Naturrecht und Völkerrecht bei Thomas Hobbes und Samuel von Pufendorf

Ein Vergleich


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Zur Person Thomas Hobbes
2.1. Zur Person Samuel von Pufendorf

3. Naturrecht und Staat bei Thomas Hobbes
3.1. Völkerrecht im Naturrechtssystem Hobbes’
3.2. Völkerrecht im Naturrechtssystem Pufendorfs

4. Hobbes’ und Pufendorfs Systeme im Vergleich

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Thomas Hobbes’ De Cive und Leviathan zählen zu den wohl bedeutendsten Schriften der politischen Philosophie. Mit seinen Werken wandte sich Hobbes ausdrücklich gegen die klassische- und im wesentlichen Aristoteles folgende Naturrechtstradition der Scholastik. Vielmehr begründete er ein neues politisches Denken, indem er dem Naturzustand sowie der Staatslehre eine vollkommen neue Bedeutung zuschrieb. Mit seinen radikalen Theorien stieß er bei seinen Zeitgenossen allerdings auf Ablehnung und heftige Gegenreaktionen. Hobbes vertrat den Standpunkt, dass der Naturzustand ein gesetzesloser Zustand und der gleichzeitige Überlebenskampf aller gegen alle sei. Den Staat sah er Apparat zur Wahrung und Erzwingung des inneren Friedens. Darüber hinaus war er der Auffassung, dass ein einziger Souverän an der Macht, bevollmächtigt vom Volke, den Frieden einer Nation am besten wahren könnte.

An der Lehre von Hobbes orientierte sich Samuel von Pufendorf, ebenfalls ein bedeutender Staatstheoretiker des 17. Jahrhunderts. In seinem Hauptwerk De Jure Naturae et Gentium Libri Octo, durch das er weltweites Ansehen erlangte, wechselt er zwischen dem Naturrecht und dem Völkerrecht, da diese in einem reziproken Verhältnis zueinander stehen. Er wies dem Völkerrecht keine neue Bedeutung zu, sondern betrachtete es als ein Teil der Naturrechtslehre.

Samuel von Pufendorf hat die Naturrechts- und Staatslehre von Thomas Hobbes übernommen, weiterentwickelt und auf dem Kontinent verbreitet. Dennoch muss auf die Ungleichheiten der rechtstheoretischen Grundlegungen beider Lehren hingewiesen werden. Vor diesem Hintergrund soll im Rahmen meiner Hausarbeit und auf Basis der Quellen Samuel Pufendorfs: Acht Bücher von Natur und Völkerrecht, Übersetzung von „De Jure Naturae et Gentium octo libri“ und Thomas Hobbes’: Leviathan, untersucht und verglichen werden, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede beide Systeme haben.

Zunächst wird die Ausarbeitung mit einem Personenkommentar zu den frühzeitlichen Staatstheoretikern Thomas Hobbes und Samuel von Pufendorf eingeleitet. Sodann werden die Auffassungen des Naturzustandes sowie die Staatslehren Hobbes und Pufendorfs beleuchtet. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf das Völkerrechtsverständnis von Hobbes und Pufendorf gelegt. Abschließend wird eine kurze Zusammenfassung dieser Ausarbeitung vorgenommen. Das Ziel wird es sein, einen groben, aber fundierten Einblick in das Themengebiet der frühzeitlichen Naturrechts- und Staatslehre zu gewähren.

2. Zur Person Hobbes’

Unser Wissen über Thomas Hobbes ist von einem recht bescheidenen Umfang. Es gibt nur wenig biographisches Material, das uns genaueren Aufschluss über das Leben des wohl bekanntesten Staatstheoretikers des 17. Jahrhunderts geben könnte. Dennoch gibt es Aufzeichnungen der britischen Adelsfamilie Cavendish, eine in lateinischen Versen abgefasste kurze Vita, sowie die Lebensbeschreibung John Aubreys, die von Hobbes’ Leben berichten.1

Thomas Hobbes wurde am 5. April 1588 in Malmesbury geboren. Er war Sohn eines einfachen Landpfarrers und einer Bauerntochter. Nach dem Tod des Vaters übernahm ein Onkel die Sorge für die Familie und förderte vor allem die Ausbildung des jungen Thomas. Thomas erhielt Unterricht in den klassischen Sprachen, die ihm den Zugang zur Universität ermöglichten. Im Jahre 1603 begann er das Studium der sieben freien Künste in Oxford. Obwohl Hobbes keinen Gefallen am Studium fand, erwarb er den Grad des Baccalaureus Artium. Nach dem Studium trat er als Hauslehrer und Hofmeister in die Dienste der führenden englischen Adelsfamilie Cavendish. Im Jahre 1610 unternahm er gemeinsam mit seinem Zögling seine erste Bildungsreise nach Frankreich. Zu diesem Zeitpunkt wurde der französische König Heinrich IV. von dem religiösen Fanatiker Francois Ravaillac ermordet. Diese Tat hinterließ bei Hobbes einen bleibenden Eindruck, wie seine Schriften zeigten. Nach seiner Rückkehr widmete er sich jahrelang den humanistischen Studien.2 Im Jahre 1628 gab Hobbes eine englische Übersetzung des Thukydides heraus. Seine Einleitung zu dieser Ausgabe gilt für uns als das früheste Zeugnis seines Denkens. Hobbes war von Thukydides und seiner Analyse des Zerfalls der griechischen Stadtstaaten zutiefst beeindruckt und bezeichnete ihn als „the most politic historiographer that ever write.“3 In den folgenden Jahren unternahm Hobbes weitere Bildungsreisen, auf denen er die führenden Gelehrten seiner Zeit kennenlernte: Marin Mersenne, 1634 in Paris und Galileo Galilei, 1636 in Florenz. Im Jahre 1640 brachen Aufstände in England aus, woraufhin das Lange Parlament einberufen wurde. Hobbes sah sich gezwungen England zu verlassen und nach Frankreich zu fliehen, wo er das ganze folgende Jahr im Exil verbrachte. 1642 brach in England der Bürgerkrieg aus. Im gleichen Jahr wurde Hobbes’ berühmtes Werk De Cive gedruckt. Zunächst erschien die Schrift als Privatdruck und im Jahre 1647 dann in endgültiger Fassung. 1651 erschien Hobbes’ Hauptwerk der Leviathan. Das Werk wurde am französischen Hof sehr ungünstig aufgenommen. Hobbes wurde des Verrats und des Atheismus beschuldigt, woraufhin er Paris verließ und nach England zurückkehrte. Er unterwarf sich der Republik und lebte ungestört in London.4 1660 erfolgte die Restauration in England. Hobbes gelang es ein Zusammentreffen mit König Charles II. zu arrangieren und königlichen Schutz gegen die Anklagen und Intrigen seiner Feinde zu erhalten. Im Jahre 1666 wurde der Atheismusverdacht gegen ihn im Parlament erneut vorgebracht. Aus Furcht verbrannte er einen Teil seiner Papiere, das Verfahren wurde jedoch niedergeschlagen. In den darauffolgenden Jahren arbeitete Hobbes weiter an seinen politischen Theorien. Er vollendete Ende 1660 Behemoth, eine kritische Geschichte der Bürgerkriegsepoche, und A Dialogue between a Philosopher und a Student of the Common Laws of England, eine Auseinandersetzung mit dem englischen Rechtssystem, für die er jedoch keine Druckgenehmigung erhielt. Ende des Jahres 1679 starb Hobbes nach langer Krankheit.5

2.1 Zur Person Pufendorfs

Auch unser Wissen über Samuel von Pufendorf ist spärlich. Zum einen existieren keine autobiografischen Aufzeichnungen und zum anderen ist der Briefwechsel, der zur Rekonstruktion seines Lebenslaufes unentbehrlich ist, nur bruchstückhaft überliefert. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass einige Berichte und Aufzeichnungen Pufendorfs in Archiven und Bibliotheken lagern und bislang noch nicht entdeckt wurden.6 Samuel von Pufendorf wurde zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges am 8.1.1632 in Dorfchemnitz geboren. Sein Vater, Esaias Pufendorf, war ein sächsischer Pfarrer und mit Magarete, einer Handwerkstochter aus Dippoldiswalde, verheiratet. Gemeinsam mit seinen Eltern und seinen insgesamt zehn Geschwistern, von denen jedoch nur sieben das Erwachsenenalter erreichten, lebte er in Flöha, einem Ort, in dem der Vater seit 1633 ein Pfarramt innehatte. Samuel von Pufendorf wuchs in äußerst ärmlichen Verhältnissen auf, welche sich nach dem Tod des Vaters 1648 verschlimmerten. Dennoch bezog er im Jahre 1645, wie seine älteren Brüder auch, die Grimmaer Fürstenschule. Diese zählte neben den Schwesterneinrichtungen in Meißen und Pforte zu den Eliteschulen des Landes.7 Im Jahre 1650 begann Samuel von Pufendorf das Studium der klassischen Philologie an der Leipziger Universität. Das Studium erstreckte sich über insgesamt acht Jahre, obwohl er bereits 1656 an der Jenaer Universität den Magistergrad erlangte. Im Jahre 1658 verließ er seine sächsische Heimat und begab sich nach Dänemark. Dort herrschte jedoch seit Jahren der 1. Nordische Krieg, sodass er bereits 1661 nach Deutschland zurückkehrte. Im selben Jahr besetze er den neu begründeten Lehrstuhl für Völkerrecht und Philologie an der Universität Heidelberg und ab 1670 im schwedischen Lund. Von da aus publizierte er als Vierzigjähriger sein wohl bekanntestes Werk „De jure naturae et gentium libri octo“.8

Wirft man einen Blick auf die äußeren Rahmenbedingungen, so wird deutlich, dass sowohl Thomas Hobbes als auch Samuel von Pufendorf Kriege miterlebt haben. Während Hobbes Denken von dem Englischen Bürgerkrieg (1642-1649) geprägt war, wuchs Pufendorf zum einen im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) auf und erlebte zum anderen den Nordischen Krieg (1674-1679) auch bekannt als den Schwedisch-Brandenburgischen Krieg. Ob und inwiefern diese Umstände Hobbes und Pufendorf in ihrem Denken sowie in ihrer Tätigkeit als Verfasser beeinflusst haben, kann nicht nachgewiesen werden.

3. Naturrecht und Staat bei Thomas Hobbes

Mit seinen in vielfacher Hinsicht neuartigen Gedanken über Naturrecht und Staat hat Thomas Hobbes für viel Aufsehen gesorgt. Mit seinen Theorien löste er sich von der klassischen Naturrechtstradition. Kaum jemand vor ihm hat die Struktur der menschlichen Gesellschaft so tiefgründig erforscht wie er selbst.9

Der Naturzustand bei Hobbes ist ein staaten- und gesetzesloser Zustand, „in dem die Menschen sich vor der Etablierung einer Civitas und damit einer geltenden Rechtsordnung miteinander befinden.“10 Ausgehend von dem anarchistischen Charakter des Naturzustandes definiert Hobbes ihn als bellum omnium contra omnes, als einen „Krieg aller gegen alle.“11 Krieg bedeutet in diesem Kontext jedoch nicht Kampf, sondern vielmehr beschreibt er einen Zustand, in dem grundsätzlich „der Vorsatz herrscht, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben.“12 Hobbes geht in seiner Lehre des Naturzustandes - und in der Begründung des Staates - vom einzelnen Menschen als Rechtssubjekt aus. Hierin liegt der entscheidende Bruch mit Aristoteles und der scholastischen Tradition. Während die klassische Naturrechtstradition der Scholastik den Menschen als ein von Natur aus geselliges Wesen betrachtete, wandte Hobbes sich gegen diese Aussage. Er erörtert, dass der Mensch nicht von Natur aus, oder des Gesellschaftswillen, die Gesellschaft der Menschen sucht, sondern vielmehr weil die gemeinsamen Bedürfnisse oder die Ehrsucht ihn dazu treibt. Zwar ist er der Auffassung, dass es zur Natur des Menschen gehöre, die Gemeinschaft seiner Mitmenschen zu suchen, diese jedoch zufällige Zusammenkünfte sind, in denen es keine wirkliche Sicherheit, auch keine Rechtssicherheit geben könnte. Vielmehr ist „der Mensch nicht von Natur, sondern durch Zucht zur Gesellschaft geeignet“.13 Hobbes betrachtet den Menschen als ein Individuum, das ein Recht auf alles hat. Dieses „Recht aller auf alles“ geht aus dem Selbsterhaltungstrieb, dem höchsten Gut und dem Grundtrieb des Menschen, hervor.14 Aus dem Selbsterhaltungsrecht folgt auch das Recht „alle Mittel zu gebrauchen und alle Handlungen zu tun, ohne die er [der Mensch] sich nicht erhalten kann.“15 Da der Mensch im Naturzustand keine zufriedenstellende Sicherheit erlangen kann, muss er stets darauf bedacht sein, sich selbst zu schützen. Die gefährliche Konfliktlage des Naturzustandes verhindert die Möglichkeit auf ein erfolgreiches Zusammenleben. Die Menschen, die im Naturzustand leben, geraten unweigerlich in den Kriegszustand, wünschen sich jedoch diesen zu verlassen. „Die Furcht und der alles überragende Trieb zur Selbsterhaltung lassen die Menschen [...] zur Einsicht gelangen, dass ein geordneter Zustand, [...] einem ungeordneten Zustand unbedingt vorzuziehen ist". Aus diesem Grund ist es ein Gebot der Vernunft den Frieden zu suchen, was Hobbes als das erste „natürliche Gesetz“ begreift.16 Aus diesem ersten natürlichen Gesetz ergibt sich das zweite, bei dem der Mensch freiwillig, sofern andere ebenfalls dazu bereit sind, auf sein Recht auf alles verzichtet, soweit er dies um des Friedens- und des Selbsterhaltungswillen für notwendig hält.17 Darüber hinaus „muss er sich mit so viel Freiheit gegenüber anderen zufrieden geben, wie er anderen gegen sich selbst einräumen würde.“18 Ein solcher wechselseitiger Verzicht auf Rechte ist ein Vertrag. Durch den Abschluss eines solchen Gesellschaftsvertrages, und dem Verlassen des status naturae, übergeben die Menschen ihr Recht auf Selbstregierung einem Souverän und autorisieren somit seine Handlungen.19 Es entsteht ein Staat, den Hobbes wie folgt definiert:

Ein Staat ist eine Person, deren Handlungen eine große Menge Menschenkraft der gegenseitigen Verträge eines jeden mit einem jeden als ihre eigenen ansehen, auf dass diese nach ihrem Gutdünken die Macht aller zum Frieden und zur gemeinschaftlichen Verteidigung anwende. Von dem Stellvertreter des Staates sagt man, er besitzt die höchste Gewalt. Die übrigen heißen alle Untertanen und Bürger.20

[...]


1 Herfried Münkler, Thomas Hobbes. Eine Einführung. Frankfurt am Main 42014, S.23.

2 Ebd., S. 25ff.

3 Münkler, Thomas Hobbes, S. 33.

4 Ebd., S. 35ff

5 Ebd., S. 42ff

6 Detlef Döring, Biographisches zu Samuel von Pufendorf, in: B. Geyer & G. Goerlich (Hrsg.), Samuel Pufendorf und seine Wirkungen bis auf die heutige Zeit, Baden-Baden 1996, S.23.

7 Ebd., S.25.

8 Ebd., S.26ff.

9 Siegfried Gehrmann, Naturrecht und Staat bei Hobbes, Cumberland und Pufendorf. Köln 1970, S. 4f.

10 Peter Schröder, Naturrecht und absolutistisches Staatsrecht. Eine vergleichende Studie zu Thomas Hobbes und Christian Thomasius. Berlin 2001, S.20.

11 Thomas Hobbes, Leviathan. Erster und zweiter Teil, Übersetzung von Jacob Peter Mayer, mit Nachwort von Malte Diesselhorst. Stuttgart 1980, S.115.

12 Ebd., S. 115.

13 Schröder, Naturrecht und absolutistisches Staatsrecht, S. 25.

14 Kurt Schilling, Naturrecht, Staat und Christentum bei Hobbes, in: Zeitschrift für philosophische Forschung 2 (1948), S. 275-295., S. 278ff.

15 Schröder, Naturrecht und absolutistisches Staatsrecht, S. 28

16 Münkler, Thomas Hobbes, S. 109.

17 Andreas Hüttemann, Naturzustand und Staatsvertrag bei Hobbes, in: Zeitschrift für philosophische Forschung 58 (2004), S. 29-53., S. 31.

18 Ebd., S. 31.

19 Gehrmann, Naturrecht und Staat bei Hobbes, Cumberland und Pufendorf, S. 83.

20 Hobbes, Leviathan, S. 155f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Naturrecht und Völkerrecht bei Thomas Hobbes und Samuel von Pufendorf
Untertitel
Ein Vergleich
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,3
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V1009716
ISBN (eBook)
9783346397614
Sprache
Deutsch
Schlagworte
naturrecht, völkerrecht, thomas, hobbes, samuel, pufendorf, vergleich
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Naturrecht und Völkerrecht bei Thomas Hobbes und Samuel von Pufendorf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1009716

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