In dieser Arbeit geht es um das soziologisches Phänomen der "brauchbaren Illegalität" sowie um eine empirische Analyse anhand diesbezüglicher soziologischer Studien.
Um an dieser Stelle Klarheiten zu verschaffen, sollte man sich als Erstes fragen, was bedeutet dieser Begriff: "brauchbare Illegalität"? Er unterstellt das Recht der Brauchbarkeit und Nützlichkeit. Die Erfüllung von Normforderungen wird auf jenes Minimum reduziert, das einen gerade noch vor strafrechtlicher Verfolgung schützt. Deviantes Verhalten steht dabei in direktem Zusammenhang mit dem illegalen Handeln.
Dabei ist das Thema "Deviantes Verhalten in Organisationen" gesellschaftlich und politisch sehr aktuell, da es ständig in Medienberichten kursiert, in denen die eine oder andere Organisation bei illegalem Handeln erwischt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Die formale Organisation und brauchbare Illegalität
2.2 Brauchbare Illegalität am Beispiel der teilnehmenden Beobachtung in einer Flugzeugfabrik
3. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das soziologische Phänomen der "brauchbaren Illegalität" in Organisationen. Ziel ist es, mittels systemtheoretischer Ansätze nach Niklas Luhmann sowie anhand empirischer Fallbeispiele (Flugzeugfabrik, Costa Concordia, VW-Skandal) zu analysieren, unter welchen Bedingungen abweichendes Verhalten innerhalb von Organisationen als funktional oder notwendig für deren Stabilität und Zielerreichung wahrgenommen wird.
- Grundlagen der Organisationstheorie nach Niklas Luhmann
- Definition und systemtheoretische Einordnung von Devianz
- Die Spannung zwischen formaler Organisation und informaler Praxis
- Empirische Analyse von Regelabweichungen in Organisationen
- Rechtfertigungsstrategien und strukturelle Bedingungen für Illegale Praktiken
Auszug aus dem Buch
2.1 Die formale Organisation und brauchbare Illegalität
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Frage „Wann ist eine Illegalität brauchbar?“. Um es zu erleichtern, dass man sich einen Zusammenhang zwischen Organisation und Devianz vorstellt und sich dem Phänomen der „brauchbaren Illegalität“ nähert, ist es sinnvoll, alle später auftauchen Begrifflichkeiten und Definitionen zu Beginn dieser Arbeit zu erläutern.
Zunächst, wird der begrifft „Illegalität“ näher definiert. Das Wort „Legalität“ kommt aus dem Lateinischen (lex, legis, legalitas) und bedeutet Gesetz/Gesetzmäßigkeit, die in einem förmlichen Verfahren von dem dazu ermächtigten staatlichen Organ – der Gesetzgebung – erlassen worden sind. Das Gegenteil von Legalität ist die Illegalität und sie bezeichnet einen Verstoß gegen geltendes Recht. Da das Wort „Illegalität“ sich mit Verachtung von Normen und Gesetzen verbindet, ist es in jeder demokratischeren Gesellschaft unerwünscht. In der Realität Realität zeigt sich aber, illegale Handlungen finden überall statt, auch in Organisationen, die an Normen gebunden sind und wo ein Normbruch sehr stark sanktioniert wird. „Illegal wollen wir ein Verhalten nennen, das formale Erwartungen verletzt. Ein solches Handeln kann gleichwohl brauchbar sein“ (Luhmann 1972: 304).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Phänomen der brauchbaren Illegalität sowie Vorstellung der Forschungsfragen und der theoretischen Basis nach Niklas Luhmann.
2. Hauptteil: Theoretische Herleitung der Begriffe Illegalität, Devianz und Organisation sowie detaillierte empirische Analyse der Fallbeispiele zur Bestätigung der These der funktionalen Illegalität.
2.1 Die formale Organisation und brauchbare Illegalität: Definition der zentralen Begriffe und Erläuterung der systemtheoretischen Perspektive, warum Organisationen ein gewisses Maß an Normabweichung benötigen.
2.2 Brauchbare Illegalität am Beispiel der teilnehmenden Beobachtung in einer Flugzeugfabrik: Fallstudie zur internen Regelverletzung (Gewindebohrer) und deren Bedeutung für die Produktionssicherung trotz formaler Sanktionsandrohung.
3. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass informelle und teils illegale Praktiken eine notwendige, wenn auch latente Komponente zur Aufrechterhaltung der organisationalen Funktionsfähigkeit darstellen.
Schlüsselwörter
Brauchbare Illegalität, Organisation, Devianz, Systemtheorie, Niklas Luhmann, formale Organisation, informale Strukturen, Regelabweichung, Normbruch, Systemstabilität, Zielkonflikte, funktionale Illegalität, Organisationskultur, Handlungslogik, Regelsysteme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem soziologischen Phänomen der sogenannten "brauchbaren Illegalität" innerhalb von Organisationen und untersucht, wie abweichendes Verhalten Teil des organisatorischen Alltags wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind das Zusammenspiel von formalen und informellen Regeln, das Verständnis von Organisationen als soziale Systeme und die Bedingungen, unter denen illegale Handlungen für den Systemerhalt als nützlich erachtet werden.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, wann und warum eine Illegalität innerhalb einer Organisation als "brauchbar" gilt und welche systemtheoretischen Mechanismen dies erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die systemtheoretische Organisationssoziologie von Niklas Luhmann als theoretisches Fundament und kombiniert dies mit einer Analyse bestehender empirischer Fallstudien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition der Kernbegriffe sowie die empirische Untersuchung von Fallbeispielen, darunter eine Flugzeugfabrik, der Untergang der Costa Concordia und der VW-Abgasskandal.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Organisation, Brauchbare Illegalität, Devianz, Systemstabilität und informale Strukturen charakterisiert.
Warum wird im Kontext der Flugzeugfabrik von "brauchbarer Illegalität" gesprochen?
Weil der illegale Gebrauch von Werkzeugen, die eigentlich streng verboten sind, dort notwendig ist, um die Produktionsziele zu erreichen und somit den reibungslosen Ablauf des Systems sicherzustellen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit aus dem VW-Skandal?
Die Arbeit schließt daraus, dass wenn eine Organisation die Ressourcen hat, Entschädigungen zu zahlen, die "brauchbare Illegalität" als eine Form der kurzfristigen Investition in Kauf genommen wird, sofern die Normabweichung wirtschaftliche Vorteile verspricht.
- Arbeit zitieren
- Sergio Merz (Autor:in), 2016, Brauchbare Illegalität in formalen Organisationen. Die teilnehmende Beobachtung in einer Flugzeugfabrik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011992