Das Ziel dieser Arbeit ist es, die relevanten Einflussfaktoren einer wahrzunehmenden Eltern-Kind-Entfremdung in Deutschland zu ermitteln, um daraus Präventions- und Interventionsansätze für die beratende Praxis abzuleiten. Zudem soll diese Studie trennungs- und scheidungsbegleitende Berufsgruppen, die Politik sowie die allgemeine Öffentlichkeit für das Phänomen der Eltern-Kind-Entfremdung sensibilisieren.
Dazu wird folgende Hauptforschungsfrage gestellt: Welche Einflussfaktoren sind für eine durch langfristige Kontaktabbrüche und Ablehnung der Kinder gegenüber einem Elternteil gekennzeichnete Eltern-Kind-Entfremdung in Deutschland relevant?
Um diese Frage zu beantworten, werden zunächst Begrifflichkeiten und Abgrenzungen sowie unterschiedliche, fachprofessionelle Sichtweisen der recherchierten, deutschsprachigen Fachliteratur beleuchtet, die familieninterne sowie externe Einflussfaktoren des Phänomens einer Eltern-Kind-Entfremdung analysieren. Für den empirischen Teil dieser Arbeit wurde ein Interviewleitfaden entwickelt und es wurden 12 Elternteile befragt, die subjektiv von einer Eltern-Kind-Entfremdung betroffen sind. Anhand der zusammenfassenden Inhaltsanalyse konnten die Ergebnisse aus den Befragungen ausgewertet und in ein Kategorienschema überführt werden, welches hinsichtlich der Forschungsfragen im Anschluss interpretiert wurde.
Es wird deutlich, dass die vorhandenen Hilfs- und Interventionsangebote aktuell nicht ausreichen, um Lösungen für konflikthafte Eltern und die davon betroffenen Kinder zu schaffen, sodass sich aus den Erkenntnissen dieser Forschung der Anlass für neue Präventions- und Interventionskonzepte als auch für weitere Forschung ergibt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Forschungsfrage
1.4 Methodologie, Erhebungs- und Auswertungsmethoden
1.5 Zielgruppe
1.6 Aufbau der Arbeit
2 Phänomen Eltern-Kind-Entfremdung
2.1 Begriffsabgrenzungen und Erläuterungen
2.1.1 Besuchsrechtssyndrom
2.1.2 Parental Alienation Syndrome – PAS
2.1.3 Unterschied Parental Alienation Syndrome und Eltern-Kind-Entfremdung
3 Häufigkeit und Vorkommen der Eltern-Kind-Entfremdung
3.1 Eltern-Kind-Entfremdung aus fachprofessioneller Sicht
3.2 Hochstrittigkeit und Eltern-Kind-Entfremdung
4 Relevante Einflussfaktoren
4.1 Familieninterne Einflussfaktoren
4.1.1 Der Familien-Transitions-Ansatz
4.1.2 Die Ausprägung der Elternpersönlichkeiten
4.1.3 Die emotionale Bindung zwischen den Eltern
4.1.4 Der ungelöste Paarkonflikt
4.1.5 Die gestörte Kommunikation
4.1.6 Beteiligung anderer Familienmitglieder & familiennaher Personen
4.2 Externe Einflussfaktoren
4.2.1 Juristische Fachprofessionen
4.2.2 Gerichtliche Einflussnahmen
4.2.3 Das Jugendamt
4.2.4 Psychologische Sachverständige
4.2.5 Verfahrensbeistand
5 Beantwortung der theoretischen Subforschungsfragen
5.1 Welche familieninternen Einflussfaktoren sind für eine wahrzunehmende Eltern-Kind-Entfremdung relevant?
5.2 Welche externen Einflussfaktoren sind für eine wahrzunehmende Eltern-Kind-Entfremdung relevant?
6 Empirische Arbeit
6.1 Erhebungs- und Auswertungsmethode
6.1.1 Begründung des Forschungsdesigns und der Methodenwahl
6.1.2 Sampling, Zielgruppe
6.1.3 Interviewleitfaden und Interviews
6.2 Darstellung der Ergebnisse und Auswertung
6.2.1 Ergebnisse aus den Interviews
6.2.2 Trennungszeiträume, Alter der Kinder, Sorgerecht, Umgang
6.2.3 Familieninterne Einflüsse – Wahrgenommenes Verhalten des manipulierenden Elternteils
6.2.4 Familieninterne Einflüsse – Wahrgenommene Kindesmanipulation
6.2.5 Familieninterne Einflüsse – Elternbeziehung, Trennungsmotive, Persönlichkeitsmerkmale
6.2.6 Familieninterne Einflüsse – Kindliche Reaktion auf die Trennung
6.2.7 Familieninterne Einflüsse – Beteiligung naher Verwandter/der Herkunftsfamilien
6.2.8 Familieninterne Einflüsse – Vorgebrachte Vorwürfe bei Gericht
6.2.9 Familieninterne Einflüsse – Beteiligung von Dritten
6.3 Wahrgenommene externe Einflussfaktoren – Jugendamt
6.3.1 Wahrgenommene externe Einflussfaktoren – Richter und Richterinnen
6.3.2 Wahrgenommene externe Einflussfaktoren – Rechtsanwälte/Rechtsanwältinnen
6.3.3 Wahrgenommene externe Einflussfaktoren – psychologische Sachverständige
6.3.4 Wahrgenommene externe Einflussfaktoren – Verfahrensbeistand
6.4 Wahrgenommene Hilfen und Eigeninitiative
6.5 Wunsch nach Hilfen und Lösungen
6.6 Wahrgenommene Auswirkungen und Reaktionen bei den Kindern
6.7 Einschätzung der zukünftigen Beziehung mit dem Kind/den Kindern und der Situation
7 Beantwortung der empirischen Subforschungsfragen – Verknüpfung von Theorie und Empirie
7.1 Welche Einflussfaktoren sind für eine wahrzunehmende Eltern-Kind-Entfremdung aus Elternsicht relevant?
7.2 Welche Aspekte sind für die Prävention einer Eltern-Kind-Entfremdung aus Elternsicht relevant?
8 Beantwortung der Hauptforschungsfrage, Limitationen, Fazit und Ausblick
8.1 Beantwortung der Hauptforschungsfrage
8.2 Limitationen
8.3 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist die qualitative Untersuchung relevanter Einflussfaktoren einer wahrzunehmenden Eltern-Kind-Entfremdung in Deutschland, um daraus Präventions- und Interventionsansätze für die beratende Praxis abzuleiten und Berufsgruppen, Politik sowie die Öffentlichkeit für das Phänomen zu sensibilisieren. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche Einflussfaktoren für eine durch langfristige Kontaktabbrüche und Ablehnung der Kinder gegenüber einem Elternteil gekennzeichnete Eltern-Kind-Entfremdung in Deutschland relevant sind.
- Einflussfaktoren von Eltern-Kind-Entfremdung in Deutschland
- Rolle der Hochstrittigkeit von Eltern
- Analyse familieninterner und externer Einflussfaktoren (z.B. Justiz, Jugendamt)
- Sensibilisierung von Fachprofessionen und Politik
- Ansätze für Prävention und Intervention
Auszug aus dem Buch
Die Ausprägung der Elternpersönlichkeiten
Die Persönlichkeiten besonders der erwachsenen, sich trennenden Eltern spielt laut der vorliegenden Fachliteratur eine Rolle, da sie die Prozesse im Reorganisationsprozess direkt beeinflussen. So hat sich laut IFK (2007) die Einschätzung über die Relevanz von Persönlichkeitsbeeinträchtigungen insofern verändert, dass „gerade bei hochstrittigen Konfliktfällen gehäuft Personen [zu] finden [sind], die den Eindruck von klinischen Persönlichkeitsstörungen vermitteln“ (S. 10). Die der IFK-Expertise zugrundeliegenden wissenschaftlichen Meinungen aus 2007 „sehen die Vulnerabilität hinsichtlich narzisstischer Verletzungen als gewichtigen Faktor für die Konflikteskalation an“ (IFK, 2007, S. 10). Es wird darauf hingewiesen, „dass hier nicht von narzisstischen Persönlichkeitsstörungen nach klinischen Diagnosesystemen gesprochen werden kann, sondern von narzisstischer Vulnerabilität: einer Empfindlichkeit gegenüber Kränkungen, die unangepasste Bewältigungsmechanismen und darauf aufbauende Symptome bedingt [...]“ (IFK, 2007, S. 10). Schlussfolgernd sind demnach im Hinblick auf die familieninternen Faktoren für eine wahrzunehmende Eltern-Kind-Entfremdung die unterschiedlichen Persönlichkeitsausprägungen der Eltern relevant, die den Trennungsprozess hinsichtlich des gemeinsamen Umgangs mit sich als Elternteil und mit dem gemeinsamen Kind bzw. mit den gemeinsamen Kindern beeinflussen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Phänomen der Eltern-Kind-Entfremdung ein, definiert die Problemstellung sowie Zielsetzung und stellt die Forschungsfrage und Methodik vor.
2 Phänomen Eltern-Kind-Entfremdung: Hier werden Begrifflichkeiten und Erläuterungen zum Phänomen, einschließlich des "Besuchsrechtssyndroms" und "Parental Alienation Syndrome (PAS)", wissenschaftlich differenziert betrachtet.
3 Häufigkeit und Vorkommen der Eltern-Kind-Entfremdung: Dieses Kapitel beleuchtet das Fehlen offizieller Zahlen, diskutiert Fachsichten sowie den Zusammenhang von Hochstrittigkeit und Entfremdung.
4 Relevante Einflussfaktoren: Eine detaillierte Untersuchung familieninterner Faktoren (z.B. Kommunikation, Bindung) und externer Faktoren (z.B. Justiz, Jugendamt) bei Trennungen.
5 Beantwortung der theoretischen Subforschungsfragen: Theoretische Synthese der Einflussfaktoren, basierend auf der ausgewerteten Fachliteratur.
6 Empirische Arbeit: Vorstellung des qualitativen Forschungsdesigns, der Datenerhebung durch Interviews mit betroffenen Elternteilen und der zusammenfassenden Inhaltsanalyse nach Mayring.
7 Beantwortung der empirischen Subforschungsfragen – Verknüpfung von Theorie und Empirie: Zusammenführung der theoretischen Grundlagen mit den empirischen Ergebnissen zur Beantwortung der Forschungsfragen.
8 Beantwortung der Hauptforschungsfrage, Limitationen, Fazit und Ausblick: Abschließende Beantwortung der zentralen Forschungsfrage, Diskussion der Grenzen der Arbeit sowie Fazit mit Ausblick auf Interventionskonzepte.
Schlüsselwörter
Eltern-Kind-Entfremdung, Hochstrittigkeit, Trennung, Scheidung, Parental Alienation Syndrome, Kindesmanipulation, Familienrecht, Jugendamt, Prävention, Intervention, Bindungsqualität, Kontaktverweigerung, Familiensystem, Soziale Arbeit, Psychologische Sachverständige
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Eltern-Kind-Entfremdung nach Trennung und Scheidung in Deutschland, insbesondere die relevanten Einflussfaktoren, die zu langfristigen Kontaktabbrüchen führen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die psychologische Dynamik von Trennungskonflikten, die Rolle hochstrittiger Elternschaft, sowie den Einfluss externer Professionen wie Anwälte, Gerichte und Jugendämter auf den Entfremdungsprozess.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, Einflussfaktoren zu identifizieren, um daraus Präventions- und Interventionsansätze für die beratende Praxis abzuleiten. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welche Einflussfaktoren sind für eine durch langfristige Kontaktabbrüche und Ablehnung der Kinder gegenüber einem Elternteil gekennzeichnete Eltern-Kind-Entfremdung in Deutschland relevant?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine qualitative Forschungsstrategie gewählt. Nach einer theoretischen Literaturanalyse wurden 12 Interviews mit betroffenen Elternteilen geführt und mithilfe der zusammenfassenden Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Analyse der Begrifflichkeiten und Einflussfaktoren (kapitel 2-4) und einen empirischen Teil, der die Erfahrungen betroffener Eltern (Kapitel 6) darstellt und diese mit den theoretischen Erkenntnissen verknüpft (Kapitel 7).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Eltern-Kind-Entfremdung, Hochstrittigkeit, Parental Alienation Syndrome, Familienrecht, Prävention, Kindesmanipulation.
Warum spielt die Hochstrittigkeit der Eltern eine so große Rolle für die Entfremdung?
Die Studie zeigt, dass hochstrittige Konflikte, die über Jahre konstant bleiben, oft zu einer Instrumentalisierung der Kinder führen. Eltern projizieren hierbei eigene Verletzungen auf das Kind und nutzen den Konflikt unbewusst als Machtinstrument, was die Beziehung zum anderen Elternteil nachhaltig schädigen kann.
Welche Bedeutung haben externe Institutionen wie das Jugendamt in diesem Prozess?
Externe Institutionen werden von den befragten Eltern oft als destruktiv oder überfordert wahrgenommen. Aufgrund fehlender standardisierter Ausbildungsrichtlinien und mangelnder systemischer Expertise wird die Beteiligung dieser Institutionen von Betroffenen häufig nicht als hilfreich für eine Deeskalation wahrgenommen.
- Arbeit zitieren
- Julia Bleser (Autor:in), 2021, Eltern-Kind-Entfremdung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011574