Burnout bei Lehrern


Skript, 2001

9 Seiten, Note: 2,0


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Burn-Out bei Lehrern

1. Einleitung

Probleme, die Lehrer mit und in ihrem Beruf haben, stoßen bei der Bevölkerung auf wenig Verständnis: ‚Lehrer haben viel Ferien, genug Freizeit und jammern zuviel.’ Das Ansehen des Berufs sinkt, während die Anforderungen steigen. Trotzdem streben immer noch genug junge Menschen diesen Beruf an, oft aufgrund idealistischer Vorstellungen und Motive. Für sie ist die Freude am Umgang mit Menschen und am Unterrichten für den Berufsentscheid ausschlaggebend. Gerde dieser Typ des Lehrers ist gefährdet, emotional zu erschöpfen, wenn die hochgesteckten Ziele nicht erreicht werden.

Eine Studie der Universität Potsdam kommt zu dem Ergebnis, dass sich 40,7 % der befragten Lehrer psychisch belastet fühlen: Ihr übergroßes Engagement verhindere, dass sie nach der Arbeit abschalten könnten. Zufriedenheit über die eigene Leistung stelle sich nicht ein, weil die Ansprüche zu hoch seien (Berliner Morgenpost 11/1996). Schule werde zum „Reparatur- betrieb für gesellschaftliche Probleme“. Dies stellt die Lehrer vor immer größere (Erziehungs- ) Aufgaben.

Die Auswirkungen des Burnout-Syndroms erstrecken sich nicht nur auf die Betroffenen selbst, sondern auch auf Schüler und Kollegen.

Aufgrund der Vielzahl an publizierten Definitionen, Erklärungsmodellen und Präventions- maßnahmen ist es sinnvoll, diese zu gliedern. Ziel ist es, die Ursachen für das Auftreten der Krankheit im allgemeinen und im besonderen bei Lehrern zu analysieren und ihre Abhängig- keit von Faktoren wie Persönlichkeitsmerkmalen, Geschlecht und Alter zu untersuchen. Zum Abschluss der Betrachtungen ist es wichtig, Maßnahmen zur Intervention und Prävention zu beachten.

2. Analyse des Burnout-Syndroms bei Lehrern

Um eine Arbeitsgrundlage zuschaffen, möchte ich zuerst den begrifflichen Hintergrund zum Burnout-Syndrom klären. Dazu gehört nicht nur die Definition dieses Krankheitsbildes, son- dern auch seine Ursachen, Symptome und sein Verlauf aus der Sicht ausgewählter Autoren im Vergleich.

2.1. Definition

Der Begriff Burnout fand durch FREUDENBERGER (1974) Eingang in die psychologische Fachliteratur. Er beobachtete, wie aus aufopferungsvollen, pflichtbewussten und engagierten Helfern häufig Mitarbeiter wurden, die leicht reizbar sind, eine zynische Einstellung zu Kollegen entwickeln und Symptome einer physischen und psychischen Erschöpfung zeigen. Diese Veränderung wurde als Burnout, als Ausbrennen bezeichnet, ein Zustand körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung.

Bis heute sind viele Definitionsversuche unternommen worden, die jedoch nur schwer vereinheitlicht werden können.

EDELWICH und BRODSKY (1984) stellen fest, dass Burnout ein schleichender Prozess ist, wobei fünf Stufen angenommen werden: Enthusiasmus, Stagnation, Frustration, Apathie und dann Burnout.

MASLACH (1982) versteht Burnout als ein Syndrom, zusammengesetzt aus emotionaler Erschöpfung, Dehumanisierung und dem Gefühl reduzierter Leistungsfähigkeit bei der Arbeit. Die emotionale Erschöpfung sei das hervorstechende Merkmal als eine Folge der ständigen Belastung durch zu viele zwischenmenschliche Kontakte.

Im Hinblick auf den Lehrerberuf erscheinen mir die Ausführungen von PINES, ARONSON & KAFRY (1985) als besonders treffend: Burnout kann man als einen seelischen Zustand beschreiben, der häufig bei Menschen eintritt, die mit anderen Menschen arbeiten (und zwar vor allem, aber nicht ausschließlich, in helfenden Berufen), und die in ihren Beziehungen zu ihren Patienten, Klienten, Schülern oder Kunden die Gebenden sind.

2.2. Ursachen

Ein Zustandekommen des Phänomens Burnout allgemein und bei Lehrern hängt ohne Zweifel von einem weiten Spektrum verursachender und sich bedingender Faktoren ab: Persönlich- keitsspezifische und organisatorische Merkmale, Erwartungen der Vorgesetzten, Erwartungen der Eltern, der Öffentlichkeit, individuelle Einschätzung der Berufs- und Arbeitszufriedenheit, Stress oder Belastungen persönlicher Art sind u.a. Mosaiksteine in diesem Gefüge. Hinzu- kommt die unterschiedliche Gruppe der Schüler, mir der es der Lehrer im Alltag zu tun hat.

Eine Vermischung der zwei Komponenten, gefährdende Umweltbedingungen und ein gefährdetes Individuum, sind nach BURISCHS Ansicht (1989) die Auslöser des Burnouts. Selbst der widerstandsfähigste Mensch sei gefährdet. Fehlen vor allem Komponenten wie Anerkennung, Unterstützung und Rückendeckung im Arbeitsumfeld erhöhe sich das Risiko des Ausbrennens.

Die Art der Arbeit spielt eine entscheidende Rolle, ob bzw. wie häufig ein Mensch ausbrennt (BARTH 1992).

Seit 1980 rückt auch das Burnout- Syndrom bei Lehren verstärkt in den Mittelpunkt der Untersuchungen. Bis heute gibt es allerdings keine Längsschnittuntersuchungen, sondern nur wenige Querschnittstudien, obwohl Burnout ein aktuelles Thema ist, da die mentalen und psychischen Belastungen im Lehrerberuf zunehmen (SCHMITZ 1995).

EINFLUSS VON PERSÖNLICHKEITSMERKMALEN UND GESCHLECHT

Die Betrachtung von Persönlichkeitsmerkmalen und anderen Faktoren, die Burnout beeinflus- sen könnten, ist deshalb besonders wichtig, weil so die Art der Prävention bestimmt werden kann.

Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale können die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Burnout erhöhen oder auch vermindern. Einigkeit besteht in der Literatur jedoch bezüglich folgender Persönlichkeitsmerkmale, die das Risiko an Burnout zu erkranken, erhöhen:

- Idealismus
- Sensibilität
- unermüdlicher Arbeitseinsatz
- hochgesteckte Ziele

Bei Lehrern kann sich die Vorstellung über ihre eigene Berufsrolle auf ihre Arbeitszufriedenheit auswirken. Dazu zeigen ANDERSON & IWONICKI 1984, dass Lehrer mit einem intensiven Wunsch nach Anerkennung und idealistischen Motiven vergleichsweise intensiv und häufig emotional erschöpft sind.

Die Burnout- Auffälligkeit muss jedoch nicht zwingend von einem bestimmten Persönlichkeitstypus abhängen.

Ähnlich verhält es sich mit geschlechtsspezifischen Merkmalen.

Untersuchungsergebnisse von FLAAKE 1989 zeigen, dass sich Lehrerinnen im allgemeinen intensiver auf zwischenmenschliche Beziehungen zu Schülern einlassen und häufiger An- sprechpartner für persönliche Probleme sind. Daraus resultiert ein hoher psychischer An- spruch und auch die Schwierigkeit, schulische Leistungen objektiv zu bewerten. Lehrerinnen suchen dann die Schuld für diese Probleme häufig bei sich und leiden an Selbstzweifel. Hinzu kommen zudem private Belastungen, wie die Bemühungen um die eigenen Kinder, mit denen Frauen vergleichsweise stärker betraut werden als ihre Männer. Karriereinteressen lassen sich nur selten mit den familiären Verpflichtungen vereinen. In Hessen waren zum Beispiel noch 1985 nur 3,6 % der Schulleiterstellen von Frauen besetzt (FLAAKE Pädagogik 10/90)

Lehrer verhalten sich hingegen eher distanziert, objektiver und bewerten Leistungen objektiver. Im Mittelpunkt steht hier die Wissensvermittlung.

Zusammengefasst sind Frauen stärker emotional bewegt, Männer jedoch eher von Dehumanisierung betroffen. BARTH nimmt demzufolge an, dass Männer und Frauen im Lehrberuf gleichermaßen an Burnout erkranken können. In ihrer Studie ergab eine repräsentative Umfrage unter Lehrern 1995 im Auftrag des Instituts für Schulentwicklungsförderung, dass zwischen Geschlecht und Burnout kein Zusammenhang besteht. Gleiches gilt für Untersuchungen hinsichtlich des Alters der Lehrer und der Schultypen, an denen sie unterrichten.

DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN DEM ARBEITSFELD DES LEHRBERUFES UND DEM BURNOUT- SYNDROM

Die Belastungen, die Lehrer im Beruf empfinden können, ergeben sich auch aus dem weitrei- chenden Aufgabengebiet der Lehrer: Neben traditionellen Aufgaben müssen auch neue Auf- träge erfüllt werden. Aktuelle Problemstellungen sind Thema des Unterrichts geworden, auf die sich der Lehrer immer neu einstellen und vorbereiten muss(z.B. Arbeitslosigkeit, Streiks, Verkehrs- und Umwelterziehung, Gesundheits- und Medienerziehung, Aids- und Drogenpro- phylaxe und Gewaltprävention)

Problematisch ist, dass die Folgen dieser Belastungen bei Lehrern nur schwer zu erkennen sind. Daten von Lehrern, die an Burnout leiden, werden eventuell in Krankheitsstatistiken geführt, ohne als diese Krankheit aufgeführt zu sein. Dem zur Folge ist die Menge an Lehren, die an Burnout erkrankt sind, statistisch nicht erfasst. Zur Verbreitung verweist BARTH 1992 auf Erhebungen in den USA, aus denen hervorgeht, dass nur mehr knapp 50 % all jener Leh- rer, die den Beruf begonnen hatten, auch nach 5 Jahren noch im Schuldienst waren. Zur Situa- tion in Deutschland bemerkt BARTH, dass es dafür zwar keine vergleichbaren Untersuchungen gibt, aus Gesprächen mit Lehren jedoch der Trend offensíchtlich wird, sich aus dem Beruf verabschieden zu wollen. Die Veränderungswünsche werden gehemmt durch fehlende berufliche Alternativen. Wenn man bedenkt, dass gerade die engagiertesten Lehrer vom Ausbrennen bedroht sind, wird klar, welches Personal hier verloren geht.

Die Ursachen für das Ausbrennen von Lehrern liegen nicht nur in dem großen Aufgaben bereich, sondern auch an der offenen Arbeitszeit und an zusätzlich mental, psychisch und physisch belastenden Faktoren Die möglichen Zusammenhänge zwischen diesen Faktoren und dem Burnout sollen im Folgenden erläutert werden.

ARBEITSAUFGABEN

Jeder Lehrer hat den Auftrag, die Lerninhalte so zu gestalten, dass Schüler ihre Fähigkeiten und Begabungen entwickeln können (vgl. MÜLLER - LIMMROTH 1993). Dieser Auftrag stellt erhebliche Ansprüche. MÜLLER -LIMMROTH stellt eine Reihe von Fertigkeiten und Aufgabenbereichen auf, die Lehrer bei der täglichen Arbeit besitzen sollten:

- didaktische Fähigkeiten nutzen
- angemessene Unterrichtsverfahren anwenden
- das Unterrichten mit Erziehen verbinden
- Integration von Schülern in die Gruppe
- Schüler an Rücksicht, Ordnung und Pünktlichkeit gewöhnen
- ermuntern, belehren, warnen, tadeln
- Konferenzen, Fachbesprechungen mit Kollegen abhalten
- und vieles andere mehr.

Problematisch ist, dass trotz Lehrplan und anderen Vorschriften, das Unterrichten und Erziehen trotzdem in eigener Verantwortung geschehen soll. Konfliktpotential stellt auch die Zensurengebung dar, die an externen Normen orientiert werden und dennoch den individuellen Lernprozess fördern soll.

Hinzu kommt ein ganz neuer didaktischer Ansatz vom Wissensvermittler zum Lernbegleiter, zum Beispiel mit dem vermehrten Einsatz der Gruppenarbeit und damit dem individuellen Lernen. Dies erfordert vom Lehrer mehr Flexibilität und Kreativität als für den Frontalunter- richt.

ARBEITSZEIT

In der Öffentlichkeit wird noch oft die Arbeitszeit der Lehrer mit der Schulzeit gleichgesetzt. Zur Erfassung der tatsächlichen Arbeitszeit liegt eine Studie von MÜLLER - LIMMROTH vor. Die verschiedenen Tätigkeiten der befragten Lehrer setzten sich zusammen aus dem Un- terrichten, der Vor- und Nachbereitung und Korrekturen. Aber auch Konferenzen, Sonntags- arbeit, Springstunden, Pausenzeiten müssen zur Arbeitszeit des Lehrers hinzugerechnet werden.

Diese Beschäftigungen ergeben eine Gesamtarbeitszeit von etwa 53 Std. pro Woche, was im Vergleich zu industriellen Berufen ungewöhnlich hoch ist. (Es bleibt zu prüfen, ob die Angaben der Lehrer der Realität entsprechen).

Die Unklarheit in der Öffentlichkeit (siehe Einleitung) über die Arbeitszeit und -belastung der Lehrer hat mehrere Wurzeln. Die mangelnde Information über Arbeitsaufgaben und Arbeitsaufträge machen zum Beispiel eine aus. Fest steht, dass die zeitliche Belastung im Lehrberuf unterschätzt wird.

MENTALE UND PSYCHISCHE BELASTUNGSFAKTOREN IM LEHRERBERUF

In Verbindung mit den vorher ausgeführten Punkten, Aufgaben und Arbeitszeit, ergeben sich weitere Belastungsfaktoren, wie zum Beispiel Konflikte in Beziehungen zu Schülern oder Eltern und Lehrerängste.

Auch Lehrer- Schüler- Konflikte beinträchtigen die Zusammenarbeit in der Klasse und führen zu fehlender Motivation und Leistungsbereitschaft. Zudem werden die Klassen heterogener hinsichtlich der Ausländeranteil und der sozialen Schichten. Damit verlagern sich die soziale Kontrolle und die Verantwortungen für die Schüler.

Eltern können eine zusätzliche Belastung sein, wenn sie zum Beispiel erhöhte Anforderungen an ihre Kinder stellen, die Lehrer mit umzusetzen haben.

Sowohl Berufsanfänger als auch erfahrene Lehrer empfinden immer wieder, auch aufgrund der oben beschriebenen Situationen, Angstgefühle (BARTH 1992). WINKEL (1979) gliedert Lehrerangst in 9 Hauptformen (Versagensangst, Konfliktangst, Herrschaftsangst, Unbewuss- te Angst, Existenzangst, Trennungsangst, Personenangst, Strafangst, neurotische Angst)

Wenn Angstgefühle überhand nehmen ist Stress die Folge, der nicht selten der Anfang von Burnout ist.

Ein anderer psychischer Faktor ist zum Beispiel, dass es Lehrern oft schwer fällt, in der Freizeit die Gedanken von schulischen Prozessen zu lösen.

Auch die physischen Belastungsfaktoren sind nicht zu vernachlässigen. Aus statischer Muskelarbeit, Kreislaufbelastungen, klimatischen Bedingungen und Stimmbelastungen ergeben sich oft Krankheiten, wie zum Beispiel aus der Arbeitsstellung ‚Stehen’ Senkfüße, Wirbelsäulenschäden oder Kreislaufprobleme.

MERKMALE DER ORGANISATION SCHULE

Bei der Betrachtung einiger charakteristischer Merkmale der Institution Schule ergeben sich mögliche Beziehungen zum Burnout- Syndrom.

Die Unterrichtssituation ist nicht darauf ausgelegt, Lehren fundierte Rückmeldungen über ihre Unterrichtsstunden zu geben. Fehlende Aussagen über die Qualität des Unterrichts, keine Änderungsvorschläge und mangelnde Diskussionen können zu Über- oder Unterschätzungen führen (BAUER 1980).

Die mangelnde Zusammenarbeit zwischen Kollegen und Vorgesetzten bedeutet fehlende Kommunikation. Unter Kollegen kommt es häufig zu Konflikten und persönlichen Antipathien, die aus gegensätzlichen politischen und pädagogischen Einstellungen, Karrierestreben oder fehlenden didaktischen Diskussionen entstehen können.

Ein weiteres Merkmal der Organisation Schule, das zu Stress und Burnout führen kann, ist das Fehlen von Gratifikationen. Die einzige Möglichkeit besser entlohnt zu werden, liegt in der Reduzierung der Unterrichtstätigkeit und dem Einnehmen von Funktionsstellen (HESSI- SCHES KULTUSMINISTERIUM 1995).

Burnout kann unter den genannten Aspekten als Folge von erhöhter Beanspruchung verstan- den werden. Eingriffe in bestehende Strukturen wären notwendig, um diese Belastungen zu reduzieren.

2.3. Symptome und Verlauf

Die Symptome von Burnout möchte ich anhand der Untersuchungen von BURISCH (1989) näher betrachten. Er gliedert sie in sieben zeitlich aufeinanderfolgende Kategorien:

- Zu Beginn sind „Warnsymptome der Anfangsphase“ zu beobachten. Sie bestehen im vermehrten Engagement, in Anzeichen der Erschöpfung als Resultat des Überengage- ments.
- Es folgt die „Phase des reduzierten Engagements“. Sie ist gekennzeichnet durch den emotionalen Rückzug von Menschen und der Arbeit. Eine steigende Entlohnung, Krisensicherheit des Arbeitsplatzes und soziale Beziehungen gewinnen an Bedeutung. Die eigenen Ansprüche rücken in den Mittelpunkt des täglichen Interesses. Im privaten Bereich erwartet der Betroffenen besondere Unterstützung und Verständnis.
- Die „emotionalen Reaktionen und Schuldzuweisungen“ machen sich durch depressive oder aggressive längerfristige Stimmungen bemerkbar. Depressiv reagiert eine Person, wenn sie die Ursache der Krankheit in sich selbst sieht, aggressiv, wenn sie die Schuld von sich weist.
- Die Phase des „Abbaus“ der kognitiven Leistungsfähigkeit, Motivation und Kreativität kann die dritte Phase verstärken, da Konzentrationsschwächen dazu beitragen, dass der Ausbrennende Fehler macht und wieder entsprechend depressiv oder aggressiv reagiert.
- Das emotionale, soziale und geistige Leben ist nun zunehmend durch „Verflachung“ charakterisiert. Auf Gleichgültigkeit folgt Isolierung und Einsamkeit. Konsequenzen der Absonderung können psychosomatische Reaktionen wie Schlafstörungen oder verändertes Essverhalten sein. Es bestehen Tendenzen zur verstärkten Einnahem von Aufputschmit- teln; Nikotin oder Alkohol.
- Letzter Schritt ist die „Verzweiflung“ mit eventuellen Selbstmordgedanken.

BURISCH Betont, dass diese Symptomfolge nicht zwingend ist. Der Prozess könne jederzeit gestoppt werden, es könnten aber auch Stufen übersprungen werden. In einem Artikel der Psychologie Heute (9/1994) vermerkt Burisch, dass das Burnout- Syndrom auch durch seine Symptomkategorien, unter die er noch 130 Merkmale ordnet, nicht genügend charakterisiert sei.

Nach PINES, ARONSON & KAFRY gehören zum Burnout viele Symptome: Man fühlt sich ganz allgemein elend, emotional, geistig und körperlich ermüdet. Der Betroffene bringt keine Begeisterung und Lebensfreude mehr für die Arbeit ein. Das Ausbrennen tritt meist nicht als Folge vereinzelter traumatischer Erlebnisse auf, sondern als schleichende seelische Auszer- rung. Dabei trifft es vor allem Menschen, die einmal besonders begeisterungsfähig und idea- listisch waren, ein Mensch muss einmal ‚entflammt’ gewesen sein, um ‚ausbrennen’ zu können.

3. Erklärungsmodell: Das integrierende Burnout- Modell nach BURISCH

Die Erklärungsmodelle zur Burnout- Problematik gehen über bisherige Darstellungen hinaus. Sie knüpfen teilweise an Definitionen an und werden für Problemlösungen benutzt, deren Durchführung am Original nicht möglich oder zu aufwendig wäre. Erklärungsmodelle des Burnout-Syndroms dienen der Feststellung, wer ab wann unter Burnout leidet.

- Im Integrierenden Burnout- Modell von BURISCH (1989) sollen alle möglichen Burnout- Prozesse abgebildet werden. Gemeinsamkeiten von Burnout- Verläufen in verschiedenen Berufen werden herausgestellt und erklärt.

Das Modell bleibt jedoch spezifisch genug, so dass die Unterschiede zu verwandten Phänomenen wie Stress, Depression oder der Arbeitsunzufriedenheit ersichtlich sind.

Auslöser sind unter anderem Autonomieeinbußen, die durch gestörte Auseinandersetzungen mit der Umwelt entstehen. Die Folge davon ist Stress, der, wenn er unbewältigt bleibt, die Ursache für Burnout sein kann.

Der Ausgangspunkt eines möglichen Krankheitsbildes ist der Wunsch einer bestimmten Handlungsepisode, die den Weg vom Ist-Zustand zum Soll-Zustand beschreibt, zum Beispiel die Absicht eines Referendars einmal Direktor zu werden. Im günstigsten Fall wird das Ziel erreicht. Persönliche Befriedigung ist die Folge. Die angewandten Mittel haben zum Erfolg geführt und ein neues Ziel kann anvisiert werden.

Innerhalb der Handlungsepisode können jedoch Störungen auftreten:

- Z.B. Zielvereitelung
- Zielerschwerung
- Ausbleiben von Belohnungen
- Negative Nebenwirkungen, d.h. die negativen Begleiterscheinungen des eingetretenen Erfolgs, z.b. Distanz der Kollegen, wenn ein Ziel errecht wurde.

Zielvereitelung und -erschwerung haben gemeinsam, dass Ziel fast oder vollkommen verhindert wird.. Eine gestörte Handlungsepisode, die nicht ausreichend bewältigt wird, gilt als Voraussetzung für den Beginn eines Burnout- Prozesses.

Alle anderen Burnout- Modelle- mit Ausnahme des integrierenden- operieren mit Faktoren wie Überlastung und Unterbezahlung, deren Wirkung auf den Menschen noch nicht hinrei- chend untersucht worden ist. Im Vordergrund müsste eher das unbewusste Erlebte der Betrof- fenen stehen. Das Integrierende Modell nach BURISCH berücksichtigt diese Faktoren, es zeigt Störfälle und deren Folgen auf. Deshalb eignet es sich besonders für diagnostische Zwe- cke im Rahmen von Burnout- Beratungen. Der Verlauf der Krankheit wird zwar nicht aus- führlich erklärt, jedoch die Möglichkeiten, Bereiche abzulesen, an denen Präventionsmaßnahmen angesetzt werden müssten.

Kein Modell geht zusammengefasst auf die gesamte Breite der Krankheit ein. Eine Kombination wäre demnach sinnvoll.

4. Prävention/ Intervention

Um Belastungen, Stress und Burnout zu reduzieren müssen Präventionsmaßnahmen ausgear- beitet werden. Im Folgenden werden Maßnahmen vorgestellt, die gefährdete Lehrer vor dem Ausbrennen schützen, sowie Strategien entworfen, um Auswirkungen des Burnout- Syndroms abzufangen.

Wichtig sind diese Maßnahmen, da sich das Burnout- Syndrom nicht nur auf die psychische Situation der Lehrenden auswirkt, sondern auch auf ihr Umfeld, d.h. Schüler und Kollegen.

Die betroffenen Lehrer sind geistig ermüdet, verzichten bei gleichbleibenden Lerninhalten häufig auf eine Unterrichtsvorbereitung und verlieren oft an Einfühlungsvermögen. Hinzu kommen Gefühle der Abneigung gegenüber ihren Schülern, eine depressive Grundstimmung, häufiges Fehlen und fehlende Unterrichtsführung. (BÜSSING, WENNINGER & PERRAS 1995). Besonders auf Schüler wirkt sich dieses Verhalten aus. Eine nachlassende Arbeitshal- tung, Störungen, Lernunlust, Schulmüdigkeit und Resignation sind Anzeichen bei Schülern, die über einen längeren Zeitraum von einem ausgebrannten Lehrer unterrichtet wurden. (BE- CKER & GONSCHOREK 1989)

Längerfristig betrachtet kann sich dies auf den gesamten Lebensweg der Kinder auswirken. Diese Tatsachen veranschaulichen die Wichtigkeit von Präventions- und Interventionsmaß- nahmen.

Für die Intervention und Prävention ist es wichtig noch einmal zu betonen, dass die Ursachen für Burnout nicht unbedingt in der Person des Lehrers liegen. Auch Veränderungen in der beruflichen Tätigkeit und den institutionellen Bedingungen sind notwendig. Da jeder Fall von Burnout individuell ist, können keine allgemeinen Maßnahmen präsentiert werden.

Kurzfristige Erfolge erzielen Workshops, die ein momentanes Glücksgefühl erzielen, oder Stellenwechsel. Der Prozess des Burnout setzt dort erneut ein, wenn der Betroffene die persönliche Einstellung zur Arbeit nicht ändert. Wirkungsvolle Ziele von Workshops könnten zum Beispiel das Schulen des Durchsetzungsverhaltens schon bei Referendaren sein. Dazu gehören Regeln wie den Blickkontakt während des Unterrichtsgesprächs zu halten, laut und deutlich zu sprechen, Forderungen klar zu formulieren, sich nicht aggressiv zu äußern oder sich für Unterrichtsmaßnahmen zu entschuldigen.

Entsprechend der Ursachen unterscheide ich im Folgenden personenbezogene und organisations- bzw. institutionsbezogene Strategien.

Zuerst bedarf es einer Feststellung der individuellen Symptome und Ursachen. Dies kann mit speziellen Burnout- Tests oder Techniken der Selbstkonfrontation (zum Beispiel Tonband- und Videoaufzeichnungen können zur Selbstwahrnehmung im Unterricht beitragen) erkannt werden. Falls die Ursachen in der Person selbst zu suchen sind, können Kollegen hinzugezo- gen werden, die den Unterricht beobachten und Hilfestellungen zur Lösung bei vorhandenen Schwierigkeiten geben. „Gemeinsam statt einsam“ lautet der Titel eines Buches von Elmar Oswald, dessen zentrale Botschaft die Überwindung des Einzelkämpfertums von Lehrern ist. Sie müssen als Team mit den Herausforderungen des Unterrichtens professionell umgehen wollen. Wirkungsvolle Strategien können also selbstständig und auch unter Anleitung entwi- ckelt werden.

Die Vorsaussetzung einer Prävention und Intervention ist jedoch, dass der gefährdete oder betroffene Lehrer bereit ist, seine Lebenseinstellung und sein Selbstbewusstsein zu verändern. Im beruflichen Alltag müssen Ziele gesetzt und es sollten Abgrenzungen zwischen Beruf und Privat vorgenommen werden. Sinnvoll ist auch eine gesunde Ernährung, Sport und das Inaanspruchnehmen sozialer Unterstützungen.

Hinsichtlich der organisations- und institutionsbezogenen Strategien sind Änderungen in der beruflichen Umwelt erforderlich, um dem Ausbrennen vorzubeugen:

- Didaktischer Input durch ein schul- und problemnahes Weiterbildungsangebot wird bereits geleistet, jedoch von einer Minderheit der Lehrer wahrgenommen.
- Die Durchsetzung von bildungspolitischen Forderungen verhilft den Lehrern zu Ar-beitspausen und Entlastungen. Lehrer, die sich in schlechter psychischer Verfassung be-finden, sollte zusätzlicher Erholungsurlaub gewährleistet werden, da nur Lehrer an gesetzlich geregelte Ferienzeiten gebunden sind.

Die Anwendung des „Sabbatjahrs“ wird immer mehr beachtet. Lehrer können nach einer bestimmten Dienstzeit ein Jahr aussetzen, um sich weiterzubilden oder um von den täglichen Belastungen des Lehrerberufs Abstand zu nehmen. Hessischen Pädagogen ist bereits vom Schuljahr 1996/97 an erlaubt gewesen, über verschiedene Teilzeitmodelle freiwillige Mehrarbeit auf einem „Zeitkonto“ zu speichern, um damit das freie Jahr zu finanzieren. Auch in Rheinland-Pfalz, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern wird das Modell bereits praktiziert. Es bietet eine große Chance für mehr Berufszufriedenheit.

Ein Modell sieht vor, über drei Jahre auf ein Viertel des Gehalts zu verzichten und dann für ein Jahr bei gleichen Bezügen in den Urlaub zu gehen. ( NEANDER in: DIE WELT 1996) In Rheinland-Pfalz wurde das Sabbatjahr allerdings noch überwiegend von jünge- ren Lehren genutzt, wobei Männer und Frauen zu gleichen Teilen vertreten waren. In einer weiteren bildungspolitischen Forderung soll eine allgemeine Arbeitszeitverkür- zung durchgesetzt werden.

Nur durch gleichzeitige Bearbeitung beider Ebenen (persönliche und institutionelle Ebene) sind bleibende Wirkungen bei Burnout- Gefährdeten und Betroffenen zu erzielen (BURISCH 1989).

Die Literatur und damit die Versuche zur Prävention und Bewältigung belastender Faktoren im Lehrerdasein nimmt immer mehr zu (vgl die Auflistung deutschsprachiger Literatur bei BARTH 1992). Die folgende Anmerkung von BURISCH (1994) wirft allerdings ein sehr deutliches Licht auf den derzeitigen Forschungsstand zum Thema: „Was Prophylaxe, Prävention und Therapie des Burnout- Syndroms betrifft, besteht ein grobes Missverhältnis zwischen veröffentlichten Vorschlägen und auch nur informell gesammelten Erfahrungen.“ Hinsichtlich der Prävention und Intervention bleibt für die Betroffenen noch einiges zu tun.

5. Schluss

Zusammengefasst ist mit BARTH (1992) festzuhalten, dass sich das Konzept des Burnout als ein relativ uneinheitliches und komplexes Phänomen darstellt, das seine Wurzeln im intrapsychischen, interpersonalen, beruflichen, arbeitsplatzmäßigen, organisatorischen, historischen und sozialen Bereich hat.

Entscheidend ist offensichtlich die subjektive Wahrnehmung der Arbeitsbedingungen und die erlebte Kontrollierbarkeit der Situation.

Wesentliche Bedingung für das Eintreten von Burnout ist das Fehlen von Erfolgsrückmeldun- gen. Gerade bei Lehrern dürfte hier ein wichtiger Grund vorliegen, wenn sie zum Beispiel feststellen, dass ihre persönlichen Bemühungen bei desinteressierten Schülern erfolglos blei- ben. Wichtige Erkenntnis für die Gefährdeten ist, dass es im Lehrberuf keine Erfolgsgarantie geben kann und dass der Erfolg nicht zuverlässig beeinflussbar ist. Auch eine exzellente Vor- bereitung ist keine Gewähr für einen in jeder Hinsicht gelungenen Unterricht. Die Verantwor- tung für unwillige und störende Schüler muss nicht immer vom Lehrer übernommen werden. Es gibt zum Beispiel unveränderliche Stressfaktoren, wie pubertierende Jugendliche, mit de- nen der Umgang erst erprobt werden muss.

Trotz der Offenkundigkeit der Probleme bieten sich in der Literatur noch zu wenig systematisch erforschte Anhaltspunkte. Untersucht werden müssen Fragen, wie zum Beispiel welche Faktoren es schließlich sind, die bei der Arbeit an den Schulen den Prozess des Ausbrennens begünstigen und schleichend herbeiführen. Oder in welchem Verhältnis belastende Faktoren untereinander stehen und welche Faktoren und Gegebenheiten als Prediktoren für das Zustandekommen (zum Beispiel keine fachspezifische universitäre Ausbildung) oder das Nichtzustandekommen des Ausbrennens beitragen. Grund für die Unsicherheiten bezüglich eines fundierten Wissens in diesem komplexen Bereich dürfte auch der Umstand sein, dass Lehrer zu diesen Problemen noch zu wenig befragt worden sind.

Auch in Bereichen wie Teamwork, Schulautonomie oder neue Medien liegt noch ein großes Potential.

Mögliche Ansatzpunkte einer Intervention bei Burnout lassen sich aus den Ergebnissen dieser Arbeit systematisch ableiten. Dabei kann man bei der Person, bei der Gruppe oder der Institution ansetzen. Grundsätzlich geht es jedoch darum, die betroffene Person sowohl im Hinblick auf das Selbstverständnis als auch der verfügbaren Ressourcen und Kompetenzen in die Lage zu versetzen, mit der Bedrohlichkeit von Situationen in der Schule fertig zu werden.

9 von 9 Seiten

Details

Titel
Burnout bei Lehrern
Veranstaltung
Examensklausur
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
9
Katalognummer
V101173
Dateigröße
672 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Burnout, Lehrern, Examensklausur
Arbeit zitieren
Kathrin Zimmermann (Autor), 2001, Burnout bei Lehrern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101173

Kommentare

  • Gast am 10.10.2008

    St'R.

    Zwei der maßgenblichsten Faktoren für Burnout habe ich vergeblich hier gesucht:1) Die Feindseligleit des Arbeitgebers. Es gibt nicht nur keine Anerkennung für Lehrer, sondern eine gleichzeitig fordernde, abwertende und völlig unpersönliche Haltung der Landesschulbehörden gegen die Lehrer. 2) Die behördliche Willkür, die jegliche Gerechtigkeit vermissen lässt. Keine Ahnung, wer das aushalten kann. Ich glaube, dass Gerechtigkeit ein Ur-Bedürfnis der Menschen ist. Dagegen verstoßen alle Hierarchie-Oberen der Landesschulbehörden täglich. Es geht in keiner Weise um Leistung, sondern ausschließlich um den "Nasen-Faktor", der bekanntlich nichts anderes als Mauschelei gelten lässt. Die Diskrepanz zwischen der Behandlung, die man selbst als Beamter/in erfährt (Willkür) ausgesetzt ist und den offiziellen Anforderungen ist nicht mehr zu bewältigen. Auch nicht die Diskrepanz zwischen den illegalen Aktionen von Schulleitern und Behörde und den gesellschaftlichen Normen und Werten. Ich habe gelernt, dass Schulleiter sich jegliche Gesetzeswidrigkeit leisten können, ohne jemals darüber Rechenschaft ablegen zu müssen. Das macht mich verzeifelt, hilflos, extrem wütend.

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