Das Risiko einer Arbeitsunfähigkeit für Erwerbstätige in bestimmten Berufsgruppen in Deutschland

Eine Analyse mithilfe des Mikrozensus


Hausarbeit, 2019

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Arbeitsunfähigkeit
2.1. Verbreitung der Arbeitsunfähigkeit in unterschiedlichen Gruppen
2.2. Gründe für Arbeitsunfähigkeit

3. Methodik
3.1. Der Mikrozensus
3.2. Vorgehen bei der Datenauswertung

4. Ergebnisse der Analysen des Mikrozensus
4.1. Allgemeine Informationen über die Befragten
4.2. Arbeitsunfähigkeit bei Beschäftigten bestimmter Altersgruppen
4.3. Arbeitsunfähigkeit und sozioökonomischer Status der Beschäftigten
4.4. Arbeitsunfähigkeit in bestimmten Berufsgruppen

5. Diskussion der Ergebnisse

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Alter und Geschlecht der Befragten

Abbildung 2: Arbeitsunfähigkeit in der letzten Woche nach Altersgruppen

Abbildung 3: Dauer der Arbeitsunfähigkeit nach Altersgruppen

Abbildung 4: Höchster Schulabschluss vier ausgewählter Gruppen und Arbeitsunfähigkeit

Abbildung 5: Höchster beruflicher Abschluss fünf ausgewählter Gruppen und Arbeitsunfähigkeit

Abbildung 6: Nettoeinkommen und Arbeitsunfähigkeit

Abbildung 7: Wirtschaftszweig und Arbeitsunfähigkeit

Abbildung 8: Wirtschaftszweig und Dauer einer Arbeitsunfähigkeit

Abbildung 9: Einzelne Berufe und Arbeitsunfähigkeit

Abbildung 10:Wirtschaftszweig und Ruhestand aus gesundheitlichen Gründen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Erwerbstätige Personen nach Altersgruppen

Tabelle 2: Beschäftigte nach Wirtschaftszweigen

1. Einleitung

Die Erwerbstätigkeit ist für viele Menschen eine feste Einkommensquelle zur Sicherung des eigenen Lebensunterhaltes. Zusätzlich ermöglicht sie soziale Kontakte, ein erhöhtes soziales Ansehen und strukturiert den Tag (Schlick, Luczak, & Bruder, 2010). In der heutigen Gesellschaft hat Arbeit für Erwerbstätige außerdem den Zweck der Selbstverwirklichung und Sinnhaftigkeit. Welche Tätigkeit für den Einzelnen jedoch als sinnhaft und damit gesundheitsförderlich erlebt wird, hängt von seinen Idealen und Wertvorstellungen ab. Wie die Arbeit erlebt wird, hat somit Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Qualität der erbrachten Leistungen (Badura, Ducki, Schröder, Klose, & Meyer, 2018).

37 Mio. Menschen waren 2016 abhängig beschäftigt, 4,3 Mio. waren selbständig. 25,8 Mio. arbeiteten als Angestellte, 7,7 Mio. als Arbeiter, 2,0 Mio. als Beamte und 1,5 Mio. als Auszubildende. Zwischen 2011 und 2016 stieg die Zahl der Erwerbstätigen von 38,9 Mio. auf 41,3 Mio. an (Brenscheidt, Siefer, Hinnenkamp, & Hünefeld, 2018). Aktuellen Berechnungen zufolge sind in Deutschland momentan ca. 45,1 Mio. Menschen erwerbstätig, das ist eine Erwerbstätigenquote von 75,9 % (Statistisches Bundesamt, 2018). Aufgrund des demographischen Wandels und der damit einhergehenden Veränderungen der Arbeitswelt kommt dem Verlust von Arbeitskraft durch arbeitsbezogene Fehlzeiten eine immer größer werdende Bedeutung zu (Du Prel, March, Schröder, & Peter, 2015). Die Arbeitsunfähigkeit in Deutschland unterliegt einer stetigen Veränderung, in der Anzahl der Krankheitstage je Fall, der Dauer der Arbeitsunfähigkeit, in der Verteilung der Erkrankungen, des Alters und Geschlechts, die zu einer Krankschreibung führen (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2014). Risiken für eine Arbeitsunfähigkeit resultieren neben Erkrankungen aus körperlicher oder psychischer Überanstrengung, aus Unfällen, Verletzungen oder entstehen auf dem Weg zum Arbeitsplatz (Schlick et al., 2010). Arbeitsunfähigkeit ist kostenintensiv und hat eine hohe wirtschaftliche und sozialpolitische Bedeutung (Pohrt, Seiffert, & Möhner, 2012). Schätzungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zufolge kam es im Jahr 2016 durch insgesamt 674,5 Mio. Arbeitsunfähigkeitstage zu Produktionsausfällen von 75 Mrd. Euro. 1,8 Mio. Erwerbsjahre fielen aus. Gleichzeitig wurden im Jahr 2017 12,3 Mrd. Euro Krankengelder ausgegeben, ein Anstieg von 6 % zum Vorjahr (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2017). Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung beliefen sich 2018 auf knapp 238 Mrd. Euro (Bundesministerium für Gesundheit, 2018).

Die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt gestaltet sich so, dass die Belastungen während der Arbeit steigen, der Anteil älterer Beschäftigter steigt und die Lebensarbeitszeit zunimmt, somit wird ein zunehmender Anteil an Beschäftigten mit gesundheitlichen Einschränkungen erwerbstätig sein. Dies hat Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Folglich ist es aus gesundheitspolitischer und volkswirtschaftlicher Sicht von Interesse, Gruppen von Erwerbstätigen zu identifizieren, die verstärkt von Arbeitsunfähigkeiten betroffen sind (Peter & Hasselhorn, 2013). Es ist nicht neu, dass vor allem ältere Beschäftigte weniger körperlich fit sind als jüngere und eine höhere Krankheitslast tragen (Burr, Kersten, Kroll, & Hasselhorn, 2013). Spiegelt sich die Assoziation Alter und Krankheitslast jedoch wirklich in der Häufigkeit der Arbeitsunfähigkeit wider und welche Berufsgruppen sind häufiger arbeitsunfähig als andere bzw. wo ist die Arbeitsunfähigkeit besonders lang? Diese Gedanken sollen in dieser Arbeit mit Hilfe der Fragestellung „Welche Berufsgruppen sind besonders häufig arbeitsunfähig und weisen die höchste Krankenlast in Deutschland auf?" nachgegangen werden. Für die Analysen werden die Daten des CAMPUS Files zum Mikrozensus 2010 verwendet. Mithilfe der Daten des Mikrozensus werden besonders die Auswirkungen des Alters, des sozioökonomischen Status und des Berufs auf die Arbeitsunfähigkeit betrachtet.

In den nun nachfolgenden Kapiteln werden zunächst allgemeine Daten der Krankenkassen zu Arbeitsunfähigkeit in Deutschland herangezogen, um das Thema umfassend zu erläutern. Anschließend werden Daten zu Arbeitsunfähigkeit in unterschiedlichen Gruppen betrachtet, sowie die Gründe für Arbeitsunfähigkeit erläutert. Danach erfolgt der Methodikteil in dem der Mikrozensus beschrieben und das Vorgehen im Datensatz erläutert wird. Nachfolgend werden die Daten des Mikrozensus mit Hilfe deskriptiver Statistik aufgearbeitet. Es folgt eine Diskussion der Ergebnisse sowie die Erläuterung der Limitationen. Zuletzt erfolgt ein Fazit. Zur besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit auf geschlechtsspezifische Formulierungen verzichtet. Soweit personenbezogene Bezeichnungen nur in männlicher Form angeführt sind, beziehen sie sich auf Männer und Frauen in gleicher Weise.

2. Arbeitsunfähigkeit

Arbeitsunfähigkeit ist ein funktionaler Begriff, der gezielt mit dem zuletzt ausgeübten Beruf in Verbindung steht und krankheitsbedingt verursacht sein muss (Burggraf, 2016). Unter einer Arbeitsunfähigkeit wird ein Zustand verstanden, bei dem es der betreffenden Person nicht möglich ist, in der bestehenden Tätigkeit weiterzuarbeiten ohne die Gesundheit langfristig zu schädigen. Die Tatsache erkrankt zu sein, ist noch kein Grund, krankgeschrieben zu werden. Der Arzt wägt immer ab, ob es dem Patienten zumutbar ist weiterzuarbeiten oder nicht. Eine teilweise oder verminderte Arbeitsfähigkeit gibt es nicht (Gabler Wirtschaftslexikon). Der Anteil der Beschäftigten, die in einem Jahr mindestens einmal krankgeschrieben wurden, wird als Arbeitsunfähigkeitsquote bezeichnet. 2017 betrug diese bei AOK- Mitgliedern 53,4 %. Gleichzeitig wurden 46,6 % nicht krankgeschrieben (Badura et al., 2018). Bei den Technikerkrankenkassen lag die Arbeitsunfähigkeitsquote im Jahr 2017 bei 53,2 % für Frauen und 45,8 % für Männer. Im Jahr 2017 wurden bei Mitgliedern der Techniker Krankenkasse insgesamt 5,79 Mio. Arbeitsunfähigkeitsfälle und 77 Mio. Fehltage registriert. Dadurch lässt sich für 2017 ein Krankenstand von 4,14 % berechnen, das entspricht einer durchschnittlich gemeldeten erkrankungsbedingten Fehlzeit von 15,1 Tagen je Erwerbsperson (Techniker Krankenkasse, 2018). Laut DAK Gesundheitsreport dauerte ein Arbeitsunfähigkeitsfall 2017 durchschnittlich 12,4 Tage. Dabei machten Arbeitsunfähigkeitsfälle von ein bis drei Tagen 35,1 %, vier bis sieben Tagen 31,1 % und acht bis vierzehn Tage 17,8 % aus.12,1 % waren 15 bis 42 Tage arbeitsunfähig. 3,9 % galten mit mehr als sechs Wochen als langfristig arbeitsunfähig. Die Erkrankungshäufigkeit lag 2017 bei 120,7 Erkrankungsfällen je 100 Versicherter (IGES Institut, 2018). Im nun folgenden Kapitel wird die Verbreitung von Arbeitsunfähigkeit in unterschiedlichen Bereichen wie Alter, Bildungsstand und Berufsgruppe betrachtet.

2.1. Verbreitung der Arbeitsunfähigkeit in unterschiedlichen Gruppen Alter

Die Verteilung der Arbeitsunfähigkeit ist vor allem in den Altersgruppen unterschiedlich. Je 100 GKV Mitgliedern gab es in der Altersgruppe zwischen 15 und 20 Jahren 173 Krankheitsfälle. Bei den 20- bis 25- Jährigen waren es 151 Fälle, bei den 30- bis 35Jährigen nur noch 110, im Alter stieg die Anzahl der Fälle dann erneut an auf 147 Fälle. Die Anzahl ist jedoch immer noch deutlich geringer als bei den jüngeren Mitgliedern. Anders zeigte es sich bei der Dauer der Krankheitsfälle. Dort waren es im Alter zwischen 15 und 20 Jahren nur 5 Tage, bei den 20- bis 25-Jährigen 6 Tage und im Alter bis 65 Jahren 24 Tage. Jüngere Arbeitnehmer werden somit in der Regel zwar häufiger krank, allerdings meist nur wenige Tage. Ältere Arbeitnehmer fallen hingegen länger aus. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2014). Dies liegt zum einen daran, dass Ältere häufig von mehreren Erkrankungen gleichzeitig betroffen sind, aber auch daran, dass sich das Krankheitsspektrum verändert (Storm, Marschall, Hildebrandt-Heene, Sydow, & Nolting, 2017).

Bildung und sozioökonomischer Status

Laut Fehlzeitenreport 2018 sinkt der Krankenstand mit steigendem Ausbildungsniveau. Den höchsten Krankenstand wiesen daher Beschäftigte ohne beruflichen Abschluss mit 6 % auf, gefolgt von Beschäftigten mit einer Berufsausbildung mit 5,7%. Beschäftigte mit Diplom, Master oder Staatsexamen lagen mit 2,8 % (Bachelor 2,3%) deutlich darunter. Den geringsten Krankenstand wiesen Beschäftigte mit Promotion mit 2 % auf (Badura et al., 2018). Männer ohne beruflichen Abschluss wiesen durchschnittlich 18,6 Krankentage pro Jahr auf, Frauen 21,8. Bei den abgeschlossenen Berufsausbildungen waren es 16,8 Tage bei Männern und 18,1 Tage bei Frauen. Bei den Beschäftigten mit Universitätsabschluss waren es bei Männern zwischen 8,3 und 5,8 Tagen, bei Frauen zwischen 12,6 und 8,1 Tagen pro Jahr (Techniker Krankenkasse, 2018). Bei beiden Geschlechtern zeigte sich ein Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und subjektiver Gesundheit. Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status bewerten ihren eigenen Gesundheitszustand deutlich schlechter als Personen mit mittlerem oder hohem Sozialstatus. So bezeichneten 43,5 % der Frauen und 36,7% der Männer mit niedrigem Sozialstatus ihren Gesundheitszustand als mittelmäßig. Bei Personen mit hohem Sozialstatus traf das nur auf 11,8 % der Frauen und 14,2 % der Männer zu (Lampert, Kroll, Lippe, Müters, & Stolzenberg, 2013).

Berufsgruppen

Der aktuell ausgeübte Beruf hat einen entscheidenden Einfluss auf die Häufigkeit und Dauer von Arbeitsunfähigkeit. Durch den Beruf bestehen unterschiedliche gesundheitsbezogene Risiken als Folge der Belastungen am Arbeitsplatz (Techniker Krankenkasse, 2018). Den höchsten Krankenstand hatten 2017 Beschäftigte in den Branchen Energie, Wasser, Entsorgung und Bergbau mit 6,6 %. Ebenfalls hohe Krankenstände wiesen die Branchen öffentliche Verwaltung und Sozialversicherung mit 6,4 % auf, gefolgt von Verkehr und Transport (6 %) sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen (5,9 %). Der niedrigste Krankenstand konnte in der Branche Banken und Versicherungen mit 3,8 % verzeichnet werden (Badura et al., 2018). Insgesamt wiesen Berufsgruppen aus dem gewerblichen Bereich wie Berufe in Ver- und Entsorgung die meisten Fehlzeiten auf. In dieser Branche kommt es häufig zu Arbeitsunfällen und starken Arbeitsbelastungen. Berufsgruppen aus dem gesundheitlichen Bereich weisen hingegen besonders hohe psychische Arbeitsbelastungen auf. Die niedrigsten Krankenstände waren bei akademischen Berufsgruppen zu verzeichnen (Badura et al., 2018). Bei den Männern wiesen 2017 die Branchen Verkehr- und Lagerberufe mit 21,4 Arbeitsunfähigkeitstagen (Frauen 25,1 Tage), Bauberufe mit 21,2 Tagen (Frauen 22,3 Tage), Metallberufe mit 21,1 Tagen (Frauen 25 Tage) und Chemiearbeiter mit 20,9 Tagen (Frauen 23,2 Tage) die häufigsten und längsten Arbeitsunfähigkeiten auf. Bei den Frauen wiesen zusätzlich Ernährungsberufe mit 22,9 Arbeitsunfähigkeitstagen und Friseure, Hauswirtschafter oder Reiniger mit 20,2 Tagen hohe Krankenstände auf (Techniker Krankenkasse, 2018). Nachfolgend werden nun die Gründe für eine Arbeitsunfähigkeit aufgeführt.

2.2. Gründe für Arbeitsunfähigkeit

Die Fehlzeiten von Beschäftigten gehen hauptsächlich auf sechs Krankheitsarten zurück. Im Jahr 2017 entstanden mehr als ein Fünftel der Fehlzeiten durch Muskel-SkelettErkrankungen (22,5 %). Es folgten die Atemwegserkrankungen (12,6 %), psychische Erkrankungen (11,2 %), Verletzungen (11 %) sowie Erkrankungen des Kreislaufsystems (5,5 %) und der Verdauungsorgane (4,9 %) (Badura et al., 2018). Vor allem die Zahl der psychischen Erkrankungen nimmt seit 2008 stetig zu. Von 2008 bis 2017 nahm diese um 67,5 % zu. Die durchschnittliche Falldauer psychischer Erkrankungen betrug 2017 26,1 Tage je Fall, die von Verletzungen 18,4 Tage je Fall, bei Herz- und KreislaufErkrankungen waren es 17,8 T age je Fall sowie 17,1 T age je Fall bei Muskel- und SkelettErkrankungen. Auf diese vier Erkrankungen gingen 2017 60 % der durch Langzeitfälle (mehr als 6 Wochen) verursachten Fehlzeiten zurück (Badura et al., 2018). Bei den jüngeren Arbeitnehmern zwischen 15 und 19 Jahren dominierten die Atemwegserkrankungen und Verletzungen. Ältere Arbeitnehmer litten hingegen häufiger unter Muskel- und Skelett-, psychischen- oder Herz- und Kreislauf- Erkrankungen. Die meisten Fehltage durch psychische Erkrankungen entfielen auf die 35- bis 39-Jährigen (13,5 %) sowie auf die 30- bis 34-Jährigen (13,2 %) (Badura et al., 2018). Die Verteilung der Erkrankungen unter den Geschlechtern war ebenfalls verschieden. Bei Frauen waren es mit 19,8 % die psychischen Erkrankungen, die die meisten Arbeitsunfähigkeiten verursachten bei Männern mit 24,1 % die Muskel-Skelett-Erkrankungen, an zweiter Stelle folgten bei den Frauen mit 19,5 % die Muskel-Skelett-Erkrankungen bei den Männern mit 14,7 % Verletzungen und Vergiftungen. An unterster Stelle lagen bei den Frauen die Neubildungen (5,6 %) bei Männern das Verdauungssystem (5,6 %) (IGES Institut, 2018). Im nachfolgenden Kapitel wird nun das methodische Vorgehen beschrieben.

3. Methodik

Der nun folgende Teil teilt sich in zwei Bereiche. Zuerst wird näher auf den Mikrozensus, den hier ausgewählten Datensatz, eingegangen. Anschließend erfolgt eine Beschreibung des Vorgehens bei der Datenauswertung.

3.1. Der Mikrozensus

Der Mikrozensus ist die größte jährlich durchgeführte, gesetzlich angeordnete Haushaltsbefragung bei der ein Prozent der Haushalte in Deutschland und Europa befragt werden. Mikrozensus bedeutet „kleine Volkszählung“. Im Gegensatz zum Zensus werden mehr und detailliertere Fragen gestellt und dadurch Informationen über wichtige Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft erhoben. Es ist eine Erhebung die für das gesamte Bundesgebiet durchgeführt wird. Für den Großteil der Fragen besteht Auskunftspflicht. Im Jahr 2018 wurden in 49.840 Auswahlbezirken 375.000 Haushalte und 752.000 Personen befragt. Aufgrund des hohen Stichprobenumfangs erlaubt der Mikrozensus Auswertungen in hoher fachlicher und regionaler Differenzierung. Miteinbezogen werden alle Personen in Privathaushalten und Gemeinschaftsunterkünften am Haupt- und Nebenwohnsitz. Der Mikrozensus wird jährlich durchgeführt und die Erhebung auf alle Kalenderwochen eines Jahres verteilt. Seit 1957 liefert der Mikrozensus Informationen über die Bevölkerungsstruktur, die wirtschaftliche und die soziale Lage der Familien, Lebensgemeinschaften und Haushalte, Erwerbstätigkeit, Arbeitssuche, Aus- und Weiterbildung, Wohnverhältnisse und Gesundheit. Das Ziel des Mikrozensus ist es nicht, wie beim Zensus, die amtliche Einwohnerzahl festzustellen. Der Mikrozensus ist eine Zufallsstichprobe (einstufige Klumpenstichprobe), das heißt die Wahrscheinlichkeit für die Stichprobe ausgewählt zu werden, ist für jede Einheit gleich. Der Mikrozensus dient dazu, die Zeit zwischen zwei Volkszählungen (Zensus 2011 und 2021) zu füllen (Statistisches Bundesamt, 2019).

Der Mikrozensus wurde für diese Arbeit ausgewählt, da er eine repräsentative Querschnittsstudie für die gesamte deutsche Bevölkerung darstellt. Somit wird sichergestellt, dass sich die generierten Ergebnisse auf einen repräsentativen Teil der Bevölkerung beziehen. Im Mikrozensus werden das Alter, Geschlecht, sowie unterschiedliche Berufszweige und Beschäftigungsverhältnisse erfasst. Ein kleiner Teil wird zu Gründen und Dauer der Nichtarbeit oder Gründen für die Beendigung des Berufs erfragt. Dadurch können verschiedene Kombinationen aus Berufen, sozioökonomischen Merkmalen, Personenmerkmalen und Nichtarbeit für die Analysen genutzt werden. Zusätzlich besteht eine frei zugängliche Campus Version des Mikrozensus 2010, die speziell für den Zweck der wissenschaftlichen Lehre an Hochschulen konzipiert wurde. Bei dieser Version handelt es sich um eine 3,5 prozentige Wohnungsstichprobe des Originalmaterials des Mikrozensus 2010. Das heißt es werden 11.494 Haushalte bzw. 23.374 Personen und 428 der eigentlich 828 Variablen in dem Campus File einbezogen (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2016).

3.2. Vorgehen bei der Datenauswertung

Die Aufbereitung der Daten des Mikrozensus 2010 erfolgte mit der Statistiksoftware IBM SPSS Statistics Version 23. Für die graphische Aufbereitung der Daten wurde unterstützend das Programm Microsoft Excel 2016 verwendet. Von den im Campus File enthaltenen 428 Variablen wurden für diese Arbeit 12 Variablen genutzt und mithilfe unterschiedlicher SPSS Syntax Befehle bearbeitet. Besonders wichtig zur Beantwortung der Fragestellung waren die Variablen, die sich mit der Arbeitsunfähigkeit, der Bildung und den Berufen der Beschäftigten beschäftigen. Dazu zählen vor allem die Variablen EF29 „Erwerbstyp“, EF137 „Wirtschaftszweig“, EF136 „Beruf (1. Erwerbstätigkeit)“ zur Bestimmung der Berufe, die Variablen EF85 „Grund für Nichtarbeit in der letzten Woche“ und EF86 „Dauer der Unterbrechung“ zur Feststellung der Arbeitsunfähigkeit der Befragten. Ergänzend dazu die Variablen EF310 „Höchster allgemeiner Schulabschluss“, EF312 „Höchster beruflicher Ausbildungs- oder Hochschul-/Fachhochschulabschluss“ und EF436 „Höhe des Nettoeinkommens im letzten Monat (je Haushaltsmitglied)“ zur Erläuterung des sozioökonomischen Status. Da die Variable EF85 mehrere Gründe für Nichtarbeit enthielt wurden nur die Fälle gezählt, die wegen Krankheit oder Unfall bei der Arbeit fehlten. Dafür wurde die neue Variable 85_1 erstellt. Zusätzlich wurde das Alter der Befragten in die Altersgruppen <15 Jahre, 16-30 Jahre, 31-45 Jahre, 46-60 Jahre, 61-75 Jahre, 76-90 Jahre, >90 Jahre kategorisiert. Ebenfalls neu kategorisiert wurde die Variable EF436 „Nettoeinkommen“, da die Kategorien zu kleinschrittig waren. Aus den 18 ursprünglichen Kategorien entstanden fünf neue Einkommenskategorien. Bei der Variable EF136 und EF137 wurden nur die Berufsgruppen von Interesse herausgefiltert, bzw. die Berufe ausgeschlossen die nur minimale Ergebnisse in Bezug auf Arbeitsunfähigkeit ergaben. Gleiches gilt für die Variablen EF310 und EF312 bei der nur die bekanntesten Schul-/Berufsabschlüsse einbezogen wurden.

Das wichtigste Analysewerkzeug stellen in dieser Arbeit Kreuztabellen dar, da mithilfe dieser die Ausprägungen zweier Variablen miteinander verglichen werden konnten. Es folgt die Darstellung der Auswertungen aus dem Mikrozensus 2010.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Das Risiko einer Arbeitsunfähigkeit für Erwerbstätige in bestimmten Berufsgruppen in Deutschland
Untertitel
Eine Analyse mithilfe des Mikrozensus
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
23
Katalognummer
V1012035
ISBN (eBook)
9783346404077
ISBN (Buch)
9783346404084
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Epidemiologie, Arbeitsunfähigkeit in bestimmten Berufsgruppen, sozioökonomischen Status, Mikrozensus
Arbeit zitieren
Daniela Kaminski (Autor:in), 2019, Das Risiko einer Arbeitsunfähigkeit für Erwerbstätige in bestimmten Berufsgruppen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012035

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