Ist die Teilung von Produktionsfaktoren im Falle einer Pandemie unter soziologischen Gesichtspunkten eine zielführende Maßnahme?


Essay, 2021

7 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das soziale Dilemma

3 Kritik

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Corona-Pandemie hat die Bundesrepublik Deutschland, Europa und die gesamte Welt seit über einem Jahr fest im Griff (vgl. Weltgesundheitsorganisation 2021). Immer mehr Diskussionen über Sinn und Unsinn der Maßnahmen und über die Sinnhaftigkeit von Impfungen sowie die Bestellung und Verteilung dieser, finden sich in Alltagsgesprächen wieder. Gleichzeit werden Forderungen nach Lockerung immer lauter. Wie kann einer globalen Pandemie flächendeckend entgegengewirkt werden? Ist es in diesem Kontext sinnvoll, Produktionsverhältnisse für Impfstoffe neu zu ordnen, um somit eine schnellere Produktion und Verteilung der dringend benötigten Medikamente zu erreichen?

2 Das soziale Dilemma

Im Rahmen der sozialen Tatbestände haben sich Verhaltensmuster in der Gesellschaft integriert. Nach Münch (2002) sind soziale Tatbestände Dinge, wie „das Gesetz, ein Währungssystem, Sprache, Institutionen und institutionalisierte Handlungsweisen sowie das kollektive Bewusstsein“. Sie lassen sich durch drei grundsätzliche Merkmale erkennen: Äußerlichkeit, Zwangscharakter und Allgemeinheit. Im Rahmen der Äußerlichkeit lässt sich beschreiben, dass der soziale Tatbestand unabhängig von der Handlung eines Akteures ist. Weiterhin lassen sich soziale Tatbestände nicht nach Belieben anpassen. Der Zwangscharakter äußert sich durch die Reaktion der anderen Akteure, welche das Handeln des Individuums bemerken. Nach der Handlung wird von diesen Akteuren Druck auf das Individuum ausgeübt, um dieses zurück in die konventionellen Muster zu drängen und die soziale Ordnung wieder herzustellen. Die genannte soziale Ordnung wird durch das gesamte Kollektiv geregelt. Allgemeinheit lässt sich dadurch definieren, dass soziale Tatbestände nicht nur in Ausnahmefällen gelten. Sie sind allgemeingültig. Diese Verhaltensmuster können, in besonderen Situationen wie einer weltweiten Pandemie, zu enormen Erschwernissen bei der Bekämpfung eben dieser führen. (vgl. Münch B 2002)

Insbesondere das Konstrukt des „stahlharten Gehäuse der Hörigkeit“ nach Weber ist durch die Etablierung des Kapitalismus zu einer Gefahr geworden. Das Konstrukt des „stahlharten Gehäuse der Hörigkeit“ besagt, dass das Handeln auf „Weltbilder“ ausgerichtet ist. Es besagt, dass ein großes Engagement im Rahmen der beruflich auszufüh- renden Tätigkeiten als besonders gottesfürchtig angesehen wird und so dabei behilflich sein kann, einen höheren sozialen Status zu erlangen. Nach der fortschreitenden Etablierung des Kapitalismus drängte die Kultur des rationalen Verfolgens von sozialem Aufstieg die Religion immer weiter in den Hintergrund. (vgl. Lepsius 1990; GLOSSAR 2021; Münch A 2002)

Die Gesellschaft ist demnach stark nach Normen und festgelegten Verhaltensmustern gegliedert. Diese sind auf das System des Kapitalismus aufgebaut und fördern den Gedanken, dass Leistung wirtschaftlichen Erfolg bringt. Dies im Kontext der vorherrschenden Verteilung der Produktionsfaktoren kann in Zeiten der Pandemie zu einer Bedrohung heranwachsen. Insbesondere die ungleiche Verteilung von Produktionsfaktoren in Form von Fabriken, Eigentumsrechten sowie Patenten kann im Rahmen der flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung mit Impfstoffen zum Problem werden. (vgl. Münch B 2002)

Die Besitzer der genannten Produktionsfaktoren könnten selbst ein Interesse daran haben, möglichst viele Menschen schnellstmöglich vor dem Corona-Virus zu schützen, um so eine Herdenimmunität zu erreichen und weitere Einschnitte in Gesellschaft und Wirtschaft zu verhindern. So könnte auch die gute Ausbildung der neuen Arbeitnehmerinnen, welche für weitere Wachstumsambitionen unerlässlich sind, gewährleistet werden. (vgl. Mayerhofer 2013)

Durch soziales Handeln der genannten Akteure könnten die Produktionsfaktoren für die benötigten Mittel an andere Produzenten weitergeben werden. Somit ließen sich Lieferengpässe vermeiden und Produktionen optimal nutzen. Durch diese soziale Einbettung des wirtschaftlichen Handelns verliert der Produktionsfaktoren-Geber jedoch seine Monopolstellung am Markt und somit an Nutzen, welchen er sich durch den Vorteil der Entwicklung erarbeitet hat. Um entsprechend zu handeln, müsste dieser somit vom instrumentellen Kalkül der persönlichen Nutzenmaximierung abweichen. (vgl. GLOSSAR 2021)

Grundsätzlich wären im Zuge dieser Handlungen Attribute wie die Anerkennung und der Status nicht gefährdet. Eine Gefährdung könnte es für das Motiv der Macht geben. Somit wird der betroffene Akteur im Rahmen des rationalen Handels gegebenen Falles dazu tendieren, seine gewonnenen Produktionsfaktoren nicht mit anderen Akteuren am Markt zu teilen. Dies ist auch darin zu begründen, dass Marktteilnehmer, welche über Ähnliche oder die gleichen Produktionsfaktoren verfügen, diese ebenfalls nicht zum Wohle der Allgemeinheit teilen. Aus diesem Grund entsteht für die Akteure ein Gesellschaftlicher Druck, welchem diese nachgeben müssen, um ihren aktuellen Stand, ihren Status und ihre Macht zu erhalten. Entsprechend ergibt sich ein Dilemma für Marktakteure, welche die Dringlichkeit der Situation erkennen, aber sich dennoch nicht dem Druck des direkten kapitalistischen Umfeldes widersetzen wollen. (vgl. GLOSSAR 2021)

Auch Netzwerksysteme könnten Einfluss auf die Impfstoffentwicklung und die Informationsweitergabe in unserer globalisierten Welt haben. Netzwerke werden als Verbund unterschiedlicher Knotenpunkte angesehen. Knotenpunkte können in diesem Kontext Verbände, Personen, Unternehmen oder ähnliches sein. Durch Netzwerke können sich soziale Effekte herausbilden. Diese können bei Vertrauensbildung und Kooperationsfindung hilfreich sein. So können Beziehungen untereinander zu einer hybriden Form zwischen Wettbewerb und Hierarchie führen. Insbesondere bei langfristigen Verträgen können solche Synergien von großem Vorteil sein und die gegenseitige Verbundenheit stärken. (vgl. Maurer 2008)

3 Kritik

Eine Teilung der Produktionsfaktoren bei weltweiten Katastrophenlagen könnte helfen, diese schneller einzudämmen. Weiterhin könnte ein allgemeingültigeres „Wir-Gefühl“ entwickelt werden. Jedoch würde der ausschlaggebende Faktor Geld nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Dies steht der Definition des Kapitalismus, nämlich die Mehrung des eigenen Kapitalbesitzes, entgegen. Insbesondere bei einer staatlichen Anordnung zum Verkauf von Wissen zur Herstellung eines Impfstoffes könnte es in zukünftigen Katastrophen Situationen zu einem Motivationsmangel kommen. (vgl. Helmstädter 2000)

Motivationsgebend könnte die Reputation sein, welche eine Entwicklung eines entsprechenden Medikamentes für die Unternehmen haben könnte. Diese Reputationssteigerung erfahren jedoch auch Unternehmen, welche ihr Wissen um die Herstellung eines Impfstoffes nicht teilen müssen. Somit fällt der rein monetäre Aspekt nicht so stark in das Gewicht. Die restlichen Rahmenfaktoren bleiben unberührt.

4 Fazit

Darüber zu entscheiden, ob eine Teilung von Produktionsfaktoren im Falle einer globalen Pandemie wirklich hilfreich ist, lässt sich im Rahmen dieses Essays nicht abschließend beantworten. Es gibt gute Argumente, welche für eine Teilung der Informationen und Produktionsmöglichkeiten spricht. Andererseits widerspricht dieses Vorgehen unserer kapitalistischen Gesellschaftsform und ist entsprechend für Akteure am Markt nicht lukrativ. Wenn die Betrachtungsweise rein auf das Allgemeinwohl fällt, ist eine Teilung von Produktionsfaktoren, unabhängig ob es sich hierbei von Wissen zur Herstellung des Impfmittels oder um Fabrikanlagen handelt, als sinnvoll anzusehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Ist die Teilung von Produktionsfaktoren im Falle einer Pandemie unter soziologischen Gesichtspunkten eine zielführende Maßnahme?
Hochschule
Universität Hamburg  (Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Wirtschaftssoziologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
7
Katalognummer
V1009922
ISBN (eBook)
9783346398949
Sprache
Deutsch
Schlagworte
teilung, produktionsfaktoren, falle, pandemie, gesichtspunkten, maßnahme
Arbeit zitieren
Niclas Denzer (Autor:in), 2021, Ist die Teilung von Produktionsfaktoren im Falle einer Pandemie unter soziologischen Gesichtspunkten eine zielführende Maßnahme?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1009922

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