Lindgren, Astrid - Ronja Räubertochter - Jugendbuchrenzension


Ausarbeitung, 2000

11 Seiten


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Inhaltsangabe

1. Hinführungsstufe

2. Informationsstufe

3. Problematisierungsstufe / Auswertungsstufe
3.1 Schwerpunkte beim Jugendbuch
a. Stoff
b. Gehalt
c. Menschengestaltung
3.2 Aufbau / Struktur / Komposition
3.3 Äußere und innere Spannung
3.4 Sprache
3.5 Alterseinstufung
3.6 Äußere Aufmachung
3.7 Pädagogisches Ziel

4. Schluß / Abrundungsstufe

Astrid Lindgren

Ronja Räubertochter

1.Hinführungsstufe

Bibliographische Angaben zu " Ronja Räubertochter " :

Das Buch "Ronja Räubertochter" wurde von der Autorin Astrid Lindgren verfaßt. Es erschien erstmals 1981 in Stockholm in der schwedischen Originalausgabe bei Raben & Björgen Bokforlag unter dem Titel "Ronja röverdotter". 1882 erschien das Buch dann im Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg. Ins Deutsche übersetzt wurde es von Anna- Liese Kornitzky. Die Illustrationen und die Gestaltung des Schutzumschlages übernahm Ilon Wikland. Das Buch umfaßt insgesamt 239 Seiten und ist erhältlich unter der ISBN- Nummer 3 7891 2940 2 zum Preis von etwa 26 DM.

Die Autorin Astrid Lindgren:

Wohl kaum eine Autorin hat die Kinderbuchszene so stark und nachhaltig beeinflußt wie Astrid

Lindgren, > die bekannteste Kinderbuchautorin der Welt < (Die Zeit). Für ihre mehr als sechzig Bilder -, Kinder - und Jugendbücher wurde Astrid Lindgren u.a. mit dem

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Internationalen Jugendbuchpreis, der Hans - Christian - Andersen - Medaille, der Großen Goldmedaille der Schwedischen Akademie und dem Schwedischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet. > Eine Autorin, die behutsam, aber nachdrücklich zu Toleranz, Fairneß, Verständnis und Verantwortung erzieht.< (aus der Begründung des Stiftungsrates zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1978) (aus dem Buchumschlag)

Weitere bekannte Werke von Astrid Lindgren:

- Kalle Blomquist
- Die Brüder Löwenherz
- Die Kinder aus Bullerbü
- Ferien auf Saltkrokan
- Karlson vom Dach
- Immer dieser Michel
- Mio, mein Mio
- Pippi Langstrumpf

Die Grundaussage des Buches:

Es ruft auf zu Toleranz, Fairneß und Konsequenz bei der Klärung von Problemen und Konflikten innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen.

2. Informationsstufe

Ronja, ist die Tochter von Lovis (Mutter) und Mattis (Vater). Mattis ist Räuberhauptmann auf der Mattisburg. Dort leben sie zusammen mit der ganzen Räuberbande. Ronja wächst die ersten Lebensjahre in dieser Burg auf. Bis eines Tages ihr Vater ihr erlaubt die Welt außerhalb der Mattisburg zu erkunden. Er warnt sie allerdings vor gefährlichen Dingen und Lebewesen im Wald:

_ den Wilddruden

_ den Graugnome

_ den Borkaräubern

_ sie soll sich nicht im Wald verirren

_ sie soll nicht in den Fluß plumpsen

_ sie soll nicht in den Höllenschlund fallen

Der Höllenschlund ist ein Abgrund, der die Mattisburg in zwei Hälften spaltet. Er entstand in der Nacht als Ronja geboren wurde durch einen gewaltigen Blitzeinschlag. Die Borkaräuber sind eine verfeindete Räuberbande. Zwischen den beiden Sippen besteht schon seit Generationen eine bitterböse Fehde.

Eines Tages übt sich Ronja davor nicht in den Höllenschlund zu fallen, und trifft dabei auf Birk, den Sohn von Borka. Sie können sich nicht leiden, da beide durch ihre Familien Vorurteile gegenüber der anderen Sippe aufgebaut haben. Es stellt sich heraus, daß die Borkaräuber in die zweite Hälfte der Mattisburg, ohne Erlaubnis, eingezogen sind. Aufgrund des kalten Winters waren sie dazu gezwungen, wenn sie nicht erfrieren wollten. Dies erfuhr auch Mattis und es entfachte sich erneut ein Streit zwischen beiden Sippen. Sie konnten sich nicht einig werden.

Später traf Ronja Birk öfter im Wald. Dort lernten sie sich besser kennen und entwickelten Sympathien füreinander, auch deshalb, da sie sich gegenseitig das Leben retteten. Sie beschlossen Freunde, ja sogar Bruder und Schwester zu werden. Dies mußte jedoch geheim bleiben, da die beiden Räuberhauptmänner dafür kein Verständnis hätten.

Birk fiel Mattis in die Hände und beabsichtigte Borka mit ihm zu erpressen. Borka bekommt seinen Sohn nur zurück, wenn er mit seiner Sippe die Mattisburg verläßt. Ronja konnte dies nicht zulassen und sprang freiwillig über den Höllenschlund zur Borkasippe. Dies führte zum Bruch zwischen Mattis und seiner Tochter. Beide Kinder wurden ausgetauscht und sie beschlossen auszuziehen. Sie bezogen die Bärenhöhle im Wald. Birk und Ronja verbrachten eine schöne Zeit zusammen. Sie lernten sich immer besser kennen und erlebten viele schönen und auch gefährlichen Abenteuer. Derweil krämte sich Mattis darüber, daß seine Tochter nicht mehr da ist. Verschiedene Versuche Ronja wieder nach Hause zu locken scheiterten. Auch das Bitten von Lovis änderte daran nichts. Ronja verlangte, daß Mattis sie bitte wieder nach Hause zu kommen.

Ronja und Birk wußten, daß sie den Winter in der Bärenhöhle nicht überstehen würden. Birk hielt Ronja auch nicht zurück, falls sie wieder zur Mattisburg wollte. Als der Winter langsam näher rückte, traf Ronja Mattis im Wald und es trat der entscheidende Moment ein. Mattis bat Ronja darum wieder zur Mattisburg zu kommen und erlaubte auch Birk dort zu wohnen. Denn Ronja wäre sonst bei Birk im Wald geblieben. Sie beide zogen zurück zur Mattisburg und verbrachten dort den Winter.

Glatzen- Per, der älteste Räuber, hatte eine Beraterfunktion inne und riet Mattis, er solle sich mit Borka verbünden, damit sie eine Chance gegen die Verfolgung der Landsknechte haben. Zuerst weigerte er sich. Aber als er merkte, daß dies die einzige Überlebenschance ist tat er sich mit Borka zusammen. Auch Ronja war dafür und hatte auch schon bemerkt, daß sie und Birk keine Räuber sein möchten. Ein Zweikampf entschied über die Machtverteilung. Mattis behielt die Räuberhauptmannstellung. Glatzen- Per vertraute Ronja bevor er starb ein Geheimnis an. Er erzählte ihr wie sie ohne Räubertum am Leben bleiben könnte. Er hatte vor vielen Jahren einem Graugnom das Leben gerettet und der erzählte aus lauter Dankbarkeit wo Silber zu finden ist. Ronja und Birk suchten die Stelle auf und behielten ihr Geheimnis für sich, da sonst alle Räuber die Stelle in der Erde plündern würden. Dann hätten sie nichts mehr davon.

3.Problematisierungsstufe / Auswertungsstufe

3.1 Schwerpunkte beim Jugendbuch

a. Stoff

Es ist schwer dieses Buch eindeutig dem Kinderbuch oder dem Jugendbuch zuzuordnen. Zum einen sprechen einige Aspekte für die Zuordnung zum Jugendbuch. Viele problemorientierte Jugendbücher beschäftigen sich mit der Entwicklungsproblematik der Heranwachsenden, mit den entscheidenden und nicht selten ohne Schwierigkeiten ablaufenden Prozessen der Identitäts- und Rollenfindung, mit der Erfahrung der eigenen Individualität und Abhängigkeit von anderen.

Im Bezug auf dieses Buch läßt sich diese Problematik ebenfalls erkennen. Die Befreiung von Vorurteilen gegenüber dem anderen und das Kennenlernen des anderen Geschlecht, damit verbunden das Erkennen der eigenen Geschlechtlichkeit.

Es zeigen sich Probleme, die sich in Zweier - Beziehungen ergeben (siehe Bärenhöhle). Aber auch die Probleme, die innerhalb von Familien auftreten, wenn die Kinder ihre eigenen Wege gehen möchten und auch gehen. Darin spiegelt sich die Löslösung der Kinder ( vorallem Ronja) von dem ersten Bezugssystem Familie wider. Dies sind Probleme mit denen sich jeder Jugendliche im Laufe seiner Pubertät auseinandersetzen muß.

Zum anderen treten Elemente des Kinderbuches auf. Die Stoffe des Kinderbuches

entstammen einerseits der realen Umwelt und andererseits aus Träumen, Wünschen und

Erwartungen des Kindes. Die reale Umwelt stellt sich hier als bekannte Familiensituation dar, die sorgende Mutter und der liebende Vater. Es vermischen sich dann Abenteuerlust und Fantasiegestalten in das Geschehen ein.

Das Erleben eines Spielkameraden und das Bestehen gemeinsamer Abenteuer sind Kennzeichen für die behandelnden Situationen in Kinderbüchern.

b. Gehalt

Das Buch enthält fast alle Formen der sprachlich einsetzbaren Mittel. Es existieren lustige Passagen und ebenso traurige, ernste, nachdenkliche Gegebenheiten.

c. Menschengestaltung

Die Hauptdarsteller sind zweifellos die beiden Kinder Ronja und Birk. Daneben nehmen auch die Eltern eine starke Rolle ein.

Ronja

Sie ist ein aufgewecktes, lebhaftes Kind, daß seinen Eltern nur Freude bereitet. Zumindest bis zu dem Tag als sie Birk kennenlernt und ihre Freundschaft bekannt wird. Sie besitzt einen starken Willen, Selbstbewußtsein und Durchsetzungskraft.

>"Sie ist schön wie eine kleine Drude, gebt ´ s nur zu ! Genauso rank und schlank, genauso dunkeläugig und genauso schwarzhaarig. Noch nie habt ihr so ein hübsches, kleines Mädchen

gesehen, gebt ´ s

nur zu !"<

( Mattis, Seite 16 )

Sie liebt ihre Eltern und vorallem verehrt sie ihren Vater, der für sie der Größte ist.

Birk

Er ist ihr männliches Gegenstück. Ebenso aufgeweckt und lebhaft. Jedoch ist er nicht so stur wie Ronja und etwas nachgiebiger und ruhiger in seiner Art. Äußerlich unterscheiden sie sich wie Tag und Nacht. Er ist rotblond und hellhäutig.

Mattis

Er ist ein großer, mächtiger Kerl. In Bezug auf die noch kleine Ronja etwas unbeholfen, aber liebevoll.

>Der Napf mit dem Brei stand ein Stückchen entfernt auf der Herdkante, und da Mattis mit seinen groben Räuberpratzen etwas tolpatschig war, schwappte viel Brei auf den Boden. Außerdem versetzte Ronja dem Löffel hin und wieder einen Schubs, so daßeine Menge Brei in Mattis Augenbrauen landete.< ( Seite 14 )

Er ist ein cholerischer, jähzorniger und aufbrausender Mann, der in manchen Situationen öfter zu unüberlegten Handlungen neigt, die er später bereut. Jedoch verbietet ihm sein Stolz sich zu entschuldigen. Dies führt auch dazu, daß er seine Tochter verstößt, obwohl er sie über alles liebt.

Lovis

Sie ist der gütige, ruhige Pol in der Mattisburg. Sie sieht die Dinge mit der nötigen Gelassenheit, um in Situationen sinnvolle und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie vermag es auf Mattis beruhigend einzuwirken. Ebenso kann sie Situationen realistischer einschätzen. Sie besitzt die Versorgungsfunktion auf der Mattisburg. Sie ist Köchin, Putzfrau, Ärztin und versorgt die Tiere. Gleichzeitig ist sie eine sorgende, liebende Mutter und Ehefrau.

Glatzen - Per

Der älteste Räuber. Er ist ein weiser alter Mann, der für Ronja eine Art Großvater ist.

Borka und Undis

Sie sind die Eltern von Birk und die Erzfeinde von den Mattisräubern. Es verhält sich ähnlich wie bei Lovis und Mattis. Jedoch kann Undis keinen solch kühlen Kopf bewahren und Borka stellt sich körperlich etwas schwächer dar als Mattis.

Es sind verschiedene Charaktere vorhanden, wie man sie auch im realen Leben finden kann. Auch die Rollenverteilung ist im wirklichen Leben oft in dieser Konstellation zu finden. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, daß sich viele Kinder in dieser Lebenssituation wiederfinden.

3.2 Aufbau / Struktur / Komposition

Es sind Tendenzen zu erkennen, die für eine Kettenhandlung sprechen, da die Erzählung in gerader Linie verläuft. Jedoch findet man parallele Handlungen. Diese sind Einschübe, die dadurch zustande kommen, da sich die Handlungen auf zwei Schauplätze verteilen: Mattisburg und Bärenhöhle.

Der Anfang des Buches beginnt mit der Hauptfigur Ronja und endet mit ihr. Zu Beginn des Buches ist die Welt für Ronja noch in Ordnung und das Verhältnis zum Vater kann nicht besser sein. Die Erkundung des Waldes im Frühling ist geprägt durch pure Lebensfreude und explodiert in einem Frühlingsschrei von Ronja. Zum Ende des Buches herrscht wieder die gleiche Stimmung. Die Welt ist für Ronja wieder in Ordnung und die Lebensfreude kommt per Frühlingsschrei zum Ausdruck. Ebenso ist die Beziehung zum Vater wieder in Ordnung, bzw. Sogar besser als vorher, da er mittlerweile gelernt hat loszulassen.

>"Meine alte Grotte, ja, die ist schön", sagte er. "Besser als da kann man zu dieser Jahreszeit nirgends wohnen ! Oder was meinst du, Lovis ?" Lovis kannte ihren Mattis und seinen plötzlichen Sinneswandel und war deshalb nicht sonderlich erstaunt.<

( Seite 235/236 )

Das Buch besitzt insgesamt 18 Kapitel.

3.3 Äußere und innere Spannung

Äußere Spannung entsteht aus dem Handlungsablauf, dem Handlungsaufbau, durch das Aufeinander -prallen von Kraft und Gegenkraft.

Die positive äußere Spannung entspringt der Stoffverteilung. Es sind in diesem Buch Spannungsbögen und kurze gerade Linien ( epische Ruhepunkte ) zu erkennen. Das Buch beginnt mit einer gewissen Spannung, da Ronja in einer unheimlichen

Gewitternacht geboren wird. Dann ebbt die Spannung ab, während das junge Leben Ronjas beschrieben wird ( epischer Ruhepunkt). Im gesamten Buch sind solche Spannungsverläufe zu erkennen ( Bsp.: Spannung steigt als Ronja zum ersten Mal in den Wald darf). Auch zahlreiche Dialoge tragen zum Spannungsverlauf bei.

Die negative äußere Spannung wird gestaltet durch Überraschungseffekte ( Ronja trifft Birk am Höllenschlund, Springt beim Erpressungsversuch ihres Vaters zum Gegner) und Situationen von Lebensgefahr:

- Ronjas Bedrohung beim ersten Ausflug durch die Graugnome
- Locken der Unterirdischen
- Ronja steckt im Bau von Rumpelwichten fest und droht entweder zu erfrieren oder von den Wilddruden zerrissen zu werden.
- Birk und Ronja sind am Fluß und müssen sich erst vor den Wilddruden schützen und dann vorm Wasserfall

Es gibt noch andere Spannungbögen, die ich hier nicht alle aufzählen kann.

Die innere Spannung findet man auch im Buch zu Genüge. Die Charaktere sind deutlich und einfach beschrieben, so daß man sich leicht in die Situationen, z.B. von Ronja, hineinversetzen kann. Die Erzählung wird auf einer Ebene und in einer Art und Weise dargestellt, in der Kinder sich gut zurechtfinden können. Es ist eine gelungene Mischung aus äußerer und innerer Spannung zu erkennen.

3.4 Sprache

Ausdruck und Wortwahl sind in der Regel einfach gehalten. Das Buch ist leicht verständlich. Die Autorin arbeitet oft mit Dialogen, besonders um Stimmungen der einzelnen Charaktere auszudrücken. Es entwickeln sich in den Dialogen informative und gefühlsbetonte Gespräche. Das Sprachniveau ist, obwohl geprägt durch einfache Wortwahl und leicht verschachtelte Sätze, auf einer höheren Ebene anzusiedeln. Die Autorin vermag es, trotz der Einfachheit, den Leser zu fesseln. Spracheigentümlichkeiten treten vorallem bei Eigennamen auf ( Ronja, Birk, Lovis, Mattis, Undis, Tjegge, Pelje, Sturkas,...). Diese sind, so vermute ich, schwedischen Ursprungs. Ebenso treten Fantasienamen wie Glatzen - Per und Namens- neuschöpfungen auf. Namensneuschöpfungen findet man bei den Bezeichnungen der Lebewesen (Wilddruden, Graugnome, Rumpelwichte,...) aber auch bei leblosen Dingen wie "Donnerdrummel".

Den Rumpelwichten werden "verunstaltete" Worte in den Mund gelegt: > "Wiesu tut sie su ?

Macht putt unser Dach, wiesu denn bluß?" < ( Seite 73 ).

Auch die Graugnome benutzen ganz bestimmte Redewendungen, wie > "Graugnomen alle, Mensch hier, Mensch hier im Graugnomenwald, Graugnomen alle, beißt und schlagt zu, Graugnomen alle, beißt und schlagt zu !"< ( Seite 22 ).

So lassen sich verschiedene Wesen nicht nur durch ihr Äußeres unterscheiden, sondern auch durch ihre Sprache. Wobei sich, aufgrund dieser Tatsache, Intelligenzdifferenzierungen erkennen lassen. Die Wilddruden sprechen in ganzen Sätzen: > "Hoho, du schönes Menschlein, gleich wird das Blut fließen, hoho !" < ( Seite 30 ). Auch ihr Wortschatz ist viel größer: > "Du willst wohl, daßich dich zerkratze und zerfetze ?" , "Dann sag ich's den Schwestern mein", kreischte sie. "Und morgen holen wir dich. Dann liegst du nie mehr da und faulenzt. Nie mehr, nie mehr !" ( Seite 75/76 ). Daraus läßt sich auch erkennen, daß die Wesen mit zunehmendem Sprachniveau dem Menschen gefährlicher werden.

Die Autorin versucht in ihrer reinen Erzählung Wert auf Gefühlsausdrücke zu legen. Man findet viele beschreibende Adjektive, die beim Leser bestimmte Stimmungen auslösen. Aber man findet auch Gefühlsbeschreibungen selbst.

>Da seufzte Mattis und drückte sie fest an sich. < ( Seite 24 )

> Aber Mattis war jenseits von jedem Trost. Wie ein angeschossener Bär stand er dort und wiegte seinen schweren Körper hin und her, als wollte er einen unerträglichen Schmerz dämpfen. Ronja weinte, als sie ihn so sah.< ( Seite 131 )

>In allen Bäumen und allen Wassern und allen grünen Büschen lebt es, es zwitschert und rauscht und summt und singt und plätschert,überall erklingt das frische, wilde Lied des Frühlings.< ( Seite 236/237 )

>Doch kaum war sie wieder zu Hause und sah Mattis brütend vor dem Feuer hocken, war alle Traurigkeit wieder da.

"Tröste mich, Ronja", bat er. "Hilf mir in meinem Kummer !"< ( Seite 234 )

Ebenso kann man an den vorangestellten Beispielen erkennen, daß die Autorin sich der

Sprache der Bilder bedient ( Metaphorik). Dies dient dem besseren Verständnis und vorallem veranlaßt dies den Leser sich den Stimmungen des Buches hinzugeben bzw. sie einzufangen.

3.5 Alterseinstufung

Einen großen Teil der Leser findet man im Lesealter um die 10 Jahre (+/-). Da dieses Buch einen gewissen Anspruch an die Lesefertigkeit des Kindes stellt, denke ich, daß Leseanfänger mit diesem Buch überfordert sind. Die Sätze sind zum Teil verschachtelt und ebenso spricht der Umfang des Buches gegen ein zu frühen Lesebeginn. Außerdem bezweifle ich, daß jüngere Kinder kognitiv in der Lage sind die Botschaft des Buches zu erkennen.

Kinder im Alter (+/-) 10 Jahre sprechen auf abenteuerliche Erlebnisse an und können sich mit den Protagonisten des Buches leicht identifizieren, da ich Ronja und Birk ungefähr auf dieses Alter schätze (10 bis 12 Jahre). Die Verknüpfung von "realistischen", bekannten Lebenssituationen der Kinder mit den fantasievollen Gestalten spricht die Leser an. Auch haben sie die Möglichkeit sich in gefährlichen Situationen mit Hilfe des Buches zu begeben, und so ihre eigenen Gefühle kennenlernen und einschätzen können. Es wird in dem Buch auch deutlich gezeigt, daß das Zeigen von Gefühlen erlaubt ist und wie man damit umgehen kann.

Aber ich denke auch, daß das Buch für pubertierende Jugendliche nicht uninteressant ist. Es wird die Beziehungsgestaltung in der Familie und in einer Zweier - Beziehung dargestellt. Das Kennenlernen des anderen Geschlechts und die damit zusammenhängenden Problemen im Ablösungsprozeß der Familie. Diese Problematik wird hier auf eine kindgerechte Art und Weise dargestellt.

Jedoch ist zu bedenken, daß die Pauschalaussagen über Alterseinstufungen nicht immer der Realität entsprechen. Daher sollte eher auf den individuellen Entwicklungsstandes des Kindes Rücksicht genommen werden bei der Wahl eines Buches.

3.6 Äußere Aufmachung

Das Buch besitzt einen einfachen, grünen, festen und angerauten Einband mit schlichter Aufschrift und einer bildnerischen Szene aus dem Inhalt ( Ronja, Mattis, Lovis ). Darum dient ein Schutzumschlag, der farbig gestaltet ist, als Hülle. Sie besteht aus glattem, glänzendem Papier. Die Blätter bestehen aus reißfestem, dickem Papier und die Schrift ist groß und übersichtlich gehalten.

Insgesamt ist das Buch in 18 Kapiteln unterteilt, die immer nach dem gleichen Schema beginnen. Die unterstrichene Zahl des Kapitels findet man zentriert auf dem oberen Blattdrittel. Der erste Buchstabe ist fettgedruckt und verschnörkelt.

Sporadisch tauchen gezeichnete Schwarz - Weiß - Bilder auf. Sie umfassen zum Teil eine Seite oder aber nur Teile einer Seite. Das Format des Buches beläuft sich auf DIN A 5.

3.7 Pädagogisches Ziel

In erster Linie dient ein Buch der Unterhaltung. Wenn dabei Probleme der Lebensbewältigung geschickt verarbeitet werden, und Wert - und Normvorstellungen der Gesellschaft vermittelt werden, hat ein Buch einen hohen pädagogischen Wert. Dies trifft auch auf "Ronja Räubertochter" zu. Der Leser wird sich seiner eigenen Probleme und deren Lösungen durch die Identifizierung mit den Protagonisten eventuell bewußt. In "Ronja Räubertochter" werden eindeutig Probleme und Konflikte in zwischenmenschlichen Beziehungen, sei es in der Familie oder in einer Freundschaft, aufgegriffen. Es wird ein hohes Maß an Gefühlen verarbeitet, wie Freude, Trauer, Wut, Ärger, Hilflosigkeit, Dankbarkeit,... Ebenso dient das Buch der Entwicklung des Gerechtigkeitssinns beim Leser durch Aussagen von Ronja, als sie kundtut, daß sie kein Räuber werden möchte.

> "Ja, und außerdem weinen und schreien die Leute, wenn man ihnen ihr Eigentum wegnimmt", sagt Ronja. "Das könnte ich nie ertragen." < (Seite 227 ) Durch Ronja wird hier eine starke Persönlichkeit dargestellt, die durch die nötige Willensstärke und Konsequenz ihre Ziele erreicht.

Das Buch könnte eingesetzt werden bei Beziehungsproblemen innerhalb Familien (hier wird auch die Gefühlssituation der Elternteile dargestellt ) oder aber auch bei Beziehungsproblemen innerhalb einer beginnenden oder bestehenden Freundschaft. Der Leser erkennt worauf es ankommt in einer Freundschaft und daß es nicht nur schöne Seiten gibt. Bei einsetzenden pubertären Familienproblemen ist das Buch sinnvoll. Hier wird der recht schwierige Ablösungsprozeß dargestellt und damit verbunden gezeigt, daß Eltern auch Fehler machen. Das Buch ist umfangreich einsetzbar und aus diesem Grund pädagogisch interessant.

4. Schluß / Abrundungsstufe

Das Buch "Ronja Räubertochter" umfaßt ein weites Spektrum von Themen der Lebensbewältigung. Es ist somit umfangreich einsetzbar im pädagogischen Alltag im Heim und in der Familie.

Der wichtigste Aspekt ist meine in Punkt 1. Hinführungsstufe formulierte Grundaussage des Buches: Toleranz, Fairneß und Konsequenz bei der Klärung von Problemen und Konflikten innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen.

Aus den oben genannten Gründen finde ich dieses Buch empfehlenswert und lesenswert.

11 von 11 Seiten

Details

Titel
Lindgren, Astrid - Ronja Räubertochter - Jugendbuchrenzension
Veranstaltung
Oberkurs
Autor
Jahr
2000
Seiten
11
Katalognummer
V101096
ISBN (eBook)
9783638995177
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lindgren, Astrid, Ronja, Räubertochter, Jugendbuchrenzension, Oberkurs, Thema Ronja Räubertochter
Arbeit zitieren
Silke Hofmann (Autor:in), 2000, Lindgren, Astrid - Ronja Räubertochter - Jugendbuchrenzension, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101096

Kommentare

  • Gast am 29.6.2008

    ronja räubertocheter.

    als ronja geboren wurde gab es ein furchtbares gewitter.....

Im eBook lesen
Titel: Lindgren, Astrid - Ronja Räubertochter - Jugendbuchrenzension



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