Exegese des Petrusbekenntnisses in der Elbefelder und Züricher Bibel sowie in der Luther-Übersetzung


Hausarbeit, 1999

27 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

0 Inhaltsübersicht (Disposition) der Arbeit 2

1 Zum Text
1.1 Kurze Einleitung
1.2 Vergleich mehrerer Bibelübersetzungen

2 Zur Form
2.1 Erste Orientierung
2.1.1 Eindrücke von der Eigenart und Aussageabsicht des Textes
2.2 Hinführung
2.2.1 Verhältnis zum engeren und weiteren Kontext innerhalb des betreffenden Buches
2.2.2 Darstellung der farblich gegliederten, segmentierten Perikope
2.3 Beobachtung und Beschreibung der Textstruktur
2.3.1 Strukturierung der sprachlichen Elemente, des Umfangs und der Beschaffenheit des Textes.
2.3.1.1 Teil 1: Verse 13 bis 20
2.3.1.2 Teil 2: Verse 21 bis 23
2.4 Literarkritik
2.4.1 Konsistenz und Inkonsistenz der Texteinheit
2.5 Quellen- und Überlieferungskritik
2.6 Gattungskritik
2.7 Redaktions- und Kompositionskritik

3 Literaturverzeichnis

1 Zum Text

1.1 Kurze Einleitung

Der Hausarbeit liegt ein Text aus dem Matthäusevangelium zugrunde. Es handelt sich um das Petrusbekenntnis (Kapitel 16, 13- 20) und der Voraussage von Jesus Tod und Auferstehung (Kapitel 16, 21- 23). In dieser Hausarbeit habe ich mit der Elberfelder Bibel gearbeitet.

1.2 Vergleich mehrerer Bibelübersetzungen

Grundlage des Vergleichs bilden die Revidierte Elberfelder Übersetzung, die Züricher Bibel und die Luther- Übersetzung von 1984. Es werden einige wichtige Textstellen aus den verschiedenen Bibelausgaben ausgewählt und sprachliche Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Probleme dargestellt.

Vers 13:

Beim Textvergleich fällt auf, daß die Elberfelder Bibel und die Züricher Bibelausgabe im ersten Teil des Verses nahezu den gleichen Wortlaut verwenden. Die Elberfelder Bibel hebt bestimmte Phrasen des Einleitungssatzes explizit hervor, um auf die Wichtigkeit des Nachfolgenden hinzudeuten. Dies ist auch bei der Lutherbibel zu finden ( z.B. ,,... und fragte seine Jünger und sprach:...").

Die von Jesus gestellte Frage dieses Verses ist bei allen Bibelausgaben unterschiedlich. Die Züricher Bibel und die Elberfelder Bibel titulieren Jesus als den ,,Sohn des Menschen", während die Lutherbibel von dem ,,Menschensohn" redet. Auch die eigentliche Fragestellung wird unterschiedlich formuliert. Während in der Züricher Bibel gefragt wird, für wen die Leute den Sohn des Menschen halten, formulieren die Elberfelder und die Luther-Bibeln die Fragen wie folgt: ,,Wer sagen die Leute, daß der Menschensohn sei?"

Vers 16:

Vers 16 ist bei allen Bibelausgaben bis auf einige Unterschiede in der Satzstellung bei der

Elberfelder Bibel identisch. Dies deutet auf eine wortgetreue Übersetzung hin. Die Übersetzer beziehen sich vermutlich auf gleiche Textversionen oder Lesarten.

Es ist zu deuten, daß die Übersetzer sich bei bestimmten besonders wichtigen Textpassagen nicht die Übersetzungsfreiheiten genommen haben, um die Wichtigkeit dieser Textstellen einheitlich zu betonen.

Vers 23:

Der Einleitungssatz dieses Verses ist bei allen Bibelausgaben gleich. In allen wird explizit nochmals betont, daß Jesus zu Petrus spricht, obwohl dies aus dem Sinnzusammenhang zu deuten wäre. Die Lutherbibel und die Züricher Bibel drücken den Ärger Jesu über Petrus härter und herrschender aus: Petrus wird als ,,Satan" tituliert (,, Hinweg von mir, Satan..."). Die Elberfelder Bibel drückt zwar den Mißmut Jesu genau so stark aus wie die beiden anderen Ausgaben, jedoch verlangt Jesus hier nicht das Verschwinden des Petrus: ,,...Geh hinter mich, Satan..".

Im weiteren Abschnitt begründet Jesus seine Wut. In der Elberfelder und in der Luther-Bibel wird diese Wut Jesu zu Petrus als ein Ärgernis umschrieben, während in der Züricher Bibel Petrus verschärft mit einem Fallstrick verglichen wird.

2 Zur Form

2.1 Erste Orientierung

2.1.1 Eindrücke von der Eigenart und Aussageabsicht des Textes

Die Bibelstelle ist von zwei Höhepunkten geprägt. Zum einen tritt das Bekenntnis des Petrus in den Vordergrund: Jesus wird zum ersten Mal von einem Menschen als Gottessohn bezeichnet. Zum anderen folgt sogleich die erste Leidensankündigung Jesu. Er vertraut seinen Jüngern seinen zukünftigen, von Gott vorbestimmten Leidensweg an.

Für Petrus dagegen ist dieses Ereignis ein Erlebnis zwischen zwei weit auseinanderliegenden Polen: Zunächst ist da Jesu Bestätigung, daß er von Gott mit diesem Bekenntnis beschenkt worden sei; und gleich darauf muß er sich sagen lassen, er habe sich vom Satan lenken lassen. Unter dem Aspekt der Zwiespältigkeit des Petrus gesehen, könnte man dieser Perikope folgende Überschriften geben:

,,Petrus, du bist der Fels"

,,Petrus bekennt: Du bist Christus." ,, Du bist Christus! - Du bist Petrus!" ,,Erste Todesankündigungen"

,,Er aber sprach zu Petrus: Geh hinter mich, Satan!" ,,Jesus bereitet seine Abwesenheit vor" ,,Die Sorge Jesu um seine Gemeinde"

2.2 Hinführung

2.2.1 Verhältnis zum engeren und weiteren Kontext innerhalb des betreffenden Buches

Das Evangelium nach Matthäus ist in mehrere Hauptabschnitte gegliedert:

1. Teil: Vorgeschichte (Kap. 1,1- 4,22)
2. Teil: Jesus als der Messias des Wortes und der Tat (Kap. 4,23- 9,35)
3. Teil: Aussendung der Jünger (Kap. 9,36- 11,1)
4. Teil: Das Entstehen der Gemeinde in der Auseinandersetzung um das Wesen Jesu (Kap.11,2- 16,20)
5. Teil: Jüngerbelehrung (Kap. 16,21- 20,34)
6. Teil: Wirksamkeit Jesu in Jerusalem (Kap. 21,1- 25,46)
7. Teil: Passionsgeschichte (Kap. 26,1- 27,66)
8. Teil: Ostergeschichten (Kap. 28)

(vgl.: Bull, Klaus- Michael 1997, S.17)

Die zu untersuchende Perikope ist in den 4. bzw. 5. Abschnitt eingebettet. Diese sind nochmals in kleinere Abschnitte unterteilt, die ich hier auflisten möchte. Das Entstehen der Gemeinde in der Auseinandersetzung um das Wesen Jesu ist in

a) die Anfrage des Täufers und Antwort Jesu (Kap. 11,2- 11,24),
b) die Werberede Jesu (Kap. 11,25- 11,30),
c) die Lehre Jesu im Widerstreit (Kap. 12,1- 12,50),
d) die Ablehnung in der Vaterstadt (Kap. 13,53- 14,36),
e) die Auseinandersetzung um die Reinheitsgebote,
f) Wunder und Warnung vor Pharisäern und Sadduzäern (Kap. 15,1- 16,12) und in
g) das Petrusbekenntnis (Kap. 16,13- 16,20) gegliedert.

Die Jüngerbelehrung wird durch

a) die 1. Leidensankündigung (Kap. 16,21- 16,28) eingeleitet. Es folgen weitere Gliederungspunkte wie
b) die Verklärungsgeschichte (Kap. 17,1- 17,13),
c) die Kraft des Glaubens,
d) die 2. Leidensankündigung und die Tempelsteuer (Kap. 17,14- 17,27),
e) Gemeinderegel (Kap. 18,1- 1835),
f) der Aufbruch nach Jerusalem, der Zugang zum Himmelreich (Kap. 19,1- 20-16) und
g) die 3. Leidensankündigung mit dem Abschluß der Jüngerbelehrung.

Das Bekenntnis des Petrus bildet den Höhepunkt dieses Abschnittes, leitet aber zugleich zu der anschließenden Jüngerbelehrung mit der 1. Leidensankündigung über. (vgl.: Bull, Klaus-Michael 1997, S. 17-21)

Betrachtet man den nachfolgenden Abschnitt, also Mt 16, 24-28, fällt auf, daß dieser eng mit der Perikope verbunden ist. Es ergibt sich folgender Aufbau: Ein Jüngergespräch, in dem der

Menschensohntitel erwähnt wird, bildet den Rahmen (Verse 13-15; 24-28, rot markiert). Ein

Gespräch mit Petrus schließt sich an (Verse 16-19; 22-23, blau markiert). Besonders deutlich wird die Entsprechung in den Versen 22-23. Wieder wird Petrus persönlich angesprochen, aber diesmal nicht als Fels, sondern als Satan. Die erneuten Anreden an die Jünger bilden das Zentrum (Verse 20; 21, schwarz markiert). Diese Anordnung wird im folgenden farblich dargestellt:

13 a Als aber Jesus in die Gegenden von Cäsarea Philippi gekommen war,

13 b fragte er seine Jünger

13 c und sprach:

13 d Was sagen die Menschen,

13 e wer der Sohn des Menschen ist?

14 a Sie aber sagten:

14 b Einige:

14 c Johannes der Täufer;

14 d andere aber:

14 e Elia;

14 f und andere wieder:

14 g Jeremia oder einer der Propheten.

15 a Er spricht zu ihnen:

15 b Ihr aber,

15 c was sagt ihr,

15 d wer ich bin?

16 a Simon Petrus aber antwortete

16 b und sprach:

16 c Du bist der Christus,

16 d der Sohn des lebendigen Gottes.

17 a Und Jesus antwortete

17 b und sprach zu ihm:

17 c Glückselig bist du,

17 d Simon,

17 e Bar Jona;

17 f denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart,

17 g sondern mein Vater,

17 h der in den Himmeln ist.

18 a Aber auch ich sage dir:

18 b Du bist Petrus,

18 c und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen,

18 d und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.

19 a Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben;

19 b und was immer du auf der Erde binden wirst,

19 c wird in den Himmeln gebunden sein,

19 d und was immer du auf der Erde lösen wirst,

19 e wird in den Himmeln gelöst sein.

20 a Dann gebot er den Jüngern,

20 b daß sie niemand sagten,

20 c daß er der Christus sei.

21 a Von der Zeit an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen,

21 b daß er nach Jerusalem hingehen müsse

21 c und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten vieles leiden

21 d und getötet

21 e und am dritten Tag aufgeweckt werden müsse.

22 a Und Petrus nahm ihn beiseite

22 b und fing an,

22 c ihn zu tadeln,

22 d indem er sagte:

22 e (Gott) behüte dich,

22 f Herr!

22 g Dies wird dir keinesfalls widerfahren.

23 a Er aber wandte sich um

23 b und sprach zu Petrus:

23 c Geh hinter mich,

23 d Satan!

23 e Du bist mir ein Ärgernis,

23 f denn du sinnst nicht auf das,

23 g was Gottes,

23 h sondern auf das,

23 i was der Menschen ist.

24 a Dann sprach Jesus zu seinen Jüngern:

24 b Wenn jemand mir nachkommen will,

24 c verleugne er sich selbst

24 d und nehme sein Kreuz auf

24 e und folge mir nach

25 a Denn wer sein Leben retten will,

25 b wird es verlieren;

25 c wer aber sein Leben verliert um meinetwegen,

25 d wird es finden

26 a Denn was wird es einem Menschen nützen,

26 b wenn er die ganze Welt gewönne,

26 c aber sein Leben einbüße?

26 d Oder was wird ein Mensch als Lösegeld geben für sein Leben?

27 a Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln,

27 b und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun.

28 a Wahrlich,

28 b ich sage euch:

28 c Es sind einige von denen,

28 d die hier stehen,

28 e die werden den Tod keinesfalls schmecken,

28 f bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen in seinem Reich.

Offensichtlich hat die Perikope eine wichtige Stelle im ganzen Matthäusevangelium. Einige Verse wecken Erinnerungen an Geschehnisse, die zuvor im Matthäusevangelium schon einmal vorgekommen sind:

In den Versen 16, 15-16 richtet Jesus die Frage nach seiner Person an die Jünger. Petrus fungiert im folgenden als Sprecher. Im Namen aller nennt er ihn ,,Christus, den Sohn des lebendigen Gottes" (Verse 16, 16 b-c). Dieses Bekenntnis wird von Petrus nicht zum ersten Mal ausgesprochen. Matthäus 14, 33 berichtet, daß bereits alle Jünger gemeinsam Jesus als Gottessohn erkannt haben: ,,Die aber in dem Boot waren, warfen sich vor ihm nieder und sprachen: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!"

Daraufhin wird in Vers 17 Petrus von Jesus für diese Antwort seliggepriesen. Auch das geschah bereits in Matthäus 13,16 mit allen Jüngern: ,,Glückselig aber eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören,...". Durch das Wort ,,Gottessohn", durch Elia und Johannes den Täufer, durch Petrus und die

Offenbarung der Gottessohnschaft Jesu durch Gott selbst ist der Abschnitt außerdem mit Mt 17, 1-13 verklammert.

Matthäus baut in seinem Evangelium eine Art Spannungsbogen auf, der in der Verurteilung Jesu durch die Führer Israels zu seinem Höhepunkt kommen wird. In der Perikope wird Jesus bis zur Passion das letzte Mal öffentlich vom Menschensohn reden. Erst in der großen Verhörszene vor dem jüdischen Rat offenbart Jesus in Matthäus 26, 61-64 seine Identität: ,,... Und der Hohepriester sagte zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes! Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels."

2.2.2 Darstellung der farblich gegliederten, segmentierten Perikope

13 a Als aber Jesus in die Gegenden von Cäsarea Philippi gekommen war,

13 b fragte er seine Jünger

13 c und sprach:

13 d Was sagen die Menschen,

13 e wer der Sohn des Menschen ist?

14 a Sie aber sagten:

14 b Einige:

14 c Johannes der Täufer;

14 d andere aber:

14 e Elia;

14 f und andere wieder:

14 g Jeremia oder einer der Propheten.

15 a Er spricht zu ihnen:

15 b Ihr aber,

15 c was sagt ihr,

15 d wer ich bin?

15 a Er spricht zu ihnen:

15 b Ihr aber,

15 c was sagt ihr,

15 d wer ich bin?

17 a Und Jesus antwortete

17 b und sprach zu ihm:

17 c Glückselig bist du,

17 d Simon,

17 e Bar Jona;

17 f denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart,

17 g sondern mein Vater,

17 h der in den Himmeln ist.

18 a Aber auch ich sage dir:

18 b Du bist Petrus,

18 c und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen,

18 d und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.

19 a Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben;

19 b und was immer du auf der Erde binden wirst,

19 c wird in den Himmeln gebunden sein,

19 d und was immer du auf der Erde lösen wirst,

19 e wird in den Himmeln gelöst sein.

20 a Dann gebot er den Jüngern,

20 b daß sie niemand sagten,

20 c daß er der Christus sei.

21 a Von der Zeit an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen,

21 b daß er nach Jerusalem hingehen müsse

21 c und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten vieles leiden

21 d und getötet

21 e und am dritten Tag aufgeweckt werden müsse.

22 a Und Petrus nahm ihn beiseite

22 b und fing an,

22 c ihn zu tadeln,

22 d indem er sagte:

22 e (Gott) behüte dich,

22 f Herr!

22 g Dies wird dir keinesfalls widerfahren.

23 a Er aber wandte sich um

23 b und sprach zu Petrus:

23 c Geh hinter mich,

23 d Satan!

23 e Du bist mir ein Ärgernis,

23 f denn du sinnst nicht auf das,

23 g was Gottes,

23 h sondern auf das,

23 i was der Menschen ist.

2.3 Beobachtung und Beschreibung der Textstruktur

2.3.1 Strukturierung der sprachlichen Elemente, des Umfangs und der Beschaffenheit des Textes.

Die Perikope läßt sich aus folgenden Gründen grob in zwei Teile gliedern: Sie zerfällt in die Verse 13a-20c (rot markiert) und 21a-23h (dunkelrot markiert).

In beiden Teilen spielt die Person des Petrus eine zentrale Rolle. In den Versen 13-20 dominiert das Petrusbekenntnis verbunden mit der Seligpreisung durch Jesu. Im zweiten Teil kündigt Jesus seinen Jüngern das bevorstehende Leiden und seinen Tod an und erläutert den Sinn. Damit stößt er bei Petrus auf Unverständnis. Der eben noch hoch gelobte wird aufs schärfste zurechtgewiesen.

Um die Arbeit übersichtlicher zu gestalten, beschränke ich mich zunächst auf den ersten Teil, also auf die Verse 13a-20c.

2.3.1.1 Teil 1: Verse 13 bis 20

Dieser Teil läßt sich gliedern in

a) das Jüngergespräch (V 13- 16) (grün markiert); es ist nochmals durch die parallelen Fragen Jesu nach der Meinung der Menschen (V 13a- 14g) (blau markiert) und der eigenen Meinung der Jünger (15a- 16c) (violett markiert) klar gegliedert;

b) eine Rede Jesu an Petrus (V 17a- 19e) (hellgrün markiert); durch die beiden Prädikationen ,,du bist Christus" (V 16b) und ,,du bist Petrus" (V 18b) ist dieser Teil eng mit dem Vorhergehenden verbunden; und in

c) den Schlußvers (V 20) (gelb markiert) dieses ersten Teils kehrt wieder zum Christusbekenntnis von Vers 16 zurück.

Der Bogen dieses ersten Teils wird damit geschlossen.

Das Jüngergespräch (V 13- 16):

Meinung der Menschen (V 13a- 14g):

Der Abschnitt des Jüngergespräches (Vers 13-16) läßt sich nochmals in zwei Teile zerlegen. Es handelt sich zum einen um die Meinung der Menschen (Vers 13a-14g) und zum anderen um die Meinung der Jünger (Vers 15a-16d).

Zunächst beschränke ich mich auf den ersten Teil, auf die Meinung der Menschen (Vers 13a- 14g).

Betrachtet man Vers 13, so läßt sich folgende Feingliederung festhalten: Vers 13a dient als Einleitungssatz, der als Temporalsatz mit Vers 13b verknüpft ist. Vers 13c dient als Einleitungsvers für die folgenden Verse 13d und 13e. Zum Schluß des Verses 13 steht ein Fragesatz (Verse 13d und 13e).

Diese Gliederung möchte ich zur besseren Übersicht farblich darstellen:

13 a Als aber Jesus in die Gegenden von Cäsarea Philippi gekommen war,

13 b fragte er seine Jünger

13 c und sprach:

13 d Was sagen die Menschen,

13 e wer der Sohn des Menschen ist?

Die Perikope setzt mit einem Ortswechsel neu ein. Jesus befindet sich in den Gegenden von Cäsarea Philippi (V 13a).

Das Verb dieses Aussagesatzes steht im Plusquamperfekt (als Jesus (...) gekommen war.). Es kennzeichnet die Abgeschlossenheit eines Geschehens, das vor dieser Perikope stattgefunden hat. Bekräftigt wird diese Abgeschlossenheit durch den Ortswechsel.

Verse 13a und 13b sind gekennzeichnet durch einen Temporalsatz, der die zeitliche Staffelung der Vorgänge ausdrückt: Erst nachdem Jesus in die Gegenden von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger. Gekennzeichnet ist dieser Temporalsatz durch das Wort ,,als", welches die Perikope einleitet und nochmals die Abgeschlossenhenheit durch den Ortswechsel verdeutlicht.

Noch hat der Weg nach Jerusalem, der Weg ins Leid nicht begonnen.

Jesus fragt seine Jünger nach der Meinung der Menschen über seine Person (Verse 13b- 13e).

In den Versen 13b und Vers 13c wird deutlich, wie wichtig Jesus diese Frage erscheint. Es prägt ihn die Sorge um seine Gemeinde während seiner Abwesenheit. Dies wird durch die beiden Verben, die Vers 13b und 13c beinhalten deutlich: ,,... fragte er seine Jünger und sprach:...". Das Verb ,,fragen" wird nochmals durch das Verb ,,sprechen" unterstützt. Auffällig ist, daß sie in der Vergangenheit stehen, während die Verben (sagen, sein) der nachfolgenden Verse 13d und 13e, die die eigentliche Frage an die Jünger beinhalten im Präsens stehen. Diese Stammform eignet sich besonders gut für die Wiedergabe von allgemeingültigem oder beständigem Geschehen. Durch seine Frage möchte Jesus genau diese Tatsache herausfinden: Die allgemeingültige und beständige Meinung des Volkes über seine Person.

Zu Beginn der Verse 13d und 13e steht jeweils ein Fragewort (was, wie). Mit diesem fragt der Sprecher nach der Eigenschaft, nach dem Merkmal eines Wesens. Hier fragt Jesus nach seiner Person. Diese Fragestellung wird in den Versen 15c und 15d nochmals auftreten. Vers 14 ist wie folgt gegliedert: Nach einem allgemeinen Einleitungsvers 14a folgen die Verse 14b, 14d und 14f, die die Antworten der Menschen einleiten. Die Antworten sind mit den Versen 14c, 14e und 14g dazwischengeschoben worden.

Auch diese Feingliederung möchte ich farblich darstellen:

14 a Sie aber sagten:

14 b Einige:

14 c Johannes der Täufer;

14 d andere aber:

14 e Elia;

14 f und andere wieder:

14 g Jeremia oder einer der Propheten.

Was in Vers 13 von Jesus gefragt wurde, wird nun in Vers 14 von den Jüngern beantwortet. Vers 14 bedient sich einer allgemeinen Einleitung mittels Vers 14a. Dies verdeutlicht der Doppelpunkt am Ende des Satzes.

Das Verb dieses Satzes (sagen) steht im Imperfekt. Das Wort ,,aber", das dem Leser in dieser Perikope noch öfter begegnet (z. B. Vers 14a, Vers 14d, Vers 15b, Vers 16a), drückt in diesem Zusammenhang einen Gegensatz aus, der aus den verschiedenen Meinungen der Menschen besteht. Sie nennen drei Gestalten (Johannes den Täufer, Elia und Jeremia), die nun unkommentiert aufgelistet werden.

Jedem genannten Prophetennamen eine geht Einleitung (V. 14b; 14d; 14f) voraus. Diese

Einleitung wird von mal zu mal mehr ausgebaut und damit verstärkt: ,,Einige: ..."; ,,andere aber: ..."; und andere wieder: ...". Mit dem Adjektiv ,,andere", das in den Versen 14d und 14f auftaucht, wird ausgedrückt, daß diese Aussagen über Jesus Person jeweils nicht dieselbe ist wie die, denen sie gegenübergestellt werden. Es wird damit deutlich gemacht, daß es mehrere Meinungen über Jesus Person gibt.

Die Meinung der Jünger (15a- 16d):

Die Verse 15 und 16 weisen zu den vorangegangenen Versen 13 und 14 einen Parallelismus auf: Was in Vers 15 bzw. Vers 13 gefragt wird, wird in Vers 16 bzw. Vers 14 beantwortet.

Vers 15 bedient sich zunächst mit einem Einleitungssatz (Vers 15a). In Vers 15b spricht Jesus die Jünger explizit an und stellt in den Versen 15c und 15d nochmals die Frage nach seiner Person an die Jünger.

Farblich läßt sich diese Gliederung wie folgt darstellen:

15 a Er spricht zu ihnen:

15 b Ihr aber,

15 c was sagt ihr,

15 d wer ich bin?

Dieser Vers wird mittels Vers 15a eingeleitet. Das Verb steht im Vergleich zu den vorausgegangenen Einleitungsätzen im Präsens (z.B.: Vers 13: ,,als aber Jesus (...) gekommen war..."; Vers 14: ,,sie aber sagten..."; Vers 15: ,,er spricht zu ihnen..."). Obwohl dieses Ereignis scheinbar zum gleichen Zeitpunkt stattfindet, werden hier unterschiedliche Tempora verwendet.

In den Versen 15b und 15c redet Jesus die Jünger in dem Satz zweimal an: ,, ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin?". Die ,,Jünger", also das Pronomen ,,ihr", rückt in diesem Satz zwei Mal als Subjekt in den Vordergrund; im letzten Teil des Satzes fungiert wieder Jesus als Subjekt (,,ich").

Die Verse 15c und 15d sind parallel zu den Versen 13d und 13e aufgebaut. Wieder treten die beiden Fragewörter (was, wer) auf, die nach der Eigenschaft bzw. nach dem Merkmal Jesus fragen. Unterschiedlich zu Vers 13 werden in diesem Vers die Jünger direkt angesprochen.

In Vers 16 dominiert das Petrusbekenntnis. Obwohl Jesus seine Frage an alle Jünger stellt, formuliert Petrus die Jüngerantwort.

Vers 16 läßt sich in zwei Teile gliedern. Zum einen in einen Einleitungsteil (Verse 16a und 16b) und zum anderen in den Bekenntnisteil des Petrus (Verse 16c und 16d):

15 a Er spricht zu ihnen:

15 b Ihr aber,

15 c was sagt ihr,

15 d wer ich bin?

Im Einleitungsvers (Vers16a) wird der Leser direkt mit dem Namen der betreffenden Person (Simon Petrus) konfrontiert. Auch in diesem Vers ist wiederum das Wort ,,aber" zu finden. Es wird hier nochmals die Abgrenzung Petrus zu den Jüngern verdeutlichen. Der Kreis der Befragten wird immer kleiner.

Vergleicht man den Einleitungssatz des vorangegangenen Verses (Vers 15a) mit dem von Vers 16, so fällt auf, daß sich die Tempora der Verben wiederum von Präsens in Vers 15a zu Imperfekt in Vers 16a wechselt. Obwohl dieses Ereignis scheinbar zum gleichen Zeitpunkt stattfindet, werden hier unterschiedliche Tempora verwendet.

In Vers 16b wird Jesus mittels einer sogenannten ,,Du- Botschaft" direkt angesprochen. Seine Identität wird hier zum ersten Mal richtig genannt. Bildlich betrachtet könnte man sich vorstellen, daß Petrus in dieser Situation auf Jesus zeigt.

Verstärkt wird dieses Christusbekenntnis durch den folgenden Vers 16d. Er liefert weitere Erklärungen zum Christusbegriff, die hier ohne sprachliche Beifügungen genannt werden.

Eine Rede Jesu an Petrus (V 17a- 19e):

Betrachtet man die Verse 17, 18 und 19 inhaltlich, so könnte man auch von einem dreistrophigen Gedicht sprechen. Jedoch sind sie formal im einzelnen recht verschieden, so daß man besser nicht von einem solchen sprechen kann. Außerdem wechseln die Bilder. In diesen Versen dominiert wörtliche Rede.

Die Rede Jesu wird durch die Verse 17a und 17b eingeleitet. Dem folgt zunächst eine positive Botschaft (Glückseligpreisung), die an Petrus gerichtet ist (Verse 17d und 17e). Nach einer dann folgenden negativen Botschaft (Vers 17f), schließt sich dann eine wieder eine Positive an (Verse 17g und 17h):

17 a Und Jesus antwortete

17 b und sprach zu ihm:

17 c Glückselig bist du,

17 d Simon,

17 e Bar Jona;

17 f denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart,

17 g sondern mein Vater,

17 h der in den Himmeln ist.

Die Einleitungsverse 17a und 17b sind gekennzeichnet durch eine Handlungskette, die das Wort ,,und" jeweils zu Beginn der Verse charakterisiert. Diese Handlungskette beginnt bereits in den vorhergehenden Versen 16a und 16b. Es wird hier auf die Kommunikationsebene hingewiesen, die zwischen Petrus und Jesus stattfindet. Es wird zunächst geantwortet, dann gesprochen. In Vers 17c spricht Jesus Petrus direkt an: ,,Glückselig bist du, Es wird die 2. Person Singular verwendet, um hervorzuheben, daß diese Glückseligpreisung an Petrus gerichtet ist.

In den Versen 17d und 17e spricht Jesus zudem nochmals die Beinamen des Petrus aus. Diese werden unkommentiert aufgelistet (Simon, Bar Jona).

Vers 17c wird mit den Vers 17f begründet. Jesus drückt diese Begründung negativ aus:

,,...denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart. Er spricht auch hierbei Petrus direkt in der 2. Person Singular an. In den Versen 17g und 17h wird diese zunächst negativ erscheinende Begründung ins Positive gewendet. Die Konjunktion ,,sondern" am Anfang von Vers 17g drückt eine Einschränkung bzw. ein Gegensatz zu dem zuvor gesagten aus. Mittels Vers 17h wird Vers 17g genauer beschrieben. Er dient als eine Ergänzung.

Vers 18 ist folgendermaßen gegliedert:

Jesus seine Rede fort. Er gibt Petrus zunächst eine Art Feedback, indem er in Vers 18b das wiederholt, was Petrus zuvor in Vers 16c von Jesus gesagt hat. In den Versen 18c und 18d fügt Jesus einige Begründungen an. Farblich gegliedert sieht Vers 18 folgendermaßen aus:

18 a Aber auch ich sage dir:

18 b Du bist Petrus,

18 c und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen,

18 d und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.

Im Einleitungsvers 18a taucht zu Beginn die Konjunktion ,,aber" auf. Sie grenzen die Worte Jesus von dem, was Petrus in Vers 16c gesagt hat ab. Jesus leitet mit diesem Vers seine eigenen Worte ein. Dabei spricht er auch hier wiederholt Petrus in der zweiten Person Singular an.

Die Prädikation ,,Du bist Petrus" (Vers 18b) ist Jesus Antwort auf das Petrusbekenntnis, das dieser in Vers 16c ausspricht (,,Du bist Christus"). Es liegt also eine Parallelität zwischen den Versen 18b und 16c vor.

Jesus verwendet den gleichen Wortlaut, den Petrus in Vers 16c gewählt hat. Im Gegensatz dazu fügt Jesus diesem Bekenntnis in den Versen 18c und 18d zwei Begründungen an, die auch als Voraussage oder Ankündigung verstanden werden können. Diese sind im Futur geschrieben. Sie sagen aus, daß das beschriebene Geschehen noch nicht abgeschlossen ist.

Verse 18c und 18d sind durch eine Handlungskette (durch die Konjunktion ,,und" erkennbar) miteinander verbunden. Sie sind gekennzeichnet durch eine bejahende (Vers 18c) und eine verneinende Aussage (Vers 18d).

In Vers 19 wechselt das zuvor in Vers 18 beschriebene Bild vom Petrus als Fundamentfels, auf dem das Haus der Kirche gebaut ist, zu dem eines Schlüsselmannes (Vers 19a). Worin die ,,Schlüsselgewalt" des Petrus besteht beantworten die Verse 19b und 19c und die Verse 19d und 19e:

19 a Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben;

19 b und was immer du auf der Erde binden wirst,

19 c wird in den Himmeln gebunden sein,

19 d und was immer du auf der Erde lösen wirst,

19 e wird in den Himmeln gelöst sein.

In Vers 19 setzt Jesus seine Rede fort. Dabei arbeitet er in Vers 19a mit sogenannten ,,Ich - und Du- Botschaften". Er verwendet diese ganz bewußt und setzt sich selber an erste Stelle: ,, Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben;".

Die Verse 19b und 19d und die Verse 19c und 19e sind syntaktisch gleich aufgebaut Es ist eine Handlungsfolge zu erkennen, die jeweils wieder durch die Konjunktion ,,und" in den Versen 19b und 19d eingeleitet wird. Der beständig zunehmende Grad der zukünftigen Geschehnisse wird durch das Wort ,,immer" ausgedrückt, das ebenfalls sowohl im Vers 19b als auch in Vers 19d wiederzufinden ist. Die Verse 19c und 19e drücken die Folgen der Geschehnisse, die in den Versen 19c und 19e beschrieben werden aus. Dabei wird der gleiche Wortlaut aus den Versen 19b und 19d wieder aufgegriffen (...und was immer du binden wirst (Vers 19b), wird (...) gebunden sein (Vers 19c)).

In Vers 19 werden zukünftige Geschehnisse beschrieben, so daß alle Verben durchgängig im Futur stehen.

Der Schlußvers (V 20):

Vers 20a beginnt mit dem Temporaladverb ,,dann", das den Vers von den drei vorhergehenden Versen 17, 18 und 19 abgrenzt. Es beginnt ein neuer Zeitabschnitt, in dem Jesus wieder alle Jünger anspricht. Dies geschieht jedoch nicht in wörtlicher Rede, sondern in Erzählform.

In den Versen 20b und 20c wird durch die daß- Sätze der wesentliche Inhalt der Aussage vermittelt. Vers 20c lenkt den Leser wieder zum Christusbekenntnis zurück. Hier wird seine aufgedeckte Identität nochmals von Jesus erwähnt.

Im folgenden setze ich die Arbeit fort, indem ich mich nun mit dem zweiten Teil, der Verse 21- 23 beschäftige.

2.3.1.2 Teil 2: Verse 21 bis 23

Die Verse 21- 23 lassen sich in drei Teile gliedern: In

a) Vers 21 (Todesankündigung; Gespräch mit allen Jüngern) und in

b) Vers 22 und Vers 23 (Dialog mit Petrus)

Vers 21 läßt sich in zwei Teile gliedern. Die Verse 21a und 21b zeigen einen Wendepunkt der Geschehnisse auf. Die Verse 21c, 21d und 21e schildern zukünftige Handlungen Jesus. Farblich gekennzeichnet sieht Vers 21 wie folgt aus:

21 a Von der Zeit an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen,

21 b daß er nach Jerusalem hingehen müsse

21 c und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten vieles leiden

21 d und getötet

21 e und am dritten Tag aufgeweckt werden müsse.

Mit Vers 21 setzt ein Wendepunkt ein. Dies zeigt sich insbesondere im Vers 21a: ,,Von dieser Zeit an...". Vers 21a bedient sich einem erweiterten Infinitiv mit ,,zu". Dieser steht in syntaktischen Rollen, die durch die Wertigkeit des Verbes bedingt sind. Es soll also betont werden, daß Jesus erst jetzt beginnt die Jünger auf seinen Tod vorzubereiten. Vers 21b nennt dem Leser den Ort (Jerusalem), an dem das Leiden beginnen wird. Er ist somit zur allgemeinen Erklärung notwendig und zählt wie Vers 21a zur Einleitung dieses Verses.

In Vers 21b wird das Modalverb ,,müssen" eingesetzt. Der Inhalt von ,,müssen" kann hier mit einer Notwendigkeit angegeben werden. Es ist die Notwendigkeit nach Jerusalem zu gehen. Die folgenden Verse 21c, 21d und 21e drücken Geschehnisse aus, die Jesus in Jerusalem erwarten werden. Es ist eine Handlungskette sichtbar, die durch das Einleitungswort ,,und" zu Beginn einer jeden Zeile deutlich wird.

Vers 21c nennt die Personen, die Jesus Leid zufügen. Jeder Name wird zur Hervorhebung mit der Konjunktion ,,und" verbunden. Durch das Adjektiv ,,viel" wird die Menge bzw. Fülle des Leides offengehalten.

Vers 21d grenzt das Geschehen ein, indem der Tod angesprochen wird.

In Vers 21e ist wieder das Modalverb ,,müssen" zu finden. Es bezieht sich jedoch nicht nur auf Vers 21e, sondern auch auf die Verse 21c und 21d, die ohne dieses Modalverb keinen Sinn ergeben würden. Es drückt in diesem Zusammenhang aus, daß das Leiden, welches Jesus in Jerusalem erwartet, notwendig ist.

In Vers 22 wird das Unverständnis des Petrus in Bezug auf die Worte Jesus in Vers 21 sichtbar. Es folgt wieder ein Einzelgespräch zwischen Jesus und Petrus. Vers 21 ist in zwei Teile zu gliedern. Er besteht aus einem sachlich geschriebenen ersten Teil (Vers 22a bis 22d) und einem anderen Teil (Vers 22e bis 22g), der aus wörtlicher Rede besteht:

22 a Und Petrus nahm ihn beiseite

22 b und fing an,

22 c ihn zu tadeln,

22 d indem er sagte:

22 e (Gott) behüte dich,

22 f Herr!

22 g Dies wird dir keinesfalls widerfahren.

Die eben erwähnte Handlungskette setzt sich noch bis zu den Versen 22a und 22b fort. In Vers 22a wird wiederum ein Ortswechsel vollzogen. Dieser wird durch das Lokaladverb ,,beiseite" deutlich. Auffällig ist, daß in diesem Vers der Name Jesus durch ein Personalpronomen ersetzt wird.

Vers 22c beschreibt die Stimmung des Petrus. Der Modalsatz, der Vers 22d charakterisiert, gibt an, wie sich das durch den Trägersatz ausgedrückte, also die Stimmung des Petrus (Vers 22c), vollzieht.

Dies geschieht in wörtlicher Rede.

In Vers 22e wird mittels des Imperatives eine Aufforderung die sich an Gott richtet ausgedrückt. Die Eindringlichkeit dieser Aufforderung wird in Vers 22f nochmals verstärkt, indem Petrus Jesus hier mit der Ehrfurcht erweisenden Anrede ,,Herr" tituliert. Diese Anrede steht im Widerspruch zu der sonstigen Anrede. Petrus spricht Jesus während der Rede mit dem Personalpronomen ,,du" an. Dieses wird gegenüber Personen, mit denen man ein vertraulich- familiäres Verhältnis hat, verwendet.

Vers 22g ist als eine Art Resultat des Petrus zu sehen. Er drückt aus, wie er die Situation einschätzt. Durch das Modaladverb ,,keinesfalls" drückt Petrus aus, in welchem Grade seine Aussage zutrifft.

In Vers 23 wird Petrus von Jesus zurückgewiesen. Er bedient sich einer Einleitung (Verse 23a und 23b). Es folgt wörtliche Rede des Jesus (Verse 23c bis 23i). In dieser wird Petrus zunächst weggeschickt (Verse 23c und 23d). Im folgenden Teil erklärt Jesus Petrus sein Ärgernis (Vers 23e), das in den Versen 23f bis 23i begründet wird. Farblich gekennzeichnet sieht Vers 23 wie folgt aus:

23 a Er aber wandte sich um

23 b und sprach zu Petrus:

23 c Geh hinter mich,

23 d Satan!

23 e Du bist mir ein Ärgernis,

23 f denn du sinnst nicht auf das,

23 g was Gottes,

23 h sondern auf das,

23 i was der Menschen ist.

Mit den Versen 23a und 23b wird dieser Abschnitt eingeleitet. Das Verb ,,umwenden" in Vers 23a verstärkt nochmals die negative Stimmung. Jesus wendet sich ab.

In Vers 23c wird Petrus weggeschickt. Jesus verwendet hier den Imperativ als Ausdruck seines Ärgers und seiner Autorität. Dies wird verstärkt, indem er Petrus in Vers 23f als ,,Satan" tituliert. Hier sind Parallelen zu Vers 22 zu finden. In beiden Versen wird der Konjunktiv 1 bzw. der Imperativ benutzt als Ausdruck einer Aufforderung bzw. eines Befehls. Dann folgt die Titulierung des Gegenübers. Was in Vers 22 noch relativ harmlos klingt, wird in Vers 23 um so ungehemmter ausgedrückt.

In den Versen 23e bis 23i wird zunächst die geforderte Abwesenheit des Petrus (,,Du bist mir ein Ärgernis..." (Vers 23e) und dann das Ärgernis begründet (Verse 23e bis 23f). Es ist also eine aufeinander aufbauende Struktur dieses Verses zu erkennen.

Die Begründung des Ärgernisses wird durch einen Kausalsatz eingeleitet:"..., denn du sinnst nicht auf das..." (Vers 23f). In den Versen 23h und 23i kommt der Gegensatz zu den Versen 23f und 23e zum Vorschein. Es wird eingegrenzt wonach Petrus wirklich sinnt. Die Konjunktion ,,sondern" kündigt diesen Gegensatz an.

Weder in Vers 23f noch in Vers 23h wird dabei angesprochen, wonach die Menschen bzw. Gott sinnen. Dies wird durch das Wort ,,was" verallgemeinert dargestellt.

2.4 Literarkritik

2.4.1 Konsistenz und Inkonsistenz der Texteinheit

Der Text des Petrusbekenntnisses scheint zunächst konsistent. Er ist dadurch gut lesbar. Dem stehen jedoch andererseits Auffälligkeiten gegenüber, die den Text holprig erscheinen lassen. Im Verlauf dieser Aufgabe werde ich die Verse der zu untersuchenden Perikope miteinander vergleichen und so eventuell auftretende Konsistenzen bzw. Inkonsistenzen herausarbeiten. Die Perikope zerfällt in zwei Teile: a) das Petrusbekenntnis (Verse 13-20) und b) die Leidensankündigung und Zurückweisung des Petrus (Verse 21-23). Sie sind von der Beschaffenheit her recht verschieden. Durch die Neugestaltung des Petrusbekenntnisses und des Bekenntnisses Jesus zu Petrus ist der zweite Teil der Perikope zu einem in sich selbständigen Abschnitt geworden.

Das Jüngergespräch (Verse 13-16) ist in sich stark zusammenhängend. Die beiden parallelen Fragen Jesu nach der Meinung der Menschen bzw. der Jünger verbinden die Verse 13 und 14 mit den Versen 15 und 16. Auf eine Frage folgt in allen Versen eine Antwort. Sie gleichen sich in der Wortwahl: ,,Was sagen die Menschen, wird der Sohn des Menschen ist?" (Verse 13d und 13e) im Vergleich zu: ,,...was sagt ihr, wer ich bin?" (Verse 15c und 15d). Die Rede Jesu (Verse 17-19) ist durch die beiden Entsprechungen "du bist Christus..." (Vers 16c) und ,,du bist Petrus..." (Vers 18b) eng an die vorangegangenen Verse gebunden. Die drei Verse 17, 18 und 19 haben formal eine gewisse Ähnlichkeit. Nach einem Einleitungssatz weisen alle einen weiterführenden Parallelismus auf. Alle drei sind durch die 2. Person Singular bestimmt. Ab Vers 18c dominiert Futura. Doch im einzelnen sind die Verse ziemlich unterschiedlich, so daß nicht von einem dreistrophigen Gedicht zu sprechen ist Vor allem Vers 18 und Vers 19 könnten zwei ursprünglich nicht zusammengehörende Einzellogien sein. Dafür spricht, daß die Bilder uneinheitlich sind. Petrus ist in Vers 18 der Fundamentfels, auf den das Haus der Kirche gebaut ist, in Vers 19a weist er die Funktion eines Schlüsselmannes auf, der jedoch nicht die Kirche, sondern das Himmelreich auf- oder zuschließt. In den Versen 19b und 19c ist Petrus der Rabbi, der bindet und löst. In Vers 18 ist die Kirche, in Vers 19 der Himmel der Bau. Die Verse 19b und 19c verlassen das Bild des Baus überhaupt. Der Schlußvers 20 greift über die Verheißung an Petrus wieder auf sein Bekenntnis in Vers 16c zurück. Jesus spricht von Christusbekenntnis. Dabei wendet er sich wieder an alle Jünger.

Der zweite Teil der Perikope (Verse 21-23) bilden einen selbständigen Abschnitt. Die wird deutlich durch die Einleitungsworte in Vers 21a: ,,Von dieser Zeit an...". Vers 21 könnte im Gegensatz zu den zwei folgenden Versen auch für sich alleine stehen, ohne daß Brüche erzeugt werden oder dem Text etwas genommen werden würde.

Auf Vers 21 bauen die Verse 22 und 23 auf. Hier kann der eine Vers nicht ohne den anderen stehen. Vers 23 gibt die Reaktion Jesus auf das Gesagte des Petrus wieder, das ohne Vers 22 keinen Sinn ergeben bzw. in einem Widerspruch zu den Versen 17 bis 19, in denen Petrus gelobt wird, stehen würde.

(vgl.: Stenger, Werner 1987, S. 65-67, Lutz, Ulrich 1990 S. 452-459)

2.5 Quellen- und Überlieferungskritik

Das Matthäusevangelium hat als Hauptquelle das Evangelium nach Markus benutzt. Es kann als eine revidierte Fassung von Markus betrachtet werden. Zwar läßt Matthäus in seinem Evangelium insgesamt nur fünfundfünfzig Markusverse aus, doch strafft er den Inhalt vieler Erzählungen, indem er sie sprachlich glättet, Stil und Wortschatz überarbeitet und darauf achtet, daß einige ungeschliffene Wendungen bei Markus nicht mißverstanden werden. Neben dem aus dem Evangelium nach Markus Übernommenen, findet man bei Matthäus auch manches, das ebenfalls im Evangelium nach Lukas vorliegt. Man geht davon aus, daß diese Gemeinsamkeiten auf eine von beiden benutzte Quelle zurückzuführen sind. Es ist eine Sammlung von Jesusworten , die sogenannten Quellen. Man spricht von einer Zwei- Quellen- Theorie, die im Matthäusevangelium vorliegt.

(vgl.: Marxsen, Willi 1978, S.149,

Roloff, Jürgen 1992, S. 8-9

Stenger, Werner 1987, S.68-70)

Die Überlieferungskritik beschäftigt sich mit dem vorschriftlichen Stadium des Textes.

Ich werde mich während der Bearbeitung dieser Aufgabe vorwiegend mit den Versen 18 und 19 beschäftigen, da diese als zwei ursprünglich nicht zusammengehörende Einzellogien betrachtet werden müssen.

Für das Felsenwort in Vers 18 kommen mehrere Herleitungsmöglichkeiten in Frage.

1.) Das Wort könnte ursprünglich von Jesus stammen. Diese Möglichkeit wird allerdings heute immer weniger vertreten. Das wichtigste Argument gegen die Echtheit ist das singuläre Vorkommen von "meiner Kirche" in einem Jesuswort. Es kommt in der gesamten synoptischen Jesusüberlieferung nur noch in Vers 18, 17 (im Sinn von Einzelgemeinde) vor und gehört somit nicht zur Jesussprache. Jesus hat das Gottesvolk Israel gesammelt und im Zwölferkreis zeichenhaft dargestellt und könnte deshalb grundsätzlich schon von der Versammlung des Gottesvolkes gesprochen haben, die er baut. Dann erwartet man jedoch das biblische "Versammlung Gottes", nicht aber "meine Versammlung", denn dieser Ausdruck schließt den Gedanken an eine Sondergemeinschaft in oder neben Israel ein. Jesus sammelt das Gottesvolk, nicht den heiligen Rest Israels. Der Ausdruck ist am leichtesten aus einer Situation verständlich, in der die christlichen Gemeinden bereits neben den jüdischen Synagogen existierten. Auch die Herkunft des Petrusnamen spricht für eine Bildung einer griechischsprachigen Gemeinde. Nimmt man eine Gemeinde an, so kann das Felsenwort

2.) eine Bildung der aramäischsprachigen Gemeinde sein. In diesem Fall denkt man gern an die Ersterscheinung des Auferstandenen vor Petrus (Lk 24, 34; 1 Kor 15, 5), bei welcher Gelegenheit dem Simon auch der Amts- oder Ehrenname "Fels" verliehen worden sein könnte.

Oder das Wort stammt

3.) aus einer griechischsprachigen Gemeinde. Meistens wurde dann an Syrien gedacht und zwar

3.1) an die Zeit nach dem antiochenischen Konflikt, als Petrus sich gegen Paulus durchgesetzt hatte, oder

3.2) an die späte Zeit nach dem Tod der Apostel, als der Rückbezug auf die Apostel als "Felsen" der Tradition überhaupt wichtig wurde.

Das Wort vom Binden und Lösen in Vers 19 ist ein sehr altes frühchristliches Logion, das sprachlich und gedanklich im Judentum verwurzelt ist. Es drückt das urchristliche Verständnis des Apostels aus. Die nächsten Parallelen sind die Q- Logien Lk 10, 16: "Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verwirft, der verwirft mich, wer aber mich verwirft, der verwirft den, der mich gesandt hat".

Geht man davon aus, daß Matthäus erst den ganzen Zusammenhang der Verse 17- 19 geschaffen hat, ist Vers 19 eine Dublette zu Vers 18, 18.

(vgl.: Stenger, Werner 1987, S. 68-70

Lutz, Ulrich 1990, S. 453-455)

2.6 Gattungskritik

Die neutestamentlichen Schriften kann man im wesentlichen vier verschiedenen Gattungen zuordnen (Gattung ,,Evangelium", Gattung ,,Brief", Gattung ,,historische Monographie", Gattung ,,Apokalypse"). Die zu untersuchende Perikope ist in die Gattung der ,,Evangelien" zuzuordnen, da sie zu dem Evangelium nach ;Matthäus zählt. Sie stellen eine besondere

Gattung dar, weil sie die Überlieferung von Jesus unmittelbar aus der Perspektive des Glaubens an ihn gestalten und so nicht nur Erzählung, sondern vor allem Verkündigung sein sollen. Dabei enthalten die Evangelien natürlich auch einen gewissen biographischen Rahmen: Der Bogen spannt sich von der Taufe im Jordan hin bis zur Kreuzigung in Jerusalem. Die Passion und der Tod Jesu sind aber nicht in erster Linie der biographische Endpunkt, sondern vor allem das theologische Ziel der Darstellung. (vgl.: Conzelmann,Hans; Lindemann, Andreas 1995, S.36)

Das Evangelium beinhaltet ebenfalls mehrere Gattungen. Man unterscheidet zunächst zwischen Wortüberlieferung und Erzählungsüberlieferung. Der ersteren rechnet man die Apophtegmata zu, eine Gattung, die in Streit und Schulgespräche und Biographische Apophtegmata untergliedert sind, sowie die Herrenworte, die er ebenfalls in verschiedene Gruppen (Logien, Prophetische Worte, Gesetzesworte und Gemeinderegeln ) eingeteilt sind. Dem Erzählungsstoff rechnet man Wundergeschichten und Legenden zu. Die zu untersuchende Perikope zählt zur Gattung der Wortüberlieferung.

Werner Stenger plädiert in dem Buch "Biblische Methodenlehre" für eine Einordnung zu den "Biographischen Apophtegmata". Diese schildern ein singuläres Ereignis im Leben Jesu, hier das Messiasbekenntnis des Petrus.

(vgl.: Stenger, Werner 1987, S.79)

Biographische Apophtegmata sind dadurch im allgemeinen gekennzeichnet, daß das Wort Jesu, das die Pointe bildet, am Schluß steht. Diese Worte bilden im ersten Teil (Verse 13-20) die Verse 17-19. Hier wird Petrus seliggepriesen und erhält einen Teil der Vollmacht Jesu. Im zweiten Teil (Verse 21-23) bildet Vers 23 die Pointe. In dieser kommt es trotz der Offenbarung, die nicht menschlich, sondern göttlich war (Vers 17), bei Petrus schnell zu einer rein menschlichen Einstellung. Jesus reagiert auf diese entsprechend negativ. Die entscheidenen Worte Jesu werden durch ein vorangegangenes Verhalten produziert. Es ist im ersten Teil das Messiasbekenntnis des Petrus und im zweiten Teil das nicht von Gott gesteuerte Verhalten Petrus.

Biographische Apophtegmata haben ihren Sitz im Leben in den innergemeindlichen Unterweisungen.

(vgl.: Roloff, Jürgen 1992, S.28)

Man versteht darunter eine Belehrung. Diese ist jedoch nicht im Sinne von eingeschränkten Vorschriften , sondern von lebenskundigen und zur Lebensführung hilfreichen Anleitung zu verstehen. Es ist die Willensoffenbahrung Gottes. In der zu untersuchenden Perikope ist damit die an Petrus gerichtete Seligpreisung gemeint, die in den Versen 16, 17- 19 erfolgt. Jesus stellt in Vers 17 die zuvor gesagten Worte des Petrus als nicht menschlich, sondern von Gott stammend dar. Aus menschlicher Natur kann kein Christusbekenntnis erfolgen. In den folgenden Versen geht es um die Gründung der Kirche. In dieser Kirche wird Petrus eine unvertretbare Funktion zugesprochen. Er ist das Fundament der Kirche. Auch diese Aufgabe ist von Gott gewollt.

(vgl.: Stubhann, Matthias 1985; S.764- 765)

2.7 Redaktions- und Kompositionskritik

Im folgenden werden nun die verschiedenen Phasen der Verschriftlichung unterschieden und geklärt. Dabei wird mit Hilfe der Kompositionskritik geklärt, in welchem Zusammenhang die verschiedenen Textteile stehen. Es wird die Zusammenfügung der Texte betrachtet.

Es gibt mehrere Annahmen, die besagen, aus welchem Ursprung Vers 17, 18 und 19 hervorgehen. Einige möchte ich hier aufführen.

Betrachtet man Vers 17, so fällt auf, daß dieser nicht alleine stehen kann, weil das Objekt fehlt, das den Inhalt der Offenbarung an Petrus angibt. Hält man Vers 17 für eine alte Tradition, so kommen drei Antworten in Frage, die den Ursprung dieses Verses aufdecken. 1.) Vers 17 war die ursprüngliche Antwort Jesu auf das Petrusbekenntnis, die in der Markusüberlieferung verloren gegangen ist. Als entscheidend für das hohe Alter der Verse 17-19 galten die Semitismen, die man zu erkennen glaubte. Heute rechnen die meisten mit einem ursprünglich griechischen Text mit biblischer Färbung. Eine nachträgliche Streichung der Antwort Jesu auf das Petrusbekenntnis in der Markus- Redaktion wäre kaum verständlich. Es wird hier die übliche Priorität von Markus vorgezogen.

2.) Anzunehmen ist auch, daß ein unbekanntes, verlorengegangenes Traditionsstück Vers 17 vorausgegangen ist. Eine beliebte Antwort auf diese Annahme ist, die Verse 16, 17- 19 seien Teile eines nicht mehr ganz erhaltenen Erscheinungsberichtes gewesen. Da aber unklar ist, warum dieser Teil verloren ging, bzw. nur der zweite Teil erhalten ist, ist diese Annahme schwierig zu belegen.

3.) Eine dritte Möglichkeit bildet die Idee, daß Vers 17 als Antwort Jesus auf das Markus- Petrusbekenntnis nachträglich angefügt worden ist. Dabei ist nicht auszuschließen, daß die Erweiterung des Markus- Evangeliums um den Bekenntnistitel "Gottessohn" und Jesu Antwort darauf auf eine Bearbeitung von Mk 8, 27- 30 in der Gemeinde zurückgehen. Es gibt jedoch einige Matthäismen, die die These wahrscheinlich machen, daß Matthäus selbst der Autor von Vers 17 war. Dies machen vor allem die Anklänge an die Verse 11, 25- 27 deutlich. Unter dieser Voraussetzung hat Matthäus Vers 17 als Übergangswendung zu Vers 18 gebildet.

Mehrere sprachliche Eigentümlichkeiten sprechen dafür, daß die Verse 19b und 19c von Vers 19a unabhängig gewesen sein müssen. Die Verse 19b und 19c haben in Matthäus 18, 18 eine wörtlich gleiche und in Johannes 20, 23 eine ähnliche Variante die Vollmacht zu binden und zu lösen allen Jüngern zuzusprechen.

Vers 19a bleibt unerwähnt. Für das in Vers 19a erwähnte Schlüsselwort muß man einen redaktionellen Ursprung erwägen. Es hat in Mat 18, 18 und in Joh 20, 23 keine Entsprechung. Im Kontext ist dieser Vers eine Übergangwendung zwischen Vers 18 und den Versen 19b und 19c. Dieser ist nötig, weil Petrus in den Versen 19 b und 19c nicht mehr als Fundament der Kirche, sondern ihr bevollmächtigter Lehrer ist. Die futuristische Verbform Das Bild von den Schlüsseln nimmt die Vorstellung des Hauses assoziativ auf und deutet die Vollmacht des Petrus an, die dann in den Versen 19 b und c beschrieben wird. Die Wörter "Reich und

Himmel" nehmen die Gegenüberstellung von "auf der Erde" und "in den Himmeln" in den Versen 19b und c vorweg. Für eine Matthäus Redaktion spricht, daß das Bild vom Aufschließen des Gottesreichs im zeitgenössischen Judentum nicht belegt ist, sondern nur bei Matthäus auftritt. Die Verse 23, 13, in denen die Schriftgelehrten und Pharisäer das Himmelreich zuschließen, ist die einzige Parallele zu unserer Perikope und klingt wie eine Gegenformulierung zu ihr. So ist Vers 19 a als eine redaktionelle Übergangswendung denkbar.

Auffällig ist bei Matthäus der harte Übergang von Vers 19 zu Vers 20. Dieser erklärt sich literarisch: Nach dem Einschub des Petrusbekenntnisses kehrt Matthäus zur Markusquelle zurück. Da in dieser das Petrusbekenntnis aber ganz anders bewertet wird, paßt der Anschluß nicht.

(vgl.: Lutz, Ulrich 1984, S.454- 455)

3 Literaturverzeichnis

- Bull, Klaus- Michael (1997): Bibelkunde des Neuen Testaments: die kanonischen Schriften und die Apostolischen Väter (1.Auflage). Neukirchen- Vluyn (Neukirchener Verlag)
- Conzelmann, Hans; Lindemann, Andreas (1995): Arbeitsbuch zum Neuen Testament (11. Auflage). Tübingen (J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) Verlag)
- Grebe, Paul (1973) Duden. Gammatik der deutschen Gegenwartssprache (3. Auflage). Mannheim (Bibliographisches Institut AG)
- Lutz, Ulrich (1990) Das Evangelium nach Matthäus (1.Auflage). Braunschweig (Benziger Verlag); Neukirchen- Vluyn (Neukirchener Verlag)
- Marxsen, Willi (1878): Einleitung in das Neue Testament (4. Auflage). Gütersloh (Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn)
- Roloff, Jürgen (1992): Neues Testament (5. Auflage). Neukirchen-Vluyn (Neukirchener Verlag)
- C. I. Scofield (1992) Scofield Bibel. Revidierte Elberfelder Übersetzung 4. Auflage). Wuppertal (R. Brockhaus Verlag)
- Stenger, Werner (1987): Biblische Methodenlehre (1.Auflage). Düsseldorf (Patmos Verlag)
- Stubhann, Matthias (1985) Die Bibel von A-Z. Das aktuelle Lexikon zur Bibel (1.Auflage) Erlangen (Karl Müller Verlag)

27 von 27 Seiten

Details

Titel
Exegese des Petrusbekenntnisses in der Elbefelder und Züricher Bibel sowie in der Luther-Übersetzung
Veranstaltung
Einführung in den methodischen Umgang mit biblischen Texten
Autor
Jahr
1999
Seiten
27
Katalognummer
V101098
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, Einführung, Umgang, Texten
Arbeit zitieren
Stefanie Dunker (Autor), 1999, Exegese des Petrusbekenntnisses in der Elbefelder und Züricher Bibel sowie in der Luther-Übersetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101098

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