Indianische Sprachen im Andengebiet und spanische Sprachpolitik im 16. und 17. Jahrhundert


Hausarbeit, 1996
19 Seiten

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Inhalt

1. Einleitung

2. Die sprachliche Situation im Andenraum in prekolumbischer Zeit
2.1. Quechua
2.1.1. Wissenschaftliche Hypothesen zur Genese des Quechua
2.1.2. Cuzco - Quechua / Incastaat
2.1.3. Wissenschaftliche Klassifikation und Verbreitung heute
2.2. Aymara und andere andine Sprachen

3. Spanische, koloniale Sprachpolitik
3.1. Anfängliche Verständigungsschwierigkeiten
3.2. Christianisierung
3.2.1. Die encomiendas
3.2.2. Das Quechua als "lengua general"
3.2.3. Die Rolle des Indienrates in der Sprachenpolitik
3.2.4. Verdrängung und Verbot des Quechua

4. Schluß

5. Bibliographie

1. Einleitung

In einer Situation, in der eine bestimmte Staatsmacht über andere Völker herrscht, also zum Beispiel in Kolonien, entsteht auch fast immer ein Problem in der Kommunikation. Der Herrschende möchte die Arbeit des Unterdrückten für sich nutzen und muß sich daher zwangsläufig mit ihm verständigen. Die Verständigungsmöglichkeit bei Sprachen, insbesondere wenn sie nur geringe oder gar keine gemeinsamen Wurzeln besitzen, sinkt allerdings mit dem Grad der Verschiedenheit.

In besonderem Maße gilt dies für die sprachliche Situation, auf die die Spanier in Mittel- und Südamerika trafen. Kolumbus hatte bei seiner ersten Reise einen latein- und einen arabischsprechenden Dolmetscher mit, da er - bzw. alle in der sogenannten „alten Welt“ - davon ausging, daß Latein die universale Weltsprache sei, man sich im Ausnahmefall aber ohne größere Probleme auch auf Arabisch verständigen könne. Die Sprachen aber, auf die man im vermeintlich entdeckten Westindien traf, wiesen keinerlei Ähnlichkeit mit den in der „alten Welt" bekannten Sprachen auf. Vielmehr handelte es sich um in mehreren Jahrhunderten gewachsene, autochthone Sprachen und Sprachengruppen, bei denen zum Teil auch untereinander eine Verständigung unmöglich war.

Diese Arbeit befaßt sich nun im ersten Teil mit der von den Spaniern vorgefundenen sprachlichen Situation im Andenraum, hier speziell eine Untersuchung des Quechua und seiner Sprecher.

Im zweiten Teil werde ich die spanische, koloniale Sprachenpolitik des 16. und 17. Jahrhunderts analysieren und zwar insbesondere in Bezug auf die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Ziele der Akteure dieser Zeit, also der spanischen Krone, des Indienrates, der Siedler (encomenderos), der Kirche und der Indianer. In diesem Teil wird sich meine Untersuchung allerdings nicht auf das Andengebiet beschränken, da die Sprachpolitik für die Kolonien im großen und ganzen eine ähnliche war.

Probleme ergaben sich in diesem Teil der Arbeit bei der Darstellung zeitlicher Abläufe, da viele Entwicklungen parallel verliefen, begünstigt unter anderem durch die räumliche Ausdehnung des kolonialen Gebietes. Zum Teil wurde nämlich, besonders von kirchlicher Seite, eine andere Politik verfolgt, als sie die spanische Krone vorgab. So verlief beispielsweise die offizielle Unterstützung der Christianisierung in den encomiendas parallel zur Missionierung der Indianer in ihrer eigenen Sprache durch die Bettelorden der Franziskaner, Dominikaner, Jesuiten und anderer.

2. Die sprachliche Situation im Andenraum in prekolumbischer Zeit

Als die Spanier Anfang des 16. Jahrhunderts in das Andengebiet vorstießen, war die sprachliche Situation die, daß einer Vielzahl von größeren und kleineren Sprachgruppen und Dialekten einige wenige Hauptsprachen gegenüberstanden, von denen die wichtigste das Quechua war, aber auch Aymara, Puquina und Muchic dürfen nicht unerwähnt bleiben.

2.1. Quechua

Da das Quechua auch heute noch zwischen Südkolumbien und Nordwestargentinien die weitestverbreitete Indianersprache ist mit geschätzten fünf bis sieben Millionen Sprechern, befaßt sich meine Arbeit auch in erster Linie mit dieser wichtigsten, andinen Sprache.

2.1.1. Wissenschaftliche Hypothesen zur Genese des Quechua

Bei einer Betrachtung zur Entstehung und Verbreitung des Quechua besteht das Problem, daß die Wissenschaft für die Zeit vor der Ankunft der Spanier nur Vermutungen anstellen kann, da die Kulturen der Indianer keine Schriftsprache besaßen. Aus diesem Grunde haben die Forscher auf andere Eruierungsmethoden zurückgreifen müssen, die allerdings für Ethnologen und Linguisten aber auch für Historiker - insbesondere Altertumsforscher - nicht unbedingt ungewöhnlich sind, jedoch schwerer beweisbar sind, dementsprechend auch immer wieder zur Disposition gestellt werden müssen. Es sind dies vor allem mündliche Überlieferungen, in diesem Fall der Indianer, und archäologische Funde, von denen aus sich Rückschlüsse auf frühere Entwicklungen schließen lassen. Ferner hat man ziemlich gesicherte Erkenntnisse über die Verhältnisse in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in der die Indianer zwar schon unterworfen aber doch weitestgehend in traditioneller Weise weiterlebten. Das Wissen über diese Zeit erhalten die Wissenschaftler von spanischen Chronisten, die schon früh bei und mit Indianern gelebt haben, unter ihnen besonders zu nennen der spanische Geistliche Francisco de Avila, dessen Aufzeichnungen über die Mythen der Leute in Huarochirí auf Quechua geschrieben sind, und deshalb die ersten quechuasprachigen Schriftdokumente sind.

Aber auch aus diesen Aufzeichnungen lassen sich nur wenige Vermutungen anstellen über die Entwicklung des Quechua insgesamt. Der amerikanische Linguist Gary Parker unternahm 1963 einen ersten Versuch, eine Ur-Quechuasprache zu rekonstruieren1. Von der Existenz eines solchen Protoidioms, aus dem dann sämtliche höher- und weiterentwickelten Dialekte und Sprachen des Quechua entstanden sind, geht man inzwischen aus. Dieses Protoquechua entwickelte sich aus der südlichen Sierra Perus heraus, und zwar in einer „expansión inicial“, wahrscheinlich im 9. Jahrhundert2. Den Erfolg dieser Sprache führt A. Torero auf Prozesse zurück, welche „fueron tal vez facilitados por una situación de babelismo“3.

2.1.2. Cuzco-Quechua und Inca-Staat

Eine weitere Quechuisierungswelle gab es ab dem 13. Jahrhundert mit der Expansion der Inca.

Die Inca waren ein Indianervolk, das sich um 1200 um Cuzco ansiedelte und in den folgenden Jahrhunderten ein für die damalige Zeit riesiges Gebiet und in diesem einen mächtigen Staat aufbaute. Zwischen 1438 und der Eroberung 1533 durch den Spanier Pizarro, dem Zeitraum der größten Ausdehnung, umfaßte das Gebiet der Inca den Andenraum vom heutigen Nordchile bis in den Süden Kolumbiens. In ihrem angestammten Gebiet um Cuzco entwickelte sich der Cuzco-Dialekt des Quechua, unter anderem durch eine teilweise Vermischung mit dem Aymara, einer anderen autochthonen Andensprache, da Cuzco umgeben war von aymarasprachigen Eingeborenen. 20% des Vokabulars des Cuzco-Dialekts sind zum Beispiel eine Übernahme aus dem Aymara. Ferner gibt es hier eine Übereinstimmung in der Aussprache bei Verschlußlauten. In den Indianersprachen weisen nämlich nur Aymara und das Cuzco-Quechua einfache, aspirierte und glottalisierte Verschlußlaute auf, welchen nicht nur phonetische sondern auch phonemische Bedeutung zukommt. So bedeutete beispielsweise tanta (einfach) = Versammlung, t’’anta (aspiriert) = zerlumpt und t’anta (glottalisiert) = Brot. Dies Beispiel zeigt eine der Schwierigkeiten, welche die spanischen Missionare beim Erlernen zu beachten hatten, ein Umstand, der allerdings nicht an dieser Stelle zu erörtern ist.

Mit der Ausdehnung des Incareiches war das Cuzco-Quechua Teil der drei staatsbildenden Elemente der Inca, nämlich dem Sonnenkult als Religion, der zentralausgerichteten Organisation der Verwaltung und eben der Sprache, und wurde dadurch zur Staatssprache. Außerhalb des Reichsgebietes entwickelte sich das Quechua zur Handels- und Verkehrssprache. In dem Zeitraum ihrer größten Macht hatten die Inca also ihre Sprache den unterworfenen Völkern auferlegt. Die Forscher unserer Tage haben sich oft die Frage gestellt, wie solch eine schnelle Übernahme einer Sprache durch andere möglich war. Vollständig wird dies nicht zu klären sein, aber ein Grund liegt in der Tatsache, daß die Inca das Quechua zwar zur offiziellen Sprache gemacht hatten, die vielen Regionalsprachen aber auch weiterhin gesprochen wurden und nur zu einem geringen Teil verdrängt wurden. Aber auch die Politik der Inca trug zu der schnellen Verbreitung ihrer Sprache bei. Zum Beispiel wurden einzelne Familien oder auch Stämme innerhalb des Reichsgebietes umgesiedelt, um eine sprachliche Assimilierung zu erreichen. Ferner wurden Lehrer aus Cuzco in sämtliche Gebiete geschickt, um den Cuzco-Dialekt zu lehren. Eine weitere Maßnahme bestand darin, die adligen Söhne der unterworfenen Stämme zum Unterricht nach Cuzco zu senden, damit diese die Sprache, aber auch die Lebensgewohnheiten der Inca erlernten.

2.1.3. Wissenschaftliche Klassifikation und Verbreitung heute

Da man beim Quechua weniger von einer Sprache mit Dialekten als vielmehr von einer Sprachgruppe mit Einzelsprachen sprechen muß, der Begriff Quechua also nur ein Oberbegriff ist, soll hier nun die wissenschaftliche und regionale Unterteilung der Sprache betrachtet werden. Die beiden bekanntesten Modelle einer Sprachgliederung wurden von Gary Parker und A. Torero vorgenommen.

Parkers Schema bringt eine Zweiteilung in Quechua A und Quechua B mit sich:

Quechua A (QA) beinhaltet die Untergruppen, d.h. Regionen, wo diese Dialekte anzutreffen sind, Ayacucho, Cuzco, Bolivien, Argentinien, Ecuador - Kolumbien - Ucayali - San Martín - Cajamarca, Amazonas und Küsten -Quechua (ausgestorben), Quechua B (QB) die Untergruppen Ancash, Huánuco, Junín - Pasco4. Demzufolge ist QA in Nordargentinien, Bolivien, Nordperu, Südperu, Ecuador und Südkolumbien anzutreffen, während QB hauptsächlich in Zentralperu im Andengebiet um Lima gesprochen wird. „Während die Dialektunterschiede innerhalb jeder Gruppe beträchtlich sind, werden sie jedoch im Gegensatz zu der großen linguistischen Distanz, die zwischen A und B besteht, als relativ homogen in sich selbst bezeichnet.“5 Parker vergleicht die Differenz zwischen QA und QB mit der zwischen dem Französischen und dem Spanischen, welche aber beide zu den romanischen Sprachen gehören. Mit dieser Teilung in zwei verschiedene Quechuagruppen wird also auch beschrieben, daß es im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Auseinanderentwicklung dieser Sprache kam, welche ja einem Protoidiom entsprang.

A. Torero veröffentlichte 1964 eine eigene Quechua-Dialekt-Klassifikation, und zwar unterteilte er das Quechua in Quechua I und Quechua II, wobei ersteres dem QB und letzteres dem QA Parkers größtenteils entspricht. Torero unterscheidet das Quechua II (QII) außerdem noch in drei Untergruppen A, B und C, wobei das QIIC noch zwei Varianten, ‘a’ = ayacuchano und ‘c’ = cuzqueño, aufweist.

QIIA findet sich in wenigen Regionen des Departamiento Lima sowie in den Dept. Lambayeque und Cajamarca, QIIB hauptsächlich in einigen Regionen des Amazonasgebietes Perus, in Ecuador und Südkolumbien. QIIC’a’ umfaßt die Dept. Ayacucho, Huancavelica sowie die westlichen Teile der Dept. Apurímac und Cuzco, während QIIC’c’ in den östlichen Teilen der Dept. Apurímac und Cuzco, außerdem im Dept. Puno gesprochen wird.

2.2. Aymara und andere andine Sprachen

Neben dem Quechua gab und gibt es natürlich noch unzählige andere Sprachen, von den das Aymara die Sprache mit den meisten Sprechern war und ist. Heutzutage wird die Zahl der aymarasprechenden Bevölkerung im Andengebiet auf 500.000 bis 600.000 Sprechern geschätzt. Es ist generell festzustellen, daß das Aymara immer noch ständig zurückweicht, um dem Quechua Terrain zu überlassen. Nach Schätzungen von Torero breitete sich das Aymara erst im 13. Jahrhundert auf dem Altiplano aus, und muß ursprünglich am weitesten im Bereich der mittleren Anden verbreitet gewesen sein.

Im Gegensatz zum Aymara wird eine andere Sprache, das Puquina, heute als das älteste und im Bereich der südlichen Anden weitestverbreitete Idiom angesehen. Den Status einer lengua general verlor es jedoch schon kurze Zeit nach der Conquista, im 16. und frühen 17. Jahrhundert.

Als letzte Hauptsprache des Andenraumes ist noch das Muchic zu nennen, welches in ähnlicher Weise verdrängt wurde, sich aber im Gegensatz zum Puquina, das im 17. Jahrhundert praktisch nicht mehr existierte, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im Norden Perus in der Ciudad Etén halten konnte.

3. Spanische, koloniale Sprachpolitik

3.1. Anfängliche Verständigungsschwierigkeiten

Vor und während der ersten Entdeckungszeit gingen die Europäer davon aus, daß Latein und Arabisch die universalen Weltsprachen seien. Kolumbus hatte dementsprechend je einen Dolmetscher dieser Sprachen mit sich geführt, da er ja ursprünglich vorgehabt hatte, den Seeweg nach Indien zu finden. Er hatte sich vorgestellt, dort auf jüdische oder arabische Kaufleute zu treffen, mit denen er sich via Übersetzer hätte verständigen können.

Da die Spanier bekanntlich auf vollkommen unverwandte Sprachen trafen, ging es also zunächst nur um eine sprachliche Verständigung zwischen Eingeborenen und Entdeckern. Für viele Einwanderer war zunächst sogar nur wichtig, das Gold zu finden, das man bei Indianern als Schmuck gesehen hatte. Da sie sich aber nicht dazu „herablassen“ wollten, die Sprache der „primitiven“ Eingeborenen zu lernen, wurde einigen Indianern Spanisch gelehrt, so daß diese als Dolmetscher auftreten konnten. Einige Eingeborene wurden auch mit nach Spanien genommen, um dort die neue Sprache und den Umgang mit der Kultur zu lernen. Pizarro hatte zum Beispiel 1527 einen Indianer aus Túmbez mit nach Spanien genommen, ihn im Spanischen unterrichtet und 1532 als Dolmetscher bei der Eroberung Perus zu Hilfe genommen.

Zum Teil entstanden auch Situationen, in denen Spanier eine Zeit lang mit den Indianern leben mußten, unter anderem in Gefangenschaft, und dadurch die Eingeborenensprachen lernten. Hernán Cortés beispielsweise wurde bei seiner Eroberung des Aztekenreiches von dem Spanier Jerónimo de Aguilar begleitet, der nach einem Schiffbruch einige Jahre unter Indianern gelebt und die dortige Sprache erlernt hatte.6

3.2. Christianisierung

Eines der Hauptziele der Kolonisierung Amerikas war die Missionierung der Eingeborenen. Dies ergab sich daraus, daß die katholischen Könige ihren Machtanspruch in den neuen Gebieten auf eine päpstliche Bulle begründen konnten, die besonders die Missionierung in den Vordergrund stellte. Diese Bulle war den spanischen Königen7 Rechtsgrundlage für die Inanspruchnahme der Macht in Amerika. Im Zusammenhang mit der Frage der Christianisierung trat auch schnell das Problem der Sprache auf. In welcher Sprache sollten die Indianer zum christlichen Glauben bekehrt werden?

Die eine Seite wollte die Eingeborenen möglichst schnell missionieren und trat deshalb dafür ein, die Pfarrer die Indianersprachen lernen zu lassen. Erst danach sollten die Indianer in die spanische Kultur inklusive Sprache einbezogen werden. Diese Auffassung vertraten in erster Linie die Bettelorden und mit ihnen die katholischen Kirche. Später schloß sich auch König Philipp II. dieser Meinung an, was sich unter anderem in den Erlassen (Real Cédulas) in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zeigt.

Der Indienrat hingegen, der die Meinung der spanischen Siedler in den Kolonien vertrat, drängte auf eine möglichst schnelle Akkulturation der eingeborenen Bevölkerung, da bei deren Isolierung die Möglichkeit der Bildung einer Opposition gegen die spanischen Einwanderer bestand. Die beste und zugleich einfachste Umsetzung dieser Eingliederung der Indianer in kulturelle Gegebenheiten der Spanier waren nach Ansicht der Siedler die encomiendas.

Beide Seiten waren sich allerdings darin einig, daß die Indianer Spanisch lernen müßten und sich in die spanische Lebensweise eingliedern sollten. Der Unterschied bestand jedoch, wie oben beschreiben, im Zeitpunkt des Beginns der Erziehung. Die kirchliche Seite wollte dies nach der erfolgreichen Missionierung, die Gegenseite sofort.

3.2.1. Die Encomiendas

Im Verlauf der spanischen Reconquistakriege hatten die katholischen Könige die unterworfenen Muslime und Juden zwecks Isolierung häufig in Ghettos zusammengezogen. Diese Form der Rassentrennung war anfangs in den Kolonien in keiner Weise geplant gewesen. Vielmehr sollten Indianer und spanische Siedler in sogenannten encomiendas zusammen leben.

Im Jahre 1512 wurde in den Gesetzen von Burgos das encomienda -System für das gesamte amerikanische Kolonialgebiet angeordnet.

Die Idee dieser encomiendas sah so aus, daß mehrere Indianer, z.T. sogar ganze Stämme, in der Nähe der Siedler wohnten und für diese, emcomenderos genannten, arbeiteten. Als Gegenleistung sozusagen hatten die Siedler die Aufgabe und die Pflicht, die Indianer zu missionieren. Ferner sollte mit der Christianisierung die Zivilisierung, das hieß in diesem Falle Hispanisierung bzw. Europäisierung, der Indianer einhergehen. Zivilisierung hieß Annahme des christlichen Glaubens, Gewöhnung an europäische Kultur und Sitte sowie den Gebrauch der spanischen Sprache. Letzteres hätte bei einer erfolgreichen, flächendeckenden Ausdehnung dieses Systems eine Ausrottung der indianischen Sprachen zur Folge gehabt.

Die Vorstellung von den encomiendas beinhaltete also das symbiontisch zu nennende Verhältnis zwischen encomendero und Indianer. Die Siedler hatten die Aufgabe zu erziehen, zu missionieren, und die Indianer mußten arbeiten. „Der Patriarchalismus als Typ der Kolonialherrschaft mußte die Akkulturation (und Assimilation - d. Verf.) der Indianer erleichtern.“8

Patriarchalismus und Symbiose sind zwar für gewöhnlich durchaus unterschiedliche Dinge, jedoch greifen beide Bilder für die Beschreibung der Beziehung Indianer encomendero. Einerseits war die Idee die, daß die spanischen Siedler ähnlich einem Familienoberhaupt für die Indianer zu sorgen hätten, andererseits sollten sie auch den Nutzen indianischer Arbeit haben.

Allerdings häuften sich im Verlauf des 16. Jahrhunderts die Klagen über encomenderos, die sich nicht um die religiöse Erziehung „ihrer“ Indianer kümmerten, diese vielmehr durch zu harte Arbeit zugrunde richteten.

Andererseits zeigten sich die Indianer häufig als sehr resistent gegenüber den neu zu erlernenden Gebräuchen, vor allem jedoch lehnten sie die Religion und die Sprache der Einwanderer ab.

Als Reaktion darauf forderten viele Anhänger der sogenannten indigenistas (Bewegung der Indianerfreunde) eine Umwandlung der encomiendas in erbliche Grundherrschaften, da die Spanier die Indianer eher schützen würden, wenn diese ihnen nicht nur als vorübergehende Arbeitskraft zur Verfügung stünden. Eine andere Richtung befürwortete die Abschaffung der encomiendas, da sie davon ausging, daß die Indianer besser missioniert werden könnten, wenn sie möglichst isoliert von den Spaniern leben würden. Außerdem sei mit weniger Widerstand der Indianer zu rechnen, da sie ihre eigene Sprache benutzen könnten. Dies habe auch die Erfahrung in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gezeigt, da durchaus nicht alle Eingeborenen in encomiendas lebten.

Die Indianer nämlich, die nicht in encomiendas lebten, wohnten nach wie vor in ihren Dörfern und Siedlungen. Mit der Zeit versuchten die Bettelorden, mit möglichst vielen Pfarrern die Indianer zu bekehren. Dafür mußten diese zuerst die einheimischen Sprachen lernen, da eine Missionierung mit Dolmetschern sich als nicht praktikabel erwies, da zum Beispiel die Beichte nach katholischem Glauben nicht über dritte erfolgen darf. Da die Ordensmitglieder bei ihrer Mission aus der Natur der Sache heraus engagierter waren, gab es auch mehr Erfolge als auf den bei encomiendas. Ferner war es für eine Person leichter, eine fremde Sprache zu lernen, als für die Bevölkerung eines ganzen Kontinents, zumal bei letzteren auch eine fehlende Motivation, bekehrt zu werden, ursächlich war.

3.2.2. Das Quechua als „ lengua general “

Die Ansicht, daß die Eingeborenen besser missioniert werden könnten, wenn dies in ihren eigenen Sprachen geschehe, setzte sich im Verlauf des 16. Jahrhunderts auch in der offiziellen, spanischen Politik immer mehr durch. Besonders Philipp II. widersprach einer gewaltsamen Hispanisierung der Neuen Welt, da er soziale und politische Unruhen fürchtete.

Dabei trat allerdings sofort das nächste Problem auf. Man hatte natürlich längst bemerkt, daß es unzählige Sprachen auf dem neu entdeckten Kontinent gab. Das hieß auch, daß es unmöglich war, für alle Sprachen eine Glaubenslehren- geschweige denn eine Bibelübersetzung anzufertigen. Also mußten die Spanier ihre Mission auf einige wenige Sprachen reduzieren, und diese dann als lengua general flächendeckend einführen.

Im Andengebiet kam ihnen die weite Verbreitung des Cuzco-Quechua sehr zu Hilfe, da die Inca, wie im ersten Teil beschreiben, das Quechua zur Staatssprache gemacht hatten, sowie außerhalb ihres Machtgebietes zur Handelssprache. Damals war es jedoch nicht zur vollständigen Verbreitung des Quechua gekommen, da sich viele, besonders weiter abgelegene, Stämme dem staatlichen Druck zum Teil hatten entziehen können.

Die Spanier nutzten also die sehr weite Verbreitung des Cuzco-Quechua und machten es zur lengua general, um möglichst sämtliche in den Anden wohnenden Indianer zu Christen zu machen. Interessanterweise gelang es ihnen mit der Zeit, das Cuzco- Quechua weiter zu verbreiten, als es den Inca jemals gelungen war.

Um im Quechua zu missionieren mußten zuerst Priester und Ordensleute unterrichtet werden. Nach 1524 erschienen viele Bücher zum Erlernen einiger Indianersprachen, unter anderen für das Quechua 1560 die Gram á tica o arte de la arte de la lengua general de los Indios de los Reinos de Per ú des Fray Domingo de Santo Tomás, welcher dieser Sprache auch zum erstmals den schriftlichen Namen Quichua gab. Vorher nannte man die Sprache nur lengua general de las ingas (Inca).

Allerdings dauerte es sehr lange bis offizielle Fassungen von Bibel- bzw. Glaubenstexten ins Quechua übersetzt waren, da es in einer neu zu erlernenden Sprache viele Möglichkeiten für Fehler gibt, und diese unter keinen Umständen entstehen durften, da eine spätere Korrektur die Indianer an der Glaubwürdigkeit der Religion hätte zweifeln lassen können. Ferner befürchteten die Spanier, daß neues Gedankengut in die katholische Glaubenslehre gelangen könnte. Die Angst vor der Reformation, die zeitgleich in Mitteleuropa stattfand, war groß, insbesondere für die spanische Kirche, welche die übersetzten Texte auch lange prüfen ließ. Deshalb wurde die erste Übersetzung einer Glaubenslehre mit Erklärungen auch erst auf dem ersten Limaner Konzil im Jahre 1552 genehmigt.

In der Folgezeit wurden alle Priester dazu aufgefordert, ihre Messen nur noch auf Quechua abzuhalten, ebenso die Beichte abzunehmen. Viele Pfarrer bedienten sich jedoch noch Dolmetschern, woraufhin mehrere Konzile und Synoden immer wieder das Erlernen der Indianersprachen anmahnten9. Auf der Synode von Quito 1570 wurde beispielsweise bestimmt, „daß die Pfarrer in Indianergemeinden innerhalb eines halben Jahres die im Bistum verbreitete allgemeine Indianersprache und etwas von dem besonderen Dialekt ihrer Pfarrkinder“10 zu erlernen hätten. Andernfalls würde ihnen die Hälfte des Jahresgehalts abgezogen.

Am 19. September 1580 machte Philipp II. in einer Real Cédula die Sprachenbestimmung zum Gesetz für die Kolonien.

Um für die Missionare das Erlernen der neuen Sprachen zu vereinfachen, wurde an den Universitäten (wie z.B. in Lima) ein Lehrstuhl für die jeweilige lengua general eingerichtet. Niemand durfte danach eine Indianerpfarrei erhalten, der nicht ein Examen an einer Universität in einer Indianersprache abgelegt hatte.

Dieser Grundsatz der Kenntnis einer lengua general als Voraussetzung für die Missionierung wurde in der Folgezeit oft in Erlassen wiederholt, da nicht alle Geistlichen in den Kolonien sich daran hielten bzw. halten wollten.

3.2.3. Die Rolle des Indienrates in der Sprachenpolitik

Die im letzten Abschnitt beschriebene Sprachpolitik für Amerika hatte viele Gegner, von denen der Indienrat diese am schärfsten kritisierte und immer wieder beim König intervenierte, um eine Änderung der sprachlichen Regelung zu erreichen. Der Indienrat war ein Gremium, das dem König direkt unterstellt war und mit der Organisation der Verwaltung in den Kolonien betraut war11. In seinem Selbstverständnis empfand sich der Indienrat als Lobby der spanischen Siedler und Geistlichen in Amerika, deren Interessen es gegenüber dem König zu vertreten galt. Insbesondere in der Sprachenfrage forderte der Indienrat die Aufhebung der Bestimmungen zum zwangsweisen Erlernen der Indianersprachen für Geistliche, da gerade die eingewanderten spanischen Priester in diesem Punkt benachteiligt waren gegenüber den spanischstämmigen, aber in den Kolonien geborenen Pfarrern12, da diese mit den Missionssprachen eher vertraut waren. Einer Indianerpfarrei zugeteilt zu sein, bedeutete nämlich auch durchaus einen finanziellen Vorteil für die Missionare. Diese Vorzüge konnten aber nur noch von wenigen Spaniern genutzt werden13. Der Indienrat brachte aber auch andere Argumente gegen die gängige Sprachpolitik vor. Karl V. hatte nämlich schon 1550 in einer Real Cédula behauptet, daß die indianischen Sprachen eigentlich zu primitiv seien, um in ihnen die gesamten Mysterien und Besonderheiten des christliche Glaubens wiederzugeben14.

Diese Argumentation machte sich der Indienrat zu eigen und untermauerte damit sein Eintreten für eine generelle Unterrichtung der Indianer im Spanischen. In einem Gutachten an Philipp II. ging man 1596 mit einer Forderung sogar so weit, daß sämtliche Indianersprachen nach und nach durch das Spanische zu ersetzen seien. Nach diesem Gutachten hätten die Indianer, auch untereinander, nur noch Spanisch reden dürfen. Eine Etappe zum Erreichen dieses Ziels wäre gewesen, die Kaziken und anderen Oberen der Indianerstämme bei hoher Strafandrohung zu verpflichten, nur noch Spanisch zu sprechen. Von diesen seien die anderen Eingeborenen abhängig und würden dem ‘Beispiel’ folgen.

Philipp II. lehnte diese Form der zwangsweisen Assimilierung jedoch ab. Er fürchtete nämlich immer noch, daß allzustark ausgeübter Zwang, die Indianer zu mehr Widerstand bewegen könnte. Ferner war er sich bewußt, daß eine sofortige Umstellung viel Zeit gekostet hätte, was er aber unter keinen Umständen wollte, da er den päpstlichen Missionsauftrag sehr ernst nahm, und aus diesem Grunde eine Verzögerung der Heidenmission absolut ablehnte. In einer Real Cédula vom 3. Juli 1596 wiederholte der König, quasi als Antwort auf das Gutachten des Indienrates, seine gesetzliche Bestimmung des Jahres 1590. Er verlangte jedoch auch, denjenigen Eingeborenen Spanisch zu unterrichten, die sich freiwillig melden würden. Hierfür wurden eigens Schulen gegründet, um möglichst vielen Indianern zu ermöglichen, Spanisch zu erlernen. Allerdings zeigten diese sich nur sehr wenig interessiert an den Möglichkeiten, da sie, wie für eine sprachlich, kulturelle Gruppe gewöhnlich, an ihren Sprachen festhielten.

In dieser letztgenannten Maßnahme Philipps II. zeigten sich indes die ersten Früchte der Argumentation des Indienrates. Deren eigentliche und für die Zeit zugkräftigste Begründung einer Sprachpolitikveränderung lag bei den imperialen Vorbildern der Spanier, den Griechen und Römer. Diese hatten ebenfalls ein Reich erobert, das zu ihrer Zeit einen Großteil der bekannten Welt ausmachte. Griechen und Römer hatten den unterworfenen Völkern unter anderem auch ihre Sprache oktroyiert. Daraus war eine kulturelle und ethnische Verschmelzung erfolgt, die einen erheblichen Wandel der nationalen Identität der einzelnen Völker bewirkt hatte. Schließlich war das Spanische selbst aus dem Lateinischen hervorgegangen.

Der Indienrat vertrat nun also die Auffassung, zu einem Machtanspruch auf ein solch großes Imperium wie dem spanischen gehöre auch die Auferlegung der Sprache der Herrschenden. Juan de Solórzano, seit 1628 Mitglied des Indienrates, meinte hierzu, daß, „ die Ähnlichkeit und Gleichartigkeit der Worte fast immer zu versöhnen pflegen und die Menschen zu einer wahrhaften Vereinigung und Freundschaft führen“15. Wenn die Indianer spanisch redeten, so die Meinung, würden sie die Sitten und auch allgemein die Zivilisation mit übernehmen.

Der besondere Unterschied dieser Sprachpolitik, die in dieser Form noch nicht offiziell war, zu der der Toleranz bzw. Förderung der Eingeborenensprachen war, daß es jetzt nicht mehr nur um die Missionierung der Indianer ging, sondern darüber hinaus um die Zivilisierung und um die Untermauerung des imperialen Anspruchs. Im 17. Jahrhundert betonte die spanische Krone immer wieder den Wunsch nach Zweisprachigkeit der Indianer, unter anderem versuchte man jetzt die Ortspfarrer dafür zu gewinnen, Spanisch zu unterrichten. In dieser Zeit tauchte auch ein neues Argument auf, nämlich daß die Eingeborenen sich besser verteidigen könnten gegen Ungerechtigkeiten der Conquistadoren, wenn sie deren Sprache beherrschten, da viele Dolmetscher, die eigentlich neutral sein müßten, von „den Spaniern und anderen interessierten Personen“16 bestochen würden und die Übersetzungen in ihrem Sinne willkürlich veränderten.

3.2.4. Verdrängung und Verbot der „ lenguas generales “

In den achtziger Jahren des 17. Jahrhunderts verzeichnete sich zum ersten Mal ein zuerst noch relativ kleiner aber doch entscheidender Wechsel in der kolonialen Sprachpolitik. Der Bischof von Oaxaca regte 1688 an, als Anreiz für die Indianer zum Erlernen des Spanischen, die begehrten Ämter der Gouverneure, Alkalden und anderer nur noch an spanischkundige Eingeborene zu vergeben. Dieser Vorschlag wird zwar übernommen, jedoch dahingehend verändert, daß bei gleicher Eignung ein spanischsprechender Indianer vorzuziehen sei.

In einer weiteren Verordnung vom 30. Mai 1691 allerdings wird die Kenntnis des Spanischen als obligatorisch für die Erlangung eines Amtes erklärt. Dies ist die tiefstgreifende Veränderung der grundsätzlichen Sprachpolitik seit Philipp II.

Auch in diesen neuen Verordnungen zeigt sich erneut die Argumentation, daß die unteren Angehörigen einer Indianergemeinschaft von den Kaziken und anderen Oberen abhängig seien und auf diese Weise die neue Sprache erlernen würden. Zur Unterrichtung dieser wurden die Geistlichen in den Ortschaften wiederholt angewiesen, das notwendige sprachliche Wissen zu vermitteln. Dies gelang jedoch nur teilweise. So heißt es beispielsweise 1768 in einer Eingabe der Stadt Cuzco an den König, daß viele Pfarrer den Anordnungen nicht folge leisteten und es deshalb, immerhin fast drei Jahrhunderte nach der Entdeckung und zweieinhalb Jahrhunderte nach der Eroberung Amerikas, immer noch Orte gäbe, an denen kein Spanisch gesprochen würde17. In der Meinung des Erzbischofs von Mexiko, Francisco Antonio Lorenzana, wurde die Verbreitung des Spanischen immer schwerer durchführbar, wie er in einem Hirtenbrief aus dem Jahre 1769 schreibt: „Obgleich die Anordnung, daß die Indianer die spanische Sprache erlernen, einer der am häufigsten und in voller Berechtigung wiederholten Erlasse dieser Reiche gewesen ist, dessen Ausführung den Geistlichen und weltlichen Autoritäten übertragen war, scheint es, daß, anstatt damit vorangekommen zu sein, die Durchführung jeden Tag sich unmöglicher erweist.“18 In der Tat hatten sich in den Jahrhunderten seit der Unterwerfung der amerikanischen Gebiete viele Sprachen weiterentwickelt, einige waren ausgestorben, neue Dialekte entstanden. Anhand der lenguas generales wurde die Unterrichtung im Spanischen wirklich schwieriger, da natürlich auch die Spanier die neuen oder veränderten Sprachen hätten lernen müssen.

Lorenzana fordert in diesem Hirtenbrief unter Hinweis auf die Römer und Griechen sowie auf die Inferiorität der Indianersprachen die absolute Ausrottung der vielen Landessprachen zugunsten eines einheitlichen Spanisch.

Karl III. entschied am 22. März 1770, daß die Vorschläge des Erzbischof durchzuführen seien. Damit war die Phase der Toleranz und des Nebeneinanders der verschiedenen Sprachen beendet. Allerdings wurden die Indianersprachen auch in der Folgezeit wenn auch stark reduziert, jedoch nie vollständig vernichtet, was sich an z.B. heute noch fünf bis sieben Millionen Quechua-Sprechern belegen läßt.

4. Schlußbetrachtung

Abschließend müssen wir uns fragen, was die Analyse der kolonialen Sprachpolitik ergeben hat? Festzustellen ist in erster Linie, daß die Sprachpolitik der spanischen Krone im ersten Jahrhundert der Christianisierung absolut untergeordnet war. Träger und Hauptakteure der Missionierung waren die Bettelorden, für die sich in diesem Zusammenhang die Sprachenfrage stellte. Die Ordensgeistlichen lösten dieses Problem in der Weise, daß sie die möglichst schnelle Bekehrung der Heiden erzielen wollten und sich deshalb deren Sprachen aneignen mußten. Hier ist auch nur ein rein religiöses Interesse zu beobachten.

Das encomienda -System hingegen zielte sowohl auf das christliche aber auch auf das wirtschaftliche ab. Die Siedler sollten ökonomische Vorteile von der Eroberung haben und im Gegenzug die Indianer missionieren und in die europäische Kultur einführen. Im Laufe des 17. Jahrhunderts und endgültig im 18. Jahrhundert wurde die herkömmliche Politik der Toleranz durch eine neue abgelöst. Ziel war es nicht mehr, nur zu christianisieren, zumal die Mission wenn auch nicht vollendet, so doch durchaus initiiert war, sondern in dieser Phase ging es vielmehr darum, den imperialen Ansprüchen einer Großmacht genüge zu leisten.

Dies mag zwar aus heutiger Sicht, also nach heutigem moralischen Empfinden, verwerflich sein, ist aber für die Zeit des aufgeklärten Absolutismus durchaus üblich, ja normal.

Ferner bleibt festzustellen, daß trotz der Absicht der spanischen Kolonialherren, mittel- oder langfristig, das Spanische zur einzigen Sprache zu machen, einige indianischen Idiome erhalten blieben, hier vor allem das Quechua, welches zwar auch oder immer noch einem Verdrängungsprozeß durch das Spanische ausgesetzt ist, sich aber über die Jahrhunderte nicht nur resistent zeigte, sondern sich sogar weiterentwickelte. Diesen Umstand kann man quasi als Scheitern der spanischen Sprachpolitik bezeichnen, obwohl man im gleichen Atemzug auch sagen sollte, daß es wahrscheinlich eine Bereicherung für die Region ist, wenn die ursprünglichen Dialekte und Sprachen weiterhin existieren.

5. Bibliographie

Dümmler, Christiane: Sprachgeschichte des Spanischen in Neu-Granada vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Inauguraldissertation, Frankfurt 1994.

Hartmann, Roswith: Linguistik im Andengebiet. In: Zeitschrift für Lateinamerika, 4, Wien 1972, S. 97-131.

Hartmann, Roswith: Bemerkungen zum heutigen Stand der Quechua-Forschung. In: Indiana, 9, Berlin 1984, S. 351-366.

Konetzke, Richard: Die Bedeutung der Sprachenfrage in spanischen Kolonisation Amerikas. In: Jahrbuch für Geschichte von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft Lateinamerikas, 1, Köln, Graz 1964, S. 72-116.

Pietschmann, Horst: Die staatliche Organisation des kolonialen Iberoamerika. (Handbuch der lateinamerikanischen Geschichte) Stuttgart 1980.

[...]


1 Hartmann, 1972, S. 114

2 Forschungsergebnisse Toreros, zit. nach Hartmann 1972, S. 117

3 sinngemäß: welche vereinfacht wurden durch eine Situation vergleichbar mit der des biblischen Babels, i.e. Sprachverwirrung

4 Hartmann, 1972, S. 114

5 Hartmann, 1972, S. 115

6 Konetzke, 1964

7 Nicht nur Isabella und Ferdinand, sondern auch die nachfolgenden Herrscher hielten sich an die Vorgaben der Bulle

8 -Pietschmann- 1980 S. 209

9 u.a. 1555 - 1. Konzil v. Mexiko, 1567/68 - 1. Konzil v. Lima, 1582/83 2. Konzil v. Lima ( Dümmler S. 98 )

10 Konetzke, 1964, S. 80

11 Man kann den Indienrat auch als vom König abhängige Regierung für Spanischamerika bezeichnen

12 Spanischstämmige, aber in den Kolonien geborene Einwohner wurden Criollos genannt.

13 Dümmler, S. 85

14 "Ni en la más perfecta lengua de indios se pueden explicar bien y con propiedad los misterios de nuestra Santa Fe Católica..."; zit. nach Hartmann 1972, S. 103

15 zit. nach Konetzke, S. 90

16 Konetzke, S. 92

17 Konetzke, S. 95

18 zit. nach Konetzke, S. 96

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Indianische Sprachen im Andengebiet und spanische Sprachpolitik im 16. und 17. Jahrhundert
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Einführung in die Ethnohistorie Spaniens und des Andengebietes (Übung)
Autor
Jahr
1996
Seiten
19
Katalognummer
V101042
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Indianische, Sprachen, Andengebiet, Sprachpolitik, Jahrhundert, Einführung, Ethnohistorie, Spaniens, Andengebietes
Arbeit zitieren
Christoph Heintze (Autor), 1996, Indianische Sprachen im Andengebiet und spanische Sprachpolitik im 16. und 17. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101042

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