Klientenzentrierte Gesprächsführung im Kontext feministischer Mädchenarbeit


Hausarbeit, 2020

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Konzept der klientenzentrierten Gesprächsführung
2.1 Definition und Begriffserklärung
2.2 Geschichte und Entwicklung der klientenzentrierten Gesprächsführung
2.3 Zentrale Begriffe der klientenzentrierten Gesprächsführung nach C. Rogers
2.4 Ziele der klientenzentrierten Gesprächsführung..

3. Grundhaltungen derklientenzentrierten Gesprächsführung
3.1 Kongruenz und Echtheit
3.2 Empathie und einfühlendes Verstehen
3.3 Wertschätzung und Akzeptanz

4. Klientenzentrierte Gesprächsführung in der feministischen Mädchenarbeit
4.1 Prinzipien der feministischen Mädchenarbeit
4.2 Die Umsetzung der klientenzentrierten Gesprächsführung in der feministischen Mädchenarbeit

5. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Im Leben einesjeden Menschen gibt es Situationen, in denen Hilfe und Beratung benötigt wird. Oft werden zunächst Freundinnen, Verwandte oderFamilie nach Lösungen befragt, doch manchmal reichen diese Hilfestellungen nicht aus und es werden professionelle und außenstehende Beraterinnen benötigt.

Besonders Mädchen in der Adoleszenz haben oft vielfältige und diverse Problemlagen und Lebenssituationen zu bewältigen.

Die Mädchen suchen oft Hilfe bei pädagogischen Fachkräften und hoffen bei ihnen auf professionelle Hilfe.

Die Beraterinnen müssen in der Beratung möglichst einen Zugang zu den Klientinnen finden, sodass die Beratung erfolgreich verläuft.1

Leider sind auch im Jahr 2020 immer noch Mädchen aufgrund unserer patriarchal strukturierten Gesellschaft benachteiligt und werden diskriminiert, hingegen Jungen in unserer Gesellschaft in vielen Lebensbereichen bevorzugt werden.

In dieser schriftlichen Ausarbeitung soll es um die klientenzentrierte Beratung im Kontext feministischer Mädchenarbeit gehen und warum eine mädchenorientierte Beratung notwendig ist.

Durch meine Tätigkeit im autonomen Mädchenhaus möchte ich in dieser Seminararbeit verdeutlichen, weshalb der Ansatz nach Carl Rogers bedeutsam für das von mir auserwählte Handlungsfeld ist.

Zu Anfang werde ich das Konzept der klientenzentrierten Beratung vorstellen und niederschreiben wie Carl Rogers zu seinen Grundannahmen gelangte. In diesem Kontext soll die historische Entwicklung, sowie die zentralen Begriffe und Ziele dargestellt werden. Im darauffolgenden Kapitel soll es um Grundhaltungen der klientenzentrierten Gesprächsführung gehen. Ferner werde ich anhand des Konzeptes nach C. Rogers die Umsetzung in der feministischen Mädchenarbeit vorstellen.

In einem Fazit am Ende werde ich prägnante Erkenntnisse meinerseits niederschreiben.

2. Das Konzept der klientenzentrierten Gesprächsführung nach C. Rogers

2.1 Definition und Begriffserklärung

Die nach Carl Rogers entwickelte klientenzentrierte Gesprächsführung gehört zu den Beratungsansätzen aus dem Bereich der psychotherapeutischen Methoden, welche auch außerhalb des therapeutischen Bereichs, wie bspw. in der Sozialen Arbeit weit verbreitet ist und sich als eine sehr beliebte Methode in Beratungen gezeigt hat.2 Die Klientenzentrierte Gesprächsführung basiert außerdem auf einem humanistischen Menschenbild.

Das humanistische Menschenbild geht davon aus, dass jeder Mensch alles zu seiner Heilung Notwendige mit sich trägt und injedem Menschen das innewohnende Bedürfnis nach konstruktiver Veränderung und Selbstverwirklichung steckt.3 Rogers begründet seine Position mit der Phänomenologie, in der vorurteilsfrei von den Dingen (Phänomenen) ausgegangen wird. Das bedeutet, dass die Aussagen von Klientinnen in ihrer subjektiven Wahrheit akzeptiert und angenommen werden. Das Besondere dieses therapeutischen Ansatzes ist, dass der Schwerpunkt mehr auf dem Prozess der Beziehung selbst als auf den Symptomen oder ihrer Behandlung liegt.

Der klientenzentrierte Ansatz ist auf allen zwischenmenschlichen Bereichen anwendbar, in denen ein gesundes psychologisches Wachstum des Individuums angestrebt wird.4

2.2 Geschichte und Entwicklung der klientenzentrierten Gesprächsführung

Das klientenzentrierte Konzept wurde von dem amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers (1902-1987) ab dem Jahr 1942 entwickelt. In Deutschland wurde ab 1956 durch Reinhard Tausch, einem Hamburger Psychologen die klientenzentrierte Gesprächsführung als „Gesprächspsychotherapie“ im deutschen Raum eingeführt.5

Die klientenzentrierte Gesprächsführung entwickelte sich stetig weiter und Rogers brachte seine eigenen Erfahrungen, welche er in der Psychotherapie sammelte mit in sein Konzept. Seine Arbeit lässt sich derweil grob in drei Entwicklungsphasen einteilen:

- Die Erste, nicht- direkte Phase (ab 1942)
- Die Zweite, client- centered, zu deutsch klientenzentrierte Phase (ab 1951)
- Die Dritte, personenzentrierte Phase (ab 1970)

In der ersten Phase, der nicht- direkten Phase betont er die Wichtigkeit der Klientinnen keine Ratschläge oder Erklärungen zu geben und ebenso nicht die Lösung des Problems in den Mittelpunkt zu stellen.

Die Aufmerksamkeit richtet er dabei auf die Klientin als einmaliges Individuum, welches prinzipiell selbst die Fähigkeit hat sich im Rahmen eines Beziehungsangebotes zwischen ihr und der*des Therapeutin/ Beraterin ein besseres Verständnis über sich selbst zu erhalten und darauf aufbauend eine Veränderung in ihrem Verhalten und Einstellungen vornehmen zu können.6 In den darauffolgenden Jahren beschäftigte Rogers sich mit den Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten dieses Konzeptes und diese empirisch zu untersuchen.

In der zweiten Phase stellte sich heraus, dass der Begriff nicht-direktiv von der Bedeutung mit nicht aktiv sein des Beratenden gleichgesetzt ist und nannte seinen Ansatz ab 1951 „clientcentered“, deutsch klientenzentriert.7 In den 1970er Jahren ging es Rogers darum seinen Ansatz nicht nur für Klientinnen, sondern auch für Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen auszuweiten. DerBegriff „personenzentriert“ sollte dabei die Wichtigkeit zum Ausdruck bringen, die Person als Menschen im Mittelpunkt zu sehen und nicht als Klientin.8

2.3 Zentrale Begriffe der klientenzentrierten Gesprächsführung nach C. Rogers

Im folgenden Kapitel möchte ich die zentralen Begriffe der Aktualisierungstendenz und Inkongruenz, welche in Rogers Persönlichkeitstheorie von enormer Bedeutung sind, näher erläutern.

Die Aktualisierungstendenz ist die Grundannahme der klientenzentrierten Vorgehensweise, denn sie ist darauf ausgerichtet, die innenwohnenden Kraft im Menschen zu unterstützen. Die Aktualisierungstendenz versteht sich nach Rogers als eine Fähigkeit des Organismus, sich stetig selbst weiter zu entwickeln und zu erhalten. Unter Organismus versteht sich die physische und psychische Einheit des Menschen.9

Die Inkongruenz entwickelt sich aus der Diskrepanz zwischen der Aktualisierungstendenz und der Selbstaktualisierungstendenz.

Die Selbstaktualisierungstendenz meint, dass das Erlebte mit den Augen von den bedeutsamsten Bezugspersonen bewertet wird. Durch die Unvereinbarkeit entstehen Spannungen, die die Person löst, indem es die Erfahrungen entweder verzerrt oder ganz verleugnet. Macht eine Person also Erfahrungen, welche nicht mit dem Selbstbild übereinstimmen, so entsteht ein Zustand der Inkongruenz. Die Inkongruenz ist die Unvereinbarkeit zwischen dem organismischen Erleben und dem Selbstkonzept.10

2.4 Ziele der klientenzentrierten Gesprächsführung

In der klientenzentrierten Beratung ist eines der Ziele das Selbstkonzept des Menschen zu erhöhen und zu entwickeln. Mit dem Begriff des Selbstkonzeptes ist die Reduktion der Diskrepanz zwischen Wahrnehmung des Organismus und dem Selbstbild des Individuums gemeint. Das Selbstkonzept beschreibt außerdem das Bild, welches der Mensch von sich selber hat und die Wertungen, welche er damit verbindet. Aufgrund der fortlaufenden Erfahrungen welche Menschen in ihrem Leben erleben ist das Konzept nicht fest, sondern entwickelt sich im Laufe des Lebens weiter.11

Um die Persönlichkeit erfolgreich entwickeln zu können, muss von dem*der KlienUin verstanden werden, dass die aktuelle Situation in ihm/ihr ein Unwohlsein hervorruft und dass es Möglichkeiten gibt diese zu verbessern. Diese zwei Faktoren müssen gegeben sein, ansonsten kann der*die Klientin keine Motivation entwickeln oder entsprechende Hilfe in Anspruch nehmen. Es ist demnach wichtig, dass der*die Klientin seine psychische Instabilität zur Kenntnis nimmt und das Gefühl der Inkongruenz empfindet.

Durch diese Wahrnehmung wird dem*der Klientin ermöglicht in dem Prozess der intensiven Selbstexploration einzusteigen und sich somit mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen, die in Verbindung mit den vorherrschenden Problemen stehen. In der Beratung werden der*dem Beraterin emotionale Erlebnisse geschildert und über Einstellungen und Bewertungen, sowie eigene individuelle Ziele und Wünsche gesprochen. Therapeutinnen übernehmen dann die Aufgabe die Empfindungen der Klientin herauszufiltern und sich mit diesen zu befassen. Dadurch gelangt auch die zu beratende Person vermehrt sich mit den eigenen Empfindungen zu beschäftigen und sich diesen zuzuwenden. Je konkreter die Gefühle vom Beraterin benannt werden, desto präziser wird sich mit dem gesprochenen Inhalt auseinandergesetzt.12

3. Grundhaltungen der klientenzentrierten Gesprächsführung

3.1 Kongruenz und Echtheit

Kongruenz (oder Echtheit) ist nach Rogers die grundlegendste Bedingung in der klientenzentrierten Gesprächsführung und fördert den positiven Verlauf einer Therapie. Dabei geht es um die Einstellung der Beraterin, oder Therapeutin, welche nach Rogers als eine notwendige und hinreichende Bedingung für eine konstruktive Änderung von Klientin anzusehen sind. 13

[...]


1 Um eine faire und diskriminierungsfreie Kommunikation zu gewährleisten werde ich die folgende schriftliche Ausarbeitung die gendergerechte Schreibweise mit Hilfe des Genderstemchens (*) verwenden. Lediglich in Bezug auf die feministische Mädchenarbeit werde ich ausschließlich die weibliche Form verwenden, da in dem Bereich sowohl die Klientinnen als auch die pädagogischen Fachkräfte ausschließlich weiblich sind.

2 Vgl. httj3sWwww.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzepte/152/15253.htm (Aufruf

3 Vgl. Weinberger 2014, Seite 24.

4 Vgl. Rogers 1985, Seite 17.

5 Vgl. Weinberger 1998, Seite. 29 ff.

6 Vgl. Weinberger 2013, Seite 22-23.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. ebd.

9 Vgl. ebd.

10 Vgl. Weinberger 2013, Seite 27-28.

11 Vgl. Rogers 2016, Seite 32-33.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Klientenzentrierte Gesprächsführung im Kontext feministischer Mädchenarbeit
Hochschule
Fachhochschule Kiel
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
19
Katalognummer
V1010208
ISBN (eBook)
9783346424907
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Carl Rogers, klientenzentrierte Gesprächsführung, feministische Mädchenarbeit, geschlechtsspezifische Beratung
Arbeit zitieren
Johanna Gehrmann (Autor), 2020, Klientenzentrierte Gesprächsführung im Kontext feministischer Mädchenarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1010208

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