Die pädagogische Gestaltung des Schulanfangs


Seminararbeit, 1995

39 Seiten, Note: 1,3


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Inhaltsverzeichnis

Aufgabenstellung

Teil 1: Der Eintritt in die welt der Schule
Einleitung
Arthur Kern
Lotte Schenk-Danzinger
Horst Nickel
Die Problematik des “gleitenden Übergangs”

Teil 2: Interview zu Schulanfangserfahrungen
Einleitung
- Adrian: 1. Klasse
- Robert: 1. Klasse
- Leonie: 1. Klasse
- Denise: 1. Klasse
- Justine: 1. Klasse
- Judith: 2. Klasse
- Helen: 2. Klasse
Auswertung

Literatur

Die pädagogische Gestaltung des Schulanfangs

Aufgabenstellung

Teil 1: Setzen sie sich mit unterschiedlichen Auffassungen zur Gestaltung des Schulanfangs auseinander und reflektieren sie die dieser Auffassung zugrunde liegende Position über das Wesen des Kindes.

Teil 2: Interviewen sie mindestens sechs Grundschulkinder zu ihren Schulanfangserfahrungen. Werten sie diese Interviews aus und reflektieren sie ihre daraus gewonnen Erkenntnisse.

Teil 1 Der Eintritt in die Welt der Schule

Einleitung

Der Schulanfang stellt sicherlich im Leben eines jeden Kindes ein be- deutendes Ereignis dar. Das zeigt sich auch darin, daß sich viele Menschen bis ins hohe Alter noch an den Schulanfang erinnern können. Er wird von den meisten Kindern als ein bedeutsamer Einschnitt empfunden. Sie werden nun ganz neuen Problemen gegenübergestellt. Der gewohnte Tagesrhythmus ändert sich. Das lange Stillsitzen in der Schule und die geistige Beanspruchung stellen für das Kind neue Anforderungen dar, die es von nun an bewältigen muß. Die Übergangs- Schwierigkeiten müssen nun für die Kinder so niedrig wie nur möglich gehalten werden, um einen reibungslosen Übergang in die Welt der Schule zu ermöglichen. Treten zu diesem Zeitpunkt schon größere Probleme und damit verbundene negative Erlebnisse und Mißerfolge auf, können diese den ganzen weiteren Bildungsweg beeinflussen. Vor allem das Wiederholen einer Klasse entmutigt die Kinder. Oft treten später Schulunlust und Leistungsangst auf. Deshalb ist es notwendig das vorschulische und schulische Leben stärker anzugleichen.

Arthur Kern

Arthur Kern, der 1951 seine Untersuchungen zu Schullaufbahnen auf- nahm, machte er auf das Problem des "Sitzenbleiberelends" aufmerksam. Er wies nach, daß in Deutschland oft bis zu einem Drittel der Schüler einer Klasse während ihrer Schulzeit nicht versetzt wurden. Ein hoher Prozentsatz erreichte überhaupt keinen regulären Schulabschluß. Kern ging davon aus, daß die hohe Prozentzahl von Schulversagern daher kommt, daß der Entwicklungsstand dieser Kinder beim Schulanfang den schulischen Anforderungen noch nicht entsprach.

Das "Sitzenbleiberelend" war also nach Kern nicht eine Folge mangelnder Begabung, sondern die Kinder waren beim Eintritt in die Schule einfach noch nicht voll schulreif. Er stellte aus dieser Einsicht folgende These auf: "Jedes Kind, extrem schwache Begabungen ausgenommen, erreicht im Laufe seiner Entwicklung einmal die Entwicklungsphase, der jenes Leistungsgefüge zugeordnet ist, das als Voraussetzung für ein erfolgreiches Durchlaufen der Schule angesetzt werden muß. Das eine Kind kommt lediglich früher, das andere später zu diesem Entwicklungspunkt. Insofern ist die schulische Leistung primär von der Entwicklung abhängig." (Hacker 1992, S. 17)

Kern folgerte daraus, daß man mit der Einschulung warten muß, bis das Kind den geforderten Entwicklungspunkt erreicht hat. Wenn es also gelingt, die Kinder zu dem Zeitpunkt einzuschulen, an dem sie auch für den Schuleintritt "reif" sind. Dann bleibe ihnen, so Kern, das Sitzenbleiberelend erspart. Mit seinen Ideen greift Kern die Entwicklungstheorien von Oswald Kroh auf. Dieser gliederte die Jugendentwicklung in drei Hauptstufen: die frühe Kindheit, die Schulkindheit (bis zum achten Lebensjahr) und die Reifezeit. Kern interessierte sich vor allem für die Phase der Schulkindheit. Er teilt diese Stufe wiederum in drei typische Stadien ein: das Frühstadium, das Mittelstadium und das Schlußstadium. Des Kind, das sich im Frühstadium befindet ist noch unreif, was bedeutet, daß spontanes Lernen in der Schule noch nicht möglich ist. "Nur bei sehr günstigen schulischen Verhältnissen und entwicklungsgetreuen Methoden vermag es mit Mühe unter Mithilfe der Erwachsenen, ein gewisses Ziel zu erreichen." (Kern 1951, S. 71) Das Kind im Mittelstadium lernt schon einiges von selbst, braucht aber immer noch oft die Hilfe der Erwachsenen. "Das Kind des Spätstadiums ist so reif, daß ihm bei geeignetem Unterrichtsverfahren der Erwerb der Bildungsgüter nahezu in den Schoß fällt, es lernt von selbst, also mit dem höchsten Grad von Spontaneität." (Kern 1951, S. 71) Kern ging damals von einem Entwicklungsverständnis aus, das wir heute nicht mehr teilen können. Er nahm an, daß Reifungsvorgänge im Organismus die entscheidende Voraussetzung für die Schulreife darstellen. Das Kind durchläuft also in einer festgelegten Reihenfolge bestimmte Entwicklungsstufen. Es wurde außerdem angenommen, daß das Durchlaufen der einzelnen Phasen nicht durch gezielte äußere Eingriffe in Form von Lernangeboten beschleunigt werden kann, denn man nahm an, daß verfrühte Anforderungen schädlich seien und eine gesunde Entwicklung stören würden. Nach dem Stufenmodell von Kern soll das Kind erst nach dem sechsten Lebensjahr einen Reifestand erreichen, der es zur erfolgreichen Bewältigung schulischer Anforderungen befähigt. Wenn also Schulversagen weitgehend davon abhängt, daß die Kinder zu früh eingeschult wurden, war es notwendig, vor Schuleintritt den Reifestand der Kinder festzustellen. Kern entwickelte 1950 einen Schulreifetest. Das wichtigste Kriterium hierfür war für ihn die visuelle Gliederungsfähigkeit, die auch in mehreren Aufgaben geprüft wurde.

Die durch die Tests ermittelten noch nicht schulreifen Kinder sollten zurückgestellt werden, damit ihre etwas langsamere Entwicklung ohne störende Einflüsse von außen voranschreiten könnte.

Kerns Thesen gaben 1955 den Anstoß dafür, daß durch das Kultusministerium das Mindestalter für die Einschulung heraufgesetzt wurde. Viele Psychologen warnten allerdings schon damals vor solchen Maß- nahmen. Statt dessen empfahlen sie eine unterschiedliche Behandlung der einzelnen Schulanfänger gemäß ihrem Entwicklungsstand. Die folgenden Jahre zeigten außerdem, daß das Anheben des Einschulungsalters die Zahl der Schulversager nur unwesentlich beeinflußt hatte. Deshalb wurde im Jahr 1968 das Einschulungsalter wieder auf den früheren Stand herabgesetzt. Man erkannte außerdem das eine gezielte Förderung der Kinder noch vor dem Schuleintritt - z. B. in Schulkindergärten oder Vorklassen - sehr wirkungsvoll sein kann. Mann verlagerte also die Aufmerksamkeit auf die Frühförderung bzw. auf die Vorschulerziehung. Allerdings griffen solche Maßnahmen nur unwesentlich in die innere Struktur der Schule oder in die Gestaltung der Lernprozesse selbst ein. Die vorschulischen Fördermaßnahmen liefen außerdem nicht selten Gefahr, sich zu sehr an den schulischen Lernformen zu orientieren und damit der Schule vorzugreifen.

Im Verlauf der sechziger Jahre wurde dann schließlich das bisherige Reifungskonzept aufgegeben. Man verstand nun unter Schulreife eine Fähigkeit, die man durch entsprechende Lernvorgänge erwerben konnte. Es erfolgte somit also ein grundlegender Wechsel. Man er- kannte, daß Umweltanregungen und Lernvorgänge schon im frühesten Kindesalter die Entwicklung grundlegend beeinflussen können. Außerdem wurde ein engen Zusammenhang nachgewiesen zwischen der visuellen Gliederungsfähigkeit und der allgemeinen Leistungsfähigkeit oder Begabung. Der Begriff Schulreife wurde nun durch den Begriff der Schulfähigkeit ersetzt. Die nun neu entwickelten Schuleingangstests legten mehr Wert auf die Messung grundlegender Fähigkeiten, die als Voraussetzung des Schulerfolgs galten. Allerdings wurden hier hauptsächlich geistige Leistungen erfaßt und andere Persönlichkeitsfaktoren blieben unberücksichtigt. Solche Faktoren sind zum Beispiel die Arbeitshaltung und das Sozialverhalten.

Diesen Punkt betonte vor allem auch Lotte Schenk-Danzinger. Sie stellte deshalb auch dem Begriff der Schulfähigkeit den der Schulbereitschaft zur Seite.

Lotte Schenk-Danzinger

Lotte Schenk-Danzinger betonte auch wie sehr negative Erfahrungen mit der Schule die Freude am Lernen dämpfen oder sogar zerstören können. Auch das Selbstbewußtsein kann dadurch sehr beeinträchtigt werden. Deshalb soll es das Ziel jeder Schule sein, den Lerneifer der Kinder zu fördern und dadurch auch das Selbstbewußtsein zu steigern.

Auch widerspricht sie der in den zwanziger Jahren bestehenden Meinung, daß ein bestimmter körperlicher Entwicklungsstand die Schulreife anzeigt. Man setzte zu der damaligen Zeit die erreichte sogenannte Schulkindform im Körperlichen gleich mit psychischer Schulreife. Als Kennzeichen dafür betrachtete man den Proportionswandel beim Kind. Dieser Proportionswandel geht von den typischen Körperformen des Kleinkindes aus. Nach der "ersten Streckung" verschwinden diese Formen und ein deutliches Längenwachstum setzt ein. Dieser Proportionswandel fiel meist mit dem Schuleintritt zusammen.

Man glaubte nun an einen festen Zusammenhang zwischen der erreichten Schulkindform und der erreichten Schulreife zu erkennen. Da der Proportionswandel aber schon zwischen vier und fünf Jahren beobachtet werden kann, hat er keinen Zusammenhang mehr mit der Schulreife. SchenkDanzinger weist darauf hin, daß der einzige somatische Anhaltspunkt für die Schulfähigkeit der Zahnwechsel ist. Sie betont aber auch, daß nicht jedes Kind, das den Zahnwechsel hinter sich hat oder die Schulform erreicht hat, gleichzeitig auch schulfähig ist. "Wenn man von Extremfällen absieht, sind somatische Hinweise heute für die Beurteilung der Schulfähigkeit nicht wesentlich. Die psychologischen Entwicklungsfaktoren stehen im Vordergrund." (Schenk-Danzinger 1993, S. 28)

Nach Schenk-Danzinger läßt sich der Begriff der Schulfähigkeit nicht ganz eindeutig definieren, weil Schulfähigkeit immer auf ein bestimmtes Schulsystem oder eine bestimmte Schule bezogen ist. Die Anforderungen die an das Kind gestellt werden können von Schule zu Schule oder auch von Lehrer zu Lehrer sehr unterschiedlich sein. Deshalb gibt es keine verbindlichen Maßstäbe, an welchen man die Schulfähigkeit eines Kindes messen könnte. Der Erfolg eines Kindes in den ersten Schuljahren hängt also von verschiedenen Bedingungen ab. Das sind zum einen die Fähigkeiten, die das Kind beim Schuleintritt besitzt, die Gestaltung des Unterrichts oder auch die Lehrer-Kind-Beziehung.

Lotte Schenk-Danzinger betont, daß das schulfähige Kind schon fähig sein muß gewisse Leistungen zu erbringen. Diese Leistungen sind aber nicht nur auf den kognitiven Bereich begrenzt, sondern sie beziehen auch die Arbeitshaltung, die Motivation und soziale Einordnungsbereitschaft mit ein. "Schulfähigkeit bedeutet, daß ein Entwicklungsstand erreicht wurde, der es dem Kind ermöglicht, nicht nur die Kulturtechniken (Rechnen, Lesen und Schreiben) als solche zu erlernen, sondern diesen Lernprozeß im Rahmen einer Gruppe zu vollziehen." (Schenk-Danzinger 1993, S.30)

Schenk-Danzinger gliedert die Merkmale der Schulfähigkeit in drei Bereiche auf.

1. Voraussetzungen im kognitiven Bereich

"Im kognitiven Bereich erwartet man von einem schulfähigen Kind all- gemein, daß es eine realistische Zuwendung zur Umwelt hat, daß Regelbewußtsein und Ansätze zu kausalem und begrifflichem Denken bestehen, daß die Auffassung differenzierend ist (Gliederungsfähigkeit vi sueller und akustischer Gestalten und Entnahmefähigkeit)." (Schenk-Danzinger, 1993 S. 32)

Kinder, die das schulfähige Alter erreichen, nähern sich immer mehr einer realistischen Weltauffassung. Sie haben das Bedürfnis Regeln zu entdecken. Nach diesen Regeln können sie nun Dinge und Ereignisse zusammenfassen und sie sind in der Lage diese besser zu verstehen.

Ein erfahrungsorientiertes kausales und begriffliches Denken setzt nun ein. Dieser Vorgang wird durch das vorher erworbene Regelbewußtsein möglich. Allmählich nimmt das Kind nun auch die konkreten Gegebenheiten der Umwelt zur Kenntnis. Das Kind läßt somit eine Phase hinter sich, in der es oft reale Gegebenheiten nicht in seine Betrachtungen mit einbezogen hat.

Schon Vierjährigen gelingt es sehr gut Wahrnehmungsobjekte teilinhaltlich zu erfassen. Erst mit dem siebten Lebensjahr ist es dem Kind möglich akustische Gestalten der Wörter zu zergliedern. Was bedeutet, sie können die einzelnen Laute heraushören und unterscheiden. Sie sind außerdem fähig ein Wort als ein "Ding an sich" zu begreifen. Sie können erkennen, daß man es in seine Bestandteile zerlegen und auch aus diesen Bestandteilen wieder zusammenfügen kann.

Für den Erfolg in der Schule ist auch der sprachliche Entwicklungsstand sehr wichtig.

2. Voraussetzungen im Bereich der Motivation und der emotionalen Entwicklung

Schulkinder sind bereits in der Lage fremdgestellte Aufgaben zu übernehmen. Sie müssen imstande sein längere Zeit stillzusitzen, also ihren Bewegungsdrang zu unterdrücken. Dies und viele andere Anforderungen, die in der Schule an sie gestellt werden, setzen voraus, daß sie bis zu einem gewissen Grad auf ihre Wünsche und Bedürfnisse verzichten und diese auf einen anderen Zeitpunkt verschieben können. Schenk-Danzinger spricht hier von Triebverzicht und Triebhemmung.

3. Voraussetzungen im Bereich des Sozialverhaltens

Schenk-Danzinger meint, daß es Kinder, die einen Kindergarten besucht haben, leichter haben sich in die Klassengemeinschaft einzugliedern, weil schon im Kindergarten soziale Verhaltensweisen eingeübt wurden. Als wichtige Voraussetzung für die Entwicklung des Sozialverhaltens nennt sie genügend emotionale Zuwendung und ausreichend viel Spielraum für die Entfaltung der Selbständigkeit des Kindes.

Wie schon erwähnt unterscheidet Schenk-Danzinger zwischen Schulfähigkeit und Schulbereitschaft. Nach ihr ist Schulfähigkeit an bestimmten Leistungen erkennbar, zu denen das Kind beim Eintritt in die Schule fähig ist.

Schulbereitschaft bezeichnet sie als eine subjektive Komponente und auch sie ist sehr bedeutend für den Erfolg in den ersten Schuljahren.

Die Schulbereitschaft umfaßt die Gefühle, Einstellungen, Interessen und Haltungen des Kindes der Schule gegenüber.

"Schulbereitschaft ist dann gegeben, wenn ein Kind die Lernmöglichkeiten, die im Vorschulalter angeboten werden, erschöpft hat und es in seiner geistigen Auseinandersetzung mit der Welt an einem Punkt angelangt ist, an dem es nach neuen Ordnungsprinzipien verlangt, die es selbst nicht mehr gewinnen kann." (Schenk-Danzinger 1993, S. 33) Diesen Punkt, mit dem hier die Schulbereitschaft erklärt wird, findet man bereits als Merkmal der Schulfähigkeit bei den Voraussetzungen im kognitiven Bereich. Schenk- Danzinger beschreibt den Begriff der Schulbereitschaft aber noch weiter. Sie geht nun noch auf die soziale Komponente dieses Begriffes ein. Die soziale Komponente ist erfüllt, wenn das Kind die emotionale Ablösung von der Familie, besonders von der Mutter, so weit vollzogen hat, daß das Kind ein Bedürfnis nach aktiver Teilnahme an der Gemeinschaft Gleichaltriger hat. Schenk-Danzinger erklärt, daß die häufigsten Fälle von Schulversagen oft auf eine Diskrepanz zwischen Schulbereitschaft und Schulfähigkeit zurückzuführen sind. Den Begriff der Schulbereitschaft definiert sie wie folgt: "Schulbereitschaft entspricht dem Wunsch des Kindes, in einem neuen Rahmen, dem der Schule, geistige Ordnungsprinzipien zu ent- decken, die ihm selbst nicht direkt zugänglich sind, und in der Gruppe mitzumachen, zum Rollenträger zu werden." (Schenk-Danzinger 1993, S. 34) Eine Unfähigkeit sich in die Gruppe einzuordnen oder sich mit gesellschaftlichen Aufgaben auseinanderzusetzen, weisen somit auf Mängel in der Schulbereitschaft hin. Diese Mängel beruhen oft auf Milieuschäden.

Schulfähigkeit beschreibt Schenk-Danzinger als einen sehr relativen Begriff, der nicht auf alle Kinder gleich angewandt werden kann. Die Schulfähigkeit muß daher bei jedem Kind ganz individuell beurteilt werden, was aber in der Praxis viele Schwierigkeiten mit sich bringt. Auf die Beurteilung der Schulfähigkeit haben besondere Faktoren Einfluß. Das sind zum Beispiel der Führungsstil des Lehrers, die Stoffanordnung in der Schule, die Lernvergangenheit des Kindes und das Milieu, in dem es aufgewachsen ist.

Die Ausführungen von Lotte Schenk-Danzinger zeigen, daß die Leistungen, welche die Kinder in den Einschulungstests erbringen, sehr stark von der gesamten Umweltsituation abhängen, der das Kind ausgesetzt ist. Im Laufe der ersten Schuljahre, so betont Horst Nickel, vergrößern sich häufig noch die Unterschiede zwischen den Kindern aus günstigen und ungünstigen Umweltbedingungen. Diese Erkenntnisse lenkten die Aufmerksamkeit immer stärker auf die Bedeutung der Umweltbedingungen und auf die Anforderungen, welche die Schulen an die Kinder stellen, bei der Bestimmung der Schulreife oder der Schulfähigkeit.

Ein grundlegender Neuansatz zur Lösung des Problems der Schulreife kam seit Mitte der siebziger Jahre auf. Zu dieser Zeit fand die ökologische Perspektive zur Bestimmung der Schulreife in der Entwicklungspsychologie und später auch in der Pädagogik immer mehr Beachtung.

Horst Nickel

Horst Nickel bezeichnet den Schuleintritt als eine ökologisch-gesellschaftliche Übergangssituation. Er beschreibt den ihn als einen Übergang von einem Lebensbereich in einen anderen. Der Schuleintritt oder auch später der Eintritt ins Berufsleben werden von ihm als ökologische bzw. gesellschaftlich bedingte Übergänge verstanden. Für die weitere Entwicklung eines Menschen kommen diesen Übergängen eine ganz besondere Bedeutung zu. "Sie bilden eine Art Weichenstellung in zweifacher Hinsicht: Einerseits können durch Konfrontation mit neuen Lebensbedingungen bereits vorhandene Entwicklungsimpulse gefördert und neue geweckt werden. [...] Andererseits kann auch eine krisenhafte Entwicklung ausgelöst werden mit all ihren negativen Konsequenzen." (Nickel 1991, S. 211) Die Entwicklung eines Schulanfängers kann demnach auch positiv oder negativ weiterverlaufen. Das kann ganz von den Anforderungen abhängen, die nun an das Kind gestellt werden. Sind diese Anforderungen so gesetzt, daß das Kind diese meistern kann, stärkt dies die Leistungsbereitschaft des Kindes und es erreicht einen deutlichen Entwicklungsfortschritt. Wenn andererseits die Anforderungen an das Kind viel zu hoch sind, kann auch eine krisenhafte Entwicklung durch diese Überforderung ausgelöst werden.

Die schulischen Anforderungen können aber von Land zu Land oder von Schule zu Schule sehr unterschiedlich sein. Wenn sich nun die schulischen Anforderungen verändern, ändert sich auch die Zahl der nicht schulreifen Kinder. Wenn die Schule ihre Anforderungen den jeweiligen Lernvoraussetzungen der einzelnen Schüler anpassen würde, müßte der Anteil der nicht schulreifen Kinder deutlich sinken. Wenn die schulischen Anforderungen dagegen stark erhöht werden, müßte genau das Gegenteil eintreten. Die Zahl der Schulversager würde rapide ansteigen. Nach Nickel wäre die gleiche Wirkung zu erwarten, wenn es zu einer drastischen Verschlechterung der Entwicklungsbedingungen bzw., der bisherigen Lernumwelt kommen würde. "Das Problem der Schul- reife ergibt sich also aus den Wechselwirkungen zwischen schulischen Anforderungen einerseits und individuellen Lernvoraussetzungen andererseits." (Nickel 1991, S. 212) Die schulischen Anforderungen und die individuellen Lernvoraussetzungen werden aber nun auch durch verschiedene Faktoren beeinflußt. Diese ökologischen bzw. gesellschaftlichen Faktoren sind zum Beispiel: die besonderen Lebensumstände und Anregungsbedingungen in der Familie, die pädagogische und sozial- ökologische Situation in den Vorschuleinrichtungen und in den Schulen sowie auch die gesamtgesellschaftliche Situation. Diese Faktoren stehen nach Nickel einerseits untereinander in enger Wechselbeziehung, wie auch andererseits mit den schulischen Anforderungen und den individuellen Lernvoraussetzungen. Diese Zusammenhänge wurden von Nickel in einem ökologischen Schulreifemodell veranschaulicht.

Dieses Modell umfaßt vier Teilkomponenten, die sich ständig wechselseitig beeinflussen.

1. Die Schule mit ihren spezifischen Anforderungen und Lernbedingungen

Bei den schulischen Anforderungen müssen nach Nickel drei Aspekte besonders berücksichtigt werden. Diese sind das Schulsystem, allgemeine schulische Anforderungen und die speziellen Unterrichtsbedingungen.

1.1 Das Schulsystem

Hierbei ist es wichtig zu hinterfragen, welchen Stellenwert die Primar- stufe im Gesamtsystem einnimmt. So kann sie zum Beispiel nur als vorbereitende Stufe für die spätere Schullaufbahn der Kinder verstanden werden, oder man betrachtet sie als eine ganz eigenständige Einrichtung. Außerdem ist zu beachten in welcher Verbindung die Primarstufe mit vorschulischen Einrichtungen steht. Daraus ist dann ersichtlich, inwieweit den Kindern ein problemloser Übergang in das Schulleben ermöglicht wird. Weiterhin ist das Schulsystem eng mit der gesamtgesellschaftlichen Situation verflochten. Da es die Gesamtheit aller Bildungseinrichtungen einer Gesellschaft darstellt, wird die Höhe schulischer Anforderungen von ihm bestimmt.

1.2 Allgemeine schulische Anforderungen

"Neben der Art des Schulsystems bestimmen die allgemeinen schulischen Anforderungen ganz wesentlich die Höhe der Schwelle, die bei Schuleintritt zu überwinden ist." (Nickel 1991, S. 214)

Diese allgemeinen schulischen Anforderungen sind in den Lehrplänen und Richtlinien festgelegt. Außerdem werden durch sie Unterrichtsgestaltung, Leistungsbeurteilungen und die Versetzungspraxis geregelt.

1.3 Spezielle Unterrichtsbedingungen

"Darunter ist die Art und Weise zu verstehen, wie jene allgemeinen schulischen Anforderungen in einer bestimmten Schule bzw. Anfängerklasse in konkreten Unterricht umgesetzt werden." (Nickel 1991, S. 215) Hierzu zählen der Unterrichtsstil des Lehrers, die Organisation des Lernens und die Gestaltung der Lernbedingungen.

2. Der Schüler mit seinen besonderen Lernvoraussetzungen in körperlicher und geistig-seelischer Hinsicht

2.1 Körperliche Voraussetzungen

Es gibt verschiede körperliche Voraussetzungen, die für eine erfolgreiche Bewältigung des Übergangs in die Schule wichtig sind. Man sollte allerdings nicht aus dem Stand der körperlichen Entwicklung genaue Rückschlüsse auf die psychischen Voraussetzungen zum Schulbesuch ziehen. Eine wichtige Rolle bei den körperlichen Voraussetzungen spielen die Entwicklung von Skelett und Muskulatur, die Funktion der Sinnesorgane sowie auch die Entwicklung des Nervensystems.

2.2 Psychische Voraussetzungen

Nickel führt hier drei Aspekte auf, die als Voraussetzung für eine erfolgreiche Einschulung wichtig sind.

Geistige Voraussetzungen:

- eine realistische Einstellung zur Umwelt
- die Fähigkeit zur Durchgliederung
- analytische Auffassung von Wahrnehmungsinhalten
- auditive und visuelle Gliederungsfähigkeit
- Fähigkeit zur sachgerechten Erfassung und Beurteilung einfacher Mengenverhältnisse und Größenbeziehungen
- Symbolverständnis zweiter Ordnung (Schriftzeichen als Symbole für Sprache, die ihrerseits Symbole für Gegenstände sind)
- ein bestimmter sprachlicher Entwicklungsstand muß erreicht worden sein

Motivationelle Voraussetzungen:

- Anstrengungsbereitschaft und Ausdauer
- Fähigkeit zur Aufmerksamkeit und zur angemessenen Selbststeuerung

Soziale Voraussetzungen:

- Fähigkeit sich in eine Gruppe Gleichaltriger einordnen zu können
- in der Lage sein, die eigenen Wünsche hinter den Zielen der Gruppe zurückzustellen
- in der Lage sein, sich von der bisherigen engen Bindung an seine familiäre Bezugspersonen zu lösen
- in der Lage sein, Beziehungen zu Gleichaltrigen und zu Erwachsenen aufzubauen

3. Die Ökologie im Sinne der häuslichen, vorschulischen und schulischen Lernumwelt

3.1 Familiäre Ökologie

Hierzu gehören die sozioökonomische Situation der Familie, Wohnverhältnisse, Zahl und Position der Geschwister, Anregungsgehalt der Umgebung, Art und Umfang sozialer Kontakte sowie besonders das Zuwendungsverhalten der Bezugspersonen. Diese Einzelfaktoren können sich fördernd oder auch hemmend auf die Bewältigung schulischer Anforderungen auswirken.

3.2 Vorschulische Ökologie

Hier geht es vor allem darum, wie gut sich das Kind in die Struktur einer Vorschuleinrichtung oder eines Kindergartens eingefügt hat. Weiterhin sind dabei auch die Art der materiellen und personellen Ausstattung dieser Einrichtung, das Verhalten der Erzieher und die von ihnen ausgehenden Lernanregungen zu beachten.

3.3 Schulische Ökologie

"Die schulische Ökologie schließlich umfaßt sowohl die materielle und personelle Ausstattung der Schule als auch ihre sozialen Bedingungen und vor allem ihre pädagogische Atmosphäre." (Nickel 1991, S. 220)

So spielen zum Beispiel die Verfügbarkeit von Lern- und Übungsmaterial oder von Arbeitsräumen für Arbeitsgruppen eine wichtige Rolle. Zur Ausstattung der Schule gehört aber auch die Gestaltung des Schulgebäudes oder die Art der Einrichtung. Diese sollten vor allem den kindlichen Bedürfnissen entsprechen.

Die bisher erläuterten Teilkomponenten Schule, Schüler und Ökologie können nur auf dem Hintergrund der jeweiligen gesamtgesellschaftlichen Situation verstanden werden, welche die vierte Teilkomponente darstellt. Zu ihr gehören die allgemein anerkannten Wertvorstellungen, die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen und die in einer Gesell- schaft vorherrschenden Einstellungen zum Leistungsverhalten.

Nickel betont außerdem, daß es in den drei ökologischen Bereichen Familie, Vorschule und Schule besonderes darauf ankommt, inwieweit sie sich gegenseitig unterstützen. "So ist es besonders wichtig, ob zwischen vorschulischer und schulischer Lernumwelt eine große Kluft besteht oder ein gleitender Übergang möglich ist. [...] Nur bei einem Zusammenwirken aller drei Bereiche ist ein bruchloser Übergang möglich." (Nickel 1991, S. 220)

Die Problematik des "gleitenden Übergangs"

Die eben erwähnte Problematik des "gleitenden Übergangs" entstand aus der Überlegung einen reibungslosen Übergang von der Vorschul- und Kindergartenzeit in die Schule zu ermöglichen. Es entstanden Forderungen nach einer Reduktion des Schulcharakters, um den Schulanfängern den Eintritt in das Schulleben zu erleichtern. Es gab hierzu Vorschläge nach denen zum Beispiel Formen aus den bisher vertrauten Bereichen der Familie oder des Kindergartens in die Schule übernommen werden sollten, um den Übergang "gleitend" zu gestalten.

Ein gleitender Übergang bedeutet so, daß der Kindergarten die Fünfjährigen auf schulisches Lernen vorbereitet und schulorientierte Beanspruchungen aufnimmt. Der Lehrer des ersten Schuljahres wiederum greift Formen und Inhalte des Kindergartens auf.

Es wird hier also versucht die Eingangsstufe auf zwei Institutionen zu verteilen und daraus einen gleitenden Übergang zu konstruieren. Daraus lassen sich aber schon einige Probleme ableiten. Der Kindergarten nimmt in der Vorbereitung auf die Schule schon einen Teil der Schule vorweg. Die Schule wiederum greift auf den Kindergarten zurück. Sie müßte allerdings den Schulanfängern die Möglichkeit geben bewußtes und Zielstrebiges Lernen zu erfahren, so daß die Sechsjährigen daran Spaß haben und nicht damit überfordert werden. Das Problem liegt also auch ( nach H. Hacker) in einer angemessenen Vorschularbeit, die Schule nicht vorwegnimmt, aber entwicklungsgemäß darauf vorbereitet. Nach H. Gardner soll das Lernen in der Vorschulzeit anwendungs- und sachbezogen orientiert sein. "... es dient bestimmten Zwecken und steht im Kontext bestimmter Funktionen: der Kommunikation, des Spiels, der Unterhaltung oder lebensweltlicher Problemlösung." (In: H. Hacker 1999)

Die Vorwegnahme von schulischen Inhalten und Lernweisen ist außerdem nicht gut, weil die Schule dann ihrerseits unangemessene Erwartungen und Anforderungen an die Schulanfänger stellt.

Nach Ilse Lichtenstein-Rother gehört es zu den zentralen Aufgaben der Schule eine Lern- und Arbeitshaltung erst aufzubauen und zu vermitteln. Außerdem darf Schule nicht von einem "Normkind" ausgehen, sondern muß auf individuelle Unterschiede eingehen. Als Fazit kann man also zur Problematik des gleitenden Übergangs sagen, daß der gleitende Übergang nicht zur Verschulung des Kindergartens und nicht zum Verspielen des Lernens in der Schule führen darf. Um das zu verhindern ist eine Kooperation der Instanzen Schule und Kindergarten notwendig, um den Übergang zu organisieren.

Die Schule und die Lehrer müssen darüber informiert sein, wie die Vorschulerziehung in den Kindergärten genau aussieht. Es können so im Gespräch beider Instanzen Absprachen getroffen werden, was und im welchen Maße in die Vorschulerziehung einbezogen werden kann und muß. Erst dann kann sich Schule auf Vorerfahrungen der Kinder aus der Vorschulzeit stützen und gezielt darauf aufbauen. Sie muß also im Unterricht nicht erst den Schritt zurück in den Kindergarten gehen, sondern kann kindgemäß Lernerfahrungen vermitteln. Es geht dann nicht mehr unbedingt um einen gleitenden Übergang, sondern um Fortsetzung und Weiterführung. Meiner Meinung nach sollte Schule nicht zum Kindergarten für Sechs- und Siebenjährige werden. Formen und Inhalte des Kindergartens sollten nicht unbedingt in die Schule "mitgenommen" werden. Vielmehr muß die Schule auf Erfahrungen aus der Vorschulzeit der Kinder aufbauen, was natürlich nur durch eine gute Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Schule möglich ist. Die Schulanfänger sollten deutlich erfahren, daß nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Sie sollen erfahren, daß nun auch etwas mehr erwartet wird, indem sie langsam und schrittweise an das Schülersein gewöhnt werden.

Teil 2 Interview zu Schulanfangserfahrungen

Einleitung des Interviews:

Ich bin heute hier, weil es mich interessiert, was du noch alles von deiner Schuleinführung weißt. Erzähle mir bitte von der Zeit im Kindergarten kurz vor der Einschulung, dem Tag der Einschulung selbst und von den ersten Schultagen. An was kannst du dich noch erinnern?

Ich habe das Interview mit dieser Einleitung begonnen, und die Kinder nun selbsterzählen lassen. An Stellen, wo es sich anbot, habe ich weitere zusätzliche Fragen gestellt. Diese Fragen orientierten sich an folgenden Punkten:

1. Familieres Umfeld:

Wohnort; Familie; Geschwister

2. Vorfeld:

Erwartungen; Gefühle (Angst, Vorfreude, ...); Vorbereitung auf die Schule im Kindergarten und zu Hause Schuluntersuchung

3. Schule:

Schulort; Schulweg; Klassenraum; Lehrerin/Lehrer; Schulhort

4. Einschulung:

Kleidung; Frisur; Zuckertüte; Geschenke; Schulranzen; Feier (in der Schule und zu Hause); besondere Ereignisse; Einschätzung der Einschulung

5. Die ersten Schultage:

Tätigkeiten im Unterricht und Pause; die erste Hausaufgabe; soziale Kontakte; Reflexion auf Erwartungshaltung

Am Ende des Interviews stellte ich jedem Kind noch folgende weitere Fragen:

Wie gefällt dir heute die Schule?

Welche Fächer machst du besonders gern?

Was würdest du dir wünschen, damit die Schule noch mehr Spaß macht?

Adrian: 1. Klasse

Ich besuchte hier in Bad Langensalza einen Kindergarten. Dort habe wir manchmal auch schon für die Schule geübt. Geschrieben haben wir zwar noch nicht, aber gerechnet. Außerdem haben wir dort schon viel gebastelt und gemalt. In der letzten Woche im Kindergarten haben wir ein kleines Abschiedsfest für die Schulanfänger gefeiert. Als das zu Ende war, sind wir am nächsten Tag noch mal in den Kindergarten gekommen. Mein Freund und mein anderer Freund sind heute leider in einer anderen Schule als ich. Den Kindergarten habe ich seitdem nicht mehr gesehen, aber meinen Freund würde ich gerne mal wiedersehen. In der Zeit, als ich noch den Kindergarten besuchte, mußten wir auch zu einer Schuluntersuchung. Genau kann ich mich daran nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, daß sie mit so einem kalten Ding meinen Herzschlag abgehört haben. Erst war mein Freund dran, den ich jetzt auch noch kenne, aber wir streiten uns meistens. Zur Schuluntersuchung habe ich noch ein Mädchen aus unserem Kindergarten gesehen, aber sie ist jetzt auch nicht mehr bei uns. Ich habe an diesem Tag auch das letzte Mal meinen anderen Freund gesehen, der jetzt in Thamsbrück wohnt.

Eingeschult wurde ich im September 1998. Ich kann mich daran erinnern, daß wir als erstes in den Klassenraum gegangen sind. Dort hat uns unsere Lehrerin Frau Mühlbach belehrt. Sie sagte uns, was wir hier in der Schule alles lernen. Mehr weiß ich von der Belehrung nicht mehr. Danach sind wir alle rausgegangen und haben alle unsere Eltern gesehen. Meine Eltern sind beide mitgekommen, außerdem noch meine Oma und Opa. Die Zuckertüte hat mir dann meine Mutti überreicht. Alle Kinder sind dann mit einer Kutsche ins Kulturhaus gefahren. Die Eltern sind auch dahin gekommen. Was wir im Kulturhaus gemacht haben, weiß ich auch nicht mehr. Meine Eltern und ich sind dann nach Hause gefahren und haben dort mit den Verwandten gefeiert. Wir haben unten im Haus noch einen Laden und die Erwachsenen waren dort. Ich habe von den Verwandten noch Geschenke bekommen, zum Beispiel eine Uhr und ein Auto. In der Zuckertüte waren auch noch Spielsachen, meine Schuldidlmaus und eine kleine Miniwelt. Außerdem haben ich noch Anziehsachen und Schuhe bekommen.

Mein Freund und ich haben oben ein bißchen fern gesehen. Mein älterer Bruder war mit unserem Cousin und ein paar anderen Freunden in seinem Zimmer. Mein Freund und ich haben immer den Ball vor die Tür geworfen, damit sie rauskommen und uns jagen. Aber mein Cousin sagte dann, daß wir aufhören sollten und wir haben dann weiter Fernsehen geguckt. Dann ist mein Freund nach Hause gegangen, und ich mußte ins Bett.

Am ersten Schultag war ich ganz schön aufgeregt, aber Angst hatte ich keine. Viele Kinder kannte ich ja auch schon aus meinem Kindergarten. In den ersten Schultagen haben wir schon was geschrieben, aber nur den Hochstrich vom " i ". Dann haben wir das ganze " i " geschrieben. In Mathe haben wir erst nur bis zur 5 gerechnet, aber jetzt rechnen wir schon bis zur 20. Jetzt sind es auch nur noch zwei Monate, dann bin ich aus der ersten Klasse raus und komme schon in die zweite Klasse.

Meinen Schulranzen durfte ich mir nicht selber aussuchen. Meine Oma hat ihn mir geschenkt, aber er gefällt mir trotzdem. Ich hätte zwar lieber einen Rucksack gewollt, aber ich bekomme noch einen. Meistens haben wir ziemlich viel zu tragen, aber nur wenn wir Hausaufgaben aufhaben. Sonst kann ich meine Bücher in der Schule lassen. Ich muß dann nur die Bücher und Hefte mitnehmen, wo wir drin geschrieben haben, damit die Eltern unterschreiben können.

Ich wohne zwar in Bad Langensalza, muß aber trotzdem weit zur Schule laufen. Manchmal gehe ich auch mit meinem Freund. Früher sind wir immer von seine Schwester zur Schule gebracht worden, aber die ist jetzt schon aus der Schule raus. Außerdem können wir jetzt schon alleine den langen Weg gehen.

Nach der Schule bin ich immer noch bis 16 Uhr im Schulhort, dann muß ich nach Hause gehen. Freitags bin ich aber nur bis 14.30 Uhr dort. Im Schulhort esse ich auch Mittag. Danach machen wir mit unserer Hortnerin im Klassenraum Hausaufgaben. Im Hortraum können wir dann malen, basteln oder auch mit dem Nintendo spielen. Von unserer Klasse gehen nicht alle in den Hort, manche gehen auch gleich nach der Schule nach Hause. Ich würde auch lieber gleich nach dem Unterricht nach Hause gehen, aber meine Mutti arbeitet in der Tierklinik, mein Vati ist Fliesenleger, und sie müssen immer lange arbeiten. Deshalb muß ich auch jeden Nachmittag in den Hort gehen. Ich wäre sonst immer ganz alleine zu Hause. Mein Bruder ist zwar manchmal zu Hause, weil er schon nicht mehr in die Schule geht, aber er ärgert mich immer.

Am liebsten mache ich die Fächer Sport, Zeichnen, Werken und Ethik. Mathe und Deutsch mache ich aber nicht so gerne. Schön wäre es, wenn wir in der Schule mehr Spiele machen und im Sport öfter rausgehen würden, weil dann müssen wir immer auf dem Sportplatz Runden laufen. Außerdem wünsche ich mir, daß wir in der zweiten Klasse immer noch in die Bücher schreiben dürfen.

Robert: 1. Klasse

Zur Schuleinführung hatte ich meine besten Sachen an. Ich habe mich schon lange auf die Einschulung gefreut, weil ich dann endlich in die Schule gehen kann. Mir hat richtig der Bauch weh getan, weil ich so aufgeregt war. Das Schulhaus hat mir richtig gut gefallen, weil es so groß war. Zuerst waren wir mit den anderen Kindern im Klassenraum. Da waren die Bänke alle so verrückt und an der Wand hing ein Kalender mit einem Bild von Michael Schuhmacher. Das weiß ich noch so genau, weil mein Vater Fan von ihm war. Als er aber nicht die Weltmeisterschaft gewonnen hat, ist mein Vater Fan von einem anderen Fahrer geworden. Aber ich bin immer noch Fan von Michael Schuhmacher. Unsere Lehrerin Frau Mühlbach hat dann gesagt: "Wenn ihr jetzt nach unten geht, haben eure Eltern eine Überraschung für euch!". Die Überraschung war dann die Zuckertüte. In meiner Zuckertüte war ein Bert von der Sesamstrasse. Mein kleiner Bruder hat drei Kassetten von der Sesamstrasse, deswegen mag er die Sendung auch so. Deshalb hat meine Mutti auch noch Erni für meinen Bruder bestellt. Außerdem waren in der Zuckertüte noch Autos von Lego.

Zur Schuleinführung hat es geregnet, daß fand ich nicht so schön. Nachdem wir die Zuckertüte bekommen hatten, habe ich mit meinem Freund Max noch ein Foto machen lassen, auf dem wir mit der Zuckertüte drauf sind. Danach waren wir mit meinen Großeltern und anderen Verwandten in einer Gaststätte essen. Ich habe dann auch noch andere Geschenke bekommen, aber ich weiß nicht mehr genau was ich bekommen habe.

Meinen Schulranzen hatte ich zum 6. Geburtstag von Oma und Opa bekommen. Er hat mir sehr gefallen. Max hat immer gesagt: "Du hast ja gar keinen stabilen Ranzen!", weil es eher ein Rucksack ist.

Im Kindergarten hatten wir auch schon mal Schule gespielt. Unsere Erzieherin Frau Frech hat eine große Tafel geholt, und wir haben die ganzen Bänke weggerutscht. Wir haben uns dann auf den Teppich gesetzt, und Frau Frech hat dann Aufgaben angeschrieben. Das waren Rechen- und Deutschaufgaben. Ich habe mich damals nicht ein einziges Mal gemeldet, aber jetzt in der Schule schon.

Wenn ich frühmorgens aufstehen muß, bin ich meistens noch ganz müde, weil ich abend so spät ins Bett gehe. Ich lese nämlich abends immer in meiner Micky Maus. Wir essen immer zusammen Frühstück und dann ziehe ich mich an, was aber auch lange dauert, weil ich noch müde bin.

An den ersten Schultagen im Schulgartenunterricht mußten wir unsere Zuckertüte malen. Da wollte ich gerade den Bert malen, als es geklingelt hat, und ich hatte den Kopf noch nicht fertig. Max hat dann gelacht, weil ich einen kopflosen Menschen gemalt hatte.

Ich habe jetzt schon viele Freunde in der Schule gefunden. Aus unserer Klasse habe ich vorher nur einen Jungen gekannt und einer ist noch in der 1b, den ich schon kannte.

Wir wohnen in Bad Langensalza, und mein kleiner Bruder geht noch in den Kindergarten. Nach dem Unterricht gehe ich noch in den Schulhort bis 16 Uhr. Danach laufe ich dann zum Kindergarten und bleibe dort, bis meine Mutti meinen Bruder und mich abholt. Mutti holt uns immer mit dem Auto ab, weil wir manchmal noch zu meiner Oma nach Kirchheilingen fahren.

Im Hort basteln wir oft. Wenn wir uns Spielsachen mitbringen, dann spielen wir auch damit, oder wir sehen uns mal ein Buch an. Die Hausaufgaben machen wir oben im Klassenraum oder am Wochenende dann zu Hause. Zu Hause mache ich meine Aufgaben meist alleine, manchmal aber auch nicht. Wenn es um Mathe geht helfen mir meine Eltern.

In den großen Pausen in der Schule spielen wir auf dem Hof und essen unsere Brote. Mein Freund jagt dann oft meine Freundin, dann muß ich ihn leider immer prügeln, und die Lehrer schimpfen dann mit uns. Heute macht mir die Schule eigentlich schon Spaß, aber es wäre schön, wenn die große Pause länger dauern würde.

Leonie: 1. Klasse

Zur Schuleinführung sind wir mit einer Pferdekutsche in die Schule gefahren. An dem Tag hat es geregnet, und ich hatte ein Kleid an. Dann waren wir erst mit den anderen Kindern im Klassenraum. Im Klassenraum hingen am ersten Tag kleine Zuckertüten, und unsere Lehrerin hat uns gratuliert. Danach sind wir nach unten gegangen und haben von unseren Eltern die Zuckertüten bekommen. Zur Schuleinführung waren meine Eltern mit, meine Großeltern, mein Onkel aus Merane und noch andere Verwandte. Danach sind wir mit der Pferdekutsche ins Kulturhaus gefahren. Dort haben die zweiten Klassen mit Frau Werner für uns gesungen. Meine Eltern und ich sind dann nach Hause gefahren und haben mit den Gästen gefeiert. Ich habe zu Hause noch andere Geschenke bekommen: ein Buch, Süßigkeiten, ein Kuscheltier und noch kleine Zuckertüten.

Im Kindergarten haben wir am letzten Tag auch kleine Zuckertüten bekommen. Für die Schule haben wir auch schon im Kindergarten geübt. Meistens haben wir gezählt, ein bißchen gerechnet und ein bißchen geschrieben, aber noch keine richtigen Buchstaben.

In der Kindergartenzeit mußte ich auch zur Schuluntersuchung. Es wurde da kontrolliert, ob man richtig sehen kann. Da war ein Bild, auf dem große und kleine Buchstaben drauf waren, und man mußte dann sagen, ob man alles erkennen kann. Außerdem wurden mir da Kopfhörer aufgesetzt und ich sollte immer sagen, von welcher Seite der Ton kommt. Dann mußte ich noch mit solchen Stäbchen was machen, entweder rechnen oder Figuren damit legen. Auf die Schule habe ich mich gefreut. Jetzt mache ich die Fächer Deutsch, Mathe und Zeichnen am liebsten. In den ersten Schultagen hat uns die Lehrerin manchmal Malblätter geholt. Auf einem Blatt hatte ein Tausendfüßler seine Schuhe verloren, und wir mußten sie suchen und einkreisen.

Das Frühstück müssen wir von zu Hause mitbringen, aber Milch bekommen wir in der Schule. In den Pausen spiele ich am liebsten mit meiner Freundin Theresa fangen, manchmal spielen wir auch Familie. Ich esse Mittag im Hort, aber nicht in unserer Schule. Ich gehe in den Hort an der Schule meines Bruders. Im Hort machen wir dann Hausaufgaben und spielen draußen auf dem Klettergerüst Küstenwache. Nachmittags holt uns mein Vati dann ab. Frühmorgens fahre ich mit meiner Freundin in die Schule.

Denise: 1. Klasse

Am Tag der Schuleinführung hat meine Mutti mich ganz früh geweckt. Wir haben dann zusammen gefrühstückt und sind gemeinsam zur Schule gegangen. Ich hatte eine weiße Bluse und eine schwarze Hose an. In der Schule haben wir dann das erste Mal unseren Klassenraum gesehen. Er hat mir sehr gefallen, weil er so schön geschmückt war. Wir mußten uns ordentlich hinter den Stuhl stellen, und unsere Lehrerin Frau Bohnenstein hat uns gratuliert. In meiner Klasse war nur ein Mädchen, das mit mir in den Kindergarten gegangen ist. Die anderen Kinder kannte ich noch nicht, aber jetzt habe ich schon viele neue Freunde gefunden.

Als wir wieder nach unten kamen haben alle eine Zuckertüte von ihren Eltern bekommen. Dann sind alle Kinder mit einer Pferdekutsche ins Kulturhaus gefahren, wo eine Klasse mit Frau Werner was für uns gesungen hat.

Meine Eltern und ich sind anschließend nach Illeben gefahren, wo wir mit Verwandten in einer Gaststätte gefeiert haben. Als wir abends wieder nach Hause gefahren sind, habe ich noch ein Geschenk von meinen Eltern bekommen.

Da ich einen ziemlich langen Schulweg habe, fahren mich die Eltern meiner Freundin, die auch in der Schule neben mir sitzt, in die Schule. Meinen Schulranzen, auf dem ganz viele Micky Mäuse sind, durfte ich mir selbst aussuchen. Meine Eltern haben ihn mit mir zusammen gekauft.

Was wir in den ersten Schultagen gemacht haben, weiß ich nicht mehr genau, aber ich kann mich daran erinnern, daß wir schon im Kindergarten gerechnet haben. Manchmal haben wir auch schon ein bißchen schreiben geübt. Im Kindergarten gab es auch ein kleines Fest für die Kinder, die in die Schule kommen. Wir haben da kleine Zuckertüten bekommen, die alle an einem Baum hingen. Unsere Väter sollten uns immer hochheben, damit wir uns die Zuckertüten vom Baum holen konnten, aber das hätten wir bestimmt auch allein geschafft.

Am liebsten mache ich die Fächer Mathe und Turnen. Meine Hausaufgaben mache ich im Hort oder zu Hause, wenn ich gleich nach der Schule abgeholt werde. Wenn ich die Hausaufgaben zu Hause machen muß, hilft mir mein Vati.

Justine: 1. Klasse

Bevor ich in die Schule gekommen bin, haben wir im Kindergarten schon die Bänke so hingestellt wie in der Schule. Dann haben wir eine Zuckertüte mit Mustern ausgemalt, die wir uns selbst ausdenken mußten. Gerechnet haben wir im Kindergarten noch nicht, aber wir hatten Blätter, auf die wir Pilze gestellt haben. Dann mußten wir immer nachzählen und sagen, wie viele Pilze auf dem Blatt stehen. Zur Schuluntersuchung sollte ich mit Stäbchen Figuren legen und rechnen.

Bevor die Schuleinführung war, mußten wir schon zwei Tage in die Schule gehen. Es waren aber noch nicht alle Kinder da, weil manche nicht kommen konnten. Da haben wir dann solche Hugobildchen ausgemalt und der Reihenfolge nach hingelegt. Der Hugo auf den Bildchen ist auch in die Schule gegangen. Er ist aber zu spät gekommen, weil er zu Hause seine Strümpfe nicht finden konnte. An dem ersten Schultag hatte ich auch Geburtstag, den haben wir dann nach der Schule zu Hause gefeiert.

Am Tag der Schuleinführung waren wir erst im Kulturhaus und dann in der Schule. Ich war ganz schön aufgeregt und hatte ein blaues Kleid an. Im Klassenraum hingen alle unsere Namen, und an den Fenstern waren bunte Zahlen angeklebt. Nachdem wir im Klassenraum waren, habe ich meine Zuckertüte und meine Schuldidlmaus bekommen.

Die Schuleinführung haben wir bei meiner Oma gefeiert, weil bei ihr mehr Platz ist. Meinen Schulranzen habe ich von meiner Tante geschenkt bekommen. Er ist gelb, und es sind Affen darauf abgebildet. Davon habe ich auch einen Rucksack, einen Turnbeutel und eine Federmappe.

Als erste Hausaufgabe sollten wir im roten Deutschheft eine Zeile "i´s" und eine Zeile "m´s" schreiben. Für Mathe sollten wir zu Hause Aufgaben wie "1+1" und "2+2" üben. Die Hausaufgaben mache ich immer im Hort. Wenn wir frei haben oder am Wochenende mache ich sie zu Hause alleine. Wenn wir fünf Stunden haben, bekommen wir gar keine Hausaufgaben auf.

In die Schule werde ich jeden Morgen gefahren, entweder von meinen Eltern oder von den Eltern meiner Freundin. Unsere Eltern wechseln sich mit dem Fahren ab, je nachdem wer gerade Zeit hat. Meine Mutti fährt meistens nicht, weil sie immer so lange arbeiten muß.

Judith: 2. Klasse

Im Kindergarten haben wir vor der Einschulung ein Fest gefeiert und ein kleines Programm für die Eltern aufgeführt. Wir haben außerdem kleine Zuckertüten und eine Zeichenmappe bekommen. Die Zuckertüten hingen an einem Baum, abmachen durften wir sie aber nicht selbst. wir haben sie dann einfach in die Hand bekommen. Zwei Tage vor der richtigen Schuleinführung haben wir schon gelernt. Als erste Hausaufgabe mußten wir eine Zuckertüte ausmalen. Am Tag der Einschulung sind wir in den Klassenraum gegangen, und haben uns zum erstenmal richtig angekuckt, denn in den ersten zwei Tagen hatten wir uns ja noch nicht so richtig gekannt. Zuerst wollte ich gar nicht in die Schule kommen, aber jetzt ist es irgendwie sehr schön. Aus dem Kindergarten sind nur einige Jungen in meine Klasse gekommen, aber die mögen mich nicht. dafür habe ich aber jetzt eine Freundin. Am Anfang habe ich nicht so schnell Freunde gefunden. Dann waren da im Klassenraum noch überall Namensschildchen, und ich war ganz aufgeregt. Meine Zucker- tüte habe ich von meinen Eltern überreicht bekommen. Auf der Zucker- tüte war der Glöckner von Notre Dame abgebildet, und oben drauf saß eine Didlmaus. Im Kulturhaus waren wir an dem Tag auch. Dort haben uns viele Kinder was vorgesungen und getanzt haben sie für uns. Das macht unsere Klasse in diesem Jahr auch für die Schulanfänger. Zur Schuleinführung hatte ich so ein Röckchen an mit weißen Blümchen drauf, eine normale weiße Bluse und eine orange Jacke. Danach sind wir, wie alle Eltern, natürlich Mittagessen gegangen mit Oma, Opa und anderen Verwandten. Abends haben wir zu Hause gefeiert. Ich habe noch andere Geschenke bekommen: einen Atlas, Buntstifte, eine zusätzliche Federmappe und einen Füller. Meinen Schulranzen durfte ich mir selbst aussuchen. Ich habe den mit Hasen und Pferden drauf genommen.

Ich wohne hier in Bad Langensalza, aber ich muß ganz schön weit zur Schule laufen. Manchmal werde ich aber auch gefahren und wenn ich unseren Nachbarn treffe, nimmt der mich mit. In den ersten Schultagen haben wir angefangen so Striche und Kreise zu malen. In Mathe haben wir mit der "1" angefangen. In der Fibel haben wir bei "O", "M" und "A" begonnen.

Im Kindergarten hatten wir schon ein paar Stunden Vorschule gemacht zu verschiedenen Themen, wie "Licht und Sonne" und "Der Kreislauf des Wassers". Dann haben wir manchmal in einem Bummiheft schreiben geübt. Zur Schuluntersuchung mußte ich auch. Ich habe eine Frage falsch beantwortet. Da wurde gefragt: "Warum finden die Bienen im Winter keinen Honig?". Ich habe gesagt: "Weil es keine Bienenstöcke im Winter gibt.". Dann mußte ich noch mit Stäbchen so Figuren und Dreiecke legen.

In der ersten Klasse bin ich noch lange in den Hort gegangen, aber jetzt nicht mehr. Jetzt ist meine Mutti da, wenn ich nach Hause komme. Ich habe auch einen Schlüssel, aber den nehme ich nicht mit, wenn Mutti es mir nicht sagt. Meine Hausaufgaben mache ich zu Hause, und meine Mama hilft mir manchmal auch dabei.

In der ersten Klasse war auch ein Junge, der hat immer gleich geheult, wenn seine Mutti ihn mal ein paar Minuten später abgeholt hat. Der Junge hat jetzt immer einen ganz großen Mund und er tritt mich immer.

In den Pause toben wir meistens rum, manchmal kloppen wir uns auch. Die Lehrer schimpfen dann mit mir, weil ich immer ertappt werde.

Am liebsten mache ich Deutsch. Mathe auch, aber das ist das schwierigste Fach. Da rege ich mich immer so auf. Zeichnen mache ich auch gerne, da habe ich nur Einsen. In der ersten Klasse und im ersten Halbjahr der zweiten Klasse gab es noch keine Zensuren, aber bis jetzt habe ich nur Einsen und Zweien.

Ich würde mir wünschen, daß wir auch mal Hitzefrei haben, weil es im Sommer hier immer so heiß ist.

Helen: 2. Klasse

Frühmorgens haben mich meine Eltern geweckt. Bis zum Mittag sind wir zu Hause geblieben und ich habe mit meinem Vögelchen gespielt. Dann sind wir zur Schuleinführung gefahren. In der Schule sind wir zuerst zur Lehrerin gegangen. Meistens saßen die Kinder nebeneinander, die sich schon aus dem Kindergarten kannten. Ich saß an dem Tag neben Anne-Maria. Unser Klassenraum war ganz unten im Keller, und eine große Tafel war darin. Ich weiß noch ganz genau, daß es dort jeden früh so komisch gerochen hat, und Frau Doppleb mußte die Fenster aufmachen und lüften. Die Fenster hatten rote Fensterrahmen. Die Stühle und Bänke waren aus Holz und hatten einen roten Rand. In der ersten Klasse saß ich in der ersten Reihe neben Florian. Ich wollte eigentlich gar nicht dort sitzen, aber ich mußte, weil ich so klein war. Jetzt sitze ich immer noch neben ihm. Ich schimpfe aber oft mit ihm, weil er immer so viel Platz einnimmt.

Zur Schuleinführung hat uns die Lehrerin gesagt, daß wir keine Angst zu haben brauchen. An diesem Tag hatte ich ein rotes Röckchen, eine rote Weste und ein kariertes Hemd an. Außerdem trug ich eine Micky-Maus- Strumpfhose und schwarze Schuhe mit roten Schleifchen. Ich hatte damals noch ein kurzgeschnittenes Pony und trug einen blauen Zopfhalter.

Nachdem wir im Klassenraum waren sind wir nach draußen gegangen. Dann haben die Eltern Fotos gemacht von uns mit der Zuckertüte. Ich weiß auch noch, was auf der Zuckertüte drauf war. Das vergesse ich nie! Also in der Zuckertüte waren Süßigkeiten, Schokolade und Bonbons und oben auf der Zuckertüte saß die Didlmaus, die ich mir immer gewünscht habe. Als Motiv auf der Zuckertüte war ein Bild mit einem Pinguin und zwei Mäusen. Die haben getanzt, und einige Ratten haben Musik gemacht. Danach sind wir noch mal in den Klassenraum gegangen und haben ein bißchen erzählt. Unsere Lehrerin hat uns auch schon was beigebracht. Ich glaube wir haben an dem Tag schon was geschrieben. Dann sind wir wieder nach draußen gegangen und sind jeder einzeln noch einmal fotografiert worden vor so einem Spiegel mit unserem Ranzen und der Zuckertüte. Danach sind wir alle mit einer Pferdekutsche ins Kulturhaus gefahren, wo die zweiten Klassen ein Programm aufgeführt haben.

Meine Schuleinführung haben wir im Garten gefeiert und alle Verwandten sind gekommen. Jedes Kind hat eine kleine Zuckertüte bekommen. Wir wollten dann auf der Wiese in der Nähe unseres Gartens spielen, aber mein großer Cousin und zwei von den kleineren Cousins sind mal wieder nicht mitgekommen. Also bin ich mit meiner Cousine und meinem kleinen Cousin auf die Wiese gegangen. Wir haben auf einer Decke gesessen und unsere Zuckertüten ausgeschüttet. Auf einmal kam meine Mutter und hat mit uns geschimpft. Sie sagte: "Nicht die Zuckertüten ausschütten, da gehen doch die ganzen Ameisen an die Süßigkeiten!" Wir hatten nämlich vorher einen Ameisenhaufen entdeckt. Also haben wir ganz schnell die Zuckertüten wieder eingeräumt. Dann haben wir "Mutter, Bruder und Schwester" gespielt. Meine Cousine war die Mutter, mein Cousin der Bruder und ich war die kleine Schwester. Wir durften noch bis 22.00 Uhr aufbleiben und dann haben wir im Garten geschlafen.

Im Kindergarten haben wir auch ein Zuckertütenfest für die Schulanfänger gefeiert. Wir haben auch für unsere Eltern ein Programm gemacht. Dann hingen da an einem Baum viele kleine Zuckertüten, die wir uns selber abmachen mußten. Es standen so kleine Trampoline unter dem Baum, wo wir draufspringen mußten, um an die Zuckertüten zu kommen. Im Kindergarten war so ein Junge, er hieß Patrick. Michael und ich haben immer versucht ihm beizubringen, wie man die Zahlen richtig spricht, er konnte das nämlich nicht. Aber jetzt sehen wir ihn noch oft, und jetzt kann er richtig sprechen.

Ich komme aus Bad Langensalza und frühmorgens laufe ich immer mit Anne- Maria zur Schule. Manchmal treffen wir auch Melanie. Nach der Schule gehe ich manchmal nach Hause, manchmal muß ich aber auch in den Hort und gehe danach zu meiner Oma. Das Essen in der Schule schmeckt mir eigentlich nicht, aber man darf das zu der Frau, die das Essen kocht, nicht sagen, weil sie uns sonst böse ist. Das erste Mittagessen, das ich in der Schule gegessen habe, war Nudeln mit Tomatensoße.

Am ersten Schultag haben wir unsere Fibel bekommen und haben auch schon ein bißchen gelesen. In Mathe haben wir erst Plus und dann Minus gerechnet und als erste Hausaufgabe sollten wir zu Hause laut lesen. Ein bißchen Angst habe ich am ersten Tag schon gehabt, weil ich doch viele Kinder aus der Klasse noch nicht kannte. Am liebsten mache ich die Fächer Deutsch, Turnen und Mathe, obwohl ich in Mathe nicht so gut bin. Es müßte in der Schule so sein, daß wenn man eine gute Note bekommt die schlechten Noten einfach verschwinden. In der ersten Klasse haben wir noch gar keine Noten bekommen, da gab es nur Stempel. Unser Lehrerin hatte einen Stempel mit einem Teufel, der stand irgendwie für schlecht. Dann gab es einen Dino, das war super. Außerdem gab es noch eine Fledermaus und neben ihr stand "Mehr üben!".

Auswertung

Alle Kinder, die ich zu ihren Schulanfangserfahrungen befragt habe, besuchen die Brentano-Grundschule in Bad Langensalza.

Da das Schuljahr 98/99 an einem Donnerstag begann, mußten die Schulanfänger diesen Jahres bereits zwei Tage in die Schule gehen, bevor die eigentliche Feier der Schuleinführung stattfand. Ich hatte den Eindruck, daß manche Kinder den ersten Schultag und den Tag der Schuleinführung nicht mehr ganz auseinanderhalten konnten. Nur einige wußten noch, das sie zuvor schon zwei Tage die Schule besucht hatten. Nach Aussagen einer Lehrerin wurden diese zwei Tage dazu genutzt, die Kinder mit den Räumlichkeiten der Schule vertraut zu machen. Die Kinder brachten auch noch keinen Ranzen mit in die Schule, da noch nicht mit dem Unterricht begonnen wurde. Die meiste Zeit durften die Kinder basteln, malen oder spielen. Die Kinder wurden so langsam an die Schule gewöhnt.

Am Tag der Schuleinführung ist es an dieser Schule üblich, das die Eltern ihre Kinder zur Schule bringen. Anschließend werden die Kinder von ihrer Klassenlehrerin im Klassenraum begrüßt und sie erhalten dann von ihren Eltern die Zuckertüte vor dem Schulgebäude.

Eine Pferdekutsche bringt die Schulanfänger in das Kulturhaus, wo eine Feierstunde stattfindet. Die Eltern fahren meist mit dem Auto dorthin.

Bei der Auswertung der Interviews fiel mir auf, daß einige Kinder den Ablauf des Tages nicht mehr genau wiedergeben konnten und viele Dinge durcheinander brachten. Vielleicht liegt das auch daran, daß so viele aufregende dinge an diesem Tag passiert sind.

Alle Kinder konnten sich allerdings noch ganz genau daran erinnern, wie ihre Zuckertüte aussah und was alles darin war. Dabei fiel mir auf, daß sehr viele Zuckertüten mit einer Didlmaus ausgestattet waren. Ein Kuscheltier, das bei den Kindern immer beliebter wird. Allerdings handelt es sich hier um einen Markenartikel, der nicht gerade billig ist. Darauf ist es wahrscheinlich auch zurückzuführen, daß viele Eltern dieses Plüschtier zu einem besonderen Anlaß verschenken. Die Zuckertüten sind natürlich, wie auch die Schulranzen, alle sehr kindgemäß und häufig mit bekannten Comicfiguren gestaltet. Außerdem hatte ich das Gefühl, das sich der Schulranzen heute immer mehr zu einem Statussymbol entwickelt. Die Kinder legen sehr mehr Wert auf das Aussehen des Ranzens und weniger auf die Zweckmäßigkeit. Das wird auch darin deutlich, daß sich schon jetzt viele Kinder einen Rucksack wünschen, wie ihn die großen Schüler haben. Den Schulranzen durften sich die meisten Kinder selbst aussuchen und scheinbar wird so bei dem ersten Ranzen nicht unbedingt auf den Preis geachtet. Allerdings ist der Schulranzen auch zu einem beliebten Geschenk geworden. Ich denke aber, daß es besser ist, wenn sich die Kinder den Ranzen selbst aussuchen können. Dann ist immerhin sichergestellt, daß er auch gefällt. Außerdem sollte der Ranzen möglichst stabil gebaut sein, um den Rücken der Kinder nicht zu schaden, worauf die meisten Eltern auch achten.

Heute ist die Schuleinführung ein Ereignis, das ganz besonders gefeiert wird. Meistens gehen die Familien mit den Verwandten essen oder feiern den besonderen Anlaß zu Hause. Ich hatte allerdings den Eindruck, daß die Familienfeier mehr nach den Bedürfnissen der Gäste als nach den der Kinder geplant wird. Nur zwei Kinder konnten mir von besonderen Ereignissen dieser Feier berichten. Vor allem bei Helen merkte man, daß ihr diese Feier Spaß gemacht hat. Sie war sogar sehr aufregend für sie, weil die Familie an diesem Tag im Garten übernachtet hat. Es ist außerdem noch üblich, daß am Tag der Schuleinführung kleine Zuckertüten an die Kinder der Verwandten und Freunde verteilt werden. Die Schulanfänger selbst bekommen auch von den Gästen Geschenke, ähnlich wie beim Geburtstag.

Die Kleidung der Kinder ist am Tag der Schuleinführung sehr festlich, obwohl einige Kinder sich in diesen Sachen nicht wohl fühlten. Die Mädchen tragen meist Rock und Bluse oder auch ein Kleid, die Jungen oft sogar einen Anzug.

Die Entscheidung, was an diesem Tag angezogen wird, treffen meistens die Eltern.

Im Allgemeinen stellte die Schuleinführung für alle Kinder ein großes Ereignis dar. Alle waren sie aufgeregt und freuten sich auf die Schule.

Was sie dort lernen sollten wußten alle schon vom Kindergarten aus der Vorschulerziehung, die aber von Kindergarten zu Kindergarten scheinbar sehr unterschiedlich war. Auch das Zuckertütenfest mit dem Zuckertütenbaum im Kindergarten ist immer noch Tradition. Die Kinder werden so vom Kindergarten verabschiedet, um einen neuen Lebensabschnitt als Schulkind beginnen zu können.

Viele Kinder werden nach der Schule im Hort betreut. Dort werden auch unter Aufsicht die Hausaufgaben erledigt. Ich hatte aber den Eindruck, daß heute die Schule immer mehr aus dem Familieleben verschwindet, wenn die Kinder den Hort besuchen. Die Aufgaben werden dort erledigt, und kaum ein Kind muß zu Hause noch etwas für die Schule tun. Das kann einerseits positiv sein, weil dann die Kinder zu Hause ausspannen können. Andererseits beklagen aber auch viele Lehrer, daß manche Eltern nicht mehr über das Schulleben ihrer Kinder informiert sind und selten mit den Kinder zu Hause üben. Oft wird hier die Verantwortung auf den Schulhort abgeschoben.

Viele Kinder werden heute von den Eltern zur Schule gefahren und auch wieder abgeholt. nur wenige müssen Den Schulweg noch zu Fuß zurücklegen. Auch scheint der Kontakt zwischen den Eltern der Schüler sehr gut zu sein, weil oft auch Fahrgemeinschaften gebildet werden.

Für die Kinder beginnt mit dem Eintritt in die Schule ein neuer Lebensabschnitt. Auch das wird in den Interviews deutlich. Einige Kinder beklagten, daß sie alte Freunde aus dem Kindergarten nicht wiedergesehen haben und niemanden aus der neuen Klasse kannten. Diese Anfangsschwierigkeiten haben sich aber bei den meisten Kinder wieder gelegt, und sie haben schnell neue Freunde gefunden.

Literaturverzeichnis

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Wenzel, A. (1979). Kompendium Didaktik. Anfangsunterricht. München: Franz Ehrenwirth Verlag.

Hagenbusch, A. M. (Hg.) (1985). Das schulbereite Kind. Donauwörth: Ludwig Auer.

Hacker, H. (1992). Vom Kindergarten zur Grundschule. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Hacker, H. (1999). Umdenken und neue Akzente. Der Schulanfang in pädagogischer Sicht. In: Die Grundschule 6/99, 8-9.

Knörzer, W. ;Grass, K. (1992). Den Anfang der Schulzeit pädagogisch gestalten. Weinheim, Basel: Beltz.

Kern, A. (1951). Sitzenbleiberelend und Schulreife. Ein psychologisch- pädagogischer Beitrag zu einer inneren Reform der Grundschule. Freiburg: Herder.

Lichtenstein-Rother, I. (1991). Grundschule. Der pädagogische Raum für Grundlegung der Bildung. (5. Aufl.) Weinheim, Basel: Beltz.

Schenk-Danzinger, L. (1993). Entwicklung - Sozialisation - Erziehung. Schul- und Jugendalter. Wien: Klett-Cotta.

Nickel, H. ;Schmidt-Denter, U. (1991). Vom Kleinkind zum Schulkind. (4. Aufl.) München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag.

39 von 39 Seiten

Details

Titel
Die pädagogische Gestaltung des Schulanfangs
Hochschule
Universität Erfurt
Veranstaltung
Seminar
Note
1,3
Autor
Jahr
1995
Seiten
39
Katalognummer
V101156
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gestaltung, Schulanfangs, Seminar
Arbeit zitieren
Birgit Kraessner (Autor), 1995, Die pädagogische Gestaltung des Schulanfangs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101156

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