„Das ist das Buch, auf das wir so lange gewartet haben, ohne es zu wissen.“
So und ähnlich klingen die Stimmen, wenn über den Roman „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink gesprochen wird. Es handelt sich um ein Stück Nachkriegsliteratur, welches es nicht nur in Deutschland, sondern auch international zu Anerkennung gebracht hat. In nunmehr 25 Sprachen übersetzt erfreut sich „Der Vorleser“ jährlich immer größerer Beliebtheit, und das, obwohl neuere deutsche Literatur ansonsten nicht auf internationalen Bestseller-Listen erscheint.
Diese Arbeit wird sich damit beschäftigen, den Roman als Unterrichtsgrundlage für fremdsprachlichen Deutschunterricht darzustellen.
Zunächst wird herausgearbeitet, warum die Lektüre fremdsprachlicher Literatur in DaF-Unterricht generell sinnvoll ist. Dann wird gezeigt, aus welchem Grund gerade „Der Vorleser“ als Klassenlektüre geeignet ist, woraus sich ergibt, in welcher Form der Roman in den Unterricht einbezogen werden kann. Hierbei werden sowohl Interpretationsansätze, als auch mögliche Aufgabenstellungen gegeben.
Vielfältige Darstellungsweisen und Arbeitsmethoden ermöglichen den Einsatz des Romans in verschiedenen Stufen des Spracherwerbs.
Das Ziel ist es, zu zeigen, wie aus „Der Vorleser“ eine Unterrichtsreihe im DaF-Unterricht entstehen kann, die den Deutsch-Lernenden sowohl die deutsche Sprache, traditionelle und moderne Interpretationsmethoden, aber auch ein gutes Beispiel deutscher Literatur nahe bringt. Im Idealfall soll dies im Rahmen eines sehr kommunikativen Unterrichts geschehen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Lektüre im fremdsprachlichen Deutschunterricht
2.2. „Der Vorleser“ als Lektüre im DaF-Unterricht
2.3. Einsatz des „Vorlesers“ im DaF-Unterricht
2.3.1. Lerngruppe im Anfängerbereich
2.3.2. Lernergruppe mit fortgeschrittenen Kenntnissen
3. Schlussbetrachtung
4. Literaturverzeichnis
5. Anhang
5.1. Anhangverzeichnis
5.2. Unterrichtsmaterial
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel der Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“ erfolgreich als grundlegendes Werk für den fremdsprachlichen Deutschunterricht (DaF) in verschiedenen Lernphasen eingesetzt werden kann. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern der Roman trotz seiner sprachlichen und thematischen Komplexität als Basis für eine kommunikative Unterrichtsreihe dienen kann, die Deutschlernende sowohl sprachlich fördert als auch in die Auseinandersetzung mit deutscher Literatur und Geschichte einbindet.
- Didaktische Konzepte für den Einsatz von Literatur im DaF-Unterricht
- Differenzierte methodische Ansätze für Anfänger- und Fortgeschrittenengruppen
- Integration von Themen wie Schuld, Vergangenheitsbewältigung und Analphabetismus
- Verwendung von kreativen Arbeitsmethoden und Interpretationsansätzen
- Vergleichende Literaturanalyse zur Vertiefung der Auseinandersetzung mit der Geschichte
Auszug aus dem Buch
2. 3. 1. Lerngruppe im Anfängerbereich
Bei Deutschlernern in der Anfangsphase macht es wenig Sinn den „Vorleser“ als ganzen Roman zur Lektüre einzusetzen. Vielmehr sollte der Text partiell kopiert und verteilt werden. Geeignete Textstellen finden sich vor allem im ersten Teil des Romans. Zunächst ist jedoch der Autor kurz vorzustellen. Dies kann durch den Lehrer, besser jedoch in Form eines Kurzreferates durch einen Schüler geschehen.
Dann ist eine kurze inhaltliche Zusammenfassung des ersten Teils durch die Lehrperson empfehlenswert, damit sich die Schüler auf den fremdsprachlichen Text konzentrieren können. Thematisch bietet sich hier die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Michael und Hanna an. Ein kurzer Einstieg ist die Szene, in der Michael Hannas Namen erfragt. Nach der Erläuterung unklarer Vokabeln und Ausdrücke (Wahrscheinlich sind Fragen nach „Jungchen“, „schick“ und „Untersekunda“.) kann direkt auf die Interpretation der Liebesbeziehung eingegangen werden. Um ein Gespräch in Gang zu bringen, können Fragen gestellt werden wie:
- Ist es in Ihrem Heimatland üblich, dass ältere Frauen jüngere Liebhaber haben, und wie werden solche Beziehungen in der Gesellschaft angesehen?
- Wie stellen Sie sich die Reaktionen der Gesellschaft in Deutschland in den 50er Jahren vor?
- „Warum lässt sich der junge Mann mit der Frau ein?“
In diesem Zusammenhang macht man die Schüler darauf aufmerksam, dass es in Deutschland den §182 des Sexualstrafrechts gibt, der besagt, „dass sexueller Missbrauch (Vergewaltigung) von Jugendlichen vorliegt, wenn eine Person über einundzwanzig Jahren mit einer Person unter sechzehn Jahren sexuelle Handlungen ausführt, da die fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausgenutzt werde.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Vorhaben, den Roman als Basis für den DaF-Unterricht zu nutzen, und skizziert die Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Hauptteil: Der Hauptteil erläutert theoretische Grundlagen der Lektürearbeit im DaF-Unterricht und liefert konkrete, niveauspezifische methodische Empfehlungen für den Einsatz des Romans.
3. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, reflektiert die Anwendbarkeit der Vorschläge in heterogenen Lerngruppen und plädiert für die Aufnahme des Romans in den Literaturkanon für Deutsch als Fremdsprache.
4. Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet die für die Arbeit herangezogene Primär- und Sekundärliteratur auf.
5. Anhang: Der Anhang enthält ergänzende Materialien, Vorlagen und Schaubilder, die als praktische Hilfsmittel für die Unterrichtsgestaltung dienen.
Schlüsselwörter
Bernhard Schlink, Der Vorleser, Deutsch als Fremdsprache, DaF-Unterricht, Literaturdidaktik, Schuldfrage, Analphabetismus, NS-Vergangenheit, Sprachvermittlung, Textinterpretation, Unterrichtsplanung, interkulturelles Lernen, Romanlektüre, Sekundärliteratur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Eignung von Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“ für den fremdsprachlichen Deutschunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Einsatz von Literatur im Spracherwerb, die Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte (Nationalsozialismus und Schuldfrage) sowie das gesellschaftliche Problem des Analphabetismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie aus dem Roman eine kommunikative und abwechslungsreiche Unterrichtsreihe entwickelt werden kann, die sowohl sprachliche als auch inhaltliche Lernziele verfolgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer didaktischen Analyse und der Auswertung von Sekundärliteratur sowie Unterrichtsmaterialien, um praxiserprobte Konzepte für den Sprachunterricht zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung der Lektürewahl und praktische, differenzierte Unterrichtsvorschläge für Lerngruppen in der Anfangsphase sowie für fortgeschrittene Lerner.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind DaF-Unterricht, Literaturdidaktik, Schuld, Analphabetismus, Unterrichtsmethodik und interkulturelles Lernen.
Wie unterscheidet sich die methodische Herangehensweise für die verschiedenen Niveaustufen?
Während bei Anfängern mit partiellen Textkopien und gezielten thematischen Einstiegen gearbeitet wird, lesen fortgeschrittene Lerngruppen den Roman als Ganzschrift, um den Charakter eines Entwicklungsromans voll zu erfassen.
Welche Rolle spielt die „Schuldfrage“ bei der Unterrichtsgestaltung?
Die Schuldfrage dient als roter Faden, um die Schüler zur Reflexion über historisches und persönliches Handeln anzuregen, wobei der Lehrer als Moderator fungiert, um eine produktive Diskussion in internationalen Lerngruppen zu ermöglichen.
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- Conny Schibisch (Author), 2002, Der Vorleser von Bernhard Schlink, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10088