Der Islam ist eine solche Lehre, die den Anspruch erhebt, den Menschen verstanden zu haben. Aufbauend auf dieser These geht es in dieser Arbeit darum, das Menschenbild im Islam zu skizzieren. Dabei dienen die Verse des Korans als wichtigste Grundlage. Stützend auf die heiligen Koranverse soll die Frage beantwortet werden, wie das Menschenbild im Islam dargestellt wird. Angefangen von der Schöpfung des Menschen, wird der Unterschied des Menschen zu anderen Lebewesen und seine damit verbundene Stellung als Statthalter Gottes in den Kapiteln beleuchtet werden. Auf der Grundlage der Ergebnisse soll im Anschluss das Beispiel eines vollkommenen Menschen am Exempel des Propheten Muhammad (s.), der im Islam das beste aller Geschöpfe dar-stellt, vorgestellt werden. Aufgrund des eingegrenzten Rahmens kann die folgende Arbeit lediglich als ein oberflächlicher Versuch betrachtet werden, in das islamische Menschenbild einzutauchen, um mit diesem Grundlagenwissen sich tiefer in die Materie hineinarbeiten zu können.
Nichts auf dieser Welt ist so rätselhaft wie die Frage des Menschen. Schon seit Jahrtausenden befassen sich die großen Denker und Philosophen mit der Wesensart des Menschen. Damit verbunden waren die großen Fragen, was der Mensch ist, warum es ihn gibt, und worin der Sinn seines Lebens besteht. Aus den verschiedenen Antworten entwickelten sich unterschiedliche Lebensmodelle, die dem Menschen ein bestimmtes Handeln zur Erfüllung seines Daseinszwecks vorschrieben. Diese Lebensmodelle existieren bis heute. Sie konkurrieren bisweilen miteinander, wobei jedes Model von sich überzeugt scheint, die menschliche Wesensart am besten verstanden zu haben. Auch der Islam geht von einem bestimmten Menschenbild aus, das sich aus seinen Quellen herauslesen lässt. Das islamische Menschenbild erhebt dabei ebenso wie andere Religionen und Weltanschauungen den Anspruch, den Menschen am besten verstanden zu haben. Dabei ist das islamische Menschenbild in erster Linie ein koranisches Menschenbild, insofern es sich aus dem Koran ableiten lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Schöpfung des Menschen
2.1 Die geistige Seite des Menschen
2.2 Die materielle Seite des Menschen
3. Der Mensch im Unterschied zu anderen Lebewesen
3.1 Vegetatives Leben
3.2 Sensitives Leben
3.3 Intellektuelles Leben
4. Der Mensch als Statthalter Gottes
5. Der vollkommende Mensch am Beispiel des Propheten Muhammad (s.)
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit skizziert das islamische Menschenbild auf Grundlage koranischer Verse und untersucht dabei die Schöpfung, die Besonderheiten des Menschen gegenüber anderen Lebewesen sowie seine Rolle als Statthalter Gottes.
- Analyse des koranischen Schöpfungsbildes (geistige und materielle Aspekte)
- Differenzierung des Menschen durch vegetative, sensitive und intellektuelle Seelenvermögen
- Erarbeitung des Konzepts des Menschen als Statthalter (Khalif) Gottes
- Darstellung des Propheten Muhammad (s.) als vollkommenes Vorbild (Insan-ul-Kamil)
- Diskussion der spirituellen Pflichten und des Strebens nach göttlicher Nähe
Auszug aus dem Buch
2. Die Schöpfung des Menschen
Das islamische Schöpfungsbild des Menschen wird im Koran deutlich beschrieben. Wir können anhand der Verse des heiligen Buches rekonstruieren, wie Gott den Menschen erschaffen hat und woraus er im Einzelnen besteht. Dabei geht es um die Gattung Mensch d.h., wenn der Koran über die Erschaffung des Menschen spricht, dann spricht er über das, was allen Menschen, egal welcher Nation, Religion, Ethnie sie angehören mögen, gleich ist.
Die Schöpfung des Menschen unterscheidet sich in vielerlei Hinsichten von der Schöpfung der übrigen Geschöpfe. Sie ist eine besondere Schöpfung, weil sie sich zwischen zwei – strenggenommen sogar zwischen drei Welten – bewegt. Die menschliche Schöpfung steht und bewegt sich zwischen der Welt der Materie, der Welt der Vorstellung und der Welt des Intellekts, die schließlich jede materielle Bindung abstrahiert. Diese Eigentümlichkeit des Menschen teilt er mit keinem anderen Geschöpf.
Der Koran macht auf diese Tatsache aufmerksam, wenn er den Menschen exklusiv als Stellvertreter Gottes hervorhebt – ein Punkt, auf den wir im Verlaufe der Arbeit noch näher eingehen werden. Doch vorher müssen wir zurück in eine Zeit, als es weder Menschen noch sonst irgendeine Schöpfung gab. Wir müssen zurück in die Zeit der vorweltlichen Existenz. Dort beginnt die Geschichte des Menschen. In jener vorweltlichen Existenz haben alle Menschen in ihrer immateriellen Wesenheit die Einheit Gottes bezeugt. Mit dem Abfall auf die Erde vergaßen sie die Bezeugung, an der sie der Koran wieder erinnert, indem Gott spricht:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die universelle Sinnfrage des Menschen und positioniert das islamische Menschenbild als koranisch fundierte Lehre, die den Anspruch erhebt, die menschliche Wesensart zu erfassen.
2. Die Schöpfung des Menschen: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des Menschen aus einer geistigen Ursubstanz sowie materiellen Bestandteilen und diskutiert das Konzept der vorweltlichen Zeugenschaft der Einheit Gottes.
3. Der Mensch im Unterschied zu anderen Lebewesen: Hier wird der Mensch anhand der aristotelischen Seelenstufen – vegetativ, sensitiv und intellektuell – von Pflanzen und Tieren abgegrenzt, wobei der Intellekt als entscheidendes Unterscheidungsmerkmal hervorgehoben wird.
4. Der Mensch als Statthalter Gottes: Das Kapitel thematisiert die besondere Stellung des Menschen als potenzieller Statthalter Gottes (Khalif) und die damit verbundene Freiheit und Verantwortung zur Nachahmung göttlicher Attribute.
5. Der vollkommende Mensch am Beispiel des Propheten Muhammad (s.): Der Prophet Muhammad (s.) wird als Idealbild des Menschen (Insan-ul-Kamil) vorgestellt, der durch die Verkörperung göttlicher Eigenschaften den höchsten Grad an spiritueller Vollkommenheit erreicht hat.
6. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für ein differenziertes, von innen heraus verstandenes Bild des Islams, das Vorurteile abbaut und den interkulturellen Dialog fördert.
Schlüsselwörter
Islam, Menschenbild, Koran, Schöpfung, Seele, Statthalter Gottes, Intellekt, Prophet Muhammad, Fitrah, Gottesnähe, Religion, Spirituelle Entwicklung, Verantwortung, Vorbild, Menschwerdung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Definition des Menschenbildes im Islam unter besonderer Berücksichtigung koranischer Verse und theologischer Konzepte.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Zentrale Felder sind die Schöpfungsgeschichte, die metaphysische und biologische Konstitution des Menschen, seine geistige Hierarchie sowie seine Rolle als Statthalter Gottes auf Erden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, das islamische Menschenbild fundiert zu skizzieren und darzulegen, wie sich dieses aus den koranischen Quellen ableiten lässt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine hermeneutische Herangehensweise, bei der er koranische Verse analysiert und in einen philosophischen sowie theologischen Kontext – unter Einbezug klassischer Seelenlehren – einbettet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Schöpfung, die Differenzierung des Menschen durch Seelenvermögen, die Statthalterschaft sowie die Vorbildfunktion des Propheten Muhammad (s.).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Menschenbild, Koran, Statthalterschaft, Intellekt und das Idealbild des vollkommenen Menschen (Insan-ul-Kamil) geprägt.
Wie unterscheidet sich der Mensch laut dem Text von anderen Lebewesen?
Der Mensch besitzt zusätzlich zu den vegetativen und sensitiven Kräften der Pflanzen und Tiere die intellektuelle Seelenkraft, die es ihm ermöglicht, Triebe zu beherrschen und eine moralische Wahl zu treffen.
Welche Bedeutung kommt dem Propheten Muhammad (s.) in diesem Kontext zu?
Er dient als das vollkommene Vorbild, das durch die vollkommene Verkörperung göttlicher Attribute den höchsten erreichbaren Status eines Geschöpfes vor Gott darstellt.
- Quote paper
- Ahmad Abbas (Author), 2020, Das Menschenbild im Islam im Lichte der koranischen Verse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012430