Begünstigt die Leitwährung des US-Dollars eine wirtschaftliche Vormachtstellung der USA im internationalen Handel?

Eine Bestandsaufnahme und Ausblick auf die Zukunft der USA und des US-Dollars als Leitwährung


Bachelorarbeit, 2020

67 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise
1.3 Die wirtschaftliche Vormachtstellung der USA

2. Fachliche Klärung
2.1 Die Leitwährung
2.2 Vormachtstellung
2.2 Die Währungspolitik im Überblick

3. Der US-Dollar als Leitwährung
3.1 Funktionen und Vorzüge einer Leitwährung
3.1.1 Historische Entwicklung des US-Dollars zur Leitwährung ab 1944
3.1.3: Die Entstehung des Petrodollars:
3.1.4: US-Dollar seit 1973:
3.2 Bedeutung für die amerikanische Wirtschaft
3.2.1 Außenhandel & US-Dollar
3.2.2 Seigniorage-Einkünfte mithilfe des US-Dollars
3.2.3 Endlose Refinanzierung durch den US-Dollar
3.3 Bedeutung für die militärische Stellung der USA
3.4 Hegemonie des US-Dollars als Zahlungsmittel auf der Welt

4. Zukunftsaussichten
4.1 Die Wahl des 45. US-Präsidenten Donald Trump
4.2 Erstarken alternativer Währungen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

„Die gegenwärtige globale Vorherrschaft der USA unterscheidet sich jedoch von allen früheren historischen Beispielen durch ihr plötzliches Zustandekommen, ihr weltweites Ausmaß und die Art und Weise, auf die sie ausgeübt wird."1 Dieses Zitat stammt vom Sicherheitsberater des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carters aus dem Jahre 1997 und beschreibt die globale Vorherrschaft der USA. Nur wenige Länder haben den Ver­lauf der jüngsten Geschichte so geprägt, wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Die einzig verbliebende Weltmacht des zweiten Weltkrieges gilt als Führungsmacht des Westens und wird aufgrund seiner wirtschaftlichen und militärischen Macht auf der Welt respektiert. Die USA haben in den letzten Jahrzehnten ihren Machtbereich und ihren Einfluss kontinuierlich ausgedehnt. Mit dem Zerfall der Sowjetunion, ist Anfang der 90er Jahre, der letzte ebenbürtige Rivale von der Landkarte verschwunden. Im Laufe der Ge­schichte ist es der USA gelungen, sich an die Spitze verschiedener internationaler Ab­kommen und Allianzen zu setzen. So beispielsweise die North Atlantic Treaty Organiza­tion (NATO), ein Verteidigungsbündnis von mehr als 30 Ländern, in welchem die USA eine Führungsrolle innehat. Zudem steht das Land vielen Staaten auf der Welt als Schutzpatron zur Seite. Südkorea, Israel, oder Saudi-Arabien, sind nur einige der Län­der, welche sich auf den Schutz der militärischen Supermacht USA verlassen. Die mili­tärische Macht der USA wird auch durch die hohen Militärausgaben des Landes erkenn­bar. Diese Übersteigen mit 731 Milliarden US-Dollar bei weitem den Ausgaben anderer Staaten wie China oder Russland, welche ebenfalls über ein großes aufgestelltes Militär verfügen.2 Die globale Vorherrschaft der USA kann aus verschiedenen Perspektiven be­trachtet werden. Wirtschaftlich, militärisch, oder auch politisch übersteigen die Fähigkei­ten der USA bei weitem die anderer Staaten. Selbst ideologisch gilt die USA für viele Staaten als Leitbild, so werden amerikanische Ideale von einem beachtlichen Teil der Welt als erstrebenswert betrachtet. Darunter fällt auch der amerikanische Lebensstil, der sich einer großen internationalen Beliebtheit erfreut. Aus diesen Entwicklungen sind Be­griffe wie ,The American Way of Life‘ oder ,The American Dream‘ hervorgegangen, die weltweit bekannt sind und amerikanische Ideale und Vorstellungen verkörpern. Die USA tritt aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stärke jedoch besonders hervor und zeichnet sich als Ordnungsmacht durch die Unterstützung des Wiederaufbaus zahlreicher Länder nach dem zweiten Weltkrieg aus. Bis heute gehört die USA nach Angaben der Weltbank mit ihrem Bruttoinlandsprodukt von 21,3 Billionen US-Dollar zur größten Volkswirtschaft der Welt.3 Als ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der amerikanischen Wirtschaft stellt sich der US-Dollar dar, denn bei der amerikanischen Währung handelt es sich um die am häufigsten verwendete Währung der Welt. Der US-Dollar steht aufgrund seiner hohen Verbreitung als internationales Zahlungsmittel stellvertretend als Symbol für die wirt­schaftliche Stärke der USA. Mit der Ablösung des britischen Pfundes als internationale Leitwährung, übernahm der US-Dollar die Führung und dessen Rolle im internationalen Handel. Seit 1945 stellt keine andere Währung eine Gefahr für den Leitwährungsstatus des US-Dollars dar, dieser genießt bis heute als unangefochtene Leitwährung eine ex­klusive Stellung auf dem Weltmarkt. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zah­lungsausgleich (BIZ) wurde der US-Dollar im Jahre 2019 für 88% aller Devisentransak­tionen genutzt.4 Damit führt im internationalen Handel kaum ein Weg an der amerikani­schen Währung vorbei. Weit abgeschlagen befindet sich der Euro, auf den nur insge­samt 33% aller global getätigten Devisentransaktionen entfallen.5 Die Dominanz des US- Dollars im internationalen Handel macht sich auch daran erkennbar, dass wichtige Güter fast ausschließlich in der amerikanischen Währung fakturiert werden. Hierzu gehört bei­spielsweise der Handel mit einer der wichtigsten Ressourcen der Welt, dem Erdöl. Die überwiegende Fakturierung des Erdölhandels in US-Dollar brachte der Währung den Beinamen Petrodollar ein. Aufgrund dieser Tatsache, verschafft erst der US-Dollar vielen Staaten den Zugang zum internationalen Handel mit elementaren Ressourcen. Wie al­lerdings profitiert die USA von diesem Umstand? Inwiefern verhilft der US-Dollar der USA zu einer wirtschaftlichen Vormachtstellung im internationalen Handel? Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit ist es, die Zusammenhänge zwischen der wirtschaftlichen Stellung der USA im internationalen Handel und der Leitwährung aufzuzeigen. Die Be­ziehungen zwischen Währung und Wirtschaft sollen in den nachfolgenden Kapiteln aus verschiedenen Perspektiven heraus analysiert werden, um eine Beantwortung der For­schungsfrage zu ermöglichen.

1.2 Vorgehensweise

Die vorliegende Arbeit ist in fünf Kapitel gegliedert. Nach der Einleitung geht es im da­rauffolgenden Abschnitt darum, einen Eindruck von der wirtschaftlichen Stärke der USA zu vermitteln und die Besonderheiten der amerikanischen Wirtschaftsleistung aufzuzei­gen. Das Ende des ersten Kapitels wird durch die kurze Beschreibung der wirtschaftlichen Vormachtstellung der USA markiert. Hier wird ein kurzer Überblick über die Stellung der USA im internationalen Handel gegeben werden. Hierbei soll ersichtlich werden, dass es sich bei der USA um einen globalen Spieler im internationalen Wirt­schaftsgeschehen handelt, dessen wirtschaftliche Stärke die anderer Staaten bei weitem übertrifft. Nach der Einleitung geht es im zweiten Kapitel darum, die theoretischen Grundlagen, welche der Arbeit zugrunde liegen genauer zu bestimmen. Hierzu müssen zunächst die beiden Begrifflichkeiten ,Leitwährung‘ und ,Vormachtstellung‘ näher be­trachtet und differenziert werden. Aus den gewonnen Erkenntnissen sollen Kriterien ab­geleitet werden, anhand eindeutig bestimmt werden kann, ob es sich bei einer vorhan­denen Währung tatsächlich um eine Leitwährung handelt oder nicht. In ähnlicher Art und Weise soll bei dem Begriff der Vormachtstellung vorgegangen werden. Ausgangspunkt des zweiten Abschnitts ist das Themenfeld der Währungspolitik. Hier soll die Bedeutung der Währung für den internationalen Handel nachvollziehbar dargestellt werden. Mithilfe des zweiten Abschnitts wird ein Grundverständnis für die später untersuchten engen Beziehungen zwischen Währung und internationalem Handel geschaffen. Im Fokus des dritten Kapitels steht die Währung der USA, der US-Dollar. Das dritte Kapitel stellt den Schwerpunkt der Arbeit dar und wird den US-Dollar aus verschiedenen Perspektiven heraus näher analysieren. Hierfür wird im ersten Abschnitt der in Kapitel zwei erläuterte Begriff der Leitwährung erneut aufgegriffen. Nach der Begriffsbestimmung im zweiten Kapitel, sollen im ersten Abschnitt des dritten Kapitels die Funktionen und Vorzüge einer Leitwährung beschrieben werden. Im späteren Verlauf wird detailliert betrachtet, inwie­fern der US-Dollar die Funktionen und Vorzüge einer Leitwährung erfüllt. Zunächst je­doch wird im Anschluss des ersten Abschnitts die historische Entwicklung des US-Dol­lars zur Leitwährung dargestellt. Dazu werden die Schlüsselereignisse, welche den US- Dollar zur internationalen Leitwährung verholfen haben, in chronologischer Reihenfolge aufgeführt. Darauf aufbauend wird im nächsten Abschnitt die Bedeutung des US-Dollars für die amerikanische Wirtschaft präzisiert. In diesem Kapitel sollen die engen Beziehun­gen zwischen dem US-Dollars als Leitwährung und der amerikanischen Wirtschaft ex­plizit dargelegt werden. Zudem soll deutlich gemacht werden, inwiefern die wirtschaftli­che Hegemonie der USA im internationalen Handel durch den US-Dollar als Leitwährung profitiert. Dabei soll herausgearbeitet werden, ob der US-Dollar in seiner Funktion als Leitwährung tatsächlich eine wirtschaftliche Vormachtstellung der USA im internationa­len Handel begünstigt. Das Kapitel dient dazu, dass Zusammenspiel zwischen Leitwäh­rung und wirtschaftlicher Hegemonie konkret auf das Beispiel USA und dem US-Dollar zuzuspitzen. Inwiefern der Leitwährungsstatus des US-Dollars auch andere Machtberei­che, wie zum Beispiel die militärische Stärke der USA beeinflusst, wird im darauffolgen­den Abschnitt aufgezeigt. Abschließend wird zum Ende des Kapitels die Hegemonie des US-Dollars als Zahlungsmittel auf der Welt näher betrachtet. Dieser Abschnitt soll die Hegemonie des US-Dollars aus zwei Perspektiven versuchen darzustellen. Zunächst sollen die Vorteile einer weltweiten Hegemonie des US-Dollars aus einer amerikanischer Perspektive heraus beschrieben werden. Hierbei wird das Ausmaß ersichtlich, inwieweit der US-Dollar als internationale Transaktionswährung innerhalb verschiedener globaler Zahlungssysteme verankert ist. Auf der Grundlage des vorherigen Abschnittes kann auf­gezeigt werden, welches Interesse die USA damit verfolgen könnten, den Status ihr Währung als globale Leitwährung aufrechtzuerhalten. Mithilfe dieser Erkenntnis, kann ebenfalls eine Aussage darüber getroffen werden, was eine Schwächung des US-Dol­lars als Leitwährung für die amerikanische Wirtschaft bedeuten würde. Die amerikani­sche Perspektive soll im zweiten Teil des Abschnittes durch eine Vogelperspektive aus­getauscht werden. Diese Vogelperspektive stellt den Blick der restlichen Weltgemein­schaft auf die Dominanz des US-Dollars im internationalen Handel dar. Welche Länder betrachten den Leitwährungsstatus des US-Dollars mit Argwohn? Ist eine globale Leit­währung in Form des US-Dollars dem internationalen Handel dienlich oder schadet sie diesem? Wer wäre in der Lage, die Strukturen des US-Dollars im internationalen Handel im Falle eines schwächelnden US-Dollars zu ersetzen? Die gewonnen Erkenntnisse bil­den das Fundament, um im weiteren Verlauf eine umfassende Antwort auf die Frage­stellung der Arbeit geben zu können. Im vierten Kapitel wird versucht eine Prognose über die Zukunftsaussichten des US-Dollars als Leitwährung zu treffen. Wenn der US- Dollar die wirtschaftliche Hegemonie der USA maßgeblich beeinflusst, liefert die Antwort auf die Frage zugleich Auskunft über das weitere Schicksal der wirtschaftlichen Hege­monie der USA. Als Anhaltspunkte dienen hierbei die Ereignisse der Gegenwart, wie zum Beispiel die Wahl des 45. US-Präsidenten Donald Trump und die damit einherge­hende Neuausrichtung der amerikanischen Wirtschaftspolitik. Auch das Erstarken alter­nativer Währungen und Volkswirtschaften wie China muss für eine realitätsnahe Prog­nose herangezogen werden. Abschließend werden die gesammelten Erkenntnisse aus den vorherigen Kapiteln zusammengetragen, um eine umfassende Antwort auf die ein­gangs gestellte Fragestellung erhalten zu können.

1.3 Die wirtschaftliche Vormachtstellung der USA

Seit dem römischen Reich war keine Nation anderen so weit überlegen wie die USA, titelte die Zeitschrift ,The Economist im Jahre 2002.6 Bevor die wirtschaftlichen Macht­strukturen der Vereinigten Staaten in den nachfolgenden Kapitel isoliert voneinander be­trachtet werden, soll in diesem kürzer gehaltenen Abschnitt versucht werden, ein Eindruck von der wirtschaftlichen Stellung der USA in der Welt zu vermitteln. Wie stellt sich eine potenzielle wirtschaftliche Vormachtstellung der USA in der heutigen Welt dar? Die USA verfügen mit ihrer Wirtschaft über das höchste Bruttoinlandsprodukt und gelten als das Zentrum der Weltwirtschaft. Denn die amerikanische Wirtschaft generiert im Al­leingang in etwa 1/4 des gesamten weltweiten Bruttoinlandsprodukts.7 Damit verfügt die USA über einen großen Einfluss auf das weltweite Wirtschaftsgeschehen und ist maß­geblich für dessen Verfassung verantwortlich. So schreibt Stockheim über die Rolle der US-Wirtschaft in seinem Buch Inside Wallstreet: „Was von der Wall Street ausgeht, ist heute Trend und morgen Realität in allen freien Volkswirtschaften der Welt."8. Die Unter­nehmen und Konzerne, die es schaffen sich auf dem amerikanischen Markt zu behaup­ten, haben gute Chancen auch international erfolgreich zu sein. Die internationale Stärke und Präsenz amerikanischer Unternehmen ist ein weiteres Indiz für die Stärke der ame­rikanischen Wirtschaft. Die folgende Tabelle listet die zehn wertvollsten Unternehmen der Welt auf und legt die Dominanz der amerikanischen Unternehmen offen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: https://www.interbrand.com/best-brands/best-global-brands/2019/ranking/ , abgerufen am 1 . 10 . 20 .

Nach Angaben von Interbrand, handelt es sich demnach bei sieben der zehn Unterneh­men um amerikanische Unternehmen. Die ersten fünf Plätze werden dabei allein von amerikanischen Unternehmen belegt. Neben dem hohen BIP, deutet damit auch die Stellung amerikanischer Unternehmen auf eine wirtschaftliche Vormachtstellung der USA hin. „Der Dow-Jones-Index ist die Fieberkurve der Weltwirtschaft"9 schreibt Stock­heim und tatsächlich ist die internationale Bedeutung der amerikanischen Börse nicht von der Hand zu weisen. Die Interdependenz der Weltwirtschaft und der amerikanischen Wirtschaftsleistung wurde im Jahre 2008 ersichtlich. Der Dow-Jones-Index brach im Zuge der US-Hypothekenkrise um 40 Prozent ein. Die Folgen der Krise weiteten sich global aus und entwickelten sich zu einer internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise.10 Die amerikanische Wirtschaft spielt eine wichtige Rolle im internationalen Handel und im Allgemeinen für den Zustand der globalen Weltwirtschaft. Die Währung der Amerikaner kann als stellvertretend für den großen Einfluss und der wirtschaftlichen Macht Washing­tons angesehen werden. Ein Großteil der weltweiten Transaktionen werden innerhalb der US-Währung verrechnet, was der amerikanischen Währung quasi eine Monopolstel­lung im internationalen Handel verleiht. Die USA selbst tritt seit dem zweiten Weltkrieg als Hegemon und Ordnungsmacht auf. Gut erkennbar ist dies anhand der aktuellen Ent­wicklungen. So verfügen die USA über die Macht einzelne Länder und große Konzerne wirtschaftlich bedeutend zu schwächen. Aktuell befindet sich die USA in einem offenen Konflikt mit China wie auch dem Iran. Gegen die Chinesen haben die USA bereits eine Reihe von Handelssanktionen erlassen und große chinesischen Unternehmen wie Hua- wei bereits stark geschadet. Dabei wird bereits spekuliert, ob die amerikanischen Sank­tionen das Ende für den größten internationalen Tech-Konzern bedeuten.11 Dem Iran ergeht es aktuell weitaus schlimmer, so führten die amerikanischen Sanktionen quasi zur wirtschaftlichen Isolation des Irans. Die USA haben dem Land aufgrund von politi­schen Differenzen den Zugang zum US-Markt verwehrt und anderen Staaten den Han­del mit dem Iran untersagt. Zudem wurde das Land zusätzlich von internationalen Zah­lungssystemen abgekoppelt. Derartige Fähigkeiten der USA werden zu einem späteren Zeitpunkt näher betrachtet, doch veranschaulicht dieses Vorgehen, über welche wirt­schaftliche Macht die USA verfügen. Denn kaum ein anderer Staat konnte innerhalb der jüngsten Vergangenheit ähnliche Mittel anwenden, um andere Staaten wirtschaftlich un­ter Druck zu setzen.

2. Fachliche Klärung

Im Folgenden geht es zunächst um die Einführung thematischer Begriffe, die von zent­raler Bedeutung für die vorliegende Arbeit sind und den Zugang wie auch das Verständ­nis der Thematik maßgeblich erleichtern. Im Fokus stehen die beiden Termini ,Leitwäh- rung‘ wie auch ,Vormachtstellung‘, die einer genaueren linguistischen und fachlichen Untersuchung bedürfen. Zum Ende des Kapitels soll die Rolle der Währungspolitik im internationalen Handel näher beleuchtet werden.

2.1 Die Leitwährung

Im Folgenden soll eine Klärung des Begriffes Leitwährung erfolgen, damit im Nachhinein über die Rolle des US-Dollars als Leitwährung gesprochen werden kann. Da es sich bei einer Leitwährung um eine besondere Art der Währung handelt, müssen zunächst die Charakteristika einer Währung beschrieben werden. In der heutigen Zeit existieren eine Vielzahl von unterschiedlichen Währungen auf der Welt. Nach den Informationen von Aschberger existieren weit über 160 verschiedene Währungen auf der Welt.12 Von den 160 Währungen sind dem Großteil der Menschen nur wenige geläufig, darunter zählen sicherlich der Euro, der US-Dollar und mittlerweile auch der Renminbi. Der Begriff der Währung umfasst nach Schaal das Geldwesen eines Währungsgebietes, dass meistens aus einem Staatsgebiet oder manchmal auch aus einem Territorium zusammenge­schlossener Staaten einer Währungsunion besteht.13 Der Euro kann hier als klassisches Beispiel einer Währung zusammengeschlossener Staaten aufgeführt werden. Innerhalb des Staatsgebietes oder des Territoriums dient die Währung in der Regel als gesetzli­ches Zahlungsmittel. Nach Schaal erstreckt sich die Bedeutung des Währungsbegriffes auf die nachfolgenden drei Bereiche:

1. als Bezeichnung der nationalen Währungseinheit
2. auf die Geldverfassung eines Währungsgebietes
3. auf die Beziehungen zwischen dem Geldwesen zweier oder mehrerer Währungs­gebiete.14

Hieraus ist zu schließen, dass der Währungsbegriff nicht mit dem des Geldbegriffes gleichgesetzt werden darf. Die Nennung der zentralen Merkmale einer Währung nach Verbeck erhöht die Trennschärfe zwischen den beiden Begrifflichkeiten:

1. die Währung gilt in einem Land oder einem länderübergreifendem Territorium als offizielles Zahlungsmittel, was in einem Annahmezwang für die Bevölkerung des Landes resultiert.
2. für jede Währung existiert zusätzlich ein Währungsträger, der die Aufgabe hat, die Wertstabilität der von ihm administrierten Währung zu sichern.
3. unverzichtbar ist es zudem, dass eine Währung über einen offiziellen Namen verfügt oder häufig auch über ein Währungssymbol, das zu Abkürzungszwecken im Schriftverkehr oder der Buchhaltung dient.15

Aktuell ist jedoch zu beobachten, dass Währungen in Erscheinung treten, die nur teil­weise über die oben genannten Merkmale verfügen. Hierzu können bspw. die Kryp- towährungen gezählt werden, dessen Bedeutung in der Zukunft weiter zunehmen könn­ten.

Obwohl überall auf der Welt verschiedene Währungen zum Einsatz kommen, können Unterschiede im Vergleich zwischen den einzelnen Währungen festgestellt werden. So kann für einige Währungen der problemlose Umtausch in eine andere Währung nicht garantiert werden, diese spezielle Eigenschaft einer Währung wird als Konvertierbarkeit bezeichnet. Frei konvertierbare Währungen können ohne Beschränkungen in eine an­dere Währung umgetauscht werden. Nach Büter stellt diese Eigenschaft eines der wich­tigsten Merkmale von Währungen dar und bildet die Voraussetzung für einen funktions­fähigen internationalen Waren- und Zahlungsverkehr.16 Von den 160 Währungen der Welt sind nach Angaben der Währungstabelle der Schweizerischen Bankgesellschaft (1989), nur 26 Währungen konvertierbar, davon handelt es sich alleine bei 15 der 26 Währungen, um die Währungen westlicher Industrieländer.17 Ein weiterer bedeutender Unterschied zwischen den Währungen der Welt, besteht in der Häufigkeit ihrer Nutzung. Zum Vergleich, die mexikanische Währung, der Peso, befindet sich auf dem 25. Platz der am häufigsten genutzten Währungen der Welt und besitzt damit einen Anteil von 1,1 Prozent an den weltweiten Transaktionen. Der US-Dollar hingegen weist mit knapp 88 Prozent einen wesentlich höheren Anteil auf und befindet sich mit großem Abstand auf dem ersten Platz.18 Die Frage, wieso der US-Dollar im direkten Vergleich mit anderen Währungen über eine deutlich höhere Nachfrage verfügt, führt zum Begriff der Leitwäh­rung. Bei einer Leitwährung handelt es sich unumstritten um die wichtigste Währung der Welt.19 So gilt sie grenzüberschreitend als sicheres Wertaufbewahrungsmittel. Eine Leit­währung wird von den Zentralbanken der verschiedenen Staaten als Reservewährung akzeptiert und in ein festes Wechselkursverhältnis zur eigenen Währung gesetzt.20 Na­türlich deckt diese sehr kurz gehaltene Beschreibung nicht alle Aufgabenbereiche einer Leitwährung ab, doch macht sie deutlich, dass es sich bei einer Leitwährung zugleich um die Währung eines Staates oder aber eines Staatenverbundes in Form einer Wäh­rungsunion handeln muss. Andere Staaten pflegen in der Regel enge wirtschaftliche Be­ziehungen zum Leitwährungsland und setzen die eigene Währung in ein festes Aus­tauschverhältnis zur Leitwährung. Ein solches Austauschverhältnis zwischen der Leit­währung und einer Fremdwährung wird Parität genannt und drückt sich im heute weit­geläufigem Begriff des Wechselkurses aus.21 Die Funktionen einer Leitwährung lassen sich nach Herger in drei wesentliche Aufgabenbereiche gliedern:

1. eine Leitwährung dient als weit verbreitetes Zahlungsmittel im globalen Handel und Kapitalverkehr
2. eine internationale Leitwährung dient als Referenzpunkt in einem System fixer Wechselkurse
3. eine internationale Leitwährung dient auch im Ausland als Wertaufbewahrungs­mittel und beinhaltet somit einen signifikanten Teil der Währungsreserven aus­ländischer Zentralbanken.22

Bei einer Leitwährung handelt es sich demnach um eine Währung, die auch außerhalb ihres Herkunftslandes stark genutzt wird und welche die Funktionen einer Währung grenzüberschreitend wahrnimmt. Der Begriff der Leitwährung wird häufig mit dem der Reservewährung gleichgesetzt, da eine Leitwährung auch die Funktionen einer Reser­vewährung übernimmt. Da die Leitwährung als internationales Zahlungsmittel fungiert, haben viele Staaten ein Interesse daran, eine hohe Menge an Devisenreserven in der Leitwährung zu halten. So belaufen sich nach Informationen aus der Datenbank des IWFs, der „Currency Composition of Official Foreign Exchange Reserves (COFER) ak­tuell knapp 62% der weltweit offengelegten Devisenrestbestände allein auf den US-Dol­lar.23 Die Entwicklung einer Währung zur Leitwährung wird zum großen Teil auch durch die wirtschaftliche Situation im Leitwährungsland bedingt. Bisher, so stellt Sauer fest, war der Aufstieg und Fall einer internationalen Währung praktisch immer mit dem Auf­stieg und Fall des jeweiligen Landes verbunden.24 Als historisches Beispiel kann hier Großbritannien aufgeführt werden. Der Sterling verlor seinen Leitwährungsstatus in der Welt, weil Großbritannien seine ökonomische Macht im Laufe des zweiten Weltkrieges zu weiten Teilen eingebüßt hatte.25

Mithilfe der genannten Merkmale und Funktionen konnte der Begriff der Leitwährung genauer bestimmt werden. Neben der Leitwährung existieren im Regelfall weitere Wäh­rungen, die einen Teil der Funktionen der Leitwährung ebenfalls erfüllen, jedoch nicht über denselben Einfluss im internationalen Handel verfügen .So handelt es sich bei dem Euro ebenfalls um eine international anerkannte Währung, doch ihre Rolle als Transak­tionswährung beschränkt sich überwiegend auf den europäischen Währungsraum. Eine Leitwährung ist klar von anderen Währungen abzugrenzen, da ihr eine bedeutende Rolle in der internationalen Währungsordnung beigemessen wird.

2.2 Vormachtstellung

Der Begriff der Vormachtstellung tritt häufiger innerhalb verschiedener Kontexte in Er­scheinung. Eine eindeutige Präzisierung des Begriffs ist daher nicht ohne weiteres mög­lich. Ein Blick in den Duden liefert die Information, dass sowohl Unternehmen aber auch Länder über eine wirtschaftliche, politische, soziale oder militärische Vormachtstellung verfügen können.26 Eine tieferes Verständnis gelingt durch die Deutung von verwandten Begriffen, zu welche nach Duden Übermacht, Dominanz, Vorherrschaft und Hegemonie zählen. Insbesondere der Begriff der Hegemonie ermöglicht eine genauere Interpreta­tion. Die Etymologie des Wortes Hegemonie führt in die griechische Sprache, so leitet sich das Wort Hegemonie vom griechischen Wort ,hëgemonla‘ ab und kann als führen, leiten, oder auch glauben verstanden werden.27 Nach Ide ist es möglich diesen Begriff aus zwei verschiedenen Bedeutungsperspektiven zu betrachten, sowohl als Ordnungs­begriff auf der Basis von Macht oder aber als Beschreibung eines Führungsstils mit dem Ziel der Anerkennung.28 Um eine Hegemonie aus der Perspektive des Ordnungsbegrif­fes herzustellen, müssen nach Lieber zwei Grundvoraussetzungen erfüllt sein:

1. Power (Die notwendige Macht, um eine Ordnung durchzusetzen)
2. Willpower (Den Willen und die Bereitschaft Entscheidungen aufgrund von Weis­heit und Wissen zu treffen).29

Aus den beiden Punkten kann geschlossen werden, dass Lieber nicht nur die notwen­dige Macht als Grundvoraussetzung für eine Hegemonie ansieht, sondern ebenfalls die intrinsische Motivation des Hegemon selbst eine Ordnungsmacht sein zu wollen. Eine weitere Definition nach Gilpin, beschreibt die Hegemonie als ein System, in der ein Land über solch eine Macht verfügt, dass es andere Länder kontrollieren oder dominieren kann.30 Sehr abstrakt deutet die Theoretikerin Judith Butler die Hegemonie, so be­schreibt sie diese als etwas was so mächtig ist, dass es vom Einzelnen nicht bewusst wahrgenommen wird.31 Nach Ide sind sich alle Definitionen darin einig, dass es einen dominierenden Staat gibt, welcher im Vergleich zu den übrigen Mächten über herausra­gende Machtressourcen und Mobilisierungsfähigkeiten besitzt und zudem Willens ist diese einzusetzen.32 Mithilfe der Hegemonie kann die Bedeutung des Begriffs Vormacht­stellung genauer präzisiert werden. Daher wird im weiteren Verlauf auch das Wort He­gemonie / Hegemon zur Beschreibung der amerikanischen Vormachtstellung genutzt.

2.2 Die Währungspolitik im Überblick

In diesem Abschnitt sollen die grundlegenden Aufgaben und Ziele der Währungspolitik erläutert werden. Dadurch soll aufgezeigt werden, welche Rolle die Währung im interna­tionalen Handel einnimmt. Zudem wird ein Blick auf die engen Beziehungen zwischen der Währung eines Landes und dessen Wirtschaft geworfen. Die Währungspolitik ver­folgt nach Schmidt eine instrumentelle Funktion, nämlich den zwischenstaatlichen Güter­und Leistungsaustausch möglichst störungsfrei aus einer finanziellen Perspektive her­aus zu gestalten.33 Die Währungspolitik eines Landes scheint demnach unmittelbar mit dem Außenhandel eines Landes in Verbindung zu stehen. Beim Außenhandel handelt es sich um einen elementaren Wirtschaftszweig eines jeden Staates. Die Wirtschafts­leistung von vielen großen Volkswirtschaften wie Deutschland, China oder der USA sind stark vom Außenhandel abhängig. So betrug allein der Anteil der Exporte am Bruttoin­landsprodukt Deutschlands nach Angaben des statistischen Bundesamtes im Jahre 2019 etwa knapp 47%.34 Wieso Staaten Handel mit dem Ausland betreiben sollen und inwiefern sie von diesem profitieren wurde in verschiedenen Außenhandelstheorien fest­gehalten. Als einer der ersten Nationalökonomen beschrieb Adam Smith wieso Staaten untereinander in Außenhandel treten sollten. Smith vertrat die Ansicht, dass ein Staat vom Außenhandel profitieren kann, wenn es die Güter exportiert, die es absolut kostengünstiger produziert und die Güter importiert, die im Ausland kostengünstiger her­gestellt werden.35 Die Kernaussagen Smiths zum Außenhandel wurden von weiteren Ökonomen wie David Ricardo oder Hekscher und Ohlin aufgegriffen und erweitert. So machte Ricardo deutlich, dass Außenhandel auch zu Wohlfahrtsgewinnen führen kann, selbst wenn die Produktion der Güter gegenüber dem des Auslands unterlegen ist.36 Währungen spielen in diesem Kontext eine zentrale Rolle, denn durch sie wird der inter­nationale Handel erst ermöglicht. Sie fungieren als Zahlungsmittel für den Güter- und Leistungsaustausch. Ziel der Währungspolitik ist unter anderem die Absicherung von Gewinnen, die durch Außenhandel entstehen, denn durch den Außenhandel können zwar Wohlfahrtsgewinne generiert werden, ob diese aber tatsächlich dem Staat zugute­kommen ist von mehreren Faktoren abhängig. Bei einem dieser Faktoren handelt es sich um den Wechselkurs, dessen Auswirkungen im Handel mit dem Ausland nachfolgend veranschaulicht werden. Als Beispiel dient ein amerikanisches Unternehmen, welches sich für den Kauf von deutschen Industriemaschinen interessiert. Wenn der Preis für die in Deutschland hergestellten Maschinen 100.000€ beträgt, muss der amerikanische Kunde den Wechselkurs der beiden Währungen Euro und US-Dollar beachten. Aktuell wird der Euro im Verhältnis 1€ zu 1,10 US-Dollar gehandelt. Damit reichen 100.000 US- Dollar nicht aus und der Amerikaner muss aufgrund des Wechselkurses mindestens 110.000 US-Dollar aufbringen, um die Maschinen kaufen zu können. Umgekehrt muss der Europäer, aufgrund des Wechselkursverhältnisses lediglich 90.000€ aufbringen, um eine amerikanische Maschine im Wert von 100.000 US-Dollar zu kaufen. Währungen spielen nicht nur beim Export von Maschinen eine bedeutende Rolle, sondern ebenfalls auf dem Gütermarkt, im Beschaffungs- und Rohstoffmarkt, auf dem Arbeitsmarkt, dem Kapitalmarkt und im Geld- und Devisenmarkt.37 Wie die Währungen zu einem störungs­freien Handel beitragen, wird bei einem Blick auf den Rohstoffmarkt ersichtlich. So han­delt es sich bei Erdöl um ein Gut, welches von allen Ländern der Erde benötigt wird. Um eine möglichst hohe Menge an Erdöl importieren zu können, sollte die eigene Währung im besten Fall über einen höheren Wert verfügen als die Währung des erdölexportieren­den Staates. Der Wert der eigenen Währung kann mithilfe unterschiedlicher Maßnah­men gesichert und gestärkt werden. Ein geläufiges Beispiel ist der Zusammenschluss von mehreren Staaten zu einer gemeinsamen Währungsunion. Die Vorteile einer Wäh­rungsunion lassen sich nach Meyer kurz in vier Punkte unterteilen,

1. Vergrößerung des Marktes
2. Wegfall von Schwankungen und Wechselkurse zwischen nationalen Währungen
3. Eliminierung von Transaktionskosten
4. Kurssicherungskosten werden größtenteils eliminiert.38

Neben der Option sich zu einer gemeinsamen Währungsunion zusammenzuschließen, existieren noch weitere Möglichkeiten, um den Wert der eigenen Währung zu stärken. Im dritten Kapitel wird aufgezeigt, mithilfe welcher Maßnahmen der US-Dollar seinen Wert im Laufe der Geschichte stärkte. Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass Währungen eine zentrale Rolle im internationalen Handel innehaben, denn sie dienen als Zahlungsmittel innerhalb verschiedener Märkte. Anhand einer Vielzahl von Kriterien kann zwischen Währungen unterschieden werden. Die Merkmale einer starken Währung sind neben der Konvertibilität, ein stabiles und langfristiges Wechselkursverhältnis wie auch eine niedrige Inflationsrate.39 Genannt wurde in diesem Zusammenhang der Begriff der Leitwährung und der Konvertibilität. Währungspolitik verfolgt das Ziel, den Handel für ein Staat möglichst störungsfrei zu gestalten und Wohlfahrtsgewinne abzusichern.

3. Der US-Dollar als Leitwährung

Im bisherigen Verlauf der Arbeit wurde der US-Dollar als Währung bisher nur im Allge­meinen thematisiert. Das folgende Kapitel stellt den Schwerpunkt der Arbeit dar und wird den Fokus überwiegend auf den US-Dollar legen. Nach einer kurzen Beschreibung der Vorzüge und Funktionen einer Leitwährung, wird im zweiten Abschnitt die Geschichte und die Entwicklung des US-Dollars bis hin zur Leitwährung thematisiert. Den Hauptteil der Analyse stellt der dritte Abschnitt dar, in dem die Bedeutung des US-Dollars für die amerikanische Wirtschaft aus verschiedenen Perspektiven heraus dargelegt wird.

3.1 Funktionen und Vorzüge einer Leitwährung

Dass es sich bei der Währung der Vereinigten Staaten von Amerika um eine Leitwährung handelt, wurde bereits in Kapitel 2 anhand der Charakteristika festgestellt. Wie das Leit­währungsland vom Status ihrer Währung als Leitwährung profitiert wird nachfolgend dar­gelegt. Die Vorzüge einer Leitwährung resultieren aus ihren Funktionen. Eine Leitwäh­rung erfüllt mehrere Funktionen und spielt insbesondere im internationalen Handel und Kapitalverkehr eine bedeutende Rolle. Für das Leitwährungsland ergeben sich dadurch eine Vielzahl von Chancen, denn aufgrund ihrer hohen Verbreitung, findet die Leitwäh­rung in weiten Teilen der Welt eine breite Akzeptanz. Hierdurch können im grenzüber­schreitenden Handel mit dem Ausland teure Transaktionskosten vermieden werden. Transaktionskosten wurden nach Ronald Coase als Kosten für die Nutzung des Marktes im Allgemeinen definiert.40 Dies bedeutet, dass Transaktionskosten prinzipiell bei jedem Handelsgeschäft entstehen, doch sind diese im internationalen Handel mit weit höheren Kosten verbunden.41 Im internationalen Handel entstehen ein Teil der Transaktionskos­ten dadurch, dass zwei Länder, die miteinander in einen Handel treten, über verschie­dene Währungen verfügen. Dieser Umstand verkompliziert den Handel für beide Seiten im Wesentlichen. Der Importeur muss bei der Zahlung den Wechselkurs beachten und dem Exporteur häufig zusätzlich eine Kurssicherung anbieten. Diese sichert das Ge­schäft gegen Wechselkursschwankungen langfristig ab. Die Reduzierung von Transak­tionskosten wird im internationalen Handel eine sehr hohe Priorität eingeräumt, so be­richtet Muth, dass bei der Einführung einer einheitlichen europäischen Währung, der Wegfall von Transaktionskosten eine überragende Rolle spielte.42 Das Land, welches seine eigene Währung als Leitwährung etabliert, kann die Transaktionskosten im Au­ßenhandel bedeutend reduzieren, denn eine Leitwährung dient im internationalen Handel als Zahlungsmittel. Hierdurch entstehen für die Unternehmen und Banken des Leitwährungslandes geringere Transaktionskosten, was sich in höheren Gewinnen nie­derschlägt. Neben dem Leitwährungsland profitieren auch andere Staaten von der Nut­zung der Leitwährung im grenzüberschreitenden Handel. Denn die Leitwährung dient im internationalen Handel häufig als Fakturierungswährung für wichtige Rohstoffe, sowie als Transaktionsmedium zwischen Drittwährungen (Vehikelfunktion).43 Der Wegfall von Transaktionskosten für das Leitwährungsland stellt dabei nicht den einzigen Vorteil dar. Die Refinanzierungsmöglichkeiten des Leitwährungslandes stellen eine weitere Beson­derheit dar, so ist das Leitwährungsland in der Lage, sich fortlaufend verschulden zu können, trotz einer hohen negativen Leistungsbilanz. Der ehemalige französische Fi­nanzminister Valery Giscard beschrieb diese Tatsache in Bezug auf die USA als ein exorbitantes Privileg.44 Denn wenn ein Großteil der Staaten im Ausland im Besitz von US-Dollarnoten sind, kann sich die USA stets Geld zu einem niedrigerem Zinssatz leihen als der Rest der Welt.45 Nachdem einige Vorteile genannt worden sind, stellt sich die Frage nach möglichen Nachteilen. Als großen Nachteil nennt Jäger die fehlende Mög­lichkeit, die Abwertung der eigenen Währung vorzunehmen, denn während andere Staa­ten in der Lage, sind ihre Währung entsprechend ihrer Wirtschaftslage auf- oder abzu­werten, ist dies für das Leitwährungsland nur bedingt möglich.46 Denn das Leitwährungs­land muss neben den eigenen Interessen auch stehts die Interessen der Länder berück­sichtigen, die Teil der Leitwährungszone sind, insbesondere in Krisenzeiten.47 Vergli­chen werden kann die Leitwährungszone mit einer Währungsunion, auch hier muss die zuständige Zentralbank in ihren Entscheidungen die Interessen aller Mitglieder berück­sichtigen. Die Leitwährung verleiht aufgrund ihre Funktionen dem Leitwährungsland be­stimmte Privilegien, inwieweit die USA wirtschaftlich vom US-Dollar als Leitwährung pro­fitiert und wie sich die amerikanische Währung zu Leitwährung entwickelt hat, wird in den nachfolgenden Kapitel dargelegt.

3.1.1 Historische Entwicklung des US-Dollars zur Leitwährung ab 1944

Um zu verstehen, wie der US-Dollar sich zur weltweiten Leitwährung entwickelt hat, ist es notwendig, einen Blick in die jüngste Vergangenheit des US-Dollars zu werfen. Hierzu wird als Ausgangspunkt der Beobachtungen das unmittelbare Ende des zweiten Welt­krieges gewählt. Die Entscheidung für diesen Zeitraum, liegen in den einflussreichen Ereignissen dieser Zeit. Der zweite Weltkrieg war Auslöser für weitreichende geopolitische Veränderungen und führte zu einer Neuordnung der Machtverhältnisse. Wirtschaftlich betrachtet handelte es sich bei den Vereinigten Staaten bereits vor dem Krieg um eine Nation mit einer herausragenden Wirtschaftsleistung, die selbst die der damaligen Großmacht Großbritanniens übertraf.48 Die Welt jedoch befand sich bis zum Ende des zweiten Weltkrieges innerhalb einer internationalen Ordnung, in dessen Zent­rum sich Großbritannien wiederfand. Das britische Königreich hatte im Laufe von mehr als hundert Jahren imperialer Herrschaft das Vertrauen in ihre Wirtschaftsordnung und Währung stark gefestigt.49 Das britische Machtsystem stützte sich zur Zeiten seiner Vor­herrschaft auf drei Säulen:

1. Der britische Pfund galt als die unangefochtene Leitwährung
2. Die Briten verfügten über eine scheinbar allmächtige britische Flotte und kontrol­lierten wichtige Seerouten
3. Industrielle sowie finanzielle Vormachtstellung der City of London.50

[...]


1 Brzezinski (1999), S. 17.

2 vgl. Macias (2019), https://www.cnbc.com/2019/12/21/trump-signs-738-billion-defense- bill.html, abgerufen am 1.06.20.

3 vgl. Weltbank (2019), https://data.worldbank.org/share/widget9indica- tors=NY.GDP.MKTP.CD&locations=US, abgerufen am 30.05.20.

4 vgl. BIS (2019), https://www.bis.org/statistics/rpfx19_fx.pdf, abgerufen am 30.05.20.

5 vgl. ebd (2019), abgerufen am 30.05.20.

6 vgl. https://www.economist.com/by-invitation/2002/03/21/the-new-rome-meets-the-new-barba- rians, abgerufen am 1.06.20.

7 vgl. Weltbank (2019), https://data.worldbank.org/indicator/NY.GDP.MKTP.CD, abgerufen am 1.10.20.

8 Stockheim (2013), S. 14.

9 Stockheim (2013), S. 14.

10 vgl. Kapnik (2014), S. 60.

11 vgl. DPA (2020), https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/neue-sanktionen-koennten-hua- wei-toedlichen-schlag-versetzen-16910034.html, abgerufen am 18.08.20.

12 vgl. Aschberger (2018), S. 183.

13 vgl. Schaal (2018), S. 51.

14 vgl. ebd. (2018), S. 51.

15 vgl. Verbeck (2017), S. 15.

16 vgl. Büter (2017), S. 372.

17 vgl. Forner (1992), S. 385.

18 vgl. BIS (2019), https://www.bis.org/statistics/rpfx19_fx.pdf, abgerufen am 19.08.20.

19 vgl. Heine/ Herr (2012), S. 720.

20 vgl. Zenker (2014), S. 13.

21 vgl. Weeber (2011), S. 114.

22 vgl. Herger, et al. (2015), S. 256.

23 vgl. IWF (2020), https://data.imf.org/?sk=E6A5F467-C14B-4AA8-9F6D-5A09EC4E62A4, ab­gerufen am 10.06.20.

24 vgl. Sauer (2011), S. 12.

25 vgl. Eichengreen/ Bordo (1993), S. 7.

26 vgl. www.duden.de/rechtschreibung/Vormachtstellung, abgerufen am 21.05.2020.

27 vgl. Triepel (1974), S. 21

28 vgl. Ide (2017), S. 95.

29 vgl. Lieber (2012), S. 148.

30 vgl. Gilpin (1981), S. 29.

31 vgl. Cumings (2000), S. 3.

32 vgl. Ide (2017), S. 97.

33 vgl. Schmidt (1985), S. 118.

34 vgl. StBA (2020), https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Globalisierungsindikato- ren/_Grafik/_Interaktiv/vgr-exportquote.html, abgerufen am 24.07.2020.

35 vgl. Dieckheuer (2001), S. 50.

36 vgl. ebd. (2001), S. 50.

37 vgl. Wildmann (2012), S. 201.

38 vgl. Peng/ Meyer (2011), S. 36.

39 vgl. Barfuss (1993), S. 513.

40 vgl. Coase (1937), S. 390.

41 vgl. Blümle (2004), S.1.

42 vgl. Muth (1997), S. 11.

43 vgl. Lachmann (2012), S. 222.

44 vgl. Häring (2012), S. 228.

45 vgl. Ip (2010), S. 228.

46 vgl. Jäger/ Höse/ Oppermann (2017), S. 208.

47 vgl. ebd. (2017), S. 208.

48 vgl. Seifert (2007), S. 7.

49 vgl. Eckert (2007), S. 47.

50 vgl. Hankel/ Isaak (2010), S. 155.

Ende der Leseprobe aus 67 Seiten

Details

Titel
Begünstigt die Leitwährung des US-Dollars eine wirtschaftliche Vormachtstellung der USA im internationalen Handel?
Untertitel
Eine Bestandsaufnahme und Ausblick auf die Zukunft der USA und des US-Dollars als Leitwährung
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Ökonomische Bildung)
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
67
Katalognummer
V1011772
ISBN (eBook)
9783346415646
Sprache
Deutsch
Schlagworte
US-Dollar, Leitwährung, Bachelorarbeit, Währung, Seidenstraße, USA, Hegemonie, Imperium USA, Trump, BIden, Obama, China, Yen, Währungskrieg, Leitwährungen, FED, Leitzins, Zukunft der USA, Wirtschaftliche vormachtsstellung, internationaler Handel
Arbeit zitieren
Ganem Abbas (Autor), 2020, Begünstigt die Leitwährung des US-Dollars eine wirtschaftliche Vormachtstellung der USA im internationalen Handel?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011772

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