Corporate Psychopaths. Psychopathie am Arbeitsplatz


Fachbuch, 2021

113 Seiten


Leseprobe

Danksagung

Kurzfassung (Deutsch)

Abstract (English)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund

2.1 Psychopathie

2.1.1 Psychopathie als Teil der dunklen Triade

Primäre und sekundäre Psychopathie

Psychopathie in Abgrenzung zur antisozialen/dissozialen Persönlichkeitsstörung

2.1.2 Biologische Ursachen und Entstehungstheorien zur Psychopathie

2.1.3 Diagnostik von Psychopathie und psychopathischen Merkmalen

2.2 Corporate Psychopaths

2.2.1 "Snakes in suits" - die erfolgreichen Psychopathen

2.2.2 Bevorzugte Berufswahl und Karrierepräferenzen

2.2.3 Psychopathie und Arbeitsleistung

Die Bedeutung sozialer Fertigkeiten

Einflussnahme und mikropolitische Taktiken

Psychopathen im Kundenkontakt

Stress und Stressresistenz

Kontraproduktives Arbeitsverhalten

2.2.4 Dark Leadership

Psychopathische Führung

2.3 Interventionen und Umgang mit psychopathischen Mitarbeitern und Führungskräften

2.3.1 Kommunikation mit einer psychopathischen Person

2.3.2 Umgang mit destruktiver Führung

Führungskräfteentwicklung

Organisationskultur

2.4 Möglichkeiten des Selbstschutzes vor missbräuchlichen Verhalten der psychopathischen Mitarbeiter und Führungskräften

2.5 Prominente Beispiele

2.5.1 In der Wirtschaft

2.5.2 In Film und Fernsehen

3 Empirischer Teil

3.1 Hypothesen

3.1.1 Erste Hypothese: Je stärker die Ausprägung der individuellen Psychopathie-Werte, desto häufiger finden sich Menschen in Führungspositionen wieder

3.1.2 Zweite Hypothese: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Psychopathie-Werten und dem Burnout-Risiko

3.1.3 Dritte Hypothese: Führungskräfte mit hohen Psychopathie-Werten zeichnen sich durch einen "Laisser-faire" Führungsstil aus

3.1.4 Vierte Hypothese: Je höher die individuellen Psychopathie-Werte, desto häufiger findet ein Arbeitsplatzwechsel statt

3.2 Methoden der Datenerhebung

3.2.1 Forschungsdesign

3.3 Aufbau des Online-Fragebogens

3.3.1 Analyse des Führungsstils

3.3.2 Analyse des Burnout-Risikos

3.3.3 Analyse der Psychopathie-Werte

3.3.4 Analyse der demographischen Daten

3.4 Zielgruppe

3.5 Ablauf der Untersuchung

3.5.1 Die Organisation

3.5.2 Pretest

3.5.3 Die Hauptuntersuchung

3.6 Auswertung

3.6.1 Beschreibung der Stichprobe

3.7 Angewandte statistische Verfahren

3.7.1 Signifikanzprüfung

3.7.2 Korrelationsanalyse

3.8 Ergebnisse

3.8.1 Deskriptive Datenanalyse

3.8.1.1 Ergebnisse der Analyse der psychopathischen Werte der Probanden

3.8.1.2 Ergebnisse der Analyse der Führungserfahrungen der Probanden

3.8.1.3 Ergebnisse der Analyse des Burnout-Risikos der Probanden

3.8.1.4 Ergebnisse der Analyse des potenziellen Führungsstils der Probanden

3.8.1.5 Ergebnisse der Analyse der Anzahl sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze der Probanden

3.8.1.6 Testung der Hypothesen

3.8.1.7 Prüfung der ersten Hypothese

3.8.1.8 Prüfung der zweiten Hypothese

3.8.1.9 Prüfung der dritten Hypothese

3.8.1.10 Prüfung der vierten Hypothese

4 Diskussion

4.1 Verteilung des Fragebogens und Durchführung der Studie

4.2 Hypothesen und Messinstrumente

4.3 Anregungen und Ideen zu weiterführenden Studien im Kontext der Psychopathie und der dunklen Triade

5 Zusammenfassendes Schlussfazit

Literaturverzeichnis

5.1 Buch

5.2 Fachzeitschrift

5.3 Webseite

6 Anhang

A. Fragebogen

B.Liste Berufe der Probanden

B. Tabellarische Auflistung aller Werte der Probanden


Danksagung

 

An dieser Stelle möchte ich mich bei all denjenigen bedanken, die mich während der Anfertigung dieser Bachelorarbeit unterstützt und motiviert haben.

 

Zuerst gebührt mein Dank Herrn Dr. Arito Rüdiger Sakai, der meine Bachelorarbeit sehr intensiv betreut und begutachtet hat. Für die hilfreichen Anregungen und die konstruktive Kritik bei der Erstellung dieser Arbeit möchte ich mich herzlich bedanken.

 

Ein besonderer Dank gilt allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen meiner Befragung, ohne die diese Arbeit nicht hätte entstehen können. Mein Dank gilt ihrer Informationsbereitschaft und ihren interessanten Beiträgen und Antworten auf meine Fragen.

 

Ebenfalls möchte ich mich bei meinen Freunden Stefan Spieß, Daniel Besold und Laura Slysz bedanken, die mir mit viel Interesse und Hilfsbereitschaft zur Seite standen. Bedanken möchte ich mich zudem bei Herrn Gerd Michels und Herrn Dr. Matthias Brokmeier für die medizinische und psychologische Unterstützung.

 

Außerdem möchte ich mich bei Julia Drexler für das Korrekturlesen meiner Bachelorarbeit danken.

 

Abschließend möchte ich mich bei meiner Familie bedanken, die mir mein Studium durch ihre Unterstützung ermöglicht haben und stets ein offenes Ohr für mich hatten.

 

Patrick Schwalie

 

Berlin, 20.09.2020

Kurzfassung (Deutsch)

 

Die folgende Arbeit hat zur Aufgabe, das Konstrukt der Psychopathie zu erforschen und zu entdämonisieren und das Verhalten von Psychopathen in der Arbeitswelt zu studieren. Es soll dem Leser, ein Wissen in Theorie und Praxis vermitteln, damit er am Ende klare Vorstellungen hat, wie sich Psychopathie definiert, woran sie erkennbar und messbar ist und welches Verhalten sie im Unternehmenskontext üblicherweise an den Tag legen. Zudem soll der Leser lernen, dass jeder Mensch ein gewisses Maß an Psychopathie in sich trägt, und manche Persönlichkeitsmerkmale davon, auch vorteilhaft sind zum Weiterkommen in der Arbeitswelt. Außerdem soll auch das Bewusstsein für arbeitsschädigendes Verhalten von Psychopathen geschärft werden, um diese Art von Problemen in Zukunft schneller zu erkennen und dadurch Schaden von dem Unternehmen abwenden zu können. Des Weiteren ist diese Arbeit empirisch angelegt und soll deshalb, unter Verwendung statistischer Verfahren, während der Entstehung der Arbeit herausgearbeitete Hypothesen auf ihre Signifikanz überprüfen. Folgende Hypothese werden untersucht:

 

1.      Je stärker die Ausprägung der individuellen Psychopathie-Werte, desto häufiger finden sich Menschen in Führungspositionen wieder

2.      Es gibt einen Zusammenhang zwischen Psychopathie-Werten und dem Burnout-Risiko

3.      Führungskräfte mit hohen Psychopathie-Werten zeichnen sich durch einen "Laisser-faire" Führungsstil aus

4.      Je höher die individuellen Psychopathie-Werte, desto häufiger findet ein Arbeitsplatzwechsel statt

 

Die Ergebnisse der Analysen der Hypothesen werden dann in einer Auswertung und in einem Diskussionsteil interpretiert und diskutiert, bevor die Arbeit mit einem abschließenden Schlussfazit endet.

Abstract (English)

 

The following work aims to explore and demonise the construct of psychopathy and to study the behaviour of psychopaths in the world of work. It is intended to provide the reader with a knowledge in theory and practice, so that in the end he or she will have a clear idea of how psychopathy is defined, how it can be recognised and measured, and what kind of behaviour they usually display in a corporate context. In addition, the reader should learn that every person carries a certain amount of psychopathy within him or herself, and that some personality traits of it are also advantageous for advancement in the working world. Furthermore, the awareness of psychopaths' behaviour that is harmful to work should also be raised in order to be able to recognise these kinds of problems more quickly in the future and thus prevent damage to the company. Furthermore, this work is empirically based and should therefore, using statistical methods, test hypotheses developed during the development of the work for their significance. The following hypothesis is examined:

 

5.      the more pronounced the individual psychopathy values are, the more often people find themselves in management positions

6.      there is a connection between psychopathy values and the risk of burnout

7.      managers with high psychopathic values are characterised by a "laisser-faire" management style

8.      the higher the individual psychopathy values, the more often there is a change of job

 

The results of the analyses of the hypotheses are then interpreted and discussed in an evaluation and discussion section before the work ends with a final conclusion.

Abkürzungsverzeichnis

 

α                                    Signifikanzniveau

APS                              Antisoziale Persönlichkeitsstörung

CEO                              Chief Executional Officer

CIT                               Critical Incident-Technik

cov                                Kovarianz

d                                    Maß von Mittelwertsunterschieden

df                                   Freiheitsgrade

H0                                  Nullhypothese

H1                                  Alternativhypothese

HMKW                         Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft

HRM                             Human Resource Management

ICD-10                         International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems-10

LSRP                            Levenson Self-Report Psychopathy Scale

n                                    Anzahl

n.z.                                nicht zuordenbar

P                                    Psychopathie

PBS                               Possnigg Burnout Selbsttest

PCL-R                          Psychopathy Checklist-Revised

PPI                                Psychopathic Personality Inventory

pw                                 Psychopathie-Wert

p                                    Kritischer Wert

R                                   Reversal

r                                    Pearsonscher Korrelationskoeffizient

RIASEC-Typologie      Realistic-Investigate-Artistic-Social-Enterprising-Conventional-Typologie

SD                                 Standartabweichung

SD3                               Short Dark Triad

SGB III                      Sozialgesetzbuch Drittes Buch

t                                     Prüfgröße

Abbildungsverzeichnis

 

Abbildung 1 Die dunkle Triade der Persönlichkeit

Abbildung 2 Berufsgruppen mit besonders hoher bzw. niedriger Ausprägung psychopathischer Merkmale

Abbildung 3 RIASEC-Typologie

Abbildung 4 Formen von Management Derailment

Abbildung 5 Trimodaler Ansatz in der Eignungsdiagnostik

Abbildung 6 Der autoritäre oder hierarchische Führungsstil

Abbildung 7 Der demokratische oder kooperative Führungsstil

Abbildung 8 Der Laisser-faire-Führungsstil

Abbildung 9 Possnigg Burnout Selbsttest (PBS)

Abbildung 10 Alter der Probanden

Abbildung 11 Verteilung der höchsten Bildungsabschlüsse

Abbildung 12 Einordnung der Berufe der Probanden in die RIASEC-Typologie

Abbildung 13 Formel zur Berechnung der Kovarianz

Abbildung 14 Formel zur Berechnung des Pearsonschen Korrelationskoeffizienten r

Abbildung 15 Verteilung der Psychopathie-Werte

Abbildung 16 Verteilung der Häufigkeiten der Psychopathie-Werte

Abbildung 17 "Bist du in einer oder warst du jemals in einer Führungsposition?"

Abbildung 18 Verteilung der Burnout-Risiko-Werte

Abbildung 19 Verteilung der potenziellen Führungsstile

Abbildung 20 Verteilung der Anzahl sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze

Abbildung 21 Übersicht über statistische Tests

Abbildung 22 Formel zur Berechnung der Prüfgröße t

Abbildung 23 Interpretation von r nach Cohen (1988)

Abbildung 24 Streudiagramm Psychopathie/Burnout-Risiko mit Trendlinie

Abbildung 25 Streudiagramm Psychopathie/sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze pro potenzielle Berufsjahre

Abbildung 26 Streudiagramm Psychopathie/Anzahl sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze

Abbildung 27 Übersicht über Verfahren zur Diagnostik bzw. wissenschaftlichen Untersuchungen von Psychopathie

Tabellenverzeichnis

 

Tabelle 1 Weiche und harte Taktiken

Tabelle 2 höchster Bildungsabschluss

Tabelle 3 RIASEC-Typologie/Anzahl Probanden

Tabelle 4 Berechnete Werte für Korrelationsanalyse und Signifikanzprüfung

Tabelle 5 Berechnete Werte für den Test der zweiten Hypothes

Tabelle 6 Berechnete Werte für den Test der dritten Hypothese

Tabelle 7 Durchschnittalter der höchsten Bildungsabschlüsse

Tabelle 8 Berechnete Werte für den Test der vierten Hypothese (unter Berücksichtigung der potenziellen Arbeitsjahre)

Tabelle 9 Berechnete Werte für den Test der vierten Hypothese (ohne Berücksichtigung der potenziellen Arbeitsjahre)

1 Einleitung

 

"Wenn sie gebildet sind, wissen wie man sich gut kleidet, sich gut ausdrücken können, in einer wohlhabenden Familie aufgewachsen sind, rauben sie keine Bank aus, dann werden sie Bankdirektor. Sind sie halbwegs attraktiv, öffnet das ihnen alle Türen, erst recht, wenn sie zudem intelligent sind. Die Kombination aus gutem Aussehen, Intelligenz und fehlendem Gewissen ist dann tödlich."

 

Dieses Zitat stammt von dem kanadischen Psychologen Robert D. Hare (2012, 14:50-15:15), der sich zeitlebens mit einer ganz bestimmten Gruppe von Personen beschäftigt. Wer diese sind und was sie ausmacht, darüber sollte das nächste Zitat des britischen Psychologie Professors Kevin Dutton (2013) Aufschluss geben:

 

"Sympathie ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort. Mir liegt es fern, kriminelle Psychopathen zu glorifizieren. Wir wissen alle, dass diese Leute das Leben anderer komplett verwüsten können und fürchterliche Verbrechen begehen. Aber es gibt psychopathische Merkmale, wie Skrupellosigkeit, Charme, mangelnde Emotionalität, die im passenden Kontext und in der richtigen Ausprägung, einen Menschen für Erfolg prädisponieren. Psychopathen sind durchsetzungsfähig, sie zaudern nicht, sie konzentrieren sich auf das Positive, sie machen sich nicht fertig, wenn Dinge falsch laufen, und sie bleiben unter Druck cool. Diese Dinge sind extrem hilfreich für jeden von uns, ob in der Liebesbeziehung oder im Büro" (Dutton, 2013).

 

Offensichtlich handelt es sich bei besagter Gruppe um Psychopathen. Doch wer sind diese Psychopathen und was macht sie genau aus? In Kevin Duttons Zitat wird deutlich, dass diese bisher sehr gefürchtete und als durchweg negativ angesehene Gruppe von Menschen, auch Eigenschaften besitzen, die einen Menschen für eine erfolgreiche Karriere im Job oder in Liebesbeziehungen prädisponieren, ohne der Gesellschaft all zu großen Schaden anzurichten. Die wissenschaftliche Forschung dunkler Persönlichkeitsmerkmale wie der Psychopathie, hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen und will einen Beitrag zur Entmystifizierung dieser nicht ganz einfach zu entschlüsselnden Personengruppe leisten. So auch diese Arbeit, die aufzeigen soll, dass psychopathische Merkmale nicht durchweg maladaptiv sind, sondern sowohl einem selbst als auch der Gesellschaft von Nutzen sein können, wenn man nur richtig damit umgeht. Da diese Arbeit auch einen empirischen Teil erhält und über reines Informationsmaterial hinausgeht, sollen Behauptungen, die während der Recherche aufgefallen sind, durch eine quantitative Datenerhebung erforscht und mit Hilfe statistischer Methoden überprüft werden. Die Ergebnisse der ausgewerteten Daten sollen dann zuletzt im Bezug zum theoretischen Teil diskutiert werden.

 

Nach einer kurzen Einführung in das Thema folgt der theoretische Teil der Arbeit, der in vier Kapiteln unterteilt ist. Zunächst soll das Thema Psychopathie im Allgemeinen behandelt werden, damit danach im zweiten Kapitel spezifisch auf das Phänomen der "Corporate Psychopaths" eingegangen werden kann. Nachdem die Grundlagen erläutert wurden, beschäftigt sich der dritte Teil mit Interventionen und dem Umgang mit psychopathischen Mitarbeitern und Führungskräften. Der theoretische Teil schließt dann damit ab, dem Leser einen Überblick zu verschaffen, welche konkreten Beispiele von Unternehmenspsychopathen es in der Wirtschaft und in Film und Fernsehen gibt. Um eine möglichst nahtlose Verbindung zum theoretischen Teil zu schaffen, beginnt der empirische Teil mit den aus der Theorie abgeleiteten Hypothesen. Bevor es dann zur Untersuchung der Hypothesen gehen kann, werden in Teil zwei und drei die Methoden der Untersuchung und die Zielgruppe erläutert. Teil vier dient der Veranschaulichung des Ablaufes der Untersuchung, mit anschließender Auswertung und Darstellung der Ergebnisse der Studie in Kapitel vier und fünf. Gegen Ende folgt dann eine Diskussion, in der die Ergebnisse im Bezug zum theoretischen Teil interpretiert werden sollen. Abschließen wird die Arbeit dann mit einem Schlussfazit.

2 Theoretischer Hintergrund

2.1 Psychopathie

2.1.1 Psychopathie als Teil der dunklen Triade

 

Unter dem Begriff der "Dunklen Triade der Persönlichkeit" werden die Eigenschaften Narzissmus, Machiavellismus sowie (subklinische) Psychopathie zusammengefasst. Alle bis auf den Machiavellismus werden als schwere Persönlichkeitsstörung verstanden. Eine Persönlichkeits-Störung ist laut Dobmeier (2018) dadurch charakterisiert, dass Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung "Charakterzüge und Verhaltensweisen (zeigen), die wesentlich von den gesellschaftlichen Normen abweichen. Die Betroffen sind nicht in der Lage, ihr Verhalten anzupassen und geraten in Konflikte mit ihrem sozialen Umfeld."

 

Narzissmus geht mit einer stark überzogenen Selbstwertschätzung und einem Gefühl der Überlegenheit einher. Narzissten möchten um jeden Preis bewundert werden und neigen zu dominanten Interaktionsverhalten. Des Weiteren legen sie ein hohes Anspruchsdenken an den Tag und verhalten sich anderen Menschen gegenüber ausbeuterisch (Dunkle Triade im Job: Risiken erkennen und abwenden, 2020).

 

Machiavellismus wird mit einer manipulativen Persönlichkeit assoziiert. Machiavellisten haben wenig Empathie und sind moralisch und ideologisch sehr flexibel, wenn es darum geht ihre Ziele zu erreichen. Ihr Menschenbild ist sehr zynisch und sie scheuen sich nicht, sich sehr hart und durchsetzungsfähig zu verhalten (Dunkle Triade im Job: Risiken erkennen und abwenden, 2020). Der Begriff Machiavellist geht auf den italienischen Staatsphilosophen Niccolo Machiavelli zurück, der im 15. Jahrhundert das Thema "Macht" analysierte und untersuchte.

 

Unter Psychopathie wird eine Mischung von antisozialem Verhalten und Emotionalität, einschließlich oberflächlicher Affektivität, schwachem oder fehlendem Gewissen, Furchtlosigkeit und wenig Mitgefühl, Egozentrik, Impulsivität, sowie Aggressivität und eine hohe Neigung zu kriminellem Verhalten verstanden. Psychopathen neigen eher zu kurzfristigen romantischen Beziehungen, sowie zu sexuellen Übergriffen, Gewalt und Untreue gegenüber dem Partner (Neyer & Asendorpf, 2018, S.229). Psychopathie wird in der klinischen Psychologie als schwere Persönlichkeitsstörung betrachtet und gilt als zentraler Prädiktor für delinquentes Verhalten. Die heutige Perspektive auf Psychopathie wird maßgeblich von Hervey M. Cleckley's Buch "The Mask of Sanity" aus dem Jahr 1941 beeinflusst. Darin werden Interviews mit Insassen forensischer Einrichtungen beschrieben, die nicht der damals vorherrschenden Vorstellung des typischen Kriminellen entsprachen. Obwohl diese Personen aus der Mittel- und Oberschicht stammten und finanziell gut abgesichert waren, begingen sie extreme Straftaten. Des Weiteren erschienen sie auf den ersten Blick sehr charmant und recht normal, zeichneten sich jedoch durch ausgeprägte Manipulationstechniken aus. Durch Hare und Neumann wird in jüngeren Arbeiten dazu übergegangen, Psychopathie auch im Sinne einer subklinischen Persönlichkeitseigenschaft, die durch ausgeprägtes antisoziales Verhalten und kriminellen Handlungen charakterisiert ist zu betrachten. Dazu gehört das Psychopathic Personality Inventory (PPI) von Lilienfeld und Andrews von 1996, das acht psychopathische Persönlichkeitseigenschaften als Kernmerkmale der subklinischen Psychopathie erfasst:

 

·         skrupelloser Egozentrismus

·         soziale Potenz

·         Furchtlosigkeit

·         Kaltherzigkeit

·         impulsive Normenkonformitivität

·         Externalisierung von Schuld

·         sorgenfreie Planlosigkeit

·         Stressresistenz

 

(Externbrink & Keil, 2018, S.10f.)


 

Abbildung 1 Die dunkle Triade der Persönlichkeit adaptiert nach (Externbrink & Keil, 2018, S.3)

 

Den drei Eigenschaften Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie ist eins gemeinsam: ein antisozialer Kern und eine niedrige (soziale) Verträglichkeit (vgl. Abb. 1). Da sie häufig auch zusammen auftreten und in moderatem Maße miteinander korrelieren, haben Paulhus und Williams die Konstrukte unter dem Label "die dunkle Triade der Persönlichkeit" zusammengefasst (Externbrink & Keil, 2018, S.3). Da Psychopathen als furchtlos gelten, stellte Prof. Dr. Niels Birbaumer (2012, 48:47-49:00) in diesem Zusammenhang fest: "Psychopathen empfinden nicht notwendiger-weise weniger Angst, sie können sie sie nur nicht mit einem Ereignis in der Zukunft verbinden. Das ist der Kern des Problems." Das Problem der mangelnden Empathie begründet Prof. Dr. Birbaumer hiermit: "Denn um verstehen zu können, welche Auswirkungen ihr Handeln auf andere hat, müssen sie das selbst empfinden können. Der Ausgang von Empathie ist also immer Egoismus. Zunächst einmal müssen sie also verstehen, was Schmerz, das Zufügen von Schmerz und das Vorausahnen von Schmerz für sie selbst bedeutet. Und dann empfinden sie im zweiten Schritt, was es für andere heißt" (2012, 46:38-47:00).

 

Primäre und sekundäre Psychopathie

 

Der Psychologe David Lykken erstellte 1995 ein Konzept von Psychopathie, das primäre und sekundäre Psychopathie unterscheidet. Die primäre Psychopathie umfasst dabei v.a. die furchtlose Dominanz einer Person (Stressresistenz, soziale Potenz, Furchtlosigkeit), während die sekundäre Psychopathie, v.a. die egozentrische Impulsivität (machiavellistischer Egoismus, Impulsivität, Externalisierung von Schuld, sorglose Planlosigkeit) beinhaltet. Andere Autoren bezeichnen deshalb die primäre Psychopathie als emotional stabile Ausprägung und die sekundäre Psychopathie als emotional labile Ausprägung der Psychopathie. Schütte und Blickle führten das Argument von Lykken fort und behaupten, dass Psychopathen, deren primäre psychopathische Merkmalsausprägungen dominieren, prinzipiell erfolgreich sozialisierbar sind. Ob ein Mensch mit psychopathischen Zügen nun erfolgreich sei, werde also sowohl von den spezifischen Subtypen der Psychopathie bestimmt als auch von einer erfolgreichen Sozialisation. Prädikatoren für eine erfolgreiche Sozialisation wären z.B., das Maß der sozialen Fertigkeiten oder der am höchsten erreichte Bildungsabschluss (Externbrink & Keil, 2018, S.13). Neuere Forschungen haben außerdem gezeigt, dass die beiden Faktoren egozentrische Impulsivität und furchtlose Dominanz voneinander unabhängig (orthogonal) sind. Das bedeutet z.B., dass man auf dem einen Faktor hohe und auf dem anderen Faktor niedrige Ausprägungen haben kann. Bei hoher Ausprägung "furchtlose Dominanz" und niedriger Ausprägung "egozentrische Impulsivität" würde das bedeuten, dass entsprechende Personen trotzdem über eine hohe Selbstkontrolle verfügen und erfolgreich Belohnungsaufschub praktizieren können und sich damit konstruktiv in soziale Gefüge einbringen können. Lykken entwickelte noch eine weitere Hypothese: Schwerverbrecher und Personen mit herausragenden gesellschaftlich anerkannten Leistungen seien beide unterschiedliche Zweige vom Stamm desselben Persönlichkeitsmerkmals der furchtlosen Dominanz seien der Unterschied jedoch auf das Intelligenzniveau und die dadurch wahrscheinlichere erfolgreiche Sozialisation zurückzuführen sind (Blickle, 2017). Der Psychopathie Forscher Kevin Dutton bringt es in einem Interview mit der Welt auf den Punkt:

 

"Zur richtigen Mixtur sollte Intelligenz hinzukommen. Ein blöder Psychopath bringt es zu gar nichts. Aber am wichtigsten ist der Faktor Impulsivität. Wem die Fähigkeit abgeht, die eigenen Aktionen zu kontrollieren, wer nur den eigenen Impulsen folgt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit im Gefängnis enden. Erfolgreiche Psychopathen haben das im Griff. Je intelligenter jemand ist, umso höher ist auch seine Selbstdisziplin" (Dutton, 2013).

Psychopathie in Abgrenzung zur antisozialen/dissozialen Persönlichkeitsstörung

 

Die britische Psychologin Dr. Belinda Board (2012, 14:05-14:49) charakterisiert Persönlichkeitsstörungen wie folgt:

 

"Persönlichkeitsstörungen sind nicht diese diskreten Krankheiten, auf die das medizinische Modell zutrifft, das man sie entweder hat oder nicht. Sie sind vielleicht nur Übersteigerungen normaler Charaktereigenschaften, die jeder besitzt, nur unterschiedlich stark."

 

Daraus ergibt sich für die Psychopathie, dass sie als eine extreme Form der antisozialen/dissozialen Persönlichkeitsstörung (APS) angesehen werden kann. Sie haben viele Überschneidungen, wie z.B. der Mangel an Einfühlungsvermögen, die hohe Risikobereitschaft oder die mangelnde Fähigkeit Beziehungen über eine längere Zeit aufrecht zu erhalten. Allerdings sind Psychopathen meist in der Lage ihre Asozialität gut zu verbergen und wirken auf den ersten Blick meist charmant und zugewandt. Im Zusammenhang mit Psychopathie und der APS, taucht meist noch ein anderer Begriff auf, und zwar die Soziopathie. Der Begriff ist höchst umstritten und kein eindeutig definierter psychiatrischer Zustand. Er bezeichnet laut Stangl (2020), "eine psychiatrische Störung des Sozialverhaltens und bezieht sich auf Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt fähig sind, Mitgefühl zu empfinden, sich nur schwer in andere hineinversetzen können und die Folgen ihres Handelns nicht abwägen können." Dieser Begriff wird heute lieber vermieden und man spricht eher von der dissozialen oder antisozialen Persönlichkeitsstörung. Die APS wird nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) aufgrund folgender Symptome diagnostiziert:

 

·         verhalten sich herzlos und sind unbeteiligt gegenüber den Gefühlen anderer

·         verhalten sich verantwortungslos und missachten soziale Normen, Regeln und Verpflichtungen

·         können keine dauerhaften Beziehungen aufrechterhalten, obwohl es ihnen leichtfällt, diese zu knüpfen

·         haben eine geringe Frustrationstoleranz und verhalten sich schnell aggressives und gewalttätig

·         haben kein Schuldbewusstsein und sind unfähig, aus negativen Konsequenzen, wie zum Beispiel Bestrafung, zu lernen

·         neigen dazu, andere zu beschuldigen oder bieten plausible Erklärungen für ihr unsoziales Verhalten an (Rationalisieren)

 

(Dobmeier, 2018)

 

Das Hauptunterscheidungsmerkmal zum Psychopathen liegt an der Art, wie andere Menschen manipuliert und für seine Zwecke ausgenutzt werden. Der Psychopath ist eher kühl, berechnend und subtil, wohingegen ein Soziopath eher impulsiv handelt, indem er laut wird, sich im Ton vergreift oder beleidigend und lautstark verletzend wird (Stangl, 2020).

2.1.2 Biologische Ursachen und Entstehungstheorien zur Psychopathie

 

"Psychopathen starten beschädigt ins Leben. Sie suchen es sich weder aus körperlich sexuell missbraucht zu werden noch genetisch prädispositioniert zu sein, eine psychopathische Persönlichkeit zu werden. Sie werden von Kräften, die sich außerhalb ihrer Kontrolle befinden, in eine psychopathische Lebensweise getrieben. Dadurch können sie verheerenden Schaden anrichten. Und sie bringen so vielleicht die nächste Generation von Psychopathen hervor. Denn wir gehen davon aus, dass Missbrauch und Vernachlässigung in einem frühen Stadium des Lebens, einer der Risikofaktoren für eine psychopathische Persönlichkeit ist. Es gibt also fast einen Zyklus von Psychopathie (Raine, 2012, 55:25-55:06).

 

Bei Untersuchungen von Stichproben klinischer und subklinischer Psychopathie fand man heraus, dass neurobiologischen Faktoren eine hohe Bedeutung zukommen. Dabei zeigen sich Beeinträchtigungen in zwei Hirnregionen, der Amygdala und dem präfrontalen Kortex, die bei Empathie und Selbstkontrolle beteiligt sind. So zeigte sich, mittels bildgebender Verfahren, eine verringerte Reaktion der Amygdala von Psychopathen im Vergleich zur nicht-psychopathischen Kontrollgruppe beim Anblick von furchterregenden oder leidvollen Bildern. 1991 führte S. Williamson eine Untersuchung durch, die die Unfähigkeit von Psychopathen gefühlsbetonte Worte zu verstehen und dabei entsprechend zu reagieren, unterstreicht. Dies legt eine Unfähigkeit der Psychopathen nahe, die eigenen Gefühle und die Gefühle anderer richtig zu deuten oder zu kommunizieren. Zwillingsstudien kamen zudem zum Ergebnis, dass genetische Faktoren, Psychopathie begünstigen können. In diesem Zusammenhang ist es auch wahrscheinlich, dass genetisch bedingtes antisoziales Verhalten im Kindesalter die Eltern-Kind Interaktion negativ beeinflussen kann, sodass es zu einer Wechselwirkung zwischen biologischen Faktoren und negativen Kindheitserfahrungen kommen kann (Externbrink & Keil, 2018, S.13).

2.1.3 Diagnostik von Psychopathie und psychopathischen Merkmalen

 

Um Psychopathie diagnostisch zu erfassen, haben sich diverse Verfahren zur Fremd- und Selbstbeurteilung etabliert. In der Diagnostik von Persönlichkeit und psychischen Störungen sollte immer eine Abwägung zwischen Selbst- vs. Fremdbeurteilung stattfinden. Eine umfassende Diagnostik sieht in der Praxis idealerweise einen Einsatz von Fragebögen, diagnostischen Interviews, Befragungen von Angehörigen und die Auswertung von Akten, so weit vorhanden, vor. Das wohl bekannteste und am häufigsten eingesetzte Fremdbeurteilungsinstrument für die Diagnostik von Psychopathie in Straftäterpopulationen ist die Psychopathie Checkliste, im kurzen PCL-R, von Robert Hare. In Nicht-Straftäter-Populationen hingegen, wird eher auf Selbstbeurteilungsinstrumente zurückgegriffen. Fremdbeurteilungsinstrumente werden in der Allgemeinbevölkerung eher ungern eingesetzt, da diese eine Aktenanalyse erfordern. Da beide Formen unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich bringen, sind sie jedoch eher komplementär als ausschließlich anzusehen. Fremdbeurteilung hat v.a. den Nachteil, dass sie von diversen Beurteiler-Effekten, wie z.B. Versuchsleitereffekte oder Priming-Effekte abhängig ist. Training und konkrete Bewertungsinstruktionen können diese Effekte jedoch minimieren. Selbstbeurteilungs-instrumente zur Diagnostik von Psychopathie hingegen können problematisch sein, da die Selbstdarstellung, die Neigung zu Übertreibung und Unwahrheit, sowie die geringe Fähigkeit zur Introspektion von psychopathischen Persönlichkeiten den Test verfälschen kann. Der Vorteil des Selbstberichtes kann aber gerade darin bestehen, eben genau diese Selbstdarstellung anhand der Selbstbeurteilung abzubilden (Heinzen, Seibert, Schulte-Ostermann, Huchzermeier & Eisenbarth, 2014, S.107f.).

2.2 Corporate Psychopaths

2.2.1 "Snakes in suits" - die erfolgreichen Psychopathen

 

"Wir vergessen die erfolgreichen Psychopathen, weil sie nicht in Studien auftauchen. Die Wissenschaft wird nicht auf sie aufmerksam, das soziale Umfeld ebenso wenig, weil sie nicht kriminell sind. Sie sind nicht gewalttätig, nicht brutal und deshalb kennen wir sie nicht. Aber sie nehmen enormen Einfluss auf die Gesellschaft. Und der wurde nie untersucht" (Birbaumer, 2012, 46:01-46:20).

 

Personen mit psychopathischen Zügen gelten gemeinhin als kalt, durchtrieben, manipulativ und verspüren keine Reue oder Schuldgefühle, wenn sie auf Kosten anderer Menschen leben. Dennoch kommen oft Menschen mit genau diesen Charakterzügen auf der Karriereleiter besonders weit, weil sie risikobereit, charmant und rücksichtslos zugleich sind. Gleichzeitig haben sie sich jedoch auch den Ruf erarbeitet, schädlich für Unternehmen zu sein. Die Gründe dafür liegen in riskanten Alleingängen, der Schädigung von Mitarbeitern und/oder dem Konsum von Drogen und Alkohol (Informationsdienst Wissenschaft, 2017). Der britische Psychologe Kevin Dutton untersuchte das Phänomen des "erfolgreichen Psychopathen" und stellte eine folgende These auf:

 

"Wir sollten alle hin und wieder etwas psychopathischer sein. Denn Psychopathen, seien selbstsicher, sie würden nichts aufschieben, sich aufs Positive fokussieren, würden Dinge nicht persönlich nehmen und sich keine Vorwürfe machen, wenn etwas überhaupt nicht klappt" (haufe.org, 2017).

 

Erfolgreich, ist hierbei nicht im herkömmlichen Sinne zu verstehen, sondern bezieht sich in erster Linie auf eine Unauffälligkeit im antisozialen Bereich. Einem erfolgreichen Psychopathen gelingt es also, in Bezug auf die Dimension des antisozialen Verhaltens nicht negativ aufzufallen (Blickle, 2016). Die Psychologen Babiak und Hare weisen in ihrem Buch "Snakes in suits" (dt. "Menschenschinder oder Manager") darauf hin, dass 3.5% der Topmanager in US-amerikanischen Firmen eine hohe Psychopathieausprägung haben, während die Quote in der Normalbevölkerung nur bei 1% liege. Stichproben in deutschen Unternehmen weisen eine ähnlich hohe Zahl auf, die aber nicht überinterpretiert werden solle, da es auch gegenläufige Befunde gibt (Externbrink & Keil, 2018, S.41). Insbesondere in Unternehmen mit starkem Konkurrenzdruck seien psychopathische Persönlichkeitseigenschaften von Vorteil, denn dort muss eher schnell und unter Druck Entscheidungen getroffen werden und es verlangt eine gewisse zwischenmenschliche Härte. Und dies beherrschen v.a. Psychopathen, da sie cool bleiben, wenn sie unter Druck stehen. Wie bereits in Kapitel II.1.2 erwähnt, kann man zwischen zwei Formen der Psychopathie unterscheiden. Einer potenziell gutartigen, die furchtlose Dominanz und einer toxischen, die egozentrische Impulsivität genannt wird. Die potenziell gutartige Form der Psychopathie kann sich sowohl zum Schlechten als auch zum Guten entwickeln. Menschen mit dieser Eigenschaft sind furchtlos, haben ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, gute soziale Fertigkeiten und sind extrem stressresistent. Ob nun aus einer Person mit furchtloser Dominanz ein Top-Performer wird, hängt maßgeblich vom Faktor Bildung ab. Während ungebildete Psychopathen mit furchtloser Dominanz Verhaltensweisen an den Tag legen die Unternehmen schädigen können, würden gebildete Psychopathen von ihren Mitarbeitern als sehr tüchtig und in keiner Weise antisozial auffällig beschrieben. Laut dem Psychologen Prof. Dr. Gerhard Blickle können Personen mit hoher furchtloser Dominanz, überdurchschnittlicher Intelligenz und einer erfolgreichen Bildungskarriere sich auch zu selbstlosen Helden im Alltag entwickeln, wie z.B. Krisenmanager oder Notfallärzte. In einer Publikation aus den Jahre 2016 haben Psychologen der Uni Bonn herausgefunden, dass ausgeprägte soziale Fertigkeiten Menschen mit psychopathischen Zügen zu hilfsbereiten und kooperativen Kollegen machen (haufe.org, 2017).

2.2.2 Bevorzugte Berufswahl und Karrierepräferenzen

 

Psychopathen, werden ebenso wie Narzissten und Machiavellisten von bestimmten beruflichen Umwelten angezogen, suchen diese gezielt auf und werden dort auch mehr geschätzt. Bei Psychopathen sind das v.a. "realistic" und "enterprising" Karrieren (siehe Abb. 2 RIASEC-Typologie) im privaten Sektor. Unter "realistic" fallen v.a. handwerklich-technische Berufe und unter "enterprising" Berufe im unternehmerischen Bereich (Bauer, Sichau & Hille, 2018. S.48). Dies lässt sich mit der starken anti-sozialen Orientierung, der fehlenden Selbstkontrolle und mangelnder Verantwortungsübernahme erklären. Damit sollte z.B. eine starke Abneigung gegen v.a. soziale Berufe einhergehen. Das Arbeiten im Management privater Organisationen, kann damit erklärt werden, dass Psychopathie mit einem rationalen und kühlen Arbeitsstil assoziiert und im Management täglich viele unterschiedliche, kurzfristige Aktivitäten anstehen, bei denen andere beeinflusst werden müssen. Außerdem werden Psychopathen von Kontexten angezogen, in denen sie nicht mit anderen zusammenarbeiten müssen, ohne Aufsicht sind und wenig Regeln befolgen müssen. Weiterhin beinhalte die "furchtlose Dominanz" das Streben nach Aufmerksamkeit und Macht, sowie die Durchsetzung des eigenen Willens. Das führt dazu, dass in einem Arbeitsumfeld, das Macht, Geld und Status biete und in dem viel verhandelt und verkauft werden müsse, sich die primäre Psychopathiekomponente als besonders zuträglich für den Berufserfolg herausstellt, was besonders in "enterprising" Umwelten der Fall ist (Externbrink & Keil, 2018, S. 34f.). Die folgende Darstellung zeigt auf, in welchen Berufen, man am ehesten Menschen mit hoher und niedriger Psychopathieausprägung auffindet:

 

Abbildung 2 Berufsgruppen mit besonders hoher bzw. niedriger Ausprägung psychopathischer Merkmale adaptiert nach (Rettenberger, 2018)

 

 

Abbildung 3 RIASEC-Typologie adaptiert nach (developmenthub.eu, o.J.)

 

Die nächste Abbildung zeigt die RIASEC-Typologie mit einer kurzen Erläuterung und Beispielen auf:

2.2.3 Psychopathie und Arbeitsleistung

 

Das nächste Kapitel soll die Zusammenhänge zwischen der Psychopathie und der Arbeitsleistung unter verschiedenen Gesichtspunkten untersuchen und darstellen. Arbeitsleistung kann allgemein als die Summe aller Verhaltensweisen eines Mitarbeiters verstanden werden, die der Zielerreichung zuträglich sind. Dabei lassen sich drei zentrale Komponenten der Arbeitsleistung unterscheiden. Zum einen die aufgabenbezogene Leistung, die alle Verhaltensweisen eines Mitarbeiters umfasst, die einen Beitrag zur Erledigung der Kernaufgaben der Organisation leistet und als Gegenstand der Stellenbeschreibung die formalen Anforderungen der jeweiligen Arbeitsrolle ausmachen. Zum anderen das freiwillige Arbeitsengagement, das alle davon losgelöste Verhaltensweisen umfasst, die sich auf die Arbeitsumgebung beziehen und sich positiv auf die Funktionsfähigkeit der Organisation auswirken, aber nicht im formalen Anreizsystem berücksichtigt werden. Und zu guter letzt das kontraproduktive Arbeitsverhalten, das bewusste Verhaltensweisen umfasst, die der Organisation oder ihren Mitgliedern erheblichen Schaden zufügen (Externbrink & Keil, 2018, S. 37f.).

Die Bedeutung sozialer Fertigkeiten

 

Gute soziale Fertigkeiten, am Arbeitsplatz auch unter dem Begriff "Politische Fertigkeiten" bekannt, ermöglichen es einer Person, Situationen und Interaktionen im Arbeitsleben adäquat einzuschätzen, um eigene oder organisationale Ziele zu ereichen. Politische Fertigkeiten sind zusammengesetzt aus den Teilbereichen sozialer Scharfsinn, Netzwerkfähigkeit, dargestellte Aufrichtigkeit und interpersonale Einflussnahme. Im Zusammenhang mit kontraproduktiven Arbeitsverhalten und kontextueller Leistung sind im Besonderen Fertigkeiten von Bedeutung, die zwischenmenschliche Interaktionen beeinflussen. Die sogenannte interpersonale Einflussnahme ermöglicht es Individuen ihre sozialen Handlungen so zu kalibrieren und zu präsentieren, dass diese von anderen Wohlwollen wahrgenommen und interpretiert werden. Menschen, die über dieses soziale Geschick verfügen, sind dann in der Lage, die persönlichen Interessen maßgeschneidert zu verfolgen und dabei günstige Beurteilungen von anderen zu erreichen. Primäre Psychopathen, die über gut ausgebildete Fertigkeiten der interpersonalen Einflussnahme im Sinn der politischen Fertigkeiten verfügen, sollten die Bewertungen anderer in Bezug auf die kontextuelle Leistung und das antisoziale Verhalten gegenüber anderen positiv steuern können. So kann man zu dem Ergebnis kommen, dass Personen, die eine hohe Ausprägung dieser Kompetenz haben, weniger Handlungen zugeschrieben werden, die anderen Mitarbeitern und Organisationsmitgliedern schaden und mehr Verhaltensweisen attestiert, die positiv zum sozialen Kontext beitragen. Eine Studie von den Psychologen Nora Schütte und Gerhard Blickle ergab  2016 zwei wesentliche Befunde. Sekundäre Psychopathie hing in der Tat positiv mit konterproduktiven Verhalten zusammen und wirkte sich außerdem negativ auf die kontextuelle Leistung aus. Primäre Psychopathie hingegen, zeigte keinen direkten Zusammenhang mit den beiden Leistungsvariablen. Die Studie belege vielmehr, dass es eine bedeutende Wechselwirkung mit dem sozialen Geschick der Zielpersonen gibt. Die Ergebnisse der Studie bestätige die Unterschiedlichkeit von primärer und sekundärer Psychopathie sowie über die Interaktionen von sozialen Kompetenzen mit primärer Psychopathie. Zudem zeigte sich auch der Faktor Kaltherzigkeit mit spezifischen Auswirkungen auf Leistungsbewertungen. Die Studie bestätige die Annahme, dass Personen mit hohen Werten in primärer Psychopathie und guten sozialen Fertigkeiten (in Form von interpersonaler Einflussnahme) sozial unauffällig sind und somit als "erfolgreiche Psychopathen" gelten (Schütte & Blickle, 2016).

Einflussnahme und mikropolitische Taktiken

 

Mikropolitik bezeichnet laut Externbrink & Keil (2018, S.42) "die Beeinflussung anderer im Sinne persönlicher Ziele" und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur individuellen Effektivität in Organisationen. Mikropolitisches Verhalten lässt sich von anderen Konstrukten, die gezielte Einflussnahme in Organisatioen beschreiben abgrenzen, da hier im Zentrum das Eigeninteresse der Person steht. Individuelle Einflussnahme kann organisationsdienlich sein, muss es aber nicht. Typische Ziele von mikropolitischen Verhalten können sein:

 

·         Unterstützung von anderen erhalten, die eigentlich nicht dazu verpflichtet sind

·         eigene Aufgaben auf andere abwälzen

·         persönliche Wünsche realisieren (z.B. mehr Gehalt und günstigere Arbeitszeiten)

·         eigene Ideen durchsetzen

·         Aufbau eines positiven Images in der Organisation

 

Die Vorgehensweisen zur Erreichung dieser Ziele lassen sich in weiche und harte Taktiken unterteilen. Diese sind in folgender Abbildung dargestellt:

 

Tabelle 1 Weiche und harte Taktiken adaptiert nach (Externbrink & Keil, 2018, S.43f.)

 

 

Psychopathen setzen hauptsächlich auf harte Manipulationstaktiken wie Drohungen oder Schikane, was auch auf ihre hohe Impulsivität und mangelnde soziale Hemmung zurückgeführt werden kann. Eine Studie von Hendricks, Externbrink und Dries von 2017 untersuchte den Zusammenhang zwischen der dunklen Triade und mikropolitischen Taktiken bei 160 berufstätigen Masterstudenten. Sie zeigte für alle drei Komponenten der dunklen Triade eine recht deutliche Präferenz für harte Taktiken. Mikropolitisches Taktieren lässt sich besonders häufig in unstrukturierten Kontexten beobachten, in denen es an klaren Zielen und gut definierten Prozessen mangelt oder Kontrollinstanzen fehlen, weil sich dort die Wirkung am besten entfalten kann (Externbrink & Keil, 2018, S. 43f.).

 

Psychopathen im Kundenkontakt

 

Persönliche Kundenorientierung erfordert Emotionsarbeit. Das Konzept der Emotionsarbeit geht auf die Soziologin Arlie R. Hochschild zurück, die 1990 Emotionsarbeit "als das Management des Fühlens mit dem Ziel, im Tausch für Lohn eine öffentlich sichtbare Darstellung von Gefühlen zu präsentieren" (Nerdinger, 2012, S.10). Narzissten, Machiavellisten und Psychopathen verwenden in diesem Zusammenhang sogenannte Oberflächenstrategien. Oberflächenstrategien umfassen das Vorspielen von Emotionen entsprechend der Darstellungsregeln unabhängig vom aktuellen emotionalen Zustand. Sie hinterlassen bei kurzfristigen Kontakten meist einen guten Eindruck, verhandeln und verkaufen erfolgreich, stabile Kundenbeziehungen hingegen sind aber nicht zu erwarten. Werden Tiefenstrategien angewendet, versuchen Dienstleister tatsächlich das zu fühlen, was sie fühlen sollen. Dies gelingt z.B. dadurch, dass gezielt Erinnerungen aktiviert werden, die mit den erwünschten Emotionen  assoziiert sind. Mit Tiefenstrategien kann grundsätzlich eine höhere Effektivität erreicht werden, da das Vortäuschen von Emotionen von Kunden schneller erkannt wird und auch für den Mitarbeiter sehr anstrengend sein kann. Da Menschen mit dunklen Persönlichkeitseigenschaften generell eher unempfindlich für die Emotionen anderer und auch Schwierigkeiten im Bereich der effektiven Selbstregulation sind, kommt es kaum zu einer Anwendung von Tiefenstrategien. Mit Ausnahme einer Arbeit existieren für Psychopathen keine Befunde hinsichtlich des Kundenkontakts. Die Arbeit von Kruse aus dem Jahre 2016 zeigt, dass Psychopathen, ebenso wie Narzissten und Machiavellisten im Umgang mit Kunden Oberflächenstrategien verwenden, d.h. dem Kunden wird Offenheit, Freundlichkeit und Einfühlungsvermögen nur vorgespielt. Aufgrund ihrer mangelnden Selbstkontrolle ist es auch fraglich wie lange der Eindruck aufrechterhalten werden kann, v.a. wenn sie mit einem unhöflichen oder gar fordernden Kunden in Kontakt kommen (Externbrink & Keil, 2018, S. 53f.).

Stress und Stressresistenz

 

Im Psychopathic Personality Inventory werden von Lilienfeld und Andrews Furchtlosigkeit, Kaltherzigkeit und Stressresistenz als zentrale Merkmale der Psychopathie definiert (Externbrink & Keil, 2018, S. 58). Der Biochemiker Hans Selye definierte Stress im Jahre 1936 als, "die unspezifische Reaktion des Körpers auf jede an ihn gestellte Anforderung". Er geht von einem neutralen Stressverständnis aus und spricht von Stress, wenn der Körper auf einen Reiz reagiert. Stress ist die Aktivierungsreaktion des Organismus auf Anforderungen und Bedrohungen, die Stressoren genannt werden. Man unterscheidet dabei in physische, psychische und soziale Stressoren. Nach dem transaktionalen Ansatz der Stressforschung entsteht Stress im Zusammenspiel zwischen situativen Anforderungen und subjektiven Beurteilungen der eigenen Ressourcen und Fähigkeiten. Entscheidend dabei ist die jeweils subjektive Bewertung der Anforderungen, nicht allein die objektive Stärke des Stressors. Dabei findet eine primäre Bewertung statt, ob ein Ereignis bedrohlich und damit relevant ist und eine sekundäre, die wenn das Ereignis bedrohlich und relevant ist, nach den zur Verfügung stehenden Bewältigungsmöglichkeiten fragt. Wird ein Ereignis nicht als bedrohlich wahrgenommen, wird es keinen Stress auslösen, empfindet man ein Ereignis damit als bedrohlich und relevant, entscheidet die sekundäre Einschätzung darüber ob Stress ausgelöst wird oder nicht (Litzcke & Schuh, 2007, S. 6). Diverse Studien und Tests mit psychopathischen Probanden haben gezeigt, dass negative Bewertungen oder soziale Zurückweisung im Gegensatz zu Narzissten nur eine geringe Wirkung bei Psychopathen haben. Im Trier-Social-Stress-Test, als auch bei den Konfrontationen mit sozialer Zurückweisung konnte gezeigt werden, dass Psychopathen eine signifikant geringere Cortisolreaktion zeigten (Externbrink & Keil, 2018, S. 58). Cortisol ist ein Hormon, das in der Nebenniere hergestellt wird und als Hauptaufgabe die Bereitstellung von Energie aus den Energiespeichern des Körpers hat und insbesondere in anstrengenden Situationen ausgeschüttet wird, weshalb es umgangssprachlich auch als "Stresshormon" bekannt ist (Machetanz & Müller, 2019). Der britische Psychologe Kevin Dutton stellt in seinem Buch "The Wisdoms of Psychopaths" dar, dass man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern u.a. die überragende Fähigkeit zum Stressmanagement lernen könne. Auch wenn die Situation um einen Psychopathen an Dramatik zu nimmt, bleibt er kaltblütig und zeigt sich stressresistent (Externbrink & Keil, 2018, S. 58).

Kontraproduktives Arbeitsverhalten

 

Kontraproduktives Arbeitsverhalten umfasst jene bewusste Verhaltensweisen, die der Organisation schaden oder ihren Mitgliedern erheblichen Schaden zufügen. Diese reichen vom Beschimpfen oder Bloßstellen anderer am Arbeitsplatz über die Konsumierung von Alkohol und Drogen bei der Arbeit bis hin zur Verfälschung von Abrechnungen zu eigenen Gunsten oder dem Austausch mit Unbefugten über vertrauliche Firmeninformationen (Externbrink & Keil, 2018, S. 38). Da Psychopathie ein wichtiger Prädiktor für kriminelles Verhalten ist, sollten hier auch die stärksten Zusammenhänge mit kontraproduktiven Arbeitsverhalten zu finden sein, u.a. deshalb, da sie kaum in der Lage sind Reue oder Schuld zu empfinden und sogar der Meinung sind, dass solche Empfindungen nur etwas für schwache Menschen sind (Externbrink & Keil, 2018, S. 41). Laut der Analysen von Schütte & Blickle (2017, S.97) zeigt sich v.a. die Egozentrische Impulsivität als durchgängig maladaptive Eigenschaft gegen die Organisation und seinen Mitgliedern, wohingegen Furchtlose Dominanz unter bestimmten Umständen auch adaptiv sein kann. Personen mit einer ausgeprägten Egozentrischen Impulsivität besitzen den starken Wunsch, ihre persönlichen Interessen durchzusetzen und neigen dazu, organisationale Regeln, Verantwortlichkeiten und Deadlines zu missachten. Außerdem zeigen sie insgesamt wenig Loyalität gegenüber anderen. In Kombination mit der Unfähigkeit, interpersonale Beziehungen aufzubauen sowie einer allgemeinen Heimtücke und Niederträchtigkeit gegenüber anderen, gehen erhöhte Werte in Egozentrischer Impulsivität mit kontraproduktiven Arbeitsverhalten einher. Bei einem Mangel von sozialen Kompetenzen in Form von interpersonaler Einflussnahme, erweist sich auch Furchtlose Dominanz als ein maladaptiver Prädiktor für interpersonales Arbeitsverhalten (Schütte & Blickle, 2017, S. 94).

2.2.4 Dark Leadership

 

Dark Leadership verfolgt einen stärker eigenschaftsorientierten Führungsansatz und orientiert sich konzeptionell an der dunklen Triade der Persönlichkeit. Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie wurden bisher relativ unabhängig von einander erforscht, da es noch kein einheitliches Konzept zur Erforschung der dunklen Seite von Führung gibt. Gegenwärtig werden noch sehr viele unterschiedliche Begriffe für die dunkle Seite der Führung verwende, wie z.B. destruktive Führung, toxische Führung, missbräuchliche Führung oder unethische Führung. Zukünftige Studien werden zeigen, inwiefern beispielsweise die Passung zwischen Person, Arbeit und Organisation und die situative Komponente, wie z.B. Branche oder umweltbedingte Veränderungen, hinderliche oder begünstigende Einflüsse auf die Beziehung zwischen der dunklen Führung und verschiedenen Erfolgskriterien gefunden werden, der das mögliche Bindeglied zwischen narzisstischer, machiavellistischer und psychopathischer Führung darstellen kann. Die wichtigste Rolle und Gemeinsamkeit im Kontext dunkler Führung nimmt offensichtlich das (personalisierte), selbstsüchtige Machtmotiv und die soziale Dominanzorientierung ein. Weitere gemeinsame Kerne sind eine geringe (soziale) Verträglichkeit, eine starke Neigung zur Unehrlichkeit und Selbstgefälligkeit und ein relativ geringes Einfühlungsvermögen, welches häufig zu Gefühl- und Herzlosigkeit führt. In der Frage der höchsten Führungseffektivität scheinen die narzisstische Führung, der hellste und die psychopathische Führung, die dunkelste Führungstendenz im Rahmen von Dark Leadership zu sein (Furtner, 2017, S.27f.).

Psychopathische Führung

 

Stark getrieben durch ein ausgeprägtes personalisiertes Machtmotiv und soziale Dominanzorientierung, sind psychopathische Führungskräfte stark darauf bedacht an die Spitze einer Organisation zu gelangen. Die Führungsmotivation ist tendenziell antisozial, sie legen ein unberechenbares Verhalten an den Tag, neigen möglicherweise zur Paranoia und zeigen ein hoch impulsives Verhalten. Ihre Weltanschauung ist sehr dualistisches, d.h. sie kennen nur Freund und Feind und dementsprechend handeln sie auch im organisationalen Kontext. Obwohl psychopathische Führungskräfte nur über eine geringe Selbstkontrolle verfügen, bedienen sie sich an Taktiken und Strategien der Manipulation, um langfristige Ziele zu erreichen. Im Gegensatz zur machiavellistischen Führung, ist die psychopathische Führung auf den kurzfristigen Erfolg fokussiert, da häufig Geduld und Selbstkontrolle fehlt. Über langfristige Konsequenzen seines Handelns, macht sich die psychopathische Führungskraft nur äußert wenige Gedanken. Die Beziehung zur Erlangung von Führungspositionen ist im Gegensatz zur Führungseffektivität positiv, das Interesse an Führung per se jedoch gering. Der psychopathische Führungsstil ist eher passiv, ineffektiv und Laisser-faire, bezüglich der charismatischen Wirkung jedoch zeigen sich noch sehr widersprüchliche Ergebnisse (Furtner, 2017, S.29f.). Generell zeigt die psychopathische Führung, laut Furtner (2017, S.29f.) folgende negative Auswirkungen auf Geführte:

 

·         Ausgebeutete Geführte

·         Geringe Arbeitszufriedenheit

·         Hohe Fluktuation (Kündigungen) und Fehlzeiten (Krankenstände)

·         Geringes organisationales Commitment

·         Geringe Kreativität und Innovation

 

Auch auf die Organisation zeigt die psychopathische Führung generell negative Auswirkungen:

 

·         Klima der organisationalen Angst

·         Möglicher Konkurs (Insolvenz)

 

(Furtner, 2017, S.26)

 


 

Abbildung 4 Formen von Management Derailment adaptiert nach (Weibler, 2016)

 

Management Derailment beschreibt das Versagen vermeintlicher High Potentials. Die sozioanalytische Theorie erklärt, warum dunkle Persönlichkeits-eigenschaften zum hierarchischen Aufstieg beitragen. Einmal aufgestiegen, entgleisen Führungskräfte mit hohen Werten in der dunklen Triade in der Mitarbeiter- und Unternehmensführung. Management Derailment ist ein Forschungsfeld, das in den letzten Jahren insbesondere aufgrund der gehäuften Skandale in wirtschaftlichen, medizinischen und auch religiösen Institutionen an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Es werden Führungskräfte untersucht, die eine steile Karriere gemacht haben und nun versagen, unethisch handeln und verheerende Fehlentscheidungen treffen, obwohl man ihnen vormals großes Potenzial zugesprochen hatte (Externbrink, Keil, 2018, S.45). Die Erklärung dieses Phänomens setzte dabei, ganz traditionell im Sinne der herrschenden Führungstheorie, bei den erfolgsrelevanten Eigenschaften an. Es wurde vermutet, dass den Führungskräften wohl bestimmte erforderliche Führungsqualitäten, wie z.B. Durchhaltevermögen ("bright sides") fehle. Als dies erkennbar zu kurz griff, wurden auch mögliche schlechte Eigenschaften ("dark sides"), wie "die dunkle Triade" in Betracht gezogen. Eine weitere Lesart des Derailments verbindet den Begriff mit dem verbreiteten Problem einer nachhaltigen Erschöpfung und Auszehrung von Führungskräften, was häufig in psychische Erkrankungen wie Burnout und Depression mündet. Hierfür setzte sich der Begriff "sad management" in Verbindung mit Derailment durch.

2.3 Interventionen und Umgang mit psychopathischen Mitarbeitern und Führungskräften

2.3.1 Kommunikation mit einer psychopathischen Person

 

Insbesondere sollten zwei Charakteristika bei der Kommunikation mit einem Psychopathen beachtet werden. Erstens sollte jegliche Kommunikation durch einen psychopathischen Filter laufen und zweitens kann alles was durch den Psychopathen ausgedrückt wurde, später wieder verweigert, verändert, zurückgewiesen werden oder sich schlicht und einfach als unwahr herauskristallisieren. Beispielsweise kann das Versprechen, das man sich ändern würde, im Nachhinein als Lüge herausstellen. Das ist einer der Gründe, wieso sich Psychopathen nur sehr schwer therapieren lassen. Einige Psychologen können sich bei den Interventionen, die einem Psychopathen angeboten werden, auf scheinbar einfühlsame Eigenschaften verlassen und diese fördern. Es wurde jedoch kritisiert, dass ein solcher Empathie fördernder Ansatz den Psychopathen nur noch zum besseren Manipulator macht. Dies könnte einer getarnten Pathologie Rechnung tragen, wie einem gelehrten oder hochintelligenten Psychopathen, der das Leben eines potenziellen Opfers betritt. Natürlich kann es auch Situationen geben, in denen Kontextfaktoren der Erregung oder Isolation eines psychopathischen Familienmitglieds, durch das Opfer widersprechen (z.B. für das Wohl der Kinder). Obwohl dies verständlich ist, kann es vorkommen, dass das Verlassen auf Strafverfolgungsbehörden oder rechtliche Schritte, die einzig gesunde und rechtmäßige Maßnahme sind (Woody, 2019, S.47).

2.3.2 Umgang mit destruktiver Führung

 

Destruktive Führung psychopathischer Führungskräfte gezielt zu unterbinden ist Aufgabe des Unternehmens und dessen Personalmanagements (HRM). Dabei gibt es vielfältige Ansatzpunkte, die im Folgenden in der Arbeit erläutert werden. Diese Ansatzpunkte werden in folgende vier Unterpunkte untergliedert:

 

·         Führungskräfteauswahl

Ende der Leseprobe aus 113 Seiten

Details

Titel
Corporate Psychopaths. Psychopathie am Arbeitsplatz
Autor
Jahr
2021
Seiten
113
Katalognummer
V1010608
ISBN (eBook)
9783964873439
ISBN (Buch)
9783964873446
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dunkle Triade, Psychopathie, Arbeits- und Organisationspsychologie, Corporate Psychopaths, Wirtschaftspsychologie, Psychologie, Human Resources, Personalwesen
Arbeit zitieren
Patrick Schwalie (Autor:in), 2021, Corporate Psychopaths. Psychopathie am Arbeitsplatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1010608

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