Erwartungsverletzungen können einen durch Vorinformationen entstandenen ersten Eindruck direkt beeinflussen. Daher stellt sich die Frage, ob durch eine Erwartungsverletzung dieser erste Eindruck auch verändert und gegebenenfalls korrigiert werden kann.
Ziel der durchgeführten Studie war es, herauszufinden, ob der durch Vorinformationen entstandene erste Eindruck aufgrund von Erwartungsverletzungen verändert werden kann. Die intern präregistrierte Studie wurde als ein 2x2 Between-Subject-Design mit Messwiederholung konzipiert. Die Probanden wurden in zufällige Gruppen eingeteilt und durch eine positive beziehungsweise negative Vorinformation über die fiktive Person Andrea manipuliert und danach um eine erste Einschätzung gebeten. Es folgten weitere Informationen über eine fiktive Person und die Probanden wurden erneut dazu befragt.
Die Ergebnisse zeigten, dass ein anfänglicher negativer Eindruck nach einer positiven Erwartungsverletzung schwieriger zu korrigieren ist als ein positiver erster Eindruck. Die Ergebnisse sind für zukünftige Forschungen von enormer Wichtigkeit, beispielsweise inwieweit kulturelle Einflüsse auf den ersten Eindruck und dessen Erwartungsverletzung wirken können oder welcher sozioökonomische Status Personen dazu verleitet, ihren ersten Eindruck leichter oder schwieriger zu revidieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Zusammenfassung
2 Einleitung
3 Methoden
4 Durchführung
5 Ergebnisse
6 Diskussion
7 Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit durch Vorinformationen geprägte erste Eindrücke von Personen durch darauffolgende Erwartungsverletzungen revidiert werden können. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Frage, ob ein negativer erster Eindruck nach einer positiven Erwartungsverletzung schwieriger zu korrigieren ist als ein positiver erster Eindruck nach einer negativen Erfahrung.
- Psychologische Grundlagen der Theorie der Erwartungsverletzungen (Expectancy Violations Theory)
- Einfluss von Vorinformationen auf die Eindrucksbildung
- Experimentelle Untersuchung mittels eines 2x2 Between-Subject-Designs
- Analyse von Korrekturprozessen bei positiven und negativen Erwartungsverletzungen
Auszug aus dem Buch
2 Einleitung
Die Entstehung von ersten Eindrücken und einer eventuellen Erwartungsverletzung bestimmen größtenteils das menschliche Miteinander. In sozialen Interaktionen mit anderen Menschen kommt es häufiger vor, dass man sich aufgrund von positiven oder negativen Vorinformationen schon einen ersten Eindruck über eine Person erstellt hat. Und nicht selten passiert es, dass man nach einigen weiteren Informationen über diese Person diesen Eindruck noch einmal korrigieren muss. Erwartungsverletzungen sind daher mittlerweile ein wichtiger Gegenstand der psychologischen Forschung.
Eine der grundlegenden Forschungen auf dem Gebiet der wiederholten Erfahrungen und Erwartungen beziehungsweise der Erwartungsverletzungen ist die Theorie der Erwartungsverletzungen (Expectancy Violations Theory) von Judee K. Burgoon (Burgoon, 1976). Diese Theorie ist eine Kommunikationstheorie, welche analysiert, wie Einzelpersonen auf unerwartete Verstöße gegen soziale Normen und Erwartungen reagieren. Nach Burgoon (Burgoon, 1993) bilden die Menschen nach Kontakt mit anderen Personen eine Erwartungshaltung aus und erhoffen sich von diesen Person ein bestimmtes Verhalten in diversen Situationen. Verhalten sich die Personen aber entgegengesetzt zu der von den anderen Menschen aufgebauten Erwartungshaltung, spricht Burgoon von einer Erwartungsverletzung.
Diese Erwartungsverletzung kann negativ oder positiv sein. Des Weiteren kann eine Erwartungsverletzung auch den ersten Eindruck verändern, unabhängig davon, ob dieser erste Eindruck positiv oder negativ ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zusammenfassung: Dieses Kapitel gibt einen kompakten Überblick über die Forschungsfrage, das methodische Vorgehen mit 185 Teilnehmern und die zentralen Erkenntnisse bezüglich der Schwierigkeit der Korrektur eines negativen ersten Eindrucks.
2 Einleitung: Hier wird der theoretische Rahmen durch die Vorstellung der Expectancy Violations Theory von Judee K. Burgoon etabliert und der Forschungsbedarf durch den Bezug auf bisherige Studien verdeutlicht.
3 Methoden: Dieses Kapitel erläutert die Stichprobenrekrutierung, das Design des Online-Experiments sowie die verwendeten Messinstrumente und Variablen.
4 Durchführung: Der Ablauf des Experiments, von der Präregistrierung bis zur finalen Datenerhebung mittels fiktiver Beschreibungen der Person Andrea, wird detailliert dargelegt.
5 Ergebnisse: Die statistische Auswertung mittels t-Tests für unabhängige Stichproben belegt signifikante Unterschiede bei der Einschätzung der Person zwischen den experimentellen Gruppen.
6 Diskussion: Die Ergebnisse werden im Kontext der Theorie von Ybarra interpretiert, Limitationen des Studiendesigns beleuchtet und der wissenschaftliche Mehrwert hervorgehoben.
7 Schlussfolgerungen: Das Kapitel fasst zusammen, dass ein negativer erster Eindruck stabiler ist als ein positiver, und gibt Impulse für zukünftige, spezifischere Forschungsarbeiten.
Schlüsselwörter
Erster Eindruck, Eindrucksbildung, Erwartungsverletzungen, Korrektur, Online-Experiment, soziale Wahrnehmung, psychologische Forschung, soziale Vignetten, Equity-Theorie, Kommunikationspsychologie, Urteilsbildung, Verhaltensvorhersage
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den psychologischen Prozess, wie Menschen ihren ersten Eindruck von einer anderen Person revidieren, wenn sie mit Informationen konfrontiert werden, die ihren Erwartungen widersprechen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der Erwartungsverletzungen (Expectancy Violations Theory), der sozialen Eindrucksbildung und den Mechanismen der Korrektur von Vorurteilen oder Ersterwartungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob ein durch Vorinformationen induzierter negativer Eindruck schwieriger zu korrigieren ist als ein positiver erster Eindruck, wenn jeweils eine Erwartungsverletzung eintritt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Autoren führten ein Online-Experiment mit einem 2x2 Between-Subject-Design durch, bei dem Probanden mittels fiktiver sozialer Vignetten über eine Person (Andrea) manipuliert wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Hypothesen, die methodische Beschreibung der Datenerhebung sowie die statistische Auswertung und Diskussion der gefundenen Effekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Erster Eindruck, Eindrucksbildung, Erwartungsverletzungen und Korrekturprozesse.
Welche Rolle spielt die fiktive Person Andrea im Experiment?
Andrea dient als standardisierter Stimulus, um die Erwartungen der Probanden kontrolliert zu manipulieren und ihre Reaktionen auf positive oder negative Verhaltensinformationen zu messen.
Zu welchem Schluss kommt die Studie bezüglich der Korrektur von Eindrücken?
Die Studie bestätigt, dass ein anfänglich negativer Eindruck nach einer positiven Erwartungsverletzung deutlich schwieriger zu revidieren ist als ein positiver erster Eindruck nach einer negativen Erfahrung.
- Arbeit zitieren
- Kristin Kautsch (Autor:in), 2021, Wie Erwartungsverletzungen den ersten Eindruck verändern können, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011119