Verbindungen und Gemeinsamkeiten Prags und Europas


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
4 Seiten, Note: 2+

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Autor: Vera Schmies, Yasemin Sarica

OSTEUROPA, OSTMITTELEUROPA UND DER WESTEN VERBINDUNGEN UND GEMEINSAMKEITEN

PRAG (Praha)

,,Die Goldene Stadt" liegt in Mitteleuropa an der Moldau und hat eine Fläche von 497km². Die Hauptstadt Prag ist einer der 8 Verwaltungsbezirke Tschechiens mit dem Sitz der Regierung und des Parlaments. Mit ca. 1,2 Mio. Einwohnern ist sie die größte Industriestadt des Landes und eine der größten Kulturmetropolen Europas, jedoch letzteres erst seit Karl IV. Prag zum imperialen und geistigen Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reiches, zum ,,Rom des Nordens" gemacht hat und es damit zur 1. Stadt Europas erhoben hat. Auch dazu beigetragen haben die Kunst und die verschiedensten Künstler aus zahlreichen anderen europäischen Ländern, so wie berühmte Musiker (Wolfgang Amadeus Mozart _1791) und Schriftsteller (Franz Kafka _1924, Max Brod_1968) und ausländische Investoren, welche die Stadt heute als Markt entdeckt haben. Die bekanntesten dieser Investoren sind österreichische und deutsche Unternehmen, wie die Bank Austria, Siemens, Mercedes und vor allem im Bau- und Dienstleistungsgewerbe tätige Firmen.

In einem Zeitraum von etwa 1000 Jahren haben Juden Leben und Kultur der Stadt mit geprägt, doch es ging nicht immer friedlich zu. Kaum ein Jahrhundert verging ohne Verfolgung.

Wie schon erwähnt, hat auch Karl IV einen großen Teil zur Entwicklungen des heutigen Prags beigetragen. 1316 in Prag geboren machte er seine ersten politischen Erfahrungen mit 15 als Statthalter in Oberitalien. 1333 kehrte er nach Prag als Stellvertreter seines Vaters, König Johann, zurück und stellte fest, dass die Burg schwer beschädigt und nicht mehr bewohnbar war, also musste er anfangen zu bauen und mit einem bürgerlichen Wohnsitz vorlieb nehmen. 1340 übernahm er dann die Regentschaft über die böhmischen Kronlande und bekam 1347 die Königswürde, 1349 wurde er zum deutschen Kaiser gekrönt.

1348 gründete er die erste deutsche, und zugleich die erste Universität Mitteleuropas, wo die Studenten in 4 ,,Nationen" nach Herkunftsgebiet eingeteilt wurden. 1355 ernannte er Prag zur Hauptstadt des Reiches, die bis dahin auf ihr 3-faches angewachsen war. Durch die Rückkehr Karls zog es Professoren, Architekten, Maler und allerlei Künstler aus Italien, Deutschland und Frankreich an die Moldau. Prag erhielt das Stapelrecht, was bedeutete, dass alle Waren die ins Land, oder auch nur hindurch kamen, erst mal 3 Tage lang in der Residenzstadt zum Kauf angeboten werden mussten. Außerdem wollte der Kaiser die wichtigste Route des Welthandels durch Prag leiten: Venedig - Prag - Brügge. 1357 ließ Karl von seinem Lieblingsarchitekten Peter Parler die Karlsbrücke auf die Reste der Judithbrücke aufbauen. Parler verwendete dafür eine ganz neue von ihm erfundene Mörtelmischung, die besonders haltbar sein sollte. Sie bestand aus Kalk, Wein und Eiern. Dafür ließ man auf Befehl des Kaisers, aus dem ganzen Königreich Eier importieren. Auf der fertig gestellten Brücke hielten 1648 Deutsche und Tschechen, Juden und Christen gemeinsam den Angriffen der anstürmenden Schweden stand. Das war jedoch nicht immer so.

1096 zwangen durchziehende Kreuzfahrer die Juden zur Taufe, und wer sich weigerte wurde erschlagen. Als viele Juden daraufhin die Stadtverlassen wollten, ließ der Fürst ihr Eigentum beschlagnahmen und ihnen blieb nichts anderes als ihr Leben. 1214 wurden folgende Verbote ausgesprochen: Kein Jude durfte eigenes Land besitzen, Landwirtschaft und Handwerk betreiben. Sie mussten in abgetrennten Vierteln siedeln und jeder von ihnen sollte durch besondere Kleidung und Zeichen (,,gelber Ring auf der Brust") als Jude erkennbar sein. Eine der wenigen Beschäftigungen, die sie ausüben durften, war das Verleihen von Geld gegen Pfand oder Zins. Viele Adlige und sogar Handwerker wandten sich mit ihren Geldproblemen an jüdische Geldgeber. Ohne deren Finanzkraft wäre ein wirtschaftlicher Fortschritt nicht möglich gewesen. Wenn man das Geld nicht zurückzahlen konnte, brauchte man dem Geldgeber bloß eine Schuld zuzuweisen und damit seinen Anspruch auf das Geld zunichte machen. Unter der Regierung Wenzels IV. fand eines der blutigsten Pogrome (brutale Judenverfolgung) statt, wobei ca. 3.000 Menschen ihr leben ließen. Im 17. Und 18. Jahrhundert wurden Versuche gestartet die jüdische Bevölkerung endgültig der Stadt zu verweisen. Diese sind aber an Geldmangel gescheitert, da mit der Ausweisung auch viele Steuerzahler verlorengegangen wären. Erst ab 1867 waren Juden per Gesetz anderen Staatsbürgern völlig gleichgestellt. Nachdem 1938 die Judenverfolgung angefangen hatte wurden bis 1945 ca. 45.000 Juden in KZs getötet, und die meisten der Überlebenden sind emigriert. Heute leben etwa 1000 Juden in Prag, davon sind 80% über 60 Jahre alt. Anders als in Deutschland sind hier die jüdischen Zentren nicht zerstört worden. Einer der wichtigsten Bauten ist die Altneusynagoge, die zu den ältesten jüdischen Gebetsstätten Europas gehört. Auch der alte jüdische Friedhof ist noch heute eine herausragende Sehenswürdigkeit und der größte noch gut erhaltene Europas, der Anfang des 15. Jh. eingerichtet wurde. Aufgrund des knappen Raumes und des religiös begründeten Verbotes, alte Gräber einzuebnen, wurden Tote in bis zu 10 Schichten übereinander gelegt. Zwei berühmte Gräber sind die von Franz Kafka und Rabbi Löw. Der Sage nach hat Löw mit einem Schüler und seinem Schwiegersohn einen Golem aus Lehm erschaffen, der das jüdische Volk vor den fürchterlichen Pogromen beschützen sollte.

Doch nicht nur jüdische Sehenswürdigkeiten spielen eine große Rolle in der Kunstgeschichte Prags. Schon die Gotik brachte eine Vielzahl von Kirchen und Palästen hervor. Der Höhepunkt gotischer Architektur Prags ist die St. Veitskathedrale auch wenn viele andere Epochen in diesem Dom verewigt sind. Die zwei Baumeister Matthias von Arras und Peter Parler hoben sich von der französischen Kathedralarchitektur ab. Und diese ,,Parlergotik" verbreitete sich später auf ganz Europa. Im 16. Jahrhundert bringen italienische Künstler die Renaissance nach Prag. Auch in der Barockkunst gab es italienische, französische, deutsche und auch österreichische Einflüsse bei berühmten Bauten. Die St. Niklaskirche zum Beispiel ist eine der herausragenden Barockkirchen Europas. Mit dem Jugendstil um 1900 kommt der Abschied von historisierenden Stilen. In den Werken schlug sich die Suche des tschechischen Volkes nach einer neuen, eigenständigen Identität nieder, zu sehen an dem Wilson Bahnhof, Svatopluk-Cech-Brücke, Hotel Europa und an anderen Bauten der Neuzeit. Eine der wichtigsten Bauten der Stadt ist unter anderem auch der Prager Eiffelturm. Die 175t schwere Stahl- und Eisenkonstruktion wurde 2 Jahre nach dem Pariser Vorbild errichtet. Die St. Simon-und-Juda Kirche ist nicht durch eine besondere Architektur bekannt geworden, sondern durch Orgelspiele von Joseph Haydn und Mozart. Bevor Wolfgang Amadeus Mozart Anfang des Jahres 1787 zum ersten Mal in Prag war, wo er im Palast des Grafen Thun unterhalb der Prager Burg wohnte, lernte er immer mehr böhmische Musiker kennen, die zu dieser Zeit in Musikkapellen in ganz Europa spielten und von denen viele bald zu seinen engsten Freunden zählten. Seine Oper ,,Die Hochzeit des Figaro" war in Prag sehr beliebt und verbreitet. Im Oktober des Jahres kommt er noch mal mit Frau Konstanze und stellt hier die Oper ,,Don Giovanni" fertig. 1791 komponiert Mozart anlässlich der Krönung Leopolds II, für Prag ,,La clemenza di Tito". Knapp drei Monate später stirbt er und der große Meister wird in Prag in der St. Niklaskirche geehrt.

Eine neue Blütezeit erlebten Theater, Literatur und Film während des Prager Frühlings in den 1960er Jahren. Das ,,politische Tauwetter" veranlasste das versteinerte Regime die wirtschaftliche Krise durch Lockerung der Kontrollen auszugleichen. Der ,,Eiserne Vorhang" der Republik bekam Löcher und viele Tschechen fuhren ins westliche Ausland. Umgekehrt kamen jetzt erstmals nach dem 2. Weltkrieg Touristen in großer Zahl aus dem Westen um die Pracht und Schönheit der ,,Goldenen Stadt" mit ihren historischen Baudenkmälern zu bewundern die vom Krieg kaum zerstört waren. Probleme wurden offen ausgesprochen und das Geistesleben hatte einen Höhenflug. Die öffentlichen Diskussionen waren nicht mehr aufzuhalten und bei internationalen Literatenkonferenz entschieden sich die Literaten gegen die Problemlösung durch Verhaltensregeln und für die Freiheit der individuellen Entscheidung. Innerhalb weniger Wochen entstand eine neue, eigenständige, politische Kraft mit der das Volk freier zu atmen begann und vom Ende der kommunistischen Gewaltherrschaft zu träumen wagte. Reisebeschränkungen und Zensur wurden aufgehoben und die Unabhängigkeit der Gerichte garantiert. Doch es sollte nicht mehr lange dauern bis sich die dunkle Nacht wieder über Prag senkte. 1968 marschierten hauptsächlich russische Soldaten, also Soldaten der ,,Bruderstaaten" in das Land ein. Man rief die Bevölkerung zum Widerstand und den Westen zur Hilfe auf, doch nichts half. Nach 1968 verließen Hunderttausende Tschechen und Slowaken das Land und fanden Exil in westlichen Ländern. Erst die ,,Samtene" - weil gewaltlose - ,,Revolution", die am 17.11.1989 begann, brachte dem Land den freien, demokratischen und unabhängigen Staat wieder, den sie 1938 durch das Münchener Abkommen an Hitler verloren hatten. Mit dem November-Sturmwind zwangen die Bürger, Junge und Alte, das alte Regime in die Knie. Die Medien schwiegen, doch die Bürger hingen alle paar Stunden neue Plakate auf und verteilten Informationsblätter. Nach brutalen Polizeieinsätzen ging es Schlag auf Schlag; Die Zensur brach zusammen, politische Gefangene kamen frei und der ,,Eiserne Vorhang" fiel endgültig, sodass man ab dem 4. Dezember ohne Ausreisebewilligung in den Westen fahren konnte. Nachdem die kommunistische Partei der Tschechoslowakei ihre Führungsrolle aufgegeben hatte, wurde der vorher politisch Verfolgte Václav Havel zum Staatspräsidenten gewählt. Dieser war der 1. tschechische Staatspräsident, der im amerikanischen Kongress nicht um finanzielle Unterstützung bat. Bei Staatsbesuchen in Deutschland entschuldigte er sich öffentlich für die brutale Vertreibung der Deutschen durch die Tschechen. Letztendlich hat die ,,Goldene Stadt" ihren goldenen Humor wiedergefunden und bringt nun mit kreativem Potential Baudenkmäler und Kunstjuwelen nach Europa ein.

4 von 4 Seiten

Details

Titel
Verbindungen und Gemeinsamkeiten Prags und Europas
Note
2+
Autor
Jahr
2000
Seiten
4
Katalognummer
V101105
Dateigröße
360 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verbindungen, Gemeinsamkeiten, Prags, Europas
Arbeit zitieren
Bera Schmies (Autor), 2000, Verbindungen und Gemeinsamkeiten Prags und Europas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101105

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