Hoffmann, E.T.A. - Der Goldne Topf


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
6 Seiten, Note: gut

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1. Einleitung

Wer die Romantik verstehen will, kommt sicherlich nicht drum herum „Der goldne Topf“ von E. T. A. Hoffmann zu lesen. Diese Novelle wurde wahrscheinlich am Eingehensten untersucht, analysiert und interpretiert. So kommt es auch, dass über dieses wunderbare Werk so viel Sekundärliteratur vorhanden ist. Für mich stellt sich durch das Lesen und dem Versuch den Geist der Zeit daraus zu erkennen eine grosse Herausforderung. Zudem ist es anspruchsvoll, aus dem märchenhaften, phantastischen Stück das Wesentliche herauszusuchen und sowohl richtig zu deuten.

2. Inhaltsangabe

Am Himmelfahrtstag in Dresden rannte der Student Anselmus in den Korb voll eines hässlichen Weibes, worauf in ihm durch die Worte des Apfelweibes: „Ja renne – renne nur zu, Satanskind – ins Kristall bald dein Fall – ins Kristall!“ (Hoffmann 1993, S. 5) ein seltsames Grauen geweckt wurde. Ein wenig später sieht er in einem Holunderbusch an der Elbe drei goldgrüne Schlänglein, von denen eine, die Serpentina, in ihm glühendes Verlangen entbrannt. Ein lustiger Abend in der bürgerlichen Gesellschaft von Registrator Heerbrand, Konrektor Paulmann und dessen Tochter Veronika, welche ein Auge auf Anselmus geworfen hat, da dieser als Hofrat zur Diskussion steht, vertreiben Anselmus’ Phantasterei, denn auch er fühlt sich vorübergehend von Veronika angezogen.

Anselmus’ Bekanntschaft mit dem Archivarius Lindhorst, für den er exotische Manuskripte kopiert, führt ihn in ein Zauberreich. Von Lindhorst erfährt Anselmus auch, dass die Schlänglein seine Töchter sind und dass er sich in Serpentina, die jüngste der drei, verliebt habe. Im Haus des Archivarius, in welchem sich ein Palast verbirgt, trifft Anselmus Serpentina, deren Gestalt vor Anselmus’ rätselhaften Augen sich zwischen Schlänglein und Mädchen vermischt, und ihm beim Abschreiben der alten Schriften fast schon geheimnisvoll hilft. Von Serpentina erfährt er, dass der Archivarius zur Strafe für eine in mythischer Vergangenheit verübte Untat ein gemeines Leben führen muss, bis er seine drei Töchter vermählt hat. Hier sieht Anselmus auch das erste mal den goldnen Topf, Serpentinas Mitgift, welcher er ewige Liebe schwört. Doch das Apfelweib macht dem Plan einen Strich durch die Rechnung, sie versucht den goldnen Topf zu stehlen um die Rückkehr von Lindhorst nach Atlantis zu vereiteln. Durch den Blick in einen Metallspiegel Veronikas, welche mit der Alten unter einer Decke steckt, verliert Anselmus sein allem Phantastischem aufgeschlossenes Gemüt und wird somit in den bürgerlichen Alltag, in welchem er Veronika zu lieben glaubt, zurückgeworfen.

Als Anselmus trotz der Warnung von Lindhorst ein Manuskript mit Tinte beschmutzt, wird die Prophezeiung des Apfelweibs war, er fällt in eine Kristallflasche. Hier wird ihm die Enge des bürgerlichen Lebens klar und er entschliesst sich, beim Zusehen des Kampfes um den goldnen Topf zwischen der Hexe und dem Archivarius, sich ein für allemal vom Bürgerlichen und von Veronika abzuwenden. Nach der Befreiung von Anselmus gehen er und Serpentina zusammen nach Atlantis, wo sie von der blühenden Lilie des goldnen Topfes beschützt werden.

Veronika heiratet den zum Hofrat ernannten Heerbrand und wird glücklich. Am Ende lädt Archivarius Hoffmann ein, um Atlantis zu besuchen, da dieser kein Schluss für sein Märchen weiss. Mit einer gewissen Melancholie schaut Hoffmann auf die Phantasiewelt, da er weiss, dass er in beiden Welten nicht richtig aufgehoben sein kann.

3. Formalanalyse

Der Aufbau des „Märchen aus der neuen Zeit“ (S. 3) ist von Hoffmann in zwölf Vigilien, das heisst Nachtwachen gegliedert worden. Komprimierte Inhaltsangaben am Anfang der Vigilien verleihen dem Märchen unter anderem einen auktorialen Erzählcharakter, wobei vom Autor angenommen werden darf, dass er weiss, was mit seien Charakteren geschehen wird. Die Erzählung beginnt jedoch mit einer „streng realistischen, topographisch genau fixierten Zeichnung und erfüllt somit zunächst die Erwartung einer ‚auktorialen’ Erzählhaltung

in keiner Weise“ (Königs 1996, S. 52). Zeitlich ist die Schilderung im Wesentlichen chronologisch geordnet mit Ausnahme des Zeitsprunges von Vigilie 7 welche zeitlich an Vigilie 5 anschliesst und den sporadisch verwendeten Rückblenden. Hoffmann verwendet durch geschickte Umstellung der Perspektiven viel Humor: „Er stellt den Zustand her, der dem Leser Erkenntnis möglich macht“ (Steinecke Jahr, S. 90). Der Dualismus kommt auch am Schluss gänzlich zur Geltung, denn die „antithetisch aufgebaute Handlung endet in zwei Schlüssen“ (Steinecke Jahr, S. 87), wobei für das zweite Ende der Erzählmodus geändert wird und der reine „Ich-Erzähler“ die letzte Vigilie abschliesst. Durch die ganze Geschichte hindurch wurden eine bildhafte Sprache, unter anderem werden Symbolsprache und klingende Worte verwendet.

4. Personenkonstellation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Mittelpunkt der Novelle steht der tollpatschige Student Anselmus, welcher als Hofrat in Dresden zur Diskussion steht. Er ist gut befreundet mit dem Konrektor Paulmann sowie Registrator Heerbrand, welcher schlussendlich Hofrat wird. Paulmanns Tochter, Veronika hat ein Auge auf Anselmus geworfen, da sie Ambition hat, Frau Hofrätin genannt zu werden, schlussendlich aber ihr Glück bei Heerbrand findet. Der Archivarius Lindhorst (auch Salamander genannt) ist das Verbindungsglied für den Studenten zwischen Dresden und Atlantis, der Märchenwelt. Er ist nicht nur Arbeitgeber von Anselmus, sondern auch Vater von der zu verheiratenden Serpentina, einer Mischung aus Schlange und Mädchen. Der Archivarius, welcher seine drei Töchter verheiraten muss, um nach einer Fehde zu Atlantis zurückkehren zu können, steht kämpferisch der Hexe (Apfelweib, Liese,

Alte) gegenüber. Sie repräsentiert das Böse und versucht durch eine Allianz mit Veronika Archivarius’ Plan zu vereiteln. Die Personenkonstellation hat hauptsächlich schon vor Begin der Geschichte bestanden.

5. Aspekte

a) Die zwei Welten

Zunächst steht die Stadt Dresden in starkem Kontrast zu Atlantis. Dresden als das bürgerliche, philiströse Städtchen, in welchem alles seinen Platz hat, wo alles in Ordnung ist und man Fremdem und Unverständlichem gegenüber skeptisch ist und dies als Unwahrheiten abtut. So zum Beispiel als Lindhorst in der Schenke sein Leben in Atlantis verrät, sagt der Registrator Heerbrand erwartungsgemäss ab: „Erlauben Sie, das ist orientalischer Schwulst, werter Herr Archivarius!“ (S. 28) und fordert sogleich auf, der Archivarius solle doch „etwas Wahrhaftiges erzählen“ (S. 29). Atlantis steht diesem nicht Nahe, denn es ist der Ort der Träume und der Phantasie, hier erfährt Anselmus obendrein

„den heiligen Einklang aller Wesen als tiefstes Geheimnis der Natur“ (Hoffmann, zitiert nach Kindler, S. 950). Atlantis stellt auch den Urzustand und die poetische Welt dar, denn Anselmus führt dort „das Leben in Poesie“ (S. 130).

Unterschiede der Welten werden auch durch den Vergleich von den Personen ersichtlich. Da ist auf der einen Seite das Bürgertum, allen voran Konrektor Paulmann und Registrator

Heerbrand, dessen „Vornamen“ die Berufe angeben. Bei ihnen herrscht der Trieb nach materieller Sicherheit, nach Normalem und Anerkennung. Im Gegenteil zur bürgerlichen Realität stehen vor allem der Archivarius Lindhorst und die Hexe. Sie beide wissen von Atlantis leben aber in Dresden und haben eine Aufgabe zu erfüllen, um wieder nach Atlantis zurückkehren zu können. Lindhorst, unter dem Deckmantel der Philiströsen lebend, wird als geheimnisvolle, mythische und abgegrenzte Person dargestellt und unterscheidet sich doch klar von seinen bürgerlichen Mitmenschen welche als „Bürgermann“ (S. 38), „Rektor“ (S. 38) oder „Familienvater“ (S. 37) beschrieben werden. Auch die Hexe grenzt sich ab indem sie sich der schwarzen Magie bemächtigt und dadurch einen Zugang zur Märchenwelt hat.

Deutlich zeigt sich auch ein Unterschied bei der Analyse von Serpentina und Veronika. Veronika, deren Liebe nach dem Titel von Anselmus sehnt, findet sich schlussendlich mit dem philiströsen Leben an der Seite des neugewählten Hofrat Paulmann ab. Obwohl Veronika durch Anselmus und ihr Leid sich der Märchenwelt gewahr wird, entschliesst sie diese am Schluss zu Verneinen und „allen Satanskünsten abzuschwören“ (S. 119). Der

„Philisterbraut“ (Internet, eta01.htm, S. 4) steht Serpentina gegenüber, welcher man keinerlei philiströse Züge nachsagen kann, ausser dass sie verheiratet werden soll. Ihre magische, poetische Existenz bewirkt durch das „Zusammenspiel verschiedener Sinneseindrücke eine Transzendierung der Wirklichkeit“ (Internet, eta02.htm, S. 4).

b) Anselmus ein Philister?

Der wichtigste Charakter in Hoffmanns Geschichte ist wohl Anselmus. Er ist hin- und hergerissen zwischen dem philiströsem Dasein und der Existenz in einer romantischen Gegenwelt. Vertreter beider Ideologien versuchen jedoch den Studenten für sich zu gewinnen und im Verlaufe der Handlung zeigt Anselmus sowohl philiströs bürgerliche als auch romantisch poetische Züge.

Anselmus strebt nach einem Leben mit Wein, Weib und Gesang, was sich darin zeigt, dass er geheimer Hofrat werden möchte, Gefallen an Veronika findet und zum Archivarius geht um Geld zu verdienen. Er hat auf Grund seiner Ungeschicktheit den Platz in der Gesellschaft noch nicht richtig gefunden, was ihn auch ermöglicht beim Holunderbusch, bis wohin er sich als werter Bürgersmann sieht, unverhofft eine romantische Ader in sich zu entdecken. Beim Archivarius tritt dann er ferner richtig in Kontakt zur Märchenwelt. Hier wo er sich klar zur Gegenwelt bekennt, indem er seine Liebe zu Serpentina schwört, bekommt er den Einblick in das Phantastische durch das Erleben der abzuschreibenden Texten und avanciert somit zum romantischen Künstler.

Einen Bruch in der Entwicklung vom Studenten zum Künstler, vom Bürger zum Romantiker, wird durch die Allianz des Apfelweibs mit Veronika eingeleitet. Als Anselmus durch den magischen Metallspiegel schaut, bewirkt das in ihm „den Zustand der Selbstentfremdung und irritiert die Sicherheit seines Gefühls“ (Internet, eta05.htm, S.3). Ein weiterer Rückfall bedeutet der Tintenfleck auf dem Pergament, welcher „das Verschwinden des Paradieszaubers“ (Internet, eta04.htm, S. 2) und den „Tiefpunkt in Anselmus’ Entwicklung“ (Internet, eta04.htm, S. 2) zeigt, und sogleich „im dramatischen Höhepunkt seiner Bestrafung mündet“ (Internet, eta04, S. 2). Die Strafe aber, der Fall in die Kristallflasche, bringt ihn jedoch zur Reflexion und er sieht wie beengend das Bürgertum ist. Auf Grund dessen entscheidet er sich nun völlig für das phantastische Leben an der Seite Serpentinas.

Anselmus’ philiströse Intentionen bringen vielmehr, wenn auch nur zufällig, sein romantisches Ich ans Tageslicht und entfremden ihn von der normalen Welt. Sein Rückfall zur Philiströsität entspringt dem Zauberritual der Hexe, kann folglich nicht gegen ihn verwendet werden. Hoffmann beschreibt in „Der goldne Topf“ den Prozess der Selbstfindung eines Studenten, die Entwicklung zum Künstler. Anselmus ist somit sicher kein Philister.

c) Romantikbezug

Ein wichtiger Bezug zur Romantik stellt wahrscheinlich die anti-philitröse Haltung der gesamten Erzählung dar. Das Überwinden der Bürgerlichkeit durch Anselmus und das

Aufzeigen der Alternativen zum normalen Leben sollen wohl den Leser zum Nachdenken bringen. Jedoch lässt sich keine klare Grenze zwischen den beiden Welten ziehen, sie existieren nämlich nicht „nur unmittelbar nebeneinander, sie gehen auch immer wieder ineinander ein“ (Steinecke 1996, S. 86). Dies ist ein klarer Gegensatz zur Aufklärung, da diese zwischen Wirklichem und Phantastischem minuziös unterscheidet. Indem aber Hoffmann „die Desillusionierung seines Helden oft durch die Wahrnemung der Welt durch die Vernunft oder die „Vereinzelung“ der Sinne stattfinden lässt, konstatiert er, analog zur Abhängigkeit von Rationalität und Mythos“ (Internet, eta04, S. 1), die untrennbare Einheit von Verstand und Phantasie. Das Bürgertum wird jedoch nicht kontinuierlich negativ gewertet, jedoch oft mit Humor und Ironie gezeigt.

Der häufige Wechsel zum Ich-Erzähler, welcher eine Art Appell an den Leser ist und ihn auch ins Geschehen miteinbeziehen soll, ist ein weiterer Punkt der Romantik. Die starke Ichbezogenheit von Hoffmann, und somit der Drang nach etwas Anderem, nach etwas Speziellem, zeigt sich durch das ganze Stück hindurch. In der letzten Vigilie kommt auch das Leiden des Ichs ganz offenbar daher: Er fühlt sich „befangen in der Armseligkeit der kleinlichen Alltagslebens“ (S. 123) und der Leser, welcher durch den poetischen Meistergriff von Hoffmann in die Geschichte gelangt, fühlt geradezu diese trübe Stimmung.

Blumige Sprache, bildhafte Beschreibungen und eine Symbolsprache sind weitere Eigenschaften die der Romantik zuzuordnen sind. Die Symbolsprache wird bei der genaueren Betrachtung von begriffen wie „der goldne Topf“, das Symbol des Übergangs- und Verbindungspunkts zwischen den zwei Ebenen, oder dem metallischen Spiegel, sowie all den spiegelänlichen Gegenständen, oder das Symbol des Kristalls erkennbar. Dies zeigt wie verwoben und geheimnisvoll die Sprache ist, sie soll plötzlich nicht mehr klare Aussagen enthalten, sondern als Code und Verschönerung dienen. Änllich verhält es sich mit der blumigen Sprache. Synästhesien dürfen natürlich auch nicht fehlen: „ Blumen und Blüten dufteten um ihn her, und ihr Duft war wie herrlicher Gesang von tausend Flötenstimmen“ (S. 38).

Das Märchen im Märchen ist auch etwas romantisches. Der Atlantis-Mythos wird an verschiedenen Stellen in der Novelle erzählt und stückhaft zusammengeführt, dies verleiht natürlich die erwünschte Authentizität. Dadurch werden die Bedingungen der Wirklichkeit ausser Kraft gesetzt und „die Dikontinuität der Zeit wirkt lustig“ (Internet, eta06.htm, S. 2).

6. Schluss

Durch das Lesen von E. T. A. Hoffmanns „der goldne Topf“ verknüpft mit dem genauen Analysieren und Deuten, habe ich gelernt das die Romantik doch auch schöne Seiten an sich hat. Die Vorstellung von einer parallelen Welt, wo alles wie Poesie ist, wovon man träumen kann, ist faszinierend. Der Arbeitsauftrag hat mir aber auch praktische Fähigkeiten und Grenzen aufgezeigt. Sowohl die Schwierigkeit des Zusammenführen von Sekundärliteratur und das genaue Lesen sind dafür sicherlich gute Beispiele.

7. Literaturverzeichnis

- Hoffmann 1993: E. T. A. Hoffmann, Der goldne Topf; Philipp Reclam jun. 1993

- Internet: Annette Greif; Mythische Strukturen in E.T.A. Hoffmanns "Der goldne Topf"; http://www-public.rz.uni-duesseldorf.de/~daffert/hypertext/mythos/index.htm; 19. April 2000

- Kindler: Kindlers Literatur-Lexikon; Bd. 10, DTV

- Königs 1996: Königs Erläuterungen und Materialien; E. T. A. Hoffmann; Bange 1996

- Steinecke 1997: Hartmut Steinecke; E. T. A. Hoffmann (Literaturstudium); Philipp Reclam jun. 1997

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Details

Titel
Hoffmann, E.T.A. - Der Goldne Topf
Note
gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
6
Katalognummer
V101144
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goldene Goldne Topf E.T.A. Hoffmann Analyse
Arbeit zitieren
Daniel Pfister (Autor), 2000, Hoffmann, E.T.A. - Der Goldne Topf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101144

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