Vernachlässigung in der frühkindlichen Entwicklung


Hausarbeit, 2021

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Frühkindliche Entwicklung
2.1 Körperliche Entwicklung
2.2 Kognitive Entwicklung
2.3 Emotionale Entwicklung
2.4 Soziale Entwicklung
2.5 Entwicklung des Gehirns

3 Bedürfnispyramide nach Maslow

4 Vernachlässigung
4.1 Aspekte der Vernachlässigung
4.2 Abgrenzung zu anderen Formen der Kindesmisshandlung
4.3 Folgen von Vernachlässigung in der frühkindlichen Entwicklung

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Bedürfnispyramide nach Maslow

Abbildung 2 : Aspekte der Vernachlässigung

1 Einleitung

Das Thema dieser Hausarbeit ist die Vernachlässigung von Kindern in deren frühkindlicher Entwicklung und widmet sich in besonderem Maße den Folgen dieser Vernachlässigung.

Das Bürgerliche Gesetzbuch, welches erstmalig im Jahr 1896 unter Wilhelm dem II. verabschiedet worden ist, hält in §1626 Absatz 1 fest, dass Eltern sowohl die Pflicht als auch das Recht haben, für ihr minderjähriges Kind zu sorgen. Dies beinhalte sowohl die Sorge um die Person des Kindes als auch die um das Vermögen des Kindes (§ 1626 BGB - Einzelnorm, o. J.; SPIEGEL, 2013; vgl. Menzel-Bösing, 2015, s.13).

Dennoch wird, unter anderem in den Medien, diskutiert, dass diese Pflichten häufig verletzt und Kinder somit nicht gesetzeskonform versorgt werden. Inwiefern sich die Vernachlässigung der Kinder von anderen Formen der Kindesmisshandlung unterscheidet und welche langfristigen Folgen die Vernachlässigung für die betroffenen Kinder hat wird in dieser Hausarbeit erörtert.

Hierzu wird zunächst in Kapitel 2 die frühkindliche Entwicklung definiert. Anschließend werden die altersgemäßen Entwicklungsschritte in körperlicher, kognitiver, emotionaler und sozialer Hinsicht sowie die Entwicklung des Gehirns in dieser Altersspanne erläutert. Anschließend werden in Kapitel 3 die kindlichen Bedürfnisse und deren Abhängigkeit voneinander anhand der Bedürfnispyramide nach Maslow verdeutlicht.

Auf dieser Basis werden in Kapitel 4 der Begriff sowie die Formen der Vernachlässigung erklärt und es erfolgt eine Abgrenzung zu anderen Formen der Kindesmisshandlung, ehe auf die Folgen von Vernachlässigung anhand bisheriger Literatur sowie Studienergebnissen eingegangen wird.

Abschließend wird in Kapitel 5 aus den Erkenntnissen dieser Hausarbeit ein Fazit darüber gezogen, welche langfristigen Folgen die Vernachlässigung von Kindern in der frühkindlichen Entwicklung hat.

2 Frühkindliche Entwicklung

Die frühkindliche Entwicklung, die in Verbindung mit der Vernachlässigung das Kernthema dieser Hausarbeit darstellt, umfasst die Entwicklung zwischen dem dritten und dem sechsten Lebensjahr, auch Vorschulalter genannt (Schneider & Lindenberger, 2018, S.192).

Die Erforschung der frühkindlichen Entwicklung hat immer wieder deutlich gezeigt, wie unterschiedlich sich Kinder, in Abhängigkeit von den Gegebenheiten und Einflüssen denen sie ausgesetzt sind, entwickeln können (Schwarzer et al., 2015, S.14).

Obgleich es interindividuelle Unterschiede in der frühkindlichen Entwicklung zwischen den Kindern gibt, gelten gewisse Entwicklungsschritte in der Wissenschaft als angemessen in der jeweiligen Altersgruppe. Im Folgenden werden die zentralen Entwicklungsschritte dieser Altersgruppe unterschieden nach körperlicher, kognitiver, emotionaler und sozialer Entwicklung sowie der Entwicklung des Gehirns vorgestellt.

2.1 Körperliche Entwicklung

Die körperliche Entwicklung schreitet zwischen dem dritten und dem sechsten Lebensjahr bereits langsamer voran, als es in den ersten drei Lebensjahren der Fall war (Schneider & Lindenberger, 2018, S.192).

Während die Kinder ihre Körpergröße innerhalb der ersten zwei Lebensjahre beinahe verdoppeln wachsen sie anschließend nur noch etwa fünf bis acht Centimeter pro Jahr (Schwarzer et al., 2015, S.113).

Neben der in dieser Zeitspanne offensichtlichen körperlichen Weiterentwicklung entwickelt sich auch das zentrale Nervensystem weiter, sodass Kinder auch ihre Grob- und Feinmotorik deutlich verbessern (Schneider & Lindenberger, 2018, S.192). Die Grobmotorik umschreibt die Bewegungsfunktionen wie Laufen und Springen, während sich die Feinmotorik auf einzelne Muskelpartien, besonders die Geschicklichkeit in den Händen und die Sprechmotorik, bezieht (Schneider & Lindenberger, 2018, S.192-193).

Dies führt dazu, dass die meisten Kinder im Laufe dieser Altersspanne zum Beispiel das Schuhe binden und Fahrrad fahren erlernen können, aber auch den sicheren Umgang mit einer Schere oder das Ausmalen von Formen (Schneider & Lindenberger, 2018, S.193; Höhl & Weigelt, 2015, S.61).

2.2 Kognitive Entwicklung

In dieser Phase der Entwicklung finden nicht nur in körperlicher und motorischer, sondern auch in kognitiver Hinsicht große Entwicklungssprünge statt. In diesem Alter lernen Kinder sich Situationen vorzustellen, ohne dass diese tatsächlich stattfinden und beginnen darüber hinaus Symbole zu verstehen, was für den weiteren Sprachlernpro- zess von zentraler Bedeutung ist (Schneider & Lindenberger, 2018, S.194-195).

Trotz der großen kognitiven Weiterentwicklung gibt es weiterhin einige Aspekte, welche die kognitiven Fähigkeiten eines Kindes in diesem Alter noch deutlich von den Fähigkeiten eines Erwachsenen unterscheiden. Zum einen sind die kindlichen Gedanken nach wie vor von Fantasie und Magie geprägt (Schneider & Lindenberger, 2018, S.195). Zum anderen sind Kinder in dieser Entwicklungsphase noch nicht in der Lage bereits erfolgte Situationen und Handlungen rückblickend so zu betrachten, dass sie ihre Abfolge umdrehen könnten oder gar mögliche problembehaftete Aspekte in ihrer Abfolge ausfindig machen könnten (Schneider & Lindenberger, 2018, S.195).

Hinzu kommt, dass ihre Aufmerksamkeit in diesem Entwicklungsstadium meist nur einem Aspekt der Gesamtsituation zukommt (Schneider & Lindenberger, 2018, S.195).

Auch erlernen Kinder erst im Alter von etwa sechs Jahren sich vollständig in die Perspektive und die Gedanken einer anderen Person hineinzuversetzen und erlangen auch erst mit Erlernen dieser Kompetenz die Fähigkeit bewusst zu täuschen bzw. zu lügen (Höhl & Weigelt, 2015, S.96-97 sowie S.99).

2.3 Emotionale Entwicklung

Bereits im Säuglingsalter sind Kinder in der Lage ihre Emotionen zu äußern, indem sie zum Beispiel zu schreien beginnen (Schwarzer et al., 2015, S.236).

Diese ersten Ausdrücke von Emotionen sind dabei aber noch nicht sonderlich differenziert, sondern entwickeln sich besonders im Laufe der ersten Lebensmonate weiter, indem die Kinder beispielsweise beginnen zu lächeln oder Anzeichen von Furcht zu zeigen (Wilkening et al., 2013, S.78-79).

Kinder im Vorschulalter hingegen erleben bereits alle Basisemotionen („Ärger, Furcht, Ekel, Traurigkeit, Fröhlichkeit“) und auch komplexere soziale Emotionen wie Scham und Stolz (Höhl & Weigelt, 2015, S.105-106 sowie S.108).

Zudem können sie in diesem Alter die erlebten Emotionen anhand von Gesichtsausdrücken erkennen und ebenfalls mögliche Auslöser dieser Emotionen ausmachen (Höhl & Weigelt, 2015, S.106).

Emotionen haben somit auch für soziale Interaktionen eine hohe Bedeutung, da sie maßgeblich dafür sind inwiefern interpersonelle Beziehungen aufgebaut, aufrechterhalten oder auch beendet werden können (Wilkening, et al., 2013, S.77).

2.4 Soziale Entwicklung

Bereits bei vier bis sechs Jahre alten Kindern lässt sich prosoziales Verhalten beobachten. Kinder in diesem Alter sind durchaus bereit zu teilen, wenn es sich bei der jeweiligen Person um einen Freund handelt oder eine unbekannte Person. Wenn es sich bei dem Interaktionspartner hingegen um eine Person handelt die ihnen bekannt ist, die sie aber nicht zu ihren Freunden zählen, dann sind sie auch dann nicht bereit zu teilen, wenn sie selbst dabei auf nichts verzichten müssen (Höhl & Weigelt, 2015, S.101).

Das Fortschreiten der sozialen Entwicklung lässt sich ebenfalls in der Art des Spielens beobachten. Erst ab einem Alter von etwa fünf Jahren nehmen interaktive und kooperative Spiele mit anderen Kindern zu, während die Kinder vorher meist für sich allein gespielt haben und dabei kaum mit anderen Kindern interagiert haben (Höhl & Weigelt, 2015, S.102).

Wie bereits angedeutet, ist die soziale Entwicklung eng mit der emotionalen Entwicklung verknüpft. Das zuverlässige Erkennen von Emotionen anderer anhand von Gesichtsausdrücken ist maßgeblich für soziale Interaktionen, wie das gemeinsame Spielen.

Aber auch die kognitive Entwicklung der Kinder steht hinsichtlich der Fähigkeit sich in andere hineinversetzen zu können in einer engen Verbindung mit der sozialen Interaktion und somit auch mit der sozialen Weiterentwicklung.

2.5 Entwicklung des Gehirns

In der bisherigen Entwicklung sind in den Gehirnen der Kinder mehr Synapsen gebildet worden, als notwendig sind, sodass in der Entwicklungsphase zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr besonders viele zuvor „zu viel" gebildete Synapsen eliminiert werden. Eliminiert werden dabei besonders die Synapsen, die selten gebraucht werden. In Abhängigkeit von der Entwicklung der Synapsen, entwickelt sich im Anschluss auch die kortikale Oberfläche und Dicke (Höhl & Weigelt, 2015, S.41).

Folglich hängt die Entwicklung des Gehirns stark davon ab, inwiefern Kinder in dieser Entwicklungsphase gefördert und gefordert werden und welche Einflüsse auf sie einwirken (Höhl & Weigelt, 2015, S.41).

3 Bedürfnispyramide nach Maslow

Die Bedürfnispyramide nach Maslow zählt zu den humanistischen Persönlichkeitstheorien, welche ein optimistisches Menschenbild verfolgen und den Menschen in ihrer eigenen Entwicklung ein hohes, angeborenes Wachstumspotenzial zuschreiben (Ramm- sayer & Weber, 2016, S.146).

Abraham H. Maslow, welcher von 1908 bis 1970 lebte, geht zusätzlich davon aus, dass es zwischen den Bedürfnissen einen hierarchischen Zusammenhang gibt und dieser von hoher Bedeutung für die menschliche Entwicklung ist (Rammsayer & Weber, 2016, S.156).

Er unterscheidet grundsätzlich zwischen Mangel- und Wachstumsbedürfnissen. Die Mangelbedürfnisse, auch Defizitmotive genannt, würden lediglich darauf abzielen einen bestehenden Mangel zu beheben. Die Wachstumsbedürfnisse, auch Wachstumsmotive genannt, hingegen seien nicht nur das Streben nach der Behebung eines bestehenden Mangels, sondern nach einer darüberhinausgehenden Bedürfnisbefriedigung (Rammsayer & Weber, 2016, S.158-159; Nerdinger, 2011, S. 395).

Die von Maslow gewählte Pyramidenform, wie in der nachfolgenden Abbildung dargestellt, soll den hierarchischen Zusammenhang der Mangel- und Wachstumsbedürfnisse verdeutlichen.

Abbildung 1: Bedürfnispyramide nach Maslow

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle : Eigene Darstellung in Anlehnung an Rammsayer & Weber, 2016, S.157; Nerdinger, 2011, S.396

Die Basis aller Bedürfnisse bilden nach Maslow grundlegende physiologische Bedürfnisse, wie Nahrung und Schlaf, welche für das Überleben notwendig sind (Rammsayer & Weber, 2016, S.156).

Erst wenn diese physiologischen Bedürfnisse erfüllt seien, könnten Personen nach höherrangigen Bedürfnissen wie Sicherheit, Zugehörigkeit und Liebe, Anerkennung und zuletzt Selbstverwirklichung streben (Rammsayer & Weber, 2016, S.156).

Diese Annahme ist Teil des Hierarchieprinzips, welches Maslow aufgestellt hat, das besagt, dass das nächsthöhere Bedürfnis erst dann aufkommen kann, wenn das vorherige befriedigt worden ist (Nerdinger, 2011, S.396).

Die Selbstverwirklichung, welche in der Bedürfnispyramide an oberster Stelle steht, kann folglich also erst dann erreicht werden, wenn alle vorherigen Bedürfnisse befriedigt worden sind und entspricht laut Maslows Theorie dem Ziel der menschlichen Entwicklung. Die Selbstverwirklichung umfasst nach Maslow unter anderem die hohe Akzeptanz der eigenen Person, eine gewisse Unabhängigkeit vom sozialen Umfeld aber zugleich auch die Fähigkeit tiefe Beziehungen zu ausgewählten Menschen führen zu können und darüber hinaus auch kulturellen Druck zur Konformität aushalten zu können (Rammsayer & Weber, 2016, S.158).

4 Vernachlässigung

Das statistische Bundesamt hat zuletzt für das Jahr 2019 die durch Jugendämter festgestellten Kindeswohlgefährdungen in Deutschland veröffentlicht. Den dort veröffentlichten Zahlen lässt sich entnehmen, dass Vernachlässigung sowohl hinsichtlich akuter als auch hinsichtlich latenter Kindeswohlgefährdung mehr als 50% der insgesamt festgestellten Kindeswohlgefährdungen, gemäß der Gefährdungseinschätzung nach §8a Absatz 1 SGB VIII, ausmacht (Statistisches Bundesamt (Destatis), 2019, S.11-13).

Die Vernachlässigung von Kindern beschreibt grundsätzlich die willentliche oder unwillentliche Verletzung der elterlichen Sorgepflichten aus dem §1626 Absatz 1 Bürgerliches Gesetzbuch (Preuß & Stümpfig, 2011, S.172; § 1626 BGB - Einzelnorm, o. J.). Folglich erhält ein von Vernachlässigung betroffenes Kind weder in psychischer noch in körperlicher Hinsicht die für die Entwicklung notwendige Fürsorge (Preuß & Stümpfig, 2011, S.172).

4.1 Aspekte der Vernachlässigung

Die Vernachlässigung eines Kindes kann verschiedene Formen annehmen. Allen Formen gemein ist die Tatsache, dass bestehende Bedürfnisse des Kindes in körperlicher oder psychischer Hinsicht nicht oder nicht ausreichend befriedigt werden (Alle, 2012, S.22).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Vernachlässigung in der frühkindlichen Entwicklung
Hochschule
Hochschule Fresenius Idstein  (Hochschule Fresenius onlineplus)
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
17
Katalognummer
V1010284
ISBN (eBook)
9783346401038
ISBN (Buch)
9783346401045
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Vernachlässigung, frühkindliche Entwicklung, Kindesmisshandlung
Arbeit zitieren
Jessika Sprenkelder (Autor), 2021, Vernachlässigung in der frühkindlichen Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1010284

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