Neue Soziale Bewegungen am Beispiel der Friedensbewegung


Hausarbeit, 2001
16 Seiten, Note: 2

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Inhaltsverzeichnis

1.0 Definition sozialer Bewegung.

2.0 Geschichte der Neuen Sozialen Bewegungen am Beispiel der Friedensbewegung.

3.0 Unterschiede zwischen Parteien und Bewegungen

4.1 Die geistigen Strömungen der Friedensbewegung / Aufbau einer Bewegung.
4.2 Der Movement Action Plan.
4.2.1 Die 8 Phasen sozialer Bewegungen.
4.2.2 Die 4 Rollen in der Bewegung.

5.0 Der Krieg in Kroatien und Bosnien.

6.0 Literaturverzeichnis.

7.0 Anhang

1.0 Definition Sozialer Bewegungen

„Soziale Bewegung ist ein mobilisierender kollektiver Akteur, der mit einer gewissen Kontinuität auf der Grundlage hoher symbolischer Integration und geringer Rollenspezifikation mittels variabler Organisations- und Aktionsformen das Ziel

verfolgt, grundlegenderen sozialen Wandel herbeizuführen, zu verhindern oder rückgängig zu machen.“1

Erläuterungen zur Definition:

- Mobilisierung: Die Machtgrundlage jeder sozialen Bewegung ist unsicher, da sie nicht durch eine Institutionalisierung aufgefangen wird. Die aktive, permanente Suche nach Unterstützung, das In-Bewegung-Bleiben ist Merkmal der sozialen Bewegung.
- Kollektiver Akteur: Bewegungen sind ein die Individuen einbindender gemeinschaftlicher Handlungszusammenhang, d. h., jedes Individuum ist ein Teil des Ganzen, das aktiv in den Lauf der Dinge eingreifen kann.
- Gewisse Kontinuität: Ein gewisser Grad an Kontinuität über einen längeren Zeitraum ist nötig, um Bewegungen von kollektiven Episoden zu unterscheiden. Nur kontinuierliche Aktivitäten belegen das In-Bewegung-Bleiben der Bewegung.
- Hohe symbolische Integration: Die Mitglieder einer sozialen Bewegung zeigen ein ausgeprägtes In-Group-Verhalten (‚Wir-Gefühl’), wodurch sie sich von der Out-Group (‚die anderen, die dagegen sind’) abgrenzen.
- Geringe Rollenspezifikation: Geringe Ausdifferenzierung und Festschreibung von Rollen.
- Ziele: Veränderung von Staat und/ oder Gesellschaft, wobei allerdings nicht das ganze System, aber zumindest wichtige einzelne Teile betroffen sind.

2.0 Geschichte der Neuen Sozialen Bewegungen am Beispiel der Friedensbewegung

„Nicht sowjetische Agenten oder antiamerikanische Agenten haben die Friedensbewegung erfunden. Die Motive sind ganz einfach: Es ist die Angst ums Überleben. Und ich sage: Die begründete Angst.“

Carl Friedrich von Weizsäcker 2

Nach der unausweichlichen bedingungslosen Kapitulation des Dritten Reiches im April 1945 entwickelte sich eine durch die Kriegserfahrungen geprägte Bewegung mit der Losung „Nie wieder Krieg“. Unter diesem Motto wurde am 1. September 1947 der bis heute für die Friedensbewegung wichtige Anti-Kriegstag von Teilen der Arbeiterjugend aus der Taufe gehoben. Ihren Höhepunkt erreichte die „Nie wieder Krieg“ -Bewegung 1948 während der Debatten über eine Wiederaufrüstung Deutschlands.

Mit dem NATO-Beitritt der BRD 1954 und der damit einhergehenden Wiederbewaffnung endete die von einer relativ breiten Bevölkerungsschicht getragene

„Nie wieder Krieg“ –Bewegung, zumal diese wohl kaum von pazifistischen Werten getragen worden war. Der in der zweiten Hälfte der 50er Jahre gegen Atomwaffen geführte Protest wurde von SPD, Gewerkschaften, evangelischer Kirche und einzelnen Persönlichkeiten organisiert. Die großen Organisationen hatten dabei das Sagen. Auf dem Bad Godesberger Parteitag 1959 machte die SPD einen Schritt in Richtung große Koalition. Deshalb wurde dieses friedenspolitische Engagement von ihr nicht mehr weiter verfolgt.

Der 1960 erstmals veranstalteten Oster-Sternmarsch von Hamburg, Bremen, Hannover und Braunschweig zum Raketenübungsplatz Bergen-Hohne hatte zur Folge, dass sich die erste bundesweite, unabhängige, außerparlamentarische Opposition entwickelte. Zuerst „Ostermarsch der Atomwaffengegner“, nannte sie sich dann am Ende der 60er „Kampagne für Demokratie und Abrüstung“. Diese Kampagne entwickelte sich zu einem breiten Bündnis aus den verschiedensten sozialen Milieus und politischen Lagern, finanzierte sich selber und war völlig unabhängig von Parteien und anderen Großorganisationen.

Unter dem Vorzeichen der Entspannungspolitik von Bundeskanzler Willi Brandt interessierte sich die Bevölkerung, wegen der anhaltenden Politisierung der Kampagne durch die StudentInnenbewegung, weitaus mehr für soziale, frauenpolitische, entwicklungspolitische und ökologische Probleme. Dadurch versank Ende der 60er Jahre die Friedensbewegung in einen „Dornröschen-Schlaf“ zugunsten anderer Aktivitäten.

Die Situation änderte sich jedoch schlagartig, als die NATO 1979 ihren Doppelbeschluss fasste, Mittelstreckenraketen mit minimaler Vorwarnzeit zu stationieren. Die größte Friedensmobilisierung, die es jemals in Deutschlang gegeben hatte entstand aus Menschen der vielfältigsten sozialen Bewegungen aus dem ganzen

Land. Ziviler Ungehorsam und gewaltfreie Aktionsformen gewannen große Verbreitung. Die Entspannungs- und Abrüstungspolitik Gorbatschows hatte eine neue Flaute der Friedensbewegung zur Folge. An dieser Stelle ist auch der Fall der Mauer im Oktober 1989 zu erwähnen, was ebenfalls die Friedensbewegung abflauen lies, da die Blockkonfrontation und die drohenden kriegerischen Auseinandersetzungen anscheinend entschärft waren.

Erst der Krieg am Golf weckte wieder Bewegungen auf und verursachte Proteste auf den Strassen, bei denen viele junge Leute beteiligt waren. Während Deutschland nicht unmittelbar betroffen war, also nicht aktiv an den kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt war, verlagerte sich die Bewegung auf die Wiederherstellung des Friedens im ehemaligen Jugoslawien. Statt in der Bundesrepublik Proteste zu organisieren, verlagerte sie ihre Aktivitäten hin zum Platz des Geschehens. Mittels Reisen in verschiedene Gebiete unterstützte sie die Friedensbewegung vor Ort. So wurden technische Hilfsmittel wie Fax und Computer verschickt. Die meisten Aktivitäten gingen allerdings in Richtung humanitärer Hilfe für die Zivilbevölkerung. In dieser Zeit lösten verschiedene militärische Interventionen der USA und anderer Staaten, wie die Bombardierung Serbiens keine massiven Proteste aus.

Im Gegensatz dazu trat die Friedensbewegung während des Angriffskrieges der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien 1999 („Kosovokrieg“) wieder durch massive Proteste in das Blickfeld Öffentlichkeit.

3.0 Unterscheidungskriterien von Partei und Bewegung

Definition

Parteien Bewegungen

Sind organisierte Zusammenschlüsse von sozial und/oder interessenmäßig und/oder durch gemeinsame Ziele verbundenen Teilen des Volkes (auf der Grundlage eines Programms) und streben danach, die Ausübung von staatlicher Macht bzw. ökonomischer und außerökonomischer Herrschaft in ihrem Sinne zu gestalten.

Ist ein mobilisierender kollektiver Akteur, der mit einer gewissen Kontinuität auf der Grundlage hoher symbolischer Integration und geringer Rollenspezifikation mittels variabler Organisation- und Aktionsformen das Ziel verfolgt, grundlegenderen sozialen Wandel herbeizuführen, zu verhindern oder rückgängig zu machen.

Organisation

Sind Organisationen mit formal geregelter hierarchischer Binnenstruktur, Mitgliedschaft, Arbeitsteilung, hohe Rollenspezifikation und feste Abgrenzung zur Umwelt.

Sind keine Organisationen, sondern mobilisierte Netzwerke sozialer Gruppen bzw. Netzwerke mit komplexer Struktur unmittelbarer Interaktion durch Freundschaften, Mehrfachmitglied- schaften, Bekanntschaften, Koordinations-

zentralen, Versammlungen, Arbeitskreise, Zeitschriften..

Ziele

In erster Linie Erwerb der Macht im Staat und des Einflusses im Bereich der öffentlichen Herrschaft. Stellt nach deren Sicht das entscheidende gesellschaftliche Macht- und Steuerungszentrum dar.

In erster Linie die Lösung globaler Fragen, gesellschaftlicher Wandel.

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Details

Titel
Neue Soziale Bewegungen am Beispiel der Friedensbewegung
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V101004
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit habe ich zusammen mit meinem Studienkollegen Ulli verfasst.
Schlagworte
Neue, Soziale, Bewegungen, Beispiel, Friedensbewegung
Arbeit zitieren
Andreas Selz (Autor), 2001, Neue Soziale Bewegungen am Beispiel der Friedensbewegung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101004

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