Das Ruhrgebiet


Seminararbeit, 1998

20 Seiten


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Inhaltsangabe

Abkürzungerzeichni

Einleitung

1. Lage, Abgrenzung und Gliederung deRuhrgebiet
1.1. Abgrenzung debeobachteten Raum
1.2. Die interne Gliederung deRuhrgebiet

2. Gene deWirthaft und edlungaumRuhrgebiet
2.1. Die ere Blüte deRuhrgebietim Mittelalter
2.2. Die indurielle Revolution und der Aufieg deRuhrge- bietzum bedeutenen Wirthaftaum deKontinentunter benderer Berückchtigung der Montanindurie
2.2.1. Der Bergau im Ruhrgebiet
2.2.2. Die Ein- und ahlindurie
2.2.3. Die anderen Indurien deRuhrgebiet
2.3. Der rukturwandel im Ruhrgebiet
2.3.1. Die Kohlenkrie - Der ukturwandel im Bergbau
2.3.2. Die ahlkrie - Der rukturwandel in der Ein- und ahlindurie
2.4. DaVerkehretz deRuhrgebiete
2.5. edlungaum Ruhrgebiet

Die Perektiven deRuhrgebiet

Literaturverzeichni

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Das Ruhrgebiet - der wohl wichtigste Wirtschafts- und Ballungsraum Mitteleuropas - ist in seiner Geschichte im wesentlichen geprägt durch den Aufstieg und Fall des Mon- tanindustrie. So assoziiert man trotz des Strukturwandels der letzten Jahrzehnte und dem mit diesem einhergehenden Niedergang der einst den Aufstieg der Region begründen- den Montanindustrie auch heute noch mit den Begriff Ruhrgebiet zuallererst den Stein- kohlebergbau und die Stahlindustrie. Ohne diese wesentlichen Faktoren wäre das Revier heute wohl kein derart bedeutender Industrie- und Ballungsraum. So liegt der Schwer- punkt der folgenden Ausführung auch in der Betrachtung eben dieser Montanindustrie als Schlüssel zur Entwicklung und der Struktur des Ruhrgebietes. Es werden neben der Montanindustrie insbesondere die im wesentlichen durch diese beeinflußten Bereiche wie die Infrastruktur (hier inbesondere das Verkehrsnetz) dargestellt.

Zuerst jedoch wird die Lage des Raumes beschrieben und auf die komplizierte Thematik einer Abgrenzung des Ruhrgebietes eingegangen. Dem folgt eine Erläuterung der Gliederung des Reviers.

1.Lage, Abgrenzung und Gliederung des Ruhrgebietes

Die Lage des RG ist in der Mitte Deutschlands und der EU im Bezug auf Standortfaktoren güns- tig. Im nächsten Umkreis leben allein 5,7 Mio Menschen, im Umkreis von 300 km sind es sogar

70.000.000. Hierdurch entstehen Agglomerationsvorteile auf die später noch detallierter eingegangen werden wird.1

Geographisch liegt das RG (Essen) bei 51°30‘N und 7°E. 2

„Das Ruhrgebiet liegt im nordwestlichen Sektor Mitteleuropas am Fuße der Mittelgebirgsschwelle und bildet das Östliche Teilzentrum der Ballungsregion, die sich um das Rheindelta und den Ärmelkanal gruppiert. Hierdurch wurden die Entwicklung und das Gefüge des Reviers wesentlich bestimmt. Gerade die natürlichen Gegebenheiten des Großraums, der sich schon früh zu einem Bevölkerungs- und industriellen Schwerpunkt entwickelte und zum Kraftfeld des Weltverkehrs wurde setzen sich, wenn auch mit wechselnder Bedeutung der Einzelräume im Laufe der Geschichte immer durch und machten ihn zu einem Kernraum des Kontinents.“3

Ergänzend sei hinzugefügt, daß es sich beim RG um eine Region handelt, die weder eine Verwaltungseinheit bildet, noch durch das gegebene Relieff einzugrenzen ist. Verbindliche Abgrenzungen gibt es nicht.

1.1. Abgrenzung des beobachteten Raumes

Landesplanungsbehörde und Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen zählen in ihren Statistiken 53 selbständige, politische Gemeinden in Form von 11 kreisfreien Städten und 4 Landkreisen.4

Der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk hingegen geht von der Kohleförderung aus und be- grenzt den Raum dementsprechend; dies heißt onkret, daß neben den oben genannten noch weitere 7 Gemeinden des Kreises Kleve hinzugezählt werden, sich die Zahl der Politisch selbständigen Gemeinden also auf 60 erhöht.5

Die IHKs zählen zum RG die Kammerbezirke Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg und den südlichsten Bereich des Kammerbezirks Münster.6

Das Land Nordrhein-Westfalen geht von einem erwiterten Begriff des Ruhrgebietes aus. Neben den 11 kreisfreien Städten und 4 Landkreisen zählen hier auch noch die Landkreise Beckum und Lüdinghausen dazu.

(Wirtschafts-)geographisch ließe sich die Region am ehesten anhand der Verbreitung der Montanindustrie abgrenzen. Dies hieße - sofern trotz des Strukturwandels vertretbar -, daß im Norden die Lippe , im Süden die Ruhr, im Westen der Kreis Wesel und im Osten die Stadt Hamm die Grenzen des RG darstellen würden.

Wie man erkennen kann, ist das RG nicht ohne weiteres zu begrenzen. Hinzu kommt noch,daß das RG ein dynamisch expandierender Wirtschaftsraum ist, d.h. daß z.B. der Bergbau immer weier nach Norden wandert. Hierdurch wird sich auch die Gestalt des RG ändern. Die zweckdienlichste Form einer Abgrenzung des RG wäre eine rein ökonomische. Eine naturräumliche Abgrenzung ( Das RG liegt im Übergangsbereich von Niederrheinland, Münsterland und Sauerland ) dagegen ist aufgrund der Vielfalt an Reliefformen nicht zweckmä- ßig.

1.2. Die interne Gliederung des Ruhrgebiets

Nachdem bereits die äußere Abgrenzung des RG uneinheitlich ist, gibt es auch bei der internen Gliederung zumindest zwei Ansätze:

„Wird das Ruhrgebiet von seinen Siedlungsräumen her abgegrenzt, werden Städtereihen genannt, die in westöstlicher Richtung verlaufen und eine zonale Gliederung darstellen, die sich heute allgemein durch- gesetzt hat: die Ruhrzone, die Hellwegzone, die südliche Emscherzone, die nördliche Emscherzone die Lippezone die linksrheinische Zone. Bei einer West-Ost-Gliederung unterteilt man das Ruhrgebiet in das Gebiet des linken Niederrheins, des westlichen Reviers, des mittleren Reviers und des östlichen Re- viers.“7

Desweiteren treffen im Ruhrgebiet auch noch die Grenzen dreier übergeordneter Verwaltungseinheiten, nämlich der Regierungsbezirke Düseldorf , Münster und Arnsberg.

2. Genese des Wirtschafts- und Siedlungsraums Ruhrgebiet

Die Geschichte des Ruhrgebietes ist nicht allein die von Kohle und Stahl, wenngleich diese wohl die Region prägten wie nichts und niemand sonst. Dies ist so aber erst seit Mitte des 19. Jh. Bereits lange vorher begann aber die Geschichte solcher Städte wie Bochum, Dortmund, Essen, Mühlheim oder Duisburg, sind sie alle doch älter als etwa München, Hamburg oder Ber- lin.8

2.1. Die erste Blüte des Ruhrgebietes im Mittelalter

Zurückzuführen ist die Genese des RG auf Karl den Großen. Er machte den Hellweg zur Ent- wicklungsachse der Region, indem er entlang seines Verlaufes Burgen, Weiler und Königshöfe anlgen ließ, um seine Truppen gesichert gegen die Sachsen marschieren zu lassen gegen die er damals Krieg führte. So wurde der Hellweg, der am Nordrand der Mittelgebirge vom Rhein (Duisburg) kommend nach Osten verläuft zur Entwicklungsachse der Region und im Mittelalter einer der bedeutensten West-Ost-Handelswege in Mitteleuropa. Im Zeitalter der Hanse erfuhren die Städte des RG als Handelsstädte eine erste Blüte. Die meisten waren auch Mitglied der Han- se.9

Die wichtigsten Wirtschaftsgüter jener Epoche waren Wein (aus Flandern/Rheinland nach Osten), Salz (aus Unna), Textilien, Metalle (aus dem Harz) und außerdem Güter des kürzerfristigen Bedarfs aus der Region.

Minderwertige Erze wurden in Schmelzgruben unter Einsatz von Holzkohle zu Eisen geschmol- zen. Auch Steinkohle wurde in geringem Umfang zu jener Zeit in Pingen und später in Pütts gewonnen.10 Auch wenn diese beiden Witschaftsfaktoren noch nicht ins Gewicht fielen, kann man dennoch von frühen, primitivenVorläufern des Bergbaus und der Eisenindustrie sprechen.

„Um 1800 gab es beiderseits der Ruhr, wo das Steinkohlegebirge offen zutage tritt, etwa 158 fördernde Stollenbetriebe. Sie förderten zusammen jährlich 231000 t Kohle, das sind fast 1500 t je Anlage.“11 Das jedoch sollte sich im folgenden Jh. ändern.

2.2. Die industrielle Revolution und der Aufstieg des Ruhrgebiets zum bede u- tensten Wirtschaftsraum des Kontinents unter besonderer Berücksichtigung der Montanindustrie

Die Erfindungen des James Watt revolutionierten das Wirtschatsleben. Diese Entwicklung begann allerdings in den Ländern des damaligen Deutschen Bundes später als in England. Auch der Verlauf der Entwicklung war nicht derselbe.

„In Großbritannien war durch die landwirtschaftlichen Produktionsvortschritte gleichzeitig ein ehebli- ches Potential an Fabrikarbeitern und Kaufkraft freigesetzt worden Es handelte sich um Massenkauf- kraft breiter Bevölkerungsschichten, mit der selbstverständlich Verbrauchsgüter nachgefragt wurden.

Auch deshalb lag die Textilindustrie im Zentrum der industriellen Revolution Großbritanniens Die Triebkraft der deutschen industriellen Revolution ist der Eisenbahnbau gewesen Die nachaltigen wirt- schaftlichen Effekte des Eisenbahnbaus waren ... :

- Deutschland wurde dank der Möglichkeit rashen und billigen Massentransports erstaunlich schnell zum einheitlichen Marktgebiet ...

- Der Eisenbahnbau brachte die rege und umfassende Nachfrage nach Gütern und Leistungen zuwege, ohne die eine erfolgreiche Industrialisierung undenkbar ist.“12

Mit Beginn der Industrialisierung in Deutschland begann auch der Aufstieg des RG. Der Stein- kohlenbergbau und die Stahlindustrie waren dabei die beiden wesentlichen Faktoren. Sie profi- tierten besonders vom Bahnbau, da hier enorme Mengen an Eisen und Stahl benötigt und folg- lich auch Kohle und Koks zur Eisenverhüttung benötigt wurden. Alle wesentlichen Impulse im RG in der Folgezeit gingen von Kohlebergbau und Stahlindustrie aus. Um die Werke der Mon-tanindustrie wuchsen Siedlungen und Verkehrswege , weitere Industrien (Maschienenbau, Kon- sumgüterindustrien usw.) und Gewerbe, Freizeitanlagen und vieles mehr. Man bezeichnet diese Industriezweige, die über die Region hinaus von wesentlicher Bedeutung sind, als „Basisindust- rien“13.

2.2.1. Der Bergbau im Ruhrgebiet

„Urkundlich wurde der Kohlenbergbau zuerst 1298 erwähnt.“14 Damals baute man bereits im geringen Umfang Steinkole in den Ruhrbergen ab. Von Beginn des 19. Jh. wurden vermehrt Maschienen entwickelt und eingesetzt (erste Dampfmaschiene auf Zeche Vollmond 1799). So konnte man nun auch bald des Grundwassers herrwerden und wenig später mit der Tiefenabteufung die tiefergelegenen Flöze ausbeuten.15

Dabei sei hinzugefügt, daß das in den Ruhrbergen anstehende Karbon mit seinen Kohleflözen nach Norden in größere Tiefen abtaucht. ( Flöze sind im Bereich der Nordseeküste in etwa 5000 Metern Tiefe immer noch bei Bohrungen nachgewiesen worden. )16

Die logische Konsequenz war eine Ausbreitung des Ruhrbergbaus nach Norden von der Ruhrtalzone in die Hellwegzone und später weiter in die Emscherzone und heute sogar bis in die Lippezone und ins südliche Münsterland. Neben verschiedenen Siedlungsmustern in den wachsenden Städten war eine Begleiterscheinung des expandierenden Steinkohlenbergbaus die Gründung von Großbetrieben, da der Einsatz von Maschienen und ein Untertageabbau dies aus Rentabilitätsgründen zur Bedingung machte.

„[Weitere] Technische Neuerungen und politische Ereignisse bereiteten den Aufstieg der Industrie vor. Neben der Schiffbarmachung der Ruhr war es die Loslösung Belgiens von den Niederlanden, die die Kohlenausfuhr dorthin freigab, und die Aufhebung der napoleonischen Handelssperren, die dem Kohlenmarkt ein weites Feld öffneten: Die Jahre 1850 bis 1914 wurden hektische Gründerjahre, vom Fieber des Gewinns und wirtschaftlichen Zusammenbrüchen gekennzeichnet.“17

In dieser Zeit wurde das Ruhrgebiet auch für ausländische Investoren interessant, die hauptsäch- lich in den Bergbau und die E-&S-Ind. ihr Kapital investierten. (z.B. Hibernia) Außerdem kamen mehr und mehr Arbeiter aus dem In- und Ausland an die Ruhr. (Vgl. Ab- schnitt 2.5.) Die Gesamtentwicklung im RG wurde begünstgt durch Verwaltungsreformen und Gesetzesänderungen:

„Bisher gab es für die verschiedenen Teritorien unterschiedliche Berggesetze, da zahlreiche Bergämter für die Überwachung zuständig waren. Nach dem Direktionsprinzip von 1766 leiteten sie die Zechen,setzten Förderleistungen, Löhne Absatzpreise und Arbeitszeiten fest, um den Abbau zu überwachen, die Arbeiter zu sichern und den Verbraucher vor zu hohen Preisen zu schützen

Um der Privatinitiative freien Raum zu geben und von staatlichen Fesseln zu befreien, wurde ... zwischen 1851 und 1860 das Direktionsprinzip aufgehoben. Neue ... Gesetze ermöglichten nun den Grubenvorstän- den, Betriebe in eigener Verantwortung zu führen und freie Arbeitsverträge mit allen Arbeitnehmern zu schließen; Der Staat behielt sich nur die Aufsicht über die Sicherheit ... und die Gesundheit der Arbeiter vor.“18

So konnten Aktiengesellschaften entstehen und mit ihnen Großbetriebe. Desweiteren verflechtete sich der Bergbau mit der Stahlindustrie und der wachsenden Zulieferindustrie sowohl horizontal als auch vertikal.

„Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatten sich Großbetriebe erst in Einzelfällen herausgebildet und stell- ten ... noch ext reme Ausnahmefälle dar Im Jahre 1882 wurden im Deutschen Reich 127 Großbetriebe (mit mehr als 1000 Beschäftigten) gezählt, von denen 82 auf das Bergbau-, Hütten und Salinenwesen ... entfielen Nahezu die Hälfte dieser Großbetriebe waren in den Provinzen Rheinland (32) und Westfah- len (19) mit ihren Betriben des Bergbau-, Hütten und Salinenwesens sowie des Maschienenbaus konzent- riert, insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt in dieser Region im Montanbereich rund 85000 Personen beschäftigt.“19

Die erste Hochkonjunktur in den Jahren 1850-1857 endete in einer Überhitzung der Konjunktur und einer daraus resultierenden wirtschaftlichen Kriese.In der Folgezeit kam es zu ersten Fir- menzusammenschlüssen. Außerdem wurde von meist kleineren Unternehmen der „Bergbauver- ein“20 gegründet. Es dauerte bis 1870, bis Reperationsleistungen Frankreichs an Deutschland nach dem dt.-frz. Krieg der dt.Wirtschaft und damit auch dem Bergbau zugute kamen und von neuem eine Phase wirtschaftlicher Hochkonjunktur einleiteten. Doch wieder wurde im allge- meinen Gründungsfieber die Konjunktur überhitzt und es kam nach 1873 erneut zu einer Rezes- sion. Der technische Fortschritt wurde allerdings nicht daduch aufgehalten. Neben den Kriesen 1857 und 1873 waren die Jahre 1918-1920 (revolutionäre Unruhen) und 1923-1925 (französi- sche Besetzung, passiver Widerstand) Kriesenjahre für das RG. Außerdem litt das Revier unter den Folgen der Reparationsforderungen des Vertrags von Versailles (Kohle gehörte zu den wichtigsten Reperationsgütern.) 21

1929 bedeutete die Weltwirtschaftskriese infolge des schwarzen Freitags eine weitere Rezessi- on, die auch im Ruhrgebiet spürbar war. Erst nach der Machtübergreifung der NS 1933 bekam die Konjunktur durch das „Erste Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit“ und in der Fol- gezeit durch „expansive Wirtschaftspolitik“ und „staatliche Verfügung über die ganze Wirt- schaft“ einen Schub, der allerdings in einer freien Marktwirtschaft nicht so zustandegekommen wäre.22 Die in der Vergangenheit entstandenen Großbetriebe der Montanindustrie sowie die Verflechtung derselben machten es den NS einfach, die Wirtschaft zu kontrollieren. Die hohe Arbeitslosigkeit wurde nicht zuletzt durch das Rüstungsprogramm abgebaut, das das Reich kriegsfähig machen sollte. Ziel war es, ohne nennenswerte Investitionen und Modernisie- rungen durch extensiven Kohlenabbau, der im Raubbau der mächtigsten Flöze gipfelte, kurzfris- tig die Förderquoten zu erhöhen, um der steigenden Nachfrage der Chemie - und Stahlindustrie nachzukommen. Folge:

„[Der] Bergbau produzierte in einem Maße (1938: 130 Mio t), daß diese Fördemenge erst in den sechziger Jahren wieder erreicht wurde.“23

Während des Krieges kam es dann zu keinerlei Wachstum, im Gegenteil: Der Bergbau schafte es kaum das Nieveau zu halten. Die Gründe:

- Der Raubbau der ertragreichsten Flöze
- Fehlende Investitionen
- Mangelhafter Technologiestand im Ruhrbergbau (z.B. Einsatz dampfbetriebener Schachtanlagen statt elektrischer)24

Hieran änderte auch der massive Einsatz von Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen nichts. Dazu kamen die Bombardements etc. als Kriegsfolgen. Bei Kriegsende kam die Kohlenförderung praktisch zum erliegen (33 Mio. t Steinkohle wurden 1945 gefördert).25 Nach dem Krieg wurde „ Der Kohleabbau ... von den Alliierten aus eigenwirtschaftlichem Interesse bevorzugt gefördert ...“26

In den 50er Jahren kam es - begünstigt durch Marschallplan und den wirtschaftlichen Aufschwung - zu einer deutlichen Nachfrage und damit zu einer deutlich höheren Förderle istung. Die relativen Beschäftigtenzahlen allerdings verringerten sich parallel dazu bereits geringfügig im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen.27

2.2.2. Die Eisen- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet

„Die beiderseits der Ruhr abgebaute Kohle, Magerkohle und z.T. Eßkohle, ist ... für Schmiedearbeiten besonders geeignet Südlich und südöstlich des Ruhrgebietes bestand ein jahrhundertealtes eisenverar- beitendes Handwerk, so z.B. im Bergischen Land die Klingen- und Messerschmieden und im westlichen Sauerland die Drahtzieherreien und ein umfangreiches eisenverarbeitendes Gewerbe in den Tälern der Lenne, Volme und Ennepe und besondes in deren Nebenträlern. Sie waren Hauptabnehmer der Kohle.“28

Hiermit und mit dem Vorkommen von Kohleneisenstein sowie anderen in der Regel minderwer- tigeren Erzen (z.B. Rasenerz) im nahen Umkreis, sowie dem o.g. Kohlenbergbau waren wesent- liche Standortfakton für den seit Mitte des 19. Jh. entstehenden zweiten Hauptpfeiler der Indust- rie des RG, nämlich der Eisenhüttenindustrie, gegeben. Das Aufkommen des Puddelverfahrens (1826), des Walzen von Stahl (1830), die Gußstahlproduktion (1.Hälfte 19.Jh.) und vorallem das Einsetzen der Kokshochöfen im Jahre 1849 bedeutete einen weiteren Standortvorteil für die Eisenhüttenindustrie im RG, die mit der Mitte des 19.Jh. ebenso wie der Bergbau die erste große Blüte erlebte.29

Als der Bergbau und die Stahlindustrie die Hellwegzone erschlossen, war das Vorkommen von Kohleneisenstein nicht mehr so sehr von Bedeutung, denn Kohle bzw. Koks stellte nun das wichtigste Gewichtsverlkustmaterial dar. Auf eine Tonne Eisenerz entfielen damals noch etwa zwei Tonnen Koks. Heute liegt das Verhältnis bei einer Tonne Erz zu ca. 500 Kilogramm Koks.30

Bis 1870 entwickelte sich die Eisen- und Stahlindustrie stetig weiter. Auch hier entstanden verflechtungen und Zusammenschlüsse von Betrieben. Die neuen Verfahren setzten größeres Kapital voraus, so daß sich mehr und mehr Großbetriebe entwickelten. Dieser Prozeß bewirkte wesentlich die Entstehung der Großstaädte des Ruhrgebietes wie Gelsenkirchen (1907: 14 Großbetriebe), Essen (13), Dortmund (4) oder Bochum (3).

„ [Bis 1907 erhöte] ... sich die Zahl der Beschäftigten in Großbetrieben ... auf 880000 Beschäftigte. Von den 478 Hauptbetrieben entfielen auf die Provinzen:

- Westfahlen 93 (83 im Bergbau-, Hütten- und Salinenwesen) und · Rheinland 102 (66 im Bergbau-, Hütten- und Salinenwesen).“31

Ende des 19. Jh. endete die Förderung von Kohleneisenstein im südlichen Ruhrgebiet.

Von nun an wurden nur noch Erze importiert. Diese kamen seit 1870 aus Elsaß-Lothringen, aus den dt. Mittelgebirgen (Harz, Erzgebirge) und später auch aus Skandinavien und Übersee. Die Wirtschaftskriesen trafen die Stahlindustrie ebensowie den Bergbau, doch schafften es die NS die Kriese vorerst zu beenden. Allerdings: „ Der Höhepunkt der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland war 1938 überschritten.Die nun folgenden Jahre der Kriegswirtschaft brachten kaum eine Steigerung der Produktion Die Produktionsraten der Eisen- und Stahlindustrie jedenfalls sanken deut- lich unter das Niveau von 1938. Sie erreichten im Ruhrgebiet kaum mehr als ein Viertel dieses Wertes.“32 Zum Ende des Zweiten Weltkrieges produzierte das Ruhrgebiet fast keine Eisen oder Stahl mehr. Nach dem Krieg wurde die Stahlindustrie durch Demontage (Reperationen) und alliierte Produktionsbeschränkungen reduziert. Dies sollte sich aber insofern positiv für die kommenden Jahre auswirken, als daß an Stelle der veralteten Anlagen hochmoderne Produktinsstädten traten, die später dem Ruhrgebiet von neuem einen Vorteil der internationalen Konkurenz gegenüber sichern sollten.

2.2.3. Die anderen Industrien des Ruhrgebiets

Neben den Basisindustrien des Montanbereichs etablierten sich weitere Industrien im RG. Diese kann man in drei Gruppen aufteilen:

- Zulieferindustrien für die Montanindustrie
- Weiterverarbeitende Industrien (Kohlenwertstoffindustrie und Metallverarbeitende Industrie)
- Konsumgüterindustrie (anfangs für die Versorgung der Revierbevölkerung - später überregional)

Die Kohlenchemieindustrie:

Auf Basis Kokereiabfallprodukte Teer, Gas, Amoniak und Rohbenzol begründete sich die Chemieindustrie des RG. Gerade der Teer war vielfältig weiterzuverarbeiten und Basis für viele Produkte. Außerdem entstanden hauptsächlich in den 30er Jahren Hydrierwerke, in denen aus Kohle Benzin gewonnen wurde. 33

Daneben entwickelte sich aber vor allem nach dem Krieg eine „Nichtkohlenchemie“34. Deren größtes Werk ist das der ChemischenWerke Hüls AG bei Marl (Kreis Recklinghausen).35

Die Elektroindustrie:

„Die Elektroindustrie beschäftigte vor dem 2. Weltkriege nur 6000 Menschen, 1980 dagegen rund 49400 ... . Als die Großunternehmen der Elektroindustrie ... ihre Werke in Berlin verloren, errichteten sie im Ruhrgebiet neue Zweigbetriebe mittlerer Größe Hinzu kamen Unternehmer ... aus Mitteldeutschland ...“36

Die Glasindustrie:

Das RG ist in Deutschland einer der wichtigsten Standorte der Glasindustrie. Sie wuchs beson- ders, weil benötigte Energie in Form von Kokereigas hier in Mengen vorhanden war. Die weite- ren Rohstoffe (Quarzsand, Soda und Kalk) sind ebenfalls im näheren Umkreis vorhanden. Fünf Hohlglaßwerke (Haushalts-, Konservenläser, Flaschen) und zwei Flachglaswerke von ü- berregionaler Bedeutung befinden sich im Revier (1980 über 10000 Beschäftigte).37

Brauindustrie:

Die Brauereien des RG dienten eigentlich zuerst der Versorgung des Rviers und seiner Bewohner. Sie waren meist nur Handwerksbetriebe mit wenigen Angestellten. Aber in Dortmund braute man dann ein besondes gut zu lagerndes Bier, daß sich auch überregional durchsetzte und so Großbrauereien entstehen ließ. Dortmund ist neben Milwaukee/USA die weltgrößte Bie rstadt. 1981 produzierte man in 6 Großbrauereien 7,2 Mio Hektoliter Bier.38

Textil-/Bekleidungsindustrie:

Die Textilbranche entstand im größeren Umfang erst nach dem Krieg. Zuvor gab es sie zwar bereits, doch erlang sie erst in jüngster Vergangenheit Bedeutung vor allem in Recklinghausen und Gelsenkirchen. 1981 ware über 10000 Menschen in ihr beschäftigt.39

Die Industrie ist also vielseitiger, als es im ersten Blick auf Kohle und Stahl den Anschein ha- ben mag.

2.3. Der Strukturwandel im Ruhrgebiet

Die Problematik in einem einseitig strukturierten Wirtschaftsraum, in dem die ganze Wirtschaft auf der Montanindustrien basiert oder zumindest von ihr abhängig ist, ist die, daß ein konjunkturelles Tief der Basisindustrie gleichbedeutend ist mit einem generellen wirtschaftlichen Konjunkturtief, das in dieser Region durch nichts ausgeglichen werden kann.

2.3.1. Die Kohlekriese - Strukturwandel im Bergbau

In den 50er Jahren stagnierte die Zahl der Kumpel und ging sogar zurück, obwohl zu Beginn der Montanunion (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) ein Anstieg der Kohleproduktion gefordert wurde und das Ruhrgebiet Rekordmengen an Steinkohle förderte. Doch bald reichten weder Rationalisierungsmaßnahmen noch Feierschichten aus, um den Ruhrbergbau in seinem Ausmaß zu erhalten. Die Kohle wurde teurer, weil sie aus immer größerer Tiefe gefördert werden mußte. Gleichzeitig aber sank die Nachfrage nach Steinkohle, da nun zunehmend Rohöl aus den arabischen Staaten importiert wurde und in beinahe allen Bereichen der Industrie die teurere und aufwendigere Kohle ersetzte. Hinzu kommen die Abschaffung der Damplokomotiven, die Billiganbieter von Kohle aus dem Ausland (USA, Kanada, China etc.), der Nachfragerückgang bei Koks seitens der Stahlindustrie usw. Nur durch die Abnahmegarantie der Energiewirtschaft (Jahrhundertvertrag) und durch massive Subventionen sowie durch eine enge Zusammenarbeit von RAG und Landes bzw. Bundesregierung, kann der Bergbau im Ruhrgebiet erhalten wer- den.40

„ [Mit der] ... Gründung der Ruhrkohle AG am 27.11.1968 war ein Akt der Neuordnung des Bergbaus als Antwort auf die schwere Krise der Kohlenwirtschaft [gegeben].“ 41

In ihr wurden 24 der 26 Bergbaugesellschaften des RG zusammengeschlossen, mit dem Ziel, den Ruhrbergbau langfristig Konkurenzfähig zu halten und so einen Wirtschaftszweig zu retten, an dem tausende Arbeitsplätze hängen.

Die Nordwanderung des Bergbaus setzt sich indes weiter fort. Allerdings werden aus ökologischen und ökonomischen Überlegungen heraus keine neuen Förderanlgen mehr angelegt. Stattdessen werden sogenannte Anschlußbergwerke erstellt. Bei diesen handelt es sich um kleine moderne Schachtanlagen, die lediglich zur Seilfahrt benutzt werden. Die Kohle wird untertage zu bereits bestehenden Förderanlagen transportiert.

2.3.2. Die Stahlkriese - Strukturwandel in der Eisen- und Stahlindustrie

Mit der Ölkriese Mitte der 70er Jahre geriet auch der zweite Pfeiler der Montanindustrie im RG ins wanken. Die Kraft, die über 20 Jahre für das Wirtschaftswunder - den wirtschaftlichen Auf- schwung in Deutschland in den 50er und 60er Jahren in Deutschland mitverantwortlich war - sah sich den Auswirkungen der Weltwirtschaftskriese (Ölkriese) 1973/74 und einer in den ande- ren Ländern heranwachsenden bzw. bestehenden Konkurenz gegenüberstehen. Außerdem im- portiert man immer mehr ausländische Kohle und Erze (1980 49,8 Mio t).42 So wurde der Erz- transport zum Standortnachteil, da er nicht ununterbrochen von den Produzenten ins Ruhrgebiet möglich ist und dementsprechend aufwendiger und teurer wird. Überproduktionen Mitte der 70er waren dann der Startschuß für Unternehmensfusionen (z.B. Fusion von Hoesch und DHHU; Fusion von Krupp und Hoesch; (aktuell) die feindliche Übernahme von Thyssen durch Krupp-Hoesch) und Werksschließungen in der dt. Stahlindustrie.43 44

2.4. Das Verkehrsnetz des Ruhrgebiets

Das Ruhrgebiet hat Zugang zu allen Verkehrsträgern, die wirtschaftlich von Bedeutung sind.

Das Wasserstraßennetz im RG:

„Das [RG] ... hat innerhalb Deutschlands neben Berlin das dichteste Wasserstraßen- und Hafennetz. Dieses Wasserstraßennetz hat folgende Aufgaben:

- Verbindung des Reviers mit den dt., niederländischen und belgischen Seehäfen
- Verbindung mit dem dt. Kanal- und Stromsystem
- Erschließung des engeren Reviers für Massenguttransporte

Das System besteht aus folgenden Wasserstraßen:

- Der Rhein als Rückgrat der westeuropäischen Wasserstraßen und zugleich verkehrsreichster Fluß Europas verbindet ... das Revier mit Süddeutschland ... , mit Lothringen ... , mit der Schweiz, mit den holländischen Seehäfen und mit Antwerpen in Belgien. [Rhein- Seeverkehr: Mit Küstenmotorschiffen direktverbindung mit Ostsee-, Nordsee-, Kanal- und Atlantikhäfen möglich.]
- Der Dortmund-Ems-Kanal (DEK) [seit 1899, Länge: 269 km] ... Endhäfen des DEK sind im Binnenland Dortmund, an der Nordseeküste Emden.
- Der Rhein-Herne-Kanal ist 45,6 km lang; er wurde 1914 in Betrieb genommen und läuft et- wa parallel zur Emscher Er ist von vornherein vorwiegend als Kohlenkanal geplant wor- den [Anbindung an Rhein und DEK; Außer Schiffahrt Hauptaufgabe Brauch- und Kühlwasserversogung anliegender Industrien]
- Die Ruhr wurde nur in den 12,6 km ihres Unterlaufes als Großschiffahrtsweg ausgebaut (In- betriebnahme 1927) ...
- Der Lippe-Seitenkanal ist 107 km lang und hat zwei Teilstücke, den älteren Datteln-Hamm- Kanal (1914 ... ) und den 1931 eröffneten Wesel-Datteln-Kanal “45

Alle Wasserstraßen des RG können mit dem Europaschiff (1350 t Wasserverdrängung) befahren werden, allerdings nur der Rhein mit Schubverbänden von 11000 tdw, ausnahmsweise bis 16000 tdw. Diesen Nachteil für das östliche Ruhrgebiet im Vergleich zum westlichen gilt es verkehrstechnisch zu beheben.46

Die Häfen:

Mit 16 öffentlichen und 56 privaten Häfen ist das RG außergewöhnlich dicht mit Häfen be- stückt. Die öffentlichen Häfen sind in der Regel „multi-funktionale Häfen“47, d. h. hier werden alle Arten von Gütern umgeschlagen. Die Privathäfen dagegen werden in der Regel von größeren Unternehmen betrieben. Sie schlagen beispielsweise ausschließlich Kohle oder Erz für die Stahlindustrie etc. um. Ein weiteres Beispiel sind die Kohlenhäfen im RG.

Das Autobahnnetz:

Das RG ist gut mit dem dt. und mitteleuropäischen Fehrnverkehrsstraßennetz verbunden. Es wird von Westen nach Osten von drei paralelverlaufenden Autobahnen durchzogen. Außerdem queren mit der A3 die wichtigste Nord-Südverbindung das RG. An den Autobahn- kreuzen sind besonders viele von einer Fernstraßenanbindung abhändige Unternehmen gegrün- det bzw. Betriebe aufgebaut worden (z.B. Versanddepots, Speditionen etc.)48 „Neben den N[ord]-S[üd} Autobahnen Besteht eine Anzahl von vierspurigen, ... die die Städte im Revier in nord-südlicher Richtung erschließen

Das gesamte Schnellstraßennetz legt sich bereits jetzt wie ein engmaschiges Gitter über das Revier und trägt entscheidunend zur Verbesserung seiner Infrastruktur bei.“49

Anbindung an das Luftverkehrsnetz:

Über den Internationalen Flughafen von Düsseldorf und den Regionalflughafen in Essen ist das RG an das nationale und internationale Luftverkehrsnetz gut angebunden.

Das öffentliche Nahverkehrsnetz:

Der öffentliche Nahverkehr im RG ist zusammengefaßt im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr

(VRR). Das Nahverkehrsnetz umfaßt sowohl stadtinterne Busverbindungen und Straßenbahnli- nien als auch die Stadte miteinander verbindende Eisenbahnverbindungen. Außerdem wird ein leistungsfähiges Stadtbahnnetz ergänzend zur S-Bahn angelegt. Der VRR erstreckt sich von Dortmund bis zur Grenze zu den Niederlanden und von Recklingshausen bis Solingen.50

2.5. Die Siedlungsstruktur des Ruhrgebiets

„Das RG ist ein polyzentrischer Ballungsraum. Es hat sich nicht durch das Wachsen einer einzelnen be- herrrschenden Großstadt entwickelt, sondern durch die Ausdehnung der vorindustriellen Städte und durch das Entstehen neuer verdichteter Siedlungsbereiche auf industrieller Basis. Die Differenzierung des Sied- lungsbildes wird geprägt durch die zonale Gliederung des Reviers von Süden nach Norden und spiegelt zugleich die vorindustriellen Siedlungsstrukturen, die der industriellen und damit der siedlungsgeographischen Entwicklung unterschiedliche Voraussetzungen boten.“51

„[Die Städte des RG] ... erhielten im Verlauf der industriellen Entwicklung ein Übergewicht gegenüber den anderen Zonen des Reviers.“ 52

„Das durch den Bergbau und die Industrie bestimmte Sielungswachstum des Reviers sowie die unter- schiedlichen siedlungsstrukturellen Voraussetzungen in den Entwicklungszonen haben im Ruhrgebiet eine zentralörtliche Struktur entstehen lassen, die sich vor allem in einem von der der anderen Verdich- tungsräume in Deutschland unterscheidet: es fehlt hier ein höchstrangiges Zentrum für den Gesamtraum. Kennzeichnend sind vielmehr die Konkurrenz und die gegenseitige Überlagerung der zentralörtlichen Bereiche von Städten gleicher oder ähnlicher Zentralität, die insgesamt eine Schwächung des zentralörtli- chen Gefüges zur Folge haben.“53

Kennzeichnend für das RG sind typische Bergarbeiterorte. Diese entstanden in enger Anle hnung an den Bergbau. In einer Sonderform wurden sogenannte Werkskolonien und Werkssiedlungen von den Großunternehmen angelegt. Hierdurch wurde die Fluktuation der Bele gschaften so gering wie möglich gehalten.

Die Perspektiven des Ruhrgebietes

Der Strukturwandel des Ruhrgebietes zeigt heute bereits Auswirkungen, die nahezu vergessen lassen, das vor wenigen Jahrzehnten Kohle und Stahl den Lauf der Dinde hier bestimmten. Zwar nimmt die Montanindustrie auch heute eine übergeordnete Funktion in der Wirtschaft des RG ein, doch wird das RG auch immer mehr Heimat von zukunftsorientierten Dienstleisungs- und Industrieunternehmen, die verprechen, daß das RG auch weiterhin eine hervorragende Rolle in der dt. Wirtschft spielt.Die Standortfaktoren des Reviers haben sich verändert, doch mit einer strukturellen Anpassung der Wirtschaft und dem Ausbau der Infrastuktur bleibt der Wirtschafts- raum aufgrund seiner immer noch hervorragenden Standortfaktoren weiter konkurenzfähig.

Diese qualitativen und quantitativen Standortvorteile seien mit den folgenden Beispielen kurz umrissen:

- Aufgeschlossene, mobile, junge und industrieerfahrene Bevölkrung (Arbeitskräfte) · Auch in Zeiten der Hochkonjunktur zur Verügung stehende, hochqualiizierte Ar- beitskräfte
- Verkehrsgünstige, gut erschlossene Industrie und Gewerbeflächen jeder Größe zur Ansiedlung neuer Gewerbe
- Ansiedlungsmöglichkeiten in Gewerbe- bzw. Industrieparks · Gesicherte, preisgünstige Wasser- und Energieversorgung · Immisonsschutzgebung im Sinne wirtschaftlicher Belange · Leistungsfähiges Verkehrsnetz
- Dichter, kaufkräftiger Markt (RG: 5,7 Mio. Einwohner, 70 Mio. im Umkreis von 300 km)
- Moerne Lebensbedingungen für die Arbeitsbevölkerung (Sport, Kultur- und Erho- lungseinrichtungen)
- Starke räumliche Konzentration; Nähe zu Zulieferern, Kunden, Dienstleistungen, Verwaltungen und Institutionen

Auch wenn das Revier nicht mehr der montanindustriell geprägte industrieelle Ballungsraum ist, so bleibt, wenn der Prozeß des strukturellen Wandels fortgesetzt wird, dennoch eines gewiß: Das Ruhrgebiet hat noch eine Zukunft als Wirtschaftsraum.54

Literaturverzeichnis

CONZE, Werner und HENTSCHEL, Volker. Deutsche Geschichte - Epochen und Daten. Würzburg: Ploetz, 1991.

DEGE, Wilhelm und DEGE, Wilfried. Das Ruhrgebiet. Geocolleg. Berlin: 1983. KERSTING, Ruth und PONTHÖFER, Lore. Wirtschaftsraum Ruhrgebiet. Seydlitz. Berlin: Cornelsen/Schroedel, 1990.

ROYAN, Gerd. Der Einfluß von industriellen Großunetrnehmen auf die strukturelle Entwicklung im Verdichtungsraum Rhein-Ruhr. Dortmund: o.Verlag, o.J. SVR (Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk) (Hrsg.). Industriestandort Ruhr. Essen: o. Verlag, 1975.

WIEL , Peter. Wirtschaftsgeschichte des Ruhrgebietes. Essen: o.Verlag, 1970.

[...]


1 Vgl. Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) (Hg.): Industriestandort Ruhr, Essen 1975, S.18 - im Folgenden abgekürzt durch „SVR“

2 Vgl. Droemer-Knaur (Hg.) : Knaurs Weltatlas. Künzelsau 1994, S.35

3

4 Vgl. Seydlitz, S. 6

5 Vgl. SVR, S. 18

6 Vgl. Wiel, P. : Wirtschaftsgeschichte des Ruhrgebietes, Essen 1970, S.1-6 Vgl. Seydlitz, S.6 f.

7 Seydlitz, S. 6

8 Vgl. ebd., S. 9

9 Vgl. ebd., S. 9f

10 Vgl. Dege, W. : Das Ruhrgebiet. Geocolleg. Berlin 1983, S. 27 - im Folgenden abgekürzt durch: „Dege“

11 ebd., S. 29

12 Conze,W. und Hentschel,V. (Hrsg.): Deutsche Geschichte - Epochen und Daten; Würzburg 1991, S. 204-213

13 Vgl. SVR, S. 21

14 Dege, S. 29

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. Seydlitz, S. 20

17 ebd.

18 Seydlitz, S. 40

19 Royan, Gerd: Der Einfluß von industriellen Großunternehmen auf die strukturelle Entwicklung im Verdichtungsraum Rhein-Ruhr, Dortmund, o.J., S. 26ff.

20 Seydlitz: S. 20

21 Vgl. Conze,W. und Hentschel,V.(Hrsg.): Deutsche Geschichte - Epochen und Daten, Würzburg 1991, S. 249ff.

22 ebd., S.263ff.

23 Seydlitz: S. 40

24 Vgl. ebd.

25 Vgl. Seydlitz, S. 40f.

26 ebd., S. 43

27 Vgl. ebd.

28 Dege, S. 30f.

29 Vgl. ebd., S. 35f.

30 Vgl. ebd., S. 36

31 Royan, G.: Der Einfluß von industriellen Großunternehmen auf die strukturelle Entwicklung im Verdichtungsraum Rhein-Ruhr. Dortmund, o.J., S.28f.

32 Seydlitz, S. 40

33 Vgl. Dege, S. 106

34 ebd., S. 107

35 Vgl. ebd.

36 ebd., S. 109f.

37 Vgl. ebd., S. 110

38 Vgl. ebd., S. 110f.

39 Vgl. Dege, S. 111f.

40 Vgl. Seydlitz, S. 45ff.

41 ebd., S. 48

42 Vgl. Dege, S. 112

43 Vgl. ebd., S. 95ff.

44 Vgl. Seydlitz, S. 50ff.

45 Dege, S. 132f.

46 Vgl. ebd.

47 ebd.

48 Vgl. Dege S. 148ff.

49 ebd.

50 ebd., S. 145 f.

51 ebd. , S. 43 f.

52 ebd.

53 ebd. S. 52

54 Vgl. SVR, S.14-23

20 von 20 Seiten

Details

Titel
Das Ruhrgebiet
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Veranstaltung
Proseminar Wirtschaftsgeographie
Autor
Jahr
1998
Seiten
20
Katalognummer
V101211
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Nicht perfekt, aber informativ! Für Schule und Grundstudium durchaus brauchbar.
Schlagworte
Ruhrgebiet, Proseminar, Wirtschaftsgeographie
Arbeit zitieren
Michael Birklein (Autor), 1998, Das Ruhrgebiet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101211

Kommentare

  • Gast am 15.4.2004

    ...Gute Einführung in die ENtwicklung des Ruhrgebietes. Weiter so! :-)

    ABer eines dennoch: Die politischen Rahmenbedingungen und die sozialen Entwicklungen hätte man noch etwas genauer erörtern können...

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Titel: Das Ruhrgebiet



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