Die Wirkungsweise von Tensiden am Beispiel von Shampoos für verschiedene Haarstrukturen


Facharbeit (Schule), 2019

27 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Tenside
2.1 Begriffserklärung
2.2 Arten von Tensiden
2.2.1 Anionische Tenside
2.2.2 Kationische Tenside
2.2.3 Amphotere Tenside
2.2.4 Nichtionische Tenside

3. Testen von Shampoos für verschiedene Haarstrukturen
3.1 Vorüberlegungen
3.2 Die Produkte und ihre Inhaltsstoffe
3.2.1 Gemeinsamkeiten aller getesteten Shampoos
3.2.2 Garnier: Wahre Schätze; Mythische Olive für trockenes Haar
3.2.3 Guhl: Frische & Leichtigkeit; Yuzu Zitrus für fettendes Haar
3.2.4 Foamie: Haarseife für normales Haar
3.3 Auswertung der Bewertungsbögen
3.4 Fazit

Anhang

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit soll die Wirkung der Inhaltsstoffe verschiedener Shampoos untersucht werden. Schwerpunkt dieser Untersuchung sind die enthaltenen Tenside und inwieweit diese das Waschergebnis beeinflussen. Die Frage, ob ebengenannte Stoffe mit der vom Hersteller genannten geeigneten Haarstruktur übereinstimmen, ist von besonderem Interesse, weil Käufer sich auf diese Angabe häufig verlassen und doch in manchen Fällen kein zufriedenstellendes Ergebnis erhalten. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die verschiedenen Arten von Tensiden zu geben sowie über deren Namen auf Inhaltsstofflisten zu informieren. Um dies zu erreichen, wird in dieser Arbeit wie folgt vorgegangen: Zuerst erfolgt die Klärung des Begriffes des Tensids mitsamt Unterschieden innerhalb dieser Stoffgruppe. Im zweiten Teil werden die ausgeführte Testreihe und die Befragungen der Testpersonen ausgewertet, um somit eine Antwort auf die zentrale Frage geben zu können. Abschließend wird ein Fazit gegeben.

2. Die Tenside

2.1 Begriffserklärung

„Tensidmoleküle bestehen aus einem lipophilen [...] und einem hydrophilen […] Teil. In der Regel ist der lipophile Teil ein langkettiger unpolarer Alkylrest, während der hydrophile Teil eine polare Endgruppe, z.B. eine Carboxy-Gruppe sein kann“1

Weil Tenside beide Polaritäten in einem Molekül vereinigen, werden diese auch amphiphil2 genannt. Diese Eigenschaft verleitet die Detergenzien3 dazu, den hydrophilen Teil am Wasser und den lipophilen Teil am Schmutz anzulagern. Dadurch wird die Grenzflächenspannung verringert und somit kann Schmutz oder Fett besser gelöst werden. Aus Tensiden können sich auch Mizellen bilden, die Fettteilchen „in ihrem Inneren aufnehmen“4. Diese Mizellen können durch Wasser einfach abtransportiert werden, weil die polaren Teile der Tenside nach außen zeigen.

2.2 Arten von Tensiden

2.2.1 Anionische Tenside

Anionische Tenside sind an ihrem hydrophilen Teil negativ geladen. Dort besitzen sie funktionelle Gruppen wie Carboxylat (−COO−), Sulfonat (−SO3− ) oder Sulfat (−SO42−)5. Durch die negative Ladung haben anionische Tenside einen leicht basischen pH-Wert, der aufgrund des leicht sauren pH-Werts der Haut zu Reizungen führen kann. Allerdings führen der anionische Teil des Tensids und die „eher negativ geladene[n] Hautoberfläche“6 zum gegenseitigen Abstoßen und somit zu einer besseren Reinigungskraft. Da die Herstellung im Vergleich zu den anderen Arten von Tensiden unkompliziert und somit kostengünstig ist, werden anionische Tenside häufig in (Haar-)Waschmitteln eingesetzt. Die Herstellung erfolgt nach dem Verseifungs- bzw. Veresterungsverfahren unter Zugabe von Kali- oder Natriumlauge, bei dem „das Kalium- oder Natriumsalz einer Fettsäure, ´ die Seife`7 entsteht. Als Beispielreaktion kann man die Hydrolyse von einem mol Tristearin (Abbildung 1) mit drei mol Natriumhydroxid nennen. Es entstehen ein mol Glycerin und drei mol Natriumstearat (anionisches Tensid; Abbildung 2) mit der negativ geladenen funktionellen Gruppe des Carboxylats. Ein häufig in Shampoos vorkommendes anionisches Tensid ist Natriumlaurylethersulfat, auch Sodium Laureth Sulfate. Auch normale Kernseife gehört zu den anionischen Tensiden. Oft ist in der INCI-Bezeichnung („International Nomenclature Cosmetic Ingredient“8 ; dt.: Internationale Nomenklatur kosmetischer Inhaltsstoffe) anionischer Tenside Wörter wie „Sulfate“ oder „Sulfosuccinate“ enthalten.

2.2.2 Kationische Tenside

Kationische Tenside haben, im Gegensatz zu den anionischen Tensiden, eine positive Ladung an der polaren Endgruppe, die meist durch ein Ammonium-Kation (Abbildung 3) gekennzeichnet ist.9 Die positive Ladung des hydrophilen Anteils führt gelöst in Wasser zu einer leicht sauren Konzentration, welche mit dem pH-Wert der Haut fast übereinstimmt und somit mild wirkt. Das wirkt sich aber auf die Reinigungskraft aus, denn „durch ihre [Kationische Tenside] positive Ladung haften sie sehr gut auf der eher negativ geladenen Hautoberfläche“10, was zur Folge hat, dass auch der Schmutz eher als bei den anionischen Detergenzien auf der Haut bleibt. In Haarwaschmitteln sind kationische Tenside selten zu finden, weil sie die Wirkung der anionischen Tenside durch die gegensätzliche Ladung fast vollständig außer Kraft setzen.

2.2.3 Amphotere Tenside

Amphotere Tenside haben im Molekül sowohl eine negative Ladung als auch eine positive. Dies kann zum Beispiel durch ein Ammonium-Kation neben einem Carboxylat-Ion (Alkylbetain oder Alkylamidobetain; Abbildung 4) oder ein Ammonium-Kation neben einem Sulfonat-Ion (Alkylsulfobetain; Abbildung 4)11 erreicht werden. Diese Eigenschaft bringt eine gute Hautverträglichkeit hervor, da das „Zwitterion […] nach außen neutral wirkt“, weshalb es „in wässriger Lösung […] je nach pH-Wert anion- oder kationaktiv sein“12 kann. Eine ausreichende Reinigungskraft ist trotzdem gegeben. Verbraucher haben die Möglichkeit, amphotere Tenside anhand von Wörtern wie „Coco“ oder „Betaine“ in der INCI-Bezeichnung zu erkennen.

2.2.4 Nichtionische Tenside

Nichtionische Tenside besitzen keine Ladung an der polaren Endgruppe, was dazu führt, dass sie milder als anionische oder kationische Tenside sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass nichtionische Tenside mit anderen Tensid-Arten risikolos gemischt werden können13, was bei der Shampoo-Herstellung besonders wichtig ist. Funktionelle Gruppen am hydrophilen Kopf können Glycerol oder sogar Zuckermoleküle sein14. Aufgrund der neutralen Ladung lässt sich herleiten, dass die Reinigungskraft nicht so stark ist wie die der anionischen Tenside, weil die Ladungen der Hautoberfläche und des Tensids sich nicht abstoßen können. In der INCI-Bezeichnung von nichtionischen Tensiden findet man meist „Glucoside“ aufgrund eines Zuckermoleküls und ebenso den Begriff „PEG“.

3. Testen von Shampoos für verschiedene Haarstrukturen

3.1 Vorüberlegungen

Um einen theoretischen und praktischen Vergleich zwischen verschiedenen Haarwaschmitteln ziehen zu können, ist es nicht nur notwendig, die Inhaltsstoffe zu analysieren, sondern auch deren Wirkung am Haar zu testen. Dafür wurden beispielhaft drei scheinbar verschiedene Haarwaschmittel ausgewählt, welche sich zum Teil im Aggregatszustand unterscheiden und laut Beschreibung für unterschiedliche Haarstrukturen eignen. Im Rahmen dieser komplexen Leistung stellten sich drei Versuchspersonen dazu bereit, diese Shampoos in einem Zeitraum von jeweils 14 Tagen zu testen. Zwar können 3 Personen keine repräsentative Studie bilden, jedoch ist die Untersuchung möglicherweise richtungsweisend. Der Zeitraum von 14 Tagen ist mindestens notwendig, um das Waschergebnis auf das benutzte Shampoo zurückführen zu können. Außerdem mussten auf jegliche Haarpflegeprodukte wie Spülung, Haaröl oder ähnliches verzichtet werden, um Verfälschungen der Ergebnisse möglichst auszuschließen. Die Versuchspersonen wurden darum gebeten, Angaben zu ihrer allgemeinen Haarstruktur anzugeben, um im späteren Teil dieser Arbeit einschätzen zu können, inwieweit die Haare der Versuchspersonen verglichen werden können. Zur Dokumentation des Tests wurde ein Bewertungsbogen erstellt, in dem Eindrücke zu unterschiedlichen Bereichen notiert werden sollten. Dort wurde der Fokus auf Eigenschaften von Haaren und Kopfhaut gelegt, die durch Inhaltsstoffe eines Haarwaschmittels (insbesondere Tenside) beeinflusst werden können. Darunter zählen unter anderem die Kämmbarkeit, die Dauer bis zum Nachfetten oder eine mögliche gereizte Kopfhaut (siehe Anhang: Bewertungsbögen).

3.2 Die Produkte und ihre Inhaltsstoffe

Um eine Grundlage für die Bewertung der Inhaltsstoffe zu schaffen, wurden diese für jedes Shampoo jeweils in einer Tabelle zusammengetragen (Tabelle 1-3). Die Funktionen der Stoffe konnten durch die „Kommission zur Festlegung einer Liste und einer gemeinsamen Nomenklatur der Bestandteile kosmetischer Mittel“15 ergänzt werden.

3.2.1 Gemeinsamkeiten aller getesteten Shampoos

Während des Erstellens der Tabellen ist aufgefallen, dass die drei Shampoos sich in den Grundbestandteilen nicht wesentlich unterscheiden. Beispielsweise sind in jedem Produkt Duftstoffe enthalten, die nicht zum Waschergebnis beitragen, sondern dem Konsumenten ein positives Gefühl geben sollen. Auch Konservierungsstoffe und Konsistenzregulatoren haben lediglich die Funktion, die Haltbarkeit und Konsistenz des Produktes zu verbessern. Essenzieller für ein zufriedenstellendes Ergebnis sind die enthaltenen Tenside, Feuchtigkeitsspender und Puffer16. Die Menge und die Kombination dieser Stoffe im Produkt sind entscheidend für die Untersuchung und werden in den folgenden Punkten im Einzelnen genauer betrachtet.

3.2.2 Garnier: Wahre Schätze; Mythische Olive für trockenes Haar

Das Shampoo „Mythische Olive“ von Garnier mit einem Preis von 2,45 Euro für 250ml wurde ausgewählt, weil es laut Verpackung für „sehr trockenes, beanspruchtes Haar“ (Abbildung 5) geeignet ist. Zu erwarten sind demzufolge eher mildere Tenside wie amphotere und/oder nichtionische Tenside. Anionische Tenside wären nur in geringerer Menge angemessen, da ihre starke Reinigungskraft und daher weniger milde Eigenschaften für bereits geschädigtes Haar eher unvorteilhaft wären. Außerdem können auch Rückfetter und Feuchtigkeitsspender erwartet werden, da vor allem trockenes Haar eine intensivere Feuchtigkeitspflege braucht als normales oder fettiges Haar. Beim Vergleich der erwarteten mit den tatsächlichen Inhaltstoffen (Abbildung 6, Tabelle 1) gibt es keine erheblichen Abweichungen. Neben Duftstoffen, Konservierungsstoffen und anderen Zusätzen sind tatsächlich ein amphoteres Tensid (Coco Betaine) und ein nichtionisches Tensid (PEG-60 Hydrogenated Castor Oil) zu finden. Diese funktionieren aber nur als Ergänzung zum anionischen Tensid (Sodium Laureth Sulfate), welches in größerer Menge enthalten ist, als es eigentlich für „beanspruchtes Haar“ angemessen wäre. Dennoch sind auffallend viele Feuchtigkeitsspender enthalten, die das Shampoo möglicherweise etwas milder machen. Folglich könnte ein Verbraucher mit trockenem Haar trotz des eher aggressiv wirkenden anionischen Tensids durchaus zufrieden mit dem Haarwaschmittel sein, da dieses reinigt und zusätzlich Feuchtigkeit spendet. Ob sich diese Vermutung bewahrheitet, wird sich in der Auswertung der Bewertungsbögen zeigen.

3.2.3 Guhl: Frische & Leichtigkeit; Yuzu Zitrus für fettendes Haar

Das Shampoo „Yuzu Zitrus“ von Guhl kostet 3,95 Euro für 250ml und soll einen Gegensatz zu „Mythische Olive“ darstellen, weil es laut Beschreibung „für normales bis schnell fettendes Haar“ (Abbildung 7) geeignet ist. Daher kann man ein anionisches Tensid im Shampoo erwarten, da dieses am besten dafür geeignet wäre, das Fett aus den Haaren zu entfernen. Obwohl der Fokus auf der Reinigung der Kopfhaut liegt, könnten trotzdem auch Feuchtigkeitsspender enthalten sein, damit die Haarspitzen nicht austrocknen. Es kann vermutet werden, dass im Gegensatz zum Garnier-Shampoo die Tenside in größerer Menge vorhanden sind und weniger pflegende Inhaltsstoffe eingesetzt werden, um zu verhindern, dass die Haare schnell nachfetten. Bei der Betrachtung der Inhaltsstoffliste (Abbildung 8, Tabelle 2) werden die Erwartungen bestätigt. Wieder finden sich neben Zusatzstoffen das anionische Tensid Sodium Laureth Sulfate, ein amphoteres Tensid (Cocoamidopropyl Betaine) und ein nichtionisches Tensid (Coco-Glucoside). Im Gegensatz zum „Mythische Olive“ Shampoo stehen die Waschsubstanzen höher auf der Liste, was bedeutet, dass sie in höherer Menge eingesetzt wurden. Das verspricht eine gründliche Reinigung, genau wie die Kombination verschiedener Tenside. Obwohl das Guhl Shampoo für fettiges Haar vorgesehen ist, wurden mehr Feuchtigkeitsspender, Hautpfleger und Haarkräftiger zugesetzt als erwartet. Diese sind aber in der Inhaltsstoffliste weiter unten als bei dem Garnier-Shampoo. Folglich sind die pflegenden Stoffe in geringerer Menge enthalten. Das ist aber trotzdem angemessen für ein Shampoo „für normales bis fettendes Haar“, da diese Zusätze vor allem für gepflegte Haarspitzen sorgen sollen. Zusammenfassend ist zu vermuten, dass im Test vor allem die Testpersonen mit fettigem Haar vom Shampoo überzeugt sein könnten.

3.2.4 Foamie: Haarseife für normales Haar

Um einen weiteren Kontrast zu schaffen, wurde als drittes Testprodukt ein Shampoo ausgewählt, das einen anderen Aggregatszustand hat als die beiden vorhergehenden. Die feste Haarseife von Foamie soll für normale Haare am besten geeignet sein (Abbildung 9). Deswegen sollte im Shampoo eine gute Balance zwischen Feuchtigkeitsspendern und Tensiden besteht. Normale Haare sind nicht besonders empfindlich, deswegen können auch anionische Tenside ohne Bedenken eingesetzt werden, um das Haar zu reinigen. Darüber hinaus ist auch zu erwarten, dass wesentlich weniger oder sogar gar kein Wasser in der Haarseife enthalten ist, da diese sehr fest ist. Diese Vermutungen bestätigen sich mit Blick auf die Inhaltsstoffliste (Abbildung 10; Tabelle 3). Es wurden vier Tenside zugesetzt: drei anionische Tenside (Disodium Lauryl Sulfosuccinate, Sodium Cocoyl Isethionate und Sodium Coco-Sulfate) und ein amphoteres Tensid (Cocoamidopropyl Betaine). Diese Zusammensetzung legt eine gute Grundlage für eine sorgfältige Reinigung. Die mehrfache Zugabe von Feuchtigkeitsspendern und Geschmeidigmachern lassen eine ausreichende Pflege des Haares erwarten. Tatsächlich ist Wasser im Gegensatz zu den anderen Haarwaschmitteln nicht an erster Stelle, sondern an siebter, was sich aufgrund der Festigkeit vermuten ließ. Auffällig sind die vergleichsweise vielen Konsistenzregulatoren. Diese sind wahrscheinlich nötig, um den Aggregatszustand des Shampoos zu stabilisieren. Des Weiteren sind die vielen Inhaltsstoffe mit Wörtern wie „Coco“, „Cocos“ oder „Cocoyl“ nicht zu übersehen. Diese sind meist aus der Kokosnuss gewonnene Stoffe, zum Beispiel ist „Cocos Nucifera Oil“17 ein Kokosnussöl und „Sodium Cocoyl Isethionate“18 eine Kokos-Fettsäure. Allgemein finden sich mehr Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs in der Haarseife, wie „Hydrogenated Vegetable Glycerides“(Glyceride aus Pflanzenöl), „Citric Acid“(Zitronensäure) oder „Triticum Vulgare Starch“ (aus Weizen gewonnene Stärke)19. Dadurch kommt wahrscheinlich auch der vergleichsweise hohe Preis von 4,95 Euro für 80g zustande.

3.3 Auswertung der Bewertungsbögen

Der Test wurde vom 01.07.2019 bis zum 11.08.2019 durchgeführt. Davor haben die Testpersonen Angaben zu ihren Haaren gemacht (Bewertungsbogen 1-3). Denn nicht nur die chemische Zusammensetzung des Shampoos ist entscheidend, sondern genauso spielt die individuelle Haarstruktur eine wichtige Rolle und wird dementsprechend bei der Auswertung berücksichtigt. Je niedriger die auf der Skala angegebenen Zahlen im Bewertungsbogen sind, desto anspruchsloser ist das Haar und desto kompatibler ist es mit den verschiedenen Shampoos. Wenn die angegebenen Zahlen der vier Skalen zusammengerechnet werden ergibt sich eine ungefähre Abschätzung der möglichen Ergebnisse: 4 (Minimum) soll für sehr flexibles Haar stehen und somit wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Person mit allen Haarwaschmitteln prinzipiell zufrieden ist. 40 (Maximum) soll im Gegensatz dazu für Haare mit sehr speziellen Anforderungen stehen und somit wäre es wahrscheinlicher, dass keines der Shampoos passend für das Haar wäre. Testperson 1 (P1) erreicht einen Index von 19, Testperson 2 (P2) erreicht 24 und Testperson 3 (P3) hat einen Index von 22. Bevor auf der Haarstruktur begründete Unterschiede in den Waschergebnissen betrachtet werden, wird zuerst der Fokus auf die übereinstimmenden Beobachtungen gelegt, da diese mit hoher Wahrscheinlichkeit mit den eingesetzten Inhaltsstoffen im Zusammenhang stehen. Bei der Schaumbildung kamen alle Testpersonen zum Schluss, dass die flüssigen Shampoos (Garnier und Guhl) viel Schaum bilden und die Haarseife eher wenig. Dieser Unterschied kann nicht auf die vorhandenen Tenside zurückgeführt werden, da im Vorhinein festgestellt wurde, dass in allen Haarwaschmitteln mehrere Tenside enthalten sind. Wahrscheinlicher ist es, dass die Schaumbildung jeweils durch den Wassergehalt im Shampoo beeinflusst wird, denn Schaum entsteht durch Wasser, Luft und den Waschsubstanzen dazwischen. Da weniger Wasser in der Foamie Haarseife enthalten ist als in den anderen Shampoos, bildet sich weniger Schaum. Des Weiteren geben die Testpersonen sehr ähnliche Angaben, wenn sie nach der Menge gefragt werden, die sie vom Produkt benutzen mussten, um einen Reinigungseffekt zu erzeugen. Bei dem „Mythische Olive“ Shampoo von Garnier war eine kleine bis normale Menge nötig, bei dem „Yuzu Zitrus“ Shampoo von Guhl eine kleine Menge und bei der Haarseife von Foamie gab jeder „viel“ an. Allerdings könnte diese Einschätzung nicht treffend sein. Von der festen Haarseife muss mehr abgerieben werden und deswegen erweckt es den Anschein, dass mehr für eine Reinigung nötig ist. Aber verglichen mit der durchschnittlich verbrauchten Menge pro Verwendung der flüssigen Shampoos könnte es sogar weniger sein. Trotzdem ist es wichtig, diese Beobachtungen zu berücksichtigen, denn P1 beschreibt es als „sehr aufwändig“ und P2 empfindet es als „nicht ausreichend für die Reinigung“. Das könnte wie bereits erwähnt an der Festigkeit liegen, die es erschwert, viel Produkt abzureiben. Allerdings hat das auch zur Folge, dass das Produkt länger hält. Dass in den Bewertungsbögen 2 von 3 Mal geschildert wurde, dass beim Guhl Shampoo etwas weniger vom Produkt für die Reinigung nötig war, kann an den Tensiden liegen, die, wie in 3.2.3 beschrieben, in einer höheren Menge enthalten sind. Somit ist weniger vom Haarwaschmittel für eine ausreichende Reinigung nötig. Die Kämmbarkeit der Haare wird bei allen kaum vom Shampoo beeinflusst. Genauso gibt es bei der Feuchtigkeit der Haarspitzen keine Veränderungen zum Ausgangszustand, obwohl das vor allem vom „Mythische Olive“ Shampoo erwartet wurde. Die Feuchtigkeitsspender scheinen kaum Wirkung bei bereits geschädigtem Haar zu zeigen. Auch beim Glanz der Haare gibt es nur minimale bis keine Abweichungen. In den anderen Bereichen waren jedoch deutliche Unterschiede zu erkennen. Die Haare von P1 und P2 haben sich nach Verwendung des Garnier Shampoos „schwer“ angefühlt und außerdem haben sie sehr schnell nachgefettet. P3 beschrieb die Haare im Gegensatz dazu als „weich“ und die Haare fetteten langsamer als bei den anderen nach. Für diese Person waren vermutlich die Feuchtigkeitsspender und Tenside in der passenden Menge vorhanden. Dies zeigte sich an dem zufriedenstellenden Gefühl der Haare und auch an der Kopfhaut, die keinen Juckreiz oder sonstige negative Reaktionen zeigte. Die Haare von P1 und P2 fetteten schnell nach und fühlten sich „schwer“ an, weil im Garnier Shampoo mehr Feuchtigkeitsspender enthalten sind als das Haar gebraucht hätte. Bei P2 zeigte sich sogar ein leichter Juckreiz an der Kopfhaut. P1 und P2 waren wiederum zufriedener mit dem Guhl Shampoo, weil in diesem passendere Tenside und die richtige Menge an Feuchtigkeitsspendern enthalten waren, sodass die Haare sich „locker“ anfühlten, eher langsam nachfetteten und die Kopfhaut keine Auffälligkeiten aufwies. Für P3 war das „Yuzu Zitrus“ Haarwaschmittel von Guhl aber deutlich unpassend, weil die zu starken Tenside die Haare „trocken“ machten. Sie fetteten schneller nach, weil die Kopfhaut wieder Talg produzierte, um sich vor den weniger milden Inhaltsstoffen zu schützen und außerdem wurde ein Juckreiz auf der Kopfhaut beschrieben. Die Haarseife von Foamie brachte ebenfalls sehr unterschiedliche Ergebnisse hervor. Die Haare fühlten sich zwar bei allen Testpersonen weich an, aber P1 hatte dieses Gefühl nur für einen Tag und P2 nicht im vollen Haar, sondern nur im Bereich der Kopfhaut. Das Fett konnte aus dem langen Haar trotz gründlichem Auswaschen nicht vollständig entfernt werden. Wieder lässt sich das mit einer ungenügenden Menge an Tensiden und außerdem mit den eher unkonventionellen Inhaltsstoffen erklären, an die sich das Haar möglicherweise im Zeitraum von 2 Wochen nicht gewöhnen konnte. Ebenso wurde der feste Zustand und die daraus resultierende ungewöhnliche Anwendung bei der Untersuchung des Produktes in Abschnitt 3.2.4 unterschätzt, denn dieser stellte vor allem für P1 und P2 ein größeres Problem dar als vorher gedacht. Deswegen wäre es nicht angemessen, die nicht zufriedenstellenden Waschergebnisse nur auf die Inhaltsstoffe zurückzuführen, sondern auch die Handhabung zu berücksichtigen. P3 hatte keine Probleme in der Anwendung und konnte auch über mehrere Tage ein angenehmes und reines Haargefühl genießen, da die Haare im Gegensatz zu P1 und P2 nicht so schnell nachfetteten. Bei der Kopfhaut konnten während der Benutzung des Produktes keine bedeutenden Auffälligkeiten festgestellt werden. P1 und P2 kritisieren die komplizierte und zeitaufwendige Anwendung, während P3 die „natürliche Lockenstruktur der Haare“ nach der Anwendung der Haarseife lobt. Alle 3 Personen haben am Ende des Bewertungsbogens ein Fazit abgegeben. Für P1 und P2 ist das „Yuzu Zitrus“ Shampoo von Guhl der Favorit, während dasselbe P3 am wenigsten überzeugte. P3 favorisiert die Haarseife von Foamie.

[...]


1 Fischedick, Arno et al: Abiturwissen, Chemie, Berlin 2004, S. 386.

2 Ellsässer, Sabine: Körperpflegekunde und Kosmetik, Ein Lehrbuch für die PTA-Ausbildung und die Beratung in der Apothekenpraxis, Heidelberg 2008, S. 96.

3 Detergenzien ist eine andere Bezeichnung für Tenside.

4 Fischedick, Abiturwissen Chemie, S. 389.

5 https://www.chemie.de/ (06.08.19). Anionische Tenside. https://www.chemie.de/lexikon/Anionische_Tenside.html.

6 Ellsässer, Körperpflegekunde und Kosmetik, S. 101.

7 Ebd., S. 97.

8 Beschluss der Kommission vom 8. Mai 1996 zur Festlegung einer Liste und einer gemeinsamen Nomenklatur der Bestandteile kosmetischer Mittel, S. 2. Abgerufen auf https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:31996D0335&from=EN; 20.10.2019.

9 Fischedick, Abiturwissen Chemie, S. 387.

10 Ellsässer, Körperpflegekunde und Kosmetik, S.101.

11 Ebd., S. 102.

12 Ebd., S. 101.

13 Rapp, Bastian E.: Microfluids, Modelling, Mechanics and Mathematics, 2017, S. 433.

14 Ebd., S.434.

15 Beschluss der Kommission vom 9. Februar 2006 zur Änderung des Beschlusses 96/335/EG der Kommission zur Festlegung einer Liste und einer gemeinsamen Nomenklatur der Bestandteile kosmetischer Mittel. Abgerufen auf https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2006:097:0001:0528:DE:PDF; 17.10.2019.

16 Puffer regulieren den pH-Wert. (Ebd., S. 7.)

17 Beschluss der Kommission vom 9. Februar 2006, a.a.O., S. 114.

18 Ebd., S. 443.

19 Ebd., S. 507.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Wirkungsweise von Tensiden am Beispiel von Shampoos für verschiedene Haarstrukturen
Note
1,0
Jahr
2019
Seiten
27
Katalognummer
V1010510
ISBN (eBook)
9783346401410
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chemie, Tenside, Haarwaschmittel, Shampoo, Haarseife, Inhaltsstoffe, Komplexe Leistung, Haare, Waschmittel, Anionen, Kationen, Amphotere, nichtionisch, PEG, Sulfate, Foamie, Guhl, Garnier, Körperpflegekunde, Kosmetik
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Die Wirkungsweise von Tensiden am Beispiel von Shampoos für verschiedene Haarstrukturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1010510

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