Wie sah die Machtstellung des Papsttums zur Zeit der römischen Kommune aus?


Hausarbeit, 2010

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Römische Kommune - Ursache und Anfänge

III. Höhepunkt der Römischen Kommune unter Eugen III und Arnold von Brescia

IV. Die Römische Kommune nach Eugen III bis zum Ende Arnold von Brescias

V. Wie sah die Machtstellung des Papstes aus und warum konnte die römische Kommune nicht die Loslösung vom Papst erreichen?

VI. Zusammenfassung

VII. Quellen und Literaturverzeichnis Literatur: Quellen:

VIII. Anlage - Quellen mit Übersetzung

I. Einleitung

Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der römischen Kommune und der Machtstellung des Papstes zur der Zeit.

Im zweiten Kapitel soll kurz das Schisma zwischen Anaklet II. und Innozenz II. beschrieben werden, denn dort wird sichtbar, dass Innozenz II. keinen großen Rückhalt in Rom besaß. Desweiteren soll der Auslöser für die Bewegung der römischen Kommune erörtert werden. Das Ende des Kapitels wird die Struktur der Stadtregierung sein, nachdem Eugen III. einen kurzen Frieden mit der Kommune schließen konnte.

Das dritte Kapitel behandelt den Höhepunkt der römischen Kommune, denn Arnold von Brescia tauchte abermals in Rom auf, um die Kommune durch bewegende Reden anzustacheln. Die Chronologie soll weitergeführt werden und die Briefe von Eugen III. und den Römern an Konrad III. sollen zum Anlass genommen werden, um zu sehen, wie die Situation im Kampf der Römer gegen den Papst war. Abschließen wird das Kapitel mit dem Tode Eugens III. und der Beisetzung in Rom.

Kapitel vier wird die sich verschärfende Situation unter Hadrian IV. darstellen, der um jeden Preis die Kommune besiegen und zerstören wollte. Dazu benutzte er sich König Friedrich I., dem er die Kaiserkrone bot, wenn dieser sich an den zuvor mit Eugen III. geschlossenen „Konstanzer Vertrag“ gehalten hat. Im Laufe des Romzuges wird Arnold von Brescia gefangen genommen und hingerichtet. Enden wird dieses Kapitel, indem kurz erwähnt wird, wann und wie der Bürgerkrieg und damit ebenfalls die kommunale Bewegung zu einem endgültigen Frieden gefunden haben.

Die Frage nach der Machtstellung des Papstes soll im fünften Kapitel aufgeworfen werden. Um zu einem Urteil in der Zusammenfassung zu kommen, müssen viele Faktoren geklärt werden, welche sich auf die Machtstellung ausgeübt haben.

In der Zusammenfassung werde ich zu dem Schluss kommen, dass der Papst trotz widriger Umstände in Rom immer noch zu einer der mächtigsten Personen des 12. Jahrhundert gehörte.

Die wichtigste Literatur für diese Hausarbeit war von Ferdinand Gregorovius „Die Geschichte der Stadt Rom“, von Romedio Schmitz-Esser der Aufsatz über „(...) Die Entstehung der römischen Kommune (...)“ und auch die Biografie Konrads III. von Friedrich Hausmann.

Als Quellen benutze ich Otto Freisings „Gesta Frederici“ und „Chronik“, indirekt das „Papstwahldekret von 1059“ und ergänzend zu allen anderen Quellen den „Liber Pontificalis“.

II. Die Römische Kommune - Ursache und Anfänge

In diesem Kapitel soll es um die Bewegung in Rom gehen, die 1143 den Senat wieder eingesetzt hat. Es soll erörtert werden, wie die römische Kommune entstehen konnte und was die Ursache dafür war.

Im zwölften Jahrhundert wurde es zunehmend schwieriger, dass sich die zum Großteil auch adligen Kleriker auf einen Papst einigen konnten, sodass es niemanden verwundert, dass es zu einem Schisma mit Anaklet II. und Innozenz II. kam. Anaklet stammte aus der Familie der Pierleone1 und Innozenz wurde von den Frangipani unterstützt2. In diesen Wirren hielten die Römer zu Anaklet, weshalb sich Innozenz im europäischen Raum Verbündete suchte, welche zugleich wichtiger waren, weil sie mehr militärische Mittel aufbringen konnten, als die Römer3. Lothar III., der damalige Deutsche König und damit auch Anwärter auf die Kaiserkrone, erkannte die Wahl von Innozenz an und zog deshalb zu Innozenz Einführung 1133 nach Rom4. Anaklet suchte sich 1130 nicht nur in Rom Verbündete, sondern auch bei den Normannen unter Roger II., dem Anaklet 1130 das Königreich Sizilien stiftete5. Weil Lothar 1133 nach seiner Kaiserkrönung schnell wieder aus Rom abzog, konnte Anaklet mit Hilfe Roger II. Innozenz aus Rom vertreiben, sodass Lothar III. 1137 abermals nach Rom musste, um die Normannen und Anaklet zu besiegen6. Nach dem Sieg Lothars und dessen prächtigen Einzug in Rom, starb kurz darauf Anaklet II. am 25.01.1138, wodurch das Schisma zugunsten Innozenz II. gelöst wurde7.

Nun stellt sich die Frage, was danach passierte, dass sich die Römer erneut gegen Innozenz stellten. Wenn wir in Otto Freisings Chronica schauen, dann finden wir im siebten Buch im Kapitel 27 die Antwort:

„Dum haec aguntur in Gallia et Germania, Romanus pontifex Innocentius, qui iam per multum temporis Tyburtinos excommunicaverat ac aliis modis presserat, coangustatos ad deditionem acceptis obsidibus ac iureiurando interposito coegit. Populos vero Romanus volens, ut eos per obsides et sacramentum ad durissima precepta, id est ut muris ruptis omnes provincia cederent, cogeret, dum nobilissimus ac liberalissimus sacerdos tam irrationabili et inhumanae peticioni annuere nollet, seditionem movent ac in ipso impetu in Capitolio venientes, antiquam Urbis dignitatem renovare cupientes ordinem senatorum, qui iam per multa curricula temporum deperierat, constituunt et rursum cum Tyburtinis bellum innovant. Causa vero tantae inmanitatis fuit, quod in priori anno, dum cum pontifice suo in obsidione prefatae civitatis morarentur, civibus egressis et cum ipsis manum conserentibus, multis amissis spoliis turpiter in fugam conversi erant. Idcirco nulla, nisi qua diximus, conventione usque hodie se posse placari asserunt.“8

Rom führte einen Krieg gegen Tivoli in der Zeit von 1139-1143, wobei Rom bei der ersten Belagerung Tivolis eine „schmähliche Niederlage“ erlitt und dann erst im zweiten Anlauf siegte9. Die Römer wären nur mit einem Friedensschluss einverstanden gewesen, wenn die gesamte Stadt dem Erdboden gleich gemacht würde, doch Innozenz verschonte die Einwohner Tivolis und ließ einen Treueeid auf sich schwören10. Darüber sehr verärgert stürmten die Römer das Kapitol und setzten den Senat wieder ein11. Urkunden dieser Zeit zeigen sogar eine neue Zeitrechnung an, die nach der Wiedereinführung des Senats12. 1143 markiert von daher das Jahr, in der die „Römische Kommune“ ihr Geburtsjahr feiert. Es gab zahlreiche Bewegungen in Oberitalien, die ebenfalls die Macht der Adligen in den Städten stürzten, doch Rom war ein Sonderfall, denn hier herrschte der Papst und nicht ein „einfacher“ Bischof. So kam es in Rom zum Bürgerkrieg, die alte adlige Oberschicht, welche sich „Consules“ nannte, wurde gestürzt13. Innozenz starb kurze Zeit später und Coelestin II., der die Unterstützung der Frangipani hatte, folgte für nur fünf Monate auf den Stuhl Petri (26.09.114308.03.1144). Coelestins Nachfolger wiederum wurde Lucius II. (12.03.1144- 15.02.1145)14 Lucius II. versuchte mit König Roger II. von Sizilien (Sizilien war nach Innozenz Niederlage zwar selbstständig, jedoch ein Vasall des Papstes) und den römischen Adligen die römische Kommune zu unterdrücken, was jedoch nicht gelang15, denn die Bewegung wurde zum Großteil von den römischen Milizen (Waffenträgern) unterstützt16. Der Papst versuchte auch König Konrad III. um Hilfe zu bitten, was wir aus der Chronica wissen:

„(...) Celestini, qui non plene VI mensibus sederat, successor, gravem a civibus persecutionem passus humiles ad regem Conradum tam suam oppressionem continentes quam de incolomitate et prosperitate eius Deo gratias agentes ipsumque ad patrocinium Romanae ecclesiae invitantes litteras mittit in hunc modum (...)”17

Weil Lucius Hilfegesuch (1144/1145) von Konrad unbeantwortet blieb, versuchte er das Kapitol zu erstürmen, wobei er, angeblich durch einen Steinwurf, tödlich verwundet wurde18. Vermutlich griff Lucius II. kurz nach seinem Pontifikatsbeginn das Kapitol mit dem neuen Senat an, weil 1144 die erste Stadtverfassung unter dem Patricius Jordan Pierleone, dem Bruder Anaklet II., erlassen wurde19. In ihr steht, wenn wir Otto Freisings Chronik Glauben schenken, dass der Papst alle weltliche Macht (Regalien) abgeben sollte und nur noch vom Zehnten und den Spenden leben sollte:

„Populus enim Romanus nullas insaniae suae metas ponere volens senatoribus, quos ante instituerant, patricium adiciunt atque ad hanc dignitatem Iordanem Petri Leonis filium eligentes omnes ei tamquam principi subiciuntur. Deinde pontificem suum adeunt ac omnia regalia eius, tam in Urbe quam extra posita, ad ius patricii sui reposcunt eumque more antiquorum sacerdotum de decimis tantum et oblationibus sustentari oportere dicentes de die in diem animam iusti affligere non timuerunt.“20

Nach dem Tode Lucius II. ist dem Kardinalskollegium keine einfache Aufgabe zugekommen. Das Volk forderte den Verzicht von weltlichem Besitz für den Klerus und ein Schisma hätte das Papsttum zusätzlich schwächen können, sodass die Wahl einstimmig sein musste. Nach dem Papstwahldekret boten sich jedoch einige Möglichkeiten, auf die sich das Kardinalskollegium bei der Wahl stützen konnte. So muss der Kandidat nicht der römischen Kirche angehören, er kann außerhalb Roms gewählt werden und der gewählte Papst hat schon vor der Inthronisation päpstliche Befugnisse21. Der Liber Pontificalis erzählt, wer drei Tage nach Lucius II. als Papst geweiht wurde:

„CLXVIII. EUGENIUS III, natione Tuscus, patria Pisanus, qui Bernardus, sancti Anastasii abbas, sedit annis VIII, mensibus IIII, diebus XX; et cessavit episcopatus eius diebus III. Hic electus est ab episcopis et cardinalibus ex insperato concorditer apud monasterium sancti Cesarii, ubi omnes fratres propter metum senatorum et populi Romani consurgentis ad arma convenerant in unum; et deductus ad Lateranense patriarchium, in apostolica sede secundum morem Ecclesie positus fuit. (.. ,)“22

Eugen III. wurde als Abt des Zisterzienserklosters des heiligen Cäsarius zum neuen Papst gewählt. Im Kloster Farfa empfing er die päpstliche Weihe, weil in Rom das Volk in Waffen stand (deshalb versammelten sich die Kardinäle unter Waffenschutz zur Papstwahl)23.

Im Jahre 1145 schafften die Römer die Stadtpräfektur, das Amt der Kaisergewalt in Rom, ab. Daraus erkennt man, dass sich die Römer vermutlich vom Kaiser lossagen wollten, weil er vom Papst gekrönt wurde und nicht vom Volk24. Als Reaktion darauf bannte Papst Eugen III. von Viterbo aus den Patricius Jordan Pierleone. Vielleicht auch mit Wirkung des Bannes kam es vor Weihnachten 1145 zu einem Vergleich zwischen dem Papst und den Römern, die das Amt des Patricius abschafften, den Stadtpräfekten wieder einsetzten und die Oberhoheit des Papstes akzeptierten. Eugen III. akzeptierte im Gegenzug den Fortbestand der Kommune25.

Die Stadtregierung, welche jedoch nicht so lange Bestand hatte, sah wie folgt aus26:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach Weihnachten planten die Römer abermals Tivoli anzugreifen, woraufhin Eugen im Frühjahr 1146 wieder aus Rom floh, obwohl er nicht mit Waffengewalt bedroht war26 27, sodass die obige Stadtregierung keinen Bestand mehr hatte.

[...]


1 Die Pierleoni sind eine stadtrömische Adelsfamilie und waren lange Zeit eine Stütze des Reformpapsttums. Nach Konstituierung der Kommune lehnten die Pierleoni die antipäpstliche und antiadlige Bewegung ab. Sie hielten einen kirchennahen Kurs bei. Vgl. Thumser, Matthias, Pierleoni (= Lexikon des Mittelalters, Band 6), München/Zürich 1993, Sp. 2136-2137.

2 Vgl. Gregorovius, Ferdinand, Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter, Band 2, 2. Auflage, München 1988, S. 180-188. Die Frangipani waren ebenfalls Anhänger der Reformpäpste. Sie standen immer im Interessengegensatz zu den Pierleoni und nutzten später den Senat zum Ausbau ihrer Familienpolitik und Machtausbau. Vgl. Thumser, Matthias, Frangipani (= Lexikon des Mittelalters, Band 4), München/Zürich 1989, Sp. 688-689.

3 Vgl. Schimmelpfennig, Bernhard, Das Papsttum - Von der Antike bis zur Renaissance, 6. bibliografisch aktualisierte Auflage, Darmstadt 2009, S. 173.

4 Vgl. Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom, S. 180-188.

5 Vgl. ebd.

6 Vgl. ebd.

7 Vgl. ebd.

8 Bischof Otto von Freising, Chronik oder die Geschichte der zwei Staaten (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Band 16), übers. v. Adolf Schmidt, hg. von Walther Lammers, 4. Auflage, Darmstadt 1980, S. 542-555, S. 546.

9 Schmitz-Esser, Romedio, In urbe, quae caput mundi est. Die Entstehung der röm. Kommune (11431155). Über den Einfluss Arnolds von Brescia auf die Politik des röm. Senats, in: Innsbrucker Historische Studien 23/24 (2004), S. 1-42, S. 4-5.

10 Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom, S. 191-193.

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. Schimmelpfennig, Das Papsttum, S. 176.

13 Vgl. ebd. und vgl. Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom, S. 196.

14 Vgl. Zimmermann, Harald, Das Papsttum im Mittelalter - Eine Papstgeschichte im Spiegel der Historiographie, Stuttgart 1981, S. 130 und Bischof Otto von Freising, Chronica, S. 552-553.

15 Vgl. Schmitz-Esser, In urbe, S. 6 und vgl. Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom, S. 206-208.

16 Vgl. Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom, S. 194-196.

17 Bischof Otto von Freising, Chronica, S. 552-553.

18 Vgl. Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom, S. 206-208.

19 Vgl. Schmitz-Esser, In urbe, S. 6-7, vgl. Gleber, Helmut, Papst Eugen III. (1145-1153) unter Berücksichtigung seiner politischen Tätigkeit, Jena 1936, S. 7, vgl. Zimmermann, Das Papsttum, S. 130 und vgl. Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom, S. 207.

20 Bischof Otto von Freising, Chronica, S. 552-553.

21 Papstwahldekret von 1059 (= Der Investiturstreit, Quellen und Materialien, hg., übers. und mit einer Einleitung versehen v. Johannes Laudage), 2. völlig überarb. u. stark erw. Auflage, Köln u.a. 2006.

22 Duchesne, Louis, le liber pontificalis. Texte, introduction et commentaire, Band 2, Paris 1955, S. 386387.

23 Vgl. Bischof Otto von Freising, Chronica, S. 553.

24 Vgl. Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom, S. 209, vgl. Baumgärtner, Ingrid, Rombeherrschung und Romerneuerung. Die römische Kommune im 12. Jahrhundert (= Quellen und Forschungen - Aus italienischen Archiven und Bibliotheken), Tübingen 1989, S. 27-79, S. 42 und vgl. Bischof Otto von Freising, Chronica, S. 553.

25 Vgl. Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom, S. 209, vgl. Schmitz-Esser, In urbe, S. 14 und vgl. Gleber, Eugen III., S. 19 und 21.

26 Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom, S. 210.

27 Vgl. ebd., S. 211-213.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Wie sah die Machtstellung des Papsttums zur Zeit der römischen Kommune aus?
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V1010264
ISBN (eBook)
9783346400376
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Papst, Papsttum, Mittelalter, Rom, Kommune, Römische Kommune, Geschichte
Arbeit zitieren
Dominic Dehmel (Autor), 2010, Wie sah die Machtstellung des Papsttums zur Zeit der römischen Kommune aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1010264

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