Wie hat Errol Morris es geschafft, dem Genre, welches den Anspruch hat, in der Rezeption real zu wirken, gerecht zu werden? An diesem Punkt setzt die Analyse an und kann zumindest anfänglich mit der politisch-gesellschaftlichen Aktualität der angesprochenen Themen, vor allem dem der Behandlung der politischen Gefangenen, beantwortet werden.
Für die Analyse ist es substantiell, die Funktion, die Rumsfeld als Politiker vor der Kamera bekleidet, zu beachten. So kann nicht autonom die kreative Umsetzung der ausgewählten Sequenz, die umstrittene Situation auf Guantanamo (Kapitel 6-7), analysiert werden. Der Rückschluss auf seine Person und vor allem seine Sprache ist notwendig, denn insbesondere seine Sprache - seine Memos mit einbezogen - begründet den Ausstellungswert von Rumsfeld - ein Aspekt, der Morris auch letztendlich den Beweggrund gegeben hat, über diese Person eine Dokumentation zu produzieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sequenzanalyse
2.1 Sequenzbeschreibung: Die Prominenz im Krieg und die Gefangenen auf dem eigenen Kontinent
2.2 Die Koppelung von Bild und Sprache
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die filmische Dokumentation „The Unknown Known“ von Errol Morris und analysiert, wie Donald Rumsfelds Rhetorik, seine Memos und der gezielte Einsatz von Bild- und Sprachelementen als Werkzeuge zur politischen Inszenierung und Realitätskonstruktion fungieren.
- Analyse der sprachlichen Strategien von Donald Rumsfeld
- Untersuchung der filmischen Gestaltungsmittel im Dokumentarfilm
- Wechselwirkungen zwischen medialer Berichterstattung und Selbstdarstellung
- Rolle von Dokumenten („Snowflakes“) im narrativen Gefüge
- Konstruktion politischer Realität durch Montage und Kontextualisierung
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Schrift, Ton und Bild - Die drei Ebenen der Sprache bei Morris
Mit Fortlaufen der Sequenz verringert sich zunehmend die Diversität der als Quellen verwendeten Bildmittel. Am Anfang werden journalistische Beiträge in Form von schriftlichen Headlines und Stimmen der Nachrichtensprecher übereinander gelegt, während auf dritter Ebene Rumsfeld zu sehen ist, wie er durch die Fluren des Pentagons zur Pressekonferenz geht. Diese drei Ebenen sind kompositorisch so miteinander verknüpft, dass sie sich gegenseitig bedingen. Ähnlich einem Fotostreifen, der durch einen Projektor geschoben wird, werden einzelne Stills von Rumsfeld der Reihe nach projiziert. Die Headlines und ganze Teile einzelner Zeitungsartikel sind in Weiß so animiert, dass sie sich in das Bild schieben, ohne jedoch die einzelnen Stills zu verdecken. Vielmehr führen diese zu einer ausgewogenen, ästhetisch gelungenen Komposition, die den Blick lenkt. Einzelne Zeitungsartikel sind unscharf, andere, prägnante Headlines dafür mitten in das Bild gesetzt. Zusammen mit den sich überschneidenden Nachrichtenstimmen, werden zum einen die schriftlichen und bildlichen Informationen ergänzt und führen zu einem näheren Verständnis der aktuellen, öffentlichen Meinung. Zum anderen wird das Gefühl der Fülle vermittelt, das, dramaturgisch gesehen, die Relevanz der vermittelten Informationen verstärken soll und deren Positionierung in einem Porträt über Rumsfeld legitimiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Dokumentation über Donald Rumsfeld ein und erläutert den historischen sowie methodischen Rahmen der Analyse im Kontext des „Cinéma Vérité“.
2. Sequenzanalyse: Dieses Kapitel untersucht detailliert die filmische Umsetzung einer ausgewählten Sequenz, wobei die Verschränkung von Bildquellen, Sprache und Rumsfelds spezifischer Rhetorik analysiert wird.
3. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse der konstruktivistischen Herangehensweise zusammen und reflektiert die authentische Wirkung des Dokumentarfilms trotz der erkennbaren Autorschaft von Morris.
Schlüsselwörter
Donald Rumsfeld, Errol Morris, The Unknown Known, Dokumentarfilm, Sequenzanalyse, Sprache, Politik, Rhetorik, Guantanamo, Folter, Medien, Realitätskonstruktion, Inszenierung, Filmtheorie, Macht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Dokumentarfilm „The Unknown Known“ über den ehemaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und untersucht, wie dieser Sprache und Bilder nutzt, um seine politische Sichtweise darzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die sprachlichen Strategien Rumsfelds (seine Memos), die filmische Montage von Archivmaterial und die kritische Auseinandersetzung mit der medialen Inszenierung von Macht und Wahrheit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Rumsfeld durch eine gezielte Wortwahl und den Kontext filmischer Dokumente versucht, die öffentliche Wahrnehmung seiner Amtszeit und Entscheidungen zu kontrollieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine strukturelle Sequenzanalyse und einen konstruktivistischen Ansatz, um die Verbindung von visuellen und auditiven Elementen im filmischen Kontext zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Beschreibung der Sequenzen, der Analyse der „drei Ebenen der Sprache“ sowie der psychologischen und politischen Bedeutung von Rumsfelds Rhetorik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Dokumentarfilm, Rumsfelds Memos, politische Inszenierung, Sequenzanalyse und die Dynamik zwischen Bildsprache und politischer Rechtfertigung.
Wie bewertet der Autor Rumsfelds Umgang mit unbequemen Fragen?
Der Autor stellt fest, dass Rumsfeld Fragen nicht direkt beantwortet, sondern den Kontext entnimmt und in ein eigenes, rhetorisches Narrativ einbettet, um sich der Verantwortung zu entziehen.
Welche Rolle spielen die sogenannten „Snowflakes“ im Film?
„Snowflakes“ sind die von Rumsfeld verfassten Memos, die als zentrales Netz der Dokumentation dienen und durch Morris in einen neuen, kritischen Kontext gestellt werden.
- Citar trabajo
- Ann-Katrin Boberg (Autor), 2015, Gefangenschaft in Guantanamo. Wie Sprache im Film aufdeckt und Neues konstruiert am Beispiel "The Unknown Known" von Errol Morris, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011634