Goethe, Johann Wolfgang von - Mächtiges Überraschen - Gedichtinterpretation


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

3 Seiten


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Gedichtinterpretation zu Goethes „Mächtiges Überraschen“

Das Gedicht „Mächtiges Überraschen“, welches Johann Wolfgang von Goethe 1807 verfasst hat, sagt schon durch seinen Titel aus, dass sich im Fortlauf des Gedichtes einiges tun wird, dass etwas Unerwartetes möglicherweise alles verändern wird.

Ob dies allerdings eine gute oder böse Überraschung sein wird, kann man zu Beginn noch nicht erkennen, lediglich deren Größe, ihre Mächtigkeit. An diesem Gedicht kann man deutlich ersehen, dass es der klassischen Epoche entstammt, was an Hand von zahlreichen Merkmalen im Folgenden genauer erläutert wird.

Die Klassik, welche sich in etwa in die Jahre von 1786 - 1805 einordnen lässt, zeigt dem Menschen ein völlig neues Weltbild: Er soll fortan durch die Eingebundenheit in die Natur, durch die Vereinigung von Verstand und Sinnlichkeit zu einem neuen, nahezu gottähnlichen Geschöpf werden. Der Leser des vorliegenden Gedichtes kann diese „Neuwerdung“ genauestens verfolgen:

Schon allein die Form, das Äußere, lässt eine Veränderung erkennen, wobei die ersten beiden der vier Strophen aus jeweils vier, die folgenden aus nurmehr drei Versen bestehen (Sonettform).

Wenn sich auch letztendlich alles zum Neuen wendet, so bleibt die Gesamtheit doch in einem gewissen Rahmen, da ja die Voraussetzung für das Ergebnis logischerweise notwendig ist.

Diese Einheitlichkeit wird durch die fünfhebigen Jamben ( xX ) und folglich die stets weiblichen Kadenzen, welche sich durch das gesamte Gedicht hindurchzieHen, unterstrichen.

Auch die Art des Reimes, der Klammerreim ( abba ), der, wie sein Name schon sagt, das Werk umklammert, zu einer Einheit zusammenhält, bleibt bis zur Hälte des Gedichtes der selbe, fortgehend erkennt man Kreuzreime.

Der eigentliche Inhalt des Gedichts zeigt vordergründig die gewaltige Flussströmung bergabwärts zum Ozean, welche plötzlich ganz unerwartet in Folge eines mächtigen Sturmes, welcher durch seine Naturverwüstung die Strömung blockiert, schließlich als ein nurmehr ruhiges Gewässerchen, ein See, weiterlebt. In der ersten Strophe kann man das Lärmen und Toben des Stromes nahezu mitempfinden, da durch Neologismen wie [„entrauschen“] (Z.1), „(umwölktem) Felsensaale“ (Z.1) die Stimmung lebhaft vermittelt wird. Der üblich gebrauchte Wortschatz reicht nicht mehr aus, um dieses Naturschauspiel darzustellen. Die nicht zu stoppenden Wassermassen steuern „unaufhaltsam“ (Z.4) auf den Ozean zu, um sich dort mit ihm „eilig zu verbinden“ (Z.2).

Das Wasser strömt nicht nur auf Grund seiner Erdanziehungskraft bergabwärts, es flieht auch vor der Bedrohung, dem „umwölktem Felsensaale“, um im Tale beim „Vater“ (Z.11) seine Ruhe zu finden.

Es scheint vorerst, als könne nichts in der Welt diese Strömung aufhalten, es bleibt keine Zeit für eine lange Beobachtung einer Spiegelung im Strome: „ was sich auch spiegeln mag (...), er wandelt unaufhaltsam fort zu Tale.“ (Z.3)

Mit der zweiten Strophe tritt eine unerwartete Überraschung - wie der Gedichtstitel schon vermuten lässt - ein: Die Natur selbst ist es, welche vermag, in den vorherigen Zustand einzugreifen und dadurch eine bedeutende Wende herbeizuführen:

„Mit einem Male“ (Z.5), also nicht vorhergesehen, setzt ein Sturm ein, welcher das gesamte Geschehen zerstört, er blockiert den Strom: „hemmt den Lauf“ (Z.8). Die Macht des Sturmes ist so gewaltsam, dass „Berg und Wald“ (Z.6) ihm folgen. Er selbst wird personifiziert als Oreas, dem Bergwinde dargestellt, welche sich bewusst als Ziel gesetzt hat, den Wasserfall zu zerstören, um nach vollbrachter Tat schließlich zufriedengestellt zu sein, „um Behagen dort zu finden“ (Z.7). Sie erreicht es mit ihren „[dämonischen]“ (Z.5) Fähigkeiten, den Fortlauf anzuhalten, „die weite Schale [zu] [begrenzen]“ (Z.8).

Im folgenden Fortlauf der dritten Strophe sträubt sich das Wasser vorerst noch, es möchte weiterhin auf sein Ziel zusteuern, doch es hilft alles Bemühen nicht, sie „[trinkt sich immer selbst]“ (Z.10).

Das unermüdbare Bestreben, es doch zu schaffen, wird durch Verbanhäufungen im Enjambement metaphorisch dargestellt: „Die Welle sprüht und staunt zurück und weichet und schwillt bergan“ (Z.9f). Die Welle selbst wird als Person dargeStellt, sie „staunt und weichet“ (Z.9).

Noch ein letztes Mal schwankt die Welle in der vierten Strophe, doch schließlich kommt sie zur Ruhe, und aus dem Wasserstrom ist ein See geworden.

Erst jetzt, in diesem See, können sich die funkelnden Gestirne spiegeln (Z.13), das eigentlich Schöne kommt erst jetzt, im Zustand der Ruhe zu Geltung. Durch das Enjambement „Gestirne (...) beschaun das Blinken (...) des Wellenschlags“ (Z.13f) wird die ruhige, fortlaufend gleichmäßige Atmosphäre dargestellt.

„Ein neues Leben“ (Z.14) hat begonnen, ohne hektische Zielbestrebungen kommt das Wasser, zwar unerwartet früh, aber dennoch wie es anfangs wollte, zur Ruhe.

Hinter diesem Weg des Wassers kann man durchaus das frühzeitige unerwartete Eingreifen des Todes sehen: Der Mensch läuft meist zielstrebig durch das Leben und denkt nicht an ein plötzlich eintretendes Ende, welches jeder Zeit naheliegen könnte.

Der Tod, welcher wohl von den meisten Menschen eher grausam wie erlösend gesehen wird, bringt den Menschen lau diesem Gedicht doch erst zum wahren Ziel, welches einen höheren Rang als all die kleineren Zielsetzungen in diesem Leben einnimmt.

Das Gedicht wirkt auch recht aufs Leben bezogen, da das Wasser, welches hier das Hauptsymbol darstellt, ja ohnehin das Zeichen des Lebens ist. Die Steigerung hin bis zum plötzlich eingreifenden Tode wird durch die zunehmende Unruhe des Wassers in den den ersten beiden Strophen gezeigt. Durch die darauf folgende Antiklimax tritt wieder die Ruhe, sowohl äußerlich als auch innerlich ein: Der See wird ruhig und in ihm spiegeln sich schließlich die Gestirne.

Der Mensch kommt also erst durch den Tod und das darauf folgende „neue Leben“ zur wirklichen innerlichen Ruhe.

Goethe, welcher dieses Gedicht in einer Zeit verfasst hat, in welcher er mit dem Tode einiger guter Freunde konfrontiert war, suchte möglicherweise eine Lösung, das Leid der Angehörigen zu lindern, und kam dabei zu dem Entschluss, den Tod als Anfang eines neuen, besseren Lebens zu sehen.

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Details

Titel
Goethe, Johann Wolfgang von - Mächtiges Überraschen - Gedichtinterpretation
Veranstaltung
Deutsch LK 12/2
Autor
Jahr
2001
Seiten
3
Katalognummer
V101244
Dateigröße
328 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
2,5 Seiten lange Interpretation
Schlagworte
Klassisches Gedicht, Goethe 1807
Arbeit zitieren
Johanna Rieder (Autor), 2001, Goethe, Johann Wolfgang von - Mächtiges Überraschen - Gedichtinterpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101244

Kommentare

  • Gast am 28.5.2001

    Cool!.

    Das hast gut gemacht kann ich gut brauchen!! weiter so! Gruß Peter!!

  • Gast am 27.9.2001

    Toll.

    Tolle Arbeit, zwar noch ausbaufähig aber
    für den Anfang genau das, was ich gesucht habe.

  • Gast am 9.10.2001

    Akzeptabel.

    Inhalt im wesentlichen erfaßt.
    Stilmittel und äußere Form besser zur Deutung heranziehen.
    Klassische Motive stärker herausarbeiten.
    Interpretation deutlicher herausheben und auf 1. und 2. Bedeutungsebene eingehen.
    Genaue biographische Bezüge miteinarbeiten (1807/08 -Tod der Mutter, unglückliche Liebe zu Minchen Herzlieb, Briefwechsel mit Betina von Arnim).

    Trotzdem gut gemacht!

  • Gast am 16.2.2002

    Respekt!!!.

    Wow, RESPEKT, liebe Johanna!
    Finde ich echt gut, wie du das Gedicht interpretiert hast, bei mir hören die Ideen schon immer nach den Stilmitteln auf, ich hab da echt Probleme, mir vorzustellen, was der liebe Herr Goethe sich wohl dabei dachte, als er das Gedicht schrieb!

  • Gast am 5.3.2002

    Verbesserungswürdig.

    Die Analyse des Aufbaus und der Stilmittel ist gut gelungen, auch wenn den strophenübergreifenden Reimen mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Die Interpretation ist jedoch - auch nach Meinung unseres Deutschlehrers - sehr weit vom Inhalt des Gedichtes entfernt. Ein vielversprechenderer Ansatz wäre eine Auslassung des Todes-Aspekts (Wie kommt man auf so was) und eine stärkere Fokussierung auf die Kraft der Natur und die Anmut und Stärke fließenden Wassers.

  • Gast am 11.2.2003

    Tolle Starthilfe.

    Inhalt gut, Sprache so lala, aber dat kann ja jeder so umformulieren wies ihm in den Kram passt.
    Auf jeden Fall eine gute Orientierung!

  • Gast am 4.2.2004

    nicht schlecht für den Anfang.

    Ich finde, die Stilmittel waren eher schwach herausgearbeitet. Auch die Tatsache, dass das Gedicht typisch für die Epoche der Klassik ist, wurde eher oberflächlich, allein an der äußeren Form erkannt. Der Ansatz des Todes scheint mir zu weit hergeholt und eher unschlüssig. Dennoch, für einen Einstieg, in dem Fall dass man kaum etwas mit dem Gedicht anfangen kann, kann die Interpretation ganz hilfreich sein.

  • Gast am 9.10.2004

    das war ganz toll, johanna.

    ich finds gut ich schreib am montag deutsch und kann sowas gar nicht argh

  • Gast am 27.2.2007

    hmm....

    also wir haben da heute ne klausur drüber geschrieben und alle hams ziemlich anders interpretiert! Wie kommst du am Ende darauf, dass das Leben in der Ruhe seinen Frieden findet?? Der Fluss fließt nur weiter in Richtung Meer!! Er hat sich durch die Felswand, oder wie es im Gedicht steht, gearbeitet und startet jetzt ein neues Leben! das heißt ein neuer Strom entsteht aus den Felswänden die den ursprünglichen Fluss aufhalten. Ach und du hättest am Anfang stärker herausarbeiten können, dass der Strom Goethes Leben darstellt, welches durch eine große Krise (siehe Robbie) mehr oder minder überraschend blockiert wird!
    Ansonsten ganz ok die Geschichte! :)

  • Gast am 10.9.2007

    "hmmm..." .

    Also erstmal: ich habs auch anderes interpretiert, oder besser interpretieren müsse.
    Aber was Klausie da sagt, also, dass der Fluss weiter fleißt und so, kann ich dem Gedicht bzw Sonett nicht entnehmen, da es nirgendwo steht

  • Gast am 23.9.2007

    ...unsere dt lehrerin hat die sache ganz anders gesehen... und zwar, dass der fluss aus der quelle (=felsensaale) entspringt und sein ziel dann ja das meer ist. dann kommt diese oreas (=flussnymphe, entspricht dem flusslauf) und hält den fluss auf. sie durchkreuzt praktisch den plan des flusses sich mit dem meer zu verbinden...
    und dann am schluss ist der fluss, der dann ein see ist, viel glücklicher mit seinem dasein als see...
    => das kann man auch auf den menschen übertragen.

  • Gast am 26.9.2007

    Naja.

    Jemand war so, schlau und hat diese Interpretation als seine eigene in meinem Deutschkurs ausgegeben.
    Wir sind zum schluss gekommen dass
    Der Interpretationansatzt des Todes im Grunde falsch ist. Das Sonett gehört zu einer reihe von Sonetten von Goethe. Diese Sonette werden auch Libessonette genannt. Sprich als einzelnes Sonett könte man den Tod reininterpretieren doch im ganzen, also die Gesamtheit betrachtend, stellt dieses Sonett eher die Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau dar (Strom=Mann; Oreas(Berg)=Frau)

    Ach ja und
    Die angaben zur epoche am besten nach den Interpretationsteil anlegen da man sich so besser auf den Text und seine eigenen Thesen beziehen kann.

    :-)

  • Gast am 24.4.2008

    naja.

    Ich finde die Analyse nicht sehr gelungen! Schon allein ein Gedicht mit Zeilenverweise (und nicht mit Versen)zu interpretieren zeigt, dass der Verfasser dem hohen Wert des Gedichtsanalyse nicht angemessen ist !!!

  • Gast am 5.5.2008

    ich finds gut.

    also ganz so schlecht wie meine vorgänger find ich deine interpretation nicht. und so wie du die sache mit dem tod erklärt hast, klingt es für mich auch logisch, außerdem interpretiert ja jeder ein gedicht anders und es gibt kein wirkliches richtig oder falsch.
    also ich konnte gute starthilfen aus deiner analyse entnehmen...=)

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