Dieses Essay hat zum Ziel, das Verständnis von Macht, unter Einbezug des Einflusses von Sprache, herauszuarbeiten und zu zeigen, in welcher Wechselbeziehung Sprache und Macht stehen.
Dafür wird zunächst ein Rahmen geschaffen, in dem Macht in diesem Essay betrachtet wird, dann der Einfluss der Sprache rekonstruiert und im Anschluss anhand zweier Beispiele untermauert. Die deutsche Außenpolitik in Bezug auf Namibia und die Gender-Debatte verdeutlichen, welche methodischen und epistemologischen Rückschlüsse aus dieser Thematik zu ziehen sind.
Die Vereinten Nationen (UN) haben 193 Mitgliedsstaaten, jedoch nur sechs offizielle Sprachen. Zwar repräsentieren diese einen großen Teil der Weltbevölkerung und erleichtern die Kommunikation der UN, aber sie erreichen zugleich Hunderte Millionen Menschen nicht. Der Grund dafür liegt in der Entstehungsgeschichte der UN nach dem Zweiten Weltkrieg.
Bis heute sind die offiziellen UN-Sprachen die der Siegermächte, ergänzt durch Spanisch und Chinesisch. Deutsch und Japanisch, die gemeinsam auf etwa 200 Millionen MuttersprachlerInnen kommen, sind keine offiziellen UN-Sprachen. Genauso Hindi mit etwa 260 Millionen (SIL International 2014), ganz zu schweigen von Tausenden von Dialekten und Sprachen mit einer jeweils kleineren Anzahl von Sprechenden. Dass diese Sprachen bewusst nicht zu den offiziellen UN-Sprachen zählen, hat damit zu tun, wie die Sprache im Verhältnis zur Macht steht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was bedeutet Macht?
3. Der Einfluss der Sprache
3.1 Namibia: Wie ein Wort Jahrzehnte deutscher Außenpolitik prägt
3.2 Beispiel zwei: Gendern
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen Sprache und Macht und analysiert, wie sprachliche Entscheidungen das Verständnis von Machtverhältnissen in politischen und sozialen Kontexten maßgeblich beeinflussen und transformieren können.
- Theoretische Auseinandersetzung mit dem Machtbegriff nach Max Weber und Michel Foucault
- Untersuchung der Rolle von Sprache als Instrument der Machtausübung
- Analyse der deutschen Außenpolitik gegenüber Namibia unter diskursiven Gesichtspunkten
- Reflektion über die Bedeutung von Sprache und Gendern für soziale Strukturen
- Methodische und erkenntnistheoretische Einordnung von Macht-Sprache-Interdependenzen
Auszug aus dem Buch
Namibia: Wie ein Wort Jahrzehnte deutscher Außenpolitik prägt
Die deutsche Namibia-Politik ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Sprache, gar die Verwendung eines einzelnen Wortes, Machtbeziehungen nachhaltig beeinflussen und verändern kann. Gleichzeitig zeigt sie, wie sehr die Sprache genutzt wird, eigentliche Interessen in der internationalen Politik zu kaschieren oder zu „reframen“, also in einen anderen Rahmen zu setzen, der einen Akteur in einem bessern Licht dastehen lassen kann und soll.
Im Jahre 1904 begangen Truppen des Deutschen Reiches unter der Führung des Generals Lothar von Trotha den brutalsten Völkermord in der kurzen deutschen Kolonialgeschichte, nachdem Angehörige der Volksgruppen der Herero und der Nama gegen die Kolonialherrschaft revoltiert hatten. Doch es hat genau ein Jahrhundert gedauert, bis Repräsentanten der Bundesregierung im August 2004 zum ersten Mal von einem „Völkermord“ gesprochen haben. Und selbst in dieser Rede wurden die Taten nicht direkt als Völkermord bezeichnet, sondern lediglich in den Maßstab gesetzt, dass sie das waren, „was heute als Völkermord bezeichnet würde“. (Wieczorek-Zeul 2007, S. 47)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Sprache im Kontext der UN dar und skizziert das Ziel der Arbeit, die Wechselbeziehung von Sprache und Macht aufzuzeigen.
2. Was bedeutet Macht?: Dieses Kapitel stellt die klassische Machtdefinition nach Max Weber den vielschichtigen, auf Machtbeziehungen fokussierten Überlegungen von Michel Foucault gegenüber.
3. Der Einfluss der Sprache: Dieser Hauptteil untersucht, wie Sprache Erkenntnisse konstruiert und Macht legitimiert oder herausfordert.
3.1 Namibia: Wie ein Wort Jahrzehnte deutscher Außenpolitik prägt: Anhand der deutschen Namibia-Politik wird verdeutlicht, wie sprachliche Selektivität genutzt wird, um Interessen zu kaschieren und juristische Konsequenzen zu vermeiden.
3.2 Beispiel zwei: Gendern: Dieses Kapitel erläutert, wie durch gender-neutrale Sprache bestehende soziale Hierarchien und Diskriminierungen in der Gesellschaft aufgebrochen werden können.
4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die methodischen Erkenntnisse zusammen und betont die konstante Wechselbeziehung zwischen Sprache, Wissen und Macht.
Schlüsselwörter
Sprache, Macht, Machtbeziehungen, Diskurs, Max Weber, Michel Foucault, Sprechakttheorie, Namibia, Völkermord, Außenpolitik, Gendern, Identität, Konstruktivismus, soziale Strukturen, Herrschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Verständnis von Macht verändert wird, wenn man den Einfluss von Sprache und Diskursen kritisch in den Blick nimmt.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Machtdefinition, die strategische Verwendung von Sprache in der Außenpolitik sowie die Rolle von Sprache bei der Konstruktion sozialer Identitäten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Wechselwirkung zwischen sprachlichen Akten und Machtausübung aufzuzeigen und zu belegen, dass Macht durch Sprache geschaffen, reproduziert und legitimiert wird.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden verwendet?
Die Arbeit nutzt Ansätze des radikalen Konstruktivismus, post-koloniale Theorien, die Sprechakttheorie nach Searle sowie die machtanalytischen Konzepte von Max Weber und Michel Foucault.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Rahmung der Machtbegriffe und die anschließende Anwendung auf zwei konkrete Beispiele: die deutsche Außenpolitik gegenüber Namibia und das Thema Gendern.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Machtbeziehungen, Diskurs, Sprechakt, koloniale Strukturen, hegemoniale Männlichkeit und die Konstruktion von Realität durch Sprache.
Warum wird im Beispiel Namibia so stark auf das Wort "Völkermord" fokussiert?
Das Wort dient als Beispiel für sprachliche Selektivität, da dessen Vermeidung oder spezifische Einbettung in der deutschen Außenpolitik dazu genutzt wurde, juristische Reparationspflichten zu umgehen.
Wie unterscheidet sich die Machtbetrachtung nach Foucault von der Webers?
Während Weber Macht als Durchsetzung des eigenen Willens gegen Widerstand definiert, betrachtet Foucault Macht als ein intersubjektives Netz aus Beziehungen und Handlungen, das Akteure durchdringt.
Welche Bedeutung hat das Gendern in diesem Kontext?
Gendern wird als ein Mittel verstanden, um sprachlich geprägte soziale Hierarchien zu durchbrechen und eine geschlechtergerechte Realität zu konstruieren.
Was ist die zentrale Erkenntnis bezüglich der "Gesamtenergie" von Macht?
Der Autor führt diesen Begriff ein, um darzustellen, dass Macht sowohl aus der klassischen Durchsetzungskraft als auch aus dem stillen Einverständnis der Beherrschten besteht, die beide untrennbar in einem Netz verbunden sind.
- Arbeit zitieren
- Gian D. Gantenbein (Autor:in), 2020, Wie Sprache Macht beeinflusst. Rückschlüsse für die Disziplin der Internationalen Beziehungen und ihre Methodologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011949