl fällt auf Palästina, da dieses vor 1900 Jahren den Juden gehörte. Behauptung Herzls: Palästina menschenleer, doch: 600 000 Araber und 70 000 bereits dort lebende Juden.

Æ Begründung des Zionismus (Abgeleitet von Zion, der vorisraelitische Name des ältesten Viertel von J.) Z. ist das Konzept, dass die verstreuten Juden nach Palästina zurückkehren.

- 11.12.1917. Großbritannien erobert Palästina von den Türken. Britische Regierung unter Vorsitz von Außenminister Sir Arthur Balfour sichert Juden eine Heimstätte in Palästina zu (Balfour - Deklaration). „Der alte Kolonialist“ Balfour will im Zeichen des Imperialismus eine Präsenz in Palästina etablieren um Interessen in Indien und am Suezkanal zu wahren. Zitat: „In Palästina schlagen wir nicht einmal vor, die Wünsche der einheimischen Bevölkerung zu berücksichtigen. Der Zionismus ist von weit größerer Beduetung als die Wünsche und Vorurteile der 700 000 Araber, welche derzeit dieses alte Land bewohnen“. Palästina wird brit. Mandatsgebiet.
- 1920: Jerusalem wird Sitz des Hochkommissars für Mandatsgebiet Palästina.
- Ab 1945: Hunderttausende Holocaustüberlebende fliehen nach Palästina.

Beginn des Terrors gegen britische Truppen und Araber. Ziel: Abzug der britischen Besatzer, damit jüdischer Staat ausgerufen werden kann.

- 29.11.1947: Teilungsplan der UN für Palästina (33 : 13 Stimmen, bei 10 Enthaltungen, ganze arab. Welt, die UN-Mitglieder sind lehnen ab). Vorgesehen: Ein unabhängiger jüdischer Staat und ein arabischer in Palästina. Jerusalem international verwaltetes Gebiet, ein arabischer, ein jüdischer und die Altstadt international. Entmilitarisiert.

Juden nehmen an, Araber lehnen ab (verpasste Chance, weil heute wollen sie einen gründen), weil jüdische Souveränität (Anerkennung durch USA und UdSSR).

- 14.5.1948: Ende des britischen Mandats für Palästina. Gleicher Tag: Ausrufung des Staates Israel von David Ben Gurion.
- 15.5.1948: Kriegserklärung der arab. Nachbarstaaten. Streitkräfte von Syrien, Ägypten, Jordanien, Libanon und Irak marschieren in Israel ein, um die Entstehung eines jüdischen Staates schon im Keim zu ersticken. Schwere Verluste (6000, 1 % der Bevölkerung), doch: Invasion abgewehrt, zusätzliche Gebiete eingenommen.
- 28.5.1948: In der Schlacht um Jerusalem besetzen Jordanier den östlichen Teil und damit auch die Altstadt, während sich die israelischen Truppen im Westen festsetzen.
- Ende Juni 1948: Ende der Kämpfe.
- Anfang 1949: Beginn von Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Israel und arabischen Nachbarstaaten unter Aufsicht der UNO.
- Juli 1949: Alle Parteien unterzeichnen Waffenstillstandsabkommen, Israel erhält ganz Judäa, außer Westjordanland und Gazastreifen. Jerusalem geteilt nach den Positionen die die Parteien am Ende der Kampfhandlungen hielten, Westen jüdisch, Osten und Altstadt fällt an Jordanien. Einzige Verbindung der beider Seiten ist das Mandelbaumtor, das sowohl für Juden als auch für Araber gesperrt wurde. Nur christliche Pilger durften hindurch. Problem: Juden dürfen nicht zur Klagemauer, dem größten Heiligtum.
- Seit Staatsgründung: Vertreiben von über 1 Mio. Araber aus Israel um Status als jüdischen Staat zu sichern. Flüchtlinge leben fortan ein Flüchtlingslagern in den arab. Nachbarstaaten, vor allem Syrien und Jordanien.
- 5.12.1949: Israel erklärt Jerusalem zur Hauptstadt, UNO verweigert bis heute Anerkennung. Internationale Einrichtungen etc. haben Sitz in Tel Aviv
- 1964: Gründung der PLO (Palestine Liberation Organization). Sie betrachten sich als Vertreter der Rechte der islamischen Bevölkerung in Palästina und streben dort Gründung eines arabischen Staates an.
- 5.6.1967: Ausbruch des Sechstagekrieges. Anlass: Ägyptens Diktator Nasser betreibt Hetzkampagne in den Nachbarstaaten Israels und ruft zur Zerstörung des jüdischen Staates auf. Er positioniert gewaltige Kampfverbände im Sinai. Æ Befreiungsschlag Israels. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit (1:12) gelang es Israel an drei Fronten (Ägypten, Jordanien, Syrien) sein Territorium erheblich zu erweitern. Einnahme der Sinaihalbinsel, der Golanhöhen, des Westjordanlands und Ost-Jerusalem. Zum ersten Mal seit 1900 Jahren ist das geeinte Jerusalem wieder Hauptstadt eines jüdischen Staates. . Juden feiern „Wiedervereinigung“ Jerusalems euphorisch, vergleichbar mit Fall der Berliner Mauer. Problem: 1,2 Millionen Palästinenser geraten unter israel. Besatzung.

Palästinenser beanspruchen Ost-Jerusalem weiter als ihre Hauptstadt wegen dem Tempelberg.

- Seit 1967: Israel treibt kontinuierlich den Bau jüdischer Siedlungen um Jerusalem voran um Anspruch zu bekräftigen und verdeutlichen, dass Israel nicht weichen wird.
- 1968: Yassir Arafat wirf PLO-Chef. Aufruf zum Kampf gegen Israel.
- Ab 1970: Blutige Terroranschläge der PLO gegen Israelis (z.B. Anschlag auf israel. Sportler bei den Olympischen Spielen 1972 in München).
- 29.7.1980: UNO fordert Israel ultimativ zum Rückzug aus Ostjerusalem auf.
- 30.7.1980: Die Knesset erklärt J. zur „ewigen und unteilbaren“ Hauptstadt. UNO verweigert Anerkennung und reagiert mit Abzug fast aller Botschaften.
- 8.12.1987: Beginn der Intifada (arab. „wach werden“, „sich erheben“). Konkreter Anlass (Tropfen der das Fass zum Überlaufen brachte): Unfall bei dem vier Palästinenser ums Leben kamen, verursacht durch israel. Panzer (in Jerusalem). -> Spontane Protestmärsche -> Hartes Vorgehen der israel. Truppen -> Eskalation der Situation. Jugendliche errichten Straßensperren, rufen zum Generalstreik auf. Ursachen: Diskriminierung der palästinensischen Bevölkerung in Jerusalem und den anderen besetzten Gebieten. Jugendliche wachsen in Flüchtlingslagern auf, keine soziale Perspektive, Jugendarbeitslosigkeit: 60 %. Weiterer Verlauf: regelmäßige Demos, Verweigerung der Palästinenser an Israel Steuern zu zahlen, Boykott israel. Waren (ziviler Ungehorsam).
- 13.09.1993: Israel und PLO auf Friedenskurs. Unterzeichnung der „Declaration of Principles“ zwischen dem israel. Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin und PLO-Chef Arafat in Washington unter Vermittlung von US-Präsident Bill Clinton. Vertrag über Teilautonomie der Palästinenser im Gazastreifen und in Jericho im Westjordanland. Aussetzen der Palästinenserfrage bis 1996.
- 28.09.1995: Abkommen über den Abzug der israel. Truppen aus dem Westjordanland in Washington D.C. Außerdem Ermöglichen der Wahl eines freien palästinensischen Parlaments sowie Regelung bezüglich des Zugangs zu den heiligen Stätten in Jerusalem. Jedoch unterschiedliche Interpretationen des Ergebnisses. Arafat sieht es als Grundstein für einen unabhängigen Palästinenserstaat, Rabin sieht es als Grundstein für eine israelisch-palästinensische Föderation.
- 4.11.1995: Ermordung von Hoffnungsträger Yitzhak Rabin von einem jüdischen Fanatiker. Weltweite Bestürzung, besonders bei den Palästinensern und Juden, da er die einzige Hoffnung auf Frieden war und sogar bereit war, über den Status von Jerusalem zu verhandeln. Nur einige islamische Fundamentalisten begrüßen die Tat, da sie unter keinen Umständen Frieden wollen. Nachfolger wird Shimon Perez, der den Friedensprozess zwar vorantreiben will, aber nicht das Vertrauen genießt, dass die Moslems in Rabin hatten.
- 29.05.1996: Richtungswechsel in Israel: Der konservative Benjamin Netanjahu gewinnt äußerst knapp die Direktwahlen zum Ministerpräsidenten. Netanjahu: Unnachgiebigkeit gegenüber Palästinenser, Stagnieren des Truppenrückzuges sowie Vorrantreiben des Baus jüdischer Siedlungen in den besetzten Gebieten. Keinerlei Diskussionen zur Jerusalem-Frage. Fast vollständiges Erliegen den Friedensprozesses.
- 23.10.1998: Reanimation des Friedensprozesses. Zustandekommen des sog. Wye- Abkommens (Stadt Wye im US-Bundesstaat Maryland) zwischen Netanjahu und Arafat. Rückzug der Israelis aus 13 % des Westjordanlands. Netanjahu reagiert auf großen Druck Bill Clintons, der wieder einmal Vermittler spielt.
- 17.05.1999: Ehud Barak gewinnt Wahlen. Baraks Ziele: Akzeptanz eines evt.

Palästinenserstaates mit eingeschränkter Souveränität und territorialen Konzessionen. Aber: ungeteiltes Jerusalem unter jüdischer Verwaltung.

- 28.09.2000: Israels Oppositionsführer Ariel Sharon demonstriert mit Gefolgsleuten auf dem Tempelberg, zu dem Juden eigentlich keinen Zutritt haben, jedoch für die Palästinenser eines der größten Heiligtümer darstellt. Die Moslems sehen das als bewusste und direkte Provokation, u.a. deswegen, weil Sharon jegliche Kompromisse im Streit um Jerusalem ablehnt. Folge: Monatelange Unruhen und Konflikte. Viele sehen die Ereignisse als zweite Intifada.

- (30.11.2000: Ehud Barak macht zweifelhaftes Friedensangebot: Abgabe weiterer 10 % des Westjordanlands für die Bildung eines arabischen Staates. Jedoch: Aufschieben der Jerusalemfrage für drei Jahre. Reaktionen: Skeptisch. Angebot sei „nichts Neues“, weil nach Wye-Abkommen schon vor einem Jahr 10 % d. Westj. an die paläst. Autonomiebehörde transferiert werden sollten. Außerdem: Weitere Verschiebung der Jerusalemfrage sei „völlig inakzeptabel“.)

- 1.12.2000: UNO verurteilen israel. Vorgehensweise mit überwältigender Mehrheit und bezeichnen Israels Versuch „seine Gesetzte, Rechtssprechung und Verwaltung“ in Jerusalem durchsetzen zu wollen als „illegal und deshalb null und nichtig“. Erste Verurteilung seitens der UNO, weil USA zum ersten Mal kein Veto einlegte. Weiterer Verlauf: Mehr Unruhen, zahlreiche Todesopfer, Israel schränkt Rechte der Palästinenser den Tempelberg zu besuchen ein.

(Spiegel-Interview vom 11.12.2000. Dahlan, Arafats Sicherheitschef antwortet auf die Journalistenfrage, ob er angesichts der Unruhen dem Friedensprozess noch eine Chance gebe: „Wenn Barak wirklich will, können wie in einer Woche zum Abschluss kommen. Das setzt voraus, dass Israel uns unseren Teil Jerusalems gibt, vor allem den Haram al-scharif. Die heiligen Stätten sind der Schlüssel zur Lösung. Zuallererst geht es um das Bild der ganzen muslimischen Welt, wer über den Tempelberg regiert. Daran entscheidet sich Krieg oder Frieden!“)

- 22.12.2000: US-Präsident Bill Clinton macht Vorschlag zum Status Palästinas und

Jerusalems:

Palästinenser erhalten Kontrolle über den Tempelberg, den größten Teil der

Altstadt und ganz Ost-Jerusalem. Mit dem Gaza-Streifen, fast dem gesamten Westjordanland und Ost-J. könnten die Araber einen arabischen Staat gründen. Gegenzug: rund 4 Mio. palästinensischer Flüchtlinge verzichten auf Rückkehr nach Israel. Nach wochenlangen Diskussionen trifft Vorschlag bei Israelis auf begrenzte Zustimmung. Barak sieht Vorschlag als „Basis für weitere Verhandlungen“.

- 8.1.2001: Palästinenser lehnen Clintons Plan endgültig ab. Schwerwiegenester Grund ist das Recht auf Rückkehr der Flüchtlinge, welches „heilig und deshalb indiskutabel“ ist. Israel dagegen kann Rückkehrrecht nicht zustimmen, weil es die Existenz des jüdischen Staates Israel gefährden würde (6,1 Mio Einw.). Gleichzeitig protestieren über 200 000 Juden in Jerusalem dagegen, dass Teile der Altstadt an die Moslems übergeben werden. Hoffnungen auf einen baldigen dauerhaften Frieden im Nahen Osten sind damit praktisch auf Null gesunken, zumal dem ultra-rechten Sharon bei den Wahlen am 6.2. gute Chancen eingeräumt werden und die Amtszeit von US-Präsident Bill Clinton am 20.1. ausläuft.

Ob beide Völker schließlich einen Weg zur dauerhaften friedlichen Koexistenz finden werden, oder ob religiöser Fanatismus (um die Jerusalemfrage) für weiteres Blutvergießen sorgen wird, oder gar beide Völker in den Abgrund führen wird, wird nur die Zeit zeigen.

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Stadt der drei Religionen: Jerusalem und der Nahostkonflikt
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
5
Katalognummer
V100842
Dateigröße
338 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadt, Religionen, Jerusalem, Nahostkonflikt
Arbeit zitieren
Dominic Dauphin (Autor), 2001, Stadt der drei Religionen: Jerusalem und der Nahostkonflikt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100842

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