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Genese des utopischen Genres. Amerigo Vespucci und der "Mundus Novus"

Title: Genese des utopischen Genres. Amerigo Vespucci und der "Mundus Novus"

Academic Paper , 2020 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Svenja Hahn (Author)

Latin philology - Medivial and Modern Latin
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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit stellt den Versuch dar, das von Morus verfasste Werk "Utopia" aus seinem historischen Umfeld heraus zu begreifen, um so die Einsicht zu erlangen, dass das Aufkommen eines solchen literarischen Genres nur vor dem Hintergrund neuzeitlicher Expeditions- und Entdeckungsreisen verstanden werden kann. Dabei soll insbesondere der um 1502 von Amerigo Vespucci abgefasste Brief "Mundus Novus" und die darin enthaltenen Schilderungen über indigene Völker als eine Art Mustervorlage und Prototyp herangezogen werden.

Als Thomas Morus 1516, angetrieben durch den Humanisten Erasmus von Rotterdam, sein Werk "De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia" veröffentlichte, traf er dabei nicht nur den Nerv der Zeit. Zugleich löste "Utopia" auch eine Kettenreaktion utopischer Folgeromane aus, die das neu entwickelte Genre auf je individuelle Weise rezipierten und weiterdachten.

Trotz der Tatsache, dass im wissenschaftlichen Diskurs "Utopia" meist in die Reihe früherer Konzepte von Idealwelten, wie Platons "Politeia" gestellt wird, muss das Werk von Morus vor allem von seiner zeitgenössischen Dimension her gelesen und seine epochale Sonderstellung markiert werden. Insbesondere in der historischen Utopieforschung wird "Utopia" als neue literarische Gattung und epochaler Einschnitt gewertet.

Grund zur Annahme ist der große neuzeitliche Referenzrahmen der Entdeckungsreisen durch Personen wie Amerigo Vespucci, Christoph Columbus oder Ferdinand Magellan. Denn mit der Erforschung ferner Kontinente ging zeitgleich eine Entgrenzung der bekannten Welt einher, wobei das Neue weniger kontinuierlich in das Alte integriert, sondern vielmehr aus einer exzentrischen Position heraus betrachtet wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung: Das neue Genre der Utopia im Kontext der Entdeckungsreisen

2. Amerigo Vespucci und der Mundus Novus

2.1. Eine Kurzbiografie

2.2. Der Mundus Novus

3. Die Nova Insula vor dem Spiegel des Mundus Novus

3.1. Ein Leben gemäß der Natur: Nacktheit, Urkommunismus und Philosophie

4. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk "Utopia" von Thomas Morus im historischen Kontext der frühneuzeitlichen Entdeckungsreisen. Ziel ist es, die Genese des utopischen Genres aufzuzeigen und die enge Korrelation zwischen literarischer Fiktion und dem realen Erfahrungsraum der damaligen Zeit zu belegen, wobei insbesondere Amerigo Vespuccis "Mundus Novus" als Inspirationsquelle und Mustervorlage analysiert wird.

  • Die historische Bedeutung der Entdeckungsreisen für die Utopieforschung.
  • Die Rolle Amerigo Vespuccis und seines Werkes "Mundus Novus".
  • Die literarische Konstruktion der "Nova Insula" im Vergleich zur Neuen Welt.
  • Philosophische Konzepte wie Urkommunismus, Nacktheit und Epikuräismus.
  • Die Transformation von zeitgenössischen Reiseberichten in utopische Literatur.

Auszug aus dem Buch

Die Nova Insula vor dem Spiegel des Mundus Novus

Ein erstes Anzeichen für die Konnektivität der beiden Werke ist der von Morus eingeführte literarisch-fiktive Charakter Raphael Hythlodeus, der angebliche Reisebegleiter der „letzten drei von seinen vier Weltreisen“ des Amerigo Vespucci, von dessen Werke „man schon hier und da gedruckt lesen kann.“ Dabei nimmt Hythlodeus im Zuge des ersten Buches insbesondere die Rolle des Vermittlers ein und führt zugleich den Bericht in literarische Fiktion über. Raphael Hythlodeus, der als Bindeglied zwischen alter und neuer Welt fungiert, berichtet zunächst von der vierten Seereise des Vespucci, bei welcher er vorgeblich 24 seiner Genossen, unter anderem auch Hythlodeus, zur Gründung einer befestigten Faktorei in einem Kastell zurückließ. Nach dessen Abreise reisten Raphael und weitere fünf Genossen im Alleingang und dank der reichen Ausstattung der dort ansässigen Fürsten weiter südlich in Richtung Äquator, wo sie – abgesehen von den „üblichen Reiseungeheuern (es gibt nichts Langweiligeres!)“ – die Insel Utopia entdeckten, dessen staatliche Einrichtungen auch „als Beispiel dienen könnte, unsere eigenen Fehler zu verbessern.“

Im Zuge dieser Schilderungen verkörpert Hythlodeus nicht nur den „Vollender dessen, was Colón und Vespucci in Angriff nahmen“, sondern auch „eine Art von Heilsbringer [...], der den Utopiern Errungenschaften der Alten Welt und den Europäern solche von Utopia bringt.“ Und doch trägt er bereits die Ambivalenz literarischer Fiktion in seinem Namen, welcher übersetzt „erfahren in Possen“ oder „Feind der leeren Worte“ bedeutet.

Bereits der Beginn stellt somit die Entdeckung der Insel Utopia in den Kontext der Forschungsreisen von Vespucci und erweitert diese um die eigenständigen Reisen des Raphael Hythlodeus. Die Glaubwürdigkeit der Reisen Vespuccis wird auf diese Weise nicht geschmälert. Stattdessen erhält die Entdeckung der Nova Insula ein realistisches Setting, das diese und für Morus Utopia typische Ambivalenz zwischen Realität und Fiktion erzeugt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Das neue Genre der Utopia im Kontext der Entdeckungsreisen: Die Einleitung verortet das Werk "Utopia" als epochalen Einschnitt in der Literaturgeschichte, der maßgeblich durch die Entdeckungsreisen der frühen Neuzeit geprägt wurde.

2. Amerigo Vespucci und der Mundus Novus: Dieses Kapitel liefert eine biografische Einordnung von Amerigo Vespucci und analysiert seinen Brief "Mundus Novus" als bedeutende Quelle für das zeitgenössische Verständnis ferner Kulturen.

3. Die Nova Insula vor dem Spiegel des Mundus Novus: Hier wird die direkte literarische Verbindung zwischen Morus' "Utopia" und den Berichten von Vespucci untersucht, insbesondere hinsichtlich philosophischer Konzepte und der Darstellung von Lebensweisen.

4. Resümee: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das utopische Genre durch die Synthese von realen Entdeckungsberichten und literarischer Fiktion entstand und beide Werke als literarische Innovationen ihrer Zeit zu verstehen sind.

Schlüsselwörter

Utopia, Thomas Morus, Amerigo Vespucci, Mundus Novus, Entdeckungsreisen, Neue Welt, Utopische Literatur, Raphael Hythlodeus, Urkommunismus, Epikuräismus, Literaturgeschichte, Frühe Neuzeit, Reisebericht, Nova Insula, Ideale Gesellschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entstehung des utopischen Genres durch Thomas Morus' Werk "Utopia" unter besonderer Berücksichtigung der Einflüsse durch die zeitgenössischen Reiseberichte von Amerigo Vespucci.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die frühneuzeitliche Reiseliteratur, der Vergleich zwischen der "Neuen Welt" des Vespucci und der fiktiven Insel "Utopia" sowie die philosophischen Konzepte des Zusammenlebens.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Morus das neue Genre der Utopie aus dem historischen Umfeld der Entdeckungen heraus entwickelte und wie er dabei auf den "Mundus Novus" als Vorlage zurückgriff.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die das Werk in seinen historischen Kontext einbettet und vergleichende Textanalysen zwischen Morus' Utopia und den Briefen von Vespucci durchführt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden der historische Kontext, die Biografie Vespuccis, sein Werk "Mundus Novus" sowie der Vergleich mit Utopia hinsichtlich der Themen Naturzustand, Nacktheit und Philosophie detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Utopie, Entdeckungsreisen, Mundus Novus, Urkommunismus, literarische Fiktion und Epikuräismus charakterisiert.

Welche Rolle spielt Raphael Hythlodeus in der Argumentation?

Er dient als literarisches Bindeglied, das die Fiktion der utopischen Insel mit der historischen Glaubwürdigkeit der Seereisen Vespuccis verknüpft.

Warum wird der "Urkommunismus" als Leitmotiv hervorgehoben?

Er ist ein verbindendes Element beider Werke, wobei Morus das Konzept zur sozialen Ordnung in Utopia veredelt, während es bei Vespucci als natürlicher Zustand der indigenen Bevölkerung beschrieben wird.

Was sagt die Arbeit über das "epikureische" Denken aus?

Die Arbeit zeigt auf, dass sowohl die Bewohner von Utopia als auch die von Vespucci beschriebenen Völker eine Nähe zur antiken Schule des Epikurs aufweisen, wobei dieser bei Morus vernunftorientiert als Maßstab für Glückseligkeit fungiert.

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Details

Title
Genese des utopischen Genres. Amerigo Vespucci und der "Mundus Novus"
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Lehrstuhl für Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit)
Course
Utopia. Mensch und Gesellschaft bei Thomas Morus und seinen Nachfolgern
Grade
1,3
Author
Svenja Hahn (Author)
Publication Year
2020
Pages
18
Catalog Number
V1011164
ISBN (eBook)
9783346403933
ISBN (Book)
9783346403940
Language
German
Tags
Utopia Thomas Morus Amerigo Vespucci mundus novus der Wilde Platons Politeia Entdeckungsreisen Christoph Columbus Expeditionen und Reisebereichte Neue Welt Neuzeit Urkommunismus Epikuräismus Humanismus Medici Fremde Kannibalismus Nacktheit Promiskuität Anthropophagie frühneuzeitliche Reiseliteratur Raphael Hythlodeus Nova Insula Aetas Aurea
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Svenja Hahn (Author), 2020, Genese des utopischen Genres. Amerigo Vespucci und der "Mundus Novus", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011164
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