Medien in der Nachkriegszeit 1945-49


Seminararbeit, 1997

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. DIE MEDIENSITUATION KURZ NACH DEM II. WELTKRIEG

2. ZIELE UND GANG DER UNTERSUCHUNG

3. DAS RUNDFUNKWESEN UNTER WESTALLIIERTER UND DEUTSCHER KONTROLLE
3.1. Ausgangsbedingungen und Übersicht
3.2. Der Rundfunk in der britischen Zone
3.3. Der Rundfunk in der amerikanischen Zone
3.4. Der Rundfunk in der französischen Zone
3.5. Der Rundfunk in Berlin

4. DAS PRESSEWESEN UNTER BRITISCHER, AMERIKANISCHER UND DEUTSCHER KONTROLLE 1945-49
4.2. Übersicht
4.2. Ausgewählte deutsche Nachkriegszeitungen
4.2.1. Die ,,Neue Zeitung"
4.2.2. Die ,,Frankfurter Rundschau"

5. SCHLUßBETRACHTUNG

ANHANG: TABELLE ,,BRITISCHE PRESSE- UND INFORMATIONSPOLITIK, ZIELGRUPPEN UND ZWECKE"

LITERATURVERZEICHNIS

1 Die Mediensituation kurz nach dem II. Weltkrieg

Die Entwürfe des anglo-amerikanischen militärischen Oberkommandos sahen drei Phasen für die Neuordnung des deutschen Nachrichtenwesens nach dem Krieg vor: Mit dem Vorrücken der Armeen auf deutsches Gebiet sollten zuerst alle Presseerzeugnisse und Rundfunksender ihre Tätigkeit einstellen. Die gesetzliche Grundlage dafür wurde am 24. November 1944 durch Gesetz der Militärregierung geschaffen. Für eine Übergangsphase sollten dann alliierte ,,Mitteilungsblätter" die Nachrichtenversorgung der Zivilbevölkerung sicherstellen, bevor deutsche Informationsträger unter Aufsicht der Besatzungsmacht wieder an die Öffentlichkeit herantreten durften (,,Lizenzzeitungen").1 Einigkeit herrschte unter den Alliierten, daß nicht nur alle nationalsozialistischen Presseorgane, sondern die gesamte vor 1945, also auch die schon vor 1933 existierende Presse verboten werden sollte.2

Die von den Alliierten in Deutschland betriebene Besatzungspolitik wurde im wesentlichen durch die Konferenz von Potsdam geprägt. Im Schlußdokument vom 2. August 1945 hatten die Siegermächte ihre Ziele für die Nachkriegszeit formuliert: a) sicherheitspolitisch: Entnazifizierung und Maßnahmen gegen einen deutschen Revanchismus; b) ökonomisch: die Frage der Reparationen und der Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft; und c) gesellschaftspolitisch: die Schaffung eines demokratischen, nicht expansionistischen Deutschlands.3 Es ist offenkundig, daß die Medien als Informationsvermittler im zentralen Interesse der Alliierten standen und ihnen eine wichtige Rolle bei der Verfolgung der Ziele des Potsdamer Abkommens zukam.

Eine der Voraussetzungen für den Aufbau neuer Zeitungen nach anglo-amerikanischem Muster war das Anlernen bzw. die Umerziehung deutscher Journalisten. Die Briten beispielsweise wollten ein Zeitungssystem schaffen, daß der objektiven Darbietung von Informationen einen höheren Stellenwert einräumte als der subjektiven Meinung des Journalisten. In der ,,Standing Directive NO.1" vom 20. Juli 1945 hieß es, die Zeitung solle ein Forum der Allgemeinheit sein, Nachricht und Kommentar seien zu unterscheiden, zu trennen und eine tendenziöse Berichterstattung zu vermeiden.4

Die westlichen Alliierten wollten vornehmlich ,,Werbung für Demokratie" machen, die in ihrem Denken ,,beste und menschenwürdigste Staats- und Gesellschaftsform", Deutschland sollte in eine ,,friedliebende und gesunde europäische Ordnung" einbezogen werden. Ziel der britischen Presse- und Informationspolitik ,,müsse es sein, den deutschen Geist im wahrsten Sinne des Wortes zu reaktivieren (,,recreation"), und ihn nicht zu unterhalten (,,edutainment")". Die Umerziehung der Deutschen, nach Ansicht der Westalliierten ,,wesentliches Besatzungsziel", läßt sich unter den ,,vier D's" zusammenfassen: Demilitarisierung, Dezentralisierung, Denazifizierung und Demokratisierung. 5

Eine Übersicht über die Zielgruppen und Zwecke britischer Presse- und Informationspolitik ist im Anhang zu finden.

2. Ziele und Gang der Untersuchung

Die vorliegende Arbeit wurde im Rahmen des Proseminars ,,Einführung in die Medienkunde" im Sommersemester 1997 unter der Leitung von Prof. Dr. H. Scherer erstellt. Aufgrund des beschränkten Maximalumfangs der Arbeit wurde das Thema ,,Medien in der Nachkriegszeit 1945-49" akzentuiert auf die Zeitungen in der britischen und amerikanischen und den (Ton-)Rundfunk in der britischen, amerikanischen und französischen Besatzungszone, sowie Berlin. Nach Kenntnisstand des Verfassers weicht die Presse- und Lizenzierungspolitik bezüglich Zeitungen in der französischen Besatzungszone nur in Marginalien von der in der britischen bzw. amerikanischen Zone ab. In der ,,Sowjetisch Besetzten Zone" gab es keine freie, sondern nur ,,Staatspresse" und ,,Staatsrundfunk". Fernsehen gab es im Untersuchungszeitraum und -gebiet nicht, da das erste Fernsehbild Deutschlands (als Testbild) erst am 12. 7. 1950 vom Nord-West-Deutschen-Rundfunk (NWDR) gesendet wurde.

3. Das Rundfunkwesen unter westalliierter und deutscher Kontrolle

3.1. Ausgangsbedingungen und Übersicht

Die Neuordnung des deutschen Rundfunkwesens wurde bereits vor der militärischen Niederlage Deutschlands unter den späteren vier Siegermächten diskutiert.6 Der Rundfunk wurde im totalitären Dritten Reich in nicht mehr überbietbarer Weise als Führungs- und Propagandainstrument mißbraucht.7 Für die Zukunft sollte in Deutschland ausgeschlossen werden, daß es nochmals zu einem totalitären Rundfunkwesen komme. Eingriffsmöglichkeiten des deutschen Staates sollten unterbunden und der Rundfunk sollte eine größtmögliche Selbständigkeit bekommen.8 Ab dem 12. September 1944, also noch vor der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945, wurden alliierte Gesetze erlassen, die ein Sende- und Betriebsverbot von Fernseh- und Rundfunkanlagen, die Registrierung bestimmter Empfangsgeräte und die Konfiszierung der posteigenen Sendeanlagen als Reichseigentum zum Inhalt hatten.9 Ein ,,Drei-Stufen-Plan" wurde entwickelt:

Zuerst sollten alle deutschen Sender geschlossen werden, dann sollten eigene Rundfunkstationen aufgebaut werden, die ohne deutsche Hilfe betrieben werden sollten. Erst in der letzten Phase sollten demokratische und antifaschistische deutsche Journalisten eine Chance zur Mitarbeit erhalten.10 Anfangs konnten deutsche Angestellte nur untergeordnete, meistens technische Funktionen ausführen. Das ,,Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus" vom 5. März 1946 sah für alle ,,Hauptschuldigen, Belasteten und Minderbelasteten des Dritten Reiches ein Berufsverbot im Medien- und Bildungsbereich" vor.11 Deutsche Mitarbeiter erhielten bei ,,Radio München" keine Lizenzen, wie im Bereich der Printmedien damals üblich, sondern galten als direkte Angehörige der Besatzungsmacht und mußten sich daher strengsten Überprüfungen ihrer Vergangenheit unterziehen. Nicht die fachliche Qualität des Bewerbers, sondern die ,,politische Biographie" gab hierbei den Ausschlag.12

Als erste Sendeanstalt ging zur Jahreswende 1947/48 der in der britischen Zone befindliche ,,Nord-West-Deutsche-Rundfunk" (NWDR) in deutsche Hände über. In der amerikanischen Zone folgte am 25.1.49 der ,,Bayerische Rundfunk" (BR), drei Tage später der ,,Hessische Rundfunk" (HR). ,,Radio Bremen" (RB) war am 5.4.49 in deutscher Hand und am 22.7.49 folgte der ,,Süddeutsche Rundfunk" (SDR). In der französischen Zone wurde die Hoheit über den ,,Südwestfunk" (SWF) erst am 16.7.49 an die deutsche Intendanz übergeben.13 Ein vollständiges Ende alliierter Hoheitsrechte im Rundfunkbereich war damit noch nicht verbunden. So blieben einige Presseoffiziere als ,,Berater" zurück und konnten jederzeit eine Nachzensur ausüben. Ebenso mußten noch einige Sendungen der Alliierten ausgestrahlt werden. Erst 1955 ging mit dem ,,Deutschlandvertrag" die Rundfunkhoheit endgültig wieder in deutsche Hände über.14

3.2. Der Rundfunk in der britischen Zone

Da das Funkhaus von Radio Hamburg als einziges deutsches Funkhaus fast unversehrt den II. Weltkrieg überstanden hatte, konnte die britische Militärregierung bereits am 4. Mai 1945 als erste den Sendebetrieb für die gesamte britische Besatzungszone - mit über der Hälfte der westdeutschen Rundfunkteilnehmer - aufnehmen. Ausgehend vom Konzept der ,,British Broadcasting Company" (BBC), verfolgten die Briten ein streng zentralistisches Konzept hinsichtlich des NWDR.15

Nachdem Briten und Amerikaner ihre Besatzungsgebiete im Sommer 1946 zur ,,Bizone" zusammenschlossen, begann die letzte Phase der Besatzungspolitik, in der die Militärregierungen der beiden Staaten begannen, nur noch eine überwachende Funktion in allen Angelegenheiten auszuüben, die nicht der Besatzungsmacht unterstanden. Obwohl die Briten später als die Amerikaner begannen, eine rechtliche Grundlage für die Leitung ihres Rundfunks durch die Deutschen auszuarbeiten, konnten sie bereits am 1.1.1947 den NWDR als erste Sendeanstalt den Deutschen übergeben.16

[...]

1 Neumann (1994), S. 33f.

2 Volmert (1979), S.45

3 Rzeznitzeck (1989), S.5

4 Rzeznitzeck (1989), S.8

5 Rzeznitzeck (1989), S.8f.

6 Neumann (1994), S. 28

7 Bausch (1980) S. 9

8 Bausch (1980), S. 65ff.

9 Bausch (1980) S. 15

10 Neumann (1994), S. 28

11 Mettler, Barbara: ,,Demokratisierung und Kalter Krieg", Berlin, 1975, S. 93, in: Neumann (1994), S. 30

12 Neumann (1994), S. 30

13 Bausch (1980), S. 158f.

14 Neumann (1994), S. 33

15 Bausch (1980), S. 46f.

16 Bausch (1980), S. 47f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Medien in der Nachkriegszeit 1945-49
Hochschule
Universität Augsburg  (Professur für Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die Medienkunde
Note
1,3
Autor
Jahr
1997
Seiten
17
Katalognummer
V10117
ISBN (eBook)
9783638166478
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Nachkriegszeit, Proseminar, Einführung, Medienkunde
Arbeit zitieren
Thomas Ch. Hartmann (Autor), 1997, Medien in der Nachkriegszeit 1945-49, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10117

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