Komplexes Techniktraining


Hausarbeit, 2001

14 Seiten


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Inhalt

1. Einleitung

2. Spielvermittlung

3. Grundschlagtechniken

4. Lehrprobe

5. Literatur

1. Einleitung

Es ist wohl unumstritten, daß hinsichtlich der Spielsituation das Tennisspiel eine sehr vielseitige Sportart ist, die auf dem taktischen Gebiet eine sehr hohe Selbständigkeit verlangt. Wohl kaum in einer anderen Sportart kommt es so oft zur Aneinanderreihung verschiedener Spielsituationen, die dieses Spiel erst interessant für Spieler und Zuschauer werden lassen. Jeder noch auszuspielende Punkt birgt in sich den Anreiz, ein schon längst verlorengeglaubtes Spiel noch zu gewinnen. Sei es durch eigene Kampfkraft, spielerisches Vermögen oder durch die Unterstützung des Publikums. Dabei wiegt die Emotionalität des einzelnen Spieler und der Zuschauer selbst innerhalb eines Ballwechsels hin und her, bis schließlich der Punkt nach hartem Grundlinienspiel, anschließendem Netzangriff, erfolgversprechendem Lob und erneutem Schlagabtausch von der Grundlinie durch einen glücklichen Netzroller entschieden wird. Dabei spielt es auch weniger eine große Rolle, daß das Tennisspiel durch eine hohe Ballfertigkeit, körperliche Leistungskraft und ein ausdifferenziertes Spielverständnis geprägt ist - welches natürlich für viele Sportler auch erst den Anreiz ausmacht diesen Sport zu betreiben - es sind eben diese Situationen, welche dem menschlichen Körper und vor allem auch dem Geist das Alltagsleben vergessen lassen machen, um durch sportliche Aktivität neue Kräfte zu sammeln.

Der technische Ausbildungsstand des einzelnen Spielers ist unumstritten ein bedeutender leistungsbegrenzender Faktor für die taktischen Spielmöglichkeiten des Einzelnen. Somit ist die Kunst der Ballbeherrschung durch die verschiedenen Schlagtechniken und ihrer Variationen als Kern der Tennis - Lehre anzusehen. Damit soll gesagt werden, daß der Ausbildungsprozeß von Spielern nicht von der Voraussetzung ausgehen sollte, alle einzelnen technischen Fertigkeiten gesondert und insbesondere isoliert von bestimmten Spielsituationen zu üben, um die fein- und feinstkoordinativen Bewegungsabläufe für jede einzelne Art der Ballbehandlung zu erlernen, vielmehr sollten spielnahe Situationen geschaffen werden, in denen der Spieler nur wenige Bruchteile von Sekunden hat, eine Lösung zur Spielfortsetzung zu finden. Dabei werden technische und kognitive Fertigkeiten abverlangt, die in keinem Lehrbuch stehen und die als Bewegungsmuster überhaupt nicht trainierbar sind. Natürlich darf man als Trainer nicht grundsätzlich auf das technikorientierte Training, insbesondre die Teillernmethode verzichten, denn dieses deduktive Verfahren weist auf einen hohen Grad an Quantität der einzelnen Bewegungsausführungen hin, die es innerhalb kurzer Zeit dem Spieler ermöglicht viele Bewegungserfahrungen zu sammeln (Rationalität des Trainings hinsichtlich Spieler- und Platzanzahl).

2. Spielvermittlung

Im Bereich der Sportvermittlung folgen die „Spielgemäßen Konzepte„ diesem Gedanken, indem sie in Form verschiedener methodischer Spielreihen den Spielgedanken und das Spielerleben in den Vordergrund stellen (vgl. Dietrich/Landau 1976), verbunden mit Argumenten wie Kindgemäßheit und Sachgemäßheit. Dietrich (1984) hat diese Gedanken formuliert in seiner Forderung zur Weiterentwicklung auch einer Allgemeinen Spielfähigkeit, die das Entwickeln, in Gang setzen und in Gang halten eines Spiels umfaßt, da diese allein durch Spielreihenkonzepte nicht vermittelt werden können. Er stellt nicht nur soziale Prozesse in den Vordergrund, sondern auf kognitiver Ebene auch die Einsicht in Zusammenhänge des Spiels: Taktiken und Techniken als Mittel zum Zweck des Lösens einer Spielaufgabe im Rahmen der Spielidee und Regeln als Instrumente der Verwicklung der Spielidee. Dabei ist das Erleben des Spiels das Wesentliche, obwohl die Fertigkeiten und Techniken eines Sportspiels irgendwo doch die notwendigen Voraussetzungen sind, die das Erleben erst ermöglichen.

Die Techniken werden dabei als idealisierte Bewegungsabläufe verstanden, die nach dem Vorbild von Spitzenathleten erfaßt worden sind. Leider gilt daher noch bei vielen Übungsleitern erst einmal Bewegungsformen und -stereotype einzuschleifen, um falschen Bewegungsmustern vorzugreifen und entgegenzuwirken. Dabei folgt die Vermittlung von Techniken in Methodischen Übungsreihen dem Prinzip „vom Leichten zum Schweren“, wobei die Techniken als äußerlich sichtbare Bewegungsabläufe verstanden und nach dem idealisierten Vorbild des Spitzenathleten korrigiert werden.

Bezüglich des „Einschleifens von Bewegungsmustern„ im sogenannten Technikerwerbstraining zeigen Ergebnisse der Forschung, daß ein ständiges wiederholendes Üben (geblocktes Üben) zwar bessere Lernfortschritte während der Übungsphase liefert, daß ein ständiger Wechsel der Aufgabe (randomisierendes Üben) jedoch zu besseren überdauernden Leistungen führt. Dies kann schon allein dadurch begründet werden, daß beim randomisierten Üben die Nutzbarkeit der verschiedenen Leistungen höher ist, da diese stets wechseln und daher für den nächsten Versuch nicht noch einmal herangezogen werden können und somit immer neu erarbeitet werden müssen.

Natürlich gibt es auch Beispiele, die darauf hinweisen, daß bei technikorientierter Vermittlung Erfahrungen einstellen. Diese sind aber nicht automatisch auch die des Spiels. Dabei besteht dann die Gefahr, daß diese Erfahrungen auch bei Verbesserung des äußerlich sichtbaren Bewegungsablaufs weiter wirksam bleiben - so wie man z. B. die Technik des Vorhandpassierschlages durch die Beine mit dem Rücken zum Netz als Technik erlernen kann, ohne sie im Spiel aber jemals anzuwenden, da die Umschalt-, Rhythmisierungs- und Orientierungsfähigkeit in einer solchen Spielsituation unzulänglich trainiert wurde.

Erfahrungen haben neben ihrem Eigenwert im Sinne vom Spielerlebnis auch eine funktionale Bedeutung für die Spielfähigkeit (Spielübersicht und Spielverständnis) und die Bewegungsausführung. Tholey sagt dazu:

„Die Erkenntnis dieser Vorgänge ist nicht nur unabdingbare Voraussetzung für das Verständnis sportlicher Bewegungshandlungen, sondern auch Voraussetzung für die Vermittlung sportlicher Fertigkeiten Ließe man bei einer Bewegungsanweisung die Erlebnisgegebenheiten völlig außer acht, so wäre dies mit der Situation vergleichbar, daß man Flugschüler anweist, zur Landung das Höhenruder des Flugzeugs zu verstellen, ohne ihm zu sagen, wie er den Steuerknüppel in der Kanzel bewegen muß, damit er dieser Anweisung Folge leisten kann.(Tholey 1980,S. 28)

Wahrnehmungen und Erfahrungen werden demnach gemacht, d. h. durch das Erleben hergestellt. Man muß eben hinschauen, um zu sehen, zufassen, um zu fühlen. Die Bedeutung von aktiver Bewegung wird in dem Experiment von Kohler (1951) und Held/Hein (1961) besonders deutlich, wo sich die durch Umkehrbrillen auf den Kopf gestellte Wahrnehmung nur bei den Probanden wieder normalisierte, die sich aktiv in der Umwelt bewegen konnten. Man sieht, Wahrnehmung und Bewegung sind eng verbundene Prozesse. Dabei bestimmt stets die Situation die Aufgabe, was und als was etwas wahrgenommen wird. So führt z. B. das Dribbeln des Balles zur Wahrnehmung meiner Dribbelfähigkeit, was aber noch lange nicht heißt, daß ich beim Umspielen des Gegners die veränderte Spielsituation erkenne. Für erfahrungsorientiertes und damit wahrnehmungsorientiertes Lehren und Lernen heißt dies:

Es sind Lernsituationen so zu gestalten, Lernaufgaben so zu stellen, daß situationsadäquate Aufgaben wahrgenommen werden können, die auch noch erweiterbar und feiner differenzierbar sind.

Meist besteht ein Mangel an Spielverständnis und Spielfähigkeit bei den Spielern, die die Aufgabe, welche in der Handlung des Spiels gestellt wird, nicht lösen können. Dies ergibt sich schon allein aus der viel höheren Komplexität des Spiels gegenüber den statischen Übungsformen. Also kann die Konsequenz nur darin bestehen, das Spielhandeln zu erlernen, das Lösen von Spielaufgaben und nicht nur einfache Bewegungsabläufe als bloße Sequenzen dieser Handlungsabfolgen.

Spielhandeln als Lösen einer Spielaufgabe ist nun aber sicher nicht erlernbar durch einfaches Vor- und Nachmachen oder Korrigieren. Vielmehr soll hier das selbständige, experimentierende Auseinandersetzen mit den komplexen Aufgaben des Spiels notwendig werden. Nur so wird viel eher der Abstand zwischen dem Gegenspieler und der Seitenauslinie zur Lücke, in die man den Ball plaziert. Wenn man dies nicht in ähnlichen Situationen trainiert und dadurch wahrnimmt, kann es durchaus passieren, daß man diesen Freiraum gar nicht wahrnimmt und ihn nicht als eine Lücke antizipiert. Dabei stellt sich natürlich immer die Frage, daß die einzelnen Spielsituationen nur dann erfolgreich gelöst werden können, wenn die einzelnen Techniken beherrscht werden, da sie die Voraussetzungen für das Spielhandeln bilden. Die Lösung dieses Problems liegt eigentlich sehr nahe: statt komplizierte Techniken in vereinfachten Situationen zu üben, sollen eher die komplexen Spielsituationen mit vereinfachten Techniken gelöst werden. Zur Realisierung dieser Art der Tennisvermittlung bietet sich der Weg der Vereinfachung der Regeln des Tennisspiels zur Anpassung der Spielanforderungen an das Können aller Spieler. Damit soll allen Mitspielern die Möglichkeit gegeben werden, sich aktiv am Spielgeschehen zu beteiligen, und es soll auch gleichzeitig einer „Zweiklassengesellschaft„ von Tennisspielern und Nichttennisspielern entgegengewirkt werden. Durch diese Reduzierung der technischen Anforderungen können nun auch die Anfänger mehr Initiative entwickeln.

Das positive dieses spielerischen Vermittlungskonzeptes ist es, daß zum einen die Spielerfahrungen für die Ausführung der Bewegungshandlungen im Vordergrund der Ausbildung stehen und zum anderen die Verängstigung und leichte Anfänge von Resignation bei Anfängern vermieden oder zumindest gemildert werden.

Natürlich kann und darf die Technikausbildung im eigentlichen Sinne nicht vergessen werden. Sie findet hierbei nur nicht in der Form des Einschleifens in methodischen Übungsreihen statt, sondern sie stellt sich für den Lernenden mit dem Lösen der verschiedenen Spielsituationen ein, die den klassischen Techniken des Tennis durchaus entsprechen oder sie sogar erfüllen.

3. Grundschlagtechniken

3.1. Die Struktur und Technik des Grundschlages einhändige Vorhand (rechts)

Die Struktur der Technik einhändige Vorhand zeichnet sich durch die klassische Phasengliederung nach Meinel in der Dreiphasengliederung (Vorbereitungsphase, Hauptphase, Endphase) aus. Des weiteren ist es eine azyklische Bewegung, da der Bewegungsakt der einhändigen Vorhand nur durch eine Hauptphase realisierbar ist.

Die Unterteilung der Vorbereitungsphase (Abbildung 1, Bild 1-4), die durch die Schaffung optimaler Voraussetzungen für die Hauptphase charakterisiert ist, vollzieht sich durch die Schlägerhaltung im Vorhandgriff, so daß die Schlagfläche beim Treffen senkrecht gestellt werden kann, und der Drehung von Oberkörper und rechtem Fuß zur rechten Seite. Zeitgleich wird dabei der Schläger nach hinten oben zurückgeführt, daß ein fließender Übergang zur Schlagphase möglich wird. Die Knie werden eingebeugt. Das linke Bein wird bei geschlossener Stellung in die beabsichtigte Schlagrichtung vorgesetzt. Dabei sollen die Füße zur Erhaltung des Gleichgewichts mindestens hüftbreit auseinander sein. Hierbei kommen die Wirkungen der biomechanischen Prinzipien der Anfangskraft und des optimalen Beschleunigungsweges zur Geltung, um zum einen den Kraftimpuls des Schlagarmes in einen Bewegungsimpuls des Balles umzuwandeln und zum anderen für die beteiligte Muskulatur einen optimalen Arbeitsweg und günstige Winkelverhältnisse für die Gelenke zu schaffen. Dabei kommt es zu einer Verschmelzung der einzelnen Betsandteile der Vorbereitungsphase zu einem homogen Bewegungsablauf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 (Deutscher Tennis Bund: Tennis - Lehrplan Band 1: Technik und Taktik, Seite 80)

Die Hauptphase (Abbildung 1 und 2, Bild 5-8) der Bewegungsausführung einhändige Vorhand beginnt nach der Ausholbewegung im Umkehrpunkt des nun nach vorn schwingenden Schlägers und endet mit dem Treffen des Balles (Abb. 3). Durch das Vorspannen der Antagonisten in der Ausholbewegung (Vorbereitungsphase), ist nun ein schnellkräftiges Vorschwingen möglich. Dies geschieht unter der Ausnutzung der nun höheren Anfangsspannung der Muskulatur und der Energie der elastischen Deformation der Muskeln, die beim Abbremsen der Ausholbewegung angehäuft wird (Meinel / Schnabel 1983). Die erreichbare Muskelspannung ist dabei von der optimalen Dehnung abhängig (Hochmuth 1983). Der Schläger wird beschleunigt, um die gewünschte Ballgeschwindigkeit zu erzielen. Dabei wird er weit in Schlagrichtung geschwungen, um eine größere Genauigkeit und Sicherheit zu erzielen. Das Körpergewicht wird beim Grundschlag aus geschlossener Schlagstellung auf das vordere Bein verlagert, und der Oberkörper wird beim Schlag in Schlagrichtung gedreht. Diese Rotation des Oberkörpers erfolgt zur Unterstützung der Schlägerbeschleunigung. Der Ball wird in angepaßtem Abstand und vor dem Körper (Abbildung 3) mit senkrechter Schlagfläche getroffen, um eine optimale Energieübertragung zu erzielen. Das Handgelenk wird unmittelbar vor dem Treffen in eine der Abfluggeschwindigkeit entsprechende Position gebracht, um eine möglichst hohe Genauigkeit zu erreichen. Im Treffpunkt wird dann die Griffestigkeit verstärkt und das Handgelenk sehr kurz fixiert, um dem Ball Widerstand zu leisten. Zur Unterstützung der Aufwärtsbewegung beginnen sich die Beine zu strecken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: (Deutscher Tennis Bund: Tennis - Lehrplan Band 1: Technik und Taktik, Seite 81)

Nach dem Treffpunkt des Balles beginnt der letzte Teil der Bewegungsausführung - die Endphase (Abbildung 2, Bild9-12), welche durch die Stabilisierung des Körpergleichgewichts und somit, nicht nur in den Sportspielen, durch die Spielfortsetzung charakterisiert ist. Der Schläger schwingt weiter nach vorne oben aus und die Streckung der Beine wird fortgesetzt. Anschließend sollte sich der Spieler wieder zur Ausgangsposition orientieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: (Deutscher Tennis Bund: Tennis - Lehrplan Band 1: Technik und Taktik, Seite 81)

3.2. Die Struktur und Technik des Grundschlages einhändige Rückhand (rechts)

Natürlich ist die Struktur der Technik Grundschlag einhändige Rückhand ebenso durch die Dreiphasengliederung geprägt.

In der Ausholphase (Abbildung 4, Bild 1-4) wird der Schläger mit dem Rückhand oder mit dem Mittelgriff gefaßt, so daß die Schlagfläche beim Treffen des Balles senkrecht gestellt werden kann. Der Oberkörper wird stark zurückgedreht und es wird dabei eine ausgeprägte seitliche Stellung eingenommen. Gleichzeitig führt die linke Hand den Schläger am Schlägerhals zurück, damit die Ausholbewegung stabilisiert und der Oberkörper weiter zurück gedreht werden kann. Dabei wird der rechte Fuß vorgesetzt, so daß die rechte Rückenhälfte zum Netz zeigt. Gleichzeitig wird der Schläger nach hinten oben zurückgeführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4: (Deutscher Tennis Bund: Tennis - Lehrplan Band 1: Technik und Taktik, Seite 84)

Der Schlägerkopf wird im Übergang zur Schlagphase (Abbildung 4 und 5, Bild 5-9) unter den voraussichtlichen Trefferpunkt gesenkt, damit er in der Hauptaktion vorwärts aufwärts geschwungen werden kann. Dabei sollen auch hier die Füße mindestens hüftbreit auseinander stehen, um das Gleichgewicht zu erhalten. Der Ball wird dann in einem entsprechenden Abstand (etwas weiter weg als bei der einhändigen Vorhand) noch vor dem Körper mit senkrechter Schlagfläche gespielt. Noch vor dem Treffen des Balles wird der Schlagarm gestreckt, um eine optimale Energieübertragung und einen optimalen Treffpunkt zu erzielen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5: (Deutscher Tennis Bund: Tennis - Lehrplan Band 1: Technik und Taktik, Seite 85)

Im letzten Teil der Technik wird die Schwungbewegung des Schlägers in Schlagrichtung fortgesetzt. Am Ende der Ausschwungphase zeigen Schläger und rechte Körperseite in Schlagrichtung. Auch hier sollte der Spieler bemüht sein, nach der Bewegungsausführung sich in die Ausgangsposition zu begeben, um eine optimale Spielfortsetzung zu gewährleisten.

3.3. Die Struktur und Technik des Grundschlages beidhändige Rückhand (rechts)

Die Unterschiede in Struktur und Technik der beidhändigen Rückhand liegen teilweise schon offensichtlich dar. Natürlich sind gewisse Ähnlichkeiten zur einhändig geschlagenen Rückhand nicht abzuweisen. So sind die drei Phasen ebenso erkennbar, wie auch die senkrechte Schlägerhaltung beim Treffen des Balles.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.6: (Deutscher Tennis Bund: Tennis - Lehrplan Band 1: Technik und Taktik, Seite 91)

Die wesentlichen Unterschiede in der Bewegungsausführung sind, wie der Name schon sagt, die beidhändige Griffhaltung, der etwas flachere Bogen in der Ausholbewegung (Abbildung 6, Bild 1-4) und die etwas breitere Schrittstellung. Bedingt durch die Schlagerhaltung ist der rechte Oberarm relativ nah am Oberkörper (Abbildung 7) und die Schulter kommt steil nach vorne oben. Die Vorteile bei dieser Schlägerhaltung liegen vor allem in der kürzeren Ausholphase, da diese nicht so groß ist und der Spieler somit mehr Zeit hat sich optimal zum Ball zu bewegen, und in der Oberkörperdrehung, da diese eine bessere Vorspannung erzeugt, die beim Schlag später eine höhere Schlägerbeschleunigung ermöglicht. Desweiteren sind die taktischen Vorteile dieser Schlaghaltung ebenfalls nicht von der Hand zu weisen, denn durch mehr oder weniger stark gebeugten Arme während der Schlagbewegung hat der Spieler eine größere Schlagkontrolle und es ermöglicht ihm auch ein größeres Winkelspiel. Der wesentliche Nachteil liegt hier in der Längenreichweite. Der Weg, den der Spieler zum Schlagen des Balles zurücklegen muß, ist etwas langer, als wenn er den Ball einhändig spielen würde. Daher wird der Schlag auch meistens unsauber und unpräzis, wenn der Spieler nicht rechtzeitig eine gute Position zum Schlagen der beidhändigen Rückhand eingenommen hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.7: (Deutscher Tennis Bund: Tennis - Lehrplan Band 1: Technik und Taktik, Seite 92)

4. Lehrprobe

Wie anfangs schon erläutert soll diese Lehrprobe einen weiteren Versuch der spielgemäßen Vermittlung das Sportspiels Tennis darstellen. Die hier gezeigten Übungen und Übungsformen könnten daher Anwendung beim Training von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen finden, wobei die technischen Grundausführungen der Grundschläge nicht unbedingt zur unmittelbaren Trainingsgestaltung bei fortgeschrittenen Tennisspielern jegliches Alters und Trainingsalters gehören müssen, sie sollten aber trotzdem stets ihren Anteil haben, da sie die Basis der gesamten Schlagtechniken eines jeden Tennisspielers bilden. Das Ziel dieser Lehrprobe sollte das Wissen um die Bewegungsausführung der Grundschlagtechniken einhändige Vorhand, einhändige und Beidhändige Rückhand beinhalten, sowie deren unmittelbare Anwendung im Gesamtsportspiel Tennis.

Untergliederung der Ü bungsstunde:

- Erläuterung des Übungsprogramms und des Stundenziels
- Erwärmung/Dehnung
- Technische Grundausführungen der Grundschlagtechniken
- Spielnahe Übungsformen
- Auswertung der Übungsstunde

5.1. Hinweis auf die 5 taktischen Grundsituationen im Tennis

1. Einfacher Ballwechsel
2. Druck ausüben
3. Angreifen
4. Gegenangriff
5. Verteidigen

5.2. Erwärmung und Dehnung

- 5 Minuten um den Platz einlaufen

- Je nach Gruppenstärke und Platzanzahl wird sich zweit oder zu viert zuerst im Halbfeld und dann von der Grundlinie eingespielt.

Anmerkung: nur Grundschläge anwenden

- Dehnung mit der Gruppe im Kreis unter Anleitung des Übungsleiters

Anmerkung: zielgerichtet auf Dehnung der Muskulatur des Oberkörpers und der Beine achten

5.3. Spielnahe Übungsformen

- Erläuterung der Handlungskette Grundschlag Vorhand und Rückhand

Übung 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Spieler A bringt den Ball Vorhand (VH) cross ins Spiel
2. Spieler B VH cross zurück
3. Spieler A Rückhand (RH) longline
4. Spieler B VH
5. Spieler A Volley/Smash in markiertes Feld

Anmerkung: Um dem Training einen kleinen Wettkampfcharakter zu verleihen, kann man für eine erfolgreiche Übung einen Punkt vergeben und für das Treffen in die Markierung zwei Punkte, so das am Ende der Trainingseinheit ein Trainingsbester gekürt oder zumindest eine kleine Bewertung der Leistung des einzelnen vorgenommen werden kann. Dabei sollte miteinander fordernd gespielt werden, damit die Übung auch zu Ende gespielt werden kann.

Übung 2:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Ball wird von unten ins Spiel gebracht. Dabei ist es die Aufgabe eines jeden Spielers den Ball zwei mal in die markierten Felder zu plazieren. Wem dies als erstes gelingt, darf einen Netzangriff starten. Hierbei sollte auch wieder darauf geachtet werden, daß solange keiner der beiden den Ball zwei mal plazieren konnte die Übung miteinander fordernd gespielt wird.

Dabei sollten die Punkte wiederum gezählt werden.

Anmerkung: Falls die Markierung nicht getroffen werden, sollte man die Größe dieser verändern.

Übung 3:

Der Ball wird mit einem Aufschlag ins Spiel gebracht. Wenn jeder Spieler den Ball zwei mal gespielt hat, darf erneut der Punkt ausgespielt werden.

Anmerkung: Es ist stets von der Trainingssituation abhängig, ob man die Spieler nach jedem Punkt wechseln läßt, ob man den Punktgewinner ein oder zwei weitere male Spielen läßt, oder ob man ein kleines Turnier spielen lassen sollte. Wichtig ist, daß der Trainingsinhalt immer Hauptbestandteil der Übungen bleiben sollte und der Spielcharakter nicht zu kurz kommt.

5.4. Auswertung der Übungsstunde

Hier sollte der Übungsleiter noch einmal auf die wesentlichen Merkmale und Grundsätze der Übungsstunde eingehen, um diese bei den Spielern zu verinnerlichen. Dabei ist es wichtig vor allem auf die Stärken eines jeden einzelnen hinzuweisen und vielleicht den Trainingsbesten herauszustellen. So sollte dann auch der Wille der anderen Spieler bei der nächsten Trainingseinheit gegeben sein, selbst einmal so vor der Gruppe gelobt zu werden.

6. Literatur

- Dietrich, K.: Vermitteln Spielreihen Spielfähigkeit? In: Sportpädagogik 1, 1984, 19-21
- Dietrich K./Landau, G.: Beiträge zur Didaktik der Sportspiele. Teil 1 Schorndorf , 1976
- Tholey, P.: Erkenntnistheoretische und systemtheoretische Grundlagen der Sensumotorik aus gestalttheoretischer Sicht. In: Sportwissenschaft 1, 1980, 7-35
- Kohler, I.: Über Aufbau und Wandlung der Wahrnehmungswelt. In: Österr. Akad. Wiss. phil.hist. KL. , 1951, 1, 1-118
- Held, R./Hein, A.: Movement-produced Stimulation in the Development of Visually Guided Behavior. In: The Journal of Comparitive & Physiological Psychology 56 1961, 1, 33-37
- Brechbühl, Jean: Tennis von A bis Z für Anfänger und Fortgeschrittene. Habegger Verlag,
- Mensing, Eberhard: Tennis-Spiele für viele. Sport- und Musik-Verlag, 1998
- Deutscher Tennis Bund: Tennis - Lehrplan Band 1: Technik und Taktik. BLV Verlagsgesellschaft mbH, 1995
- Kollenz/Wagner: richtig Tennistraining. BLV Sportpraxis.1988
- Dr. Halmos, Imre: Modernes Tennis. Sportverlag Berlin, 1983

14 von 14 Seiten

Details

Titel
Komplexes Techniktraining
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Veranstaltung
Tennis Vertiefung
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V100999
Dateigröße
2350 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Viel spass beim Lesen.
Schlagworte
Komplexes, Techniktraining, Tennis, Vertiefung
Arbeit zitieren
Christian Kehr (Autor), 2001, Komplexes Techniktraining, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100999

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