Malereien im Haus der Christen in Dura Europos im Vergleich zu den Malereien der ortsansässigen Synagoge in Hinblick auf Machart, Körperbehandlung und Farbgebung.


Essay, 2000

9 Seiten, Note: sehr gut


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Proseminar: Ausgewählte Beispiele spätantiker Wandmalereien

Malereien im Haus der Christen in Dura Europos im Vergleich zu den Malereien der ortsansässigen Synagogein Hinblick auf Machart, Körperbehandlung und Farbgebung.

Als erstes werde ich einen kurzen Abriss über den historischen Hintergrund des Ortes Dura Europos geben. Daran anschließend werde ich kurz in die Malereien der beiden Gebäude einführen um sie dann in Hinblick auf Machart, Körperbehandlung und Farbgebung gegenüber zu stellen. Abschließend folgt ein kurzes Fazit.

Meine Hausarbeit stützt sich auf die Literatur von C.H.Kraeling: The Christian buildings with a conribution bye C. Bradford Wells und K.Weitzmann/Herbert L. Kessler The frescos of Dura Synagogue and christian art, sowie Clark Hopkins: The discovery of Dura Europos.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Historische Hintergründe zu Dura-Europos

(nach Hopkins/ The Discovery of Dura-Europos)

Dura wurde wahrscheinlich von Nicamor einem Feldherr unter Seleucus I, einem der Diadochenherrscher und Nachfolger Alexanders gegründet. Der Name bedeutet Flachland. Der alternative Europos hängt entweder mit den Mitgliedern der makedonischen Garnison zusammen oder mit dem Herkunftsort des Seleucius. Dura wurde von Veteranen des Diadochenheeres besiedelt, denen man das Land zur Verfügung stellte. Die Stadt Dura liegt 100 Fuß über dem Bett des Eufrates auf einer trocken Ebene, sie diente noch im Wachstum, schon als Außenposten um die Karawanenrouten zu schützen. Deshalb wurden erste Stadtmauern von den makedonischen Griechen angelegt. Der Stadtkern mit Hauptstraße und Agora wurde von den Stadtplanern Alexanders erdacht. Große Stadtmauern wahren eigentlich nicht nötig, da es bis 185 vor Chr., dem ersten Einfall der Parther, im Seleuciden Reich ausgesprochen ruhig war.141 vor Chr. wurde Seleucia die Grenze des Partherreiches zum feindlichen Griechenland. Die seleucidische Dynastie hingegen hielt sich nur noch an der syrischen Küste sowie in teilen der Wüste und des Eufratgebietes soweit sie konnte.20 vor Chr. schloss Augustus einen Pakt mit den Parthern, wonach Dura in die Hand der Parther viel. Nun war es von Nöten Grenzabsicherung zu betreiben (umgrenzender Wall+ nördlicher Turm im Tempel der Palmyrenischen Götter.) Nach parthischer Tradition wurde außerdem in ummauertes Palastareal in innerhalb der starken Mauern errichtet ( vergleichsweise die Städte Hatra und Nippur.

Die Parther wurden 141 vor Chr. aus Seleucia vertrieben. Der Krieg mit Makedonien dauerte an, der Status von Dura wurde während dessen nicht genau festgelegt. Wahrscheinlich sind die Parther zwischen 120 und 96 vor Chr. in Dura einmarschiert, Münzen lassen das Datum 113 recht glaubwürdig erscheinen.

Durch den äußeren Druck der römischen Kräfte seit dem östlichen Feldzug von Trajan, nahm der Einfluss der Parther immer mehr ab. In Dura endete die Partherherrschaft mit dem Feldzug von Verus 164 nach Chr. Der mögliche erste Eindruck, dass die römische Kultur in Dura mit Begeisterung aufgenommen wurde täuscht, war bekam Dura den Titel einer Kolonie und die Durener das Bürgerrecht, doch folgten römische Steuereintreiber auf dem fuße. Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit möglich, dass Caracallas weite Verbreitung der Staatsbürgerschaft als Intention nicht die Einheit des Reiches hatte, sondern neue Steuereinnahmequellen schaffen sollte.

Der abgelegene Ort Dura spiegelt das religiöse Durcheinander dieser Zeit wieder, als viele alte Kulturen und ihre Götter durch neue verdrängt wurden. Kurz vor der Besitznahme Duras durch die Römers, wurde ein neues Relief für den Tempel der Gaddè gebaut, der die Verbundenheit zur Nachbarstadt Palmyra signalisieren sollte. Als die Römer kamen errichteten sie einen eigenen militärischen Tempel und in Caracallas Zeit den Tempel neben dem großen Tor. Nur hundert Jahre später gibt die Synagoge und ihre Dekoration die mesopotamischen Traditionen in der Kunst wieder.

Im großen und ganzen ist zu sagen, dass der die parthischen Einflüsse in Dura größer waren als römischen, sie kontrollierten Dura auch für 277 Jahre und ihre Akzeptanz der vorherrschenden Kulte war größer als die der Römer. Ausgenommen von kurzen Unterbrechungen war die römische Kontrolle über Syrien und Palästina von 63 nach Chr. bis zur Eroberung der Araber 700 Jahre später ungebrochen.

Die Römer spielten eine konservative Rolle im Osten, wie wir auch an Hand von Dura sehen können, das Heer wurde auch in Friedenszeiten intakt gehalten, die lateinische Sprache und der römische Kalender eingeführt so wie die Götterverehrung beibehalten.

Dura, das von den Griechen gegründet wurde von Anfang an von griechischer Sprache und Kultur dominiert. Die Parther zwar persisch und das palhawi Alphabet ein, aber bestanden nicht auf deren generelle Benutzung. Die offiziellen Texte unter römischer Herrschaft wurden zwar in Latein verfasst, Griechisch blieb dennoch die offizielle Sprache der Elite. Das Christentum kam während der römischen Periode nach Dura, es war vor allem auf die griechischsprechende Gemeinschaft ausgerichtet nicht auf die Römische. Während das römische Reich im Osten und westen immer mehr mit militärischen Niederlagen zu kämpfen hatte, wurden die Parther durch die Perser des Sasanischen Geschlechtes verdräng.

Sasanen König Ardashir I stürzte den parthischen Herrscher Artabanus V. Sein Sohn und Nachfolger Shapur I, war wie sein Vater Feldherr, ihr Traum war die Restauration des alten persischen Reiches, inklusive klein Asien, die syrische Küste und Ägypten.

Die Ziele der Perser waren in Nordsyrien zuerst Nisibis und Carrhae, auch Antiochia wurde 238 nach Chr. von Shapur I erobert. Der nächste logische Schritt zur Expansion des persischen Reiches war natürlich Richtung Dura. 253 nach Chr. kapitulierte Dura den Truppen Shapurs des I, während die Römer von den Einfällen der Barbaren im Reich und dem Drängen nach Unabhängigkeit in Palmyra abgelenkt und geschwächt waren. Obwohl die römische Unterstützung so schwach war revoltierte Dura gegen die sasanische Herrschaft. Clark Hopkins geht davon aus, dass Dura mit Unterstützung von Palmyra rechnete, welche nicht erfolgte. 256 nach Chr. Ließ Shapur I die blühende Stadt Dura komplett zerstören. Hopkins mutmaßt, dass es zwei Gründe dafür gab, erstens wurde Dura nicht mehr als Grenzposten gebraucht, da sich das persische Reich weiter ausdehnte. Zweitens stellte eine florierende, gegen die Herrschaft rebellierende Stadt im inneren des Reiches ein zu großes Sicherheitsrisiko da um sie weiter bestehen zu lassen.

Die Dekorationen des Haus der Christen

Der einzigste Raum im Haus der Christen, der Wandgemälde zum Vorschein brachte, war das Baptisterium. Es besteht kein Hinweis darauf, dass ein weiterer Raum ähnlich ausgeschmückt war, da kein anderer Raum auch nur Spuren von Farbe aufweist. , auch nicht die Versammlungshalle, was darauf schließen lässt, dass die frühen Christen ihr eigenes Verständnis davon hatten, welcher Raum dekoriert wurde und warum. Aus der Sorgfalt, mit der die gesamte Oberfläche der Wände und der Decke bemalt wurde, kann man folgern, dass für die Christen von Dura der Raum in dem der Initiationsritus durchgeführt wurde, einen besonderen Charakter und eine Wichtigkeit hatte, der von den anderen Räumen des Hauses nicht geteilt wurde. Die Tatsache, dass ein Großteil des Hauses unter dem Damm an der Stadtmauer begraben war, erklärt die Erhaltung der Dekorationen. Der Zustand der erhaltenen Fundstücke war jedoch ausgesprochen schlecht und schwer zu handhaben. So war beispielsweise die Decke des Raumes zerstört und ein Großteil der Fragmente der Wandmalereien wurde losgelöst in der Position vor den wänden, deren Teil sie einmal waren gefunden. Viele teile fielen auch noch vor der Restauration von den Wänden und wurden dabei zerstört. Dazu kam, dass schon das Aussetzen eines gedämpften Lichts die Farben zum verblassen brachte und das ursprünglich benutzte Bindemittel sich verflüchtigte, was dazu führte, dass die nur noch dünne Pigmentschicht der Farben sich jederzeit von ihrem grund lösen konnte. Heute befindet sich ein Teil der restaurierten Malereien in Yale/USA ein anderer im Nationalmuseum von Damaskus (Syrien).

Vom rein formalen Blickwinkel aus, entsprechen die Malereien des Baptisteriums, dem was man über religiöse Wandmalereien in der Stadt weiß. Sie folgen den langen lokalen Traditionen in Hinblick auf bildliche Komposition und ornamentale Muster. Die Wände des Raumes sind horizontal in Abschnitte geteilt. Die von Rahmen umgebenen Abschnitte zeigen aufeinanderfolgende individuelle Szenen. Das die Christen von Dura die lokalen Traditionen in Hinblick auf die Organisation ihrer Dekorationen und den Typ ihrer Materialien benutzten, ist nicht außergewöhnlich, das selbe finden wir in der Synagoge der Stadt.

Eine Analyse der Materialien weist auf, dass in den Malereien die Farben weiß, schwarz, gelber Ocker, fleischfarbend , roter Ocker, brauner Ocker, blauer Kupfer und ein grünerdiges Pigment benutzt wurden. Wie bereits erwähnt ist nur ein dünner Film der Farbpigmente erhalten, da sie nur mit einem einfache Bindemittel auf die Wände aufgetragen wurden. Was noch von den Farben übrig geblieben ist, wird heute mit einer Vinylummäntelung an seinem Platz gehalten, was aber den Prozess des Verblassens auch nicht endgültig stoppen kann.

Im Baptisterium finden wir Darstellungen neutestamentarischer und auch alttestamentarischer Malereien, wie etwa der gute Hirte, Adam und Eva, die Heilung des Gelähmten, die Frauen am Sarkophag, Jesus mit Petrus beim Gang übers Wasser, David und Goliath und die Frau an der Quelle sind die besterhaltensten Malereien. Da jedoch nicht die einzelnen Malereien sondern der Vergleich im Vordergrund stehen soll, werde ich darauf verzichten sie hier alle detailliert zu beschreiben.

Die Dekorationen der Synagoge

Die ältesten bekannten jüdischen Wandmalereien bedecken die Wände der Synagoge in Dura Europos. Sie stammen aus der Mitte des 3.Jahrhunderts nach Christus. Das Gebäude wurde 256 nach Christus zerstört, was einen terminus ante quem für die Wandmalereien festlegt. Einige Teile der Decke sind datiert auf 244-45, was zumindest einen terminus post quem für die zweite Ebene der Frescos festlegt. Eine weitere frühere Ebene wurde an der Wand um den Thoraschrein gefunden, der sich durch seinen reinen symbolischen Charakter auszeichnet.

Die Synagoge in ihrem derzeitigen Aussehen ist ein Ergebnis aus dem Wiederaufbau einer früheren Synagoge an der selben Stelle. Die restaurierten Wandmalereien befinden sich zur Zeit im Nationalmuseum von Damaskus. Die Wandmalereien sind höchstwahrscheinlich nach Vorlagen von Miniaturdarstellungen in frühen christlichen und byzantinischen Büchern, dem Alten Testament, dem Pentateuch, die Bücher Samuels und der Könige, und den Büchern der Propheten gestaltet.

Die Wandfresken sind in vier Streifen aufgeteilt. Die Darstellungen erzählen die Geschichte Israels. Die bekannteste der dargestellten Szenen ist wahrscheinlich die Durchquerung des roten Meeres.

Trotz des gemeinsam lokalen Kontextes handelt es sich bei der Synagoge und dem Haus der Christen in Dura Europos um zwei Gebäude, deren Wandmalereien unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Gedanke, dass die Künstler sich gegenseitig beeinflusst haben können ist weitgehend auszuschließen.

Das Baptisterium, des Haus der Christen, das wohl eher einer kleinen Hauskirche entspricht, weißt zwar eine Anzahl guterhaltener christlicher Illustrationen auf, doch sind sie qualitativ von niedrigem Niveau. Als Beispiel hierfür lässt sich die Malerei des guten Hirten so wie hierin eingefügt die skizzenartige Darstellung Adams und Evas herausgreifen, welche sich unterhalb des baldachinartigen Daches an der Westwand oberhalb des Taufbeckens befinden.

Der gute Hirte und seine Schafe

Für die Westwand des Baptisteriums von Dura wählte der Künstler bei seiner Darstellung eine der meistbekanntesten Themen der frühen christlichen Kunst, nämlich die Allegorie des guten Hirten und seiner Schafe. Der biblische Hintergrund ist die bekannte Passage des Johannesevangeliums 10.11-16 „ Ich bin der gute Hirte“...etc. Die Fläche dieser Malerei ist mit einem dünnen schwarzen Rahmen und einem darauf folgenden rotbraunem Rahmen umgeben. Die Darstellung ist an der Oberseite ein Halbkreis, da sie Wand unterhalb eines Tonnengewölbes ziert. Die Farben der Darstellung sind stark verblasst und die Malerei ist stark zerstört.

Wie etwa bei anderen Darstellungen des guten Hirten, ist hier nicht eine einzelne stehende oder sitzende Figur im großen Maßstab gewählt worden, sondern eine Komposition der dargestellten Figuren. Die Malerei ist in zwei Hauptelemente aufgegliedert, der Schafhirte mit einem riesigen Widder auf den Schultern und rechts davon eine Herde Widder, die sich vor dem Hirten herbewegt. Ein Teil der Fläche am Boden ist ungenutzt, dennoch mit der Farbe des Hintergrunds bemalt, wie auch andere ungenutzte Flächen des Taufraums. Die Fläche unterhalb des Hirten zeigt eine weitere Malerei, auf die ich aber erst später eingehen werde.

Das Gesicht des Hirten ist frontal dargestellt , doch anhand des Körpers soll möglicherweise Vorstellung einer Bewegung und Drehung zur rechten Seite erweckt werden. Auch das linke Bein und der Fuß sind frontal dargestellt, das rechte Bein und der rechte Fuß aus dem Profil. Die Bewegung der angewinkelten, und die Beine des Widders auf den Schultern haltenden Arme ist nicht genau erkennbar, sie bilden jedoch kein komplett symmetrisches Zusammenspiel zum restlichen Körper. Die Bemalungen des Körpers waren in dunklem Rot gehalten. Die Beine, die Arme und eine Brust waren nackt. Der Hirte trägt ein kurzes Chiton, bekannt als exomis, welches von einer Schulter schräg über den Körper verläuft und auf der Hüfthöhe Falten wirft. Bei der Malerei des guten Hirten ist auffällig, dass einige Details kaum noch erkennbar sind andere hingegen besonders hervorgehoben. Das Gesicht des Hirten ist ein Oval. Die Umrisse sind in dunkel Rot gehalten und schwarz übermalt. Das Haar ist kurz und schwarz. Von den Gesichtszügen sind als einzigstes nur zwei schwarze Punkte als die Pupillen und ein Bogen, die mögliche Augenbraue erkennbar. Das Gesicht des Hirten war zweifelsohne bartlos. Im Gegensatz dazu sind die Umrisse so wie Hörner und Augen der Böcke deutlich erkennbar.

Die Herde des Schafhirten besteht nur aus Böcken deren genaue Zahl nicht genau erschließbar ist, es sind zumindest mehr als zwölf. Einige der Widder heben den Kopf , andere sind grasend dargestellt. Eine genaue Begründung, warum alle gemalten Tiere männlich sind lässt sich nicht liefern, außer, dass in der arabischen Übersetzung der Allegorie des guten Hirten zweimal auf die Herde bezogen ein Wort verwendet wird, dass Böcke bedeutet.

In der unteren linken Ecke des Bildfeldes ist eine weitere Szene, mit der Darstellung des guten Hirten zusammengehörig, eine Skizze Adam und Evas. Die Figuren sind schmal, nur etwa 21 cm hoch und die gesamte Szene nur 35 cm breit. Die Darstellung beschreibt den Sündenfall in Genesis3,1-7. Der Künstler hat hier die typische Form der simultanen Komposition gewählt, in der aufeinanderfolgende Geschehnisse (das Pflücken des Apfels/ das Bedecken der Nacktheit mit Blättern) in einem kombiniert werden. Die beiden Personen Adam und Eva werden von zwei möglichen Ablegern des in der Mitte stehenden Baumes flankiert, die aus einer Grundlinie heraus in die Höhe wachsen. Sie enden im unteren Bereich der Darstellung des guten Hirten. Unterhalb der Grundlinie lässt sich eine geschwungene Linie erkennen, welche wahrscheinlich die Schlange sein sollte.

Das besondere an der Adam und Eva Darstellung im Baptisterium ist, dass die Figuren hier das einzigste Mal im Taufraum nicht nur vom rötlichen Braun des Hintergrunds umgeben sind sondern auch ausgefüllt. Außerdem wurde der Ort für diese Zeichnung ausgesprochen asymmetrisch zum Bildnis des guten Hirten gewählt. Dies lässt mit ziemlicher Sicherheit darauf schließen, dass die Figuren kein Bestandteil des original Programms waren, sondern nachträglich hinzugefügt wurden. Der Ort der Darstellung ist jedoch sicherlich nicht willkürlich gewählt worden, da der Zugriff auf die Fläche über dem Taufbecken auch nicht einfach war, eher lässt sie, nach Kraeling, auf eine Gewichtigkeit der Szene schließen.

Die Ausführungen des Haus der Christen sind vorwiegend in verschiedenen Brauntönen gehalten. Der Körper des Hirten ist außerdem nicht komplett symmetrisch wiedergegeben und seine Bekleidung ist in ihrer Darstellung recht einfach gewählt, im Vergleich etwa zu den reichen persischen Gewändern der Malereien der Synagoge. Am entferntesten ähnelt dem Bekleidungsstil der Frauen am Grab Christi, an der Nordwand des Taufraums denen der Synagoge.

Das Gesicht des Hirten ist wenig detailliert wiedergegeben und insgesamt kommt die Körperhaftigkeit der Figur des Hirten so wie der Böcke kaum zum Vorschein. Die Malereien des Haus der Christen wirken gewagt ausgedrückt, wie “Strichmännchen“. Dies kommt besonders bei der Szene Adams und Eva zum Vorschein. Die Figuren sind kaum ausgearbeitet, viel eher nur primitiv angedeutet. Und ich widerspreche Kraeling darin, dass diese Darstellung eine besondere Gewichtigkeit zuzuschreiben ist, durch ihre Lage. Dazu ist sie meiner Ansicht nach viel zu qualitativ minderwertig. Das sie wahrscheinlich später hinzugefügt wurde lässt sich meiner Meinung nach unterstützen. Von den acht erhalten Szenen im Taufraum sticht keine durch außergewöhnliche Originalität heraus. Es sind vielmehr gängige Motive der frühen christlichen Wandmalerei auf Alt- und Neutestamentische Quellen zurückgehend. Allein das Bildnis der Frau an der Quelle sticht hier einwenig heraus, da eine genaue Zuordnung umstritten ist. Die erste Deutung, die favorisiert wird, besagt, dass es sich hierbei um die Bibelepisode Jesus und die Samariterin handelt (Joh. 4,5- 42). Um diese Darstellung allerdings zu komplettieren fehlt die Person des Jesus. Eine zweite Interpretationsvariante besagt, dass es sich hierbei um eine alttestamentliche Illustration der Geschichte Rebecca an der Quelle nach Genesis 24, 10-21 handelt. In dieser Erzählung wird Rebecca unter anderem mit Schmuckstücken und hierbei einer Brosche beschenkt, welches die Existenz des fünfzackigen Sternes auf der Brust der Frau erklären würde. Auch würde hierbei nicht die Frage nach einer fehlenden Christusdarstellung aufgeworfen werden. Es wird sich wahrscheinlich aber um eine lokal favorisierte Bibelerzählung handeln.

Die weitaus besser ausgearbeiteten Malereien der Synagoge zeigen, dass die jüdische Kunst und Kultur der Spätantike schon ausgesprochen hoch entwickelt war. Vielmehr zeigen sie sogar Parallelen zu späteren christlichen Arbeiten, was vermuten lässt, dass die jüdische Kunst die Basis für die Entwicklung ihres christlichen Pendants war. Beispielsweise flankieren die Propheten die zentrale Erzählung, was in einigen Kirchen durch die Anordnung der Heiligen aufgegriffen wurde. Auch werden in den späteren frühchristlichen Basiliken ähnliche Alttestamentische Bibelszenen als Motiv gewählt. Im Gegensatz zum Haus der Christen, was wenig zur Weiterentwicklung der frühen christlichen Kunst beisteuerte, sind in der Synagoge viel eindeutiger die orientalischen und größtenteils persischen Einflüsse erkennbar. Die Figuren sind alle zumindest in ihren Gesichtern frontal dargestellt und in kostbare persische Gewänder gehüllt. Im Gegensatz zum Haus der Christen wird besonderer Wert aufs Detail gelegt, beispielsweise in Hinblick auf Faltenwurf oder etwa die Ausarbeitung der Gesichter.

Die Körper sind symmetrisch dargestellt und weisen wie beispielsweise bei den Propheten Jesaja und Jeremiah Ansätze zu einem Contrapost auf. Des weiteren tritt bei den Malereien der Synagoge die Räumlichkeit stärker heraus. Um eine Person als weiter hinten stehend zu zeigen wird sie nicht in der Malerei höher gezeigt, wie etwa bei der Heilung des Gelähmten im Haus der Christen, sondern von den Vorstehenden teilweise verdeckt.

Ornamentbänder trennen in beiden Gebäuden die Malereien. Im Haus der Christen gibt es jedoch nur waagerechte Bänder, die die Wände in eine obere und eine untere Sektion aufteilt. Die Ornamentbänder lassen hier aber auch einen leichten orientalischen Einfluss anklingen.

Die Ornamentbänder der Synagoge hingegen rahmen jedes einzelne Bild. Außerdem sind sie wesentlich feiner ausgearbeitet und farbiger als die Bänder des Haus der Christen. Im großen und ganzen sind die Malereien der Synagoge viel farbiger gestaltet als die des Taufraums. Während im Taufraum noch Brauntöne dominieren, ist die Synagoge viel facettenreicher gestaltet worden. Ein ganzes Spektrum an Farben wurde hier gewählt, dass besonders durch seine kräftigen Rot und Purpurfarbtöne ins Auge springt.

Abschließend ist zu sagen, dass die Stadt Dura mit dem Haus der Christen und der Synagoge des Ortes, zwei Bauwerke hat, deren Wandmalereien hin Hinblick auf Machart, Farbgebung und Körpergestaltung kaum unterschiedlicher seien könnten. Trotz der gemeinsamen historischen lokalen Prägung, sowie den relativ nahen Endstehungsdaten finden sich kaum Ähnlichkeiten. Die Synagoge steht deutlich unter orientalischen Einflüssen, sie steht eher in einem Kontext zum örtlichen Mithräum, dem Tempel für den Mithraskult, welcher auch eher unter orientalischen Einflüssen steht. Im Haus der Christen sind eher griechische Einflüsse erkennbar, da beispielsweise das Bildnis Davids und Goliaths mit griechischen Buchstaben beschriftet wurde.

Die Synagoge ist in Hinblick darauf, dass es sich bei Dura um einen einfachen Grenzposten in der syrischen Wüste handelte ein ganz außergewöhnlicher Fund, hinter dem das Haus der Christen bei dem es sich eher um eine einfache Hauskirche handelt weit zurücksteht.

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Details

Titel
Malereien im Haus der Christen in Dura Europos im Vergleich zu den Malereien der ortsansässigen Synagoge in Hinblick auf Machart, Körperbehandlung und Farbgebung.
Veranstaltung
PS Ausgewählte Beispiele spätantiker Wandmalereien
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
9
Katalognummer
V100994
Dateigröße
703 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Malereien, Haus, Christen, Dura, Europos, Vergleich, Malereien, Synagoge, Hinblick, Machart, Körperbehandlung, Farbgebung, Ausgewählte, Beispiele, Wandmalereien
Arbeit zitieren
Andreas Sowadski (Autor), 2000, Malereien im Haus der Christen in Dura Europos im Vergleich zu den Malereien der ortsansässigen Synagoge in Hinblick auf Machart, Körperbehandlung und Farbgebung., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100994

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