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Negative Andrologie in Lessings "Emilia Galotti"

Title: Negative Andrologie in Lessings "Emilia Galotti"

Term Paper , 2019 , 24 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Paola Briani (Author)

Literature - General
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Die vorliegende Hausarbeit will eine Antwort auf die Frage geben, ob und in welcher Form die zeitgenössische Geschlechtersemantik in Lessings "Emilia Galotti" zum Ausdruck kommt. Richtungsweisend soll dabei die Arbeit des Soziologen und Kulturwissenschaftlers Christoph Kucklick beziehungsweise sein im Jahr 2008 erschienenes Buch "Das unmoralische Geschlecht" sein.

Im Kapitel 2 soll auf Kucklicks Untersuchung eingegangen werden. Der von den Genderforschern vertretenen Auffassung, die Aufklärer hätten im weiblichen Geschlecht das wesentlich schwächere Glied in einer vom Mann dominierten Gesellschaft gesehen, soll Kucklicks These entgegengestellt werden. Kucklick begründet nämlich in seinem Buch, dass ein Diskurs über eine schlechte Männlichkeit bereits ab 1750 existierte und dass dieser mit strukturellen gesellschaftlichen Veränderungen zusammenhing. Kapitel 2.1 befasst sich mit dem Übergang von einer stratifizierten zu einer funktional differenzierten Gesellschaft, denn dieser war der Ausdruck der sozialen und kulturellen Moderne. Hier soll Kucklicks methodischer Ansatz zu Wort kommen, denn er richtet in seiner Untersuchung den Fokus auf die Gesellschaftstheorie beziehungsweise auf die Semantik im Gegensatz zum machtanalytischen Ansatz der Genderforscher. In Anlehnung an Nicklas Luhmanns Systemtheorie, der eine Interdependenz zwischen Gesellschaftsstruktur und Semantik sieht, soll die Entstehung der Funktionssysteme erläutert werden. Ausgehend von einer Heterarchie der modernen Geschlechtsverhältnisse soll im Kapitel 2.2 auf die strukturelle Verknüpfung zwischen Geschlecht und moderner Gesellschaft sowie auf die Unterscheidung zwischen Gesellschaft und Interaktion eingegangen werden. Kucklicks These „Geschlecht wird zu Beginn der Moderne in die Differenz von Interaktion und Gesellschaft eingebaut […]“ soll als Ausgangspunkt dienen, um die Bedeutung von Interaktion als zwischenmenschlicher Kommunikation innerhalb des privaten familiären Raums und Gesellschaft als jegliche Kommunikation außerhalb des Hauses zu erläutern. Die Reaktion der Geschlechtersemantik um 1800 auf die strukturelle Veränderung der Gesellschaft führte zur Idealisierung von Weiblichkeit, die im Kapitel 2.3 Raum finden soll. In diesem Kapitel wird erläutert, dass Männlichkeit für die Zeitgenossen das Problematische verkörperte und dass ihnen die Moderne das positive Bild der Frau entgegensetzte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kucklick über die negative Andrologie

2.1 Von der stratifizierten zur funktional-differenzierten Gesellschaft

2.2 Interaktion und Gesellschaft

2.3 Die Idealisierung des weiblichen Geschlechts

3. Empfindsamkeit

3.1 Die Aufwertung der Gefühle in der Epoche der Empfindsamkeit

3.2 Die Wirkung der Moralischen Wochenschriften an einer neuen Semantik von Weiblichkeit

4. Emilia Galotti

4.1 Lessings Wirkungsabsicht im Theater

4.2 Prinz Hettore Gonzaga und Kammerherr Graf Marinelli

4.3 Odoardo

4.4 Emilia

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die zeitgenössische Geschlechtersemantik im 18. Jahrhundert in Gotthold Ephraim Lessings Trauerspiel "Emilia Galotti" reflektiert wird. Dabei wird insbesondere die These des Soziologen Christoph Kucklick geprüft, dass die Moderne eine "negative Andrologie" entwickelte, welche eine Abwertung männlicher Eigenschaften und eine gleichzeitige Idealisierung weiblicher Emotionalität forcierte, um als Ausgleich für die soziale Kälte der funktional differenzierten Gesellschaft zu dienen.

  • Die soziologische Theorie der funktional differenzierten Gesellschaft nach Niklas Luhmann
  • Die "negative Andrologie" als Reaktion auf gesellschaftliche Modernisierungsprozesse
  • Die Rolle der Empfindsamkeit und Moralische Wochenschriften bei der Neudefinition von Weiblichkeit
  • Analyse der Hauptfiguren (Prinz, Marinelli, Odoardo, Emilia) im Kontext der Geschlechtersemantik
  • Die Bedeutung des Opferbegriffs (victima vs. sacrificium) für die Interpretation von Emilias Schicksal

Auszug aus dem Buch

4.2 Prinz Hettore Gonzaga und Kammerherr Graf Marinelli

Der erste Aufzug öffnet sich mit dem Prinzen Hettore Gonzaga, der an seinem Schreibtisch sitzt und sich mit Bittschriften beschäftigt. Seine Worte unter anderem: „Eine Emilia? – Aber eine Emilia Bruneschi – nicht Galotti. Nicht | Emilia Galotti! – Was will sie, diese Emilia Bruneschi? (er lieset) Viel gefordert; sehr viel. – Doch sie [die Antragstellerin; P.B.] heißt Emilia“56. Dann folgt: „Gewährt!“57 Allein der Name seiner Angebeteten Emilia auf einer Bittschrift erfüllt den Prinzen mit Begierde. Der Prinz schwankt gleich in seinen Gefühlen, seine Urteilsfähigkeit ist eingeschränkt. Er ist sogar bereit, ein Todesurteil „recht gern“58 zu unterzeichnen. Gleich danach ist zu lesen: „– Ich kann doch nicht mehr arbeiten. – Ich war so ruhig, bild’ ich mir ein, so ruhig – Auf einmal muß eine arme Bruneschi, Emilia heißen: – weg ist meine Ruhe, und alles! – “59. Der Prinz geht seinen Staatsgeschäften ohne Verantwortung nach. Er lässt seine Laune über Dies und Jenes entscheiden, Urteile und Entschlüsse fassen. Aufschlussreich sind auch die an die weiblichen Figuren gerichteten Worte, die er zu lieben behauptet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Geschlechtersemantik in "Emilia Galotti" vor und führt in die zentrale Theorie der negativen Andrologie von Christoph Kucklick ein.

2. Kucklick über die negative Andrologie: Dieses Kapitel erläutert den Wandel von der stratifizierten zur funktional differenzierten Gesellschaft und wie dieser Prozess die Wahrnehmung von Männlichkeit und Weiblichkeit maßgeblich veränderte.

3. Empfindsamkeit: Es wird analysiert, wie die Epoche der Empfindsamkeit und die Moralischen Wochenschriften die Aufwertung der Gefühle und eine neue Semantik von Weiblichkeit vorantrieben.

4. Emilia Galotti: In diesem Hauptteil wird Lessings Trauerspiel anhand der vier Hauptfiguren analysiert, um die gesellschaftskritischen Motive und die Darstellung von Geschlechterrollen zu untersuchen.

5. Fazit: Das Fazit bestätigt die Forschungsfrage und fasst zusammen, dass "Emilia Galotti" als Spiegel einer Moderne gelesen werden kann, die Weiblichkeit als Ausgleich zum "männlichen" gesellschaftlichen Defizit idealisierte.

Schlüsselwörter

Negative Andrologie, Christoph Kucklick, Emilia Galotti, Gotthold Ephraim Lessing, Geschlechtersemantik, Moderne, Empfindsamkeit, Funktionssysteme, Moralische Wochenschriften, Opferdiskurs, Bürgerliches Trauerspiel, Soziologie, Gender Studies, Männlichkeitsdiskurs, Gesellschaftstheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie sich gesellschaftliche Veränderungen im 18. Jahrhundert in der Darstellung von Männern und Frauen im Trauerspiel "Emilia Galotti" von Lessing widerspiegeln.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder sind die soziologische Systemtheorie, die Epoche der Empfindsamkeit, der gesellschaftliche Wandel zur Moderne und die literarische Analyse von Geschlechterrollen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu beantworten, ob und wie die zeitgenössische Geschlechtersemantik in Lessings Werk eingebettet ist, insbesondere unter Berücksichtigung der These der negativen Andrologie.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein literaturwissenschaftlicher Ansatz gewählt, der durch soziologische Gesellschaftstheorie (Luhmann, Kucklick) und religionsgeschichtliche Begriffe (Opfertheorie) ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse der Figuren (Prinz, Marinelli, Odoardo, Emilia) sowie der Einbettung des Dramas in den Kontext der modernen Geschlechtersemantik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Negative Andrologie, Geschlechtersemantik, Moderne, Empfindsamkeit und das bürgerliche Trauerspiel.

Warum spielt der Begriff "Opfer" im Kontext von Emilia eine so zentrale Rolle?

Emilia wird nicht nur als "victima" (wehrloses Opfer) verstanden, sondern durch ihren Tod als "sacrificium" (rituelles Opfer) idealisiert, was Lessing nutzt, um männliche Gewalt anzuklagen.

Wie unterscheidet sich Kucklicks Ansatz von dem der klassischen Genderforscher?

Während klassische Ansätze oft eine schlichte Unterlegenheit der Frau im Patriarchat sehen, betont Kucklick eine strukturelle Aufwertung der Frau als Gegenpol zum gesellschaftlich problematisierten Mann der Moderne.

Inwiefern wird der "Prinz" als ambivalente Figur dargestellt?

Er wird einerseits als egoistischer Libertin und Vertreter einer korrupten höfischen Welt gezeichnet, zeigt jedoch punktuell menschlich-empfindsame Züge, die ihn für den Zuschauer identifizierbar machen.

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Details

Title
Negative Andrologie in Lessings "Emilia Galotti"
College
University of Hagen
Grade
2,7
Author
Paola Briani (Author)
Publication Year
2019
Pages
24
Catalog Number
V1012036
ISBN (eBook)
9783346404398
ISBN (Book)
9783346404404
Language
German
Tags
zeitgenössische Geschlechtersemantik Christoph Kucklicks "Das unmoralische Geschlecht" Lessings "Emilia Galotti"
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Paola Briani (Author), 2019, Negative Andrologie in Lessings "Emilia Galotti", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012036
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