Zypern - Belegarbeit


Facharbeit (Schule), 1998

29 Seiten, Note: 1


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1. Vorwort

Zypern, ein beliebtes Urlaubsland, doch nur wenige wissen, daß die Insel ein Spannungsfeld verschiedener nationalistischer Interessen ist.

Nicht nur für die Zyprioten ist der Zypern-Konflikt eine Belastungsprobe, vielmehr sind darin die NATO-Partner Griechenland und Türkei mit gegensätzlichen Interessen involviert. Doch auch Weltmächte, wie die USA und Rußland sind an Zypern interessiert und somit bedeutsam für den Konflikt.

Daß man auch heute noch von „Zyperngriechen“ und „Zyperntürken“ spricht, macht die gesellschaftliche Tragweite des Zypern-Konfliktes deutlich. Es gibt kein zyprisches Volk und es gibt auch keine zyprische Nation. Auch gibt es keine zyprische Kultur, denn Zypern gehörte immer zu den Kulturen, die die Gegend beherrschte.

2. Geographische Lage und historische Einordnung Zyperns bis 1960

Zypern ist die drittgrößte Insel im Mittelmeer. Sie befindet sich etwa 100 km westlich von Syrien und rund 70 km südlich der Türkei. Die maximale Ausdehnung, gemessen vom Kap Andreas im Nordosten bis zum westlichen Küstenabschnitt, beträgt 224 km. Das Land umfaßt 9251 km2 und liegt auf dem 35.Grad nördlicher Breite und dem 33.Grad östlicher Länge. Die Hauptstadt und zugleich größte Stadt der Insel ist Nikosia. Zypern hat eine Küstenlinie von ca. 700 km, die verschiedene Naturräume umfaßt. Im Nordosten verengt sich die Insel zur Halbinsel Karpasia (Karpas), die weit nach Osten in Richtung der syrischen Küste vorspringt.

Erste Anzeichen menschlicher Siedlungen auf Zypern stammen aus der Jungsteinzeit um 6000 v. Chr. Im ersten Jahrhundert v. Chr. wurden kleine Stadtstaaten nach dem Modell eines griechischen Stadtstaates errichtet. Es kam zur Ausbreitung der griechischen Kultur und Weltanschauung auf Zypern. Von 322 v. Chr. bis 58 v. Chr. war die Insel hellenistisch aber nicht „griechisch“, da ein Griechenland im eigentlichen Sinne noch nicht existierte. Von 58 v. Chr. bis 330 n. Chr. war Zypern römische Provinz. Wichtig für diesen Zeitraum war die Einführung des Christentums. Von 330 bis 1191 gehörte Zypern zu Byzanz. Anschließend folgte die venezianische Herrschaftsperiode von 1489 bis 1571. Während der Osmanischen Herrschaft von 1571 bis 1878 herrschte eine schlechte ökonomische Situation im Osmanischen Reich. Folglich beschlossen viele Osmanen auf Zypern ein neues Leben zu beginnen. Im Laufe der Jahrzehnte entstand daraus die türkische Volksgruppe, die heute etwa ein fünftel der Gesamtbevölkerung ausmacht. Am Ende der Osmanischen Herrschaft waren 24,2 Prozent der Gesamtbevölkerung Türken. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es weniger einen Konflikt zwischen den Religionsgruppen, sondern vielmehr einen Konflikt zwischen den Klassen, denn die beiden unterschiedlichen ethnischen Volksgruppen lebten friedlich zusammen. Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches im osmanisch-russischen Krieg von 1877/78 schloß der Sultan am 4. Juni 1878 einen Beistandspakt mit Großbritannien, der sein Reich gegen zukünftige russische Angriffe schützen sollte. Im Berliner Kongreß erlangte Großbritannien die Administration über Zypern. Da das Osmanische Reich auf deutscher Seite in den Krieg eintrat, hielt sich Großbritannien nicht mehr an die Konvention von 1878 und annektierte Zypern am 5.November 1914. Am 10.März.1925 wurde Zypern von Großbritannien zur Kronkolonie ernannt. Obwohl die türkischen Zyprioten ihren Status als beherrschende Schicht verloren, widersetzten sie sich dem neuen Herrscher nicht. Dies führt jedoch zu einer verstärkten Emigration von türkische Zyprioten in die Türkei. Die Zahl wird auf 6000 bis 8000 türkischen Zyprioten bis zum Zweiten Weltkrieg geschätzt. Am 21.Oktober 1931 kam es zu den ersten Unruhen unter britischer Herrschaft. Obwohl Zypern nie direkt an den Kampfhandlungen involviert war, zogen ca. 25 000 griechische und türkische Zyprioten für Großbritannien in den Krieg. Am 1.April 1955 begann die Aufruhr gegen Großbritannien, die von der EOKA getragen wurde und am 21.Juni 1955 kam es zu einem Anschlag auf ein britisches Polizeiministerium im türkischen Viertel Nikosias. Später wurden auch Inseltürken in das Geschehen involviert. In Paphos wurde am 11.Januar 1956 ein hoher zypern-türkischer Polizeibeamter ermordet. Dieses Geschehen markiert mit einigen anderen Zwischenfällen den Beginn des „ Ersten Zypriotischen Bürgerkrieges“, der seinen Höhepunkt 1958 erreichte. Während des Bürgerkrieges starben 300 Zyperngriechen und 150 Zyperntürken. Am 16.August 1960 erlangte Zypern seine Unabhängigkeit; der Erzbischof Makarios wurde Präsident der Republik.

3. Ursachen des Konfliktes

Die Ursachen des Zypernkonfliktes sind hauptsächlich auf zwei Faktoren zurückzuführen: auf die britische Kolonialpolitik, sowie auf die strategisch wichtige Lage Zyperns.

Die Briten gingen davon aus, daß es keine Gemeinsamkeiten zwischen den Angehörigen der beiden ethno-religiösen Gruppen gibt, wodurch es zur Ausweitung der bestehenden Trennung der beiden Volksgruppen im religiösen Bereich und im Bereich der Verwaltung kam. Im schulischen Bereich kam es durch die britische Kolonialpolitik ebenfalls zu einer strikten Trennung zwischen griechischen und türkischen Zyprioten. Die verschiedenen Schulen lehrten in unterschiedlichen Sprachen und unterrichteten eine unterschiedliche Geschichte und Ideologie, was wiederum zur Entfremdung voneinander führte. In der Verwaltung nahmen die Briten bevorzugt türkische Zyprioten auf und setzten sogar beim Aufstand der griechischen Zyprioten gegen die Briten 1955 türkisch-zypriotische Polizisten gegen die griechischen Demonstranten ein. Durch die Verwaltungspraxis der britischen Kolonialpolitik wurde die Entwicklung des Nationalgefühls der griechischen und türkischen Zyprioten im verstärktem Maße gefördert, so daß die britische Kolonialpolitik als ein konfliktverstärkender Faktor zu betrachten ist. So zum Beispiel wirkte das dualistisch aufgebaute Schulsystem fördernd für die Entwicklung des Nationalismus. Es kam zur Entwicklung zweier differenzierter Ideologien. Die Zyperngriechen forderten die Enosis, den Anschluß an Griechenland, wohingegen die Zyperntürken sich für Taksim, die Teilung Zyperns einsetzten. Nach 1931 kam es zur Ausbreitung der Enosis- Ideologie, die insbesondere durch die britische koloniale Bildungspolitik hervorgerufen wurde, indem man den religiösen Gruppen volle Autonomie gab, so daß Lehrer und Schulbücher aus Griechenland eingeflogen werden konnten. „Generationen von Dorfkindern wurde die Forderung nach Enosis schon mit dem Alphabet beigebracht und damit zum unverständlichen Kriterium ihrer nationalen Zugehörigkeit“. (zitiert nach Archiv der Gegenwart) Nach dem Beginn des griechischen Nationalismus setzte schließlich daraufhin auch der türkische Nationalismus ein. Die Ideen der türkisch-nationalen Bewegungen wurden ebenso gefördert wie der griechische Nationalismus, denn man ließ es ebenfalls zu, daß türkische Bücher und Lehrer nach Zypern eingeflogen wurden, die die Taksim-Ideologie verbreiteten. Die „divide et impera“-Politik („Teile und Herrsche“; das heißt: Säe Zwietracht über die, über die du herrschen willst.) der Briten fand in Zypern als konsequente Herrschaftsmethode Anwendung. Der erwachte türkisch-zypriotische Nationalismus wurde als Instrument gegen den griechisch-zypriotischen Befreiungskampf und gegen diese Volksgruppe benutzt, um dadurch den griechisch-zypriotischen Nationalismus zu beugen und die eigenen politischen und wirtschaftlichen Interessen zu wahren. Mit der Entstehung des israelisch-arabischen Konfliktes wurde die strategische Lage Zyperns für die Interessen Großbritanniens und später auch für die der NATO, nach Einschaltung des sowjetischen Faktors in den Konflikt, unentbehrlich. Für die britische Führung war Zypern ein unsinkbarer Flugzeugträger und wurde für strategische Zwecke genutzt. Außerdem konnte mit Hilfe der geographisch wichtigen Lage der Insel der See- und Landweg nach Indien gesichert werden. Die Insel galt zudem als Kontrollpunkt des Suez-Kanals. Im Juni 1954 wurde auf Zypern als Punkt für eventuelle britische Militäroperationen im Nahen Osten das Land-, Luft-, Marine-Middle East Command verlegt. Dadurch spielte Zypern zum ersten Mal eine eigene Rolle innerhalb der britisch strategischen Planung.

Es finden sich jedoch auch einige konfliktauslösende Faktoren in der Zeit nach der britischen Kolonialpolitik, denn schon vor der Verfassungsänderung durch Präsident Makrios im Dezember 1963 kam es zu etlichen kleinen Umformulierungen, die die Zyperntürken in ihren Rechten beschnitten. Schließlich verkündete Makarios am 30. November 1963 die Änderung von 13 Punkten der Konstitution, wodurch der politische Einfluß der Zyperntürken erheblich sank. Diese einseitigen Verfassungsänderungen provozierten am 21. Dezember 1963 den Beginn des zweiten zypriotischen Bürgerkrieges.

Am 15.Juli 1974 putschten die Nationalgarde und die festlandgriechische Armee gegen Makarios III. und provozierten damit das Einschreiten der türkischen Armee am 20.Juli 1974.

3.1 Konfliktparteien und ihre Ziele

Die am stärksten involvierten Konfliktparteien am Zypern-Konflikt waren bzw. sind Griechen, Türken sowie Zyperngriechen und Zyperntürken.

Die Zyperngriechen waren auf Zypern schon immer die „Mehrheit“ und mit ca. 80% an der Gesamtbevölkerung Zyperns vertreten. Sie betrachteten sich als das eigentliche Volk von Zypern, wie Erzbischof Makarios am 14. März auch bestätigt:

„Zypern ist griechisch und war griechisch seit Anbeginn seiner Geschichte und es wird griechisch bleiben. Griechisch und ungeteilt haben wir es übernommen, griechisch und ungeteilt werden wir es erhalten, griechisch und ungeteilt werden wir es an Griechenland ausliefern.“, und erhielten immer Unterstützung von ihrem „Mutterland“ Griechenland. Ihre Selbsteinschätzung stützt sich vor allem auch auf folgende zwei Faktoren: die zahlenmäßige Überlegenheit auf der Insel und die Berufung auf die jahrtausende alten Bindungen zwischen Zypern und Griechenland. Die Zyperngriechen hätten „ältere Rechte“ und so seien türkische und britische Herrschaft als Fremdherrschaft und die Anwesenheit der Zyperntürken als „Betriebsunfall“ der Geschichte zu sehen. Die Zyperntürken seien demnach in dem „griechischen Land Zypern“ nur als eine Minderheit geduldet. Das Ziel der Griechen war Enosis, das heißt der Anschluß an Griechenland und ist somit mit der „Megali Idea“ (Große Idee), das heißt die Gründung eines großen griechischen Staates gleichzusetzen. Sie gründeten daraufhin die Organisation EOKA. Dies war eine Untergrundorganisation (Nationale Organisation der zypriotischen Kämpfer), die auf Initiative von den nationalen Rechten unter Oberst Grivas und Makarios gegründet wurde. Mit blutigen Auseinandersetzungen versuchte die EOKA unter Grivas die britische Herrschaft loszuwerden, um danach Enosis verwirklichen zu können. Die Zusammenarbeit zwischen Makarios und Grivas bestand bis Mitte der 60er Jahre. Der Bruch der Beziehung erfolgt, als sich Makarios gegen die Enosis stellte und Zypern als souveränen und unabhängigen Staat erhalten will. Grivas gründete daraufhin die EOKA II, die im Untergrund gegen Makarios und die Türkei agierte und von griechischen Offizieren in Zypern unterstützt wurde. Die EOKA II behauptete, daß Makarios die nationale Sache der Enosis verraten habe und verübte deshalb unter anderem mehrere Terroranschläge auf Makarios zu Beginn der 70er Jahre. Nach dem Tod von Oberst Grivas, der am 27. Januar 1974 an einem Herzinfarkt in Limassol starb, übernahm Dighenis-Akritas die Führung der EOKA II. Die Gründung sowie die Aktionen der EOKA II riefen auf türkisch-zypriotischer Seite die Gründung der TMT (türkische Verteidigungsorganisation) hervor.

Die Zyperntürken dagegen waren, wie schon erwähnt, auf Zypern immer eine Minderheit und mit ca. 20% an der Gesamtbevölkerung Zyperns vertreten. Sie wurden von ihrem „Mutterland“ Türkei unterstützt. Das Ziel der Zyperntürken sowie der Türken war Taksim, das heißt, die Teilung Zyperns. Diese wurde, wie schon gesagt, durch die Gründung der EOKA II hervorgerufen. Die Zyperntürken gründeten daraufhin die Verteidigungsorganisation Volcan, die im November 1957 in TMT umbenannt wurde. Der Anlaß für die Gründung dieser Widerstandsorganisation waren die Straßenkämpfe 1956 in Zyperns Hauptstadt Nikosia. Daraufhin wurde im Sommer 1956 in Nikosia für eine Woche Ausgangssperre verhängt; die Gründung der TMT war demzufolge eine „Antwort“ auf die inselgriechischen „Aggressionen“. Der Anführer dieser Organisation war Rauf Denktasch. Die Ziele der TMT waren der Widerstand gegen alle EOKA-Aktivisten, die Vereinigung zyperntürkischer Widerstandsgruppen und deren Eingliederung in die TMT, Vergeltungsmaßnahmen unternehmen, den Kontakt zur Türkei pflegen sowie den Zusammenhalt der Volksgruppe fördern. Der Terror einer dieser Widerstandsgruppen produziert sofortigen Gegenterror.

3.2 Geschichtliche Hintergründe des Konflikts

Die strategische Bedeutung Zyperns gewann erst im 20. Jahrhundert an Gehalt. Mit der Entwicklung des Nationalismus in Griechenland und der Türkei begründen sich direkt die Geschehnisse von 1974. Sowohl der griechische als auch der türkische Nationalismus haben dazu beigetragen, daß Zypern heute geteilt ist. Griechische Schulbücher und Lehrer beeinflußten die zypriotischen Schüler auf negative Weise, so daß der griechische Nationalismus binnen kürzester Zeit eine große Popularität auf Zypern erreichte. Griechenland sandte Lehrer auf die Insel, die dort die Aufgabe hatten, die Zyprioten zu „manipulieren“, mit dem Ziel, die Unterwerfung Zyperns leichter erreichbar zu machen. Zypern durchlitt während der ersten Jahre britischer Herrschaft eine schmerzliche Trennung der Volksgruppen. Dies wurde (bewußt oder unbewußt) durch die englische Krone gefördert, die durch die Klassifizierung der Gesellschaft in „Türken“ und „Griechen“ den Grundstein für den späteren Konflikt zwischen den Volksgruppen legte. Als das Osmanische Reich an der Seite des Deutschen Reiches in den Ersten Weltkrieg eintrat, brach es die Vereinbarungen von Berlin, so daß Großbritannien Zypern annektieren konnte. Um erneut den Enosis-Forderungen entgegenzutreten, machte die britische Krone 1917 alle Zyprioten zu britischen Staatsbürgern. 1882 wurde die britische Verfassung erstmals geändert. Der Gesetzgebende Rat setzte sich nun aus sechs Briten, neun Griechen und drei Türken, also mit insgesamt 18 Mitgliedern neu zusammen. Aus dieser Zusammensetzung ging eine eindeutige Unterdrückung der Türken hervor. Am 10. März 1925 erklärte die britische Krone Zypern zur Kronkolonie. Dies hatte schwerwiegende Folgen für beide Bevölkerungsgruppen. Die Zyperngriechen mußten nun endgültig auf die Enosis verzichten und bei den Zyperntürken setzte, aufgrund ihrer Unterdrückung durch Großbritannien, eine Welle der Abwanderung ein. Die Zahl der Emigranten wird bis zum Zweiten Weltkrieg auf 6000 bis 8000 geschätzt. Es entstand die Nationale Radikale Union Zyperns, die EREK, eine aufmüpfige Organisation, deren Hauptziel es war, den Briten das „Leben schwer zu machen“, um sie so langsam von der Insel zu vertreiben. Für Großbritannien zogen 1939 ca. 25.000 Zyprioten, das heißt Griechen und Türken, in den Krieg, was Zypern zum Beteiligten am Krieg machte. Auch nach Ende des Krieges wurde Zypern entgegen den Hoffnungen nicht an Griechenland angeschlossen. Die Folge dessen war, daß sich die Enosis-Bewegungen langsam wieder begannen zu formieren. In der Verfassung von 1960 waren wieder Einschränkungen der Zyperntürken ersichtlich. So sollte der Präsident immer ein Zyperngrieche und der Vizepräsident immer ein Zypertürke sein. Nach den Verträgen von London und Zürich sollten die Stellen im öffentlichen Dienst zu 30% an Zyperntürken und zu 70% an Zyperngriechen vergeben werden. Dabei wurden Bewerber, die weniger gut oder gar nicht qualifiziert waren, aufgrund ihrer politischen Einstellung besser qualifizierten Kandidaten vorgezogen. In den fünf wichtigsten Städten entstanden getrennte griechische und türkische Gemeinschaften. Bis zum März 1964 siedelten 25.000 Türken um. Somit bildeten sich 400 rein griechische und 120 rein türkische Orte heraus, die sich jedoch alle in gemischter Lage befanden. Am 4. März 1964 beschloß der Weltsicherheitsrat, eine UNO-Friedenstruppe in Zypern aufzustellen. Das Zusammenleben zwischen Zyperntürken und Zyperngriechen war in der Geschichte immer friedlich verlaufen, sogar als sich ihre Mutterländer im Krieg befanden. Die Insel blieb von Nationalkämpfen des 19. Jahrhunderts und des ersten Viertels des 20. Jahrhunderts ausgenommen. Diese Tatsache verdeutlicht die Auswirkungen der britischen Kolonialpolitik auf das Zusammenleben beider Volksgruppen in Zypern. „Das Übergreifen der türkischen und der griechischen Nationalbewegung auf Zypern sowie die britische Kolonialpolitik, (...), führten zu einer allmählichen Beendigung der Zusammenarbeit beider Volksgruppen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens.“, so lautet ein Zitat nach Barbara Hahn. Die Briten betrieben eine „divide et impera“-Politik, was soviel bedeutet wie „Teile und Herrsche“ (im Sinne von: Säe Zwietracht über die, über die du herrschen willst). Die Bedrohung der britischen Kolonialherrschaft durch die griechischen Zyprioten steigerte das Bedürfnis der türkischen Zyprioten und der Briten, sich untereinander gegen die Enosis- Anhänger zu solidarisieren. Demzufolge „bevorzugten“ die Briten die türkischen Zyprioten und betrachteten die griechischen Zyprioten als ihre Gegner. Am 24. September 1954 wurde die Zypernfrage vor die Vereinten Nationen getragen. Dieses Ereignis stellte den Anfang einer offiziellen Zypernpolitik dar und wird auch als der Beginn des Konflikts betrachtet.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß weder die Regierung des Ministerpräsidenten und Feldmarschall Papagos, noch Karamanlis die innenpolitischen Voraussetzungen erfüllten, um den außenpolitischen Streit entfesseln zu können. Vielmehr waren es die Verflechtung Zyperns mit den britischen Nahostinteressen, die Unfähigkeit der UNO-Vollversammlung, aufgrund der Großmachtinteressen effektive Beschlüsse zu fassen, und die ständig wechselnde Schärfe des Gegensatzes zwischen griechischen und türkischen Zyprioten.

3.3 Maßnahmen der Konfliktparteien

Die griechische Seite ging taktisch sehr geschickt vor: Nach außen hin mußte man darstellen, daß die Inselgriechen die eigentlichen „Zyprioten“ seien, denn nur so konnte man international auch als Sprachrohr der gesamten Insel anerkannt werden. Genau dies erreichten die Zyperngriechen auch. Um die unterschiedlichen militärischen Gruppen der Inselgriechen zu legalisieren, wurden sie unter dem Decknamen Nationalgarde vereint. Die EOKA kämpfte für die Vereinigung von Zypern mit Griechenland. Daraufhin folgte 1955 der Beginn des Befreiungskampfes der zyperngriechischen Guerilla, der sich in bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen griechischen und türkischen Zyprioten äußerte. Außerdem begann am 1. April desselben Jahres ein Aufstand der Widerstandsorganisation EOKA gegen die britische Verwaltung, der von den Zyperngriechen als reiner Befreiungskampf gegen die britische Kolonialherrschaft betrachtet wird, an dem sich die Zyperntürken nicht beteiligten. Im Bürgerkrieg 1963/64 gab es erneut blutige Auseinandersetzungen zwischen Zyperngriechen und Zyperntürken, die aber durch den Einsatz einer UNO-Friedenstruppe beendet wurden. Zu diesen Zusammenstößen gehörte unter anderem der 21. Dezember 1963, bei dem 1000 türkische und 200 griechische Zyprer ums Leben kamen. Es begannen daraufhin Straßenkämpfe in Nikosia und Paphos. Am 17. Januar 1964 appellierte der Präsident Makarios an den UNO-Generalsekretär Sithu U Thant, die UNO möge den Schutz Zyperns übernehmen. Aufgrund ihrer Unzufriedenheit mit dem Beschluß des Weltsicherheitsrates drohte die Türkei am 13. März 1964 mit einer Invasion auf Zypern. Am 7., 8. und 9. August 1964 bombardierten dann türkische Düsenbomber Ortschaften im Nordwesten der Insel, östlich der Hafenstadt Polis. Diese Bombardierung wurde noch zusätzlich durch die Besetzung eines Ortsteils in diesem Gebiet seit dem 5. August von griechischen Zyprioten unterstützt. Aufgrund dieser zahlreichen Zusammenstöße verließen viele Inseltürken ihre Heimatdörfer, und es entstanden daraufhin ländliche türkische Enklaven und städtische Ghettos. Auch verließen die zyperntürkischen Vertreter das Parlament und die Regierung. 1936/64 geschah dann auch die erste größere Umsiedlungsaktion, bei der türkisch- zyprische Einwohner 21 von 112 rein türkischen Siedlungen aufgaben und 59 von 146 ehemals gemischt bewohnten Dörfern verließen. Im Frühjahr 1967 folgten dann weitere Spannungen und der Schlußwechsel zwischen griechischen und türkischen Zyprioten auf Zypern. Die Türkei drohte abermals mit einer Invasion auf Zypern. Daraufhin erklärte sich die griechische Regierung zur Konzession bereit, falls eine türkische Invasion nicht stattfände. Unter dem Befehl Grivas’ verlegte Griechenland heimlich etwa 10.000 Mann von Kreta nach Zypern. Ende Juli 1967 kam es bei Agios zu Schießereien zwischen den dortigen türkischen Minderheiten und der zypriotischen Polizei. Als die türkische Minderheit Warnschüsse abgab, war die Antwort der Patrouille die völlige Vernichtung der türkisch-zypriotischen Quartiere. Daraufhin ordnete die Türkei eine Generalmobilmachung an, somit wurden die türkischen Einheiten an der Grenze zu Griechenland verstärkt. Am 15. Juli 1974 kam es dann zum Putsch der griechischen Offiziere von der britischen Nationalgarde auf Makarios. Nach zwei Tagen blutiger Kämpfe, also am 17. Juli, brach nun der Widerstand Makarios-treuer Kämpfer zusammen. Am 20. Juli 1974 landeten dann türkische Truppen an der Nordküste bei Kyrenia und aus der Luft bei Nikosia auf Zypern, damit begann eine immer fortlaufende Verstärkung der Truppen aus der Türkei auf Zypern. Die Türkei unternahm folgend am 14. August 1974 die zweite Invasion und türkische Truppen führten aus dem Kyrenia-Nikosia-Raum heraus einen Angriff nach Osten und Westen durch. Doch diese Invasion erfolgte in Übertretung der Resolution des UN-Sicherheitsrates, der zur Feuereinstellung und zum Truppenabzug aufrief. Das Ergebnis dieser Landung türkischer Truppen waren 37% der Insel, die die türkische Armee erobern konnte. Diese 37% entsprachen aber 70% des Wirtschaftspotentials von Zypern. Daraufhin flüchteten ca. 165 000 griechische Zyprioten vor der türkischen Armee. Im Süden dagegen flüchteten türkische Zyprioten auf die autonomen Basen und in den Norden. Am 16. August 1974 konnte dann der gesamte Nordosten Zyperns bis zur Linie Legka-Nikosia-Famagusta erobert werden. Erst am selben Tag wurden dann die Kampfhandlungen eingestellt. Die zweite türkische Militäraktion löste in Griechenland antiamerikanische Reaktionen aus, somit zog sich die griechische Regierung am 14. August 1974 aus der internationalen Verteidigungsorganisation, der NATO, zurück. Denktasch proklamierte am 14. Februar 1975 den „Türkischen Bundesstaat auf Zypern (Türkish Federated State of Cyprus), doch dieser wurde international nicht anerkannt und von griechischen Zyprioten kritisiert. Im November 1975 unterbreitete dann Griechenland den Vorschlag zur Reintegration (Wiedereingliederung) in die NATO. Daraufhin knüpfte die Türkei an ihr Vetorecht innerhalb der Allianz und blockierte die Rückkehr Griechenlands in die NATO. Am 15. November 1983 wurde der Nordteil Zyperns einseitig zur unabhängigen „Türkischen Republik von Nordzypern“ proklamiert, die auch heute noch einzig von der Türkei anerkannt ist.

Obwohl Zyperngriechen und Zyperntürken gleichermaßen am Konflikt beteiligt waren, haben sie doch sehr unterschiedliche Sichtweisen über den Beginn und das Ende dieses Problems. So beginnt für die Zyperngriechen der Zypernkonflikt 1974 mit der türkischen Landung, die sie „Invasion“ nannten. Der Schwerpunkt des Konflikts ist für sie die Flüchtlingsfrage. Für die Zyperntürken dagegen endet der Zypernkonflikt 1974 mit der türkischen Landung, die sie „Friedensoperation“ nannten. Da die türkischen Zyprioten einmal zum Eingreifen gezwungen waren, wollten sie den Zypernkonflikt endgültig lösen, da sie nicht bereit waren, sich mit einer Wiederherstellung der Vorkriegssituation zu begnügen. Der Schwerpunkt des Konflikts ist für sie die Verfassungsfrage.

4. Verlauf des Konflikts

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden immer mehr Staaten von ihren früheren Kolonialmächten unabhängig. So wollten auch die Zyperngriechen die britische Herrschaft loswerden. Daher beschloß der junge Erzbischof Makarios III., die Enosis voranzutreiben. Er startete eine Offensive für den Anschluß an Griechenland und brachte den Fall am 24. September 1954 vor die Vereinten Nationen. Dieser Zeitpunkt wird als Beginn des Zypernkonfliktes bezeichnet. Schließlich gründeten Grivas und Makarios eine Untergrundorganisation, die EOKA, zu deren Chef Grivas wurde. 1955 begann der EOKA Kampf gegen die Briten. Je mehr der griechische Druck durch die EOKA auf Großbritannien wuchs, desto stärker brachten die Kolonialherren die zypriotischen Moslems ins Spiel. In London hieß es, daß ein verbleiben der Truppen notwendig sei, um die türkische Minderheit vor der christlichen Mehrheit zu schützen. Um diesem Argument mehr Gewicht zu verleihen, schaltete Großbritannien die Türkei ein. Deren Außenminister Koprulu erklärte daraufhin, daß Zypern eine Fortsetzung des Festlandes ist und deshalb der Türkei zurückgegeben werden muß. Durch diese Forderung war die Konstellation hergestellt, die Zypern bis heute prägt. Mitte der 50er Jahre nahmen die Türkei und Griechenland für jeweils ihrer Volksgruppe Partei. Der Streit darum, wer auf der Insel regieren sollte, wurde zum internationalen Konflikt, zum Streit zwischen den zwei NATO- Partnern. Mit türkischer Hilfe wurden politische Organisationen für die moslimischen Zyprioten etabliert, die die Ziele Ankaras vertraten. Erst verlangten die Zyperntürken die Rückgabe Zyperns an die Türkei, ab 1957 forderten sie jedoch die Teilung in einen türkischen und einen griechischen Teil. Dieser nationale Streit war noch kein Konflikt unter der Bevölkerung, sondern spielte sich nur auf diplomatischen Parkett ab. Die Entzweiung der beiden Volksgruppen erfolgte erst durch die Entscheidung auf zyperngriechischer Seite, die Enosis (Anschluß an Griechenland) mit Hilfe eines Guerillakampfes zu erreichen. Grivas und Makarios bestimmten weitestgehend die zyperngriechische Entwicklung. Mit Hilfe der EOKA begann Grivas 1955 den Partisanenkampf mit Bombenanschlägen, Sabotagen und Hinrichtungen von britischen Militärangehörigen. Dieser Kampf ging bald nicht mehr nur gegen britische Staatsbürger, sondern auch gegen 200 links gerichtete Zyprioten, die sich nicht stark genug für die Enosis einsetzten. Durch das Bestreben der Zyperngriechen nach Enosis verlangten die Nationalisten auf zyperntürkischer Seite Taksim (die Teilung Zyperns). Von den Briten wurden die Zyperntürken zur Hilfstruppe gegen die EOKA und gegen die Enosis-Bestrebungen der Zyperngriechen eingesetzt.. Großbritannien gründete eine Anti- Terrot-Einheit, die aus türkischen Zyprioten bestand, und die folglich auch in Konflikt mit der EOKA involviert wurde. Die türkischen Nationalisten unter der Führung von Rauf Denktasch bildeten, aufgrund der Gründung der EOKA, die "Türkische Verteidugungs-Organisation" (TMT), die gegen die Enosis und gegen griechenfreundliche Landsleute kämpften. Die zyperngriechische Guerilla begann die türkischen Zyprioten als Feinde anzusehen und somit war das Blutvergießen abzusehen. Am 1. April 1955 detonierte ein Sprengsatz vor dem britischen Polizeihauptquartier in Nikosia. Dieses Ereignis markierte den Beginn des Kampfes gegen die britische Herrschaft, der im Bürgerkrieg endete. Dieser Tag wurde als "Tag der EOKA" bezeichnet, denn "Am selben Tag proklamierte die EOKA ihre Existenz auf Flugblättern, die von Grivas unterschrieben waren". Zu Beginn war es ein Kampf zwischen der EOKA und der britischen Polizei, später wurden aber auch Inseltürken in das Geschehen involviert. Es gab immer wieder Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen, da Griechenland unbedingt die Enosis durchsetzen wollte. Die Türkei lehnte sich immer wieder dagegen auf. Am 21. Juni 1955 kam es zu einem Anschlag auf das britische Polizeiministerium im türkischen Viertel Nikosias und am 11. Januar 1956 wurde in Paphos ein hoher zyperntürkischer Polizeibeamter ermordet. Der Höhepunkt des aufflammbaren Bürgerkriegs wurde im Jahr 1958 erreicht. Das Ergebnis der zahlreichen Zusammenstöße war die zeitweilige Teilung der Stadt Nikosia in ein Türken- und

Griechenviertel. Insgesamt verloren während des Bürgerkriegs ca. 300 Zyperngriechen, 150 Zyperntürken und ebenso viele Briten ihr Leben. Im Februar 1959 trafen sich Vertreter Großbritanniens, Griechenlands und der Türkei. Sie schlossen die Züricher und Londoner Verträge zur Unabhängigkeit, die aus zwei Teilen bestehen: 1. Ein kompliziertes Regelwerk, daß die Verfassungsprinzipien und die Beteiligung der Volksgruppen an der Machtausübung des neuen Staates festhält und 2. Garantie- und Bündnisverträge, die Teil der Verfassung sind. Jeder mögliche Konflikt sollte durch die Verfassung regelbar sein. Es gab nun getrennte Abstimmungsblöcke im Parlament, eine getrennte Stadtverwaltung und getrennte Vertreter in der Regierung und in den Gerichten. Der Präsident war ein Grieche und sein Vize ein Türke, wodurch die Trennung zementiert wurde. Wirklich unabhängig war Zypern jedoch noch nicht. Am 13. Dezember 1959 wurde Erzbischof Makarios zum Präsidenten gewählt, sein Vize wurde der Zyperntürke Fazil Kücük. Das Abkommen über die Unabhängigkeit Zyperns wurde am 07.Juli 1960 in Nikosia von Lulian Amercy, Staatssekretär im Kolonialministerium Großbritanniens, Makarios als Präsident von Zypern, Kücük als Vizepräsident, sowie von diplomatischen Vertretern Griechenlands und der Türkei unterschrieben. Viele sahen die Unabhängigkeit als Zwischenlösung zur Enosis oder zur Taksim. Laut der neuen Verfassung gab es keine Zyprioten mehr, sondern nur Zyperngriechen und Zyperntürken.Von 1960 bis zur Mitte des Jahres 1963 war es friedlich auf der Insel und der Republik gelang in dieser Zeit sogar ein guter wirtschaftlichen Anfang. Schon vor der Verfassungsänderung durch Präsident Makarios (Dezember 1963) kam es zu etlichen kleinen Umformulierungen, die die Zyperntürken in ihren Rechten beschnitten. Der Erzbischof ging weiterhin sehr geschickt vor. Er hatte sich in den ersten zwei Jahren nach der Unabhängigkeit einen Ruf erworben, der es ihm erlaubte, auch Tatsachen zu verdrehen, ohne daß dies auf internationaler Bühne sogleich auf Mißtrauen gestoßen wäre. So stellte der Staatspräsident dar, daß die Zyprioten an der Verfassungsarbeit 1959 gar nicht beteiligt gewesen wären und daher diese ungerechte, dem Volk aufoktroyierte Verfassung zustande gekommen sei. Man hätte dem Regelwerk nur deshalb zugestimmt, weil damit das Ende der britischen Herrschaft erreicht wurde. Die inselgriechische Führung unter Makarios III., dem Parlamentspräsidenten Glafkos Klerides und dem Innenminister Georgadsis, plante weiterhin die zyperntürkische Volksgruppe "mundtot" und handlungsunfähig zu machen. Diese vertrauensbrechende Komplott gegen die Zyperntürken nannten die Obrigen AkritasPlan (nach der Selbstbezeichnung des Innenministers Georgadsis, der sich Akritas nannte). Die Garantie-Verträge sollten als unerwünscht dargestellt werden, um eine mögliche türkische Invasion dann als illegalen Schritt darstellen zu können. Die Gruppe um Makarios ging davon aus, daß nach der Beseitigung der Garantieverträge die "völlige Freiheit" erreicht sein würde, was nichts anderes heißen sollte, als daß die Enosis nun durchgeführt werden könne. Faßt man die Dokumente des Akritas-Plans zusammen, so lassen sich einige Hauptziele erkennen:

a) Der Versuch, international Anerkennung für die Verfassungsänderung zu finden.
b) Die Änderung der Verfassung in wichtigen Punkten, um die türkisch-zypriotische Volksgruppe aus der gemeinsamen Machtverteilung zu drängen (Aufhebung des Partnerschaftsprinzips).
c) Die Ausschaltung der Garantieverträge, um eine türkische Intervention als Aggression gegen eine gut gemeinte Änderung einer arbeitsunfähigen Verfassung darzustellen.
d) Er wollte den Minderheitenstatus für die Zyperntürken statt der gleichberechtigten Partnerschaft (Aufhebung des Partnerschaftsprinzips)

Diese Punkte zielten alle auf die Durchführung der Enosis hin. Der Akritas-Plan ist ein wichtiges Beweisstück gegen die zyperngriechische und griechische Behauptung allgemein, alleine die türkische Seite sei an der Teilung Zyperns schuld. Die Vorstellungen, die durch den Akritas-Plan verwirklicht werden sollte, grenzten teilweise an eine fein durchgedachte Planung eines dann niemals vollzogenden Genozids. 1963 war der Weg dann geebnet, um die Verfassung nach den inselgriechischen Vorstellungen zu ändern. Am 30.November wagte der Erzbischof den Vorstoß. Er verkündete einseitig die Änderung von 13 Punkten der Konstitution. Dies hatte für die Zyperntürken weitreichende Folgen. Ihr politischer Einfluß war gegen "Null" gesunken. Dies sind die 13 veränderten Punkte der Konstitution:

1. Der Präsident und sein Vize verlieren das Vetorecht.
2. Der Vizepräsident übernimmt die Aufgaben des Präsidenten bei dessen Abwesenheit oder Verhinderung.
3. Der Parlamentspräsident und sein türkischer Vertreter werden von beiden Volksgruppen zusammen gewählt.
4. Der Präsident des Parlaments wird bei seiner Abwesenheit durch den Vizepräsidenten des Parlaments vertreten.
5. Das getrennte Abstimmungsverfahren bei bestimmten Gesetzen wird zusammen gelegt.
6. In den Städten mit getrennter Stadtverwaltung werden einheitliche Administrationen eingeführt.
7. Es werden einheitliche Justizverwaltungen eingeführt.
8. Die Aufteilung von Gendarmerie und Polizei soll aufgehoben werden.
9. Die Personalstärke von Armee und Sicherheitskräften wird durch ein Gesetz festgelegt.
10. Der Anteil der Zyperntürken in Armee, Polizei und öffentlichen Dienst wird auf ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung reduziert.
11. Die Kommission zu Vergabe öffentlicher Stellen wird von 10 auf 5 Mitglieder reduziert.
12. Alle künftigen Entscheidungen der Kommission werden in einfacher Mehrheit getroffen.
13. Die Volksgruppenkammer der Inselgriechen wird aufgelöst. Es steht der türkischen Volksgruppe frei, die ihrige ebenfalls abzuschaffen.

Propaganda und Kampagnen gegen die Zyperntürken etablierten sich rasch. Diese machten es den Inseltürken leicht, auch ihrerseits gegen die griechisch-zypriotische Seite zu propagieren. Daß sich aus der Verfassungsänderung ein Bürgerkrieg ergeben würde, das hätten auch die Nationalisten um Makarios und Georgadsis nicht gedacht. Tage nach der Änderung explodierte vor dem Denkmal eines ehemaligen EOKA-Aktivisten eine Bombe. Die Restgruppen der türkischen TMT begannen sich erneut zu bewaffnen, denn die inseltürkische Volksgruppe wollte auf keinen Fall hinnehmen, daß sie ihrer Rechte beraubt würden und daß dadurch der Weg für eine Enosis frei werden könne. Die zwangsweise Leibeskontrolle einer Inseltürkin markierte den traurigen Anfang eines heraufbeschworenen Bürgerkrieges. Die einseitigen Verfassungsänderungen durch Makarios III. provozierten am 21.Dezember 1963 den Beginn des zweiten zypriotischen Bürgerkrieges. Danach kam es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen griechischen und türkischen Zyprioten. Die Kämpfe weiteten sich rasch über die ganze Insel aus. Ehemalige EOKA und TMT- Einheiten wurden reaktiviert und griffen in die Kämpfe ein. Bis zum Jahreswechsel 1963/64 kam es noch zu etlichen weiteren Attentaten und Übergriffen auf beiden Seiten. Hervorzuheben wäre hierbei der zyperngriechische Angriff auf den inseltürkischen Stadtteil von Nikosia, wo Dutzende Menschen ums Leben kamen. Dies hatte zur Folge, daß bis August 1964 ca. 19.000 Zyperntürken ihre Dörfer verließen und in rein türkische Gebiete flohen. Viele Türken flohen aus gemeinsamen Dörfern und Städten in Richtung der Nordküste nahe Nikosia. Dort kam es zur Bildung von Enklaven, wo Dr. Fazil Kücük Führungsperson der Eingeschlossenen wurde. Zusammen mit Rauf Denktasch versuchte er dort einigermaßen gute Lebensverhältnisse zu schaffen. Insgesamt entstanden 400 rein griechische und 120 rein türkische Orte, die sich alle in gemischter Lage befanden. Die Garantiemächte Großbritannien, Griechenland und Türkei richteten am 24. Dezember 1963 einen Appell an die Regierung Zyperns und an die beiden Volksgruppen, die Unruhen zu beenden und einen Waffenstillstand zu vereinbaren. Die Feuereinstellung wurde jedoch nur begrenzt eingehalten. Am 25.Dezember 1963 gaben die Regierungen der Garantiemächte der Regierung von Zypern bekannt, daß sie eine gemeinsame Friedensstreitmacht schaffen wollen, die aus britischen, griechischen und türkischen Streitkräften bestehen werde. Am 26. Dezember 1963 nahm die Regierung Zyperns das Angebot an. Drei Tage später wurde ein politisches Verbindungskommitee geschaffen, welches aus dem britischen Hochkommissar, den Botschaftern Griechenlands und der Türkei und Vertretern beider Volksgruppen bestand. Am 30. Dezember 1963 erklärte der türkische Vizepräsident, daß die Verfassung nicht länger bestehe, da ein Zusammenleben der türkischen mit der griechischen Volksgruppe nicht mehr möglich sei und man eine Teilung der Insel zwischen den beiden Volksgruppen ins Auge fassen müsse. Die kriegsähnlichen Zustände zwischen den Volksgruppen hatten zur Folge, daß Ankara ernsthaft eine Intervention erwog, aber auch London zum Einschreiten bewegen wollte. Makarios hatte vorsorglich bereits am 01. Januar 1964 die Garantieverträge für ungültig erklärt. Am 02. Januar 1964 nahmen Präsident Makarios und sein Vize Kücük das Angebot der drei Garantiemächte an, eine Konferenz in London abzuhalten. Am 15. Januar 1964 war die Eröffnung der Londoner Konferenz, wo die drei Garantiemächte, sowie Delegationen der beiden Volksgruppen teilnahmen. Diese Konferenz blieb jedoch ergebnislos, ohne formell abgeschlossen zu werden. Am 17. Januar 1964 appellierte Makarios an den UNO-Generalsekretär Sithu U Thant, daß die UNO-Friedenstruppe doch den Schutz von Zypern übernehmen möge. Am 04. März 1964 beschloß der Weltsicherheitsrat, eine UNO-Freidenstruppe in Zypern aufzustellen. Damit schaltete sich die UNO erstmals aktiv in den Konflikt ein. Weil die Türkei mit dem Beschluß des Weltsicherheitsrates unzufrieden war, drohten sie mit einer Invasion auf Zypern. Sie verwiesen darauf, daß die griechischen Zyprioten seit dem 21. Dezember 1963 zahllose Mordanschläge gegen türkische Zyprer unternommen hätten, und daß sie das bestehende Regime nur als Ausgangspunkt für die Verwirklichung ihrer eigentlichen Ziele (Enosis) betrachteten. Am 07. Juni 1964 stimmten die zypriotische Regierung und der Führer der türkischen Zyprioten dem UNO-Plan zu. Dieser sieht die Schaffung einer "Freien Zone" vor, in welcher lediglich die UNO die Vollmacht besitzen sollte, Personen zu verhaften, zu suchen und gefangen zu halten. Die Zone sollte entlang der "Grünen Linie" durch Nikosia verlaufen. Vom 13.Juli bis zum 17. Juli 1964 fanden wieder schwere Kämpfe im Gebiet von Kyrenia statt. Durch die Vermittlung des UNO-Kommandos wurde am 17. Juli 1964 der beiderseitige Rückzug der Kämpfenden vereinbart und durchgeführt. Weil die griechischen Zyprioten seit dem 05. August 1964 einen Großteil der Ortschaften im Nordwesten besetzten, bombardierten am 7./8./9. August 1964 türkische Düsenbomber Ortschaften im Nordwesten der Insel, östlich der Hafenstadt Polis. Am 10. August trat dann der Waffenstillstand ein. Es wurde eine internationale Friedenstruppe der Vereinten Nationen (UNFICYP) nach Zypern eingeflogen. Ein Soldat kennzeichnete in Nikosia eine Kampflinie zwischen den Bürgerkriegsparteien mit einem grünen Stift. Dies war die Geburt der "Grünen Linie". Trotz einer Verlängerung des Mandats für die Friedenstruppe schaffte es die UNO nicht zu einer Stabilisierung auf Zypern zu gelangen, vor allem wegen der Pro-Enosis-Tätigkeiten des General Grivas. Bereits in den Resolutionen 186/1964 erkannte die UNO die zyperngriechischen Machthaber als die " Regierung der Republik Zypern" an. Damit beging die UNO einen fatalen Fehler, den sie bis heute nicht mehr recidieren konnte. Sie akzeptierte die Verfassungsänderung und unterstützte Makarios` Politik. Die Teilung kann als weitreichendste Folge des Krieges angesehen werden. Die Situation nach Kriegsende war sehr gespannt. Die Kontakte zwischen den Volksgruppen gingen stark zurück. Das Jahr 1967 brachte zwei größere Einschnitte. Zum ersten fand am 21.April 1967 ein Militärputsch in Griechenland statt, wo die parlamentarische, demokratische Regierung gestürzt wurde und zum zweiten gab es noch die Kophinou-Krise. Heute erkennen die Zypertürken fraglos an, daß sie den Anlaß für den Konflikt 1967 boten - aber zum Bürgerkrieg wurde er erst durch die brutale griechische Reaktion. Auf internationaler Ebene kam es auch zu schweren Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei. Zur Befriedigung des Konflikts legten die USA einen Plan zur Teilung der Insel entlang des 35. Breitengrads vor. Außerdem sollte Zypern in die NATO integriert werden. Mit diesem Plan stellte sich die USA auf die Seite der Türkei (Taksim) und Makarios lehnte den Plan kategorisch ab. 1967 kam es erneut zu schweren Schießereien zwischen Inselgriechen und Inseltürken. Ende Juli 1967 kam es zu Schießereien bei Kophinou/Agios zwischen den dortigen türkischen Minderheiten und der zypriotischen Polizei. Am 15. November 1967 unternahm Grivas einen Angriff auf das türkisch- zypriotische Dorf Kpohinou. Im nächsten Jahr entspannte sich die Situation wieder. Im Juni 1968 begann der innerzypriotische Dialog zur Beilegung des Zypernkonfliktes zwischen dem griechischen Parlamentspräsidenten (Glafkos Klerides) und dem Führer der türkischen Gemeinde Rauf Denktasch. Der Dialog dauerte mit Unterbrechungen bis Oktober 1971 und führte zu keinem Ergebnis. Als sich Makarios auch öffentlich ein wenig von der Enosis zu distanzieren begann, wuchsen die Spannungen erneut an. Auf Enosis als oberstes Ziel verzichten wollte er keinesfalls, nur sei es notwendig den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, um für die Zyperngriechen das Beste herauszuholen. Damit machte er sich im Lande viele Feinde, obwohl er 1968 mit 95% der Stimmen wiedergewählt wurde. Grivas wurde zu Makarios` Gegenspieler. Am 01.September 1971 kehrte Grivas heimlich nach Zypern zurück und bildete die sogenannte EOKA II als Instrument, die Enosis notfalls auch durch gewaltsame Beseitigung durchzusetzen. Kurz darauf verursachte ein Attentat auf Makarios, den Absturz seines Hubschraubers. Makarios blieb jedoch unverletzt. Inzwischen wurde das Verhältnis zwischen Athen und Makarios bis 1974 immer schlechter. Am 02. Juli 1974 kam es zur Konfrontation zwischen den griechischen Militärs und Makarios. Makarios forderte die Junta und er verlangte ebenfalls bis zum 20. Juli 1974 550 der 650 Offiziere von der Insel zu holen. Er übte ebenfalls scharfe Kritik am Militärregime. Daraufhin putschte die griechische Nationalgarde, unterstützt von der griechischen Militärjunta. Am 15. Juli 1974 empfing Makarios die ersten Besucher im Präsidentenpalast in Nikosia, als Panzer der Nationalgarde das Feuer eröffneten. Makarios floh durch den Hinterausgang. In allen Städten griff die Nationalgarde unter dem Zeichen der griechischen Junta Polizeistationen an. Flughäfen und Rundfunk wurden besetzt. Die makariosloyalen Einheiten hatten keine Chance. Die Nationalgarde verbreitete über Radio, daß Makarios tot sei. Makarios meldete sich dann über einen Sender in Paphos und rief seine Landsleute zum Widerstand auf. Er selbst floh auf den britischen Stützpunkt Akrotiri, wo er sicher war. Sampson erklärte sich in der Zwischenzeit zum neuen Präsidenten von Zypern. Am 17.Juli 1974, nach zwei Tagen blutiger Kämpfe, kam es zum Zusammenbruch des Widerstandes der makariostreuen Kämpfer. Gegenüber den verhaßten türkischen Zyprioten hielten sich die Nationalgarde und EOKA II bemerkenswert zurück. Sie wollten der Türkei kein Anlaß zum Eingreifen geben.

Den Putsch erklärte man zur inneren Angelegenheit der Zyperngriechen. Die Wahl von Sampson als Präsident barg auch das Risiko eines Eingreifens der Türkei in sich. Athen war sich jedoch sicher, daß Ankara ruhig bleiben würde und es bei verbalen Protesten belassen würde. Dies war eine grundlegende Fehleinschätzung, denn tatsächlich liefen in der Türkei Vorbereitungen zu einer Invasion. Die türkische Invasion begann im Morgengrauen des 20. Juli 1974, 5 Tage nach dem Putsch. Die türkischen Truppen landeten an der Nordküste bei Kyrenia und aus der Luft bei Nikosia. Daraufhin brachen am 22. Juli 1974 sowohl die "kleine Junta" in Nikosia als auch die "große Junta" in Athen zusammen. Trotzdem verstärkte die Türkei ihre Truppen auf Zypern immer mehr. Aus diesem Grund trat Nikos Sampson am 23. Juli 1974 zurück und neuer Präsident wurde Glafkos Klerides. Um eine Lösung für diese Krise zu finden trafen sich am 25. Juli 1974 die Außenminister Griechenlands, Großbritanniens und der Türkei. In der 1. Runde der sogenannten Genfer Konferenz ging es um eine Einigung auf einen Waffenstillstand und auf vereinbarte Sicherheitszonen zwischen den Fronten. Schließlich einigte man sich auf einen Waffenstillstand, und auf eine, von der UNFICYP kontrollierte, Sicherheitszone um das türkische Gebiet. Am 1. August 1974 wurden schließlich die Verhandlungen über die Festlegung der Demarkationslinie aufgenommen. Es wurde außerdem noch vereinbart, daß die UNFICYP versucht die Pufferzone zu sichern. Dies wurde durch immer wieder aufflammende Gefechte behindert. Am 5. August 1974 forderte Denktasch die territoriale Separaten der beiden Volksgruppen in einer Föderation. In der 2. Runde der Genfer Konferenz am 8. August 1974 , wo zusätzlich die Vertreter der beiden Volksgruppen, USA und die UdSSR teilnahmen, erreichte man ein Abkommen über den Verlauf der Waffenstillstandslinien. Klerides lehnte jedoch ab, weil dann eine umfangreiche Umsiedlung erforderlich wäre. Am 14. August 1974 führten türkische Truppen aus dem Kyrenia-Nikosia-Raum heraus einen Angriff nach Osten und Westen durch. Bis zum 16. August 1974 hatten sie den gesamten Nordosten Zyperns bis zur Linie Lefka-Nikosia-Famagusta (sogenannte Atilla.Linie) erobert. Die Kampfhandlungen wurden erst am 16. August 1974 eingestellt. Die Spitzen der Armee hatten ungefähr die Position erreicht, die die USA schon 1964 als Grenze zwischen Inselgriechen und Inseltürken empfohlen hatten. Somit war Zypern in den Norden und den Süden geteilt. Ende 1974 vereinbarten Denktasch und Klerides die Volksgruppengespräche wieder aufzunehmen, wo sie in erster Linie das Flüchtlingsproblem erörterten. Dabei stand die Frage bezüglich des Bevölkerungaustausches im Vordergrund. Am 13. September wurde ein Konsens über den Austausch von Gefangenen erzielt. Es wurden insgesamt 3.308 türkische und 2.479 griechische Zyprioten freigelassen. Im November 1974 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine neue Resolution bezüglich des Konfliktes. Es wurde erneut dazu aufgerufen, die Souveränität der Republik Zypern anzuerkennen und alle fremden Truppen von der Insel abzuziehen. Die UNO forderte weiterhin alle Parteien auf, sich an einen Tisch zu setzen, um auf dem Verhandlungswege eine Lösung zu erarbeiten. Ankara zog weder ihre Truppen ab noch respektierten sie die Souveränität der Republik. Am 7. Dezember 1974 kehrte Makarios wieder auf die Insel zurück, wo er seine Amtsgeschäfte wieder aufnahm. In den vorangegangenen Gesprächen zwischen den Konfliktparteien, erklärte die türkische Seite, daß sie sich mit einer konföderativen Lösung zufrieden geben würde, die ihr mehr Freiheit zusichern würde, als eine Art Bundesrepublik Zypern. Klerides erklärte noch am Tag vor Makarios’ Rückkehr, daß er die Föderation für den besten Wege halte. Ankara würde keiner anderen Lösung zustimmen. Nach seiner Rückkehr erklärte sich Makarios bereit, die Gespräche fortzusetzen, aber er würde den Kurs von Klerides nicht weitersteuern, indem er eine geographische Föderation ablehne. Somit brachte auch seine Rückkehr keine Annäherung. Am 14. Januar wurden die interkommunalen Gespräche wieder aufgenommen, wobei das erste Zusammentreffen allerdings erfolglos verlief. Erst als sich die Verhandlungen auf eine höhere Ebene verlagerten, kam es zu kleinen Resultaten: Es wurden lediglich Differenzen erkannt und analysiert. Zwischen 1975 und 1977 fanden 6 Verhandlungsrunden statt. Der ersten Gesprächsrunde in Wien ging eine grundlegende politische Veränderung im Norden Zyperns voraus. Am 14. Februar 1975 hatte nämlich Denktasch den "Türkischen Bundesstaat auf Zypern " proklamiert, der aber international nicht anerkannt wurde. Die erste Verhandlungsrunde fand zwischen dem 28. April und 3. Mai 1975 in Wien statt. Verhandlungspartner waren Rauf Denktasch und Glafkos Klerides. In der ersten Runde wollte man aktuelle und rasch zu lösende Problempunkte möglichst unumgänglich aus dem Weg schaffen. In erster Linie sprachen sie über die Frage der Vermißten. Auch die Frage der Flüchtlinge und ihre Zukunft kam auf den Tisch. Ein besonderes diffiziles Thema war jedoch die Wiedereröffnung des seit Juli/August 1974 geschlossenen unter UNO-Kontrolle stehenden Flughafens von Nikosia. Es gab jedoch keine Einigung. Die zweite Runde der Verhandlungen fand zwischen dem 5. und 7. Juni 1975 wiederum in Wien statt. Während der Verhandlungen kam es aber in keinem Punkt zu einer Annäherung. Hauptgegenstand der Debatten war erneut die Wiedereröffnung des Flughafens Die Verhandlungen scheiterten jedoch an der Frage, wer letztendlich den Flughafen verwalten sollte. Am 8. Juli 1975 erfuhr der "Türkische Bundesstaat von Zypern" eine weitere Festigung durch die Verabschiedung seiner eigenen Verfassung. Die dritte Gesprächsrunde fand zwischen dem 31. Juli und dem 2. August 1975 in Wien statt. Diesmal ging Klerides in die Offensive. Er erklärte ganz offen, daß die türkische Seite Stellung zu den größten Problemen nehmen müsse, sonst sei die Fortsetzung der interkommunalen Verhandlungen zwecklos. Denktasch zeigte sich daraufhin entgegenkommend und man konnte in Teilbereichen der Flüchtlingsfrage ein Konsens erzielen. Ein weiteres Ergebnis der dritten Verhandlungsrunde war die Möglichkeit der Zyperntürken den Süden zu verlassen. Der Bevölkerungsaustausch fand unter Aufsicht der UNO statt. Desweiteren verhandelten Denktasch und Klerides über eine mögliche Verfassung einer zukünftigen Bundesrepublik Zypern. Allerdings scheiterte man wieder an den Fragen der Gewaltenteilung. Die vierte Runde fand erstmals in New York statt, weil dem UNO- Generalsekretär (Kurt Waldheim) vom Stand der Gespräche berichtet werden sollte (8.-10. September 1975). Denktasch und Klerides unterbreiteten ihm Vorschläge zur Konfliktbewältigung, die wiederum auf der Basis einer föderativen Bundesregierung gestaltet waren. Die fünfte und vorerst letzte Runde der Verhandlungen fand unter Leitung des UNO-Beauftragten Javier Perez de Cuellar vom 17. bis 21. Februar 1976 statt. Dabei ging es wieder um verfassungsrechtliche und territoriale Fragen. Klerides schlug ein Geheimabkommen vor, welches weder mit Präsident Makarios noch mit der Regierung koordiniert worden war, was Klerides am 7. April 1976 zum Rücktritt von all seinen Ämtern veranlaßte. Er wurde als Verhandlungsführer von Tasos Papadopoulos ersetzt, der eher Makarios’ Kurs steuerte. Weil ihre Ansichten aber noch weiter auseinanderdivergierten als die Denktaschs und Klerides`, gab es bis 1977 keine nennenswerten Fortschritte. Erst Ende 1976 kam wieder Bewegung in die Zyperfrage, als Denktasch Gespräche mit Makarios wünschte. Dieses Treffen fand dann am 27. Januar 1977 unter UNO-Aufsicht in Nikosia statt. Denktasch und Makarios verfaßten während ihres Zusammentreffens die sogenannten Makarios-Denktasch- Leitlinien, die als Grundsatz zu einer weiteren Lösung dienen sollte. Darin streben sie eine unabhängige, bündnisfreie Bundesrepublik zweier Volksgruppen an. Der plötzliche und unerwartete Tod von Makarios am 3. August 1977 setzte den Bemühungen beider Politiker ein jähes Ende. Nachfolger von Makarios wurde Spyros Kyprianou. Während der ersten beiden Jahre seiner Präsidentschaft wurden keinerlei Fortschritte erzielt, da er einen zu strikten Kurs fuhr. Er lehnte es ab, die zyperntürkische Seite als gleichberechtigt anzusehen. Das erste Spitzengespräch zwischen Vertretern beider Parteien fand erst 1979 statt. Im Mai trafen die beiden Oberhäupter zusammen, um auf Basis der Makarios-Denktasch-Leitlinien Gespräche zu führen. Diese wurden jedoch ergebnislos abgebrochen. Jedoch gelang es beiden Konfliktparteien erneut, Richtlinien zur weiteren Verhandlung festzusetzen.

Zwischen 1980 und 1983 kam es abermals zu Volksgruppengesprächen, man konnte aber wieder kein Konsens finden, so daß die wichtigsten Konfliktpunkte wieder ungelöst blieben. Am 13. Februar 1983 wurde Kyprianou in seinem Amt bestätigt. Am 13. Mai 1983 beschloß die UNO eine neue Resolution, die von der Türkei allerdings nicht anerkannt wurde. Am 17. Mai trat Denktasch vor die Presse und erklärte, daß eine Bundesrepublik Zypern wohl erst dann eingeführt werde, wenn den Inselgriechen gezeigt würde, daß die Zyperntürken eben doch gleichberechtigt seien. Dazu sei es nötig einen Gegenpol zu schaffen, ein unabhängiger zyperntürkischer Staat. Anfang Juli 1983 traf Denktasch mit dem neuen UNO-Generalsekretär, Javier Perez de Cuellar, in Genf zusammen, um ihm von den Beschlüssen des zyperntürkischen Parlaments zu berichten. Am 15. November proklamierte Rauf Denktasch die "Türkische Republik Nordzypern", die aber einzig von der Türkei anerkannt wurde. Die "Türkische Republik Nordzypern" wurde am 15. November gegründet. Sie hat eine 1985 vom Volk gebilligte Verfassung, ein Parlament und einen Präsidenten. Sie hat ein streng definiertes Staatsterritorium (3.355 km² nördlich der Atilla-Linie), in dem das zyperntürkische Volk lebt. Seit der Proklamation nimmt Rauf Denktasch das Amt des Präsidenten wahr. Am 17. November 1983 unterbreitete Lefkosha neue Vorschläge bezüglich der Wiederbesiedlung Varoshas und der Wiedereröffnung des Flughafens von Nikosia. Im Januar 1984 konkretisierte Denktasch seine Vorschläge und forderte aus seiner gestärkten Position heraus die Wiederaufnahme der Verhandlungen. Der UNO-Generalsekretär Perez de Cuelllar schaltete sich wieder in die Debatte ein. Er stellte ein Rahmenprogramm vor, das neue Verhandlungen regeln sollte. Denktasch erklärte sich grundsätzlich bereit zu verhandeln. Da es wieder Unstimmigkeiten gab, kam es zu keiner sofortigen Wiederaufnahme der Gespräche. Im August traf sich Perez de Cuellar nacheinander mit einer zyperngriechischen und inseltürkischen Delegation um ein neues Rahmenprogramm zu entwickeln. Ende August stimmten beide Seiten einer neuen Verhandlung zu. Kyprianou wollte zwar verhandeln, aber nicht mit Denktasch. Somit mußte Perez de Cuellar als Überbringer von Informationen fungieren. Die Gespräche, deren Hauptthema die "Vertrauensbildenen Maßnahmen" waren, wurden ergebnislos abgebrochen. Auch die zweite Runde der Verhandlungen scheiterte. Am 22. Februar 1985 kam es zu einer innenpolitischen Auseinandersetzung im griechischen Süden. Kyprianou wurde aufgefordert die Interessen seines Volkes zu vertreten, oder aber zurücktreten. Er blieb jedoch im Amt. Am 5. Mai ließ Denktasch durch ein Plebiszit die neue Verfassung seiner Republik vom Volk bestätigen. Am 9. Mai fanden die ersten Präsidentschaftswahlen statt, die Rauf Denktasch erwartungsgemäß für sich entscheiden konnte. Am 23. Juni 1985 fanden dann Parlamentswahlen statt, bei denen die UBP 24 der 50 Sitze erringen konnte. Perez de Cuellar, der den Konflikt rasch lösen wollte, legte schon im Dezember 1984 ein Rahmenprogramm vor, das von der zyperntürkischen Seite als Lösung anerkannt wurde (Gipfel vom Januar 1985). Sie akzeptierte den Plan und war bereit, ihn mit all seinen Punkten in die Tat umzusetzen. US-Präsident Ronald Reagen lobte das Gipfeltreffen vom Januar 1985 als einen wichtigen Schritt in Richtung Wiedervereinigung. Kyprianou gab aber zu verstehen, daß er den Plan lediglich als Diskussionsgrundlage, nicht als Lösung verstehe. Letztendlich scheiterte die Initiative des UNO- Generalsekretärs jedoch. Die Erfolge auf diplomatischer Ebene blieben zwischen 1985 und 1996 aus. Zwei Jahre nach dem Scheitern des Gipfels kam es zur Unterzeichnung einer Zollunion zwischen der Republik Zypern und der Europäischen Gemeinschaft. Auf dem Gipfel am 30. und 31. Januar 1988 sollten beide Konflikte zur Sprache kommen (Zypernkonflikt und die Streitigkeiten im Ägais- Raum). Es wurden jedoch weder Lösungen angestrebt noch durchgesetzt, dafür machten alle Parteien ihre Standpunkte deutlich, um so gemeinsame Ansichten in die Verhandlungen einfließen lassen zu können. Es sind alle Themen zur Sprache gekommen, mit der Ausnahme eines möglichen Beitritts Ankaras zur EG. Weiterhin wurden zwei Arbeitsgruppen geschaffen. Die erste sollte sich damit befassen zu prüfen, welche Möglichkeiten es gebe, die gemeinsame Zusammenarbeit zu fördern und zu intensivieren. Die zweite Arbeitsgruppe hatte die Aufgabe, Konflikte zwischen beiden Staaten zu erkennen und eventuell auch zu lösen. Am 21. Februar 1988 fanden in der Republik Zypern Präsidentschaftswahlen statt. Kyprianou wurde abgewählt und sein Nachfolger wurde George Vassiliou. Er versprach die Zypernfrage so schnell wie möglich zu lösen. Auch der UNO Generalsekretär schaltete sich erneut in den Konflikt ein. Am 8. August ließ Perez de Cuellar die Verhandlungen von New York nach Genf verlegen. Am 24. August trafen sich dann Denktasch und Vassiliou zum Gespräch, wo es aber auch keine Erfolge gab. Bis 1990 gab es mehrere Gespräche, die man aber wegen mangelnden Fortschritten wieder abbrach. Der Golfkrieg und die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 hatten auch ihre Auswirkungen auf den Zypernkonflikt. Kurze Zeit nach dem Golfkrieg startete die Republik Zypern international eine Postkartenaktion, in der sie dazu aufrief, das Zypernproblem ebenso zu lösen wie den Konflikt am persischen Golf. 1990 fanden erneut Parlamentswahlen statt, bei der die UBP 34 der 50 Sitze errang. Auch wurde Rauf Denktasch am 22. April erwartungsgemäß in seinem Amt bestätigt. Im Juli 1992 versuchte der UNO Generalsekretär Boutros-Ghali, die beiden Volksgruppenführer Vassiliou und Denktasch an einen Tisch zu bekommen. Hauptgegenstand der Gespräche war die territoriale Frage, die auf der Grundlage einer von Boutros Ghali vorgelegten Landkarte Zyperns mit vorgeschlagenen Änderungen der gegenwärtigen Demarkationslinie diskutiert wurden. Aber auch diese Verhandlungen blieben erfolglos. Am 7. Februar 1993 fanden wieder Wahlen statt, wo sich klerides gegen Vassiliou durchsetzte und neuer Präsident wurde. Er trat sein neues Amt am 1. März 1993 an. der Norden Zyperns vertrat die Ansicht, auch die neue Regierung werde nur wenig Veränderungen herbeiführen und den eingeschlagenen Kurs fortführen. Trotzdem wünschte Denktasch ein rasches Gespräch mit Klerides. Aber auch alle Gespräche zwischen den beiden blieben bis heute erfolglos. An Ostern 1993 erschossen türkische Soldaten einen zyperngriechischen Nationalgardisten, weil dieser die Grenze zum türkischen Norden illegal überschritten hatte. Als Folge des Mordes kam es an der Green Line in Nikosia zu Protesten. Nur knapp zwei Wochen später wurde ein zyperntürkisches Boot in internationalen Gewässern von der inselgriechischen Küstenwache beschossen. Im Juli kam es zu größeren Zusammenstößen an der Grenze, bei denen, im Juli 32 Menschen verletzt wurden. Zyperngriechen hatten versucht, in die UNO-Pufferzone einzudringen. Im Oktober 1993 fand der traditionelle Commemwealth-Gipfel auf Zypern statt. Während des Gipfels kam auch der Zypernkonflikt zur Sprache, und alle Beteiligten forderten eine rasche Lösung. Am 15. November 1993 war der zehnte Jahrestag der "Türkischen Republik Nordzypern", was ein Anlaß war, sich mit der inselgriechischen Seite polemische Scheingefechte zu liefern. Es kam zu einigen unschönen Attacken. Ende 1993 wählten die Zyperntürken ein neues Parlament. Bei den Wahlen bildeten die DP und CTP eine Regierungskoalition. Zwischen 1993 und 1996 kam es jedoch zu heftigen Auseinandersetzungen, die letztendlich zum Bruch des Bündnisses führten. Wie alle 6 Monate wurde auch im Juni 1994 die Mission der UNFICYP verlängert, auch wenn Kanada nicht mehr bereit war, weiter Soldaten und Gelder zur Verfügung zu stellen. Im Juli 1994 verhängt der Europäische Gerichtshof ein einseitiges Wirtschaftsembargo gegen die "Türkische Republik Nordzypern". Dies rief allerdings heftige Proteste hervor und es hemmt die Wirtschaft. Dieses Verhalten verschärfte das Verhältnis zwischen UNO und Nordzypern erneut. Ein Plan zur Wiedervereinigung wurde im August 1994 von der türkischen Seite abgelehnt. Sie beschloß ferner, sich im Falle einer einseitigen EU-Mitgliedschaft des Südens in die Türkei einzugliedern. Ein Treffen zwischen Klerides und Denktasch im November blieb ergebnislos. Wegen des Zypernkonfliktes blockierte Athen im Dezember 1994 die Zollunion der EU mit der Türkei. Im Februar 1995 brach die Rechts-Links-Koalition in der "Türkischen Republik Nordzypern" auseinander. Im April 1995 wurde Rauf Denktasch im zweiten Wahlgang erneut zum Präsidenten gewählt. Bereits am 6. März wurde die Zollunion mit der Türkei beschlossen. Der Vorschlag Denktaschs, ein Treffen mit Klerides zu organisieren, wurde im November 1995 von den Inselgriechen abgelehnt. Am 31. Dezember 1995 wurde das UNO-Mandat für die UNFICYP turnusgemäß um sechs Monate verlängert. Der amerikanische Vizeaußenminister, Richard Holbrooke, erklärte Ende 1995, daß er es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Zypernkonflikt zu lösen. Holbrooke plädierte für einen konförderierenden Staatenbund, der den Inseltürken völlige Gleichberechtigung zugestehen sollte. Die Kardak/Imia- Krise rief auf der Insel Spannungen hervor. Griechenland hatte daraufhin Holbrooke ausgeladen und ließ damit seine Mission scheitern. Am 14. August wurde der Zyperngrieche Solomos Solomou erschossen, nachdem er bei einer Demonstration in türkischzypriotisches Gebiet eingedrungen war und versucht hatte, die türkische Flagge vom Mast zu nehmen. Im Herbst wurden ein Zyperngrieche in der Pufferzone und ein türkischer Soldat ermordet. Die Lage ist seit den Ereignissen im August sehr gespannt. Im Januar 1996 kaufte die Republik Zypern Raketen. Ankara drohte daraufhin mit einer Militäraktion. Am 25. Januar erreichten Kriegsschiffe den Hafen von Famagusta. Zusammenfassend kann über den Zypern-Konflikt also gesagt werden, daß dieser auf drei Ebenen beruht:

Die unterste Ebene ist die der Zyprer selbst, also der Konflikt zwischen Zyperngriechen und Zyperntürken. Daneben gibt es die regionale Ebene des Zypern-Konfliktes, die griechisch-türkische Auseinandersetzung. Als dritte Ebene dieses Konfliktes ist die internationale Ebene zu betrachten.; sie umfaßt die Weltmächte und ihre Interessen in Zypern.

4.1 Internationale Interessen an Zypern

Die größten internationalen Interessen an Zypern gingen von Griechenland und der Türkei aus. Zu Beginn der 50er Jahre befaßte sich die Türkei noch nicht mit Zypern. Erst als es 1954 zur Internationalisierung der Zypernfrage kam, ergriffen Griechenland und die Türkei jeweils für ihre Bevölkerungsgruppe Partei. Damit wurde der Streit darüber, wer auf der Insel regieren sollte, zum internationalen Konflikt zwischen den zwei NATO-Partnern. Wichtig ist jedoch, daß das Eingreifen der Türkei hauptsächlich durch die griechische Forderung nach Enosis zustande kam. Bis 1957 verlangte die Türkei die Rückgabe Zyperns mit den Argumenten, daß Zypern 300 Jahre lang türkisch gewesen war und niemals griechisch, sowie daß Zypern historisch, wirtschaftlich und besonders geographisch gesehen eher mit der Türkei verbunden ist als mit Griechenland, da Zypern eine geographische Fortsetzung des Festlandes ist. Erst ab 1957 setzte sich die Türkei für die Teilung Zyperns in einen türkischen und einen griechischen Teil ein (Taksim). Die inselgriechische Führung unter Makarios III., dem Parlamentspräsidenten Glafkos Klerides und dem Innenminister Georgadsis hatte dahingegen das Ziel die zyperntürkische Volksgruppe „mundtot“ und handlungsunfähig zu machen, sowie die Angliederung an Griechenland (Enosis). Diesen vertrauensbrechenden Komplott gegen die Zyperntürken nannten die Obigen Akritas-Plan. Faßt man die Dokumente des Akritas Plan zusammen, so lassen sich einige Hauptziele erkennen. Als erstes versuchte man international Anerkennung für die Verfassungsänderung zu finden, obwohl diese die Zyperntürken in ihren Rechten beschnitten. Das zweite Hauptziel war die Aufhebung des Partnerschaftsprinzips, indem man die Verfassung in wichtigen Punkten änderte, um die türkisch-zypriotische Volksgruppe aus der gemeinsamen Machtverteilung zu verdrängen und indem man den Zyperntürken einen Minderheitenstatus einräumte, statt der gleichberechtigten Partnerschaft. Das letzte, mit diesem Plan verbundene Ziel, ist die Ausschaltung der Garantieverträge, um eine türkische Intervention als Aggression gegen eine gut gemeinte Änderung einer arbeitsunfähigen Verfassung darzustellen.

Weitere Interessen an Zypern zeigte Großbritannien, die USA bzw. die NATO, sowie die ehemalige UdSSR. Großbritannien hatte das Interesse seine Macht im Mittelmeer zu etablieren, wobei Zypern ein wichtiger Faktor war. Durch Zypern wollten die ehemaligen Kolonialherren die Expansion des Rivalen Rußland im Osten verhindern und den britischen Einfluß im Balkanraum sichern. Aufgrund der Entstehung des israelisch-arabischen Konfliktes wurde die strategische Lage Zyperns für die Interessen Großbritanniens und später auch für die der NATO, nach der Einschaltung des sowjetischen Faktors in den Konflikt, unentbehrlich.

Die Interessen der NATO sowie die der USA an Zypern ist eine Folge der auf den Kalten Krieg und den Ost-West-Gegensatz ausgerichteten Politik derselben. Die Lösung des Zypernproblems ist unter den Einfluß der NATO geraten, da die meistinvolvierten Länder zur NATO gehören. Das große Interesse der NATO ist vor allem darauf zurückzuführen, daß Zypern eine große Bedeutung als Verteidigungspunkt der rechten Flanke hatte. Der Ausbau der Position der UdSSR in den 50er Jahren in den arabischen Ländern, wie Ägypten und Syrien, rief bei den Westmächten eine zunehmende Besorgnis hervor, wodurch sich das Interesse an Zypern noch verstärkte. Das Eingreifen der NATO in das Zypernproblem resultiert sich aus ihren strategischen Interessen, wie die der Radar- und Funküberwachung. Außerdem hatte Zypern noch eine große Bedeutung als geographischer Zugang nach Südrußland. Vor 1960 zeigte die NATO nur wenig Aufmerksamkeit hinsichtlich Zyperns, da Großbritannien seine strategischen Interessen wahrnahm. Die NATO schaltete sich erstmals 1958 ein. Sie ergriff die Initiative aufgrund der Verschlechterung der Verhältnisse zwischen den beiden NATO-Partnern, der Türkei und Griechenland. Dennoch hatte die NATO beim Eingreifen in den Konflikt ihr eigenes Interesse, denn die Türkei hatte für sie eine strategische Schlüsselposition auf Grund der geographischen Lage, den Besitz der Meerengen und der gemeinsamen Grenze mit der Sowjetunion, sowie der Nähe zu den größten bekanntesten Ölreserven. Noch dazu kontrollierte die Türkei einen strategisch äußerst wichtigen Luftraum und bot die Möglichkeit zur Beobachtung sowjetischer militärischer Aktivitäten von ihrem Boden aus. Die NATO versuchte jegliche Spannungen zwischen der Türkei und Griechenland zu verhindern, da diese den Eckpfeiler der NATO schwächen würden. Deshalb entwickelte sich die große Aufmerksamkeit der NATO auf Zypern. Die USA sahen Zypern im Kontext des Kalten Krieges und waren somit bestrebt die damalige UdSSR daran zu hindern, sich dauerhaft in arabischen Ländern festzusetzen um ein „Vakuum“ auszufüllen, das mit dem Abzug der britischen Truppen aus dem Persischen Golf entstanden war. Für die US-Regierung war es wichtig, daß Zypern Rußland verschlossen bleibt, und daß Zypern weiterhin zum strategischen System des Bündnisses im Mittelmeer gehörte.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß Zypern aufgrund der strategischen Nähe zum arabischen Öl und zum Suezkanal, sowie für die Beobachtungen der Bewegungen im Nahen Osten, auf dem Balkan und in südlichen Teilen der UdSSR für die USA bzw. NATO bedeutend war. Zypern wurde besonders wichtig als Stützpunkt für amerikanische Spionageflugzeuge und Radarinstallationen nach dem Rückzug der amerikanischen Installationen aus dem Irak. Für die ehemalige Sowjetunion war der Mittlere Osten das Zentrum ihrer außenpolitischen Ziele, denn die strategischen Möglichkeiten dieses Gebietes betrachtete Rußland als Sprungbrett für die Kontrolle über Afrika und den Südwesten Asiens. Die Ziele der sowjetischen Strategie im Gebiet der Südflanke waren die Vormachtstellung im Mittelmeer und im Nahen Osten, die Eindämmung westlicher, besonders amerikanischer Einflüsse in diesem Gebiet, die Sicherung des Zugangs zu den Weltmeeren, sowie gegen die amerikanisch- strategischen Positionen anzugehen oder sie zu neutralisieren. Da das Hauptziel der damaligen Sowjetunion, Stützpunkte auf und um Zypern zu gewinnen, unrealistisch war, erfolgte jahrelang eine Propaganda Rußlands für die Auflösung der beiden britischen Stützpunkte. Die damalige UdSSR verfolgte nun ihr Minimalziel, die Erhaltung der Unabhängigkeit und des Status quo auf Zypern.

Zum Verständnis der hier getroffenen Aussagen muß man diese natürlich in das Zeitgeschehen, das heißt, vornehmlich in die Zeit des Kalten Krieges, einordnen, und auch dementsprechend bewerten.

4.2 Internationale Maßnahmen und Interventionen

Der Zypern-Konflikt sorgte international für Hellhörigkeit und somit blieben die Interventionen nicht nur bei Griechenland und der Türkei nicht aus, sondern auch andere Länder wie die USA und Großbritannien, mischten sich aufgrund ihrer Interessen in das Geschehen ein. Die UNO bemühte sich mit ihrer UNFICYP und ihren UN-Friedenstruppen, auf Zypern wieder Frieden herzustellen, doch haben die unzähligen Friedensgespräche und -verhandlungen bis heute keinen Erfolg herbeigeführt.

Großbritannien griff immer wieder als eine der drei Garantiemächte in die Verhandlungen ein. So appellierten am 24. Dezember 1963 die Garantiemächte an die Regierung Zyperns und an die beiden Volksgruppen die Unruhen zu beenden und einen Waffenstillstand zu vereinbaren. Einen Tag später gaben die Regierungen der Garantiemächte der Regierung Zyperns bekannt, eine gemeinsame Friedensstreitmacht unter britischem Kommando zu schaffen. Sie sollte aus britischen, griechischen und türkischen Streitkräften bestehen. Am 15. Januar 1964 wurde die Londoner Zypernkonferenz eröffnet, an der die drei Garantiemächte, sowie Delegationen der beiden Volksgruppen teilnahmen. Im Februar 1974 kam es zur Stationierung von UN-Friedenstruppen auf Zypern. Nach mehreren Appellen Griechenlands kommt die Zypernfrage endlich vor die UNO, die sich am 4. März erstmals aktiv in den Konflikt einschaltet. Die UNO versucht dort die Kämpfe bzw. den Krieg zu beenden und den Status quo ante wiederherzustellen. Daß versuchte sie mit Hilfe der Aussendung der Friedensstreitmacht UNFICYP (United Nacions Peace-Keaping Force in Cyprus). Als vom 13.Juli bis zum 17. Juli 1964 Kämpfe im Gebiet von Kyrenia ausbrachen, wurde durch die Vermittlung des UNO-Kommandos am 17. Juli der beiderseitige Rückzug der Kämpfenden vereinbart und durchgeführt. Am 20. Juli trat der UNO-Sicherheitsrat zur Erörterung der Lage auf Zypern zusammen. Sakari Tuomioja, der UNO-Vermittler für Zypern, verhandelte wenige Tage später mit den türkischen und griechischen Vertretern in Genf. Diese Verhandlungen wurden ergebnislos beendet. Am 8. August trat der UNO-Sicherheitsrat abermals zusammen. Den folgenden Tag nahm er eine Resolution an, in der zu einer sofortigen Feuereinstellung und zur Zusammenarbeit mit der UNO-Streitmacht in Zypern aufgerufen wurde. Diese Appell wurde von türkischer sowie von griechischer Seite akzeptiert. Im Jahre 1964 kommt es zur Fortsetzung der Dialoge zwischen Zypern-Türken und Zypern-Griechen im Rahmen der UNO-Generalversammlung und der Konferenz des NATO-Rates. Trotz der Verlängerung des Mandates der UN-Friedenstruppe, schafft es die UNO nicht zu einer Stabilisierung auf Zypern zu gelangen. Im April 1975 werden die Volksgruppengespräche unter der Schirmherrschaft der UNO wieder aufgenommen. Bis heute gehen die Gespräche der UNO auf dem Verhandlungswege weiter, jedoch ist eine Lösung des Konfliktes noch nicht abzusehen.

Auch die EU versucht weiterhin, die Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen, um eine Lösung des Konfliktes in Betracht zu ziehen. So hat der Zypernbeauftragte der EU, Sir David Hannay, den Führer der türkischen Zyprioten in einem Interview am 5. August 1998 dazu aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren:

„Wir wollen, daß die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Präsident Klerides müssen wir davon nicht mehr überzeugen. Aber wir hoffen, daß auch die türkischen Zyprioten wieder an den Gesprächen teilnehmen.“

5. Folgen für die Insel

Die Folgen des Konfliktes und der Auseinandersetzungen 1963/64 sowie der Invasion von 1974 sind weitreichend. Durch den Krieg von 1963/64 kam es zur Selbstgettosierung größerer Kontingente der türkischen Minderheit und zur Bildung türkischer Enklaven, von denen die größte die nördliche von Nikosia war. Dr. Fazil KüVük wurde damals die Führungsperson, der in den Enklaven eingeschlossenen Zypern-Türken. Zusammen mit Rauf Denktasch versuchte er, die Lebensbedingungen für die Inseltürken so gut wie möglich zu halten.

Schon die Auseinandersetzungen von 1963/64 hatten zur Folge, daß manche türkische Zyprioten ein Zusammenleben mit den griechischen Landsleuten in der Zukunft für ausgeschlossen hielten. Die weitreichendste Folge der türkischen Invasion 1974 war die faktische Teilung Zyperns. Denktasch proklamierte vorerst einen türkischen Teilstaat Zypern und rief 1983 die „Türkische Republik von Nordzypern“ aus, die bis heute nur von der Türkei anerkannt ist. . Ebenso wichtig zu nennen sind jedoch die gravierenden Folgen für die zivile Bevölkerung, denn beide zypriotischen Bevölkerugsgruppen leiden unter Angstsyndromen. Sogar die griechischen Zyprioten leiden seit der türkischen Invasion von 1974 unter solchen, da es damals zu Massenexekutionen Hunderter von Zivilisten und Kriegsgefangener, sowie zu Vergewaltigungen und Mißhandlungen kam. Die Angaben über die griechischen und griechisch-zypriotischen Todesopfer schwanken zwischen 2.000 und 4.000. Insgesamt wurden 170.000 griechische Zyprioten vertrieben; 1619 werden noch vermißt. Die Opfer von der Invasion 1974 waren hauptsächlich die einfachen Leute der beiden Volksgruppen, die friedlich miteinander lebten. Das menschliche Leid war immens und die materiellen Verluste sehr groß. Ein weiteres zentrales Problem, das durch die Invasion noch verstärkt wurde, ist das tiefe Mißtrauen beider Seiten. Die Verhandlungen der letzten 23 Jahre zeigten deutlich, daß alle Rahmenpläne, Globallösungen und Maßnahmen für vertrauensbildende Maßnahmen am mangelhaften Vertrauen beider Seiten scheiterten. Um die gegenseitige Furcht zu verringern, wurde vom Süden verschiedentlich die totale Entmilitarisierung der Insel vorgeschlagen. Der Norden lehnte dies mit der Begründung ab, daß man damit zu den unsicheren Zuständen von 1963 zurückkehre. Die Konsequenz war, daß der Süden, um sich vor der starken türkischen Militärpräsenz zu schützen, nun einerseits anfing, sich mit - primär defensiven - Waffen zu rüsten. Der Norden modernisierte daraufhin ebenfalls seine Waffensysteme, was dazu führte, daß er heute das am höchsten militarisierte Gebiet der Welt ist.

Infolge der Invasion im Sommer 1974 kam es zu einer Bevölkerungsbewegung. Die griechische Bevölkerung wurde aus den Nordprovinzen vertrieben und die im Süden lebenden Zypern-Türken wurden in das Vertreibungsgebiet überführt. Festgehalten werden muß in diesem Zusammenhang, daß es im Süden der Insel keine offizielle Vertreibungspolitik gab, vielmehr spielten die Angst vor griechischem Terror und die türkische Aufforderung zur Flucht in den Norden zusammen. Die Motive der Bevölkerungsbewegung sind also nicht gleichzusetzen. Damit hatte die Türkei ein wichtiges lange, gehegtes Ziel siedlungsstrategisches und siedlungspolitisches Ziel erreicht: Die Bildung eines geschlossenen Raumes für die Zypern-Türken. Da jedoch die aus dem Norden vertriebenen Griechen weit mehr als das Vierfache der aus dem Süden übergeführten Zypern-Türken ausmachten, entstand in der türkischen Besatzungszone ein „Bevölkerungsvakuum“, das ausgefüllt werden mußte. Es wurde in erheblichem Maße ausgefüllt durch das systematische Einschleusen anatolischer Türken in das Vertreibungsgebiet. Es wurden ca. 70 bis 80 Tausend anatolische Türken in das Land gebracht, was zu einer außerordentlichen Vermehrung der Population seit der Invasion führte. Somit verschob sich auch die Bevölkerungsrelation zwischen Griechen und Türken. Während 1960 die Bevölkerungsrelation griechische Zyprioten zu türkische Zyprioten noch 4 zu 1 betrug, so betrug das Verhältnis einige Jahre nach der Invasion nur noch 3 zu 1. Diese massenhafte Einwanderung aus Anatolien ist mit den Jahren jedoch auch zu einem Problem geworden. Mit der anatolischen Einwanderung wurde nämlich die angestrebte Bevölkerungshomogenität im besetzten Gebiet keineswegs erreicht oder gewährleistet. Bei den Einwanderern aus der Türkei handelt es sich um Bevölkerungsgruppen, die sich in ihrer Mentalität und ihrem sozialen Niveau wesentlich von den Zypern-Türken unterscheiden und von diesen als Fremdkörper und als minderwertig empfunden werden. Die wachsenden sozialen und politischen Spannungen im besetzten Norden sind nicht zuletzt auf diesen Umstand zurückzuführen. Zwischen den Zypern-Türken und den anatolischen Kolonisten sind offensichtlich gravierende Auseinandersetzungen im Gange, die folgenschwere Konflikte erkennen lassen. So sind die Emigrationen bei den Zypern-Türken seit der Invasion nicht zuletzt auf die Einwanderung der anatolischen Türken zurückzuführen. Zwischen 1974 und 1989 sind ca. 30.000 Zypern-Türken ausgewandert. Dies führt zu einer allmählichen Majorisierung der ZypernTürken durch die anatolischen Türken. Es ist deshalb abzusehen, daß in einiger Zeit die ZypernTürken in ihrem eigenen Teil Zyperns zur Minderheit werden.

Mit den Jahren kam es durch die Teilung Zyperns zu einem Sozialgefälle. Der Süden wird als „Wirtschaftswunder bezeichnet, dagegen wurde im Norden bis zum heutigen Tage keine effektive Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftsorganisation aufgebaut, obwohl die meisten Ressourcen im Norden liegen und das Gebiet laufend große finanzielle Zuwendung aus der Türkei erhält. Nach der Invasion hat im Süden, aufgrund der Teilung und der unterschiedlichen politischen Systeme, in mehreren Schüben ein umfassender Transformations- und Modernisierungsprozeß stattgefunden, während im Norden die alten Wirtschaftsstrukturen weitestgehend beibehalten wurden. Mit der Invasion wurde eine neue Phase in der Auseinandersetzung um die politische Zukunft Zyperns eingeleitet, die bis zum heutigen Tage anhält. Sie ist gekennzeichnet durch getrennte politische Entwicklungen bei den Zypern-Griechen und bei den Zypern-Türken, und sie hatte die Entstehung zweier politischer Systeme zur Folge. Im Süden, in der Republik Zypern, konnte sich ein pluralistisches System freiheitlicher Prägung entfalten und festigen, das reibungslos funktioniert und die periodische Ablösung der jeweils regierenden politischen Gruppierungen ermöglicht und gewährleistet. Im besetzten Norden hingegen bildete sich ein System sui generis heraus, dessen Regimecharakter nicht zu übersehen ist. Dort residiert nämlich seit zwanzig Jahren ohne Unterbrechung der bekannte Teilungspolitiker Rauf Denktasch, der seine umfassenden Machtbefugnisse in der Form eines Statthalters ausübt.

Der Konflikt „in den Köpfen“ der Menschen ist heute gravierender denn je. Seit der türkischen Invasion vor zwanzig Jahren spielen sich auf der Insel Vorgänge ab, die entscheidend zur Vertiefung der Spaltung und Zementierung der Teilung des Landes beigetragen haben. Im Norden Zyperns hat eine Bevölkerungsmanipulation großen Stils stattgefunden, in deren Rahmen zunächst die autochthone griechische Bevölkerung vertrieben und dann das Vertreibungsgebiet mit anatolischen Kolonisten besiedelt wurde bei gleichzeitiger Verdrängung bzw. Zurückdrängung der Zypern- Türken. Die Folge dieser weitreichenden Auswechslung der Bevölkerung war die nahezu vollständige Orientalisierung und Islamisierung der nördlichen Provinz Zyperns, eines urchristlichen Gebietes.

6. Versuche der Konfliktlösung

Schon wenige Tage nach dem Beginn des Bürgerkrieges von 1963 gaben die Regierungen der Garantiemächte der Regierung von Zypern bekannt, eine gemeinsame Friedensstreitmacht unter britischem Kommando, bestehend aus türkischen, griechischen und britischen Streitkräften, zu schaffen. Am 26. Dezember wurde dieses Angebot von der zypriotischen Regierung angenommen. Am 2. Januar des folgenden Jahres nahmen Präsident Makarios und Vizepräsident KüVük das Angebot an, eine Zypern-Konferenz in London abzuhalten, die am 15. Januar unter der Teilnahme der beiden Garantiemächte sowie der Delegationen der beiden Volksgruppen eröffnet wurde. Großbritannien schlug vor, weitere NATO-Mitglieder einzuladen und weitere Truppen für die Friedensstreitmacht zur Verfügung zu stellen, denn Großbritannien befürchtete, daß es zum Krieg zweier NATO-Mitgliedsstaaten kommen könnte. Die Außenminister Griechenlands und der Türkei sowie Vizepräsident KüVük stimmten zu; nur Makarios lehnte diesen Vorschlag ab. Er verlangte die Einschaltung des UNO-Sicherheitsrates. Die Londoner Konferenz scheiterte wenig später, da es zu keiner Einigung kam. Am 17. Januar 1964 appellierte Makarios an UNO-Generalsekretär Sithu U Thant, die UNO möge den Schutz Zyperns übernehmen. Daraufhin beschloß der Weltsicherheitsrat am 4. März die Aufstellung einer UNO-Friedenstruppe auf Zypern. Mit dieser Entscheidung schaltete sich die UNO erstmals aktiv in den Zypernkonflikt ein. Diese Resolution hat die Aufgabe der Unterlassung jeder Tätigkeit, die die Lage in Zypern verschlechtern oder den Frieden gefährden könnte und die Einstellung jeglicher Gewaltanwendung. Die Friedensstreitmacht UNFICYP soll Kämpfe verhindern und zur Rückkehr der Normalität beitragen. Ein Vermittler der UNO sollte ebenfalls zur Lösung des Konfliktes beitragen. Die Friedensstreitmacht UNFICYP (United Nations Peace-Keaping Force In Cyprus) sieht ihre Aufgabe zunächst in der Beendigung des Krieges und der Wiederherstellung des Status quo ante. Weitere Aufgaben der UNFICYP sind die Erkundung über den Anlaß des Krieges bzw. der Unruhen sowie die Untersuchung ob auf der jeweiligen Gegenseite tatsächlich bedrohliche Maßnahmen im Gange sind. Sakari Tuomioja wurde zum UNO- Vermittler und führte Gespräche mit der Türkei und Griechenland. Die Gespräche bleiben jedoch ergebnislos. Das Scheitern der Volksgruppengespräche ist auf drei Ursachen zurückzuführen:

1. Die türkischen Zyprioten verlangen einen eigenen Staat, der mit den griechischen Zyprioten nur lose in einer Konföderation verbunden sein sollte.
2. Nach türkischer Auffassung muß die Frage der Sicherheit ihrer Volksgruppe mit dem Territorialproblem verbunden werden.
3. Die türkische Seite ist nur bereit Verhandlungen einzugehen, wenn die griechischen Zyprer auf einige ihrer Forderungen verzichten.

Auch die UNO war nicht in der Lage den Konflikt um Zypern zu lösen, da ihre Rolle im engeren Sinne auf die Einstellung der Kampfhandlungen und die Entsendung einer militärischen Einheit reduziert war. Sie konnte keine tieferes Eindringen in das Problem erlangen, da von keinen der beteiligten Parteien, eine weitere Initiative ergriffen wurde. Die UNO beging einen fatalen Fehler, den sie bis heute nicht mehr revidieren konnte, denn bereits in der Resolution 186/1964, in welcher die Entsendung der Friedenstruppe festgelegt wurde, erkannte die UNO die zyperngriechischen Machthaber als die „Regierung der Republik Zypern“ an. Sie akzeptierte die Verfassungsänderung und unterstützte somit Makarios’ Politik.

Am 7. Juni stimmten die zypriotische Regierung und der Führer der türkischen Zyprioten dem UNO-Plan zu, der die Schaffung einer „freien Zone“ vorsah in der lediglich die UNO die Vollmacht besitzen sollte, Personen zu suchen, zu verhaften und gefangen zu halten. Die Zone soll entlang der „Grünen Linie“ durch Nikosia verlaufen. Am 9. August 1964 nahm der Sicherheitsrat mit 9 Stimmen, bei Stimmenthaltung der UdSSR und der CSSR, eine Resolution an, in der zu einer sofortigen Feuereinstellung und zur Zusammenarbeit mit der UNO-Streitmacht in Zypern, zwecks Wiederherstellung des Friedens, aufgerufen wurde. Dieser Appell zur Feuereinstellung wurde von zypriotischer und türkischer Regierung akzeptiert. Anfang Oktober 1965 begannen der griechische Außenminister Toumbas und sein türkischer Amtskollege mit einem zypern-griechischen Dialog zur Lösung des Zypernkonflikts. 1966 wurde der Dialog weiter fortgeführt. Trotz der Verlängerung des Mandates für die UN-Friedenstruppe schafft es die UNO nicht zu einer Stabilisierung auf Zypern zu gelangen, vor allem wegen der Pro-Enosis-Tätigkeiten des General Grivas. Im Juni 1968 begann der innerzypriotische Dialog zur Beilegung des Zypernkonfliktes zwischen dem griechischen Parlamentspräsidenten Glafkos Klerides und dem Führer der türkischen Gemeinde Rauf Denktasch. Am 25. Juli 1974 kamen in Genf der britische Außenminister Callaghan, sein griechischer Amtskollege Mavros und der türkische Außenminister Günes zusammen, um über mögliche Lösungen des Konflikts zu debattieren. Bei den Verhandlungen in Genf waren zypriotische Vertreter nicht geladen, was im Grunde einen schweren Fehler darstellte. Die Gespräche endeten am 30. Juli 1974 mit der Deklaration von Genf.

1. Die Gebiete in Zypern, die von den gegnerischen Truppen am 30. Juli 1974 um 10 Uhr Genfer Zeit kontrolliert werden, sollen nicht mehr ausgedehnt werden.
2. Alle bewaffneten Kräfte, einschlie0lich irregulärer Kräfte, nehmen Abstand von Gewaltakten.
3. Eine Sicherheitszone, die von allen bewaffneten Verbänden außer UN-Truppen nicht betreten werden darf, soll um die Gebiete herum entstehen die von den türkischen Truppen kontrolliert werden.
4. Alle griechischen und zyperngriechischen Kräfte müssen sich sofort aus den zyperntürkischen Enklaven zurückziehen.
5. Alle Enklaven sollen durch eine Sicherheitszone geschützt werden, die für alle Streitkräfte außer UN-Truppen gesperrt ist.
6. Militärpersonal und Zivilisten, die als Ergebnis der jüngsten Auseinandersetzungen gefangen sind, sollen in kürzester Zeit unter der Aufsicht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz ausgetauscht oder freigelassen werden.
7. Im Rahmen einer Lösung sollen die Truppen reduziert werden.
8. Neue Gespräche sollen die Wiederherstellung des Friedens und die Wiederherstellung einer verfassungsgemäßen Regierung in Zypern sichern.
9. Vertreter beider zyprischer Volksgruppen werden eingeladen, an den geplanten Gesprächen zu Verfassungsfragen teilzunehmen.
10. Die drei Außenminister nehmen die praktische Existenz zweier Verwaltungen innerhalb der Republik Zypern zur Kenntnis. Aus deren Existenz wird kein Vorgriff auf die unterschiedlichen Sichtweisen für die Schaffung einer einheitlichen Republik Zypern geleistet.

In der Bewertung der Genfer Deklaration ergaben sich unterschiedliche Sichtweisen. Aus griechischer Sicht lag der Schwerpunkt auf dem Waffenstillstand. Auf zyperngriechischer Seite tat man so als wäre die Genfer Deklaration ein reiner Waffenstillstand gewesen, indem die zyperngriechische Seite 9 von 10 Punkten der Genfer Deklaration brach. Die türkische Seite hingegen hat 1974 eine gegenüber den Griechen hinterhältige Strategie eingeschlagen: Sie hat mehrfach die getroffenen Waffenstillstandsvereinbarungen gebrochen, um die Griechen unter Druck zu setzen. Am 1. August 1974 wurden Verhandlungen über die Demarkationslinie aufgenommen und am 8. August erreichte man das Abkommen über den Verlauf der Waffenstillstandslinien. Ende des Jahres 1974 vereinbarten Denktasch und Klerides die Volksgruppengespräche wiederaufzunehmen. Im November 1974 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine neue Resolution bezüglich des Konfliktes. In der Resolution 3212 wurde erneut dazu aufgerufen, die Souveränität der Republik Zypern anzuerkennen und alle fremden Truppen von der Insel abzuziehen. Ferner forderte die UNO alle Parteien auf, sich an einen Tisch zu setzen, um auf dem Verhandlungswege eine Lösung zu erarbeiten. Bei Gesprächen zwischen den Konfliktparteien stellte sich eines heraus: Die trükische Seite würde sich nur mit einer konföderativen Lösung zufrieden geben (bi-zonal), die ihr mehr Freiheit zusichern würde als eine Art Bundesrepublik Zypern, die aus verschiedenen Regionen bestehen würde. Darüber hatten sich Denktasch und Ankara bereits in Genf verständigt und den gemeinsamen Standpunkt auch nach außen hin deutlich gemacht. Makarios lehnt jedoch geographische Föderation entschieden ab.

Den innerzypriotischen Verhandlungen standen vier grundlegende Schwierigkeiten gegenüber. Zum ersten war das tief verwurzelte Mißtrauen zwischen beiden Volksgruppen, das die Kompromißbereitschaft der beiden Volksgruppenvertreter hemmte, schwer zu überwinden. Die zweite grundlegende Schwierigkeit lag schon in der Zielsetzung beider Volksgemeinschaften. Die türkische Seite trat für eine bi-zonale Bundesrepublik mit schwacher Zentralregierung ein, während die griechische Seite einer bi-regionalen Bundesrepublik mit einer starken Zentralregierung den Vorzug gab. Genau diese unterschiedlichen Ansichten verhindern bis heute eine für beide Seiten annehmbare Lösung des Konflikts. Am 14. Januar 1975 wurden die interkommunalen Gespräche erneut aufgenommen. Das erste Treffen zwischen inselgriechischen und inseltürkischen Vertretern blieb jedoch erfolglos. Die dritte Gesprächsrunde fand zwischen dem 31. Juli und dem 2. August 1975 ebenfalls in Wien statt. Diesmal ging Klerides in die Offensive. Er erklärte ganz offen, daß die türkische Seite Stellung zu den Problemen nehmen müsse, sonst sei die Fortsetzung der interkommunalen Verhandlungen zwecklos. Die Offensive hatte zur Folge, daß Denktasch sich entgegenkommend zeigte und man in Teilbereichen der Flüchtlingsfrage einen Konsens erzielte. Etwas weniger als 800 Zyperngriechen, die sich im Süden befanden, durften zu ihren Angehörigen in den Norden reisen. Die etwa 10.000 Inselgriechen, die dort noch lebten, sollten frei entscheiden können, ob sie bleiben wollten oder nicht. Ein weiteres Ergebnis der dritten Verhandlungsrunde in Wien war die Möglichkeit der Zyperntürken, den Süden zu verlassen. Umit Syleyman Onan, der von Denktasch gesandt wurde um die Verhandlungen zu führen, versuchte, zusammen mit Papadopoulos eine Einigung in vielen strittigen Fragen zu erzielen. Ihre Ansichten divergierten aber weiter auseinander als die Denktaschs und Klerides’, was zur Folge hatte, daß es bis 1977 keine nennenswerten Fortschritte in den Gesprächen mehr gab. Am 27. Januar 1977 fand ein Treffen zwischen Denktasch und Makrios unter UNO-Aufsicht in Nikosia statt. Sie verfaßten während ihres Zusammentreffens die sogenannten Makarios-Denktasch-Leitlinien, die als Grundsatz zu einer weiteren Lösung diesen. Der unerwartete Tod des Erzbischofs setzte den Verhandlungen am Morgen des 3. August ein Ende. Denktasch traf im Mai 1979 den Nachfolger Makarios’ Kyprianou um auf der Basis der Makarios-Denktasch-Leitlinien Gespräche zu führen. Diese wurden aber ergebnislos abgebrochen. Jedoch gelang es ihnen erneut Richtlinien zur weiteren Verhandlung festzusetzen. Dieses sogenannte Zehnpunkte-Abkommen enthielt folgende Schwerpunkte:

1. Die Gespräche werden am 15. Juni 1979 wieder aufgenommen.
2. Die Leitlinien von 1977 und die UN-Resolutionen dienen als Grundlage.
3. Die Menschen- und Grundrechte der Bürger werden respektiert.
4. Die Themenschwerpunkte sind Territoriums- und Verfassungsfragen.
5. Die Wiederbesiedlung Varoshas hat Priorität.
6. Maßnahmen, die den guten Willen gefährden, werden unterlassen.
7. Die Demilitarisierung ganz Zyperns wird angestrebt.
8. Die zu schaffende Republik ist vor Enosis und Taksim zu schützen.
9. Jede Verzögerung der Gespräche wird vermieden.
10. Die Gespräche finden in Nikosia statt.

Zwischen 1980 und 1983 kam es abermals zu Volksgruppengespräche, deren Hauptthemen unter anderem Verfassungsfragen, die Rückkehr zur Normalität und die Wiederbesiedlung der Vorstadt Famagustas (Varoshas) waren. Man konnte weder zu den Verfassungsfragen noch zur Besiedlung Varoshas eine Einigung herbeiführen, so daß die wichtigsten Konfliktpunkte weiterhin ungelöst blieben. Vom 7. bis 14. April kam es zu einem offiziellen Staatsbesuch von Kyprianou in Griechenland, der Gespräche mit dem Präsidenten Karamanlis und dem Ministerpräsidenten Papandreou führte. Man erzielte folgende Übereinkünfte bezüglich des Zpyernkonfliktes:

1. Die permanente Internationalisierung der Zpyernfrage, durch die UNO und EG oder anderen Gremien.
2. Die Fortsetzung der Volksgruppengespräche nur unter der Schirmherrschaft der UNO.
3. Zypern hofft auf die Unterstützung der Blockfreien-Bewegung, die auf ihrem Gipfeltreffen in Delhi eine Zypernresolution verabschiedet hat mit dem Inhalt, des Abzuges aller Besatzungstruppen, als Ausgangsbasis für die Lösung des Zypernproblems, der Betonung der freiwilligen Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimatorte, der Achtung der Menschenrechte, sowie der Betonung der Wiederaufnahme der Volksgruppengespräche.

Die Erfolge in den Jahren zwischen 1985 und 1996 auf diplomatischer Ebene blieben aus.

Zwei Jahre nach dem scheitern des Gipfels zwischen Kyprianou und Denktasch kam es zur Unterzeichnung einer Zollunion zwischen der Republik Zypern und der Europäischen Gemeinschaft (EG). Auf dem Gipfel am 30.und 31. Januar 1988 zwischen Turgut Özal und Papandreou in Davos wurden weder Lösungen angestrebt noch durchgesetzt. Alle Parteien machten lediglich ihren Standpunkt deutlich, um so gemeinsame Ansichten in die weiteren Verhandlungen mit Einfließen lassen zu können.

Im Juli 1992 versuchte UNO-Generalsekretär Boutros-Ghali, die beiden Volksgruppenführer Vassiliou und Denktasch wieder an einen Tisch zu bringen: Hauptgegenstand der Gespräche war die territoriale Frage und die Diskussionen über die Änderung der gegenwärtigen Demarkationslinie. Aber auch diese Verhandlungen blieben erfolglos. Richard Holbrooke, der amerikanische Außenminister, der im Sommer 1995 den Bosnien-Konflikt gelöst hatte, erklärte Ende 1995, er wolle es sich zur Aufgabe machen, auch den Konflikt um Zypern zu lösen. Holbrooke plädierte für einen konföderierenden Staatenbund, der den Inseltürken völlige Gleichberechtigung zugestehen sollte. Holbrooke versuchte seinen Plan Mitte Februar 1996 durchzusetzen, jedoch wurde sein Plan durch die Ägäis-Krise vom Januar 1996 erschwert, bei der die Türkei und Griechenland kurz vor einer militärischen Auseinandersetzung standen. Athen lud Holbrooke wenig später aus und ließ seine Mission daher scheitern.

Schon 1990 stellte die Inselrepublik einen Antrag auf Vollmitgliedschaft die der EU, denn immer wieder wurde seither die Aufnahme mit einer Lösung des Konfliktes in Verbindung gebracht. Als aber die Mitgliedschaft auch ohne die vorherige Beilegung der Krise immer wahrscheinlicher wurde, sträubte man sich in der TRNC (Türkish Republic North Cyprus; Türkische Republik Nordzypern) gegen die einseitige Mitgliedschaft eines zypriotischen Staates als Vertreter ganz Zyperns. Das Kabinett in Lefkosha beschloß für diesen Fall die TRNC völlig in die Türkei einzugliedern. Ökonomisch steht der Mitgliedsschaft nichts im Wege, die Republik Zypern erfüllt die Maastrichtkriterien und weist eine florierende Wirtschaft auf. Innerhalb der EU setzt sich im immer stärkerem Maße die Auffassung durch, daß der Aufnahmeantrag Zyperns positiv entschieden werden soll, da gerade der Nordteil der Insel von der EU-Mitgliedschaft am stärksten profitieren würde. Bereits jetzt hat sich die griechisch-zypriotische Seite damit einverstanden erklärt, daß im Falle einer Aufnahme Nordzyperns die EU-Strukturhilfemittel schwerpunktmäßig im Norden eingesetzt werden würden. Im Falle einer EU Aufnahme wäre die griechisch-zypriotische Seite auch an die Rechtsnormen der EU gebunden und daraus ergebe sich für die türkische Volksgruppe ein international garantierter Menschenrechtsschutzstatus, der eine stabile Entwicklung zwischen den Volksgruppen befördern würde. Der Schlüssel für die Lösung des Zypernkonfliktes liegt ohne Zweifel bei der Türkei. Es muß weiterhin zum Ausdruck gebracht werden, daß der Türkei geholfen werden muß, um den Sprung in die EU zu schaffen. Die Voraussetzungen dafür sind die Lösung des Zypern- sowie des Kurdenproblems, die Verbesserung der griechisch-türkischen Verhältnisse und die Verbesserung der Menschenrechte. Als zusätzliche Voraussetzung soll eine radikale Änderung des jetzigen Einflusses der Militärführung auf die Politik stattfinden. Die Militärs dürfen auf keiner Weise die politische Richtung des Landes mitbestimmen. Bei dem Luxemburger Gipfel am 12.und 13. Dezember 1997 wurde die Türkei vorläufig von einer stärkeren Einbindung in die europäische Integration ausgeschlossen. Im August 1998 kooperiete dann die zypriotische Regierung eng mit der internationalen Staatengemeinschaft, bei dem Versuch, die Spannungen auf der Mittelmeerinsel abzubauen. Glafkos Klerides wiederholte im Juli erneut, daß seine Regierung bereit sei, auf die Stationisierung der S-300 Luftabwehrraketen zu verzichten, wenn man auf Zypern den Abrüstungsprozeß einleiten würde. Von griechischer Seite wurden Vorschläge für eine Flugverbotszone gemacht. Die Türkei hatte jedoch jegliche Gespräche über den Abbau von Truppen und die Reduzierung von Waffensystemen abgebaut. Wie gering die Bereitschaft von Rauf Denktasch zu dieser Zeit war, erkannte man auch an seiner Weigerung, den Zypernbeauftragten der EU, Sir David Hannay, überhaupt zu treffen. Die EU betonte daraufhin, daß sie weiterhin versuchen werde, Rauf Denktasch zur Kooperation zu bewegen. Der Beitrittsprozeß in der Eu ging im Juli 1998 deutlich voran. Flynn, der Eu-Kommissar für Arbeit und soziale Angelegenheiten, versicherte am 20. Juli 1998:

„Zypern steht ausgezeichnet da, wirtschaftlich und sozial. Die Kommission der Europäischen Union ist der Ansicht, daß Zypern so früh wie möglich der Union beitreten solle.“

Auf ihrem Gipfeltreffen am 27. August 1998 in Athen haben sich der zypriotische Präsident Glavkos Klerides und der griechische Premierminister Kostas Simitis dazu bekannt, für den Frieden und die Freiheit auf Zypern weiter mit aller Macht zu kämpfen. Am 25. September 1998 forderte Zyperns Präsident Klerides in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung in New York die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, auf Zypern die Autorität der Vereinten Nationen durchzusetzen. Die substantiellen Beitrittsverhandlungen (für die EU) wurden am 10. November 1998 in Brüssel aufgenommen. Trotz der militärischen Bedrohung durch das große Rüstungspotential der Türkei hat sich der zypriotische Präsident Glafkos Klerides am 29. Dezember 1998 zu einer Sitzung des Nationalrates entschlossen, die Flugabwehrraketen S-300 nicht auf Zypern zu stationoeren. Damit bekannte sich Klerides zur Abrüstung und zum Frieden auf Zypern. In einem Schreiben an den UN- Generalsekretär vom 7. Januar 1999 hatte Klerides deutlich unterstrichen, entscheidende Abrüstungsschritte auf Zypern einzuleiten. Gleichzeitig äußerte er die Erwartung, daß auch die türkische Seite ihre Waffen und Soldaten auf der Mittelmeerinsel reduziert.

7. Aktuelle Situation und Ausblick in die Zukunft

Daß die Krise um Zypern noch immer nicht entschärft ist, zeigen zum Beispiel (bzw. vor allem) die Ereignisse des Sommers !996 und der Waffenkauf samt seiner Folgen im Januar 1997. Durch diese Ereignisse hatte der Zypern-Konflikt plötzlich wieder die Medien für sich gewonnen. In Leitartikeln wurde aufgezeigt, daß Zypern ein „Pulverfaß“ sei. Die internationale Staatengemeinschaft hatte zuvor die Augen vor dem Zypern-Konflikt verschlossen, zu einfach war es, den Status quo zu akzeptieren. Ebenso hätten die scharfen Töne inselgriechischer Propaganda die Welt aufmerksam hinhören lassen müssen. Nach mehr als 24 Jahren der relativen Ruhe nehmen Journalisten, Politiker und Diplomaten wieder die Vokabel „Krieg“ in den Mund.

Während der Süden in Übereinstimmung mit den entsprechenden Beschlüssen des UNOWeltsicherheitsrates von der Existenz eines einheitlichen zypriotischen Staates ausgeht, verlangt die türkische Seite eine Anerkennung der militärischen Eroberungen und eines selbständigen Staates der „Türkischen Republik Nordzypern“.

Bis heute existiert in der Bevölkerung des Nordens und des Südens ein Gefühl der Bedrohung durch die jeweils andere Seite, doch dieses Gefühl hat auf beiden Seiten eine gewisse Berechtigung. Auf türkischer Seite ist nicht vergessen, daß nationalistische griechische Terrorgruppen Massaker an Türken verübt haben. Die türkischen Truppen stellen aus der Sicht vieler türkischen Zyprioten hiergegen einen notwendigen Schutz dar. Die Griechen sehen in der türkischen Armee eine Invasionstruppe, die mit äußerster Brutalität gegen die Griechen vorgegangen ist und in übermächtiger Stärke, mit ca. 35.000 Soldaten gegenüber ca. 10.000 Soldaten im Süden, jederzeit ganz Zypern besetzen könnte.

Die Rolle der Türkei hat sich aber in der NATO und insbesondere bei den USA weiter gebessert. Aufgrund dieser Tatsache befinden sich zur Zeit die politischen Interessen zwischen den USA und Europa im Gegensatz.

Im Gegensatz zur beeindruckenden Wirtschaftsdynamik und dem dadurch bewirktem raschen Übergang zu einer modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft im Süden, blieb die Wirtschaft des Nordens auffallend stationär und innovationsarm. Es hat sich demnach ein deutlicher Unterschied zwischen dem Norden und dem Süden herausgebildet, der sich nicht zuletzt im Lebensstandard widerspiegelt. So liegt das Pro-Kopf-Einkommen im Süden Zyperns mindestens drei mal höher als im besetzten Gebiet. Seit den 80er Jahren hat sich also das Land der Exporte in ein Land des Fremdenverkehrs und der Dienstleistungen verwandelt; dies bezieht sich aber vorrangig auf Südzypern. Aufgrund des hohen Bildungsniveaus der Bevölkerung (vor allem im Süden), der günstigen geographischen Lage, der langen Jahresperiode mit guten Wettebedingungen und der bestehenden guten Infrastruktur durch zum Beispiel Flughäfen, Häfen und Telekommunikation (ebenfalls vor allem im Süden), hat Zypern gute Bedingungen im Vergleich zu vielen EU- Mitgliedsstaaten. Zypern ist heute zudem noch ein sehr beliebtes Urlaubsziel, da die Insel den Touristen ein gesundes Klima, seltene Naturschönheiten, einen bedeutenden archäologischen Reichtum, die traditionelle Gastfreundschaft und ein hohes Niveau an Dienstleistungen bietet.

Zypern wurde während seiner ganzen Geschichte immer von den Vormächten im östlichen Mittelmeer beherrscht - heute sind dies indirekt Griechenland und die Türkei. Erst wenn es gelingt, die Last dieser Fremdherrschaft abzuschütteln, erst wenn man sich völlig zu seiner eigenen, zypriotischen Identität bekennt, erst dann wird eine Lösung des Zypern-Konfliktes, die vor allem die beiden Volksgruppen im Mittelpunkt sieht, möglich werden. Aber ein solches Loslösen von den beiden „Mutterländern“ erscheint heute unmöglicher denn je. Die Vereinten Nationen warnen vor einer Eskalation und bemühen sich noch immer um eine friedliche Lösung. Die Menschen auf beiden Seiten aber lassen ihrem Zorn freien Lauf und dulden keine anderen Ansichten als die ihrigen.

Nach mehr als 24 Jahren erlebt der Konflikt eine traurige Renaissance, aber vielleicht ist diese Wiederentdeckung des Problems auch die Chance zur Lösung. Diese aber dürfte in weite Ferne rücken, wenn Griechenland und die Türkei sich auch weiterhin als Anwälte der zypriotischen Parteien verstehen. Der Zypern-Konflikt ist nicht gelöst, schlimmer noch, die Insel ist weiterhin ein schwelender Krisenherd. Griechenland und die Türkei tragen ihre Feindseligkeiten auf dem Rücken einer Insel aus, die vollkommen von ihnen abhängig sind und damit den Machenschaften der beiden „Mutterländer“ ausgeliefert ist. Die traurige Aussicht, daß diese Krise tragisch endet, ist wieder größer denn je zuvor in den 24 Jahren.

Immer wieder haben Fachkreise zu überzeugen versucht, daß dieser Konflikt nicht ruhe, daß das Potential zur Auseinandersetzung vorhanden sei und Zypern zu den Gefahrenherden Europas zähle. Man hat auf sie nicht gehört, hat Glafkos Klerides und Rauf Denktasch ins Leere verhandeln lassen und sich mit dem Status quo zufrieden gegeben. Die Welt sollte alles daran setzen, einen möglichen Krieg zwischen den NATO-Partnern Griechenland und Türkei zu verhindern, um eine Krise mit weitreichenden Folgen für Europa und das zypriotische Volk zu vermeiden. Es gilt, Klerides und Denktasch an einen Tisch zu bringen, Athen und Ankara deutlich zu machen, daß sie nicht gefragt sind, wenn es um eine Lösung des Konfliktes auf der Insel geht, und den Frieden im östlichen Mittelmeer zu sichern. Nur leider wird es niemals möglich sein, Griechenland und die Türkei aus dem Prozeß der Zufriedenstellung dieser Insel auszuschließen.

Um eine möglichst friedliche Zukunft auf Zypern zu gewähren, bleibt die endgültige Anerkennung der geteilten Verhältnisse auf der Insel die sicherste Methode. Daher sollte die Anerkennung des TRNC keinen Moment hinausgezögert werden. Aber es ist jedoch nicht zu erwarten, daß Griechenland und Südzypern die Souveränität des Inselnordens jemals anerkennen würden. Die Republik Zypern fordert eine Wiedervereinigung der beiden Teile, setzt aber alles daran, diese Wiedervereinigung nach ihren alleinigen Vorstellungen durchzusetzen. Dies bedeutet aber wiederum die Rückkehr zu alten Problemen der 60er Jahre. Für die Zyperntürken ist dies nicht hinnehmbar - es wird also keine Lösung geben, solange die Inselrepublik im Süden auf alles türkische mit massiver Propaganda reagiert. Die Propaganda, die vor allem auf griechischer Seite in die Welt getragen wird, trägt nichts zur Lösung bei, erschwert sie sogar und fördert das Mißtrauen und den Haß.

Es ist noch immer fünf vor zwölf, wie auch Hans Heigert richtig erkennt:

„Zypern gehört zu jenen Gegenden der Welt, deren Probleme eigentlich nicht lösbar sind.“

Anhang: Quellen

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29 von 29 Seiten

Details

Titel
Zypern - Belegarbeit
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
29
Katalognummer
V101007
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zypern, Belegarbeit
Arbeit zitieren
Christina Witt (Autor), 1998, Zypern - Belegarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101007

Kommentare

  • Gast am 3.1.2002

    Gratulation!.

    Hi Christina!

    Ich hab deine Arbeit über Zypern toll gefunden. Ich schreibe zur Zeit in der Schule eine Facharbeit über dieses Thema und da wird mir deine Arbeit eine grosse Hilfe sein. Die Note 1 hast du wirklich verdient!

    Mit freundlichen Grüssen

    Veli

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Titel: Zypern - Belegarbeit



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