Die Arbeit behandelt die Problematik der Arbeit mit Klient*innen im Zwangskontext am Beispiel der Bewährungshilfe. Dafür werden Zwangskontexte an sich, die Grundlagen der Motivation, sozialarbeiterische Methoden für die Arbeit im Zwangskontext, und ein Einblick in der Praxis betrachtet.
Der Einblick wird anhand eines problemzentrierten Interview mit einer Bewährungshelferin gewährt.
Diese Arbeit soll einen Überblick darüber schaffen, welche Methoden bei unmotivierten Klient*innen in Zwangskontexten Wirkung zeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bewährungsstrafe und -hilfe - Eine Begriffserklärung anhand des rechtlichen Rahmens
3. Zwangskontexte in der Sozialen Arbeit
3.1 Definition
3.2 Kontaktaufnahme
3.3 Das doppelte Mandat
4. Grundlagen der Motivation
4.1 Definition des Begriffs Motivation
4.2 Die Stufen der Motivation
5. Sozialarbeiterische Methoden für die Arbeit im Zwangskontext
5.1 Haltung und Vorgehensweise
5.2 Methodisches ABC in Zwangskontexten
5.2.1 A: Auftrags- und Rollenklärung
5.2.2 Motivation – Transtheoretisches Modell und Stufengerechte Intervention
5.2.3 Beziehungsgestaltung
5.3 Motivierende Gesprächsführung (MI)
6. Einblick in die Praxis – Interview mit einer Bewährungshelferin
6.1 Vorgehensweise
6.2 Erkenntnisse aus dem Interview
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen spezifischen sozialarbeiterischen Methoden und der Motivation zur Resozialisierung bei Klienten innerhalb von Zwangskontexten der Bewährungshilfe. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie Fachkräfte das doppelte Mandat aus Hilfe und Kontrolle professionell bewältigen können.
- Rechtliche Grundlagen und Definitionen der Bewährungshilfe
- Die Dynamik von Zwangskontexten in der Sozialen Arbeit
- Psychologische und theoretische Grundlagen der Motivation
- Methoden der Motivationsförderung (u.a. Transtheoretisches Modell, Motivierende Gesprächsführung)
- Praxisnahe Einblicke durch ein Experteninterview
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition
Nach Zobrist und Kähler (2017) sind Zwangskontexte … [sind] strukturelle Rahmenbedingungen der Sozialen Arbeit, die zu eingeschränkten Handlungsspielräumen bei Klienten, Fachkräften und Zuweisern führen und durch institutionelle Sanktionsmöglichkeiten sowie asymmetrische Machtverhältnisse gekennzeichnet sind. Die Interaktionen zwischen Klienten und Fachkräften konstituieren sich aufgrund von rechtlichen Normen und finden i.d.R. fremdinitiiert statt. In Zwangskontexten werden teilweise Zwangselemente als Interventionen eingesetzt, welche die Autonomie der Klienten erheblich beschränken. (S. 31)
In dieser Definition des Zwangskontextes sind besonders vier Aspekte hervorgehoben: zunächst, dass Zwangskontexte in das staatliche Handeln eingebettet sind. Das hat zur Folge, dass die Sozialarbeitenden nach rechtsstaatlichen Prinzipien wie Willkürverbot oder Legalität arbeiten müssen (Zobrist, & Kähler, 2017, S. 31 – 32). Außerdem wird ein Fokus auf die eingeschränkten Handlungsspielräume beider Seiten, also Klient*innen und Sozialarbeiter*innen gelegt. Durch begrenzte Handlungsspielräume werden jedoch auch Chancen, Kontakte und Veränderungen ermöglicht. Zusätzlich zu dieser Beschränkung ist in Zwangskontexten ein extremes asymmetrisches Machtverhältnis vorhanden. Deshalb ist der Umgang mit Macht, besonders innerhalb von Zwangskontexten maßgebend, da die Macht hier so weit reicht, dadurch Klient*innen in jeglicher Freiheit eingeschränkt werden können. Der vierte Aspekt ist, dass Zwangskontexte- sowohl auch -elemente theoretisch und professionsethisch zu begründen sind (Zobrist, & Kähler, 2017, S. 32).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den historischen Wandel vom Schuldstrafrecht zur Vereinigungstheorie und beschreibt die Entwicklung der Strafaussetzung auf Bewährung in Deutschland.
2. Bewährungsstrafe und -hilfe - Eine Begriffserklärung anhand des rechtlichen Rahmens: Dieses Kapitel definiert die Bewährungshilfe über den rechtlichen Rahmen des Strafgesetzbuches und erläutert Auflagen, Weisungen sowie die Rolle der Bewährungshelfer.
3. Zwangskontexte in der Sozialen Arbeit: Hier werden Zwangskontexte als strukturelle Rahmenbedingungen definiert, die sich durch asymmetrische Machtverhältnisse und das doppelte Mandat aus Hilfe und Kontrolle auszeichnen.
4. Grundlagen der Motivation: Dieses Kapitel befasst sich mit der Entstehung von Motivation und nutzt das Rubikon-Modell, um den Prozess von der Absichtsbildung bis zur Umsetzung darzustellen.
5. Sozialarbeiterische Methoden für die Arbeit im Zwangskontext: Der Hauptteil stellt methodische Ansätze vor, insbesondere das „methodische ABC“, die Motivierende Gesprächsführung und Techniken der Beziehungsgestaltung.
6. Einblick in die Praxis – Interview mit einer Bewährungshelferin: Basierend auf einem problemzentrierten Interview wird die praktische Umsetzung der zuvor beschriebenen Methoden und der Umgang mit Herausforderungen reflektiert.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt den engen Zusammenhang zwischen sozialarbeiterischen Methoden und der Motivation zur Resozialisierung.
Schlüsselwörter
Bewährungshilfe, Zwangskontext, Resozialisierung, Motivation, Doppelmandat, Sozialarbeit, Motivierende Gesprächsführung, Verhaltensänderung, Beziehungsgestaltung, Strafrecht, Kontrolle, Unterstützung, Rubikon-Modell, Klientenarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den methodischen Herausforderungen der Sozialarbeit in Zwangskontexten, speziell in der Bewährungshilfe, wo Unterstützung und Kontrolle eng miteinander verknüpft sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die rechtlichen Rahmenbedingungen der Bewährungshilfe, die psychologischen Grundlagen der Motivation und die Anwendung professioneller Methoden, um Klienten trotz Zwangskontext zur Mitwirkung zu bewegen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu prüfen, ob ein Zusammenhang zwischen spezifischen sozialarbeiterischen Methoden und der Förderung der Motivation zur Resozialisierung innerhalb der Bewährungshilfe besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer theoretischen Aufarbeitung basiert die Arbeit auf einem problemzentrierten Interview (PZI) mit einer erfahrenen Justizsozialarbeiterin, um die Anwendbarkeit der Theorien in der Praxis zu validieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem „methodischen ABC“ in Zwangskontexten, inklusive der Auftrags- und Rollenklärung, dem transtheoretischen Modell der Veränderung sowie Techniken der Beziehungsgestaltung und der Motivierenden Gesprächsführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind u.a. Bewährungshilfe, Zwangskontext, Doppelmandat, Motivation, Resozialisierung und Motivierende Gesprächsführung.
Wie geht eine Bewährungshelferin mit dem "doppelten Mandat" in der Praxis um?
Die befragte Expertin trennt Hilfe und Kontrolle nicht voneinander, sondern kommuniziert beide Aspekte transparent von Beginn an, um Verlässlichkeit und ein klares Arbeitsbündnis zu schaffen.
Welche Rolle spielt Humor und Smalltalk in der Beziehungsarbeit?
Humor und Smalltalk werden als wesentliche Werkzeuge genutzt, um die Atmosphäre bei Gesprächen aufzulockern und eine persönliche Ebene aufzubauen, was die Akzeptanz der Klienten erhöht.
- Arbeit zitieren
- Marlene Tuschl (Autor:in), 2020, Bewährungshilfe im Kontext aus Zwang und Motivation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1009580