Psychische Belastungen am Arbeitsplatz und ihre Folgen. Wie soziale Unterstützung und Entscheidungsspielraum die Gesundheit fördern


Fachbuch, 2021

119 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Zusammenfassung (Abstract)

1. Einleitung und Public Health Relevanz

2. Psychische Belastungen
2.1 Psychische Belastungen am Arbeitsplatz
2.2 Psychische Beanspruchungen
2.3 Folgen psychischer Beanspruchung

3. Handlungs- und Entscheidungsspielraum
3.1 Das Anforderungs-Kontroll-Modell nach Karasek
3.2 Kritische Kombinationen mit hohem Belastungspotenzial

4. Ressourcen zur Bewältigung psychischer Beanspruchung
4.1 Soziale Ressourcen
4.2 Personale Ressourcen
4.3 Zwischenfazit

5. Wissenschaftliches Erkenntnisinteresse und Fragestellung

6. Methodisches Vorgehen
6.1 Datengrundlage
6.2 Statistische Analysemethoden
6.3 Vorgehen bei der Datenauswertung

7. Ergebnisauswertung
7.1 Univariate Analysen
7.2 Bivariate Analysen
7.3 Multivariate Analysen

8. Diskussion
8.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
8.2 Reflexion der Ergebnisse
8.3 Bewertung der Methodik und Datengrundlage

9. Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen
9.1 Gefährdungsbeurteilung und betriebliches Gesundheitsmanagement
9.2 Unternehmenskultur und mitarbeiterorientierte Führung

10. Abschließendes Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Chronischer Stress und Krankheitsfolgen

Tabelle 2: Kritische Belastungskombinationen am Arbeitsplatz

Tabelle 3: Stress der letzten 2 Jahre und Beschwerden

Tabelle 4: Arbeitsanforderungen und Beschwerden bei der Arbeit

Tabelle 5: Arbeitsanforderungen und Entscheidungsspielraum

Tabelle 6: Arbeitsanforderungen und soziale Unterstützung

Tabelle 7: Entscheidungsspielraum und soziale Unterstützung

Tabelle 8: Entscheidungsspielraum und Beschwerden bei der Arbeit

Tabelle 9: Soziale Unterstützung und Beschwerden bei der Arbeit

Tabelle 10: Logistische Regressionsanalyse

Tabelle 11: Logistische Regressionsanalyse

Tabelle 12: Logistische Regressionsanalyse

Tabelle 13: Logistische Regressionsanalyse

Tabelle 14: Logistische Regressionsanalyse

Tabelle 15: Logistische Regressionsanalyse

Tabelle 16: Logistische Regressionsanalyse

Tabelle 17: Logistische Regressionsanalyse

Tabelle 18: Logistische Regressionsanalyse

Tabelle 19: Logistische Regressionsanalyse

Tabelle 20: Logistische Regressionsanalyse

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Belastungs-Beanspruchungsmodell Treier (2019) nach Rohmert und Rutenfranz (1975)

Abbildung 2: Das Anforderungs-Kontroll-Modell

Abbildung 3: Themenbereiche des Fragebogens

Abbildung 4: Alter der befragten Personen

Abbildung 5: Geschlecht der befragten Personen

Abbildung 6: Berufsabschluss der befragten Personen

Abbildung 7: Führungsebene im Unternehmen

Abbildung 8: Niveau der Tätigkeit

Abbildung 9: Veränderungen von Stress am Arbeitsplatz

Abbildung 10: Veränderung der Arbeitsanforderungen

Abbildung 11: Arbeitszufriedenheit

Abbildung 12: Belastungen durch Arbeitsanforderungen nach Bereichen

Abbildung 13: Stress in den letzten zwei Jahren und Gesundheitszustand

Abbildung 14: Arbeitsanforderungen und Gesundheitszustand

Abbildung 15: Entscheidungsspielraum und Gesundheitszustand

Abbildung 16: Soziale Unterstützung und Gesundheitszustand

Zusammenfassung (Abstract)

Fragestellung: In dieser Arbeit geht es um die Frage, welchen Einfluss Entscheidungsspielraum und soziale Unterstützung bei der Arbeit auf den Gesundheitszustand von Beschäftigten haben und inwieweit diese die Folgen psychisch belastender Arbeitsanforderungen beeinflussen.

Zielsetzung: Ziel ist es herauszustellen, welche Arbeitsanforderungen besonders psychisch belastend sind und inwieweit Entscheidungsspielraum und soziale Unterstützung am Arbeitsplatz in dem Zusammenhang Einfluss auf den Gesundheitszustand und die Folgen psychischer Beanspruchung haben.

Inhalt der Arbeit: Psychische Gesundheit ist ein essentieller Faktor für die menschliche Gesundheit. In der heutigen Arbeitswelt nehmen hohe Arbeitsbelastungen, ständige Erreichbarkeit und Zeitdruck immer stärker zu, was zu einer dauerhaften Überforderung führt. Immer weniger Beschäftigte können diese Belastungen kompensieren, und dies hat negative Folgen für ihre Gesundheit. Der Anteil psychischer und psychosomatischer Erkrankungen in der Gesellschaft nimmt immer stärker zu. Die Folge können Burnout, Ängste oder Zwänge sein. Zusätzlich kommt es nicht selten zu Muskel-Skelett-Erkrankungen, Schlafstörungen, Herzerkrankungen oder Verdauungsbeschwerden. Deshalb sollten auch psychische Faktoren am Arbeitsplatz beachtet werden. Es wird vor allem die Rolle der sozialen Unterstützung und des Entscheidungsspielraums untersucht.

Ergebnisse: Soziale Unterstützung hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung psychischer Beanspruchungsfolgen und den Gesundheitszustand. Hohe soziale Unterstützung hat einen positiven Effekt auf die Gesundheit. Dabei sind vor allem das Lob durch den Vorgesetzten und das Gefühl, sich als Teil einer Gemeinschaft zu sehen, wichtig. Der Entscheidungsspielraum hat ebenfalls einen positiven Einfluss auf den Gesundheitszustand. Für bestimmte Belastungsfolgen ist ein hoher Entscheidungsspielraum jedoch auslösend. Insgesamt beeinflusst er den Gesundheitszustand positiv. Psychisch belastende Arbeitsanforderungen haben einen Einfluss auf die Gesundheit, können jedoch durch soziale Unterstützung und Entscheidungsspielraum minimiert werden.

Schlussfolgerungen: Eine gute Unternehmenskultur mit einer mitarbeiter­orientierten Führung ist unabdingbar. Dazu zählen auch die Gefährdungs­beurteilung und ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Nur wer seine Mitarbeiter kontinuierlich im Blick hat, und diese unterstützt und begleitet, kann dem Entstehen psychischer Beanspruchungsfolgen entgegenwirken. Zudem müssen persönliche Ressourcen zum Umgang mit Stress und anderen Belastungen gefördert werden. Nur so lassen sich die Anforderungen der heutigen Arbeitswelt bewältigen.

Zur besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit auf geschlechtsspezifische Formulierungen verzichtet. Sämtliche personenbezogenen Bezeichnungen sind geschlechtsneutral zu verstehen.

1. Einleitung und Public Health Relevanz

Die psychische Gesundheit stellt eine der Hauptdimensionen der Gesundheit dar. Psychische Gesundheit ist dabei ein vielschichtiger Prozess, der neben biologischen und psychologischen Faktoren auch von sozialen, sozioökonomischen, kulturellen und ökologischen Faktoren beeinflusst wird. Psychische Gesundheit kann daher in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich erlebt und definiert werden. Sie ist jedoch immer ein Ergebnis der Wechselbeziehung zwischen Individuum und Umwelt (Steinmann 2005).

Die moderne Arbeitswelt kennzeichnet sich zunehmend durch Flexibilisierung, stetige Veränderungen in Form von neuen Technologien und steigendem Zeit- und Leistungsdruck. Dies bleibt nicht ohne Folgen für die Beschäftigten (Neuner 2019), denn „die Gesamtheit aller Arbeitsbedingungen wirkt auf den Menschen. Er nimmt sie mit allen Sinnen wahr. Die Wahrnehmungen lösen Gedanken, Empfindungen, Erinnerungen und Gefühle aus, die wir innerlich als angenehm, positiv oder negativ, unangenehm oder gar bedrohlich bewerten.“ (Riechert 2015, S. 25). Der Begriff Belastung ist zunächst frei von jeglicher Wertung und wird als Anforderung verstanden. Von psychischen Fehlbeanspruchungen wird erst gesprochen, wenn ein Mensch nicht über ausreichend Ressourcen verfügt, um den bestehenden Anforderungen gerecht zu werden. Daher hängen die Auswirkungen psychischer Fehlbeanspruchungen zum einen von der Arbeitssituation und den Arbeitsverhältnissen ab, und zum anderen von den Bewältigungsmöglichkeiten über die ein Mensch verfügt. Zu diesen Bewältigungsmöglichkeiten gehören z.B. Fähigkeiten, Erfahrungen, Selbstvertrauen oder die eigene Einstellung. Die Folgen psychischer Fehlbeanspruchung können u.a. Stress, Ermüdung und Monotonie sein (Riechert 2015). Gleichzeitig spielt der Entscheidungsspielraum und die soziale Unterstützung bei der Arbeit eine entscheidende Rolle, denn nicht nur zu hohe Arbeitsanforderungen sondern auch fehlende Gestaltungsspielräume und fehlende Unterstützung können Arbeitsstress auslösen und den Gesundheitszustand beeinflussen (Leka und Jain 2010).

Durch die Veränderung der Arbeitswelt, in der eine erhöhte Arbeitsintensität, steigende Verantwortung, ständige Erreichbarkeit, bei gleichzeitig problematischem Führungsverhalten und fehlenden sozialen Beziehungen, Normalität geworden sind, geraten immer mehr Menschen in ein Erleben dauerhafter Überforderung (Struhs-Wehr 2017). Es fällt den Beschäftigten immer schwerer abzuschalten, und sich zu erholen. Dieses ständige „Unter-Strom-Stehen“ kann im weiteren Verlauf zu psychischen Beanspruchungsfolgen und damit zu psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen führen und die Gesundheit negativ beeinflussen (Jena und Di Pasquale 2014). Den jährlichen Gesundheitsberichten der Krankenkassen zufolge verursachten psychische Erkrankungen 2018 15,2 % der Krankenstände. Sie nehmen damit den dritten Platz nach Muskel-Skelett-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen ein. Im Vergleich waren es 2008 nur 9 % und im Jahr 2000 nur 5,3 % (DAK 2019). Die gemessenen Fehltage sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs, da es sich um diagnostizierte Erkrankungen handelt. Nicht oder falsch diagnostizierte psychische Erkrankungen bleiben verborgen (Neuner 2019). Als fundamental wird auch der Anteil psychischer Faktoren an somatischen Erkrankungen eingeschätzt. So können psychische Faktoren Einfluss auf Muskel-Skelett-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, koronare Herzerkrankungen und bösartige Neubildungen haben. Psychische Faktoren, wie monotone Arbeitsbedingungen und Zeitdruck, weisen zudem einen nachgewiesenen Zusammenhang mit Nacken- und Rückenschmerzen auf. Ebenfalls nachgewiesen wurde, dass Stress die Immunabwehr schwächt und das Risiko für Infektionskrankheiten erhöht (Bamberg 2011). Als häufige Folgen psychischer Fehlbelastungen werden zudem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Verdauungsbeschwerden und Schlafstörungen beschrieben. Ebenfalls kann es zu psychischen Störungen wie Ängsten, affektive Störungen, Burnout oder Zwängen kommen (Riechert 2015). Da Erwerbstätige etwa zwei Drittel des Tages am Arbeitsplatz verbringen, hat die Arbeit großen Einfluss auf Erwerbstätige und ist somit ein wichtiges Umfeld zur Förderung der Gesundheit (Neuner 2019). Dies bestätigt die Notwendigkeit, neben ergonomischen Umgebungsbedingungen auch die psychischen und sozialen Faktoren am Arbeitsplatz bei der Gesundheitsförderung zu berücksichtigen (Bamberg 2011).

Das Thema dieser Masterarbeit lautet Auswirkungen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz. Ziel ist es, herauszustellen welche Rolle Entscheidungsspielraum und soziale Unterstützung am Arbeitsplatz für den Gesundheitszustand von Beschäftigten spielen und ob sie die Folgen psychisch belastender Arbeitsanforderungen beeinflussen können. Es geht daher um die Fragestellung „Welchen Einfluss haben Entscheidungsspielraum und soziale Unterstützung bei der Arbeit auf den Gesundheitszustand von Beschäftigten und inwieweit beeinflussen sie die Folgen psychisch belastender Arbeitsanforderungen?“. Dabei gilt es hauptsächlich herauszufinden, ob Beschäftigte, die einen hohen Entscheidungsspielraum bei der Arbeit haben oder viel soziale Unterstützung erhalten, ihren Gesundheitszustand als positiver bewerten und weniger gefährdet sind, Krankheiten aus psychischer Fehlbelastung zu entwickeln als andere. Dies soll mithilfe des Datensatzes der Erwerbstätigenbefragung 2018 von dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) untersucht werden.

Dazu wird zuerst auf ein paar Definitionen eingegangen. Im 2. Kapitel werden zunächst psychische Belastungen sowie psychische Belastungen am Arbeitsplatz, psychische Beanspruchung und psychische Beanspruchungsfolgen erläutert und unterschieden. Anschließend wird unter 3. auf den Handlungs- und Entscheidungsspielraum eingegangen und zur weiteren Erläuterung das Anforderungs-Kontroll-Modell von Karasek herangezogen. Als letzter Unterpunkt erfolgt die Darstellung besonders kritischer Kombinationen der Arbeitsbelastungen. Im 4. Kapitel wird ein besonderes Augenmerk auf die Ressourcen zur Belastungsbewältigung gelegt. Dazu gehören zum einen die sozialen Ressourcen und zum anderen die personalen Ressourcen. Zuletzt erfolgt in Kapitel 4 ein kurzes Zwischenfazit. Danach folgt in 5. die Darlegung des wissenschaftlichen Erkenntnisinteresses und der Fragestellung bevor es im 6. Kapitel zu dem praktischen Teil der Arbeit geht und das methodische Vorgehen erläutert wird. Dazu wird auf den Fragebogen, die Datenauswertung und die Analysemethoden eingegangen. Nachfolgend werden im 7. Kapitel die Ergebnisse der Untersuchung aufgeführt, die sich in univariate, bivariate und multivariate Analysen unterteilen. Anschließend erfolgt im 8. Kapitel die Diskussion. Die Ergebnisse werden kurz aufgegriffen und dann in den Zusammenhang mit den Forschungsstand gebracht. Zuletzt erfolgt in diesem Kapitel die Bewertung der Methodik. Im 9. Kapitel werden aus den erkannten Problemfeldern mögliche Lösungsansätze abgeleitet und zu allerletzt ein abschließendes Fazit gegeben. Nun erfolgt zuerst die Erläuterung zur psychischen Belastung.

2. Psychische Belastungen

Das aus dem griechischen stammende Wort „psychisch“ bedeutet wörtlich übersetzt seelisch oder die Seele betreffend (Joiko, Schmauder, Wolff 2010). Ganz allgemein bezeichnet psychisch die Vorgänge des Erlebens und Verhaltens im menschlichen Körper. Dazu gehören kognitive Vorgänge wie Denken und Lernen, informative Vorgänge (Wahrnehmung) und emotionale Vorgänge wie Gefühle und Empfindungen (Oppolzer 2010). Laut der DIN EN ISO 10075-1 ist eine psychische Belastung „die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.“ Das heißt bei den psychischen Belastungen werden die Einflüsse fokussiert, die psychische Auswirkungen auf den Menschen haben. Diese Auswirkungen können potentiell positiv als auch negativ sein (Treier 2019). Psychische Belastungen sind jedoch notwendig, da sie für den notwendigen Antrieb bei Aktivitäten und die menschliche Weiterentwicklung sorgen (Joiko et al. 2010). Zur Erläuterung der psychischen Belastungen wird zunächst das Belastungs-Beanspruchungsmodell genutzt. Dies ist in der Arbeitsmedizin weit verbreitet und dient als Grundlage zur Erläuterung des Zusammenhangs zwischen psychischen Belastungen und Beanspruchungen bei der Arbeit (Neuner 2019).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Belastungs-Beanspruchungsmodell Treier (2019) nach Rohmert und Rutenfranz (1975)

Das Grundschema besagt dabei, dass eine Belastung (objektive Einflüsse) auf den Menschen einwirkt. Dies führt zu einer Beanspruchung (Auswirkung der Belastung) und daraus entstehen die Beanspruchungsfolgen (mittel- oder langfristig). Die Belastungen resultieren aus den Einflüssen bei der Arbeit. Sie setzen sich zusammen aus dem Arbeitsinhalt/-aufgabe, der Arbeitsumgebung, der Arbeitsorganisation und den sozialen Beziehungen (Kapitel 2.1.). Je nach Dauer, Stärke und eigener Bewertung der Belastungen sowie den Ressourcen der Person selbst (Kapitel 4.1.), aus dem sozialen Umfeld (Kapitel 4.2.), aus der Umwelt und aus der Arbeit kommt es zu unterschiedlichen psychischen Beanspruchungen (Kapitel 2.2.). Diese können positiv (Aktivierung) oder negativ (Ermüdung, Stress, ermüdungsähnliche Zustände) sein. Im weiteren Verlauf kann es zu langfristigen Beanspruchungsfolgen (Kapitel 2.3.) kommen (Treier 2019; Joiko et al. 2010). Nachfolgend wird nun auf die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz eingegangen.

2.1 Psychische Belastungen am Arbeitsplatz

In diesem Kapitel wird nun auf die vier möglichen Risikokategorien für psychische Belastungen am Arbeitsplatz eingegangen.

Arbeitsaufgabe und Arbeitsinhalt

Bei der Arbeitsintensität wird differenziert zwischen qualitativer und quantitativer Über- bzw. Unterforderung. Qualitative Unterforderung entsteht häufig bei anspruchslosen Aufgaben. Es kommt zur Diskrepanz zwischen der Qualifikation des Mitarbeiters und den Anforderungen. Qualitative Überforderung hingegen entsteht, wenn die Anforderungen an einen Mitarbeiter zu schwierig, komplex oder widersprüchlich sind. Bei quantitativer Unterforderung ist zu wenig Arbeit vorhanden, sodass es zu Langeweile kommt. Quantitative Überforderung bedeutet hingegen ein zu großes Arbeitspensum im Rahmen der Möglichkeiten. In Verbindung mit einem geringen zeitlichen Spielraum kommt es zu Stress, da die Arbeit nicht zu schaffen ist (Riechert 2015). Vor allem in sozialen Berufen und Pflegeberufen ist die emotionale Inanspruchnahme ein Risikofaktor. Zu den zeitlich knappen Mitteln kommt die emotionale Belastung durch Leid, Schmerz und Tod. Weitere Faktoren sind die Variabilität (Abwechslungsreichtum verhindert Monotonie), die Vollständigkeit (eine Aufgabe ist vollständig, wenn der Mitarbeiter nicht nur ausführt, sondern auch plant, organisiert und kontrolliert) und die Qualifikation (Kompetenzen, die für die Durchführung erforderlich sind. Ein Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Kompetenzen gilt als psychischer Belastungsfaktor). Eine weitere wichtige Rolle des Arbeitsinhaltes spielt der Handlungs- und Entscheidungsspielraum. Er bestimmt den Grad der Autonomie, und damit die Möglichkeit mitzuwirken, und Einfluss auf das Arbeitsgeschehen zu nehmen. Dieses Thema wird in Kapitel 3 tiefergreifender erklärt (Treier 2019).

Arbeitsorganisation

Dazu zählen Arbeitsaufgaben, die nach den Vorgaben nicht in der entsprechenden Zeit oder der geforderten Qualität umzusetzen sind, sowie wechselnde Arbeitsmengen, die variieren und dadurch nicht planbar sind. Ebenfalls als belastend werden Arbeitsunterbrechungen empfunden, die die Aufmerksamkeit und Konzentration negativ beeinflussen. Dies ist besonders bei risikoreichen Tätigkeiten gefährlich. Oft fehlen zudem störungsfreie Arbeitszeiten, um sich der Erledigung der Kernaufgaben zu widmen. Als besonders belastend gelten Schichtarbeit, geteilte Dienste und fehlende Pausen, sowie für die innere Uhr ungünstige Arbeitszeiten. Die Gestaltung der Erholungszeiten und die Abstimmung der Arbeits- und Lebenszeit ist daher besonders wichtig, wird aber häufig vernachlässigt. Auswirken können sich auch Informationsmängel, denn zu viele oder zu wenige Informationen wirken sich negativ aus, ebenso auch nicht rechtzeitig verfügbare oder veraltete Informationen. Gleichzeitig kann es sich belastend auswirken, wenn Ziele unklar oder widersprüchlich formuliert werden, sowie Zuständigkeiten nicht eindeutig sind. Dies führt häufig zu Stress durch unklare Rollen. Zusätzlich gelten hohe Bürokratie, wechselnde Einsatzorte, Dienstreisen und isoliertes Arbeiten als belastend (Treier 2019).

Arbeitsumgebung

Dazu zählen die Arbeitsmittel wie ungeeignete Werkzeuge oder schlechte Softwaregestaltung, aber auch die Arbeitsplatzgestaltung, die sich u.a. zusammensetzt aus der Raumgröße, der Bewegungsfreiheit und den Möglichkeiten zum ergonomischen Arbeiten. Bei einigen Berufen besteht zudem eine Belastung durch das Einatmen von Stäuben, Geruchsbelästigungen oder Lärm, die sich nicht nur physisch, sondern auch auf die Psyche auswirken. Auch belastend sind der Umgang mit Gefahrstoffen, schwer einsehbare Maschinen oder Berufe, in denen das Unfallrisiko hoch ist (Riechert 2015).

Soziale Beziehungen

Als belastend gelten hierbei z.B. die Diskriminierung wegen des Geschlechts, Alters oder Ethnie aber auch Konflikte mit Kollegen oder Führungspersonen. Diese Konflikte können auch in Mobbing enden. Zusätzlich problematisch kann es sein, wenn die Wert- und Normvorstellungen des Unternehmens nicht den eigenen Verhaltens- und Denkmustern entsprechen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Unterstützung. Wenn seitens der Führungskräfte keine Resonanz bezüglich der Arbeitsleistung gegeben wird und gleichzeitig die Unterstützung von Kollegen ausbleibt, fehlt eine wichtige soziale Ressource, die häufig als Puffer zwischen Belastung und Beanspruchung gilt. Ein großer Teil psychischer Fehlbelastungen entsteht aus dem Feld der zwischenmenschlichen Beziehungen und der Kommunikation miteinander. Vor allem das Führungsverhalten wird dabei häufig als schwerwiegende Belastungsform angesehen. Problematisch ist zudem ein schlechtes Betriebsklima, welches durch fehlende Werte und Leitbilder, mangelnde Fairness, fehlendem Gemeinschaftsgefühl und ungenügender Anerkennung geprägt ist. Das Thema der Bedeutung sozialer Unterstützung bei der Arbeit wird in Kapitel 4.1. ausführlich erläutert (Riechert 2015).

Der aktuelle Wandel in der Arbeitswelt zur Flexibilisierung und Digitalisierung bringt viele Chancen aber auch Risiken für das Belastungserleben der Mitarbeiter. Immer öfter kommt es zur Entgrenzung der Arbeit und zur Auflösung etablierter Strukturen. Einige damit einhergehende Veränderungen sind ständige Erreichbarkeit, flexible Erwerbsformen oder Home Office. Neben den positiven Effekten kann eine mögliche Gefahr ein gesundheitskritisches oder selbstgefährdendes Verhalten sein, wie z.B. krank zur Arbeit zu erscheinen oder auf Erholung zu verzichten (Badura, Ducki, Schröder, Klose, Meyer 2012). Die TKK fand 2016 heraus, dass 64 % der Befragten aufgrund ihres Berufes an erhöhtem Stress litten (Techniker Krankenkasse 2016). Die langfristigen Folgen von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz sind dabei nicht nur ein Problem für die betroffene Person selbst, sondern auch für das Unternehmen in dem sie arbeitet. Denn nicht nur Erkrankungen haben Einfluss auf die Qualität der Arbeit, sondern auch das Wohlbefinden. Mitarbeiter mit gesundheitlichen Problemen sind zwar häufig bei der Arbeit anwesend, fühlen sich jedoch unwohl. Dann sind eine geringere Konzentrationsfähigkeit, Fehler und häufige Pausen die Folge. Im weiteren Verlauf kommt es zu Fehlzeiten, die Mehrbelastung für die anwesenden Mitarbeiter, Produktionsausfälle, erschwerte Planung und unbesetzte Arbeitsplätze bedeuten. (Joiko et al. 2010). Nach den psychischen Belastungen am Arbeitsplatz wird es im nun folgenden Unterkapitel um die daraus entstehenden psychischen Beanspruchungen gehen.

2.2 Psychische Beanspruchungen

Die unmittelbaren Auswirkungen psychischer oder physischer Belastungen auf den Menschen werden psychische Beanspruchung genannt (Struhs-Wehr 2017). Auftretende Beanspruchungen sind nicht immer schädlich. Es hängt von den persönlichen Ressourcen des Individuums ab, wann Beanspruchungen als bedrohlich empfunden werden. Werden die Ressourcen zu stark beansprucht, kommt es zu einer Fehlbeanspruchung (Neuner 2019). Gleiche Belastungen können somit zu unterschiedlichen Beanspruchungen führen je nach Intensität und Dauer der Belastung, Grad der Bekanntheit der Belastung, der Vorhersagbar- und Kontrollierbarkeit, der Transparenz der Situation, des vorhandenen sozialen Netzwerkes und der individuellen Merkmale eines Menschen (Poppelreuter und Mierke 2012; Struhs-Wehr 2017). Durch eine kurzfristige, erwünschte Beanspruchung kann es zur Weiterentwicklung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten, zu Wohlbefinden und zu Gesunderhaltung kommen. Gleichzeitig kann eine kurzfristige, beeinträchtigende Beanspruchung weitreichende gesundheitliche Folgen haben (Joiko et al. 2010). Zu den wichtigsten psychischen Beanspruchungen gehören, psychische Ermüdung, ermüdungsähnliche Zustände und Stress.

Psychische Ermüdung

Unter psychischer Ermüdung versteht sich ein eher vorübergehender Zustand der Beeinträchtigung physischer und psychischer Leistungsfähigkeit. Trotz konstanter Belastungen kommt es zu einer Zunahme der Beanspruchung. Folglich kommt es zu Müdigkeitsempfindungen und Einschränkungen der Konzentration und Aufmerksamkeit. Das Ausmaß der Ermüdung richtet sich dabei nach der vorangegangenen Intensität und Dauer der Belastung. Es kann eine Spirale ausgeprägter, tiefer Erschöpfung entstehen, indem Personen z.B. merken, dass ihr Arbeitstempo nachlässt, sie Fehler machen und versuchen Anstrengungen zu unternehmen, die an sie gerichteten Anforderungen zu erfüllen. Psychische Ermüdung tritt häufig in Folge von Zeitdruck oder zu hohen, komplexen Arbeitsanforderungen auf. Weitere Einflüsse sind dauerhafte Überforderung und Anforderungen ohne Entscheidungsspielraum. Kommt es zu chronischer Erschöpfung und Ermüdung können Niedergeschlagenheit, Verlust der Lebensfreude, Schlafstörungen und pessimistischen Sichtweisen entstehen (Riechert 2015). Generell ist psychische Ermüdung ein reversibler Vorgang. Um die Leistungsfähigkeit wieder herzustellen, ist eine Phase geringer Belastung bzw. Erholung notwendig (Schlick, Luczak, Bruder 2010).

Ermüdungsähnliche Zustände

Ermüdungsähnliche Zustände setzen sich aus Monotonie, herabgesetzter Wachsamkeit und psychischer Sättigung zusammen. Diese Zustände kommen häufig in abwechslungsarmen Arbeitssituationen vor, in denen viel Routine herrscht (Riechert 2015). Monotonie geht dabei mit einer herabgesetzten Aktivierung einher, die durch eintönige Arbeitsläufe, die sich ständig wiederholen, hervorgerufen wird aber auch durch isoliertes, alleiniges Arbeiten, sowie mangelnde soziale Interaktion. Das führt zu Leistungsabnahme und verminderter Konzentration. Gleichzeitig kommt es häufig zu Schläfrig- und Müdigkeit. (Joiko et al. 2010). Früher wurde Monotonie hauptsächlich mit Fließbandarbeit assoziiert. Heute steht es für Aufgaben, die kein vollständiges Lösen von der Tätigkeit ermöglichen, andererseits aber auch keine Möglichkeit zur gedanklichen Auseinandersetzung mit der Tätigkeit gewähren (Richter und Hacker 2017). Herabgesetzte Wachsamkeit entsteht bei abwechslungsarmen Beobachtungstätigkeiten, bei denen Instrumente und Messgeräte beobachtet werden müssen (z.B. Radarüberwachungen). Es kann zu verminderter Wachsamkeit und Reaktionsbereitschaft kommen. Psychische Sättigung ist hingegen ein Zustand innerer Ablehnung und Widerwillen gegenüber immer gleicher Abläufe, was Frustration und Ärger auslöst und zu Leistungsminderung und Rückzug führt (Riechert 2015). Es kommt zu Gefühlen des Nicht-voran-kommens und des Auf-der-Stelle-tretens. Im Unterschied zur psychischen Ermüdung verschwinden ermüdungsähnliche Zustände direkt bei einem Wechsel der Tätigkeit (Schuler und Moser 2014).

Stress

Der Begriff „Stress“ bedeutet technisch-physikalisch Druck, Belastung oder Spannung. Medizinisch definiert bezeichnet Stress einen Zustand des Organismus, der durch bestimmte körperliche Prozesse wie z.B. Blutdrucksteigerungen gekennzeichnet ist und durch unterschiedliche Reize hervorgerufen wird (Keim 2016). Stress ist grundsätzlich nicht negativ, denn er treibt die Entwicklung des eigenen Organismus voran. Wird der Stress als motivierend, aktivierend und anregend empfunden, geht es um Eustress. Dabei wird der Stress als eine Herausforderung gesehen und auf die Phase der Anstrengung folgen Phasen der Erholung. Hält der Stress jedoch länger an und wird als bedrohlich, kritisch und unausweichlich wahrgenommen, sodass Betroffene das Gefühl haben Aufgaben nicht mehr adäquat bewältigen zu können, kommt es zu Distress (Selye 1936). Dabei wird der Stress mit Unruhe, Nervosität, Anspannung und Misserfolgserwartungen in Verbindung gebracht. Stressoren stellen in diesem Zusammenhang bestimmte Reize dar, die aufgrund ihrer Intensität und Dauer Anpassungsleistungen der Person erfordern, die diese an ihre Grenzen bringen. Meist werden Stressoren durch Umweltbedingungen wie physikalische und biologische Bedingungen (Hitze, Kälte) und soziale Bedingungen (Gewalt, sozialer Ausschluss) ausgelöst (Siegrist 2015). Stressoren lassen sich aus soziologischer Sicht in drei Ebenen unterscheiden. Ebene I bezeichnet chronische Stressoren, die sich aus sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen ergeben z.B. Wohndichte oder wirtschaftliche Not. Stressoren der Ebene II stellen wichtige, kritische Lebensereignisse dar, die für die betreffende Person eine starke Belastung bedeuten z.B. Heirat, Scheidung oder Tod. Stressoren der Ebene III sind tägliche Ereignisse wie z.B. unfreundliche Vorgesetzte, Mangel an Anerkennung, Unzufriedenheit mit der täglichen Arbeit oder zu geringer sozialer Rückhalt (Anderson 1991).

Ob Stress die eigene Anpassungsleistung übersteigt, hängt vor allem von dem eigenen Adaptions- und Kompensationsvermögens ab (Siegrist 2015). Die Anpassungsreaktion eines Menschen ist die Stressreaktion. Wie stark und anhaltend die Stressreaktion ist und die Gesundheit gefährdet, hängt zum einen von den Merkmalen der Stressoren und zum anderen von der betroffenen Person selbst ab (Struhs-Wehr 2017). Stresszustände engen dabei die Wahrnehmung sowie das Denk- und Reaktionsvermögen ein, führen zu überhastetem Arbeitstempo und erhöhter Fehlerhäufigkeit (Riechert 2015). Körperlich erkennbar werden kurzfristige Stresszustände u.a. durch einen trockenen Mund, eine Erweiterung der Bronchien, eine erhöhte Muskelspannung, einen erhöhten Blutdruck, Schwitzen oder kalte Hände und Füße (Struhs-Wehr 2017). Für die Entstehung von Stresszuständen ist ein Missverhältnis zwischen den Anforderungen (z.B. bei der Arbeit) und der Befürchtung, diesen nicht gewachsen zu sein, grundlegend. Die korrekte Erfüllung der Aufgabe ist für den Betroffenen besonders wichtig. Die subjektive Bewertung spielt daher eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Stress. Es geht einerseits um die Einschätzung der Situation und andererseits um die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten (Metz und Rothe 2017). Neben Stressoren und der ausgelösten Stressreaktion sind Stressverstärker die dritte Komponente im Stressgeschehen. Das sind persönliche Motivatoren, Muster und Glaubenssätze des Individuums, die zwischen Stressoren und Stressreaktion vermitteln und darüber entscheiden, wie ausgeprägt eine Stressreaktion auftritt (Kahler 2010). Dazu zählen:

- Perfektionismus, da nur absolute Fehlerlosigkeit zu Anerkennung führt
- Beliebtheit, denn Zugehörigkeit kann nur erfahren werden, wenn eigenen Bedürfnisse hintenangestellt werden und sich um die Belange Anderer gekümmert wird
- Stärke, da Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit wichtig sind, um die Kontrolle zu behalten
- Schnelligkeit, da keine Zeit vergeudet werden darf, wenn etwas geschafft werden soll
- Ehrgeiz, denn nur harte Arbeit ist wirklich wertvoll.

Diese Motive steuern unbewusst das Verhalten und Erleben eines Menschen und können unreflektiert als Stressverstärker wirken (Kahler 2010). Folgt auf eine Hochleistungsphase keine Entspannung in denen Stresshormone abgebaut werden können, bleiben diese im Körper zurück. Der Körper befindet sich dann in einer ständigen Widerstandsbereitschaft und stellt sich mehr und mehr auf ein Leben mit hoher Belastung ein. Der Körper versucht mit erhöhtem Energieaufwand das innere Gleichgewicht wiederherzustellen. Bei chronischem Stress oder schnell aufeinander folgenden Stressoren verliert der Körper daher seine Regulationsfähigkeit. Es wird dann immer schwerer, in einen Ruhemodus zurückzukehren und Regeneration zu ermöglichen (Struhs-Wehr 2017). Der Körper kann daher eine gewisse Zeit mit Stress zurechtkommen, langfristig kann es jedoch zu gesundheitlichen Schäden kommen. Chronischer Stress gilt daher als gefährlichste Folge psychischer Fehlbelastungen (Riechert 2015).

Laut der DEGS1 Studie gaben 13,9 % der Frauen und 8,2 % der Männer eine überdurchschnittliche Stressbelastung an. Es zeigte sich zudem, dass mit steigender Stressbelastung auch die Zahl der Beeinträchtigungen zunahm. Zudem konnte die Stressbelastung mit dem sozioökonomischen Status in Verbindung gebracht werden. Personen mit niedrigem sozioökonomischen Status fühlten sich häufiger gestresst (17,3 %) als solche mit hohem sozioökonomischen Status (7,6 %). Des Weiteren spielt die soziale Unterstützung bei Stressbelastungen eine Rolle. Bei geringer sozialer Unterstützung lag die Stressbelastung bei 26,2 %, bei hoher sozialer Unterstützung nur bei 7 % (Hapke, Maske, Scheidt-Nave, Bode, Schlack, Busch 2013). Die Techniker Krankenkasse ermittelte 2016 zudem, dass unter 1500 Befragten 23% häufig oder manchmal gestresst waren. Fast jeder dritte mit subjektiv weniger gutem Gesundheitszustand war häufig gestresst. Mehr als 50% der Befragten mit beeinträchtigter psychischer Gesundheit fühlte sich gestresst und knapp 20% der gesunden Befragten (Techniker Krankenkasse 2016). Nach den psychischen Beanspruchungen wird nun auf die daraus folgenden Beanspruchungsfolgen eingegangen.

2.3 Folgen psychischer Beanspruchung

Lässt sich eine psychische Fehlbeanspruchung nicht mehr abwehren, können schwerwiegende gesundheitsbeeinträchtigende Veränderungen auftreten (Struhs-Wehr 2017). Jede Belastungsform führt zu speziellen Beanspruchungsreaktionen des Körpers (Luick 2014), bevor es jedoch zu schwerwiegenden Schäden kommt, können erste Veränderungen der betroffenen Person beobachtet werden. Im Arbeitsverhalten zeigen sich vermehrte Fehlzeiten, unentschuldigtes Fehlen oder Unpünktlichkeit ohne erkennbaren Grund. Zudem kann es zu vermindertem Durchsetzungsvermögen und gehäuften Arbeitsunterbrechungen sowie vermehrten Pausen kommen. Bei dem Leistungsverhalten fallen Leistungsschwankungen oder -minderungen auf sowie ein verringertes Arbeitstempo und nachlassende Arbeitsqualität (Riechert 2015). Zusätzlich kann es zu gesteigerter Unsicherheit bei Routinetätigkeiten, Unzuverlässigkeit oder dem Vermeiden bestimmter Tätigkeiten (Kundenkontakt) kommen. Im Sozialverhalten kommt es häufig zu einem sozialen Rückzug, Empfindsamkeit oder starkem Misstrauen. Gleichzeitig können innere Abwesenheit, Konflikte mit Kollegen oder distanzlose Verhaltensweisen auftreten. Ebenfalls treten Veränderungen in den Gefühlsäußerungen auf. Es kommt zu Gereiztheit, Resignation, Ängsten, Erschöpfung oder Minderwertigkeitsgefühlen. Körperliche Veränderungen können hingegen Schwitzen, Angespanntheit, Veränderungen der Körperhaltung oder sichtbare Selbstverletzungen sein. Zuletzt können auch Veränderungen im Alltagsleben bemerkt werden. Dazu zählen die Vernachlässigung der persönlichen Hygiene, ein ungepflegtes Äußeres oder auch auffälliger Alkoholkonsum. Die Entstehung dieser Verhaltensänderungen ist ein langsamer und schleichender Prozess. Wird jedoch nicht rechtzeitig reagiert und gegengesteuert, können körperliche oder seelische Störungen die Folgen sein. Bis es zu schweren gesundheitlichen Einschränkungen kommt, können Monate oder Jahre vergehen (Riechert 2015).

Physische Folgen

Im Gehirn kann es infolge psychischer Fehlbelastungen durch chronischen Stress zu verminderter kognitiver Leistung oder Hirninfarkt kommen. Ebenfalls wird das Herz-Kreislauf-System belastet, sodass ein Herzinfarkt, Hypertonie, Arteriosklerose oder koronare Herzerkrankungen auftreten können. Im Bereich des Verdauungstraktes kann es zu Störungen oder Magen-Darm Geschwüren kommen. Auch das Immunsystem wird belastet, sodass es zu eingeschränkter Immunkompetenz gegenüber Einflüssen von außen kommt (z.B. Infektionskrankheiten) oder zu einer übersteigerten Immunreaktion was Allergien auslösen kann. Im Bereich der Sinnesorgane treten ein erhöhter Augeninnendruck, Ohrgeräusche, Tinnitus oder Hörstürze auf. Die Muskulatur reagiert mit Kopfschmerzen und Rückenschmerzen. Gleichzeitig kann der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht geraten durch einen erhöhten Blutzucker- oder Cholesterinspiegel. Zusätzlich kann es zu verringerter Schmerztoleranz oder erhöhtem Schmerzempfinden kommen. Weitere Folgen können ein Libidoverlust, eine Störung des Zyklus oder Infertilität sein (Kaluza 2015).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Chronischer Stress und Krankheitsfolgen

Psychische Folgen

Häufig kommt es infolge psychischer Fehlbeanspruchung auch zu psychosomatischen Beschwerden. Dies sind körperliche Beschwerden, bei denen keine organische Ursache gefunden werden kann. Sie machen einen großen Teil der langfristigen Fehlzeiten aus. Die Patienten leiden unter körperlichen Symptomen und beharren auf körperliche Untersuchungen, die jedoch keine Ergebnisse bringen. Dass es sich dabei um eine psychische Erkrankung handelt, wird meistens lange geleugnet oder von den Ärzten zu spät erkannt (Riechert 2015). Zusätzlich werden viele psychische Störungen aus Unkenntnis generell lange nicht behandelt. Häufig wird von einer Dauer von fünf bis sieben Jahren gesprochen bis es zur Diagnose kommt. Die Folgen sind häufig lange Arbeitsunfähigkeiten, Verschlimmerungen der Erkrankung, chronische Verläufe, sowie eine starke Belastung des Einzelnen und seines Umfelds (Riechert 2015). Unter den psychischen Erkrankungen wurden vor allem Depressionen und Burnout mit psychischen Fehlbeanspruchungen in Verbindung gebracht und als arbeitsassoziiert nachgewiesen (Hapke et al. 2013). Sie werden daher im Folgenden kurz erläutert.

Depressionen

Bei Depressionen handelt es sich um Störungen, die sich auf das Gemüt und das Gefühlsleben sowie die Energie und den Antrieb auswirken. Laut ICD 10 F32 leiden Patienten mit depressiver Episode „Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2 und F32.3) Episoden [leidet der betroffene Patient] unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten "somatischen" Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.“ (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) 2018, S. 170). Körperlich fühlen sich Menschen mit einer Depression schlapp, energie- oder kraftlos. Das Verrichten alltäglicher Aufgaben fällt schwer und das Pflegen sozialer Kontakte ist mühsam oder nicht möglich. Bei der Arbeit zeigen sich Konzentrationsprobleme, Leistungsabfälle und Überforderung (Riechert 2015).

Burnout-Syndrom

Burnout bedeutet wörtlich übersetzt „ausbrennen“ und ist eine Folge von Stress am Arbeitsplatz. Es ist ein Zustand totaler körperlicher und seelischer Erschöpfung, der sich schleichend aufbaut. Es kommt zum Verlust der Fähigkeit, sich zu erholen oder zu regenerieren. Betroffene sind häufig gereizt und ungeduldig und vernachlässigen soziale Beziehungen. Die eigenen Grenzen werden überschritten. Es kommt zu sozialer Isolation und einem Ignorieren der Warnsignale bis zum völligen körperlichen und seelischen Zusammenbruch (Riechert 2015). Das Burnout-Syndrom verläuft häufig in Phasen. Zunächst kommt es zu einem übersteigerten Ehrgeiz, der irgendwann in der Vernachlässigung eigener Bedürfnisse endet. Die Überarbeitung wird geleugnet und im späteren Verlauf werden Verhaltensänderungen sichtbar. Am Ende treten bei Betroffenen häufig Angstgefühle auf und es kommt zu Desinteresse und dem Gefühl der Nutzlosigkeit. Letztlich kommt es zur völligen Erschöpfung, die lebensbedrohlich sein kann (Burisch 2006).

Laut der DEGS1 Studie zeigen Personen, die unter chronischem Stress leiden, häufiger Depressionen, Burnout oder Schlafstörungen als Menschen ohne starke Belastungen durch Stress. Dies ist sowohl bei Frauen als auch bei Männern zu beobachten. Mehr als jeder zweite Erwachsene, der unter einer Depression litt, fühlte sich chronisch gestresst (53,7 %), bei Burnout-Patienten war es ca. jede zweite Person (45,9 %), sowie jeder fünfte bei Personen mit Schlafstörungen (22,1 %). Zudem nahmen Beeinträchtigungen durch Burnout, Depressionen oder Schlafstörungen mit steigender Stressbelastung zu. Personen mit unterdurchschnittlich oder durchschnittlicher Stressbelastung waren zu 16,4 % von den Beeinträchtigungen betroffen, Personen mit starker Stressbelastung hingegen mit 61,1 %. Mit steigender Stressbelastung kann es zudem zu Mehrfachbelastungen durch zwei oder drei psychische Beeinträchtigungen kommen (Hapke et al. 2013). Insgesamt ist der Anstieg der Fehltage durch psychische Erkrankungen die auffälligste Entwicklung in den letzten Jahren. Laut DAK Gesundheitsbericht stiegen die Zahlen seit 2006 konstant an (DAK 2019). Laut Fehlzeiten Report 2017 stieg die Zahl psychischer Erkrankungen seit 2005 um 79,3 % an. Zudem sind psychische Erkrankungen mit längeren Ausfallzeiten (Tage/Fall) verbunden als somatische Erkrankungen. Die Ausfallzeit betrug 2016 bei psychischen Erkrankungen 25,7 Tage bei somatischen Erkrankungen nur 11,7 Tage (Badura, Ducki, Schröder, Klose, Meyer, 2017b). 2018 gab es erstmals einen Rückgang der Fehltage. Mit 236 Fehltagen pro 100 Versichertenjahre waren es 5,6 % weniger als im Vorjahr. Zu den häufigsten fünf psychischen Erkrankungen zählten depressiven Episoden (64,9 Fehltage pro 100 Versichertenjahre), gefolgt von Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen (51,4 Fehltage pro 100 Versichertenjahre), sowie anderen neurotischen Störungen (23,4 Fehltage pro 100 Versichertenjahre), somatoformen Störungen (17,1 Fehltagen pro 100 Versichertenjahre) und Angststörungen (15,9 Fehltage pro 100 Versichertenjahre) (DAK 2019).

3. Handlungs- und Entscheidungsspielraum

Der Handlungs- und Entscheidungsspielraum beschreibt allgemein inwieweit sich die Arbeitstätigkeit beeinflussen lässt und Beschäftigte selbständig Entscheidungen treffen können. Es geht dabei um den Grad der Autonomie und somit um die Möglichkeit, Einfluss auf die Arbeit zu nehmen. Handlungsspielraum fehlt dementsprechend, wenn Mitarbeiter streng kontrolliert werden, keine eigenen Ziele verfolgt werden können, es kein Mitspracherecht gibt, die Arbeitszeiten starr und unflexibel sind, keine eigenen Entscheidungen getroffen werden können und Arbeitsläufe bis ins kleinste Detail vorgegeben werden (Treier 2019). Um von guter Arbeit zu sprechen, soll die Tätigkeit frei von Hindernissen sein, die das Wohlergehen und die Gesundheit der Beschäftigten körperlich oder seelisch schädigen. Das bedeutet auch, dass Beschäftigte über ein gewisses Maß an Kontrolle und Gestaltungsspielraum verfügen müssen, damit sie ihre Fähigkeiten realisieren und weiter entwickeln können (Siegrist 2015). Wichtig ist jedoch, dass der Entscheidungsspielraum erst dann zur Ressource wird, wenn der Beschäftigte die Freiheitsgrade erkennt und diese zur Optimierung seiner Arbeitsweise nutzt (Metz und Rothe 2017).

Laut der Handlungsregulationstheorie von Hacker und Sachse spielen Handlungen eine entscheidende Rolle, denn sie stellen selbständige, abgrenzbare Elemente einer Tätigkeit dar. Die sequenzielle Handlungsregulation beschreibt einen zyklisch verlaufenden Prozess. Dieser beginnt mit der Phase des Richtens. Dabei geht es um das Entwerfen eines Ziels zur Vorwegnahme der Ergebnisse. Anschließend müssen relevante Informationen erkannt und verarbeitet werden (Phase des Orientierens), sowie Strategien und Pläne entwickelt werden (Phase des Entwerfens). In der Phase des Entscheidens wird eine Vorgehensweise ausgewählt und die Handlung vollzogen. In der letzten Phase (Kontrollieren) wird während der Ausführung der Ist- und der Zielzustand verglichen. Durchläuft ein Beschäftigter alle Phasen nennt man dies sequenzielle Vollständigkeit. Hierarchische Vollständigkeit wird hingegen durch drei verschiedene Ebenen der internen Regulation erreicht. Die sensomotorische Ebene koordiniert grundlegende Handlungsschritte und Bewegungen, die perzeptiv-begriffliche Ebene beschreibt die Steuerung von Handlungsentwürfen und die intellektuelle Ebene dient zur Verarbeitung komplexer intellektueller Prozesse. Wenn ein Beschäftigter alle drei Ebenen zur Regulation der Arbeitstätigkeit aktiviert und den Zyklus zur Organisation einer Arbeitstätigkeit vollständig durchläuft, wird von einer vollständigen Tätigkeit gesprochen (Hacker und Sachse 2014).

Häufig gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Erledigung einer Arbeitsaufgabe bzw. Erreichen eines Ergebnisses. Diese Möglichkeiten zum unterschiedlichen Handeln werden als Freiheitsgrade oder Tätigkeitsspielraum bezeichnet (Hacker und Sachse 2014). Dabei werden verschiedene Freiheitsgrade unterschieden und zwar für selbständige Zielstellungen oder Vornahmen, Mengenvornahmen je Zeiteinheit, für die Festlegung zur Abfolge von Teiltätigkeiten und Vorgehensweisen sowie für Ergebniseigenschaften (Hacker und Sachse 2014, S. 83). Für die Gestaltung von Tätigkeiten ist der Unterschied zwischen Auswahl und Entscheidung wichtig. So geben Freiheitsgrade die Möglichkeit zu selbständigen Entscheidungen, trotzdem entspricht nicht jede Auswahl einer Entscheidung. So können Mitarbeiter in der Produktion fehlerhafte Ware zwar aussortieren, sie entscheiden jedoch nicht nach welchen Kriterien die Ware als fehlerhaft bezeichnet wird. Eine Entscheidung für eine bestimmte Arbeitsweise ist also nur dann möglich, wenn Freiheitsgrade vorliegen (Hacker und Sachse 2014). Tätigkeitsspielräume sind daher essentiell für eine vollständige Arbeitstätigkeit und werden von Hacker und Sachse definiert als „Gesamtheit der Entscheidungsmöglichkeiten für selbständige Zielsetzung im auftragsgerechten Handeln im Sinne der Beeinflussbarkeit (control) der eigenen Tätigkeiten und ihrer Ausführungsbedingungen auf der Grundlage von Durchschaubarkeit der Arbeitssituation und der Vorhersehbarkeit von Anforderungen“ (Hacker und Sachse 2014, S. 86).

Arbeitsbedingter Stress entsteht daher nicht nur wenn Anforderungen und Arbeitsdruck die eigenen Fähigkeiten übersteigen, sondern auch wenn die Teilhabe an Entscheidungsfindung und -kontrolle fehlt (Leka und Jain 2010). Arbeitsstress und Burnout wurde lange als „Managerkrankheit“ bezeichnet und vor allem Personen in Führungspositionen zugeschrieben. Dies ist jedoch nicht haltbar, da vor allem ein niedriger sozioökonomischer Status mit wenig Entscheidungsspielraum als Verstärkung für den Zusammenhang von Arbeitsstress und psychische Erkrankungen gilt. Personen in Führungspositionen haben häufig erheblich mehr Ressourcen, was den Ressourcenzugewinn erleichtert und einen Verlust besser kompensieren lässt (Gündel, Glaser, Angerer 2014).

Um genauer zu erklären welchen Zusammenhang es zwischen den Arbeitsanforderungen und dem Handlungs- und Entscheidungsspielraum gibt, wird das Anforderungs-Kontroll-Modell von Karasek aus den 1970er Jahren im nächsten Kapitel zu Erläuterungen herangezogen.

3.1 Das Anforderungs-Kontroll-Modell nach Karasek

Wie bereits erwähnt stehen Arbeitsbedingungen in direktem Zusammenhang mit der individuellen Gesundheit. Das international sehr bekannte und umfangreich untersuchte Modell psychosozialer Arbeitsbelastungen ist das Anforderungs-Kontroll-Modell, welches von dem amerikanischen Soziologen und Arbeitspsychologen Robert Karasek publiziert wurde und später gemeinsam mit Töres Theorell ausgearbeitet wurde. Karasek setzte sich zunächst mit inkonsistenten Befunden der arbeitsbedingten Stressforschung auseinander, bei denen es um die Unterscheidung zwischen Belastungen bei der Arbeit und den Möglichkeiten auf diese zu reagieren ging. Er zeigte dies anhand einer Studie, bei der Beschäftigte mit unterschiedlichen Hierarchien aber ähnlicher Anforderungen unterschiedliche Zufriedenheit äußerten. Dies erklärte Karasek durch die unterschiedlichen Entscheidungsspielräume, die die Beschäftigten aufwiesen und mit denen eine unterschiedliche Bewältigungsfähigkeit der Anforderungen einher ging. Karasek berücksichtigt daher zwei Dimensionen in seinem Modell und zwar die erlebte Arbeitssituation und die damit einhergehenden Arbeitsanforderungen, die an eine Person gestellt werden, sowie den Handlungs- und Entscheidungsspielraum, der zur Erfüllung der Aufgaben vorhanden ist. Beide Dimensionen können in Abhängigkeit von der Arbeitsaufgabe sowohl hoch als auch niedrig ausgeprägt sein. Ist die Handlungsausführung aufgrund eines geringen Entscheidungsspielraums eingeschränkt, kann es zu psychischer Fehlbeanspruchung kommen (Karasek 1979).

Karasek fand bei seinen Untersuchungen vier Gruppenkonstellationen bezüglich des Entscheidungsspielraums und den psychischen Anforderungen, die in einer Matrix dargestellt werden (Abbildung 2). Die erste Gruppe wird als „passiv“ bezeichnet. Dabei geht die Tätigkeit mit einem niedrigem Entscheidungsspielraum einher gleichzeitig sind die psychischen Anforderungen jedoch ebenfalls gering. Dabei entsteht die Stressbelastung durch fremdbestimmtes Arbeiten und der fehlenden Möglichkeit zur Mitgestaltung bei den Arbeitsvorgängen. Beschäftigte reagieren auf die Monotonie mit Demotivation und Verlust von Produktivität. Hoher Entscheidungsspielraum bei niedrigen Anforderungen kennzeichnen den „ruhigen Job“. Diese Gruppe wird wissenschaftlich wenig untersucht, denn die Stressbelastung, die psychische Belastung und das Erkrankungsrisiko sind gering. Bei der dritten Gruppe handelt es sich um den „aktiven Job“ dabei sind die Arbeitsanforderungen hoch, gleichzeitig ist aber auch ein hoher Entscheidungsspielraum vorhanden. Diese Gruppe weist eine geringe Stressbelastung auf, da der Stress häufig als positiv erlebt wird, da großer Gestaltungsspielraum bei der Arbeit besteht. Der Stress wird zur Produktivität genutzt. Beschäftigte weisen eine hohe Arbeitszufriedenheit, Weiterentwicklung, Freiheit zur Nutzung eigener Fähigkeiten und eine hohe Arbeitsmotivation auf. Sowohl der aktive als auch der ruhige Job werden als gesundheitsförderlich beschrieben. Als besonders belastete Gruppe gilt hingegen der „stressige Job“. Hierbei sind die Arbeitsanforderungen hoch, gleichzeitig ist jedoch nur ein geringer Entscheidungsspielraum vorhanden (z.B. Fließbandarbeit). In chronischer Form können diese Stressbelastungen das Risiko für stressassoziierte Erkrankungen erhöhen und zwar aufgrund der Unfähigkeit angemessene Entspannungsreaktionen, die sich sonst nach Kontrollausübung einstellen, zu erleben. Die hohe Stressbelastung kann dann zu Erschöpfung, Angst, Depressionen und psychischen Erkrankungen führen. Eine dauerhafte Tätigkeit unter diesen Bedingungen kann zudem zu aggressivem Verhalten und sozialem Rückzug führen (Karasek und Theorell 1990). Die Pfeile des Modells zeigen zwei mögliche Extremfälle. Wenn die Anforderungen steigen, der Entscheidungsspielraum jedoch geringer wird, gilt dies als gesundheitlich stark belastend. Diese „Strain Hypothese“ ist vielfach untersucht worden und wissenschaftlich bestätigt. In diesem Zusammenhang werden häufig kardiovaskuläre Erkrankungen beschrieben. Wenn der Entscheidungsspielraum hingegen mit den wachsenden Anforderungen zunimmt, so hat dies eine leistungsförderliche Wirkung. Diese „Lernhypothese“ wurde bislang nicht so stark untersucht wie die „Strain Hypothese“ (Ulich und Wülser 2015).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Das Anforderungs-Kontroll-Modell

Insgesamt sind mit dem Anforderungs-Kontroll-Modell daher vier Hypothesen verbunden (Osterreich und Volpert 1998, S. 157):

- Ein höherer Entscheidungsspielraum bei der Arbeit begünstigt ein aktives Freizeitverhalten
- Höhere psychische Belastungen bei der Arbeit stellen ein erhöhtes Risiko für die Gesundheit dar.
- Zwar ist mit zunehmender psychischer Belastung das Gesundheitsrisiko generell größer, aber es ist besonders hoch, wenn mit hoher psychischer Arbeitsbelastung zugleich der Entscheidungsspielraum gering ist (stressiger Job).
- Mit hohem Entscheidungsspielraum ist die Freizeit generell aktiver gestaltet, aber Personen sind besonders aktiv, wenn mit hohem Entscheidungsspielraum bei der Arbeit zugleich die psychischen Arbeitsbelastungen hoch sind (aktiver Job)

Laut Karasek wird eine größere Autonomie am Arbeitsplatz mit einem verbesserten Gesundheitszustand in Verbindung gebracht. Die Gesundheit variiert daher mit den Anforderungen der Arbeit und die Beeinträchtigungen sind am stärksten bei einer Kombination aus hohen Anforderungen und geringem Entscheidungsspielraum (Karasek 1979).

Weiterentwicklung des Modells

Angesichts des nachgewiesenen positiven Effekts sozialer Unterstützung auf den Arbeitsstress wurde das Anforderungs-Kontroll-Modell im späteren Verlauf durch die Komponente „support“ erweitert. Soziale Unterstützung ist die Möglichkeit während oder nach der Arbeit mit Kollegen und Vorgesetzten zu sprechen oder zu kooperieren. Karasek und Theorell unterscheiden dabei Arbeitsplätze mit und ohne Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten. Es werden verschiedene Formen sozialer Unterstützung, wie sozioemotional und instrumentell, unterschieden sowie unterschiedliche Quellen (Führungspersonen, Kollegen). Das Merkmal der sozialen Unterstützung wurde von Karasek und Theorell ebenfalls in vier Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe umfasst die „participatory leaders“. Dies sind Personen in Führungspositionen mit hohem Mitbestimmungsrecht, Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit und sozialer Unterstützung. Dazu zählen Lehrer, Manager, Therapeuten oder Wissenschaftler. Personen der zweiten Gruppe („cowboy heros“) haben ebenfalls eine hohe Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung aber wenig soziale Unterstützung. Isoliertes Arbeiten als Einzelunternehmer trifft auf diese Berufsgruppe zu (Architekten, Anwälte, Künstler). Die dritte Gruppe wird „isolated prisoner“ genannt. Personen dieser Gruppe haben nur einen geringen Entscheidungsspielraum und wenig Gestaltungsmöglichkeiten, sowie geringe soziale Unterstützung. Dazu zählen Callcenter Mitarbeiter oder Fließbandarbeiter. Die letzte Gruppe („obedient comrade“) bezeichnet Beschäftigte mit geringer Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeit bei hoher sozialer Unterstützung. Ihre Tätigkeit ist für ein funktionierendes, gesellschaftliches Zusammenleben relevant. Dazu zählen z.B. Postboten und Lieferanten. Die günstigste Variante ist demnach ein Arbeitsplatz mit hohen Arbeitsanforderungen, hohem Entscheidungsspielraum und hoher sozialer Unterstützung (Karasek und Theorell 1990).

Soziale Unterstützung verhält sich ähnlich wie der Entscheidungsspielraum. Stressfolgen werden abgepuffert, wobei die Unterstützung durch Führungskräfte besonders wichtig ist und die Unterstützung der Kollegen in den Hintergrund rückt. Die wichtigste Unterstützungsform ist dabei die emotionale Unterstützung, was bedeutet, dass Vorgesetzte die Probleme der Mitarbeiter wahrnehmen und auf diese eingehen. Der zweite Effekt ist, dass soziale Unterstützung generell positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat, unabhängig davon ob Arbeitsstress besteht oder nicht (Hahn und Dormann 2013). Die zuvor genannten Hypothesen des Anforderungs-Kontroll-Modells lassen sich daher um eine weitere Hypothese ergänzen: „Soziale Unterstützung in der Arbeit vermindert die negative Wirkung der arbeitsbedingten psychischen Belastungen“ (Osterreich und Volpert 1998, S. 157).

Grenzen des Modells

Trotz der theoretischen Fundierung und vielfachen empirischen Überprüfung des Anforderungs-Kontroll-Modells wird auch Kritik geäußert. Kritisch anzumerken ist unter anderem, dass ein linearer Zusammenhang zwischen Ausmaß der Anforderungen und dem Entscheidungsspielraum impliziert wird. Damit würden steigende Anforderungen immer durch ein entsprechendes Maß an Entscheidungsspielraum kompensiert werden können. Eindeutig bewiesen und umfassend erforscht werden konnte zudem nur der Zusammenhang zwischen dem „stressige Job“ und kardiovaskulären Erkrankungen. Die anderen drei beschriebenen Gruppen sind bisher wenig untersucht worden (Richter und Kirschner 2006). Gleichzeitig werden individuelle Merkmale der Beschäftigten wie Eigenschaften, Fähigkeiten oder Problemlösekompetenz in dem Modell nicht berücksichtigt. Der Arbeitende erhält somit eher eine Objektposition (Metz und Rothe 2017). Ebenfalls unklar ist, ob eine Zunahme des Entscheidungsspielraum negative Auswirkungen von Belastungen minimieren kann, ohne dass diese selbst reduziert werden. Würden die Belastungen unabhängig von dem Entscheidungsspielraum schädlich wirken, würde eine reine Erhöhung des Entscheidungsspielraums nicht ausreichen, ohne gleichzeitig die Belastungen abzubauen (van der Doef und Maes 1999). Weitere Studien deuten darauf hin, dass die puffernde Wirkung des Entscheidungsspielraums nicht unabhängig von Persönlichkeitsmerkmalen zustande kommt. So wurde diese puffernde Wirkung vor allem bei Personen gefunden (Semmer und Udris 2004), die eine hohe Selbstwirksamkeitsüberzeugung (Schaubroeck J. und Merrit 1997) und aktive Problemlösestrategien besaßen (Semmer und Udris 2004). Nachfolgend werden nun besonders belastende Kombinationen im Arbeitsleben aufgeführt.

3.2 Kritische Kombinationen mit hohem Belastungspotenzial

Es gibt nicht nur einzelne Risikofaktoren für psychische Beanspruchungen am Arbeitsplatz. Oft ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren oder eine Kombination aus verschiedenen Anforderungen, die sich gegenseitig beeinflussen und so ein hohes Belastungspotenzial beinhalten.

Unter allen Belastungsfaktoren wie fehlender Handlungsspielraum, Verantwortungsumfang und -komplexität, zeitlicher Spielraum und emotionale Belastungen gibt es einige besonders kritische Belastungskombinationen (Tabelle 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Kritische Belastungskombinationen am Arbeitsplatz

Diese Kombinationen spiegeln sich auch in den 4 Gruppeneinteilungen des zuvor beschriebenen Anforderungs-Kontroll-Modells wider. Insbesondere die Kombination aus geringer Kontrollmöglichkeit und hohem Leistungsdruck gilt als stark belastend. Diese Kombination ist auch deshalb so gefährlich, da die Möglichkeit, bestehende Belastungen durch einen Berufswechsel auszuweichen bzw. zu kompensieren, geringer ist je kleiner der Handlungsspielraum ist. Das heißt je geringer die Ressourcen sind, desto intensiver und länger können Belastungen wirken. Häufig betroffen sind geringqualifizierte und ungelernte Arbeitskräfte. Ungünstigen Belastungskonstellationen auszuweichen ist für diese Beschäftigten auch deshalb so schwierig, da sie nicht nur eine schlechte Ausgangsqualifikation besitzen, sondern auch seltener fort- und weitergebildet werden, was eine zentrale Voraussetzung für den beruflichen Aufstieg darstellt (Walter 2006). Gleichzeitig kommt es in dieser Berufsgruppe häufiger zu mangelndem Selbstvertrauen, verminderter Problemlösekompetenz, genereller Lebensunzufriedenheit und pessimistischer Zukunftserwartung. Erbrachte Leistungen und Anstrengungen, die sich normalerweise in Bezahlung, Wertschätzung oder Arbeitsplatzsicherheit äußern können, werden häufig als unausgewogen und ungerecht erlebt. Die Folge können Stressreaktionen und Depressionen sein (Siegrist 2015).

Ebenfalls belastend sind Arbeitsverhältnisse in denen es zu emotionaler Dissonanz kommt. Dabei kommt es zu einer Diskrepanz zwischen den persönlich empfundenen Gefühlen und Einstellungen im Inneren und den nach außen ausgedrückten Gefühlen. Das kommt vor allem in kommunikationsintensiven Dienstleistungsbranchen vor. Dies kann z.B. passieren, wenn ein Kunde sehr verärgert und unfreundlich ist, nach außen jedoch trotzdem eine gewisse Freundlichkeit aufrechterhalten werden muss. Sich zu verstellen und den gesellschaftlichen Ansprüchen zu unterliegen, hat Auswirkungen auf die eigene Stimmung und die Empathiefähigkeit. So können Menschen die ihre Emotionen häufig unterdrücken sich schlechter in ein soziales Umfeld integrieren. Sie gelten als unzufriedener und erfahren weniger oft soziale Unterstützung. Wenn die Gefühle nicht mit dem Ausdruck übereinstimmen, führt das zu innerer Anspannung, was wiederum zu Stressreaktionen führt und langfristig gesundheitsschädigend sein kann (Badura 2010).

Es zeigt sich, dass es viele verschiedenen kritische Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz gibt. Als schützend um mit diesen Belastungen zurechtzukommen, gelten individuelle Ressourcen zur Bewältigung psychischer Beanspruchungen. Dieses Thema wird im nachfolgenden Kapitel ausführlich erläutert.

4. Ressourcen zur Bewältigung psychischer Beanspruchung

Für den erfolgreichen Umgang mit Belastungen am Arbeitsplatz sind die Ressourcen einer Person entscheidend (Kauffeld, Ochmann, Hoppe 2019). Ressourcen, auch Schutzfaktoren genannt, sind verschiedenen Faktoren, die einen gesundheitsförderlichen Einfluss haben. Sie können dabei helfen, bestimmte Anforderungen zu bewältigen und haben eine Pufferfunktion im Zusammenhang mit Fehlbelastungen (Treier 2019). Frese definiert Ressourcen als „Hilfsmittel, die es dem Menschen erlauben, die eigenen Ziele trotz Schwierigkeiten anzustreben, mit den Stressbedingungen besser umzugehen und unangenehme Einflüsse zu verringern“ (Frese 1994, S.34). Ressourcen können in persönliche, soziale und organisationale Ressourcen unterschieden werden. Persönliche Ressourcen sind Eigenschaften, Merkmale und Kompetenzen des Einzelnen, die eine bessere Bewältigung belastender Arbeitssituationen ermöglichen. Dazu gehören z.B. Optimismus, soziale Fähigkeiten, eine Lebenseinstellung, die bestimmte Situationen als herausfordernd wahrnimmt, eine Kontrollüberzeugung, dass Situationen beinflussbar sind, eine Selbstwirksamkeitserwartung, eine bestimmte Leistung ausüben zu können und die physiologische Verfassung. Soziale Ressourcen hingegen setzten sich aus der Unterstützung des Vorgesetzten, der Kollegen und der Familie, einem positiven Betriebsklima und einer mitarbeiterorientierten Führung zusammen. Organisationale Ressourcen sind vor allem in den Merkmalen des Arbeitsinhaltes und der sozialen Situation zu finden. Dazu gehören, wie in den Kapiteln zuvor als positiv beschrieben: Entscheidungsspielraum, Aufgabenvielfalt, Qualifikationsnutzung, Lernmöglich­keiten und Mitspracherecht. Negative Wirkungen von Belastungen können durch organisationale Ressourcen, wie eine gute Arbeitsumgebung und Arbeitsorganisation, zwar minimiert werden. Sie können jedoch keine Fehlbelastungen abmildern oder puffern. Ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz kann demnach keinen fehlenden Entscheidungsspielraum kompensieren. Organisationale Potenziale werden somit erst dann zur Ressource, wenn sie im Arbeitsprozess aktiviert werden (Metz und Rothe 2017).

Ressourcen können auf drei unterschiedliche Wege wirken. Sie können z.B. einen direkten positiven Effekt auf die Gesundheit und das Wohlbefinden eines Menschen haben. Die Ressource würde dann unabhängig von den vorhandenen Belastungen eine positive Wirkung auf die Gesundheit haben. Bei der indirekten Wirkung auf die Gesundheit hingegen wirkt die Ressource dem Entstehen von Belastungen entgegen oder hilft, diese abzubauen. Bei der dritten Möglichkeit der sogenannten Pufferfunktion einer Ressource kommt es durch das ausreichende Vorhandensein von Ressourcen zu einer Abschwächung der Folgen von Belastungen. Die Belastungen werden mithilfe der Ressourcen bewältigt. Bei einer geringeren Ausprägung der Ressourcen würde sich hingegen die Fehlbeanspruchung erhöhen (Ulich und Wülser 2015). Da soziale und personale Ressourcen als besonders wichtig für die Bewältigung psychischer Belastungen gelten und vermutet wird, dass Personen mit viel Entscheidungsspielraum bei der Arbeit auch über ausgeprägtere Ressourcen verfügen (Gündel et al. 2014), werden diese in den folgenden Kapiteln genauer erläutert.

4.1 Soziale Ressourcen

Menschen haben seit je her das Bedürfnis nach Bindung und Anerkennung, das heißt Menschen brauchen Menschen zur Bewältigung des Alltags und zur Stabilisierung ihres emotionalen Gleichgewichts. Menschen unterscheiden sich daher von anderen Spezies, weil ihr Handeln und Fühlen nicht nur auf biologischer, sondern auch auf zwischenmenschlicher Regulation beruht. Psychische Gesundheit bedarf daher ein vertrauensvolles Umfeld, sowie Kommunikation und Bindung und zwar ein Leben lang (Badura 2017a). Unter sozialer Unterstützung werden Personen und Handlungen, sowie Erfahrungen und Erlebnisse, die einer Person das Gefühl vermitteln, geliebt und geachtet zu werden, verstanden (Baumann und Laireiter 1995). Im beruflichen Umfeld sind es vor allem Führungskräfte und Kollegen, die für soziale Unterstützung sorgen. Soziale Unterstützung entsteht bei entsprechender Unternehmenskultur, die sich von der Führungsetage bis zur Basis fortsetzt. Bei Beschäftigungen mit arbeitsteiligen Systemen und eingeschränkten Handlungsspielräumen sind die Möglichkeiten sozialer Unterstützung jedoch nur eingeschränkt vorhanden (Struhs-Wehr 2017).

Es können vier Formen sozialer Unterstützung am Arbeitsplatz unterschieden werden:

Emotionale Unterstützung

Diese beginnt bei dem Interesse an den Mitarbeitern, welches durch Respekt, Wertschätzung und Empathie ausgedrückt werden kann. Diese Aspekte können durch aktives Zuhören vermittelt werden was sich durch Verstehen, Emotionen erkennen, und Erkennen von Bedürfnissen auszeichnet. Es geht um das Ermutigen, Stärken und Trösten von Mitarbeitern (Struhs-Wehr 2017).

Ende der Leseprobe aus 119 Seiten

Details

Titel
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz und ihre Folgen. Wie soziale Unterstützung und Entscheidungsspielraum die Gesundheit fördern
Autor
Jahr
2021
Seiten
119
Katalognummer
V1012028
ISBN (eBook)
9783964873316
ISBN (Buch)
9783964873323
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychische Belastung, Stress, Arbeit und Gesundheit, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Psychische Belastungen am Arbeitsplatz, Auswirkungen psychischer Belastung, Führungsrolle, Mitarbeiterzufriedenheit, Unternehmensphilosophie
Arbeit zitieren
Daniela Kaminski (Autor:in), 2021, Psychische Belastungen am Arbeitsplatz und ihre Folgen. Wie soziale Unterstützung und Entscheidungsspielraum die Gesundheit fördern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012028

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