Steueroasen und Steuervermeidung. Analyse der aktuellen Entwicklungen


Bachelorarbeit, 2018

32 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Problemstellung

2 Steuerhinterziehung und Steuervermeidung
2.1 Abgrenzung von Steuerhinterziehung und Steuervermeidung
2.2 Grundlegendes Modell von Allingham und Sandmo (1972)
2.3 Grundlegendes Modell von Cross und Shaw nach Wrede (1993)
2.4 Verlagerung besteuerbaren Einkommens

3 Steueroasen
3.1 Charakteristika von Steueroasen
3.2 Definition von Offshore-Firmen
3.3 Nachfrage nach Steueroasen
3.4 Problematik von Steueroasen
3.5 Aktuelle wirtschaftliche Trends und Entwicklungen

4 Panama Papers als spezifischer Fall der Steuerhinterziehung und Steuervermeidung
4.1 Aufdeckung der Panama Papers
4.2 Abgrenzung der Panama Papers zu den Paradise Papers
4.3 Auswirkungen der Panama Papers
4.4 Ausblick: Konsequenzen für die betroffenen Personen
4.5 Datenanalyse: Wie können die vorhandenen Daten aufbereitet und genutzt werden?
4.6 Regulierung von Steuerhinterziehung und Steuervermeidung am Beispiel Panama Papers

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Von Mossack Fonseca gegründete Offshore-Firmen (Obermayer & Obermaier, 2017)

Abbildung 2: Wie sich das Leak zusammensetzt (Obermayer B. , Obermaier, Jaschensky, & Wormer, 2017)

Abkürzungsverzeichnis

ICIJ Internationales Konsortium für investigative Journalisten

OECD Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und

Entwicklung

PWC PricewaterhouseCoopers

DFS Finanzaufsicht des Bundesstaates New York

OCR Optical Character Recognition

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung

In der heutigen Ökonomie stellen Steuern einen relevanten Teil der öffentlichen Zwangsabgaben dar. Sie können als monetäre Beträge verstanden werden, die von allen Bürgerinnen und Bürgern zu leisten sind und fungieren als Haupteinnahmequelle des Staates. Zweck und Ziel der Versteuerung ist es vor allem, öffentliche Ausgaben durch den Staat zu finanzieren. Somit kann sozialer Ungleichheit, beispielsweise durch staatlich organisierte Sozialhilfeleistungen, entgegengewirkt werden. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei, dass Steuern als Zwangsaufwendungen ohne Anspruch auf Gegenleistung zu verstehen sind. Laut Abgabenordnung (§ 3 I AO) repräsentieren Steuern spezielle Geldleistungen, die zur Erzielung von Einkünften allen auferlegt werden, bei denen der Tatbestand zutrifft, an den das Gesetz die Leistungspflicht knüpft. Steuern stellen keine Gegenleistung für eine bestimmte Leistung dar.

Da Steuern schon immer eine monetäre Belastung für den Steuerpflichtigen darstellen, suchen Steuerzahler nach Möglichkeiten, die zu entrichtende Steuerlast auf legale oder illegale Art und Weise zu reduzieren. Aufgrund der fortschreitenden Globalisierung und den zunehmenden Möglichkeiten, Kapital und Einkünfte zu mobilisieren und in andere Länder zu verlagern, ergeben sich für internationale Unternehmen, sowie Privatpersonen, neue Möglichkeiten des Steuerentzuges. Häufig geschieht dies über die Nutzung sogenannter Steueroasen. Diese zeichnen sich durch geringe oder nichtexistente Steuersätze aus und bieten dem Steuerzahler das ideale Milieu für eine Reduktion der Steuerlast durch Steuerhinterziehung oder Steuervermeidung.

Aufgrund der Aktualität und der Relevanz dieses Sachverhaltes, wird das Thema „Steueroasen“, besonders im Hinblick auf den aktuellen Skandal der Panama Papers, als Kernelement dieser Arbeit hervorgehoben. Die Intention ist es, ein Verständnis für den Zusammenhang der Steuerlastreduktion mit aktuellen wirtschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen zu schaffen. Um hierfür zunächst einen grundlegenden Überblick zu kreieren, werden im ersten Teil dieser Arbeit fundamentale Konzepte und Theorien bezüglich Steuervermeidung und Steuerhinterziehung, thematisiert. Durch eine Abgrenzung beider Begrifflichkeiten voneinan- der, wird eine Verdeutlichung der wesentlichen Differenzen der beiden Subdisziplinen der Steuerumgehung beabsichtigt. Darauf aufbauend wird die Problematik und die Entwicklung von heutigen Steueroasen hervorgehoben, basierend auf der stark zunehmenden Nachfrage nach ebendiesen. In einem anschließenden Teil wird eine Konkretisierung der Erkenntnisse anhand des Steuerhinterziehungsskandals Panama Papers vorgenommen, welcher ein repräsentatives Beispiel für die Nutzung von Steueroasen durch die Verlagerung von Kapital und Einkünften ins Ausland darstellt. Wichtige Bestandteile sind hierbei: wie und durch wen die Aufdeckung der Panama-Papers stattfand, eine Analyse und Auswertung der vorhandenen Datensätze, ein Ausblick hinsichtlich der Reputationsverluste und strafrechtlichen Konsequenzen für die involvierten Personen und letzten Endes die Erläuterung von Strategien und Methoden zur Eliminierung von Steueroasen. Durch ein Fazit werden Schlussfolgerungen aus den erlangten Erkenntnissen konkretisiert.

2 Steuerhinterziehung und Steuervermeidung

2.1 Abgrenzung von Steuerhinterziehung und Steuervermei dung

Sowohl Steuerhinterziehung, als auch Steuervermeidung stellen Möglichkeiten des Steuerzahlers dar, die zu entrichtende Steuerlast zu minimieren (Slemrod & Yitzhaki, 2002). Aus Sicht des rationalen Individuums resultiert die grundlegende Motivation für eine Verminderung der Steuerlast aus der, durch Besteuerung eintretenden, Verringerung der Konsummöglichkeiten. Der homo oeconomicus versucht dem entgegenzuwirken, um eine monetäre Schlechterstellung zu umgehen und den individuellen Nutzen zu maximieren (Wrede, 1993). Der grundsätzliche Unterschied zwischen Steuerhinterziehung und Steuervermeidung manifestiert sich im erwarteten Transfer von Ressourcen an den Staat. Während der Steuerzahler im Falle der Steuervermeidung eine Nachzahlung der Steuer und eine mögliche Bestrafung umgeht, riskiert er bei Steuerhinterziehung beiderlei potenzielle Konsequenzen (Wrede, 1993).

Demnach impliziert die Missachtung der Legalität bei der Steuerhinterziehung die fundamentale Differenz zur Steuervermeidung (Slemrod & Yitzhaki, 2002).

Unter dem Begriff Steuervermeidung wird die Gesamtheit der legalen Handlungen eines Individuums verstanden, die in einer Reduktion, beziehungsweise in einer Minimierung des zu leistenden steuerlichen Betrags resultiert (Schellhorn, 2005). Wichtig ist hierbei, dass der Vorgang der Steuervermeidung auf legale Art und Weise geschieht und gegen keinerlei steuerrechtliche Gesetze verstößt (Raab, 1993). Dieser Prozess kann auch als „aktive Steuerplanung“ verstanden werden (Schmitt, 2004). Ein wesentliches Kriterium ist, dass das Finanzamt, beziehungsweise die Steuerautorität hierbei einen vollständigen Einblick in die Einkommensund Steuerverhältnisse des individuellen Steuerzahlers erhält und somit zu keinem Zeitpunkt eine Geheimhaltung seitens des Steuerzahlers eintritt. Bei der Steuervermeidung handelt es sich um eine bewusste Unterlassung der Durchführung steuerlicher Sachverhalte, beziehungsweise die Durchführung steuermindernder Sachverhalte. Demnach kann die Steuervermeidung auch als legitim tituliert werden. Trotz der fehlenden Strafbarkeit im Falle der Steuervermeidung existiert eine Vielzahl an Einzelvorschriften, die das Ziel tragen, Steuervermeidung zu unterdrücken (Schmitt, 2004).

Sowohl für Privatpersonen, als auch für Unternehmen, bieten sich unzählige Möglichkeiten zur Steuervermeidung und -hinterziehung. Die wohl prägnantesten und weitverbreitetsten Methoden sind die Nutzung von Steueroasen, mit anderen Worten die Gewinnverlagerung ins Ausland, die Nutzung von Verrechnungs- und Transferpreisen und sogenannte Substitutionsprozesse, welche die Nachfrage nach nicht-, beziehungsweise geringerversteuerten Gütern bedeuten (Overesch, 2016). Jede dieser Möglichkeiten erzielt denselben Effekt: eine Senkung des Betrags, des zu versteuernden Einkommens.

Das Kernelement dieser Arbeit wird die Steuervermeidung durch Gewinnverlagerung sein. Diese repräsentiert die totale oder partielle Vermeidung gewinnsteuerlicher Zahlungen. Oftmals geschieht dies durch die Verlagerung von Investment, Gewinnen oder Einkommen zu Offshore Partnergesellschaften im Ausland, welche sich in Regionen befinden, die sich durch keine oder geringere Steuersätze auszeichnen.

Im Gegensatz zur Steuervermeidung wird die Steuerhinterziehung durch die Präsenz von Illegalität charakterisiert. Es handelt sich hierbei um eine strafbare Form des Steuerwiderstandes. Das steuerzahlende Individuum nimmt bewusst das Risiko strafrechtlicher Konsequenzen in Kauf. Im Falle der Steuerhinterziehung verheimlicht der Steuerzahler vorsätzlich steuerliche Sachverhalte oder teilt dem Finanzamt inkorrekte Informationen bezüglich steuerlich abzugsfähiger Beträge mit, um auf illegale Art und Weise eine Steuerverkürzung zu erzielen (Franzen, 2008). Verstößt eine Handlung gegen die in der Abgabenordnung (§ 370 AO) deklarierten Kriterien, muss das steuerhinterziehende Individuum mit Geldstrafen und Freiheitsentzug von bis zu zehn Jahren rechnen (Franzen, 2008).

2.2 Grundlegendes Modell von Allingham und Sandmo (1972)

Basierend auf dem Ansatz von Becker (1968) entwickelten die Ökonomen Michael G. Allingham und Agnar Sandmo im Jahre 1972 die „ökonomische Theorie zur Steuerhinterziehung“. Diese stellt ein fundamentales und grundlegendes Konzept zur Erforschung der Steuerhinterziehung, als illegale Form der Steuerlastreduktion, dar (Allingham & Sandmo, 1972). Hierbei handelt es sich um ein vereinfachtes Grundmodell, welches den Steuerzahler als amoralischen homo oeconomicus deklariert (Franzen, 2008). Unter der Annahme, dass der Steuerpflichtige das tatsächliche Steueraufkommen kennt, während die Steuerbehörde dieses nicht gänzlich einsehen kann, kristallisiert sich als Kernelement dieser Theorie die individuelle Entscheidung des Steuerzahlers unter Unsicherheit heraus (Allingham & Sandmo, 1972). Somit wägt das Individuum die möglichen erwarteten Kosten und den möglichen Erwartungsnutzen, in Form von Erträgen der Steuerhinterziehung, gegeneinander ab. Für den Steuerzahler ergeben sich zunächst zwei alternative Strategien. Zum einen besteht die generelle Möglichkeit, dass der Steuerpflichtige sein zu deklarierendes Einkommen korrekt angibt. In diesem Fall entsprechen die steuerlich abzugspflichtigen Einkommensanteile seinem tatsächlich erzielten Brut- to-Einkommen. Als Resultat dieser Strategie kann die Absenz der Steuerhinterziehung verstanden werden. Alternativ bietet sich dem Steuerzahler jedoch auch die Möglichkeit, sein zu deklarierendes Einkommen inkorrekt anzugeben und somit weniger als sein tatsächlich erzieltes Brutto-Einkommen versteuern zu lassen. Diese Strategie impliziert Steuerhinterziehung und bringt diverse Folgen mit sich. Eine potenzielle Konsequenz der Steuerhinterziehung ist die Aufdeckung dieser illegalen Machenschaft, seitens der Steuerautoritäten. In diesem Fall zeigt sich eine deutliche Schlechterstellung des Steuerpflichtigen, verglichen mit der Ausgangssituation ohne Steuerhinterziehung. Andernfalls, sofern die Steuerhinterziehung nicht aufgedeckt wird, zeichnet sich die Situation des Steuerzahlers durch eine monetäre Besserstellung, gegenüber der Ausgangslage aus (Allingham & Sandmo, 1972). Mathematisch lässt sich dieses Verhältnis als folgende Gleichung formalisieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wobei E[U] den Erwartungsnutzen darstellt, U den Nutzen und p die Entdeckungswahrscheinlichkeit, mit der die Steuerautoritäten das tatsächliche Einkommen des Steuerzahlers aufdecken. Ein weiterer Bestandteil ist außerdem W als Variable für das Einkommen. Dieses ist exogen gegeben und dem Steuerzahler in seiner Höhe bekannt. Steuerbehörden kennen den Wert des tatsächlichen Einkommens jedoch nicht. Der Steuersatz zeichnet sich als konstante Rate aus und wird durch t symbolisiert. Neben dem deklarierten Einkommen X, stellt n das Strafmaß dar, welches stets einen höheren Wert als der Steuersatz aufweist.

Die von Allingham und Sandmo (1972) aufgestellte Gleichung verdeutlicht das Verhältnis des individuellen Nutzens, welchen der Steuerberechtigte im Falle der Aufdeckung der Steuerhinterziehung erlangt, verglichen mit dem Gegenfall, dass die Steuerhinterziehung nicht aufgedeckt wird. Der rational entscheidende Steuerpflichtige deklariert dann einen geringeren Teil seines Einkommens, wenn das Produkt aus der Aufdeckungswahrscheinlichkeit, multipliziert mit dem Strafmaß, geringer ausfällt, als der zu zahlende Steuerbetrag. Ist das besagte Produkt größer als die zu entrichtenden Steuern, wird der Steuerzahler keine Steuern hinterziehen. Steuern und Strafen verhalten sich hierbei proportional zueinander. Dies impliziert, dass risikoaverse Individuen im Gegensatz zu risikofreudigen Individuen weniger stark zu Steuerhinterziehung neigen. Ein Anstieg der Aufdeckungswahrscheinlichkeit, beziehungsweise des Strafmaßes, bewirkt einen Rückgang der Wahrscheinlichkeit zur Steuerhinterziehung. Dieses Ergebnis basiert auf einer simplen Kosten-Nutzen-Abwägung des rational agierenden Steuerzahlers.

2.3 Grundlegendes Modell von Cross und Shaw nach Wrede (1993)

Die Entwicklung des „Grundmodells der Steuervermeidung" durch die Ökonomen Shaw und Cross im Jahre 1982 ermöglichte es, eine vereinfachte Ansicht der Entscheidungssituationen und -möglichkeiten des Steuerentzugs durch Steuervermeidung zu elaborieren. Matthias Wrede (1993) stellte diese Annahmen nach Cross und Shaw (1982) wie folgt dar: der fundamentale Bestandteil des Modells ist die Ausformulierung einer Kostenfunktion der Steuervermeidung. Basierend auf den Annahmen eines gegebenen Bruttoeinkommens Y und einem, vom Staat festgelegten, Steuersatz t, ergibt sich die Kostenfunktion der Steuervermeidung 9^). Das Ziel des rational entscheidenden Steuerzahlers ist es, seinen individuellen Nutzen U(x) zu maximieren, indem er eine optimale Wahl des Steuervermeidungsanteiles e trifft. Während der Steuersatz t Werte im Intervall 0 < t < 1 annehmen kann, zeichnet sich der Steuervermeidungsanteil durch diverse Restriktionen aus: e kann demnach keine negativen Werte annehmen. Außerdem unterliegt er einer Obergrenze ë und ist deshalb auf einen Wert von maximal eins beschränkt (Wrede 1993). Der Vereinfachung halber, gehen Cross und Shaw (1982) in der Modellannahme davon aus, dass der Steuervermeidungsanteil einem Steuersatz von Null unterliegt. Aus diesen Gegebenheiten ergibt sich folgender Zusammenhang:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Konsummöglichkeiten des Steuerpflichtigen entsprechen dem Nettoeinkommen ohne Steuervermeidung, zuzüglich des Ertrages der Steuervermeidung und abzüglich der Steuervermeidungskosten. Der rational agierende Steuerzahler verfolgt als primäres Ziel, den Ausgleich von Grenzkosten 9e() und vom Grenzertrag tY der Steuervermeidung. Sobald die Grenzkosten den Grenzertrag übersteigen, wird der Steuerzahler keine Steuervermeidung initiieren. Weist der Grenzertrag jedoch einen höheren Wert, als die Grenzkosten auf, ist der Steuerpflichtige durch die Steuervermeidung bessergestellt.

Demnach ist Steuervermeidung genau dann individuell optimal für den Steuerzahler, wenn folgende Sachverhalte erfüllt sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Ausmaß der Steuervermeidung hängt maßgeblich von der Kostenstruktur, dem Steuersatz und dem, vom Steuerpflichtigen erzielten Bruttoeinkommen ab.

2.4 Verlagerung besteuerbaren Einkommens

Der Fall einer Besteuerung des Einkommens tritt dann ein, wenn eine juristische oder natürliche Person, also sowohl Privatpersonen, als auch Unternehmen, steuerpflichtige Einkünfte erzielt. Die Besteuerung unterliegt laut Hermann Peyerl (2015) einigen Kriterien, die auf eine gewisse Zuordnung der erzielten Einkünfte abzielen. Hierzu zählen die sachliche Zuordnung, die zeitliche Zuordnung, die persönliche Zuordnung und die territoriale Zuordnung. Die Verlagerung besteuerbarer Einkünfte tritt laut weitgefasster Definition dann auf, wenn mindestens eines dieser vier Kriterien beeinflusst wird. Eine engere Definition beschränkt sich hierbei jedoch nur auf die Beeinflussung der persönlichen und/oder territorialen Zuordnung (Peyerl, 2015).

Hinsichtlich der Nutzung von Steueroasen als Kernelement dieser Arbeit, ist die territoriale Zuordnung relevant. Diese bezieht sich auf das Staatsgebiet, welchem die Besteuerung zugeordnet wird. Eine Verlagerung besteuerbaren Einkommens kann demnach dann erzielt werden, wenn entweder die Betriebsstätte ins Ausland verschoben wird oder die Ausübung der ökonomischen Tätigkeit im Ausland stattfindet. Man spricht hierbei auch von einer Gewinnverlagerung (Peyerl, 2015).

In den meisten Fällen wird ökonomische Aktivität innerhalb der Landesgrenzen besteuert. Dabei ist es zunächst irrelevant, ob diese Aktivität von inländischen oder ausländischen Firmen und Arbeitern betrieben wird. Bei dieser Art der Versteuerung tritt jedoch teilweise eine Doppelbesteuerung der erzielten Einkünfte auf. Diese resultiert daher, dass sowohl das Land, in dem das Unternehmen operiert, als auch das Ursprungsland der Firma eine Besteuerung des erzielten Einkommens vornehmen. Das Investment der ausländischen Unternehmen kann anhand von zwei alternative Ansätze von der Doppelbesteuerung befreit werden.

Zum einen kann auf das „Weltweite Steuersystem“ zurückgegriffen werden, welches zwar das ausländische Einkommen besteuert, jedoch auch gewisse Kredite und Vorschüsse für gezahlte ausländische Steuern gewährt. Somit kann die heimische Steuerbelastung reduziert werden. Zum anderen kann ein sogenanntes „Territoriales Steuersystem“ genutzt werden. Hierbei werden Firmen von der heimischen Besteuerung befreit und müssen ihr im Ausland erlangtes Einkommen lediglich einfach besteuern lassen (Markle 2010). Die Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die komplette ökonomische Aktivität des Unternehmens, beziehungsweise der Privatperson, verlagert wird. Dies kann über verschiedene Wege geschehen. Zum einen ist es möglich, dass das Unternehmen, beziehungsweise die Person, ihre Ansässigkeit ändert und fortan lediglich im Ausland operiert. Andernfalls können Individuen und Firmen jedoch auch im Ausland praktizieren, ohne ihren Standort zu ändern (Peyerl, 2015).

3 Steueroasen

3.1 Charakteristika von Steueroasen

Eines der bedeutsamsten Instrumente zur Reduktion der Steuerlast, ist die Verlagerung von Gewinn oder Einkommen ins Ausland. Die auserwählten Länder werden hierbei oftmals als sogenannte „Steueroasen“ oder „Steuerparadiese“ bezeichnet, da sie sich durch geringe oder nicht-vorhandene Steuersätze auszeichnen. Unternehmen oder Privatpersonen können durch die Kapitalverlagerung in Steueroasen einen enormen Bestandteil ihrer Steuerlast einsparen. Momentan existieren etwa 40 Länder, die laut OECD-Kriterien als Steueroasen deklariert werden. Dies entspricht etwa 15 Prozent aller Länder (Dharmapala, 2008).

Neben den niedrigen Steuersätzen, charakterisieren sich Steueroasen außerdem durch vielerlei geografische Kriterien. Demnach handelt es sich bei vielen der existierenden Steueroasen um kleine Länder, mit meist weniger als einer Millionen Einwohnern (Dharmapala & Hines, 2006). Oftmals sind diese in unmittelbarer Küstennähe lokalisiert (Dharmapala, 2008). Neben einer ausgeprägten Kommunikationsinfrastruktur, zeichnen sich Steueroasen außerdem durch eine hohe politische Stabilität aus. Die Regierungsführungsqualität kann als sehr gut eingestuft werden und zeugt von wenig Korruption. Für Steuerzahler stellen diese Kriterien einen Anreiz dar, ihr Einkommen ins Ausland zu verlagern (Dharmapala & Hines, 2006). Steueroasen ermutigen Investment durch hervorragende Telekommunikation- und Transporteinrichtungen, eine gute Businessinfrastruktur und günstige rechtliche Konditionen. Diese Merkmale bilden ein ausgezeichnetes Milieu, um neue Firmen zu starten oder Gewinne zu verlagern. Die Identifizierung von Steueroasen kann außerdem mittels der Richtlinien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erfolgen. Sie definieren Steueroasen anhand folgender Kriterien: niedrige oder keine Steuersätze, ein geringes Maß an Finanzmarktregulierung, ein gut funktionierendes Bankgeheimnis, einen relativ hohen Bildungsstandard der Bevölkerung, wenig Korruption, sowie Rechtssicherheit und politische Stabilität (Farny, et al., 2015).

Laut Ronen Palan (2002) können Steueroasen anhand verschiedener Merkmale in vier Subkategorien unterschieden werden. Die erste Kategorie beschreibt demnach Länder, welche keine Einkommenssteuer aufweisen und ausländisches Einkommen lediglich mit bestimmten Lizenzgebühren besteuern. Beispiele hierfür sind die Bahamas, Bahrain oder Bermuda. Eine weitere Kategorie bilden Länder, die generell sehr geringe Steuersätze aufweisen, wie beispielsweise Liechtenstein oder die Schweiz. Länder, welche ausschließlich inländische ökonomische Aktivitäten besteuern, bilden die dritte Unterkategorie. Sie besteuern Einkommen und Gewinne ausländischer Firmen entweder gar nicht oder mit sehr geringen Steuersätzen. Dazu zählen Panama, Venezuela oder die Philippinen. Die letzte Subkategorie beschreibt Länder, wie beispielsweise Luxemburg, welche gewissen Unternehmensarten bestimmte Steuerprivilegien garantieren.

Steueroasen sind global vertreten und siedeln sich häufig in sogenannten „Clustern“ an (Christensen & Hampton, 2002). Beispielhafte Cluster sind die Karibik, mit den Steueroasen Cayman-Inseln, Bahamas oder Bermuda, der indische Ozean inklusive Mauritius und den Seychellen und der Pazifik, in welchem die CookInseln als repräsentative Steueroase lokalisiert sind.

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Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Steueroasen und Steuervermeidung. Analyse der aktuellen Entwicklungen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Jahr
2018
Seiten
32
Katalognummer
V1011464
ISBN (eBook)
9783346401908
ISBN (Buch)
9783346401915
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tax Haven Tax Avoidance Steuerhinterziehung Steuervermeidung Steueroase Panama Papers
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Steueroasen und Steuervermeidung. Analyse der aktuellen Entwicklungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011464

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